Helmuth James Graf von Moltke im Brief an die Ehefrau Freya (Januar 1945): „Der entscheidende Satz jener Verhandlung war: ‚Herr Graf, eines haben das Christentum und wir Nationalsozialisten ge­meinsam, und nur dies eine: Wir verlangen den ganzen Men­schen.‘ Ob er sich klar war, was er damit gesagt hat? Dann wird Dein Wirt ausersehen, als Protestant vor allem wegen seiner Freundschaft mit Katholiken attackiert und ver­urteilt zu werden, und dadurch steht er vor Freisler nicht als Protestant, nicht als Großrundbesitzer, nicht als Adliger, nicht als Preuße, nicht als Deutscher – das alles ist ausdrücklich in der Hauptverhandlung ausgeschlossen, sondern als Christ und als gar nichts anderes.“

Nun kann mir nichts mehr geschehen (Brief an die Ehefrau Freya) Von Helmuth James Graf von Moltke Tegel, den 10.1.1945 … Mehr

Gerhard Jacobi, Tagebuch eines Großstadtpfarrers (1929): „Bei einer Taufe, die ich hatte, entdeckte ich im Schlafzimmer, wo ich mir den Talar anzog, zweimal 30 Flaschen = 60 Flaschen Bier. Es waren 6 Herren geladen. Kindertaufe nicht sub specie aeternitatis, sondern alcoholis. Ach, es wird mir überhaupt das Taufen manchmal so schwer. Man lädt dem Kindlein das Schwerste auf, das Kreuz. Mit der Taufe begraben in den Tod. Und manchmal, da muss ich mich doch sehr bemühen, um innerlich zu hören, dass Gott in der Taufe spricht. – Selten gelingt es mir auch, in meiner Taufansprache hinaufkommen über das „Ich glaube an Gott den Schöpfer“. Es liegt natürlich an den Hörern; denn wer denkt heute in der Christengemeinde überhaupt bei der Taufe an Gott? Man denkt an Geburt, Kaffee, Kuchen, Bier, ans Familienfest, das der Pfarrer verbrämen muss. Manchmal suche ich die Familienfeststimmung zu durchbrechen durch ein herbes Bibelwort, das ich den Fräcken und seidenen Kleidern zurufe. Mag’s ihnen, den Eltern oder Paten, ruhig ein Ärgernis sein, dass man so etwas bei der Taufe sagt.“

Gerhard Jacobis Tagebuch eines Großstadtpfarrers, das auf dessen Pfarrdienst an der Hallenser Pauluskirche (1923-1927) Bezug nimmt, wird von Klaus Scholder … Mehr

Hans Graf von Lehndorff, Neuanfang des Glaubens im Insterburger Männerkreis der Bekennenden Kirche in Ostpreußen (1941/42): „Wie konnte es geschehen, dass ich 31 Jahre alt werden und in dies schäbige Gemeindehaus kommen musste, um zu erfahren, dass es noch etwas anderes gab als meine kleine Existenz, nämlich eine Welt, die nach allen Sei­ten offensteht, in der man leben und atmen kann und die eine Fülle von Entdeckungen für mich bereithält? Ich saß vornübergebeugt, vergaß meine Umgebung und staunte nur über das, was aus diesem Menschen zu mir sprach. Zu mir ganz allein – denn wer sonst unter den Anwesenden hätte seine Worte so verstehen können, wie ich sie verstand? Ich holte immer wieder tief Luft und wusste, dass die enge Wand, die mich umgab, an einer Stelle durchstoßen worden war.“

Neuanfang des Glaubens im Insterburger Männerkreis der Bekennenden Kirche in Ostpreußen (1941/42) Von Hans Graf von Lehndorff Wenn man mich … Mehr

Hans Joachim Iwand, Brief an Fritz Kessel, DC-Bischof der Provinz Ostpreußen mit Sitz in Königsberg (1934): „Dass heute ein Geschlecht von jungen Theologen heranwächst, die wie­der ‚aus Glauben reden‘ und darum vielleicht denen, die aus der Kirche von ehedem kommen, unbequem sind, ist meine Zuversicht und Gewissheit. Wer wider sie steht, wird nicht auf immer widerstehen können.“

Brief an Fritz Kessel, DC-Bischof der Provinz Ostpreußen mit Sitz in Königsberg (1934) Von Hans Joachim Iwand Königsberg, den 8. … Mehr

Hans Joachim Iwand, Predigt über 1. Johannes 1,5-9 (Predigerseminar Jordan, 1937): „Meine Brüder, die Anfechtungen des Lebens können und werden noch sehr hoch gehen, es werden Zeiten und Stunden kommen, in denen wir glauben, Gott ganz verloren zu haben, aber wenn wir dies, dies letzte, endgültige Wort Gottes nicht loslassen, dann wird es kräftiger sein als alles, was uns von Gott trennen will. Dann wird es wirklich das Wort sein, das Gott über unser Leben setzt und das darum gilt in Zeit und Ewigkeit. Denn dabei wird es bleiben, solange wir hier auf Erden unseren Weg gehen: Was wir als Trost und Gewißheit unseres Glaubens haben, das haben wir darum, weil wir uns flüchten dürfen in die Arme unseres Gottes, der uns krönt mit Gnade und Barmherzigkeit und der zu uns sagt: Sei getrost mein Sohn, dir sind deine Sünden vergeben.“

Predigt über 1. Johannes 1,5-9 (1937) Von Hans Joachim Iwand Und das ist die Verkündigung, die wir von ihm gehört … Mehr

Jeanette Wolff, Sadismus oder Wahnsinn: Erlebnisse in den deutschen Konzentrationslagern im Osten (1946): „Mir als Mutter krampfte sich das Herz zusammen, und die anderen, besonders die junge Lettin, waren tieftraurig. Lang­sam ging der Tag zur Neige. Zum Appell ging meine Tochter fort, und wir alle glaubten sie schon verloren. Nach ungefähr einer Stunde kam sie zurück. Max hatte sie aufgeschnallt und immer wieder gefragt: ‚Hast du noch keine Angst?‘ und ‚Willst du den Namen nicht nennen?‘ Sie verneinte immer wieder, und nach 35 Minuten schnallte er sie ab und wurde mit den Worten ‚Na, feige bist du ja nicht‘ und einem Fuß­tritt entlassen. — Was wir beide empfanden, als wir uns wiedersahen, kann kein Mensch ermessen, und in diesem Moment gelobten wir uns: Weg vom Stutthof, sobald wie möglich und ganz gleich wohin.“

JEANETTE WOLFF SADISMUS ODER WAHNSINN. Erlebnisse in den deutschen Konzentrations­lagern im Osten Alleinauslieferung Großvertrieb Ernst BreifeldGreiz in Thüringen Sachsenverlag Druckerei- … Mehr

Paul Veils Bußpredigt wider die Reichspogromnacht vom 16. November 1938: „Wenn Menschen nicht mehr das Gotteswort hören, dann können solche Dinge geschehen, wie wir es erlebt haben. Wäre es einem auf Gottes Wort hörenden Menschen möglich, so sehr von Haß und Empörung sich fortreißen zu lassen, daß er Gotteshäuser derer, die er für schuldig glaubt, einfach in Brand steckt?“

Ähnlich wie Julius von Jan hatte auch Paul Veil, Mitglied der Kirchlich-theologischen Sozietät, eine Woche nach der Pogromnacht vom 9./10. … Mehr

Martin Niemöller, Zum Schuldbekenntnis (1945): „Wir haben wenig oder gar nichts getan, um dem Verderben Einhalt zu gebieten, und vor allem haben wir, d. h. die Kirche, versagt, denn wir haben um den falschen und den rechten Weg gewußt und haben die Menschen ungewarnt ins Verderben rennen lassen. Ich schließe mich von dieser Schuld nicht aus, sondern ich schließe mich jedesmal ausdrücklich ein, denn ich habe auch geschwiegen, wo ich hätte reden müssen! Wenn wir nicht umkehren und uns selber unserem Herzen eingestehen, daß wir einen falschen Weg gegangen sind aus Furcht und Unglauben, dann bleibt der Bann auf uns, und kein Prophet darf uns den Trost Gottes in unsere Verstocktheit hinein verkünden. Und wenn wir gar anfangen, jetzt, nachdem wir eine Welt mit Qualen, Blut und Leichen, mit Trümmern und Wüstenei angefüllt haben, den anderen ihre Sünden vorzuhalten, dann kann ich nur sagen: alles das ist ja nur ein Quäntchen gegenüber dem Zentnergewicht dessen, was wir auf unsere Gewissen geladen haben.“

Zum Schuldbekenntnis (1945) Von Martin Niemöller … Ihnen geht es um die „Schuldfrage“, und dazu hätte ich viel zu sagen. … Mehr

Johann Amos Comenius, Das Testament der sterbenden Mutter der Brüderunität (1650): „Wie es so mit jedem einzelnen Menschen in seiner Person bestellt ist, so ist es auch mit jeder menschlichen Gemeinschaft in Häusern, Städten, Königreichen und Kirchen: überall vergeht das eine und das andere entsteht. Und was sich nun unter dem Himmel vollzieht, seht ihr: Königreiche vergehen und verändern sich, und mit ihnen die Nationen, die Sprachen, die Rechte, die Religionen. Darum ohne Zweifel: es tritt ein neues Zeitalter ein. Auch die Kirchen der Einigkeit vergehen – darum ohne Zweifel, weil Gott das Antlitz seiner Erde erneuern will.“

Das Testament der sterbenden Mutter der Brüderunität (Kšaft umírající matky Jednoty bratrské, 1650) Von Johann Amos Comenius (Komenský) DAS TESTAMENT … Mehr