Greti Caprez-Roffler, Zur Theologinnenfrage (1931): „Über meinen Zivilstand und die Möglichkeit, ihn mit dem Theologinnenberuf zu verbinden, haben sich nun schon eine Menge Leute den Kopf zerbrochen. Zwei Fragen standen vor allem zur Diskussion: 1. Die Möglichkeit, den Aufgabenkreis einer Familienmutter mit dem einer Theologin zu verbinden. Ich weiß nicht, aber das Faktum an sich, dass verheiratete Frauen einen Beruf ausüben, dürfte es wohl nicht sein, das Anstoß erregt, denn die Schweiz allein zählt 210,000 berufstätige verheiratete Frauen, und ich habe noch nie einen Zeitungsartikel gelesen, der sich gegen die Arbeit der Bäcker-, Metzger-, Ladenfrauen oder Landwirtinnen ausgesprochen hätte, trotzdem hier sicher die soziale Fürsorge ein weites Arbeitsfeld hätte und es für ihre Pflicht erachten sollte, den viel geplagten arbeitenden Frauen zu mehr Zeit, Energie und Frohmut für ihre Familien zu verhelfen. Die Verbindung von Ehe und Beruf an sich kann es also kaum sein, was so Anstoß gibt. Es muss die Verbindung dieser einen speziellen Berufsart mit der Ehe sein, deren Möglichkeit fraglich erscheint.“

Zur Theologinnenfrage (Antwort an E. Z.) Von Greti Caprez-Roffler Ich habe es schon am Artikel, der in Nr. 46 des … Mehr

Elie Wiesel, Eine Betrachtung über die Hoffnung (2003): „Hoffnung hat ihre eigene Architektur, ihre geheimnisvolle Bahn. Die ganze Idee der Erlösung wurzelt im Prinzip der Erwartung, des Wartens. Was ist Messianismus, wenn nicht Hoffnung, die ihren glühenden Höhepunkt erreicht? Hoffnung hat viele Facetten und erfüllt viele Bedürfnisse. Es gibt die Hoffnung der Gerechten und die der Bösen: Die erste ist inklusiv, die zweite nicht. Der Gerechte teilt seine Hoffnung mit anderen, der Böse glaubt nur an seine eigene.“

Eine Betrachtung über die Hoffnung (A Meditation on Hope) Von Elie Wiesel Dieser Vortrag soll ein Appell für die Hoffnung … Mehr

Fulbert Steffensky, Das Glück, das Unglück und die Gottesliebe: „Gnade als ein Ausdruck, eine Figur der Liebe, des Verhältnisses zwischen Mensch und Gott — wenn wir das wieder ernst nähmen! Als Geliebte haben wir unsere Authentizität nicht in uns selber. Wir sind exzentrische Wesen, die ihr Zentrum in dem haben, der uns liebt; wir sind nicht, die wir sind, allein — wir sind die, als die wir angesehen werden. Das ist sehr leicht gesagt, aber ich glaube, dies ist der schwerste Glaubenssatz.“

Das Glück, das Unglück und die Gottesliebe Von Fulbert Steffensky Religion erklärt nichts. Religion ist nicht Welterklärung; sie erklärt nicht, … Mehr

Johannes Rehm, Evangelisch-Katholische Gottesdienstgemeinschaft als liturgische Gestaltungsaufgabe (2001): „Für eine künftige Gottesdienstgemeinschaft bei besonderen ökumenischen Anlässen, wie beispielsweise der Woche der Einheit der Christen, legt sich für die Gestaltung des Gottesdienstes ein ähnliches Vorgehen nahe. Eine solche ‚Konvergenzagende‘, die sich an der Grundform 1 des evangelischen Gottesdienstbuches und der Gemeindemesse des Messbuches orientiert, könnte übereinstimmend folgende Gestaltungselemente enthalten: Eine Eingangsliturgie mit trinitarischem Gruß, Eingangspsalm, Kyrie und Gloria, den im katholischen Sprachgebrauch Wortgottesdienst genannten Teil mit drei biblischen Lesungen, Glaubensbekenntnis, Predigt und Fürbitten – einen Abendmahlsteil mit Präfation, Sanctus, Einsetzungsworten, Vaterunser, Agnus Dei und Austeilung und dem Sendungsteil mit Entlassung und Segen.“

Evangelisch-Katholische Gottesdienstgemeinschaft als liturgische Gestaltungsaufgabe Von Johannes Rehm Gottesdienstgemeinschaft als Konsequenz von Glaubensgemeinschaft? „Das gemeinsame Abendmahl muß unser Ziel bleiben“, … Mehr

Martin Luther über die Schriftauslegung in der Leipziger Disputation mit Johannes Eck (1519): „Daher muss der Theologe, wenn er nicht irren will, die gesamte Schrift vor Augen haben und Gegensätzliches mit Gegensätzlichem vergleichen und wie die beiden Cherubim, die sich einander zuwenden, die Übereinstimmung der beiden Unterschiede in der Mitte des Gnadenstuhls finden.“

Über die Schriftauslegung (Leipziger Disputation, 1519) Von Martin Luther Das ist keine Weise, die Heiligen Schriften erfolgreich zu verstehen oder … Mehr

Martin Niemöller, Predigt zu 2. Korinther 12,9 (Human Weakness and Divine Strength, Duke University, 1963): „Wie oft musste ich mich jeden Tag beherrschen, wenn der Gedanke aufkam: Wenn diese Leute mich von hier zu diesem Galgen schleppen, werde ich ihnen zurufen: ‚Ihr Verbrecher, ihr Mörder, wartet nur – es gibt einen Gott im Himmel, und er wird es euch zeigen!‘ Und dann die quälende Frage: Was wäre geschehen, wenn Jesus, als sie ihn an seinen Galgen, ans Kreuz, nagelten, so gesprochen und seine Feinde verflucht hätte? Nichts wäre geschehen, nur gäbe es kein Evangelium, keine christliche Kirche, denn es gäbe keine frohe Botschaft; denn dann hätte er gegen seine Feinde gebetet, nicht für sie, und wäre gegen sie gestorben, nicht für sie. Gott sei Dank! Er betete, er starb auf eine andere Weise: ‚Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!‘ stimmt oder wird es jemals tun.“

Menschliche Schwäche und göttliche Stärke. Predigt zu 2. Korinther 12,9 (Human Weakness and Divine Strength, Duke University, 1963) Von Martin … Mehr

Ulrich Peter über Harald Poelchau (1903-1972): „Zahlreiche Opfer waren politische Freunde aus dem »Kreisauer Kreis«, zu dem er selbst gehörte, und aus den Gruppen, die mit dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 zu tun hatten. Die erste Hinrichtung, zu der Poelchau bestellt wurde, fand am 17. April 1934 statt. Weitere 1200 Hinrichtungen folgten in den nächsten elf Jahren bis zum Ende der Nazi­diktatur, so dass die Seelsorge für die Verurteilten Poelchau zu­nehmend beanspruchte. Darüber hinaus schmuggelte Poelchau Nah­rungsmittel, die er vom schlesischen Gut Kreisau seines Freundes Helmuth James Graf von Moltke bekam, in die Gefängnisse hinein und Mitteilungen und Briefe heraus. Ihm verdanken wir, dass die Gefängnisaufzeichungen Dietrich Bon­hoeffers und die Abschiedsbriefe Helmuth von Moltkes an seine Frau Freya erhalten sind. Nicht nur den Gefängnisinsas­sen galt Poelchaus Hilfe, zusammen mit seiner Frau Dorothee rettete er Juden, indem er sie versteckte, mit Lebensmitteln versorgte und ihnen falsche Pässe verschaffte.“

Harald Poelchau Geb. 5. 10. 1903 in Brauchitschdorf/Schlesien; gest. 29.4. 1972 in Berlin Von Ulrich Peter Harald Poelchau wuchs in … Mehr

William H. Willimon, Jesus nachfolgen: „Die moderne Welt hat viele Möglichkeiten, uns gegen uns selbst zu wenden, um schließlich den lieben kleinen Gott in uns anzubeten. Das Christentum, die von Jesus beschworene Religion, ist ein ausgesprochen heftiges Mittel, um uns nach außen zu zerren. Wir werden nicht in Ruhe gelassen, um uns mit unseren süßen Binsenweisheiten zu trösten oder mit der angeblich so schönen Mutter Natur zu kuscheln oder gar die Augen zu schließen und die Menschheit im Allgemeinen zu umarmen. Ein Gott, den wir uns nicht hätten ausdenken können, hat sich uns zugewandt, hat sich uns genähert, hat sich als jemand ganz anderes offenbart als der Gott, den wir hätten, wenn Gott nur ein Hirngespinst wäre – Gott ist ein Jude aus Nazareth, der kurz lebte, gewaltsam starb und unerwartet auferstand. Dieser Gott hat uns zu Tode erschreckt, aber auch zum Leben erweckt.“

Jesus nachfolgen Von William H. Willimon Ich erinnere mich noch gut an ein langes Gespräch mit einem Mann, der Mitglied … Mehr

Greti Caprez-Roffler, Als Pfarrerin im Graubündner Bergdorf Furna (1933): „Vor meiner Wahl ha­ben mich alle geduzt. Jetzt duzen mich nur mehr die nahen Verwandten. Und wenn an­dere mich auf mein Geheiß duzen, reden sie mich doch mit dem Titel an. Sie haben mich einmal zur Pfarrerin gemacht, und nun soll ich auch den Titel tragen. Sie haben mir nun die neue Würde verliehen, und nun wollen sie, dass ich sie auch in Ehren trage. Dass ich in Hosen Ski fahre, dagegen haben sie nichts, aber Besuche soll ich im Rock machen, wegen der Autorität, wie sie sagten. Sie wollen im Pfarrer eine Autorität sehen. Dass ich eine Frau bin, das macht nur, daß sie mir ihre Pro­bleme von Schwangerschaft, Kinderstillen etc. erzählen können. Sie bringen auch noch eine Art Tribut ins Pfarrhaus. Ich habe vom No­vember bis im April kein Fleisch kaufen müs­sen, weil sie mir von ihren Hausmetzgeten brachten. Sie schicken mir Butter und Eier.“

Als Pfarrerin im Graubündener Bergdorf Furna (1933) Von Greti Caprez-Roffler Nachdem die Bündnerin Greti Caprez-Roffler am 13. September 1931 als … Mehr