Gerhard von Rad über die Weisheit in Israel (1970): „Wirklich weise ist nur der, der sich nicht weise dünkt. Sich selber weise zu dünken, ist ein sicheres Zeichen der Torheit. Nie kann die Weisheit selbst zum Gegenstand des Vertrauens, zur letzten Stütze des Lebens werden. Am großartigsten hat das Jeremia ausgesprochen: »Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit und ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke und ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Vielmehr dessen rühme sich, wer sich rühmen will, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin.« (Jeremia 9,22 f.)“

Bekanntlich gilt die letzte Monographie Gerhard von Rads der Weisheit in Israel (Neukirchener Verlag). Dazu gibt es auch einen Rundfunkvortrag … Mehr

Gerhard von Rad, Das Opfer des Abraham (1. Mose/Genesis 22,1-19): „Der Abgrund hat sich geschlos­sen, die Not wurde durchgestanden. Abraham hat die Bindung an Gott nicht abgeworfen, und dafür empfängt er aus dem Munde Gottes selbst das Ehrenprädikat eines Gottesfürchtigen, d. h. eines Gehorsamen. Aber noch mehr: Auf der Überwindung dieser Not liegt auch ein Segen. Von jetzt ab kann sich jeder Nach­komme Abrahams sagen: Er hat’s durchgestanden, und du stehst im Genuß des Segens, der über ihm ausgerufen wurde.“

Gerhard von Rads letzte Veröffentlichung zu Lebzeiten ist seine meisterliche Auslegung von Genesis 22,1-19, die 1971 im Christian Kaiser Verlag … Mehr

Gerhard von Rad, Predigt über 4. Mose/Numeri 22-24 (Ausschnitte aus der Bileam-Erzählung): „Auf welcher Seite stehen denn nun die besseren Realisten? Sind es die, die dieses »Wir heute« so an­spruchs­voll im Munde führen, sind sie die besseren Realisten? Oder ist ihnen unser Erzähler im Vorsprung, wenn er den Segen Gottes für eine Wirklichkeit, für eine Macht hält, von der wir Tag und Nacht unbewußt leben, so dass wir verloren gingen, wenn wir uns nicht in ihr bergen könnten. Hier entscheidet es sich doch erst, was die eigentliche Wirklichkeit unseres Lebens ist.“

Eine nachdenkliche Predigt zur Bileam-Erzählung (vgl. dazu auch Rads Rundfunkvortrag „Die Geschichte von Bileam“): Predigt über 4. Mose 22-24 (Ausschnitte … Mehr

Gerhard von Rad, Predigt über Jakobs Kampf am Jabbok (1.Mose 32,22-31): „Mitten in der entsetzlichen Anfechtung kann man nicht Theologie treiben, da kann man nur gerettet werden oder verloren gehen, aber danach muss man Theologie treiben, und wehe, wenn man es anders tut als in der unmittelbaren Nähe, sozusagen noch im Bannkreis der schwindenden Schatten solcher Nächte und ihrer Schrecken. Ja, ihr Freunde von der theo­logischen Fakultät, was ist das für eine überhangende Wand, was sind das für Abgründe, an denen wir uns mit unserem bißchen Theologie angesiedelt haben! Aber wenn es schon unsere Aufgabe ist, den Ort zu erkennen, an dem der Mensch Gott begegnet ist, und das Gedächtnis dieser Begegnung zu klären und zu erhalten, wo und wann kann denn das anders geschehen als in diesem ersten morgendlichen Zwielicht?“

Eine meisterliche Predigt von Gerhard von Rad zu Jakobs Kampf am Jabbok, bei der er die Theologie in das Morgenlicht … Mehr