Dietrich Bonhoeffer, Christus und der Friede (1932): „Es geht Christus vielmehr darum, dass wir Gott lieben, dass wir in der Nachfolge Jesu stehen, in die wir mit der Verheißung der Seligpreisungen gerufen sind, und dass wir so Zeugen des Friedens sind. Diese Nachfolge Christi kommt aus und steht ganz auf einfältigem Glauben und es ist umgekehrt auch der Glaube nur in der Nachfolge wahr. So sind also die Gläubigen angeredet, die Welt aber durch das Friedenszeugnis Christi gerichtet. Der Glaube muss aber einfältig sein, sonst wirkt er Reflexion, nicht Gehorsam; sonst weiß auch die Linke, was die Rechte tut, und ist keine Nachfolge, die von Gut und Böse nichts weiß. Nur in solcher Nachfolge bekommen wir auch die rechte Stellung zu denen, die ihr Leben im Krieg hingegeben haben.“

Christus und der Friede (1932) Von Dietrich Bonhoeffer Du sollst lieben Gott, deinen Herrn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele … Mehr

Karl Barth, „So wahr mir Gott helfe!“ Die Frage des Führereides und ihre Behandlung in der Bekennenden Kirche in Deutschland im Sommer 1938: „Der neudeutsche Führereid ist ein Totalitätseid, mit wel­chem sich der Schwörende mit Haut und Haar, mit Leib und Seele dem unerforschlichen Willen einer ihm gänzlich unübersichtlichen anderen Instanz ver­schreibt. Treue und Gehorsam gegen Adolf Hitler be­deutet eo ipso (und eo ipso ohne jede Möglichkeit ir­gend eines Vorbehaltes!) die Inanspruchnahme des ganzen Menschen für den Dienst dieser mit allen Merkmalen einer Gottheit ausgestatteten Persönlichkeit.“

„So wahr mir Gott helfe!“ Die Frage des Führereides und ihre Behandlung in der Bekennenden Kirche in Deutschland im Sommer … Mehr

John H. Yoder über Pazifismus (1996): „Die Argumentation der Kriegsbefürworter stellt die politische Realität falsch dar, indem sie das ideale Schema des gerechten Krieges verwendet, das nicht dem entspricht, was Politiker und Soldaten wirklich tun. Ein großer Teil des militärischen Denkens ist ‚realistisch‘ in dem Sinne, dass es keine moralische Verpflichtung jenseits des nationalen Interesses und keine Beschränkung auf das, was zum Sieg nötig ist, anerkennt. Vieles ist ‚kreuzzüglerisch‘ in dem Sinne, dass die Teilnehmer glauben, dass Gott besonders auf ihrer Seite ist und dass ihre Gegner nicht den gleichen Status wie Menschen haben.“

Pazifismus Von John H. Yoder „Pazifismus“ ist ein Begriff neueren Datums, der jede moralische oder politische Position bez­eichnet, der zufolge … Mehr

Johannes Hamel, Was heißt Gegenwart Christi in der säkularen Welt? (1964): „Wo immer also die Christenheit den Herrn des Alls allein im Gekreuzigten sucht und im Glauben findet, wird sie – ihr selbst zum Wunder – Schritt für Schritt erleuchtete Augen dafür bekommen, dass alles Geschehen von dem zielbewusst gelenkt wird, auf dessen Offenbarung die Schöpfung und sie mit ihr zugeht. Diese, seine Gegenwart im Evangelium begleitende Anwesenheit des Herrn entzieht sich freilich einem Sehenwollen, das das Künftige vorwegnehmen möchte: wir werden Ihn sehen, wie Er ist. Wo immer aber Christen der Versuchung erliegen, den gegenwärtigen Gott im Weltgeschehen zu finden und haben zu wollen, werden sie mit Blindheit geschlagen und blind durch die Geschichte tappen, weil sie das Skandalon des Kreuzes nicht wahrhaben wollen.“

Was heißt Gegenwart Christi in der säkularen Welt? (1964) Von Johannes Hamel I. Die Frage nach Gottes offenbarem Handeln im … Mehr

Nemesios von Emesa über den Thymos (Zornmut): „Es ist aber auch manchmal so, dass der Zornmut ein Verlangen nach Vergeltung ist; denn wenn wir Unrecht leiden oder meinen, Unrecht zu leiden, werden wir zornmütig, und dann wird die Seelenstimmung eine Mischung aus Begierde und Zornmut. Die Arten des Zornmütigen sind drei: Zorn – auch Galle und Bitterkeit genannt –, anhaltender Grimm und auf Vergeltung lauernder Groll.“

In Sachen politische Pathologie ist der Begriff des Thymos (Zornmut) unverzichtbar (vgl. Fukuyama und Sloterdijk). Nemesios von Emesas Begriffsbestimmung aus … Mehr

Eberhard Jüngel, Zukunft und Hoffnung. Zur politischen Funktion christlicher Theologie (1974): „Theologie gleicht zumindest darin den heiligen Narren, dass sie, indem sie Abstand nimmt von der Welt, eben dieser Welt näher zu kommen versucht, als dies aus abstandsloser Nähe möglich ist. Ich möchte deshalb methodisch so vorgehen, dass Zukunft und Hoffnung zunächst so in den Blick geraten, wie sie im Horizont des christlichen Glaubens sichtbar werden: nämlich als Hoffnung auf die jede Zukunft überbietende Wiederkunft Jesu Christi oder kurz: als Hoffnung auf Gottes eigenen Advent. Diese genuin theologische Zukunftserwartung soll dann als eine menschliche Einstellung erhellt werden, in der gerade das Verhältnis zur letzten Zukunft dem gegenwärtigen Menschen näher kommt, als dieser sich selber nahe zu sein vermag. Von der Einsicht in die Bedeutung der Zukunft Gottes für die menschliche Gegenwart her mögen dann einige Zumutungen des Evangeliums an die Adresse des Gesetzes im Blick auf die nähere irdische Zukunft formuliert werden.“

Zukunft und Hoffnung. Zur politischen Funktion christlicher Theologie (1974) Von Eberhard Jüngel Politik gilt nach einem bekannten Wort Bismarcks als … Mehr

John Howard Yoder, Der Krieg des Lammes (The Politics of Jesus, 1972): „Könnte es sein, dass wir, wenn wir uns von der Zwanghaftigkeit der Vision von uns selbst als den Hütern der Geschichte befreien könnten, wieder die Gabe empfangen könnten, uns als Teilhaber am liebenden Wesen Gottes, wie es sich in Christus offenbart, zu sehen? Vielleicht können uns die Lieder der frühesten Kirche dies wiedergeben, wenn es das apostolische Argument nicht vermag. Eine Kirche, die einmal von Zwanghaftigkeit und dem Drang, die Welt zu verwalten, befreit ist, könnte dann Wege und Worte finden, um auch denjenigen, die außerhalb ihrer Grenzen stehen, die Einladung zu einer dienenden Haltung in der Gesellschaft zu vermitteln.“

Der Krieg des Lammes (The Politics of Jesus, 1972) Von John Howard Yoder Jesus und Paulus standen im Mittelpunkt unserer … Mehr

Nigel Biggar, Zur Verteidigung des gerechten Krieges. Christliche Tradition, Kontroversen und Fälle (2015): „Es wird oft behauptet, dass der Gedanke des gerechten Krieges von den Ereignissen überholt wurde – dass er durch neue Phänomene wie Atomwaffen, Kriege ‚unter den Menschen‘, Krieg durch Fernsteuerung und Cyber-Aggression obsolet geworden ist. Die Darstellung von Themen und Fällen in diesem Papier reicht trotz ihrer Kürze aus, um zu zeigen, dass sich das Denken in gerechten Kriegen wie immer weiterentwickelt, indem es mit kontroversen konzep-tionellen Problemen ringt und sich seinen Weg durch neuartige Umstände bahnt. Die Tradition des Denkens über den gerechten Krieg ist sehr lebendig, und im Hinblick auf die differenzier-te moralische Bewertung des Krieges hat sie keinen Rivalen.“

Zur Verteidigung des gerechten Krieges: Christliche Tradition, Kontroversen und Fälle Von Nigel Biggar Dieser Artikel stellt vier kontroverse Fragen vor, … Mehr

Dietrich Bonhoeffer, Brief an Mahatma Gandhi (1934): „Es nützt nichts, die Zukunft vorherzusagen, die in Gottes Händen liegt, aber wenn nicht alle Zeichen trügen, scheint alles auf einen Krieg in naher Zukunft hinzuarbeiten, und der nächste Krieg wird sicherlich den geistigen Tod Europas bringen. Was wir in unseren Ländern daher brauchen, ist eine wahrhaft geistige, lebendige christliche Friedensbewegung. Das westliche Christentum muss auf der Bergpredigt neu geboren werden, und hier liegt der entscheidende Punkt, warum ich an Sie schreibe. Nach allem, was ich über Sie und Ihre Arbeit weiß, nachdem ich Ihre Bücher und Ihre Bewegung einige Jahre lang studiert habe, bin ich der Meinung, dass wir westlichen Christen von Ihnen lernen sollten, was Verwirklichung des Glaubens bedeutet, was ein Leben, das dem politischen und rassischen Frieden gewidmet ist, erreichen kann.“

Brief an Mahatma Gandhi (1934) Von Dietrich Bonhoeffer Pastor Lic. Dietrich Bonhoeffer23, Manor Mount, S.E. 23. London                                                             17. Oktober 1934 … Mehr