Hans Joachim Iwand in seiner Predigtmeditation zu Lukas 6,36 (1950): „Könnten wir von hier aus denken, also von da aus, dass Gott barmherzig ist, dass alles, unser Sein und unser Erlöst-Sein, dies bezeugt und unter Beweis stellt, dann wür­den wir gewiß die tiefe, sich immer wieder gegen den Richter kehrende Problematik des Richtens begreifen, wir würden von uns aus mithelfen, dass die Umkehrung her­beigeführt wird, dass Gnade vor Recht kommt, Evange­lium vor dem Gesetz, Erbarmen vor dem Verurteilen, und würden so die Sache des Höchsten als unsere eigenste An­gelegenheit fördern und vertreten.“

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lukas 6,36) Gott ist barmherzig. Wir – obschon wir Staub und Asche…

Zur ethischen Problematik eigener Identifikationen (Sympathismus): „Statt unkritischer Identifikation ist passionierte Solidarität angebracht. Solidarität – im ursprünglichen Sinne als gemeinschaftliche Verantwortung bzw. Haftung verstanden – ignoriert kein Fehlverhalten, sondern spricht dieses um der göttlichen Gerechtigkeit willen an. Während Identifikation auf Selbstbestätigung in einem Gruppenideal aus ist, stellt sich Solidarität problematischem Gruppengeschehen bzw. -vergehen, die das eigene Gewissen versehren.“

Zur ethischen Problematik eigener Identifikationen (Sympathismus) Identifikation lässt sich unterschiedlich thematisieren. Kognitiv verstanden geht um das Wiedererkennen bzw. das begriffliche…

Christoph Grubitz über den Aphoristiker Elazar Benyoëtz: „Was Kohelet Aktualität verleiht, ist auch in Benyoëtz’ Aphoristik zu finden: Die Desavouierung von billigen Trostreden und die Aufwertung des Vergänglichen. Ernst Blochs Wort, dass das Buch Kohelet den »oppressiv gebrauchten Jenseitsschreck wegnimmt«, gilt auch für Benyoëtz. Religion und Utopie erweisen sich so als ästhetischer Vorschein einer besseren Welt: »Das Geglaubte bleibt nicht aus, es ist das Ausbleibende.«“

Elazar Benyoëtz (geb. 24.3.1937 in der Wiener Neustadt) Von Christoph Grubitz Unter den deutschsprachigen jüdischen Apho­ristikern des 20. und 21.…

Solidaritätsherausforderung durch Christen aus dem Heiligen Land: „Am Montag, dem 7. Juli 2025, legten Siedler vorsätzlich ein Feuer in der Nähe des Friedhofs der Stadt und der historischen Kirche des Heiligen Georg (Al-Khadr), die aus dem 5. Jahrhundert stammt – einem der ältesten religiösen Wahrzeichen Palästinas. Wäre es nicht der Wachsamkeit der lokalen Bewohner und dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr zu verdanken gewesen, hätte der Schaden weitaus katastrophaler ausfallen können. In einer Szene, die inzwischen provokant alltäglich geworden ist, lassen Siedler weiterhin ihr Vieh auf den landwirtschaftlichen Flächen Taybehs grasen – darunter auch auf familienbetriebenen Feldern und in der Nähe von Wohnhäusern – ohne dass es zu einer Abschreckung oder einem Einschreiten seitens der Behörden kommt. Diese Verstöße gehen über bloße Provokationen hinaus; sie verursachen unmittelbare Schäden an Olivenbäumen – einer lebenswichtigen Einkommensquelle für die Menschen in Taybeh – und hindern die Bauern daran, ihr Land zu erreichen und zu bewirtschaften.“

X-Kommentar von Nikodemus Claudius Schnabel OSB, Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem: „Der Hilferuf der drei Pfarrer von Taybeh, dem Griechisch-Orthodoxen,…

Huub Oosterhuis, Requiem Aeternam. Grabrede für Toon Asselbergs: „Toon Asselbergs wollte nicht in unvorstellbare Überirdischkeit aufgehoben werden. Das war nicht seine Sorge. Er sorgte sich um Menschen, die hier und jetzt keinen Anteil am Leben haben. Und er wusste, wie sehr Menschen innerem Chaos, Einsamkeit und Verzweiflung ausgeliefert sein können – er sah diese Menschen, verstand sie, und er lief nicht vor ihnen davon. Licht und Ruhe und Frieden – sie sollten hier sein, vor allem für sie. Er wusste auch zu gut, was Worte sind, um achtlos mit ihnen umzugehen. Je näher der Abschied kam, desto weniger Worte gab es. Der Name Jesus war da, das Wort „Gott“ kaum; das Wort ‚Jenseits‘ kam ihm nicht über die Lippen. ‚Vielleicht‘, sagte er.“

REQUIEM AETERNAM(Deutsche Übersetzung) Toon Asselbergs16. März 1934 – 6. Mai 1987 1Wir waren Jugendfreunde – am 1. September 1940 begegneten…

Martin Luther zu den zwei Naturen Christi (Auslegung zu Psalm 5,2f, Operationes in psalmos, 1519): „Christus muss man zuerst als Menschen und dann erst als Gott ergreifen, und ebenso soll man zuerst nach dem Kreuz seiner menschlichen und dann erst nach der Herrlichkeit seiner göttlichen Natur trachten. Wo man Christus nach seiner menschlichen Gestalt hat, da wird er ganz von selbst auch seine göttliche Gestalt mit sich bringen.“

Über die beiden Naturen Christi (Auslegung zu Psalm 5,2f, Operationes in psalmos, 1519) Von Martin Luther Christus ist es, der…

Der Leipheimer Pfarrer Conrad Daniel Kleinknecht (1691-1753) über den aus Giengen stammenden Steinheimer Pfarrer Bonifacius Stöltzlin (1603-1677) und dessen ‚Geistlicher Adlerstein oder Gebetbuch für Schwangere und Gebärende‘ (Ulm 1652): „Daraus ist also deutlich ersichtlich, warum unser seliger Herr Magister Bonifacius Stöltzlin dieses Buch für schwangere und gebärende Frauen mit dem Titel ‚Geistlicher Adlerstein‘ versehen hat. Mit dem beigefügten Wörtchen geistlich will er sagen: Selbst wenn dieser kostbare und nützliche Stein – der sogenannte Adlerstein – seiner natürlichen Eigenschaft nach eine solche Wirkung auf Schwangere und Gebärende haben mag oder auch nicht: Dieses mein Buch trägt doch mit Recht den Titel ‚Geistlicher Adlerstein‘, weil schwangere und gebärende Frauen darin eine schriftgemäße Anleitung, viele andächtige Gebete und Seufzer finden, wie sie sich während der Schwangerschaft, bei und nach der Geburt christlich verhalten sollen – und wie der allmächtige und barmherzige Gott um Christi willen, der der rechte, auserwählte, kostbare und bewährte Eckstein in Zion ist, ihnen und ihren Kindern mächtig und wunderbar helfen will.“

Neue Vorrede zu Bonifacius Stöltzlin, Geistlicher Adlerstein Von Conrad Daniel Kleinknecht (1691-1753) I. Über das Leben, Wirken und die Schriften…

Was wir glauben und was wir nicht glauben (Wat wij wel en wat wij niet geloven). Holländisches Bekenntnis gegen die nationalsozialistische Rassenideologie und den Antisemitismus (1941): „Wir glauben und bekennen, dass Gott von alters her das Volk Israel erwählt hat, um Seine Offenbarung zu empfangen bis zur Erscheinung Jesu, des aus diesem Volk geborenen Messias. Diese Berufung hat Israel durch eine Tat von Gottes unergründlicher, freier Gnade empfangen, denn an sich war Israel nicht besser, würdiger oder geeigneter als die anderen Völker. Aber diesem Volk hat der Herr Sein Wort anvertraut, damit alle, die zu Gott kommen, ‚in Israel eingepfropft‘ werden. Daher halten wir den Antisemitismus für etwas weit Schlimmeres als eine unmenschliche Rassenideologie. Wir halten ihn für eine der hartnäckigsten und tödlichsten Formen des Widerstands gegen den heiligen und barmherzigen Gott, dessen Namen wir bekennen.“

Was wir glauben und was wir nicht glauben (Wat wij wel en wat wij niet geloven, 1941)1 Der Text, den…

Fridolin Stier, Der Fall Ijjob (1954): „Ijjob selber aber ringt nicht als Theologe mit dem Problem, sondern als Mensch mit Gott. Ijjob „stellt“ Gott. Ihm geht es nicht um Antwort auf eine Frage, sondern darum, daß Gott ihm auf seine Frage Red und Antwort stehe. Ijjob fordert Gott zur gerichtlichen Verantwortung. Wir be­rauben das Buch des Ungeheuerlichen, das es bezeugen will, näm­lich den Antritt eines Menschen zum Prozeß gegen Gott, wenn wir in seiner prozessualen Anlage nicht mehr sehen als literarische Form.“

Der Fall Ijjob Von Fridolin Stier Ijjob aus Us, hochangesehen und an Gütern reich gesegnet, ver­liert plötzlich, in einer raschen…