Fridolin Stier, Das Denkgemächt oder der Gott der Philosophen: „Als der Mensch Gott begegnet war, verschlug es ihm vor Schreck und Freude die Sprache, die nur mehr zu stammeln vermochte: Du … du … du. Aber da war etwas Starkes im Geiste des Menschen, das sich alsbald ermannte, aufstand und Gott bei der Hand nahm, um ihn auf der Steige der Steigerung, via eminentiae genannt, hoch, immer höher bis auf den Gipfel des höchsten, alle anderen Berge überragenden Berges zu führen. Unterwegs verlor Gott seine Hände und Füße, ein Glied um das andere, dann seinen Mund, seine Augen, seine Ohren, sein Herz – ein Organ um das andere, und mit dem Leib verlor Gott auch die Seele. Das gewisse Starke im Geist des Menschen vergeistigte/vergeistete alles Leib- und Seelhafte Gottes zu geistig Gemeintem.“

Fridolin Stier (1902-1981), katholischer Priester und westallgäuer Theologe, der in besonderer Weise der biblischen Denkungsart verpflichtet gewesen ist, hat in … Mehr

„Ich halte mich hörend hin“ – Intratextuelle „Einlegung“ in die Heilige Schrift nach Fridolin Stiers „Wort Gottes oder Heilige Schrift“: „Wenn ich das Buch öffne, betrete ich geheiligte Stätten. Sinai und Sion, der Berg, darauf der Herr geredet, der Hügel, auf dem er gelitten, die Felsenkammer, daraus er sich lebend erhoben, sie nähern sich mir. Ich erfahre wun­dersame Gegenwart des zeit- und räumlich Fernen … Wenn ich das Buch öffne, wandelt sich mir, durch all mein entfer­nendes Wissen hin, das Dort in ein wahres Da, das Damals in ein wirkliches Jetzt.“

Der westallgäuer Alttestamentler und Bibelübersetzer Fridolin Stier (1902-1981) ist mir seit meinem Lehrvikariat in Lindau mehr als nur ein Begriff. … Mehr