Franz Overbeck, Geschichtschreibung und Theologie (Christentum und Kultur): „Ist das Christentum noch jung genug, um die Prüfungen, die ihm der Besitz einer Theologie auferlegt, zu ertragen? Ist das Christentum noch jung genug, um eine Theologie zu erzeugen? Was bedeutet im Grund die unbegreiflicher Weise gerade bei modernen Theologen so akzentuierte historische Auffassung des Christentums? Gerade sie, ihrer eigenen Einbildung zum Trotz, sperren sich beharrlich gegen dessen historische Auffassung. Der ganze Gedanke, die Frage der ewigen Fortdauer des Christentums historisch zu stellen, ist ein besonders beredter Zug im hippokratischen Gesicht des modernen Christentums, — ein Zeugnis, daß seine Theologen in Wahrheit nicht dessen Vertreter, sondern dessen Totengräber sind.“

Geschichtschreibung und Theologie (Christentum und Kultur) Von Franz Overbeck Die selbstgewählte Blindheit der Geschichtsschreibung, welche sich von jeder Verpflichtung zur … Mehr

Johannes Hamel, Erwägungen zur urchristlichen Parainese über das politische Verhalten der Christen (1959): „Unser Ge­horsam hat sich in einer Welt zu bewähren, in der der Teufel wie ein brüllen­der Löwe umhergeht und sucht, wen er verschlinge. Die gehorsame Gemeinde kommt jeweils gerade darum herum, irgendwelchen westlichen oder östlichen Abgöttern zu verfallen. Sünde ist auch in politicis öffentlich zu behaften, das ist so nach lutherischer wie nach reformierter Lehre. Die Christenheit, die sich willig unterordnet, wird dieses Namhaftmachen begangener Sünde zö­gernd, besonnen, bescheiden und leidensbereit tun, aber dieses Tun ist Mo­ment ihrer Unterordnung und kommt nicht als etwas anderes zu der Unter­ordnung nachträglich hinzu. Sie wird zweifellos damit in Widerspruch zu den Bildern geraten, die alle Zeit eine Staatsleitung von ihrem Wollen, ihren Taten und ihren Erfolgen entwirft und uns glauben machen will.“

Sie wird auch dann mit diesem Bild in Widerspruch geraten, wenn es nur das Bild der sog. öffentlichen Meinung sein … Mehr

Zur Phänomenologie des Verlierens: „Damit verschärft sich die Frage, wie mit bleibenden Verlusten umzugehen ist, für die es in­nerhalb der eigenen Lebenswelt keine Auflösung mehr gibt. Verdrängung oder Kompensation können den Schmerz des Vermissens lindern, bleiben jedoch innerweltlich im menschlichen Bewältigungsrahmen gefangen. Phänomenologisch zeigt sich hier, dass der Mensch nicht nur verlierend handelt, sondern wesentlich verlustfähig ist: Er steht in einer Welt, in der alles ihm Entgangene prinzipiell entzogen bleiben kann.“

Zur Phänomenologie des Verlierens Verlieren ist eine grundlegende Erfahrung menschlichen Lebens, die in sehr unterschiedlichen Formen auftritt. Nicht alles, was … Mehr

Verena Pfenninger-Stadler, Gedanken zur 400jährigen Wiederkehr von Ulrich Zwinglis Todestag am 11. Oktober 1931: „Wo sind die Christen, die tapfer und unerschrocken sich in den Dienst der Sache Gottes stellen, die sich nicht scheuen, die Ränke der Gewalthaber und Herrschsüchtigen, welche unter schönen Worten von Demut und Gehorsam die Armen und Geringen bedrücken und es noch heute Aufruhr und Verhetzung nennen, wo man sich gegen ihr Unrecht wehrt, enthüllen, welche auch Geschwätz und üble Nachrede und mehr noch, wo es nottut, ertragen, weil sie Gott mehr als den Menschen gefallen wollen? Noch ist Christus da und seine Gnade, noch wissen wir, dass Gott uns liebt. Darum lasset uns nicht furchtsam sein, nicht immer zögern und schwanken, sondern um Gottes willen, um der großen Liebe willen, die er uns erzeigt hat, etwas Tapferes tun.“

Gedanken zur 400jährigen Wiederkehr von Ulrich Zwinglis Todestag am 11. Oktober 1931 Von Verena Pfenninger-Stadler „Der heilige Paulus war nicht … Mehr

Manfred Oeming, »Schmerz« aus philosophischer und aus theologischer Sicht. Biblische Palliativtheologie: „Im Schmerz kommen sich Gott und Mensch ganz intim nahe. Gott ist Mensch geworden – das bedeutet vor allem: er hat allen Schmerz selbst erlitten. Kein Mensch kann mehr Schmerz erfahren, als Gott selbst ihn erfahren hat – bis in den Tod.“

»Schmerz« aus philosophischer und aus theologischer Sicht. Biblische Palliativtheologie Von Manfred Oeming Gibt es im Umgang mit dem Schmerz auch … Mehr

Rudolf Mau, Kirche als Raum der Befreiung zum eigenen Wort. Stationen des Weges zur Friedlichen Revolution (2009): „Die SED registrierte als positiv, dass der Kirchenbund von der Realität des »Sozialismus in der DDR« ausging, fand aber durch den eigenständigen kirchlichen Umgang mit dem Sozialismus-Begriff ihre Deutungshoheit in Frage gestellt. Zudem drohte ihr von der Neuen Ostpolitik der Bundesregierung, die auf menschliche Erleichterungen zielte und einen »Wandel durch Annäherung« erstrebte, der Verlust des bislang so klaren »Feindbildes« (»ideologische Diversion«). Ohnehin blieb der 1968 unterdrückte Prager »Sozialismus mit einem menschlichen Gesicht« unvergessen. Das zeigte 1972 die schroffe Reaktion auf das Synodalreferat von Heino Falcke »Christus befreit – darum Kirche für andere«.“

Kirche als Raum der Befreiung zum eigenen Wort. Stationen des Weges zur Friedlichen Revolution Von Rudolf Mau 1. Aufbruch am … Mehr

Hans Joachim Iwands Entwurf eines Friedenswortes für die Synode der EKD in Berlin-Weißensee 1950: „Wir bitten Gott, dass der letzte dieser Kriege die Wendung der Menschheit zum Frieden einleitete und dass, was jener zerstörte an Leib und Seele, eine neue und junge Generation aufbauen könne, zur Ehre Gottes und in der Kraft unseres Erlösers, Jesus Christus. Wir kommen von Ostern her und gehen Pfingsten entgegen. Hinter uns steht die Tat der Versöhnung der Welt mit Gott und der Sieg des gekreuzigten Jesus von Nazareth über den Tod. Wir sind eingeschlos­sen in seinem Triumph. Vor uns steht die Verheißung des Pfingstgei­stes, der den Geist von Babel mit seiner Sprachenverwirrung aufzuhe­ben vermag. Wir wissen, dass wir nichts anderes sein können als Gottes Zeugen in der Welt und vor der Welt.“

Entwurf eines Friedenswortes für die Synode der EKD in Berlin-Weißensee 1950 Von Hans Joachim Iwand Auf der Bruderratssitzung vom 9./10. … Mehr

Verena Pfenninger-Stadler, Zur religiösen Begründung der Frauenbewegung innerhalb des Protestantismus (1931): „Prüfen wir also, wem wir dienen sollen und wessen Rechte wir fordern. Oft verdammen gerade die den Kampf um Rechte, die ihre eigenen Vorrechte nicht aufgeben wollen. Dann aber müssen wir fragen: Ist es nicht gerade aus dem Geist der Liebe heraus geboten, für die Unterdrückten und Entrechteten zu kämpfen? Worum geht es in der Frauenbewegung? Um das Erwachen der Frau zu größerer Selbständigkeit und Verantwortung. Wir kämpfen nicht nur um Rechte, sondern darum, unsere Gaben zum Wohl aller einzusetzen. So dürfen wir Rechte fordern, um rechten Dienst tun zu können.“

Zur religiösen Begründung der Frauenbewegung innerhalb des Protestantismus Von Verena Pfenninger-Stadler Die Katholikin, die in Nr. 12 des Frauenblattes im … Mehr