Hans Graf von Lehndorff, Neuanfang des Glaubens im Insterburger Männerkreis der Bekennenden Kirche in Ostpreußen (1941/42): „Wie konnte es geschehen, dass ich 31 Jahre alt werden und in dies schäbige Gemeindehaus kommen musste, um zu erfahren, dass es noch etwas anderes gab als meine kleine Existenz, nämlich eine Welt, die nach allen Sei­ten offensteht, in der man leben und atmen kann und die eine Fülle von Entdeckungen für mich bereithält? Ich saß vornübergebeugt, vergaß meine Umgebung und staunte nur über das, was aus diesem Menschen zu mir sprach. Zu mir ganz allein – denn wer sonst unter den Anwesenden hätte seine Worte so verstehen können, wie ich sie verstand? Ich holte immer wieder tief Luft und wusste, dass die enge Wand, die mich umgab, an einer Stelle durchstoßen worden war.“

Neuanfang des Glaubens im Insterburger Männerkreis der Bekennenden Kirche in Ostpreußen (1941/42) Von Hans Graf von Lehndorff Wenn man mich … Mehr

Eberhard Jüngel, Der Tod als Geheimnis des Lebens (1975): „Der Tod kommt also keineswegs nur als das Ende des Lebens in Betracht, sondern er gilt als ein ständig im Leben selber sich bereits vollziehender Konflikt mit dem Leben. So können Krank­heit, Schwachheit, Gefangenschaft, Exil in der Terminologie des Todes beschrieben werden. Tod ist nicht nur das Ereignis am Ende, sondern wo immer das Leben sich selbst entfremdet wird, sieht der Glaube Israels bereits den Tod am Werk. Als Ereignis am Ende des Lebens bringt der Tod nur an den Tag, was im Verlauf des Lebens schon immer möglich ist und auch schon immer geschieht: nämlich die Lädierung und Zerstörung von Lebensverhältnissen. Im Tod kommt heraus, was der Mensch ausgerechnet mit seinem Leben aus dem Leben macht. Mit unserem Leben verletzen wir das Leben.“

Der Tod als Geheimnis des Lebens[1] Von Eberhard Jüngel Für die Theologie – als Rede von Gott – stellt sich … Mehr

Ernst Wolf, Die Unmittelbarkeit des Rufs zur Nachfolge (Sozialethik): „Vom Evangelium her geschieht das neue Handeln in der Nachfolge auf Grund der im Glauben geschenkten Freiheit der Selbstverleugnung. Die­se Freiheit der Selbstverleugnung ist der Ausdruck für die Spannung, in der der Christenmensch sich zur Welt der Selbstbehauptung befindet. Denn solange der Mensch sich selbst und seine Wünsche will, gehört er auch der Welt der Selbstbehauptung an. Durch den Glau­ben ist er davon befreit. Aus der Verleugnung seiner selbst hat er die neue Freiheit gewonnen: vom Evangelium her im Auftrag Gottes, gleichsam in Verlängerung des Handelns Jesu Christi selbst, aber nie von ihm gelöst, neu mit der Welt als der Schöpfung Gottes umzugehen. Nach­folge ist so der Name für das christliche Leben in der Welt.“

Die Unmittelbarkeit des Rufs zur Nachfolge (Sozialethik) Von Ernst Wolf Die neutestamentliche Forderung des „Nachfolgens“, die als Ausdruck für die … Mehr

Rolf Wischnath, Grüne Zweige und die Sehnsucht. Warum sind die grünen Zweige in der Kirche grün?: „Und die abgerissenen Zweige und die ausgehauenen Bäume haben mithin ihren Sinn: Die ge­schlagenen und gescheiterten Menschen, die Armen und Schwachen, die Opfer und Verlierer, die am Boden liegen – manche denken: kaputte Typen, der letzte Dreck, nur noch für die Mülltonne. Auch hier ist es wie mit den geschlagenen Bäumen und den grünen Zweigen: Wenn man sie ins Licht holt und ihnen gibt, was sie zum Leben brauchen, schmücken sie. Wie sie haben auch die versehrten Menschen Glanz und unzerstörbare Würde – und eine Sehn­sucht im Leib.“

GRÜNE ZWEIGE UND DIE SEHNSUCHT. WARUM SIND DIE GRÜNEN ZWEIGE IN DER KIRCHE GRÜN? Von Rolf Wischnath Weihnachten muss sein. … Mehr

Eberhard Jüngel, Evangelischer Indikativ. Untergang oder Renaissance der Religion?: „Als Sachwalterin des Evangeliums hat die Kirche also für das ambivalente Phänomen der Zivilreligion eine aus­gesprochen diakritische Funktion. Sie hat die Zivilreligion in jedem Fall »aufzuheben«: entweder in dem von Hegel beschriebenen bekannten drei­fachen Sinn oder aber in dem einfa­chen Sinne, daß sie ihr als einem Exzeß von Aberglauben, so gut sie es kann, ein schnelles Ende macht. In beiden Fällen wäre das der Dienst, die die (als Teilsystem der Gesellschaft existierende) Kirche dem Ganzen der Gesellschaft, dem Staat und dem Volk, das in diesem Staate lebt, schul­det.“

Evangelischer Indikativ. Untergang oder Renaissance der Religion? (1995) Von Eberhard Jüngel Die Kirche hat gegenüber der Zivilreligion eine unterscheidende Funktion: … Mehr

Hans Joachim Iwand, Brief an Fritz Kessel, DC-Bischof der Provinz Ostpreußen mit Sitz in Königsberg (1934): „Dass heute ein Geschlecht von jungen Theologen heranwächst, die wie­der ‚aus Glauben reden‘ und darum vielleicht denen, die aus der Kirche von ehedem kommen, unbequem sind, ist meine Zuversicht und Gewissheit. Wer wider sie steht, wird nicht auf immer widerstehen können.“

Brief an Fritz Kessel, DC-Bischof der Provinz Ostpreußen mit Sitz in Königsberg (1934) Von Hans Joachim Iwand Königsberg, den 8. … Mehr

Johann Baptist Metz, Im Angesicht der Gefahr (1984): „Was verstehen wir eigentlich vom Neuen Testament, wenn in unserer modernen Deutung die Gegenwart von Gefahr systematisch ausgeblendet ist? Was, wenn wir – aufklärungsbeflissen und auf strikte Entmythologisierung bedacht – den Horizont der Gefahr einfach wegwischen oder übertünchen, jenen Horizont der Gefahr, der die biblische, speziell die neutestamentliche Geschichte umspannt und zusammenhält? Was steckt hinter unserer Kritik an den apokalyptischen Bildern: Der Wille zur Aufklärung über die unbegriffene Macht der Mythen in diesen Traditionen oder der Wille, dem gefährlichen Chri­stus auszuweichen und die Gefahr stillzustellen, sie allen­falls in die fast schon exterritoriale Situation des Todes abzudrängen?“

Im Angesicht der Gefahr (1984) Von Johann Baptist Metz In einem »außerkanonischen Wort«, das uns von Origenes überliefert ist, sagt … Mehr

Rudolf Landau, Predigt über Matthäus 25,1-13: „Das ist das Öl, die Klugheit, dies fröhliche Geschrei in deinen Ohren, das in deinem Herzen nistet und dich froh macht, selbst im Schlaf gewiss bleiben läßt: das Evangelium, die gute Nachricht: Er ist gegenwärtig! »Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.« Das ist das Öl der Christen. Er, ihr Herr selber, der bei ihnen ist und doch auf sie zukommt; der unsichtbar, aber nicht unhörbar, sondern hörbar und wahrnehmbar, verborgen unter Wasser und Brot und Wein und im Wort der Predigt und in der Gemeinschaft derer, die seine und untereinander Brüder und Schwestern sind, bei ihnen ist.“

Predigt über Matthäus 25,1-13 (Letzter Sonntag des Kirchenjahres) Von Rudolf Landau Daß es das einmal gegeben haben wird, liebe Gemeinde, … Mehr

Hans G. Ulrich über Nachfolge Christi: „Grundlegend ist Nachfolge als die Lebensform in Erinnerung gerufen worden, in der Christen mit der ihnen gegebenen Freiheit von der Selbstbehauptung in der Erfüllung ihrer alltäglichen Aufgabe auf Gottes Zuwendung antworten (Bayer). Nachfolge ist in einigen Traditionen christlicher Ethik als Kennzeichen derer verstanden worden, die sich durch das Christuszeugnis in ihrem Charakter prägen lassen und in der Gemeinde und als Gemeinde eine Sozialethik zeugnishaft leben (Hauerwas, Yoder). Damit konnte die eschatologische Differenz des neuen Lebens von Christen auch gesellschaftskritisch und politisch artikuliert werden.“

Nachfolge Christi III. Ethisch Von Hans G. Ulrich Christliche Ethik hat sich in vielfältiger Weise als Ethik der Nachfolge Jesu … Mehr