Siegfried Einstein, Aus einem Jom Kippur in der Synagoge zu Laup­heim: „Lothar Goldstein stand in einer frem­den Synagoge und hörte, wie der Kantor mit der vollen Baritonstimme seine und des ganzen Volkes Israel Sünden bekannte, und er lächelte, da er an sei­nen Vater dachte, der auch in späteren Jahren Tränen in den Augen hatte, wenn das Kol Nidre gesungen ward. Ganz in sich zusammengekrochen konn­te er dasitzen, der Jude Maximilian Goldstein, der Warenhausbesitzer und Kriegsteilnehmer, ganz traurig und ver­lassen wie ein einzelner Baum inmitten eines Trümmerfeldes schien der Vater an Dinge zu denken, die der Knabe Lothar auch beim besten Willen nicht verstanden hätte und über deren Aus­maß und Bedeutung Maximilian Gold­stein selbst sich nicht im klaren war.“

Aus einem Jom Kippur in der Synagoge zu Laupheim Von Siegfried Einstein Am 10. Oktober begingen die Juden in der…

Hans Joachim Iwand über die Gottesfurcht: „Mit der falschen Furcht Gottes, eben der, die aus der Angst geboren ist, hängt auch die Flucht in die Werke zusammen, die die Haltlosigkeit dieser Position zwar verdeckt, aber nicht aufhebt. Kein menschliches, sondern allein »Gottes eigent­liches Werk«, also Jesus Christus als der für uns gestorbene und auferstandene Herr ist dieser Furcht gewachsen. Gottesfurcht recht verstanden weiß also darum, dass nichts, was der Mensch an seinen eigensten Möglichkeiten hat, weder als Gesinnung noch als Tat, im Zornge­richt Gottes Bestand hat.“

Gottesfurcht IV. Dogmatisch Von Hans Joachim Iwand Während die östliche Theologie die Gottesfurcht paränetisch behandelt, begegnen in der abendländischen Entwicklung…

Eberhard Buschs letzte Begegnung mit Karl Barth: „So sang er auch jetzt, obwohl das Fenster seines Zim­mers zur nachtdunklen Straße hin offenstand. Ich warf einen fragenden Blick dorthin. Ob es wohl Beschwerden wegen nächtlicher Ruhestörung geben könnte? Doch er liebte es zu betonen: »Lasset den Lobgesang hören!« Sei es denn jetzt auch zu vorgerückter Stunde!“

Stets sein gewärtig Meine letzte Begegnung mit Karl Barth kurz vor seinem Tod ist mir um so unvergeßlicher, als sie…

Karl Barth, Reich Gottes und Kirche (1940): „Was das Neue Testament als Sünde beschreibt, ist vielmehr der Glaube des Menschen an sich selbst – im Gegensatz zum Glauben an Jesus Christus – jene Selbstgerechtigkeit, in der der Mensch unter Umständen immer noch ein ganz brauchbarer Idealist sein kann. Denn das Reich Gottes ist nach dem Neuen Testament sehr schlicht eben Jesus Christus selber als die uns unverdient zugewendete Wohltat Gottes. Er kommt. Er macht alles neu. Er ist unsere Hoffnung. Und dass wir ihm dankbar entgegengehen, das ist unsere Zubereitung für ihn und also auf das kommende Reich Gottes.“

Reich Gottes und Kirche (1940) Von Karl Barth Herr J. Tscherner hat mir im Kirchenblatt (Nr. 13 vom 29. März…

Deutschgläubiges „Erntedank“-Gedicht im Nationalsozialismus (1935): „Wir lernten nicht, das Knie zu beugen, / die Hand zu heben im Gebet, / Gott lebt in uns sich selbst zum Zeugen, / sein Atem ist’s, der uns durchweht. / Nach seinem Willen sind wir Samen, / Frucht auf dem Acker dieser Welt, / auch unser Tod trägt seinen Namen …“

Deutschgläubiges „Erntedank“-Gedicht Am Sonntag, den 29. September 1935, wurde vormittags 10 Uhr auf das Erntedankfest hin eine Morgenfeier aus Leipzig…

Karl Barth, Brief an Hans von Soden in Sachen Treueid auf Adolf Hitler (1934): „Ein Eid auf Hitler nach nationalsozialistischer und also maßgeblicher Interpretation bedeutet, dass sich der Schwörende mit Haut und Haar, mit Leib und Seele diesem einen Manne verschreibt, über dem es keine Verfassung, kein Recht und Gesetz giebt, dem ich zum vornherein und unbedingt zutraue, dass er ganz Deutschlands und so auch mein Bestes unter allen Umständen weiß, will und vollbringt, von dem auch nur anzunehmen, dass er mich in einen Konflikt führen könnte, in dem er Unrecht und ich Recht hätte, schon Verrat wäre, dem ich mich also, wenn ich ihm Treue und Gehorsam schwöre, entweder den Einsatz meiner ganzen Person bis auf meine verborgensten Nachtgedanken oder eben gar nichts zuschwöre.“

Brief an Hans von Soden, Marburg, vom 5. Dezember 1934 in Sachen Treueid auf Adolf Hitler Von Karl Barth Prof.…

Karl Barth im Gespräch mit Heinrich Vogel über die ewige Vollendung in Gottes Reich: „»Ist es nicht eine viel schönere und kräftigere Hoffnung, dass dort das offenbar wird, was wir jetzt so gar nicht verstehen – nämlich dass dieses Leben nicht vergeblich war, weil Gott nicht umsonst zu ihm gesprochen hat: Gerade dich habe ich geliebt!?« Und er fügte hinzu: »Sicher, das wird dann schon etwas ändern. In diesem Licht wird sie dann gewiss ganz oben sitzen am Tisch, während wir« – er deutete auf sich und den Freund –, »während wir dann, wenn wir überhaupt zugelassen werden, ganz unten zu sitzen haben werden.«“

Ganz oben am Tisch Ich muß vorausschicken, daß es von der folgenden Geschichte zwei Fassungen gibt. Ich erzähle sie so,…

Hermann Diems Predigt über Matthäus 5,33-37 wider den Führereid für Pfarrer (1937): „Wir würden unsere christliche Zeugenpflicht versäumen, wenn wir der Obrigkeit das Zeugnis schuldig bleiben würden, dass auch ihre Macht von dem Willen unseres Gottes lebt und an ihm ihr Ende findet. Wenn die Obrig­keit uns so nicht schwören lässt, wie es für uns als Christen allein möglich und selbstverständlich ist, dann, liebe Freunde, können wir eben in Gottes Namen nicht schwören.“

Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein! Predigt über Matthäus 5,33-37[1] Liebe Gemeinde! Ihr wißt, warum ich heute diesen Text…