Das ist die Nachricht der Midterm Elections – ein Methodistenpastor, Adam Hamilton, hat das Rennen in Kansas gemacht und zieht in den US-Senat ein; nicht irgendein Pastor, sondern Pastor der größten Gemeinde mit über 22.000 Mitgliedern unter dem Dach der United Methodist Church. Hamilton ist also Leiter einer sogenannten Mega Church. Und dann auch noch ein höchst versierter Bestsellerautor in Sachen Schriftauslegung, Gemeindetheologie sowie Andachtsliteratur. Im Neufeld Verlag sind zwei seiner Bücher auf Deutsch erschienen, 24 Stunden – Impulse für 40 Tage sowie Gegen die Angst. 31 Lektionen der Hoffnung für unsichere Zeiten. In seinem Andachtsbuch für den Advent Incarnation. Rediscovering the Significance of Christmas (Abingdon, 2020) schreibt er:
Über das Erlösungswerk Christi
Das Neue Testament kennt eine Vielzahl von Worten, um dieses Werk zu beschreiben: Christus erlöst uns, stellt uns wieder her, versöhnt uns, rechtfertigt uns und vergibt uns – um nur einige zu nennen. Wie tut er das? Manche sehen sein Erlösungswerk mechanistisch, transactional oder juridisch: Jesus, Gott im Fleisch, der eine heilige und gerechte Mensch, der je lebte, starb an unserer Stelle für unsere Sünden. Es wird darauf hingewiesen, dass sein Tod eine vollständige und ausreichende Bezahlung für unsere Sünde war. Manchmal leuchtet mir das vollkommen ein. Wenn wir gesündigt haben, fühlen wir Schuld, Scham und das Bedürfnis, Sühne zu leisten. Wir sehen Christus, wie er sich selbst darbringt, für uns leidet und vom Kreuz betet: „Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Lukas 23,34). Christus starb für uns an unserer Stelle. Sie haben wahrscheinlich schon gehört: „Wir schuldeten eine Schuld, die wir nicht bezahlen konnten. Christus bezahlte eine Schuld, die er nicht schuldete.“ Das ist eine Art, sein Sühnewerk zu verstehen.
Andere sehen Jesu Tod am Kreuz und die verschiedenen Weisen, in denen das Neue Testament von seinem Tod spricht, durch die Linse des Johannes-Prologs, in dem Johannes von Jesus als „dem Wort“ spricht – Gottes fleischgewordener Versuch, zur Menschheit zu sprechen. Christi Tod wird weniger in transaktionalen Begriffen gesehen, sondern eher als Gottes Versuch, zu uns über Sünde, Barmherzigkeit und Liebe zu sprechen.
Jesu Tod wird nicht als eine Zahlung gesehen, die erforderlich ist, damit Gott vergeben kann, sondern als ein dramatischer Akt, in dem Gott unser Bedürfnis nach Vergebung, die Kostbarkeit der Gnade und die Tiefe von Gottes Liebe und Barmherzigkeit vermittelt. Es geht nicht darum, Gottes Vergebung zu erwirken, sondern Gottes Liebe und Vergebung zu erweisen. Paulus bemerkt in Römer 5,8: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ In der Kreuzigungsszene der Evangelien hält Jesus der Menschheit einen Spiegel vor. Dieser Akt zeigt die Höhe menschlicher Sünde und Gebrochenheit: Als der fleischgewordene Gott unter uns wandelte, kreuzigten ihn die Menschen. Aber das Kreuz ist auch eine Lupe, die uns den Schmerz sehen lässt, den Gott aufgrund menschlicher Sünde erfährt. In Genesis 6 sieht Gott die Gewalt der Menschheit und es schmerzt ihn in seinem Herzen. Am Kreuz wird der fleischgewordene Gott zu Tode gefoltert – ein dramatisches Bild dafür, wie unsere Sünde Gott betrifft. Und am Kreuz, in Jesu Tod, in seiner Selbsthingabe für uns, in seinem Gebet „Vater, vergib ihnen“, zeigt er, wie weit Gott zu gehen bereit ist – den Preis, den Gott zu zahlen bereit ist –, um uns aus uns selbst und aus unserer Sünde zu retten. Eine solche Darbringung muss vollständig und ausreichend für unsere Sünden sein. Wir müssen wissen, dass nichts weiter für unsere Vergebung getan werden muss als die Selbsthingabe des fleischgewordenen Gottes für uns. Schließlich soll Jesu Tod am Kreuz uns, wie wir weiter unten betrachten werden, nicht nur die Tiefe von Gottes Liebe vermitteln, sondern auch ein Bild der selbstlosen Liebe zeichnen, die Christus von seinen Nachfolgern erwartet.
Jesu Tod am Kreuz soll uns nicht nur die Tiefe von Gottes Liebe vermitteln, sondern auch ein Bild der selbstlosen Liebe zeichnen, die Christus von seinen Nachfolgern erwartet.
So gesehen ist das Kreuz ein göttliches Drama, eine fleischgewordene Predigt, Gottes Wort an die Menschheit – ein Wort, das die Kraft hat, uns zur Umkehr zu führen, zum Bewusstsein der Kostbarkeit von Gottes Gnade, zur Annahme, dass unsere Sünden wahrhaftig vergeben sind, und zur Erkenntnis der Tiefe von Gottes Liebe. Christus gibt sich hin, um für unsere Sünde zu sühnen, nicht als eine Art juridische Transaktion, sondern als Akt selbstloser Liebe, indem er sich für uns darbringt, damit wir durch seine selbstlose Liebe gerettet werden.
Ich glaube, das ist es, worauf Dietrich Bonhoeffer hinauswollte, als er einige seiner eindringlichsten Worte über die Kosten der Nachfolge schrieb:
Gnade ist teuer, weil sie uns zur Nachfolge ruft, und sie ist Gnade, weil sie uns zur Nachfolge Jesu Christi ruft. Sie ist teuer, weil sie einen Menschen das Leben kostet, und sie ist Gnade, weil sie einem Menschen das einzige wahre Leben schenkt. Sie ist teuer, weil sie die Sünde verdammt, und Gnade, weil sie den Sünder rechtfertigt. Vor allem ist sie teuer, weil sie Gott das Leben seines Sohnes gekostet hat: „Ihr seid teuer erkauft“, und was Gott so viel gekostet hat, kann für uns nicht billig sein. Vor allem ist sie Gnade, weil Gott seinen Sohn nicht zu teuer achtete, um ihn für unser Leben hinzugeben, sondern ihn für uns dahingab. Teure Gnade ist die Fleischwerdung Gottes.
Wir können uns nicht selbst retten, aber Gott kommt in seiner großen Liebe zu uns in Jesus, um uns von unserer Sünde und ihren Folgen zu retten und uns wiederherzustellen, zu erlösen und zu heilen. Ich brauche diese Rettung, und Du auch. Er kann Dich von sich selbst retten, von Deiner Gebrochenheit und Deiner Neigung zur Sünde, und Dich zu dem Menschen machen, den Gott sich gedacht hat, als er Dich schuf. Und er kann Dich aus den Zeiten retten, in denen Du gestrauchelt bist, aus Schuld und Scham.