Johannes Hamel, Predigt über 1. Timotheus 2,1-6 (1955): „Macht Gottes Retterwillen nicht wieder klein und schäbig! Er hat die Leute im Zuchthaus in Naumburg ebenso lieb wie die, die sie verurteilt haben und bewachen! Er hat uns in der Kirche ebenso lieb wie alle übrigen Naumburger! Er hat die Russen lieb zusammen mit uns Deutschen, den Amerikanern, den Chinesen und alle übrigen Völker der Erde. Er hat die böse Schwiegermutter, wenn sie böse ist, ebenso in alle Ewigkeit lieb wie ihre Schwiegerkinder! Der Funktionär der Partei, den Kaufmann, den Arbeiter, den Volkspolizisten, den Kapitalisten – sie alle haben eine Würde, sie alle sind adlig: Gott ist für sie alle da als ihr guter und gnädiger Gott durch Jesus Christus, unsern Heiland.“

Predigt über 1. Timotheus 2,1-6 (1955) Von Johannes Hamel Liebe Brüder und Schwestern! Was würdet Ihr tun, wenn in diesem … Mehr

Hermann Diems Predigt über Matthäus 5,33-37 wider den Führereid für Pfarrer (1937): „Wir würden unsere christliche Zeugenpflicht versäumen, wenn wir der Obrigkeit das Zeugnis schuldig bleiben würden, dass auch ihre Macht von dem Willen unseres Gottes lebt und an ihm ihr Ende findet. Wenn die Obrig­keit uns so nicht schwören lässt, wie es für uns als Christen allein möglich und selbstverständlich ist, dann, liebe Freunde, können wir eben in Gottes Namen nicht schwören.“

Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein! Predigt über Matthäus 5,33-37[1] Liebe Gemeinde! Ihr wißt, warum ich heute diesen Text … Mehr

Karl Barths ‚Retraktionen‘ von 1932 zu seiner Predigt ‚Der Pfarrer, der es den Leuten recht macht‘ von 1916: „Die Predigt enthält aber, und dar­auf muss ich die Leser warnend aufmerksam machen, eine Reihe von Fehlern und Irrtümern, die ich damals leider nicht als solche erkannt habe, die aber heute als solche preiszugeben sind. Ich erwähne nur das Gröbste: Diese Predigt ist nicht, wie es unbedingt sein sollte, eine Auslegung, sondern trotz der Anlehnung an einen bibli­schen Text und gerade diesem Text aufs Höchste zuwider eine eigenmächtige Aussprache dessen, wessen passen­der oder unpassenderweise mein eigenes Herz damals voll war. Sie ist keine evangelische, sondern eine menschlich-gesetzliche Predigt. Dass ich als ‚Quellen‘ mei­nes Wissens um das, was ich sagte, ‚mein Gewissen‘ und (!) die Bibel angegeben habe, war ehrlich genug und er­klärt Manches. Es ist aber sehr bedauerlich, dass ich da­mals ehrlicherweise diese Angaben machen mußte. Die am Schluss vorgetragene Lehre von der ‚Entscheidung‘ und von den beiden ‚Möglichkeiten‘ endlich ist, so wie sie dasteht, offene Irrlehre. Es besteht Anlass, diesem oder jenem jüngeren Pfarrer, der sich aus verständ­lichem Grund an dieser Predigt freuen sollte, zugleich sehr ernstlich zuzurufen: ‚Sei ein Mann und folge mir nicht nach!'“

„Retraktionen“ zur Predigt Der Pfarrer, der es den Leuten recht macht (1932) Von Karl Barth Für eine Wiederveröffentlichung seiner Predigt … Mehr

Hans Joachim Iwand, Morgenandacht über Lukas 14,25-35 (1935): „Jesus Christus steht nicht darum als Herr vor uns, weil wir uns zu ihm bekennen, er lebt und wirkt nicht, weil Menschen ihn als ihren Heiland und Erlöser anerkennen, sondern weil sich Gott selbst zu ihm bekannt hat, als ihn alle ver­rieten, weil eine Stimme von oben ihn als den Herrn der Welt be­zeugt hat, als die Menschen meinten, nun sei es aus mit ihm. Alles, was wir Bekenntnis und Nachfolge nennen, ist nichts anderes als ein demütig-gehorsames Nachsprechen dessen, was Gott über diesen Jesus von Nazareth gesprochen und bezeugt hat: ‚Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.'“

Morgenandacht über Lukas 14,25-35 (1935) Von Hans Joachim Iwand Wir hören das Wort Gottes, das für den heutigen Tag festgelegt … Mehr

Eduard Thurneysen, Pfarrer Samuel Dieterle zum Gedenken (1950): „Es ist ja nicht ganz selbstverständlich, dass zwei Pfarrer an der gleichen Gemeinde es immer leicht haben, miteinander Schritt zu halten und der Gemeinde in wirklicher Eintracht zu dienen. Ich erinnere mich noch eines Gespräches, das ich mit einem Altersgenossen und Studienfreund von Samuel Dieterle hatte, bald nachdem ich nach Brüg­gen gewählt worden war. Er meinte, mir voraussagen zu müssen, dass ich neben einem Prediger von Format wie Dieterle durchaus im Schatten werde zu leben haben. Aber davon war nun wirklich keine Rede. Ich durfte mich selber sein und bleiben, ohne von Dieterles «Format» mich erdrückt zu fühlen.“

Pfarrer Samuel Dieterle zum Gedenken (1950) Von Eduard Thurneysen Ob ich der rechte Mann bin, um dem so plötzlich unter … Mehr

Martin Niemöller, Predigt zu 2. Korinther 12,9 (Human Weakness and Divine Strength, Duke University, 1963): „Wie oft musste ich mich jeden Tag beherrschen, wenn der Gedanke aufkam: Wenn diese Leute mich von hier zu diesem Galgen schleppen, werde ich ihnen zurufen: ‚Ihr Verbrecher, ihr Mörder, wartet nur – es gibt einen Gott im Himmel, und er wird es euch zeigen!‘ Und dann die quälende Frage: Was wäre geschehen, wenn Jesus, als sie ihn an seinen Galgen, ans Kreuz, nagelten, so gesprochen und seine Feinde verflucht hätte? Nichts wäre geschehen, nur gäbe es kein Evangelium, keine christliche Kirche, denn es gäbe keine frohe Botschaft; denn dann hätte er gegen seine Feinde gebetet, nicht für sie, und wäre gegen sie gestorben, nicht für sie. Gott sei Dank! Er betete, er starb auf eine andere Weise: ‚Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!‘ stimmt oder wird es jemals tun.“

Menschliche Schwäche und göttliche Stärke. Predigt zu 2. Korinther 12,9 (Human Weakness and Divine Strength, Duke University, 1963) Von Martin … Mehr

William H. Willimon, Jesus nachfolgen: „Die moderne Welt hat viele Möglichkeiten, uns gegen uns selbst zu wenden, um schließlich den lieben kleinen Gott in uns anzubeten. Das Christentum, die von Jesus beschworene Religion, ist ein ausgesprochen heftiges Mittel, um uns nach außen zu zerren. Wir werden nicht in Ruhe gelassen, um uns mit unseren süßen Binsenweisheiten zu trösten oder mit der angeblich so schönen Mutter Natur zu kuscheln oder gar die Augen zu schließen und die Menschheit im Allgemeinen zu umarmen. Ein Gott, den wir uns nicht hätten ausdenken können, hat sich uns zugewandt, hat sich uns genähert, hat sich als jemand ganz anderes offenbart als der Gott, den wir hätten, wenn Gott nur ein Hirngespinst wäre – Gott ist ein Jude aus Nazareth, der kurz lebte, gewaltsam starb und unerwartet auferstand. Dieser Gott hat uns zu Tode erschreckt, aber auch zum Leben erweckt.“

Jesus nachfolgen Von William H. Willimon Ich erinnere mich noch gut an ein langes Gespräch mit einem Mann, der Mitglied … Mehr

Hans Joachim Iwand, Predigt über 2. Korinther 6,1-10 auf der Kirchenkonferenz in Treysa 1945: „Wir sind in solcher Sorge, ja in solcher Angst und Be­drängnis, weil wir sehen, dass die Gnade Gottes da ist – und dass sie eben doch weithin umsonst da ist. Dass sich tausend und abertausend Menschen Christen nen­nen, aber dass dies gar nichts für ihr tatsächliches Leben bedeutet. Hier bleibt alles beim alten. Es ist umsonst, dass Christus für uns gestorben ist. Es bleibt im besten Falle die sehr privat verstandene Garantie einer sehr egoistischen Seligkeit. Mit der Wirklichkeit, in der sie leben, die sie gestalten, hat die Tatsache, dass Gott gnädig ist, dass Gott die Welt liebhat, dass Gott vergibt und Gott erlöst, offenbar gar nichts mehr zu tun.“

Predigt über 2. Korinther 6,1-10 Von Hans Joachim Iwand Wir ermahnen aber euch als Mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die … Mehr

Albrecht Grözinger, Was ist eine gute Predigt: „Weil uns eine Predigt an den Reichtum des uns von Gott geschenkten Lebens heranführt, bedarf die Predigt einer besonderen Sprache – und für mich heisst das einer schönen Sprache. Der Schriftsteller Max Frisch hat einmal sehr schön gesagt: ‚Ich probiere Geschichten an wie Kleider.‘ Das geschieht auch in einer guten Predigt mit ihren Sprach-Geschichten. Manchmal sind mir die Kleider noch zu weit, aber ich kann in sie hineinwachsen. Und auch nicht jedes Gewand passt mir. Und von manchem Gewand merke ich, dass es abgetragen ist und ich es ablegen muss. Das erwarte ich von der Sprach-Welt einer guten Predigt, dass sie mir sprachliche Kleider präsentiert, in die ich hinein schlüpfen kann, in denen ich wachsen kann, in denen neue Erfahrungen möglich werden.“

Was ist eine gute Predigt? Von Albrecht Grözinger Was ist für Sie eine gute Predigt? Ich weiss nicht, welche Antwort … Mehr