Vorbemerkung zum Wörterbuch des Unmenschen (1945) Von Dolf Sternberger Sprache ist die Gabe allein des Menschen, das verwirrende und befreiende, … Mehr
Kategorie: Philosophie
Martin Buber, Der Glaube des Judentums (1928): „Die Umkehr ist eine menschliche Tatsache, aber sie ist auch eine weltumgreifende Macht. Als Gott, so wird erzählt, seine Schöpfung vorbedachte und sie vor sich auf einen Stein hinritzte, wie ein Baumeister sich den Grundriss zeichnet, sah er, dass die Welt keinen Bestand haben würde. Da schuf er die Umkehr: nun hatte die Welt Bestand, denn nun war ihr, wenn sie sich von Gott weg, in die Abgründe der Selbstheit verlief, die Rettung erschlossen, der in eigner Bewegung zu vollziehende Rückschwung gnadenhaft gewährt. Die Umkehr ist die größte Gestalt des ‚Anfangens‘. Wenn Gott zum Menschen spricht: ‚Öffne mir die Pforte der Umkehr so schmal wie eine Nadelspitze, und ich will sie so weit öffnen, daß Wagen einziehen können‘, oder wenn Gott zu Israel spricht: ‚Kehret um, und ich werde euch zu einer neuen Schöpfung umschaffen‘, zeigt sich uns in großer Klarheit der Sinn des menschlichen Anfangens. In der Umkehr ersteht der Mensch neu als Gottes Kind.“
Der Glaube des Judentums Von Martin Buber 1. Der Weg des Glaubens Es ist nicht die Religion, sondern nur der … Mehr
Milan Kundera, Der entführte Westen oder die Tragödie Mitteleuropas (1983): „Und, um die Wahrheit zu sagen, sehe ich die Schuld Mitteleuropas schließlich in dem, was ich die ‚Ideologie der slawischen Welt‘ nennen möchte. Die Tschechen (trotz der ernsten Warnung ihrer repräsentativsten Persönlichkeiten) trugen sie gerne vor sich her, als sie sich naiv gegen die deutsche Aggressivität verteidigten; die Russen hingegen benutzten sie gerne, um ihre imperialen Ziele zu rechtfertigen.“
Der entführte Westen oder die Tragödie Mitteleuropas Von Milan Kundera 1. 1956, im September, schickte der Direktor der ungarischen Nachrichtenagentur, … Mehr
Bertrand Russell im Interview über Gott: „Nehmen wir an, Sir, dass Sie sich, nachdem Sie dieses traurige Tal verlassen haben, tatsächlich im Himmel befinden und vor dem Thron stehen. Dort, in all seiner Herrlichkeit, saß der Herr – Gott.“ Russell zuckte zusammen. „Was würden Sie denken?“ „Ich würde denken, ich träume.“ „Aber angenommen, Sie merken, dass Sie es nicht sind? Angenommen, vor Ihren Augen, ohne den Schatten eines Zweifels, wäre Gott. Was würden Sie sagen?“ „Ich würde wahrscheinlich fragen: ‚Sir, warum haben Sie mir keine besseren Beweise geliefert?‘“
Bertrand Russell und Gott. Eine Erinnerung Wenn er mit dem Allmächtigen konfrontiert würde, würde er fragen: „Sir, warum haben Sie … Mehr
Martin Heideggers Todtnauberg-Orakel über die Gott-Notwendigkeit (SPIEGEL-Gespräch 1966): „Nur noch ein Gott kann uns retten. Uns bleibt die einzige Möglichkeit, im Denken und im Dichten eine Bereitschaft vorzubereiten, für die Erscheinung des Gottes oder für die Abwesenheit des Gottes im Untergang; dass wir im Angesicht des abwesenden Gottes untergehen. Wir können ihn nicht herbeidenken, wir vermögen höchstens die Bereitschaft der Erwartung zu wecken.“
Nur noch ein Gott kann uns retten Von Martin Heidegger Die Philosophie wird keine unmittelbare Veränderung des jetzigen Weltzustandes bewirken … Mehr
Karl. R. Popper, Hat die Weltgeschichte einen Sinn? (Die offene Gesellschaft und ihre Feinde): „Es sollte sicher betont werden, dass wir zahlreiche Ziele und Ideale unserer abendländischen Kultur, wie die Freiheit und die Gleichheit, dem Einflusse des Christentums verdanken. Aber zur selben Zeit besteht die einzige rationale und auch die einzige christliche Einstellung selbst zur Geschichte der Freiheit in dem Eingeständnis, dass wir selbst für sie die Verantwortung tragen, und das in demselben Sinne, in dem wir für den Aufbau unseres Lebens verantwortlich sind.“
Hat die Weltgeschichte einen Sinn? (Die offene Gesellschaft und ihre Feinde) Von Karl. R. Popper Hat die Weltgeschichte einen Sinn? … Mehr
Maximilian Forschner, Das Gute: „Die neuzeitliche Rede vom Guten ist von aller objektiv-teleologischen Interpretation des Seienden abgelöst. Das Gute ist demnach nicht ein Prädikat, das eine objektive Eigenschaft des Seienden beschreibt, sondern ein Relationsbegriff, in dem die wertende Einstellung eines Subjekts zu diesem Seienden zum Ausdruck kommt. Da menschliches Begehren auch und primär in seiner Bedürfnisstruktur wurzelt, wird das (außermoralisch) Gute vielfach in jene Güter gesetzt, die der Befriedigung der Bedürfnisse dienen. Da menschliche Bedürfnisse gesellschaftlicher Vermittlung und geschichtlichem Wandel unterliegen, ist das so verstandene Gute relativ zu Person, Ort und Zeit.“
Das Gute Von Maximilian Forschner Das Gute gehört zu den zentralen Begriffen der Metaphysik und der praktischen Philosophie. Gleichwohl ist … Mehr
Albrecht Grözinger über die Fiktion: „Die ‚Fiktion‘ ist keine ‚Illusion‘, die den Einblick in die Wirklichkeit verstellt, sondern im Gegenteil eine sprachliche Möglichkeit, die einen intensivierten Einblick in die Wirklichkeit verschafft.“
Über die Fiktion Von Albrecht Grözinger „Fiktion“ ist in den Wochen um Weihnachten wieder verstärkt ein Thema in den digitalen … Mehr
Leo Löwenthal über amerikanische Agitatoren (Prophetes of Deceit, 1949): „Die Themen werden mit einer frivolen Leichtigkeit vorgetragen. Die Aussagen des Agitators sind oft zweideutig und unseriös. Es ist schwierig, ihn auf irgendetwas festzulegen, und er erweckt den Eindruck, dass er absichtlich schauspielert. Er scheint zu versuchen, sich einen Spielraum der Unsicherheit zu lassen, eine Rückzugsmöglichkeit, falls eine seiner Improvisationen fehlschlägt. Er legt sich nicht fest, denn er ist bereit, zumindest vorübergehend, mit seinen Vorstellungen zu jonglieren und seine Kräfte zu testen. Er bewegt sich in einem Zwielicht zwischen dem Anständigen und dem Verbotenen und ist zu jedem Mittel bereit, von Witzen über Doppelzüngigkeit bis hin zu wilden Extravaganzen.“
Über amerikanische Agitatoren (Prophetes of Deceit, 1949) Von Leo Löwenthal und Norbert Guterman Die Tirade des Agitators mag einfach als … Mehr