Der Name Gottes nach einigen talmudischen Texten (Le Nom de Dieu d’après quelques textes talmudiques, 1969) Von Emmanuel Lévinas 1. … Mehr
Schlagwort: Emmanuel Lévinas
Emmanuel Lévinas, Ohne Namen (Sans Nom, 1966): „Wir sagen nicht, dass die jüdische Bedingung ein Schutz gegen dieses Risiko sei. Ein Volk wie jedes andere, das ebenfalls wünscht, die Stimmen seines Gewissens in einer unvergänglichen Zivilisation wiederzufinden; ein älteres Volk, skeptischer, forschender als andere, das sich fragt – früher als andere –, ob diese Stimmen nicht schon das Echo einer Geschichte sind, die über sie hinausweist. Ein Volk, das wie alle anderen nach Glück strebt, verliebt in die Süße des Lebens. Doch durch eine seltsame Erwählung ist es ein Volk, das so geformt und so inmitten der Nationen gestellt ist – ist das Metaphysik oder Soziologie? – dass es sich von einem Tag auf den anderen, ohne Vorwarnung, in der Trostlosigkeit seines Exils, seiner Wüste, seines Ghettos oder seines Lagers wiederfindet, all die Herrlichkeit des Lebens fortgefegt wie Lumpen, der Tempel in Flammen, die Propheten ohne Vision, reduziert auf eine innere Moral, die von der Welt geleugnet wird. Ein Volk, das – selbst in Friedenszeiten – dem antisemitischen Wort ausgesetzt ist, weil es in diesem Wort etwas hört, das für gewöhnliche Ohren unhörbar ist. Und schon weht ein eisiger Wind durch die noch anständigen oder luxuriösen Räume, reißt Wandteppiche und Bilder fort, löscht Lichter aus, reißt Risse in die Wände, zerfetzt Kleider und bringt das Geheul und Gebrüll unerbittlicher Massen. Das antisemitische Wort – ist es ein Schimpfwort wie jedes andere?“
Ohne Namen (Sans Nom) Von Emmanuel Lévinas Seit dem Ende des Krieges ist das Blut nicht aufgehört zu fließen. Rassismus, … Mehr
Emmanuel Lévinas im Gespräch mit Bertrand Révillon, Vom Nutzen der Schlaflosigkeit (1987): „Wenn ich vom Anderen spreche, verwende ich den Ausdruck »Gesicht«. Das »Gesicht« ist das, was hinter der Fassade und hinter der Haltung, die jeder zu bewahren sucht, liegt: Es ist die Sterblichkeit des Nächsten. Um das »Gesicht« des Anderen zu sehen und zu erkennen, muss man schon hinter seine Maske schauen. In der Nacktheit des »Gesichts« zeigt sich die Ohnmacht eines einzigartigen Seienden, das dem Tod ausgesetzt ist; gleichzeitig aber kommt in ihm ein Imperativ zum Ausdruck, der mich dazu verpflichtet, es nicht allein zu lassen. Diese Verpflichtung ist Gottes erstes Wort. Für mich beginnt die Theologie im Gesicht meines Mitmenschen. Die Göttlichkeit Gottes ereignet sich im Bereich des Menschlichen.“
Vom Nutzen der Schlaflosigkeit. Emmanuel Lévinas im Gespräch mit Bertrand Révillon Emmanuel Levinas, stellen wir uns vor, ein junger Mensch, … Mehr