Alasdair MacIntyre, Die Natur der Tugenden (The Nature of the Virtues, 1981): „Keine Praxis kann lange Zeit ohne institutionelle Unterstützung bestehen. Tatsächlich ist die Beziehung zwischen Praktiken und Institutionen so eng – und damit auch zwischen den externen Gütern und den internen Gütern der betreffenden Praxis –, dass Institutionen und Praktiken charakteristischerweise eine gemeinsame Kausalordnung bilden. In dieser Ordnung sind die Ideale und die Kreativität der Praxis stets gefährdet durch die Besitzgier der Institution; die kooperative Fürsorge um gemeinsame Güter in der Praxis ist immer verwundbar gegenüber der Konkurrenzlogik der Institution. In diesem Zusammenhang wird die zentrale Funktion der Tugenden klar: Ohne sie – ohne Gerechtigkeit, Mut und Wahrhaftigkeit – könnten Praktiken der korrumpierenden Macht der Institutionen nicht standhalten.“

Die Natur der Tugenden: Von Homer bis Benjamin Franklin Von Alasdair MacIntyre Eine mögliche Reaktion auf die Geschichte des griechischen…

Ulrich Peter über Günther Dehn (1882-1970): „Dagegen sind Dehns Studien aus den zwanziger Jahren über die religiöse Lage der großstädtischen Arbeiterjugend weitgehend verges­sen. Der Pionier empirischer Religionssoziologie hatte hierzu mehrere beeindruckende Studien publiziert, die auf der Befra­gung mehrerer tausend Berliner Lehrlinge basierten.“

Günther Dehn Geb. 18. 4. 1882 in Schwerin; gest. 17. 3. 1970 in Bonn Von Ulrich Peter Günther Dehn wurde…

Eberhard Jüngel, Der königliche Mensch. Eine christologische Reflexion auf die Würde des Menschen in der Theologie Karl Barths (1966): „Dass sich im Leben und und Sterben des Menschen Jesus Gottes nicht nur widerspruchsloser, sondern den Widerspruch der Sünde und des Todes besiegender Lebensakt vollzog, konstituiert die Würde des königlichen Menschen. Dass dieser eine Lebensakt Gottes als Akt seiner freien Liebe im Sein des königlichen Menschen anschaulich wurde, macht diesen Men­schen zur Hoffnung der Welt.“

Der königliche Mensch. Eine christologische Reflexion auf die Würde des Menschen in der Theologie Karl Barths Von Eberhard Jüngel Eine…

Hans Graf von Lehndorff, Vom Sinn der Barmherzigkeit in der modernen Welt (1969): „Wie muss ein Mensch beschaffen sein, damit er Aufgaben an seinen leidenden Mitmenschen in sinnvoller Weise wahrnehmen kann? Wenn man mich fragen würde, welche menschliche Eigenschaft ich in diesem Zusammenhang für die wichtigste halte, würde ich ohne Zögern sagen: die Dankbarkeit. Dankbarkeit äußert sich darin, dass diese Wohltat weiterwirkt, sei es auf den Wohltäter zurück oder, was das Größere ist, in die Weite hinaus auf Menschen, die ihrerseits besondere Hilfe nötig haben.“

Vom Sinn der Barmherzigkeit in der modernen Welt (1969) Von Hans Graf von Lehndorff Barmherzigkeit — wenn ich dieses Wort…

Walter Höchstädter und seine illegale Flugschrift „Darum seid nüchtern!“ wider die nationalsozialistische Judenvernichtung (1944): „Das Blut von Millionen hingeschlachteter Juden, von Männern, Frauen und Kindern, schreit heute gen Himmel. Da darf die Kirche nicht schweigen. Sie darf da nicht sagen, die Regelung der Judenfrage sei eine Angelegenheit des Staates, wozu er aufgrund von Römer 13 ein Recht habe. Es gibt also keine indifferente Haltung für den Christen in dieser Frage. Es gibt keinen gemäßigten – christlichen – Antisemitismus. Auch dann nicht, wenn er einleuchtend mit vernünftigen (etwa nationalen) Gründen dargelegt wird, oder gar mit wissenschaftlichen (sage: scheinwissenschaftlichen) Gründen.“

Darum seid nüchtern!EIN GRUSS AN DIE BRÜDER Der bayerische Pfarrer Walter Höchstädter (1907-1994) verfasste im Sommer 1944 als Lazarettgeistlicher in…

Hartmut Ludwig über Hans Joachim Iwand (1899-1960): „Wie kein anderer reflektierte Iwand alles theologische Denken im geschichtlichen Kontext. An Martin Niemöller schrieb er: »Ich will Ihnen gern gestehen, daß ich seit 1945 mich viel mit jenen Vorgängen des vorigen Jahrhunderts beschäftigte, die dem Sturz Napoleons in Europa folgten, und befürchte, dass wir in Gefahr sind, wieder in jene alten Gleise einzubiegen, die sich bereits damals als tote Gleise erwiesen haben.«“

Hans Joachim Iwand Geb. 11. 7. 1899 in Schreibendorf; gest. 2. 5. 1960 in Bonn Von Hartmut Ludwig Nach den…

Beten

Martin Luther, Die Bedingungen des wahren Gebets (Orationis verae conditiones, 1520): „Das Gebet geschehe im Ernst, nicht in schwankendem Geist und nicht so, dass man die Sache, um die man bittet, nicht dringend ersehnt, wie bei einem Abenteuer, kommt’s, so kommt’s, wie wenn man nach einer Birne wirft. Dies wäre sogar eine Verhöhnung Gottes, als wollte er nicht ge­währen, was er zugesagt hat. Solche Abenteurer erreichen es nicht nur nicht, sondern reizen vielmehr Gott zu ihrem größten Übel.“

Die Bedingungen des wahren Gebets (Orationis verae conditiones, 1520) Von Martin Luther Jedes Gebet [oratio] wird aus fünf [Merkmalen] bestehen,…