Klaus Scholder, Kirchenkampf (1975): „Der Kirchenkampf hat wie keine Epoche zuvor die Schwierigkeiten des politi­schen Redens und Handelns der Kirche im 20. Jahrhundert offenbar werden lassen. Die Thematisie­rung von Schrift und Bekenntnis war in einer revolutionären politischen Situation die einzige und die einzig legitime Möglichkeit der Kirche, zu einem Konsensus über eine falsche politische Theologie zu kommen – ein Vorgang, wie er auch schon im Widerstand der Erweckungsbewegung gegen den Nationalprotestantismus am Anfang des 19. Jahrhunderts zu beobachten ist. Dass diese Themat­isierung nicht schlechterdings unpolitisch war, sondern zu bestimmten politischen Konsequen­zen nötigte, diese Einsicht ist der Kirche mehr aufgezwungen worden, als dass sie sie von sich aus entwickelt hätte. Daraus jedoch zu folgern, die Kirche müsse zu einer unmittelbaren Ein­sicht in das politisch jeweils Richtige und Gebo­tene gebracht werden, heißt den Fehler der Deutschen Christen zu wiederholen und die grundle­gende Einsicht Bonhoeffers aufzuheben: ‚Die Kirche kann primär nicht unmittelbar politisch handeln; denn die Kirche maßt sich keine Kenntnis des notwendigen Geschichtsverlaufs an.'“

Kirchenkampf Von Klaus Scholder I. Der Begriff und seine Geschichte Als Kirchenkampf bezeich­net man die wechselvolle Gesch. der christl. Kirchen … Mehr

Karl Barth, Kirche oder Gruppe? (1936): „Die ganze Idee, die Zeit durch ein gut geleitetes und stürmisch vorgetragenes christliches Unternehmen für Christus zu erobern, ist wohl dem Jesuitenorden, aber gerade nicht der christlichen Kirche eigentümlich. Die Kirche befand sich noch jedesmal im Irrtum und im Zerfall, wenn sie sich zur Trägerin dieser Idee machte. Der Gruppe aber ist es nach Brunners Darstellung gerade wesentlich, Trägerin dieser Idee zu sein. Ihr Blick ist von Haus aus auf die Menschen gerichtet, auf die Frage: bei ihnen glaubwürdig oder unglaubwürdig erscheinen, was ihnen gegenüber wirksam oder unwirksam sein könnte? Sie hat von Haus aus die ‚Zeit‘ zum ‚Bankkassier‘ eingesetzt, der den Goldklang ihrer Münze, d. h. die Echtheit der christlichen Verkündigung zu prüfen hat. Für sie hat ein Titel wie ‚Staatssekretär der Vereinigten Staaten‘, wenn der Mann nur eine noch so unverbindliche Äußerung zu ihren Gunsten getan hat, einen — ich weiß nicht, welchen — autoritativen Zauber.“

Kirche oder Gruppe? (1936) Von Karl Barth Die Redaktion [der Wochenzeitung „Die Nation“] hat auch mich aufgefordert, den Lesern dieser … Mehr

Gerhard Jacobi, Predigt über Johannes 3,3 (1922): „Da fängt die innere, vesuvartige Glut an auszubrechen und zu flammen und zu lodern – zur Flamme entzündet durch ihn – und man sieht das größte Geheimnis: dass er kommt. Er, der im Reich Gottes König ist. Er kommt. Man sieht, dass er immer kommt. „Zu jeder Stunde, zu allen Zeiten, an jedem Tage: Er kommt, kommt, immer kommt er“. Und all unser Hoffen und all unser Sehnen wird leuchtend und siegend: Er kommt, immer kommt er. Und da beten wir an: Gelobt sei Er, der da kommt im Namen des Herrn.“

Predigt über Johannes 3,3 (1922) Von Gerhard Jacobi „Es sei denn, daß jemand von Neuem geboren werde, so kann er … Mehr

Benno Jacob (und Robert Raphael Geis) über die Nächstenliebe: „Während Strack-Billerbeck für die jüdische Nächstenliebe mehr als zehn Seiten Belege anführen können, haben sie für ein Gebot zu hassen nur zwei Sätze aus dem dritten und vierten Jahrhundert zur Verfügung und etwas mehr dafür, dass der Hass unter Umständen erlaubt sein könne. Dabei sehen wir davon ab, daß das hebräische Wort nicht immer den schrof­fen Sinn des deutschen zu haben braucht, sondern oft nur bedeutet: nicht leiden mögen, sich abgestoßen fühlen.“

Über die Nächstenliebe Von Benno Jacob (1862–1945) Benno Jacob, Rabbiner in Göttingen und Dortmund, ist einer der ganz wenigen Bibelwissenschaftler, … Mehr

Blaise Pascal, Gott allein ist das wahre Glück des Menschen (Pensées – Gedanken über die Religion): „Es gibt nur drei Arten von Menschen: Die einen dienen Gott, da sie ihn gefunden haben, die anderen bemühen sich, ihn zu suchen, da sie ihn nicht gefunden haben, und die dritten leben dahin, ohne ihn zu suchen und ohne ihn gefunden zu haben. Die ersten sind vernünftig und glücklich, die letzten sind töricht und unglücklich. Die mittleren sind unglücklich und vernünftig.“

Gott allein ist das wahre Glück des Menschen (Pensées – Gedanken über die Religion) Von Blaise Pascal Der Mensch ist … Mehr

Klaus Hemmerle, Nächte, die Licht geben: „Als wir über die mit Schutt bedeckte Treppe wieder heraufkrochen, ein Bild des Entsetzens, ein schier endloser Feuerschein am nächtlichen Himmel über den Trümmern der Altstadt. Aber es gab für uns nur einen Blick: hinauf zum Münsterturm. Und dann der trotz allem Entsetzen erlöste Schrei: Gott sei Dank, er steht noch! Es war ein gespenstischer Weg heimwärts durch die Trümmer, aber je näher wir unserem Zuhause kamen, desto spärlicher waren die Zeichen der Zerstörung. Doch ein Haus in der Straße brannte – es war das unsere. Und nun der durch­dringende Bittruf meines Vaters: Lieber Gott, nimm uns alles, aber lass uns zusammen!“

Nächte, die Licht geben Von Klaus Hemmerle 27. November 1944. Ich hatte an diesem Abend Brandwache in der Schule zu … Mehr

Helmuth James Graf von Moltke im Brief an die Ehefrau Freya (Januar 1945): „Der entscheidende Satz jener Verhandlung war: ‚Herr Graf, eines haben das Christentum und wir Nationalsozialisten ge­meinsam, und nur dies eine: Wir verlangen den ganzen Men­schen.‘ Ob er sich klar war, was er damit gesagt hat? Dann wird Dein Wirt ausersehen, als Protestant vor allem wegen seiner Freundschaft mit Katholiken attackiert und ver­urteilt zu werden, und dadurch steht er vor Freisler nicht als Protestant, nicht als Großrundbesitzer, nicht als Adliger, nicht als Preuße, nicht als Deutscher – das alles ist ausdrücklich in der Hauptverhandlung ausgeschlossen, sondern als Christ und als gar nichts anderes.“

Nun kann mir nichts mehr geschehen (Brief an die Ehefrau Freya) Von Helmuth James Graf von Moltke Tegel, den 10.1.1945 … Mehr

Kornelis Heiko Miskotte, Der Appell der Kunst (Wenn die Götter schweigen): „Die Kunst ist es, die uns sozusagen ante festum einlädt, unter dem Lebens­baum zu sitzen, dessen Zweige sich in einem Umkreis von fünfhundert Wegjahren über die Völker und über die Welt ausbreiten. Die Kunst ist es, die — wie seinerzeit, und mit Recht, die Weisheit – gegen die irreligiöse und religiöse Torheit der Menschen hat ’schreien‘ müssen, und die nun ihre Stimme erhebt als ‚eine Stimme verschwebenden Schweigens‘ – nicht so sehr, um uns vom Tode abzumahnen, als viel­mehr um uns, ohne Vermittlung und Zwischenweg, das Leben zu zeigen.“

Der Appell der Kunst Von Kornelis Heiko Miskotte Die Kunst ist es, die uns sozusagen ante festum einlädt, unter dem … Mehr

Max Weber über Gesinnungsethik und Verantwortungsethik (1919): „Wenn da plötzlich die Gesinnungspolitiker massen­haft in das Kraut schießen mit der Parole: »Die Welt ist dumm und gemein, nicht ich; die Verantwortung für die Folgen trifft nicht mich, sondern die andern, in de­ren Dienst ich arbeite, und deren Dummheit oder Gemeinheit ich ausrotten wer­de«, so sage ich offen: dass ich zunächst einmal nach dem Maße des inneren Schwergewichts frage, das hinter dieser Gesinnungsethik steht, und den Eindruck habe: dass ich es in neun von zehn Fällen mit Windbeuteln zu tun habe, die nicht real fühlen, was sie auf sich nehmen, sondern sich an romantischen Sensationen berauschen.“

Über Gesinnungsethik und Verantwortungsethik (Politik als Beruf, 1919) Von Max Weber Wie steht es denn aber mit der wirklichen Beziehung … Mehr