Über den Erkenntnisgrund der Heiligen Schrift (Clavis scripturae sacrae, Tractatus I, 1567)
Von Matthias Flacius Illyricus
DIE URSACHEN DER SCHWIERIGKEIT DER HEILIGEN SCHRIFT (Causae difficultatis sacrarum litterarum)
Feinsinnig sagt Aristoteles, der erste Schritt zur Erkenntnis der Dinge sei, dass man zunächst ihre bedenklichen Seiten beachtet habe. Darum wird es nützlich sein, zu Beginn die Ursachen durchzugehen, aus denen die Schrift zuweilen etwas schwierig ist. Ich spreche jedoch nicht von derjenigen Schwierigkeit, welche ihre Feinde mit äußerster Verhöhnung der Wahrheit erfinden: dass es nämlich unmöglich sei, ihren wahren Sinn bezüglich aller notwendigen Dogmen zu erfassen; weshalb wir alle zu den Päpsten und ihren Konzilien und Dekreten als den sichersten, dem Irrtum nicht ausgesetzten und unwiderleglichen Auslegern, die sie gleichsam mit einer Art höchstrichterlicher Macht interpretieren könnten, unsere Zuflucht nehmen müssten. Vielmehr behaupte ich, dass ihre Sprache und ihr Sinn durch unser Verschulden nicht überall so offen vor uns zu liegen scheint wie bei vielen anderen Schriftstellern. Das sage ich aber nicht, um den Ungläubigen Gelegenheit zur Verleumdung der Heiligen Schrift zu geben oder um irgendjemanden von ihrem Studium abzuschrecken. Im Gegenteil: ich sage es, um die Sorgfalt der Leser umso mehr anzustacheln, und damit unter Beachtung dieser Schwierigkeiten nachher die Hilfsmittel, die ich darlegen werde, umso genauer gelernt werden mögen. Mit Sorgfalt und Beten kann man nämlich die gewisseste Wahrheit über alle notwendigen Dinge in ihnen auffinden.
1. Ein unbelehrbarer Hörer und Verächter solcher Dinge nimmt nicht auf, was Gottes ist. Die tägliche Erfahrung lehrt, dass viel, ja fast das Ganze beim Hörer oder Lernenden liegt. Der Talentvolle nimmt alles leichter auf als der Schwerfällige. Wir sehen, wie der eine diese, der andere jene Wissenschaft oder Kunst schneller als anderes lernt, sei es aus besonderer Eignung, sei es aus besonderer Neigung dazu. In der Heilslehre jedoch sind alle Menschen ihrer Natur nach nicht nur schwerfällig und dumm, sondern auch gerade dem gegenteiligen Sinne eiligst zugeneigt; wir sind nicht nur unfähig, sie zu lieben, zu begehren und zu verstehen, sondern wir halten sie gar für töricht und ruchlos und schrecken daher vor ihr zurück.
2. Die Ausleger, die zumeist Ungebildeten zur Einsicht in das Heilige Buch verhelfen mussten, verdunkeln die Schrift oft mehr, als sie sie auslegen, und zwar entweder aus Unwissenheit oder aus Bosheit. Sie bringen mehr ihre eigenen Gedanken oder Wahnvorstellungen in die Schrift hinein und hängen ihr (so wie die gottlosen Kölner Jesuiten die Schrift verhöhnen) eine wächserne Nase an. Die alten Schriftsteller haben die Heilige Schrift zwar aus Unkenntnis der Sprache und der Sachen selbst verdunkelt; die neueren Sophisten jedoch aus Unwissenheit und Bosheit zugleich. Ich beschwöre Euch: Kann man sich eine verderblichere Verdrehung des Sinnes der Heiligen Schrift ausdenken als die, dass sie für die hauptsächlichsten Wörter, oder vielmehr Sachen (wie für Sünde, Gerechtigkeit, Rechtfertigung, Glaube, Gnade, Fleisch, Geist und ähnliches), einfach philosophische und Aristotelische Bedeutungen in die Heilige Schrift hineingebracht und sie dadurch gänzlich verkehrt haben. Während sie von sich aus eigens und ausdrücklich einzig das Lamm Gottes, sein Opfer, seine Verdienste und seine Taten als den einzigen Weg des Heiles zeigt, ist sie nun durch den Betrug dieser Sophisten so verdreht worden, dass sie Moses und die guten Werke und Verdienste der Menschen in den Vordergrund zu stellen und zu rühmen scheint.
3. Die Sprache ist zuweilen dunkel. Dafür gibt es viele Ursachen, von denen ich sogleich sprechen werde; der Hauptgrund ist aber unsere Unerfahrenheit darin. Die Sprache ist nämlich ein Zeichen oder ein Bild der Dinge und gleichsam eine Art Brille, durch welche wir die Dinge selbst anschauen. Wenn daher die Sprache entweder an sich oder für uns dunkel ist, so erkennen wir nur mühsam durch sie die Sachen selbst.
4. Die Sprache anderer Völker ist immer für die anderen schwierig. Das lehrt die Erfahrung. Und es gilt auch für die gemeinen Sprachen, mit welchen viele in ständigem Sprechen, Lesen, Schreiben und dauernder Befragung der Sprachkundigen sich abgeben.
5. Eine alte Sprache ist für die Neueren dunkel. Die Römer verstanden die Sibyllinischen Bücher und die Annalen der Oberpriester kaum, wie Horaz bezeugt, obwohl es weitgehend die gleiche Sprache war. So verstehen auch die Deutschen jetzt nicht, was zur Zeit Karls des Großen geschrieben worden ist, obwohl es sich um die gleichen Wörter handelt, wie man in der Evangelienübersetzung des Otfried sehen kann. Überhaupt ist jene ganze uralte Sprechweise und daher auch die Lebensart für die Neueren dunkel und schwierig.
6. Der verschlungene und schwebende Stil bewirkt, dass man nicht selten Anfang und Ende übersieht. Dieser Nachteil war vor allem den Alten eigen, wie Aristoteles in der Rhetorik (Kap. 3) bezeugt. Er findet sich, wenn die Rede nicht eher als die behandelte Materie selbst aufhört und immer eines vom anderen abhängt. Von dieser Art sei auch das Werk des Herodot, wie Aristoteles selbst sagt. Indessen geht zuweilen bei Paulus die Rede sogar auf andere Dinge über. Darüber wird es ein eigenes Kapitel in diesem Teil geben.
7. Auch die Unterschiedlichkeit der Sprache der einzelnen Schriftsteller, besonders des Neuen und Alten Testaments (obwohl die ganze Bibel gleichsam als Werk eines einzigen Verfassers, wie es ja auch ist, aufgefasst werden muss), bringt dem unerfahrenen Leser kein geringes Hindernis. Auch wenn sich jemand bestens an die Schreibart eines jener Schriftsteller gewöhnt hat, wird er nicht sogleich auch einen anderen verstehen. Außerdem scheint jene verschiedene Sprache nicht selten auch verschiedene Dinge beizubringen. So glaubten die Sadduzäer, und ursprünglich alle Juden, die Propheten hätten eine andere Lehre gehabt als Moses. So scheint auch jetzt noch für viele Christen das Neue Testament etwas anderes zu sagen und zu lehren als das Alte.
8. Die Sprache ist sehr bildlich, und das in mehrfacher Hinsicht. Sie ist reich an Gleichnissen, Allegorien, Typen, Frageformen, Schilderungen, Wortmalereien und ähnlichen Redefiguren, die man ohne Vorwarnung nicht verstehen und ausmachen kann.
9. Sie besitzt viele und verschiedenartige übertragene Redeweisen und macht sehr häufig Gebrauch davon. Von denen sind aber nicht wenige in anderen Sprachen weniger gebräuchlich, besonders was einzelne Beispiele betrifft. Denn sie haben eine andere Gattungsbildung, selbst wenn die Tropen oder figürlichen Ausdrücke aller Sprachen auf die gleichen Namen zurückgeführt werden können.
10. Die Hebräer vermischen oft aneinandergereihte Tropen entweder der gleichen Gattung, wie Metaphern, oder verschiedener Gattungen, wie Metaphern, Namensvertauschungen, stellvertretende Bezeichnungen, vom Menschen hergenommene Sinnbilder und ähnliches untereinander.
11. Oft haben sie in einem Ausdruck einen doppelten oder dreifachen Tropus, wie in einer eigenen Regel gezeigt werden wird. Beispielsweise: Die Hand des Herrn hat mich angerührt: Das ist zuerst eine anthropomorphe Metapher, die vom Menschen auf Gott übertragen ist; sodann steht Hand für ihre Wirkung, nämlich die Strafe.
12. Nicht selten verwenden sie weit hergeholte und harte Tropen, wie: einen Menschen oder die Religion erbauen, oder: sich Christus oder eine Verwünschung anziehen.
13. Häufig wenden sie ungefüge Tropen an, wie: die jungfräuliche Tochter Zion wird gebaut und gepflanzt.
14. Man findet Unvollständiges und Unausgeführtes bei Wörtern, in der Sprache, in den Bedeutungen und in den Sachen. Sehr häufig nämlich kommt es vor, dass entweder Wörter oder Satzbau bzw. Form der Rede oder schließlich auch Sätze oder Sachen, prüft man sie nach Art des Lateinischen, zu wenig dem Vorausgehenden entsprechen oder gar nicht vorhanden, sondern nur hinzuzudenken sind.
15. Viele Vertauschungen der Redeteile und auch ihrer zusätzlichen Bestimmungen finden sich in der hebräischen Sprache.
16. Verschiedene Einschiebungen und Verdoppelungen werden häufig angewandt. Wenn man sie nicht sorgfältigst beachtet und aufmerksam erwägt, verwirren sie den Geist und das Gedächtnis des Lesers, sodass er die Folge der Bedeutungen oder Sinngehalte nicht erfasst und gleichsam einsam in einem unbekannten Wald herumirrt. Nicht selten geschieht es, dass auch ein aufmerksamer Leser drei- oder viermal zum Ausgang zurückkehrt und die Folge der Bedeutungsgehalte festzustellen versucht, was er doch wegen dieser Schwierigkeiten nicht leicht vermag.
17. Der Mangel an Büchern verhindert, dass man den Gebrauch eines dunkleren Wortes oder Ausdrucks anderswoher erkennen oder beleuchten kann. In anderen Sprachen, wie in der griechischen und lateinischen, kann man wegen der Menge der vorhandenen Bücher viele Ausdrucksweisen und Stellen der Autoren, die aus sich selbst nicht verstanden und ausgelegt werden können, aus anderen beleuchten.
18. Die Schrift ist in ihren Worten und Sätzen kurz. Daher trifft jenes Wort von Horaz zu: Ich gebe mir Mühe, mich kurz zu fassen; und ich werde dunkel. Diesen Nachteil erzeugt die Kürze in allen Sprachen.
19. Sie zieht mehrere Sätze oder Sinngehalte und Sachen, die weit voneinander liegen, in einen Satz zusammen, wie ich beim Thema „Auslassung“ und im Kapitel über den straffen Stil und in anderen Regeln zeigen werde.
20. Vieles muss man sich dazudenken; diese Sprache ist nämlich sehr straff, wie ich bei der „Auslassung“ an vielen Beispielen zeigen werde.
21. Aus der Mangelhaftigkeit der Verbformen und der sie verbindenden Konjunktionen sowie aus dem Mangel an Kasusformen entstehen die meisten Dunkelheiten, wie man aus anderen Sprachen leicht schließen kann. Denn die Artikel unterscheiden in dieser Sprache die Fälle zu wenig glücklich; ja oft dienen die gleichen Artikel mehreren Fällen.
22. Das Fehlen zusammengesetzter Wörter, das dazu zwingt, einfache an Stelle der zusammengesetzten zu benutzen, verdunkelt nicht selten die Sprechweisen. Das kann jedermann sofort erraten.
23. Zuweilen drücken einzelne Wörter ganze Sätze aus, welche dann gleichsam global wieder anderen angefügt werden. Diese Kürze und gewissermaßen Fremdartigkeit wird dem unerfahrenen und unaufmerksamen Leser sehr leicht zum Verhängnis.
24. Zuweilen geht sie mit einem Satz wie mit zweien um, und umgekehrt mit zwei verschiedenen wie mit einem, wie ich an anderer Stelle in diesem Teil in einer eigenen Regel zeigen werde.
25. Oft wird die Rede zu sehr mit Wörtern und Sinngehalten belastet, sodass von Unerfahrenen ohne Hilfsmittel nicht leicht unterschieden werden kann, welches die Hauptsinngehalte sind und was zufällig hinzukommt, wie sie untereinander zusammenhängen, in welcher Reihenfolge sie zu verstehen, zu bewerten, im Sinne zu behalten und auch in ihrem eigenen oder einem anderen Gebrauch anzuwenden sind.
26. Eine große Freizügigkeit des Wortgebrauchs herrscht in dieser Sprache, indem die Wörter nämlich durch verschiedene Tropen bald auf diese, bald auf andere Bedeutungen und Sachen bezogen werden. Das gibt den weniger Erfahrenen oft Anlass zum Zweifel oder auch zum Irrtum.
27. Sie verdoppelt zuweilen den Sinngehalt in einem Wort, wie ich in der Regel von den Wörtern, die außer und gegen ihre Natur eine gewisse Bewegung annehmen, zeigen werde.
28. Der Missbrauch der Synkategoreme bzw. aller undeklinierbaren Teile ist groß; ob du nun ihre Bedeutungen oder ihren Zusammenhang erwägst. Diese wahrhaften Angeln oder Gelenke bewirken viel zur Beleuchtung oder Verdunkelung, wenn sie geschickt oder ungeschickt angewendet werden. Es wechselt nämlich nicht nur ihre Bedeutung in wunderlicher Weise, sondern sie sind häufig auch sehr zahlreich vorhanden, fehlen bald, und bald stehen sie nicht an ihrem gehörigen Ort.
29. Für lateinische Ohren ist die ganze Verflochtenheit der Sprache härter. Die Wörter oder Sätze sind in ihr nicht untereinander weich und kunstgerecht zusammengestellt und verlötet wie bei vielen anderen Schriftstellern, vielmehr stürzen sie zuweilen mit holperigem, aufbrausendem und strudelndem Ungestüm daher. Darin ähneln der Heiligen Schrift Thukydides und Sallust nicht wenig.
30. Der Aufbau der Rede wird manchmal nicht fortgeführt, sondern unvermittelt geändert, sodass anderes herauskommt, als begonnen wurde. Apostelgeschichte 7, 40: „Dieser Moses, der uns aus dem Lande Ägypten geführt hat, wir wissen nicht, was ihm widerfahren ist.“ Über den Wechsel der Redeform wird im Kapitel über die Wiederholungen ausführlich gehandelt werden.
31. Plötzliche Vertauschungen der Personen, Zeiten, Umstände und Zahlen verdunkeln nicht wenig die Rede; sie sind auch in der Heiligen Schrift sehr häufig.
32. Wer über Wissenschaften schreibt, handelt von den Dingen meistens mehr oder weniger allgemein, weil es, wie man sagt, über das Einzelne nur endlose Erörterung und somit auch keine Wissenschaft oder Gewissheit gibt. Die Erörterungsweise der Heiligen Schrift ist jedoch aus Einzelheiten und Allgemeinem gemischt. Nun haben aber alle Einzeldinge nicht nur verschiedene Umstände, welche sich in der Folge ändern, sondern sogar unzählige Umstände, auf welche das Gespräch notwendigerweise eingeht. Daher ist es nicht immer leicht, sie teils wegen ihres Wechselns, teils wegen ihrer großen Anzahl, teils schließlich auch wegen der Verschiedenheit der Sachen, Personen und Örtlichkeiten sogleich zu kennen oder im Gedächtnis zu behalten, wo es notwendig ist.
33. Ihre Gegenstände sind schwierig, mystisch und himmlisch. Wo immer aber die Sachen selbst dunkel und schwierig sind, ist es schwierig, den Verfasser zu verstehen, auch wenn seine Sprache sonst noch so klar ist. Wir sehen, dass alle leichter eine etwas gröber und dunkler geschriebene Geschichte verstehen als eine subtile und tiefschürfende philosophische Abhandlung, auch wenn sie nach noch so klarer Ordnung, Regeln und Sprache dargelegt wird.
34. Nirgends werden auch nur an einer Stelle die Dinge und Materien methodisch ganz und vollständig so ausgeführt, dass außerdem nichts mehr zu wünschen übrig bliebe. Im Allgemeinen ist vielmehr ihre Behandlung ein gewisses Gemisch oder ein Mittelding aus einzelnen Sätzen oder Aphorismen und methodischen und reichhaltigeren Erklärungen dieser Dinge. Die Behandlungsweisen der Dinge sind nämlich sehr verschieden (wie jeder weiß), je nachdem, ob einzelne Sätze gelegentlich und kurz angeführt werden, wie die Aphorismen des Hippokrates, des Phokylides oder die Sentenzen der sieben Weisen, welcher Art auch die Sprüche Salomonis sind, oder ob die Dinge und Materialien am fortlaufenden Faden der Rede vollständig und nach durchsichtiger Ordnung dargelegt werden. Denn bei dieser Behandlung wird alles klarer wegen der Ordnung, der vollständigen Darlegung der Dinge, und weil die einen Teile oder Sätze zumeist für die anderen Durchsichtigkeit und Licht herbeiführen. Nun ist aber gerade die Schrift, wie gesagt, wenn sie auch Dinge mit Sachkenntnis zu behandeln scheint, doch in der Regel ein Gemisch aus dieser zweischichtigen Schreibart.
35. Es ist in der Tat zweifelhaft, warum Gott die Schrift gleichsam Satz für Satz und so dicht gedrängt in bestimmte Teile eingeteilt überliefert hat, wie auch das kaiserliche Recht geschrieben ist. Geschah es deshalb, weil beide aus einzelnen Fällen oder aus deren Behandlung entstanden sind? Denn wirklich sind beide (wie man zu sagen pflegt) aus den schlechtesten Sitten des Menschengeschlechts und des Teufels, oder gewiss auf Anlass derselben, entstanden. Oder darum, weil sie so besser den einzelnen Aufgaben dienlich sind? Denn die Schrift ist zu einem großen Teil aus einzelnen Eingebungen, Ansprachen und Briefen zusammengestellt, die zur Beseitigung und Berichtigung der Übel aus der Schuld und Strafe der Menschen von Gott gegeben sind. Und diese Sache oder Methode ermangelt freilich nicht sehr schwerwiegender Gründe, aber das bringt doch zugleich eine gewisse Dunkelheit für die Unerfahreneren mit sich. Davon wird später noch zu reden sein.
36. Oft wird etwas dunkel vorgetragen, und das noch zuweilen in einem einzigen Wort, welches anderen Wörtern angefügt wird, wie im Kapitel über die Ordnung der Sätze dargelegt werden wird.
37. Zuweilen wird die vorgelegte Materie beiseite gelassen und von da auf etwas anderes übergegangen, bis schließlich die Rede doch wieder auf jenes vorige zurückkommt. Diese Gewohnheit der Behandlungsart wird im Kapitel über die Ordnung der Sätze weiter erklärt werden.
38. Nicht selten gibt es einen ebenso plötzlichen wie undurchsichtigen Übergang von einer Sache zur anderen; und um diese Schwierigkeit zu klären, werde ich an ihrem Orte eine eigene Regel anführen.
39. Argumente und Gründe werden nicht immer klar unterschieden. Hier und da werden sie sowohl untereinander wie mit anderen damit verbundenen Dingen vermischt.
40. Unbekannte oder nicht genügend an ihrem Ort dargelegte Bedingungen und Umstände von Händeln, auf welche die Apostel und Propheten dann in ihrer Rede zurückblicken, sind der Anlass für Dunkelheiten. Entweder werden nämlich Irrtümer und Ablenkungen oder der Geist der Hörer oder gewisse Anstößigkeiten und Gefahren oder gewisse andere Dinge vom Redenden ins Auge gefasst und die Sprache daran angepasst.
41. Dinge, Örter und Gebräuche, auf die die Rede anspielt oder von denen Metaphern und Vergleiche hergenommen sind und die oft erwähnt werden, sind unbekannt und verdunkeln die Rede. Darüber wird es ein eigenes ausführliches Kapitel in diesem Teil geben.
42. Allgemeine Sätze legt sie oft zu wenig ausführlich und vollständig oder auch zu wenig betont dar; wie beispielsweise: Ich vermag alles durch Christus (Philipper 4,13); so sagen die Anhänger des Papstes: also kann jeder den keuschen Zölibat erfüllen. Alles, was du binden wirst, usw. (Matthäus 16,19) und ebenso: alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet (Matthäus 23, 3): also müssen alle und in allen Dingen dem Papste und den Bischöfen ohne jede Ausnahme gehorchen, was immer sie auch lehren oder vorschreiben. Warum man das einschränken muss, darüber wird in einem eigenen Kapitel an seinem Ort gehandelt werden.
43. Unwahre Gründe werden oft als wahre gesetzt oder gewiss nicht mit ihren richtigen Folgen verbunden. Das gibt den Unerfahrenen Gelegenheit zum Irrtum. Darüber wird in einem eigenen Kapitel gehandelt werden.
44. Gesetz und Verheißung bzw. Evangelium scheinen dem Uneinsichtigen zu widerstreiten. Ihre Übereinstimmung und ihr Unterschied ist der sicherste Schlüssel für die ganze Schrift. Ihre Übereinstimmung besteht aber darin, was man wissen muss, dass das Evangelium über dem Gesetz steht und dadurch das Leben schenkt, welches das Gesetz nur verhieß. Dieses vermochte es aber wegen der Schuld und wegen des Lasters des verdorbenen Menschen, der keinen Gehorsam leisten konnte, nicht zu schenken. Daher tritt das Gesetz nun dem Evangelium an die Seite und wirkt nur in zusätzlicher Funktion, nachdem es seine ursprüngliche Aufgabe, Gerechtigkeit und Leben zu bewirken, verloren hat: es soll durch Offenbarung der Sünden und des Zornes Gottes die Menschen zwingen, den Arzt zu suchen; und so soll es ein Führer hin zu Christus sein.
45. Der wahre und genuine Gebrauch des Gesetzes wird zwar in der Schrift vielfach behandelt, während er doch schon durch unsere Schuld zugrunde gegangen ist: nämlich zu rechtfertigen und Leben zu spenden. Der zusätzliche Gebrauch aber, der schon der ursprünglichere ist, wird im Alten Testament allzu dunkel dargelegt. Das gibt den meisten Gelegenheit zum Irrtum. Aber darüber wird in dem Buch unter dem Titel „Über den Schleier Moses“ gehandelt.
46. Der Schleier Moses’ beinhaltet eine mehrfache Dunkelheit, welche ich in dem Buch unter diesem Titel, das diesem Teile beigefügt sein wird und das auch schon früher herausgegeben wurde, dargelegt habe.
47. Es ist eine wunderbare Tat der Weisheit und Voraussicht Gottes, dass er seine Mysterien so übergeben wollte, dass ebenso wie die erste Offenbarung auch die nachfolgenden Erleuchtungen nur aus seiner gnädigen Hand und seiner bereiten Freigebigkeit erwartet werden sollten.
48. Aus einzigartigem Ratschluss eröffnet Gott am Anfang dunkler, später klarer seine Mysterien. Wir müssen das zwar bewundern und heiligen, doch brachte es für die Früheren notwendigerweise eine gewisse Dunkelheit mit sich. Obwohl in unserer Zeit keine neue und unmittelbare Offenbarung direkt vom Himmel gegeben und kein neuer Teil zu den biblischen Büchern hinzugefügt worden ist, kann doch niemand, der einsichtig ist und die Wahrheit erforscht, leugnen, dass die Theologie und das Licht der Heiligen Wissenschaften gegenüber aller alten Zeit wie der Mittag vor dem Lichte des Morgens erstrahlt. Ich schweige von der bewunderungswürdigen Bloßstellung und Austreibung des Antichrists.
49. Vieles hat Gott mit Absicht in Gleichnissen gesagt, da es ja nicht allen gegeben ist, die Mysterien zu erkennen, und er selbst sie den Kindern offenbaren und den Weisen verbergen will nach seinem Gefallen. So hat es der Herr Jesus selbst bezeugt (Matthäus 11,25 und 26).
50. Vieles ist selbst den Frommen verborgen, damit sie umso eifriger die Heilige Schrift erforschen und eine klarere Offenbarung erstreben. Auf beides müssen wir mit ganzem Herzen bedacht sein, indem wir Tag und Nacht über das Gesetz Gottes meditieren und auch immer heiß darum beten, Herr, vermehre in uns den Glauben und den Geist.
51. Schließlich sollen wir hier Gott und seine Mysterien wie in einem Rätsel und unvollkommen erkennen, im anderen Leben aber vollständig und von Angesicht zu Angesicht sehen. Dann endlich möge er bezeichnen, was unvollkommen ist, womit wir uns für jetzt zufriedengeben müssen. Wie auch die Frucht im Mutterleib, von Gott eingeschlossen, mit ihrem Geschick zufrieden ist, auch wenn sie die strahlende Sonne nicht erblickt.
DIE HEILMITTEL (Remedia)
Für solcherart Hemmnisse und Nachteile heilsame Mittel zu finden und anderen mitzuteilen, dürfte ein frommes und nützliches Unternehmen sein. Das wird in diesem ganzen Werke mit Fleiß von meiner Seite aus geschehen, wie es auch von anderen Schriftstellern geschehen ist, die sich bemühten, die Heilige Schrift zu beleuchten. Diese Schwierigkeiten sind nämlich keineswegs unüberwindlich, zumal für die Frommen. Der allergnädigste himmlische Vater hat nämlich viele Heilmittel für diese Hemmnisse dargeboten.
Das erste Heilmittel, an erster Stelle und mit höchstem Eifer zu suchen, sei also die einzige Quelle alles Guten, der himmlische Vater selbst, der uns zum Sohne hinzieht: der aus dem Schoße des Vaters geoffenbarte Sohn, der uns Eingang, Wahrheit und Weg zum Vater ist; und schließlich der Heilige Geist selbst, dessen eigene Aufgabe es ist, uns in die ganze Wahrheit einzuführen, uns gottesgelehrt oder von Gott belehrt zu machen und uns bei allem Forschen und Mühen wahre und heilsame Gedanken einzuflößen.
Das zweite Heilmittel sei eine gewisse Unterweisung oder auch fruchtbarere Kenntnis der Dinge selbst, die in der Heiligen Schrift behandelt werden, wie sie von den frommen und erfahrenen Dienern Christi dargereicht wird. Diese besteht freilich vor allem in der Erkenntnis unserer Krankheit und demnach des einzigen Arztes Christus.
Das dritte Heilmittel sei eine sichere Kenntnis der Sprache der Heiligen Schrift: wozu auch dies unser Werk, so Gott will, eine gewisse Hilfe beibringen wird. Darin werden wir mit Fleiß versuchen, alle Hindernisse oder Schwierigkeiten derselben entweder zu ebnen oder auch zu lindern und sie den frommen Lesern durchsichtig zu machen. Hier liegt nämlich wohl die vorwiegende Quelle der Schwierigkeit der Heiligen Schrift, dass fast niemals die Theologen mit höchster Sorgfalt sich darum bemüht haben, die Heilige Schrift selbst und den Text vollständiger zu erkennen oder anderen zu erklären. Sie waren damit zufrieden, lieber über die Dinge zu reden, was leichter ist.
Das vierte Heilmittel sei eine beharrliche Meditation und Erforschung des göttlichen Gesetzes. Denn anhaltende Arbeit überwindet alles, und wer nur will, für den ist nichts schwierig. Darum befiehlt uns auch unser einziger Lehrer Jesus, die Schrift zu durchforschen (Johannes 5,39). Und es ist die Art und Natur der wahrhaft Frommen, dass sie mit höchster Hingabe und Lust über das Gesetz des Herrn nachdenken und es Tag und Nacht zur Hand nehmen, wie es jener von der Lesung guter Autoren lehrt.
Das fünfte Heilmittel sei das leidenschaftliche Gebet. Was immer wir nämlich erbitten mögen, werden wir erreichen, und der Herr wird endlich dem zur guten Stunde Anklopfenden gnädig die Schlösser öffnen, und was dunkel ist, wird er uns, die er an seiner Hand führt, mit der angefachten Leuchte seines Geistes erhellen und aufzeigen.
Das sechste Heilmittel ist auch hier, wie in allen anderen Wissenschaften und Künsten, eine wahrhaftige und lebendige Erfahrung, welche überhaupt dunklere Theoriengebäude wunderbar beleuchtet und erhellt.
Das siebente Heilmittel, und zwar ein außerordentliches, ist die Tatsache, dass die gleichen Dinge sehr häufig in der Heiligen Schrift wiederholt werden. Und was an einem Ort entweder zu kurz oder zu dunkel gesagt wird, pflegt anderswo vom Heiligen Geist reichhaltiger und klarer dargelegt zu werden. So sagt Augustin sehr richtig, nicht leicht werde irgendein Satz übertragen gebraucht, der nicht an anderer Stelle deutlich erklärt werde. Die Stellen der Schrift sollten also aufmerksam verglichen werden; so wird eine die andere beleuchten. Darin besteht die glücklichste Auslegung der Schrift, und auch die Väter selbst bezeugen das.
Das letzte Heilmittel seien gute und klare Übersetzungen und treue Interpreten der Heiligen Schrift, vor allem solche, die den Text geschickter behandelt haben.
Da ja diese Sache bei weitem am meisten Gewicht hat und in diesem ganzen Werke Dinge behandelt werden, die vornehmlich darauf Bezug haben, so werde ich auch den folgenden Traktat zusammenstellen, in welchem ich Regeln für die rechte Erkenntnis des Heiligen Buches vorlegen werde.
Zuerst werde ich nicht wenige aus ihr selbst entnehmen, die zweifellos die besten und sichersten sein werden. Sodann werde ich in einer anderen Reihe diejenigen beurteilen, die entweder andere bisher aufgewiesen haben oder die mir mit dem Beistand des gütigen Geistes einfallen.
Damit nun die Anhänger des Papstes uns nicht nach ihrer Weise verleumden, will ich obendrein gestehen, dass die Schrift mehrere Schwierigkeiten besitzt. Und wieviel Heilmittel ich auch immer verschreiben werde, so werden sie doch in keiner Weise für die Ungebildeteren geeignet sein. Daher sollen sich die Unerfahrenen billig der Lesung der Heiligen Schrift enthalten. Man muss aber wissen, dass gute Übersetzungen, wie vor allem diejenige Luthers, die meisten dieser Schwierigkeiten an unendlich vielen Stellen beseitigt haben. Wenn sie auch nicht alle Hebraismen genauestens und buchstäblich zum Ausdruck bringen, so geben sie uns doch die Bedeutungen klarer und für unsere Sprechweise treu wieder. Dazu, dass die Unerfahreneren, wenn sie schon nicht alle dunkleren Aussagen der Schrift verstehen, doch unterdessen die unzähligen anderen Stellen, die klarer sprechen, einsehen, in denen die gleichen Behauptungen enthalten sind, dazu schenkt Gott schließlich seiner Kirche treue und einsichtige Diener und Gelehrte, damit sie in fortwährenden Beratungen die schwierigeren Stellen der Schriften erklären und das übrige, was schon klar ist, weiter fördern und benutzen. Kommen wir jedoch nunmehr auf unseren Vorsatz zurück.
REGELN ZUR ERKENNTNIS DER HEILIGEN SCHRIFT, DIE AUS IHR SELBST ENTNOMMEN SIND (Regulae cognoscendi sacras litteras ex ipsis desumptae)
1. Alles Gute muss man von Gott erbitten; besonders dies höchste: die Erkenntnis seines Wortes. Daher können wir mit David sagen: Öffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz … Verbirg deine Gebote nicht vor mir (Psalm 119, 18 und 19). Daher muss man mit beharrlichen und heißesten Bitten die Erkenntnis der heilbringenden himmlischen Schrift von Gott durch seinen Sohn erbitten. Denn wer suchet, dem wird gezeigt werden, wer klopfet, dem wird aufgetan, und wer bittet, dem wird gegeben.
2. Es ist das Amt Christi, uns die Schrift zu eröffnen und unser Herz zu erleuchten, dass es die Schrift versteht (Lukas 24, 45). Aus seiner Fülle müssen wir alle empfangen. Das geschieht aber, indem wir ihn im Glauben anerkennen und aufnehmen.
3. Der Heilige Geist ist zugleich Autor und Ausleger der Schrift. Es ist seine Sache, uns in alle Wahrheit zu leiten (Johannes 16,13). Seine Sache ist es, die Schrift in unser Herz zu schreiben (Jeremias 31,33). Denn die Prophetie und die ganze Schrift ist (nach dem Zeugnis des Petrus im 1. Brief, Vers 20) keine Sache eigener Einsicht oder Auslegung. Sondern wie sie vom Heiligen Geist durch die Propheten gegeben worden ist, so muss sie notwendigerweise auch durch sein Licht ausgelegt werden (2. Petrus 1, 20).
4. In Christus liegen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis Gottes (Brief an die Kolosser 2, 3). Wir dürfen nichts über ihn hinaus und Höheres als ihn suchen. Gott wird uns nichts Größeres offenbaren. Der Antichrist und die Fanatiker erträumen sich gewisse höhere Mysterien, trachten töricht und unfromm danach und verheißen sie anderen. Doch Paulus selbst leugnet, etwas anderes zu kennen als den gekreuzigten Christus (1. Korinther 1,2). Derartige Mysterien aber sind im Papsttum die Mittlerrolle der Engel, Heiligen und Märtyrer; vor allem aber das mönchische Vollkommenheitsideal und eine homerische Ausmalung der Hölle und des Paradieses.
5. Die Wege des Herrn sind richtig, und die Gerechten wandeln darin; aber die Übertreter fallen darin (Hosea 14, 10). Man muss daher mit Fleiß zusehen, dass wir fromm auf ihnen zu gehen versuchen und lernen, auf ihnen nicht verderblich zu stürzen.
6. Es wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis dass alles geschehe, eher wird Himmel und Erde vergehen (Matthäus 5,18 und 24,35). Darum darf man in der Heiligen Schrift nichts verachten oder verkleinern.
7. Auf alle Weisen muss man die Autorität dieser von außen und von Gott offenbarten oder ausgesprochenen Lehre verteidigen, nach welcher Gott überhaupt mit dem Menschen einen Bund schließen und ihn lehren und umwandeln will. So handelt Gott überhaupt mit dem Menschen nicht wie mit einem Engel, sondern wie mit einer körperlichen Kreatur: damit er ihn durch Ohren und Augen, durch das Wort und die Sakramente, jedoch nicht ohne innere Bewegung und Erleuchtung, belehre. Daher hat er uns Beistand von außen und das Heilige Buch seiner Verheißungen gegeben. Und daher ruft und belehrt er uns dauernd, damit wir hören. Diese ganze Folge von Belehrung und Bekehrung hat Paulus Stück für Stück beschrieben (Römer 10, 14 und 15), indem er sagt, dass Gott Gelehrte schicke, nämlich durch den Geist unterrichtete Schriftgelehrte (Lukas 24,45 und 49), und diese lehrten. Die aber aus ihrem Munde das Wort Gottes hörten, glaubten ihnen; die Gläubigen beteten zu ihm, und schließlich würden die ihn anriefen gerettet werden. Darum ist es die offensichtlichste Heuchelei des Teufels, wenn uns Fanatiker wie Schwenckfeld und der Papst von der Heiligen Bibel weg zu ich weiß nicht welchen geistlichen Offenbarungen und sehr unsauberen Winkeln ihres Herzens hinzuführen versuchen, wo alle Rechte und geistlichen Offenbarungen verborgen seien, während sie vielmehr ein Höllenpfuhl böser Geister sind.
8. Die Heilige Schrift muss in der Furcht Gottes gelesen werden, sodass wir sicher stehen und weder im Glauben noch in Sitten oder irgendwelchen Taten zur Rechten oder zur Linken abweichen (Josua 1,7 und 8; Deuteronomium 5, 32). Denn er ist der Allerweiseste, sodass er allein den rechten Weg kennt, und mit Recht muss er in diesem seinem Haus als einziger und höchster Hausvater gehört werden.
9. Wenn wir uns zu Christus hinwenden, wird der Schleier von unserem Herzen und auch von der Schrift selbst hinweggenommen, nicht nur, weil wir durch das geistige Licht erleuchtet werden, sondern auch weil wir den Gesichtspunkt und das Argument der ganzen Schrift in Händen halten, nämlich den Herrn Jesus selbst mit seinem Leiden und seinen Wohltaten (2. Korinther 3, 16). Denn des Gesetzes Ende ist Christus. Jener allein ist die Perle oder der Schatz, und wenn wir den in diesem Acker des Herrn gefunden haben, dann haben wir gut genug gewirtschaftet.
10. Die Anfechtung lehrt aufs Wort merken (Jesaja 28,19). Es ist mir lieb, dass Du mich gedemütigt hast, dass ich Deine Rechte lerne (Psalm 119,71). Also nützt die Anfechtung und das Kreuz sehr viel zur Erkenntnis Gottes und seines Wortes.
11. Es ist von Nutzen, alsbald am Anfang die Früchte, die man aus einem vorgelegten Werke entnehmen kann, zu kennen; nicht nur, damit man heiterer beim Werke sei, sondern auch damit man wisse, worauf man am meisten acht haben muss und was man von daher herauspflücken und sich gut merken müsse. Alles also, was geschrieben ist, ist unsertwegen geschrieben: damit uns die Schrift zuerst als Sünder kenntlich macht bzw. uns verurteilt; sodann, damit sie uns Zeugnis ablege von Christus (Johannes 5), drittens, dass sie uns tröste, damit wir Geduld und Hoffnung haben. Und schließlich soll die Schrift nützen zur Lehre, zur Aufdeckung der Schuld, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, dass ein Mensch Gottes sei vollkommen, zu allem guten Werk geschickt (2. Timotheus 3,16 und 17).
12. Höchster, beständiger und brennender Eifer muss in der Erkenntnis der Heiligen Dinge aufgewendet werden. Denn es ist Sache der Frommen, nachzudenken über Gottes Gesetz Tag und Nacht (Psalm 1,2) und aufmerksam zu suchen in der Schrift (Johannes 5, 39; Apostelgeschichte 17, 11).
13. Es ist nützlich, das Anliegen oder die Summe der ganzen zu erkennenden Schrift den Lernenden kurz darzulegen. Die Summe aber der Schrift sind die folgenden beiden Syllogismen. Der erste und höchste Syllogismus des Alten Testaments ist dieser: Was Gott sagt, das ist wahr. Das bedarf keines Beweises. Es ist nämlich der erste Grundsatz der ganzen Theologie. Unsere Worte (sagen Moses und die Propheten) sind die Worte Gottes, und durch uns hat er gesprochen. Daher sind unsere Worte und Schriften über die Schöpfung und den Sündenfall, über den gesegneten Samen und den Messias die allerwahrsten. Den zweiten Syllogismus beweisen wir sowohl durch die sichtbaren Wunder der Herausführung Israels aus Ägypten und der Hinführung in das Land der Verheißung wie auch durch die nachfolgenden Geschehnisse der Bestrafung und der Erhaltung dieses Volkes und aller Nachbarvölker, der Folge der Herrscher und die anderen handgreiflichsten Zeugnisse, mit denen Gott als der Urheber so großer Werke dargelegt hat, dass diese unsere Bücher und unsere Lehre von ihm selber ist. Das Neue Testament legt nun diesem Syllogismus der Propheten, den es gleichsam wie ihre Saat erntet, einen anderen Syllogismus unter und schließt daraus, indem es dessen Schlusssatz als erste Prämisse nimmt, wie es in vorgängigen und nachfolgenden Schlüssen zu geschehen pflegt: Alles, was das Alte Testament oder die Propheten von dem Messias und von anderen Dingen gesagt haben, das ist das allerwahrste, das heißt: Die von den Propheten gegebene Beschreibung des Messias ist die allerwahrste. Nun ist aber unser Jesus eine solche Person, wie diejenige, als welche der Messias von den Propheten dargestellt worden ist, denn er kam zu der Zeit, in welcher Juda nicht mehr weithin herrschte, zur Zeit des zweiten Tempels und am Ende der 70 Wochen Daniels. Und er stammt auch aus einem solchen Ort und von einem solchen Geschlecht ab und ist von einer jungfräulichen Mutter geboren. Er hat auch solche Wunder vollbracht und war so Mensch und Gott zugleich, er hatte einen solchen Wegbereiter, und in der bestimmten Weise hat er schließlich gelitten und ist auferstanden. Und so fielen auch Moses und die Götzenbilder der ganzen Welt bei seinem Erscheinen. Alles ist schließlich bei seiner Ankunft so vorgefallen, wie die Propheten einst vorhersagten. Also ist dieser Mensch Jesus selbst der wahre Messias. Die zweite Prämisse, welche eine umschreibende Definition Jesu darstellt, die aus seinen verschiedenen Charakteristiken und Umständen hergenommen ist, wird durch so viele Augenzeugen bestätigt: nämlich nicht nur durch die zwölf Apostel, sondern auch durch die 70 Schüler, sowohl die frommen wie die unfrommen. Vieles in dieser Definition oder Umschreibung Jesu bezeugen die Juden und Türken mit ihrem Koran noch bis zum heutigen Tag, und deren Zeugnis kann nicht verdächtig sein. Einiges bezeugen auch die Ruinen Jerusalems selbst und die Zerstreuung des verworfenen Volkes sowie die so lange währende Aufhebung seines ganzen Kultes.
Mit diesem zweiten Syllogismus, der dem Neuen Testament eigen ist, wird auch jener erste des Alten Testaments bekräftigt: Was Gott sagt oder bezeugt, das ist das allerwahrste. Gott bestätigt aber die öffentlichen Reden Jesu durch sein Zeugnis, indem er dreimal vom Himmel herabruft (Matthäus 3,17 und 17, 5; Johannes 12, 28) und außerdem durch so viele und so große Wunder, von denen der Herr selbst sagt: Wenn ihr mir nicht glaubt, so glaubt wegen dieser Taten, die der Vater mit mir wirkt (Johannes 8, 38). Und Nikodemus sagt: Meister, wir wissen, dass du bist ein Lehrer von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm (Johannes 3, 2). Und die Massen sagten: Wenn der Christus kommen wird, wird er etwa mehr Zeichen tun, als dieser tat? (Johannes 7, 31). Darauf deutet auch die Zerstörung Jerusalems, des Kultes und des Volkes hin.
Was also Jesus und seine Apostel gesagt und gelehrt haben, das ist das allerwahrste. Diese Summe des ganzen Alten und Neuen Testaments, wie sie in diesen beiden Syllogismen enthalten ist, zu Beginn im Sinne zu haben, ist das allernützlichste für eine richtigere Erkenntnis der Heiligen Schrift. Ebenso nützt es ja zur genauen Kenntnis irgendeiner Rede eines Redners, einer Komödie oder eines anderen Gedichtes, einer Geschichte oder eines Buches, am Anfang das Anliegen oder die Summe davon inne zu haben. Oder es nützt zur Erkenntnis der Teile oder von Ausschnitten der Weltbeschreibung, am Anfang die gesamte Figur zu betrachten und im Geiste zu umfassen. Wenn nämlich der menschliche Geist am Anfang die Summe einer Sache kurz erfasst und gleichsam immer vor Augen hat, kann er umso leichter nachher in dem ganzen ausgedehnten Werke verharrend die Einzelheiten umfassen und untereinander vergleichen. In der Tat geben uns die Evangelisten diese Summe des Alten und Neuen Testamentes, und Christus selbst auch, indem er so oft wiederholt: Das ist geschehen, damit die Schrift erfüllt werde. Dadurch soll der Hörer an die zweite Prämisse des obengenannten summarischen Syllogismus gemahnt werden, und es soll angezeigt werden, dass sie die Summe und das Ziel der ganzen Schrift ist: Nämlich (wie ich gesagt habe): Nur eine solche Person ist nach dem Zeugnis der Propheten als Messias anzunehmen. Jesus ist nun eben so beschaffen, was aus diesem und jenem, aus anderen und geradezu aus allen seinen Lebensumständen offen zutage liegt. Also ist Jesus der wahre Messias.
14. Es ist für den Leser von großem Nutzen, wenn er sogleich zu Beginn der Lesung einer Schrift über die Absicht und die Art der Lehre oder der Materie vorunterrichtet ist, welche darin behandelt wird, damit er gleichsam wie von einem Theseusfaden geleitet, sicher und mit Nutzen gleichsam in dieses Labyrinth eintreten, darin voranschreiten und zurückkehren kann. Denn alle längeren Schriften auch über die bekanntesten Materien, die mit bester Ordnung und in durchsichtiger Sprache verfertigt sind, verwirren sehr den einfachen und ungelehrten Leser wegen der Ausgedehntheit und der Menge der Sachen und der Sinngehalte. Deshalb muss man nicht zu Unrecht etwas derartiges auch in der Heiligen Schrift für den Unerfahreneren fürchten.
Daher muss man beachten, dass in diesem Buch nicht nur eine Art von Lehre enthalten ist, wie sonst meistens in einzelnen Büchern, die von einem begonnen und verfertigt sind, sondern zwei Lehrarten. Und diese sind gewissermaßen entgegengesetzt. Die erste sagt (nach dem Zeugnis des Paulus im Römerbrief 10,5): Welcher Mensch sie tut, der wird durch sie leben. Oder: Der vollste Gehorsam gegen das Gesetz führt den, der es erfüllt, zum ewigen Leben. Die andere Lehre aber ruft dagegen: Wer jenem glaubt bzw. den im Glauben annimmt, der allein das Gesetz befehlen konnte und der es für das ganze menschliche Geschlecht aufgestellt hat, der wird gerettet werden (Johannes 3, 16). Also gibt es zwei Lehrarten: Das Gesetz und das Evangelium; und diese sind von sich her und ihrer Natur nach in der Tat gegensätzlich. Das eine nämlich bietet nur den Würdigen und Gerechten das Heil, das andere aber wahrhaftig nur den Unwürdigsten.
Sie stimmen jedoch in der Weise überein, dass das eine höher als das andere ist. Denn das Gesetz weicht dem Evangelium, nicht nur weil es die niedere Lehre ist, sondern auch weil es seine Wirkung oder seine Aufgabe, nämlich das Heil der Menschen zu wirken, nicht leisten kann. Und das geschieht nicht nur aus seinem, sondern aus unserem Fehler. Das Evangelium aber kann es. Aber das Gesetz tritt in der Aufgabe der Rechtfertigung und der Rettung des menschlichen Geschlechts nicht nur zurück, sondern es steht zur Seite und hilft dem Evangelium darüber hinaus zur Vollbringung seiner Aufgabe und seines Werkes, indem es seinen eigentlichen und ursprünglichen Zweck und seine Aufgabe aufgibt und eine zusätzliche Aufgabe erfüllt, die ihm durch ein wunderbares Geheimnis Gottes zugeteilt worden ist. Seine natürliche Aufgabe nämlich bestand darin, oder es war dazu da, Gerechtigkeit und Leben zu geben (Römer 7, 10). Jetzt aber ist es seine zusätzliche Aufgabe und seine Funktion, die es gewissermaßen nur noch allein wahrnimmt, unsere ganz verdorbene Natur und ihre Sünden zu offenbaren und anzuklagen und zugleich den Zorn Gottes und die ewige Verdammnis zu verkünden. Während es uns also anklagt und uns der Sünde und Schuld der ewigen Verdammnis überführt, drängt es uns dazu, einen anderen Retter zu suchen. Und so zwingt es uns, gleichsam in die Netze des Messias zu flüchten; und so ist es der Führer zu Christus. Das ist also tatsächlich der Schlüssel für die ganze Schrift oder die Theologie. Man muss wissen, dass in ihr eine doppelte Lehre enthalten ist und ein doppelter Weg zum Heil, die zueinander gerade im Gegensatz stehen.
Aber sie werden übereinstimmen, wenn das niedrigere dem höheren weicht, wenn es anstatt seiner natürlichen und ursprünglichen Aufgabe oder Funktion jetzt nur eine zusätzliche und uneigentliche Aufgabe erfüllt. Es ist, wie wenn in einem Haushalte zwei Mütter vorhanden wären: Sara und Agar, welche, da sie beide herrschen und ihr höchstes Amt ausüben wollen, notwendigerweise zueinander in Gegensatz stehen. Wenn aber die eine der anderen bezüglich dieses höchsten Amtes bzw. im Grad der Würde weicht und sich unter ihre Hand erniedrigt (wie der Engel Genesis 16, 9 befiehlt) und ihr hilft, so kommen sie aufs beste miteinander aus. Diesen Schlüssel der Schrift beleuchtet Paulus in dem Brief an die Römer und an die Galater (Kapitel 3 und 4) weitläufig und übergibt und empfiehlt ihn dem Leser, der in die Heilige Schrift hineinzukommen und sie einzusehen versucht, gleichsam als das sicherste Gefährt der Wahrheit.
Die Päpstlichen aber und andere Verführer kennen diesen Schlüssel nicht und besitzen ihn nicht. Sie hören daher Moses und das Gesetz von der einen Seite rufen: Welcher Mensch es erfüllt, der wird durch es leben; und Christum und das Evangelium von der anderen Seite: Ich bin gekommen, den Sündern das Heil zu bringen. Zuerst sind sie durch diese beiden gegensätzlichen Rufe oder diese himmlischen Orakel verwirrt und wie betäubt. Alsdann, wie wenn sie sich fassten, denken sie nach und entscheiden, man müsse diese beiden Lehren und Lehrer irgendwie versöhnen und auf Biegen und Brechen in eine Einheit bringen. Zweifellos seien sie dasselbe, und in diesem Buche sei nur eine einzige Lehre enthalten, die auf der einen Seite dringender gute Werke erheische, auf der anderen die Gnade Gottes und das Verdienst Christi allzu sehr und unklugerweise hervorhebe. Der Sinn sei also zweifellos, dass wir teils durch Christus und die Gnade, teils durch das Gesetz und die Werke gerettet werden. Oder gewiss, dass wir durch Christus zuerst die Gnade empfangen, damit wir die Werke und das Gesetz zu befolgen und also dadurch gerettet zu werden suchen. Oder schließlich, dass wir zuerst durch Christus in der Taufe gerechtfertigt und gerettet würden wie in einem sicheren und guten Schiffe, wenn wir nur nachher niemals mehr eine Todsünde begingen. Wenn wir später wegen Begehung einer Sünde aus ihm herausmüssten, so müssten wir notwendigerweise zu der zweiten Tafel der Buße und der guten Werke unsere Zuflucht nehmen, damit wir aus diesem Schiffbruch heil entkämen. So bringen jene in dreifacher Weise Moses mit Christus, das Gesetz mit dem Evangelium und die Gnade mit den Verdiensten in Übereinstimmung, oder sie bringen sie vielmehr auf schimpflichste und ruchloseste Weise durcheinander. Wenn er das beobachtet hat, wird es für den Studierenden der Heiligen Schrift sehr nützlich gewesen sein.
15. Nach dieser Summe ist es von Nutzen, wenn der Studierende eine gewisse kurze Unterweisung annimmt. Diese bietet uns die Schrift selber an. Als erstes stellt sie uns gleichsam ein Symbol in den ersten drei Kapiteln der Genesis von dem einen Gott, von der Schöpfung, vom Fall und von der Erlösung durch den gesegneten Samen vor, welchen Teil jetzt die Glaubenssymbole wiedergeben. Sodann durch den Dekalog, in welchem Gott selbst das Gesetz in das kürzeste Lehrbuch zusammengefasst hat. Drittens in der Rede des Herrn und durch die Worte der Sakramente. Diese Hauptteile der Lehre wurden immer für eine gewisse Art Kompendien der Unterweisung gehalten, obwohl sie unter dem Papsttum verdunkelt worden sind. Sie sind nämlich, auch wenn sie einer gelernt hat, trotzdem zumeist unbekannt, denn er hat sie in lateinischer Sprache aufgenommen.
16. Bei jeder Weise und jedem Versuch des Lehrens und Lernens, sowohl der freien wie der mechanischen Künste, wird vorgeschrieben, dass wir mit demjenigen beginnen, was für die Kenntnis des Folgenden nützlich und leichter ist und was schließlich gleichsam die Summe der Sache enthält. Diese Lehrweise liegt auch in der Schrift vor. Denn erstens wird die Geschichte dargestellt, welche gewöhnlich das leichteste von allem ist. Sodann ist die Geschichte, besonders der Anfang der Genesis, das Fundament der ganzen folgenden Lehre über Gott und über die ganze wahre Religion. Und schließlich sind jene ersten drei oder vier Kapitel der Genesis eine gewisse Summe der ganzen Schrift: dort kommt der einige und dreifältige Gott vor, dort die Erschaffung der Dinge der gesamten Natur, dort der Mensch, der Gott verehrt, nach dessen Bild er geschaffen ist, und der zum Herrn über die ganze Welt gesetzt ist. Darin hat das erste Reich Gottes bestanden. Sodann gibt es dort das Gesetz, den Sündenfall und den Tod, das heißt die Schuld und die Sühne, in welchem die Herrschaft Satans liegt. Zuletzt gibt es da den gesegneten Samen und die Wiederherstellung der menschlichen Gattung. Darin besteht das Reich der Gnade. Schließlich liegt hier der Beginn dieses gewöhnlichen Lebens: der Ehe, der Zeugung und der Mühe und Arbeit. Darum nimmt die beste Methode der Schrift von diesen Prinzipien ihren Ausgang. Denn diese sind einerseits leichter, andererseits bilden sie auch die Quellen und die Grundlage dieser ganzen Lehre.
17. Jede Einsicht und Auslegung der Schrift geschehe nach der Analogie des Glaubens, welche wie eine Art Norm eines gesunden Glaubens ist oder wie Schranken, damit wir nicht durch einen Sturm von außen oder auch durch einen von innen kommenden Anstoß außerhalb der Einfriedung in Abgründe stürzen (Römer 12,6). Alles, was also von der Schrift oder aus der Schrift gesagt wird, muss mit der obenerwähnten katechetischen Summe oder mit den Glaubensartikeln übereinstimmen.
18. Christus tadelte oft seine Apostel, weil sie die Rede selbst wie die einzelnen Worte, besonders die Metaphern, nicht verstanden: wie beispielsweise, was der Sauerteig der Pharisäer (Matthäus 16,11), was das Schwert, das er sie zücken hieß (Lukas 22, 28), was der Traum des Lazarus (Johannes 11,13) bedeuten möge, und welche Speise er lieber essen mochte (Johannes 4, 32). So rügt er sie auch an anderer Stelle, weil sie nicht die Parabel oder das Gleichnis von dem Samen verständen, da sie doch alle Parabeln verstehen müssten (Markus 4, 13). Im letzten Kapitel des Johannesevangeliums (Vers 23) werden sie angeklagt, weil sie die Frage oder auch die fragende Aussage und die bedingende Rede nicht verständen, als er von Johannes zu Petrus sagt: Wenn ich will, dass er bleibe (bis ich komme), was geht es dich an? Sie nehmen nämlich die bedingende und fragende Rede für eine einfache und bejahende, als ob er gesagt hätte: Ich will, dass er bleibe; oder: Er stirbt nicht. Christus verlangt also, dass wir sowohl die Bedeutungen der Wörter als auch alle Arten von Tropen und Redefiguren recht verstehen, wie er ja auch von uns will, dass wir auf die kleinsten Zusätze und I-Punkte achten sollen, damit keines derselben vergeblich dastehe oder umkomme. So will auch Paulus, dass wir in der Kirche und in religiösen Dingen, vor allem bei der Darlegung der Lehre oder der Auslegung der Heiligen Schrift eine bekannte und durchsichtige Sprache benutzen (1. Korinther 14, 26). So sagt auch der Psalm 119, 130: Wenn dein Wort offenbar wird, so erfreut es und macht klug die Einfältigen. Also muss man sorgsam mit der Sprache der Heiligen Schrift umgehen.
19. Des Weiteren will Paulus im 1. Timotheusbrief 1,7, dass wir die Natur der Sätze, sei es Subjekt oder Prädikat, und die Definitionen der einzelnen Dinge und alle Materien und Argumente entweder ganzer Schriften oder auch einzelner Teile festhalten und beobachten. Er sagt nämlich, die Verführer achteten nicht darauf, worüber sie redeten, d. h. was das Subjekt entweder eines einzelnen Satzes oder einer ganzen Abhandlung sei, noch was sie darüber behaupten oder verneinen. Wie beispielsweise diejenigen, die in dieser Zeit den freien Willen betrachten, nicht im Auge haben oder darlegen, ob sie vom natürlichen oder von dem von Gott gegebenen Willen, vom alten oder vom neuen Menschen sprechen, und auch nicht, wieviel er aus sich selbst vermag oder wieweit er mit einem anderen zusammenwirke. Man muss also genau das, von dem etwas gesagt wird, von dem unterscheiden, was von ihm behauptet oder verneint wird, und auch von allem anderen, vor allem von benachbarten Dingen; sei es nun in einem Satz, sei es in einer Rede, einem Buch oder irgendeinem Teil davon. Ferner, wenn wir beides wissen müssen: nämlich einmal, was es sei, wovon wir handeln, sodann, was es sei, was wir darüber sagen, so ist es fürwahr notwendig, auch die Definitionen oder Umschreibungen der einzelnen Dinge zu besitzen, damit man (gemäß Cicero) schon zu Beginn weiß, was es eigentlich sei, wovon die Rede ist. Das bringt in Wahrheit größtes Licht und Hilfe zur Erfassung des wahren Sinnes einer Stelle einer Schrift oder eines Ausspruchs. Paulus zeigt also mit diesem Ausspruch, dass der aufmerksame Schriftgelehrte und -hörer sowohl die Definitionen der Wörter und Sachen als auch die Subjekte und Prädikate der einzelnen Sätze, schließlich auch die Materien oder Gegenstände ganzer Schriften oder Teile und deren Bestimmungen wohl kennen muss.
20. Ebenso will er, dass der Erklärer der Heiligen Schrift sie recht einteilt (2. Timotheus 2,15). Das erfordert nicht nur eine solide Kenntnis der Wörter und Bedeutungen, Sätze und Sentenzen und außerdem der einzelnen Glieder oder Teile im Gesamtkörper einer jeden Schrift, worinnen auch die ganze Disposition der Bücher oder Schriften besteht; sondern in der Tat auch eine genaue Unterscheidung der Sachen und Gegenstände, die in der Heiligen Schrift enthalten sind, damit sie sehr aufmerksam und bedachtsam voneinander unterschieden werden. Nämlich Heiliges und Profanes, Schöpfer und Geschöpf, Gerechtes und Ungerechtes, Moses und Christus, und zwischen den Lehren und Aufgaben eines jeden von den Zweien. So macht auch Johannes gleich zu Beginn eine Unterscheidung zwischen Moses und seiner Lehre und Christus und seiner Aufgabe. So unterscheidet auch Paulus im Brief an die Galater 3 und 4 sowie an die Römer 3 bis 7 und 8 mit höchstem Bedacht zwischen Gesetz und Verheißung bzw. Evangelium, damit wir wissen können, was von woher zu erstreben und was den einzelnen zuzuteilen sei, welches die niedere oder die höhere Lehre, die die andere regiert bzw. ihr weicht, und was der wahre Gebrauch einer jeden von beiden sei. Wir sollen nicht mit den Juden und Papisten von dem Hilfsmittel der Sünde und des Todes Gerechtigkeit und Leben erstreben, indem wir der Gerechtigkeit der Gesetze anhängen. Und wir sollen auch nicht mit jenen das Hilfsmittel und die Lehre von der Gerechtigkeit und dem Leben, welche die gnädige Verheißung von Christus ist, in ein anklagendes, richtendes und verurteilendes Gesetz verwandeln. Der Lehrer und Schüler der Heiligen Schrift oder der Rede der Wahrheit muss also, wie Paulus hier ausruft, richtig und genau sowohl die Sprache wie auch die Sachen abteilen. Und zwar so, dass er nicht nur ausmacht, wie die gerade getrennten Dinge sich untereinander unterscheiden, sondern auch, wie etwas gleichsam gewisse verschiedene Teile, Besonderheiten, Elemente oder irgendwelche Umstände, Gründe, Wirkungen und Eigenschaften hat, und auch wie mehrere und daher sehr verschiedene Dinge im Verhältnis zueinander zuweilen in verschiedenem übereinstimmen oder eines sind. Das ist nämlich jenes sehr nützliche Beispiel des Plato, das eine in den vielen und das viele im einen sehen und untersuchen zu können.
21. Der Apostel verlangt auch im Brief an Titus 1, 9, dass der Schriftgelehrte zum Argumentieren und zum Widerlegen der Sophismen der Verführer in der Lage sei. Dazu gehören nicht nur die Formen wahrer Argumente und die Täuschungen falscher sowie die Gegenstände oder Gemeinplätze der (rhetorischen) Erfindung, sondern auch die ganze Sprachlehre und die gründlichere Kenntnis der einzelnen Definitionen, Sätze und schließlich auch der Sachen selbst.
22. Ebenso verlangt der 2. Timotheusbrief 2, 24, dass der Ausleger der Heiligen Schrift zum Lehren geeignet sei. Dazu gehört auch die ganze Logiklehre oder die Grammatik, Dialektik und Rhetorik, verbunden mit einer gewissen natürlichen Geschicklichkeit. Diese ist indessen noch viel vortrefflicher, wenn sie übernatürlich und durch den Heiligen Geist von oben herab verliehen ist. Solcherart Zierde und heilbringendes Organ für das Urteilen und Abhandeln sehen wir vielen vom Himmel geschenkt.
23. Schließlich befiehlt der gleiche Autor oder vielmehr der Geist des Herrn durch ihn im 1. Korintherbrief 14, 40, dass alles in der Kirche und Religion, vor allem aber die Auslegung der himmlischen Lehre selbst nach einer Ordnung geschehe, weil Gott nicht der Urheber der Verwirrung, sondern der Ordnung ist. Nichts ist nämlich so εὔχρηστον (nützlich) (nach dem Zeugnis des Xenophon und auch nach der Erfahrung selbst) wie eine klare Ordnung. Nun ist aber die von Gott her entweder den zu lernenden Dingen oder auch der Natur der sie auffassenden Menschen beigegebene Ordnung vielfältig, worauf der Lehrer achten muss. Auch die einzelnen Schriften der Heiligen Schrift besitzen ihre bestimmte Ordnung und Reihenfolge der Dinge und Materialien. Diese muss der Lehrer wie der Schüler sorgfältig im Auge behalten. Am berühmtesten sind aber diese drei Ordnungen oder Methoden: die synthetische oder zusammenstellende, welcher die Schrift am häufigsten folgt; die analytische oder auflösende; und die horistische oder definierend abgrenzende. Das aber ist der zweite Teil der Dialektik, der heute weniger verwendet wird, und von dem ich in den Paralipomena gesprochen habe. Im Übrigen haben wir von der Methode der Heiligen Schrift an anderer Stelle in diesem Werk gehandelt.
24. Es ist immer darauf zu achten, dass jede Lehre aus der wahren Quelle erstrebt wird. So wird auch in den menschlichen Wissenschaften genau vorgeschrieben, dass alle Methoden und Lehren aus wahren Grundsätzen in richtiger und sorgfältiger Weise hergeleitet und aufgebaut werden und dass sie schließlich durch die Natur ihrer Gegenstände, durch die Erfahrung und das Gemeinwohl oder den Nutzen für die Menschen bestätigt werden. Hier aber ist es nicht unsere Sache, die Lehrart zu bilden oder zusammenzustellen. Sondern wir empfangen eine schon gebildete und in einem Buch enthaltene vom Himmel her. Dennoch bleibt bestehen, dass wir sie rechtschaffen kennenlernen und zum täglichen Gebrauch verwenden mögen. Der Sohn Gottes selbst, der allein in seinem Schoße ruht, hat uns von daher alle Mysterien eröffnet. Zu dieser Quelle also oder diesem Schatz sendet uns Gott. Dies sind unsere Grundsätze dieser Wissenschaft oder Weisheit, die κριτήρια (Kriterien) oder Lydischen Steine, die Normen für die Beurteilung und die Zurüstungen, wie wir oben schon gehört haben, wenn er sagt: Suchet in der Schrift (Johannes 5, 39); Nach dem Gesetz und Zeugnis (Jesaja 8, 20). Ebenso: Sie haben Mose und die Propheten (Lukas 16, 29).
25. Da ferner gewisse Menschen uns dahin verweisen, die Wahrheit bald bei den Alten, bald bei den Gelehrtesten, bald auch schon bei den Vätern und in der Überlieferung der Vorfahren zu suchen, so ist sorgsam dagegen zu beachten, dass Christus und die Apostel keine Väter oder deren Überlieferungen und herrschende Meinungen zitieren wollten. Von diesen hätten sie zweifellos viele für sich anführen können, und ihr Ansehen hätte sehr viel bei den Pharisäern und Priestern und auch beim Volke selbst gegolten. In Wahrheit haben jene jedoch keine derselben, die entweder im Geringsten für sie oder gegen sie waren, angeführt. Vielmehr haben sie ja jene Traditionen der Vorfahren ausdrücklich getadelt. Daher ist allein aus der Quelle der Heiligen Schrift jede Wahrheit zu schöpfen. Auf diesem Fundamente der Propheten und Apostel allein haben wir aufgebaut. Auf es allein gestützt, müssen wir die Kirche und die Religion über ihm aufrichten. Sie müssen wir daher nachahmen und hören, damit wir uns nicht zu sehr darum kümmern, was andere Menschen sagen oder überliefern und welche Richtlinien oder Verpflichtungen sie uns vorzuschreiben oder aufzustellen versuchen.
26. Christus sagt (Matthäus 13, 52): Ein jeglicher Schriftgelehrter, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, muss Altes und Neues hervorholen, wie ein Hausvater, der aus seinem Schatz alle Arten von Speisen und anderen nützlichen Dingen hervorholen kann. Damit zeigt er auch an, dass der Ausleger der Heiligen Schrift das Alte Testament mit dem Neuen zusammenbringen, die alten Offenbarungen, Geschichten und Maßnahmen Gottes mit den neueren vergleichen und sie in die Menge hineintragen und sie erklären muss; wie auch die Apostel mit Fleiß die Aussprüche des Alten Testaments mit ihren eigenen öffentlichen Reden verglichen. Darauf bezieht es sich, wenn der Apostel sagt, all jenes Alte seien Hinweise für uns gewesen, sei unsertwegen geschrieben und nicht um Abrahams willen (Römer 4,23 und Korinther 10,6 und 11).
27. In der Tat ist die Bemerkung Christi sorgfältig zu beachten, wenn er sagt: die Sadduzäer irrten, weil sie die Schrift und die Kraft Gottes nicht kannten (Markus 12, 24). Er lehrt damit, dass die fromm und heilsam um dieses Studium Bemühten immer Gott mit seiner Schrift verbinden müssten. Und sie sollten nicht glauben, er sei anders oder anders zu erfassen, als er sich in der Schrift selbst offenbart. Auch sollten sie die Schrift nicht anders anhören, als ob sie Gott selbst in Person hörten und sprechen sähen, und nicht daran zweifeln, dass all jenes, was Gott in der Schrift sagt oder verspricht, das Allerwahrste und Sicherste sei und aus Gottes Mund selbst hervorgehe; gerade so, als ob sie ihn im Angesicht der ganzen Menschheit sprechen sähen und hörten.
28. Christus befiehlt, dass wir uns vor dem Sauerteig der Verführer in acht nehmen (Matthäus 16, 6), weil nach dem Zeugnis des Apostels im Galaterbrief 3,9 schon ein wenig davon den ganzen Teig durchsäuert. So lehrt auch Paulus aus dem Alten Testament, dass wir das Osterlamm ohne jeden Sauerteig essen sollen (1. Korinther 3,7 und 8). Mit bereitem Sinn muss also die Schrift über Christus aufgenommen werden, ebenso wie über alle anderen Glaubensartikel. Und sie muss ohne jeden Zusatz der Verführer, der Philosophie oder anderer menschlicher Erfindungen und Überlieferungen in unser Herz hineingesenkt werden und darf nicht befleckt werden, wie viele tun, indem sie irgendwie die guten Werke mit Christus vermischen (2. Korinther 2,17). Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen, und was haben die Verheißungen des lebendigen Gottes mit menschlichen Träumen gemein (Jeremias 23, 28).
29. Bei der Darlegung aber der Schrift und bei der Erforschung ihres wahren Sinnes hat nach dem Geist Gottes die Vergleichung der Stellen der Schrift, die entweder den Wörtern oder dem Satz oder auch den Sachen nach ähnlich sind, die größte Bedeutung und Wirkung. So beleuchtet uns auch die Vergleichung der Teile einer einzigen Stelle, die genaue Untersuchung der vorhergehenden und nachfolgenden, wie der Satzzusammenhang selbst, einen dunklen Satz. In der Apostelgeschichte 9, 22 lesen wir etwa, dass Paulus mit zusammengestellten Schriftzeugnissen sowie mit Weissagungen der Propheten die Juden zu Damaskus verwirrt und überzeugt habe, dass Jesus jener verheißene Messias sei. Überhaupt ist die Schrift ein sehr reicher Schatz, und unaussprechlich ist in ihr die Güte und Weisheit Gottes, sodass keine Stelle in ihr so dunkel oder zweifelhaft ist, dass sie nicht durch genaue Erforschung und Vergleichung mit anderen erklärt und erhellt werden könnte.
30. Brennender Eifer und Sorgfalt wird überall vom Geiste Gottes beim Studium der Schrift empfohlen. Besonders berühmt ist jedoch die Stelle Deuteronomium 6,7, wo den Israeliten befohlen wird, das Wort Gottes ihren Kindern einzuschärfen, d. h. nicht zu dulden, dass es schal und stumpf werde, die Strenge der Gerechtigkeit, des Zornes und des Gesetzes Gottes und die Strenge des Richters selbst häufig und ernst den Hörern darzulegen. So beseitigt auch Christus selbst (Matthäus 5 und 6) die Fäulnis und Stumpfheit des Gesetzes, die die Pharisäer mit ihren pelagianischen Glossen herbeigeführt hatten, mit seiner scharfen Feile oder durch die Klippe seiner Auslegung. Solange ansonsten jener Schleier der Fäulnis und Stumpfheit ihm anhängt und innewohnt, ist es für uns unnütz und unwirksam.
31. Man muss tatsächlich in der Heiligen Schrift dieses Anstößige beobachten und in Betracht halten, was Paulus selbst die Torheit der Predigt nennt, von der er sagt, dass er selbst, der das erwählte Werkzeug Christi war, in Korinth in ungeschliffener Rede öffentlich gepredigt habe (1. Korinther 1,21 und 2,1). Außerdem bekennt er im 2. Korintherbrief 11,6 in gewisser Weise, dass er in der Rede ungeschliffen, jedoch in den Dingen kundig sei. Es soll nämlich die Heilige Schrift ihrer ernsten und männlichen Beredsamkeit nicht im Mindesten entkleidet werden. Da gibt es keine lässigen und anmutigen Reize, äußere Süße und Schmeichelei, Reichtum der Töne oder tändelnde Wohlklänge in der Sprache der Heiligen Schrift, wie sie in den Prunkschriften der Redner oder Dichter jener Zeit in Griechenland und Rom mit größter Begier und Bewunderung gehört und gefeiert wurden. Es sind auch die Sachen selbst, wiewohl offenbar göttliche Angelegenheiten, die in der Heiligen Schrift behandelt werden, geradezu fremdartig für unseren Verstand und auch gleichsam für unseren Geschmack und Begriff roh und auch pervers; sie sind für uns sehr leicht anstößig und werden von uns verachtet. Wir müssen uns also besonders davor hüten, dass wir nicht über diesen Stein des Anstoßes stolpern, stürzen und zugrunde gehen, während wir nach unserem Geschmack mit den Griechen (wie Paulus 1. Korinther 1, 22 von ihnen sagt) eine gefällige und probate Wissenschaft suchen und durch die scheinbare Torheit dieser göttlichen Predigt oder Lehre beleidigt werden.
32. Aristoteles handelt am Anfang seiner Nikomachischen Ethik vom Hörer oder Schüler dieser Lehre, um zu zeigen, wie und welcher Art er angesprochen sein muss, wenn er mit Nutzen hören will. Der Wert des Werkes dürfte also darin bestehen, auch uns etwas über diese Art von Ermahnungen zu sagen. Denn für eine richtige Unterweisung wird nicht nur eine bewährte Lehrweise, sondern auch die rechte Verfassung des Hörers erfordert. Er verlangt aber, dass der Hörer geeignet und fähig für diese Lehre sei. Diese unsere Philosophie verbindet und unterwirft sich den Hörer noch mehr, und zwar so weit, dass, wenn sie ihn sich nicht zuerst unterwirft, ihn reformiert und zur Aufnahme ihres Samens geeignet macht, überhaupt kein Erfolg dabei herauskommen und erzielt werden kann.
33. Die Philosophie will gleich zu Beginn einen fähigen und einsichtigen Hörer haben. Unsere Lehre dagegen leugnet gleich am Anfang, dass irgendein Sterblicher seiner Natur nach zu ihrer Aufnahme geeignet sei, da alle Menschen Geschöpfe ohne Sinn für die göttlichen Dinge seien. Wie sollte sie da nicht erst recht ihren Verächtern und zugleich allen, denen die Geheimnisse Gottes ein Anlass ärgsten Hasses sind, vorwerfen, sie seien Kinder dieser Welt, die nur über Irdisches nachdenken und sprechen; ihre Mysterien jedoch seien vielmehr göttlich und himmlisch. Es gebe also keinen geeigneten Schüler, der von selbst zu Christus als dem Lehrer komme. Allein das Erbarmen und die Macht Gottes ziehe sie zu ihm heran und mache aus ihnen θεοδίδακτοι oder von Gott Gelehrte (Johannes 6, 44 und 45). Gott selbst müsse ihr Herz beschneiden und beleuchten, sonst hätten sie ein verstocktes Herz, Augen, die nicht sehen, und Ohren, die nicht hören. Somit also verlangt diese Lehre, dass der Hörer unter allen Umständen wisse, dass er in der Verzweiflung über sich selbst von Gott erbitten könne, dass ihm die Augen seines Geistes geöffnet und ihm die Eignung zu einer so bedeutenden Wissenschaft geschenkt werde.
34. Die Schrift lehrt, dass ihre Mysterien so beschaffen sind, dass die Höchsten und Weisesten sie meistens nicht erkennen; dass sie dagegen von den Einfältigsten, Verachtetsten und Niedrigsten durch das Licht der göttlichen Gnade erfasst werden. Dafür dankt Christus dem Vater (Lukas 10,21) und der Apostel bestätigt das Gleiche (1. Korinther 1, 26 und 27).
35. Diese beiden Lehren stimmen auch darin überein, dass, wie Aristoteles von der Ethik behauptet, ihr Ziel nicht Erkenntnis, sondern Praxis sei, so auch das Ziel dieser Lehre noch hundertmal mehr die Praxis sein muss. Denn viel weniger noch als die Moralphilosophie kann diese Lehre allein in der Theorie bestehen ohne Praxis.
36. Christus sagt (Johannes 7,17): Wenn jemand will des Vaters Willen tun, der wird innewerden, ob diese Lehre von Gott sei oder ob ich von mir selbst rede. Zu diesem Satz sagt Augustin richtig: Man muss an die Theologie glauben, um etwas zu verstehen; man braucht aber keine Einsicht, um zu glauben. In den menschlichen Wissenschaften nämlich werden wir meistens zuerst durch die Sinneserfahrung oder durch Beweise überzeugt, ehe wir zustimmen. Hier aber ist es gerade umgekehrt: zuerst muss zugestimmt oder geglaubt werden, ehe wir erfahren oder durch die Sinne und den Gebrauch überzeugt werden. Zu diesem Satz sagt auch Aristoteles richtig, der Schüler müsse glauben.
37. Bei jeder Wissenschaft und Lernweise nützt eine wiederholte und sorgfältige Einübung der schon durchgenommenen Dogmen sehr viel. So helfen auch im Studium der Theologie eine lebendige Praxis der Reue oder Sinn für die eigene Sünde, die Erfahrung und der Sinn für den Erlass der Sünde oder für die Rechtfertigung und den Frieden des Herzens, wirksame Tröstungen des Wortes, das Zeugnis des Heiligen Geistes, der in unserem Herzen Vater Unser ruft, verschiedentliche und schwere Anfechtungen, vielfältiges Kreuz, häufige Anrufung und Wehmut des Glaubens im Gebet und beim Kampf mit dem Satan und mit Mißgeschicken, Sinn für das Neue und ein brennendes und fleißiges Studium im Gehorsam gegen Gott und in frommer Lebensweise. Sehr richtig wird also gesagt: Selig ist der Mann, der die Anfechtung erduldet (Jakobusbrief 1,12). Wer nicht angefochten war, was weiß der schon? (Eccles. 34, 11). So soll auch Christus versucht worden sein allenthalben, damit er mitleiden könne mit den anderen (Hebräerbrief 2,18 und 4,15).
38. Hier braucht man nicht zu verzweifeln, wenn man nicht alles von Anfang an erreicht. Vieles lernten und merkten sich jedes Mal die Apostel und die Heilige Jungfrau aus den Ansprüchen, den öffentlichen Reden und Taten Christi, was sie erst später bei Eintritt des Endes durch den Gebrauch und die Erleuchtung des Heiligen Geistes verstanden. So sagt Lukas 18, 34 von der Weissagung Christi, die seine Passion und Auferstehung voraussagte: Sie aber verstanden der keines, und die Rede war ihnen verborgen und wussten nicht, was das Gesagte war. Dagegen wird im Schlusskapitel, Vers 8 bei Lukas gesagt, weil sie sich an jene Voraussage erinnerten, hätten sie sie auch verstanden.
39. In dieser Gegenüberstellung der Lehre der Ethik und der Theologie ist ferner bemerkenswert der Satz des Aristoteles in der Ethik 6, dass Verderbnis der Sitten die Ethikwissenschaft aufhebe, weil sie die Zweckursache beseitige; denn alles sei um der Tugend und Ehrenhaftigkeit willen zu ertragen und zu dulden. Hundertmal mehr ist dies nämlich in der Theologie der Fall. Wenn sich hier einer den Lüsten, dem Geiz und den Verbrechen preisgibt, dann ist er nicht nur der Meinung, er brauche um der Verehrung und um des Ruhms Gottes willen nicht mehr vieles auf sich zu nehmen und zu erdulden; sondern es treten auch tatsächlich die sieben bösen Geister herzu, die alles wahre und fromme Wissen und geistliches Licht beseitigen und ihre Beute in alle Finsternis und Verbrechen stürzen. Eine wunderbare oder vielmehr schreckliche Erfahrung dieser Art kann man täglich machen, auch bei großen Männern, die geradezu umgewandelt werden. Wenn solche schwachen Menschen zuweilen auch sagen können: Herr, Herr, so murmeln sie es doch zumeist nur mit dem Mund wie die Papageien und schwätzen geradezu gegen ihre innere Absicht.
40. Nach der ihr eigentümlichen Weise enthält die Heilige Schrift eine doppelte Wissenschaft über die gleichen Dinge. Und zwar ist die eine derselben gleichsam für die Toren und Kinder und wird metaphorisch Milch genannt. Die andere jedoch ist für die Reifen und Starken, das ist eine feste Speise (1. Korinther 3, 2 und Hebräer 5, 13 und 14). Jene ist zwar die frühere Lehre, die Katechese der hauptsächlichsten Kapitel, die kurz, allgemein und einfach vorgetragen wird. Die spätere jedoch umfasst die gleiche Sache, aber viel genauer und vollständiger, indem sie sorgfältiger die Quellen der Dinge untersucht und viele verborgene Fragen und Mysterien dargelegt hat, die in diesen gleichen Kapiteln vorkommen. Man muss also sorgfältig darauf achten, dass die Ungebildeteren jene erst erwähnte schlichte und einfache Milchkost bekommen und sich dabei beruhigen, die Stärkeren aber schneller zu jener festeren Speise der ernsthafteren Lehre hingeführt werden.
41. Es gibt in der Tat eine gewisse Art von Schülern der Christenlehre, die immer Knaben bleiben. So klagt auch der Apostel die Korinther, Galater und Hebräer an, weil man ihnen immer Milch reichen muss. Und damit trifft auch jenes andere zusammen, wovon Paulus im 2. Timotheusbrief 3, 7 spricht: dass sie immerdar lernen und nimmer zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Deren Lage ist freilich gefährlich. Diejenigen nämlich, die beim Lernen keine Fortschritte machen, sind nahe daran, wieder nachzulassen und täglich etwas weniger zu wissen anzufangen, bis schließlich jede Erkenntnis der Wahrheit in ihnen gänzlich ausgelöscht ist. Solche Glaubenskranken muss man liebend aufnehmen und sorgfältig durch Unterweisung, Tröstung und Gebet heilen. Sie haben auch einen gnädigen Lehrer, der eine feine Zunge zum Lehren besitzt. Das zerstoßene Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen, vielmehr sucht er diese schlecht ausgerüsteten Schäfchen und trägt sie auf seinen Schultern zu ihrer Herde und ihrem Stall zurück.
42. Das Ziel dieses Studiums aber ist die Erkenntnis Gottes, die Rechtfertigung des Sünders und der Ruhm Gottes, wie auch Paulus sagt, wir seien das Heil zu gewinnen gesetzt, nicht zum Zorn (1. Thessalonicherbrief 3,9). Der 1. Petrusbrief 2, 9 nennt uns das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass wir verkünden sollen die Wohltaten des, der uns berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.
43. Auch das Wissen in der Heiligen Schrift ist doppelter Art: Das eine ist dies, wenn Gott etwa einfach behauptet oder verneint, welches bei weitem das sicherste ist; das andere, wenn wir aus den bejahten oder verneinten Sätzen Gottes etwas herleiten. Dabei können wir uns leicht täuschen, und die meisten Häretiker haben sich getäuscht. Christus leitet die Unsterblichkeit der Seele und auch die Auferstehung des Leibes aus dem Ausspruch ab: Gott ist, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, usw. (Matthäus 27, 31 und 32). Für einen anderen wäre das keine so offensichtliche oder auch sichere Schlussweise gewesen. So wäre aus dem Wort Gottes im Brief an die Hebräer 8, 3: Schaue zu, dass du machest alles nach dem Bilde, das dir auf dem Berge gezeigt ist, für uns kein leichter und evidenter Schluss gegeben gewesen.
Immer haben törichte Menschen eine dritte Art von Theologie aufzubauen versucht, nämlich durch Schlussfolgerungen aus der Philosophie oder anderswie aus gewissen wahrscheinlichen Sätzen. Von dieser Art ist fast die ganze Untheologie der Sophisten. So wollten auch einst die Sadduzäer die Auferstehung abstreiten, weil nicht so viele Besitzer die gleichen Dinge genießen könnten, die sie vordem besessen hätten, nämlich Frauen, Häuser, Felder und anderes. Weil es nicht wahrscheinlich sei, dass entweder ihre heiligsten Väter, die ihnen diese Tradition überliefert haben, geirrt hätten oder verdammt worden seien, oder Christus mehr gewusst habe als jene, oder Gott sein Volk solange habe irren lassen; weil sodann die Lehre Christi zu sehr die Zucht lockere und Gelegenheit zum Sündigen gebe. Solcherart hatten jene damals und später die Papisten unzählige Sophismen, mit denen sie sich einen gewissen Traum von Theologie zurechtgemacht haben. So behaupten die heutigen Vertreter der Mitwirkung des freien Willens, es folge aus der Verneinung des freien Willens, dass Gott die Ursache des Unterganges der Menschen sei, es folge Nachlässigkeit in gutem Vorhaben und unzählige andere Sinnlosigkeiten. Guter Gott, welches Geschrei haben sie nur um die Prosopolepsie gemacht! Und nachdem man die Sache erwogen hatte, hat man gemerkt, dass sie nicht einmal die Definition der Prosopolepsie hatten. Sie haben nämlich gesagt, sie finde statt, wenn man Gleiches Ungleichen gebe oder Ungleiches Gleichen. Sie haben vergessen hinzuzufügen, dass darin erst dann eine Prosopolepsie stattfindet, wenn die Zuerteilung nach Verdienst oder Schuld geschieht. Und wenn einer aus eigenem Antrieb schenkt, so sei es ihm freigestellt, zu geben, wem und wieviel er möchte, wie auch jener große Hausvater seinen Knechten sagt (Matthäus 20, 14 und 15). Es ist also eine Art von Theologie, die kurz gesagt eitel und dumm und schlechtweg zu verwerfen ist.
44. Die Philosophen unterscheiden das Wissen und die wissbaren Dinge danach, dass die einen von sich her bekannt sind, wie die allgemeinen Prinzipien und die Ideen, die anderen nur für uns, wie die Alltagserfahrungen und die sinnenfälligen Dinge. So rühmt auch Paulus die Kenntnis Gottes gleichsam als etwas von sich her Einfaches und für uns Naheliegendes, sodass wir seine Geheimnisse aus seinen Werken erkennen, zu allen Stunden seine unzähligen Wohltaten genießen und ihn geradezu mit Händen greifen könnten. Und doch bleibt jener so entgegenkommende Herr unseres verblendeten Herzens wegen für uns ein unbekannter Gott, und wenn wir ihm mit dem Verstande beikommen wollen, irren wir von ihm ab und verlieren uns (Römer 1, 19 ff., Apostelgeschichte 14, 17 und 17, 23 ff.).
45. Bei diesem Studium pflegt, wie auch bei allen anderen Studien, ein frommer Lehrer oder Leiter sehr nützlich und insofern auch geradezu notwendig zu sein. So behauptet der Eunuche der Kandake in Apostelgeschichte 8,31, er könne ohne Lehrer den Jesaia nicht verstehen. Und so sagt auch Paulus (Römer 10, 14): Wie sollen sie glauben ohne Prediger? Daher (so ist es gesagt) sitzt der Sohn Gottes zur Rechten des Vaters, um uns gottesfürchtige Gelehrte zu schenken. In dieser Angelegenheit werden die Lehrer selbst belehrt (1. Korintherbrief 14, 30), dass sie, wenn eine Offenbarung geschieht einem andern, der da sitzt, sie diesem nachgäben, schwiegen und zuhörten.
46. Ferner ist nach der Weisung des Paulus zu vermeiden, dass wir über das Notwendige hinaus etwas zu wissen suchen, und vor allem über das hinaus, was geschrieben steht. Sondern wir sollen uns mit der Schrift zufriedengeben und nüchtern und verständig bleiben (Römer 12, 3; 1. Korinther 4,6). Es gibt nämlich viele, die mit der Einfalt der Schrift und der geschehenen Offenbarung nicht zufrieden sind und mehr wissen wollen, als Gott in der Schrift offenbart. Das gilt von der ganzen Beschreibung des Himmels und der Höllen bei den Gegnern, wie sie von den heidnischen Dichtern, von Homer und Virgil übernommen worden ist, wobei jene sie noch mit Fleiß nicht wenig vermehrt und ausgeschmückt haben.
47. Einige bringen in der Schrift selbst verschiedene spitzfindige, unnütze und unerklärbare Fragen auf, mit denen sie nur sich selbst und anderen Schwierigkeiten machen und Verwirrung stiften, während sie sie doch nicht erklären können. Daher wehrt Paulus sie im ersten Brief an Timotheus (1,4 und 6, 3 und 4) und im 2. Timotheusbrief 2, 23 sowie Titus 3, 9 streng ab. Solche sind (um von den Lehrern der Sorbonne ganz zu schweigen) diejenigen, die in dieser Zeit unzählige Bedenken und Fragen bezüglich des wahren Sinnes des Abendmahles und der Anwesenheit des Leibes Christi aufwerfen.
48. Man muss also hingegen zusehen, dass wir in der himmlischen Lehre nüchtern und gewissenhaft philosophieren und die Wörter gewissermaßen in einer gesunden Form auffassen, sowohl was die einzelnen Wörter und Sätze betrifft als auch bezüglich der ganzen Rede, der Methode und Materie, wobei auf jede Weise wunderliche Überspanntheiten und Neubildungen von Wörtern zu vermeiden sind. Wir sehen, dass nicht nur die Sophisten und Gelehrten der Sorbonne mit ihrer eher monströsen Streit- als Lehrart so verfahren sind, sondern auch die Väter in ihrem Eifer, sich rhetorisch zu geben, vieles sehr unsauber dargelegt haben. Das eine haben sie in verkehrter Weise übertrieben, wie die Jungfrauschaft, anderes in seiner Bedeutung vermindert, wie die Ehe. Von der gesunden Art des Theologisierens hat Paulus im 2. Timotheusbrief 1, 13 und im Titusbrief 2, 8 sowie im 1. Timotheusbrief 6, 20 gehandelt.
49. Es gibt in der christlichen Lehre eine bestimmte unaufrichtige Art des Studiums und Fortschrittemachens, bei der gewisse Leute (wie die Schrift sagt) sehenden Auges nichts sehen und mit offenen Ohren nichts hören. Einige nämlich haben eine Kenntnis in theoretischen Dingen, aber nicht in der Praxis. Fremde Krankheiten sehen sie und vermögen sie zu heilen, aber nicht die eigenen. Sie sehen die Gattung, aber nicht die Art oder das Individuum. Noch viel weniger können sie noch so einflussreiche Umstände, die zuweilen die Sachlagen gänzlich verändern, klar erkennen. Wir müssen also von Gott erbitten, dass er uns durch seinen Geist, durch wahre Erkenntnis und durch reines und lebendiges Licht erleuchte, sodass wir nicht nur den Splitter bei anderen, sondern auch unseren eigenen Balken und jede Art von Fehlern fromm und heilsam erkennen und beseitigen können.
50. Böse Gespräche verderben gute Sitten, und insofern auch die Aufrichtigkeit des Glaubens; was Paulus auf den Glaubensartikel über die Auferstehung anwendet (1. Korinther 15, 33). Mit allem Eifer muss man sich also sowohl vor dem Umgang mit den Gottlosen als auch vor unfrommen und sonstwie profanen und unreinen Schriften hüten, durch die der Heilige Geist in den Herzen der Frommen getrübt, die Glaubenskraft geschwächt wird und der wahre und brennende Eifer erkaltet.
51. Immer sei unsere Rede mit dem Salz des Wortes Gottes gewürzt, damit es sowohl uns selbst wie auch die anderen erbaue. Kein faules Geschwätz soll also aus unserem Munde gehen, sondern was gut ist und das Nötige fordert, auf dass es Segen bringe denen, die es hören (Epheserbrief 4,29; Brief an die Kolosser 4, 6). Schließlich seien wir stets bereit zur Verantwortung unseres Glaubens (1. Petrusbrief 3, 15–16). Dieser Fortschritt ist wohl vor allem aus diesem Studium zu erstreben und zu schöpfen.
52. Die Wahrheit ist überall, vor allem aber in der Theologie, die Quelle des Guten, wie auch Platon lehrt. Dagegen ist der Irrtum und die Lüge die Quelle des Bösen. Darum wird Christus der König der Wahrheit genannt, der gekommen sei, dass er für die Wahrheit zeugen soll (Johannes 18,37). Dagegen ist der Satan der Vater der Lüge (Johannes 8,44). Nicht ohne Grund also fordert Christus von den Aposteln und allen Frommen so entschieden und streng, dass sie sein Wort behalten (Johannes 14, 21 und 23; 17,6 und 8). Und ebenso fordert Paulus vor allem von den Gelehrten, dass sie das himmlische anvertraute Gut rein und unversehrt bewahrten (1. Timotheusbrief 6,20; 2. Timotheusbrief 1, 14). So ermahnt er auch (im 2. Kapitel Vers 15 und im 3. Kapitel Vers 14) seinen Timotheus entschieden, dass er das Wort der Wahrheit recht austeile. Hüten wir uns also mit allem Eifer und aller Wachsamkeit, dass wir auf keine Weise oder Gelegenheit hinweg von der Einfalt und Lauterkeit gegenüber Christus verkehrt werden, wie die Schlange Eva verführte (2. Korinther 11,3).
53. Auf alle Fälle ist die Warnung des Paulus an die Kolosser 2, 8–17 notwendig und heilsam, dass wir uns nicht durch Philosophie in der himmlischen Lehre täuschen lassen. Hier spricht der Apostel nicht nur von der Pseudophilosophie, sondern auch vom Missbrauch und der Anmaßung der wahren Philosophie. Es lässt sich nämlich gar nicht sagen, wie leicht ihre Sätze und Dogmen uns und unserem törichten Verstand zusagen, und wie leicht sie sich heimlich in unser Denken, unseren Geist und unser Gewissen einschmeicheln, sodass wir sie oft anstelle himmlischer Verheißungen anhören und ihnen folgen. Sehr oft vermischen wir, auch durchaus unbewusst, die Sätze, Vorschriften, Dogmen und Tröstungen des lebendigen Gottes mit den Meinungen dieser losen und unverschämten Geliebten, verändern sie dadurch und verfälschen sie gänzlich, gerade so, wie wenn wir den besten Wein mit Wasser versetzten. Nicht wenige Beispiele dieser Art von Täuschungen der Philosophie in heiligen Dingen und in der Heiligen Wissenschaft habe ich in dem Büchlein von den Grenzen der Wissenschaften rezensiert. Daher ist höchste Aufmerksamkeit und ständige Mithilfe Gottes und das Licht des heiligen Geistes für uns vonnöten, damit wir vor allem hierbei das Heilige vom Profanen genauestens und ganz weit trennen. Immer also sei uns unsere Vernunft, der alte Adam oder die menschliche Weisheit in göttlichen Dingen verdächtig, und immer sollen wir sehr sorgfältig und aufmerksam auf die himmlischen Offenbarungen hinschauen und ferner uns mit aller Wachsamkeit hüten, dass wir auch nicht im Geringsten davon abweichen.
54. Jedoch dürfen wir indessen nicht den Fanatikern folgen, als ob die menschlichen Wissenschaften geradezu unnütz oder auch schädlich für die Erkenntnis der Heiligen Schriften und der himmlischen Lehre wären. Man muss nämlich Sprachen und kenntnisreiche Grammatiken lernen. Nützlich und geradezu auch notwendig ist die Dialektik und Rhetorik und die Kenntnis der übrigen Philosophie. Und der Einwand, dass die Apostel dieselbe nicht gelernt hätten, gilt nicht, denn jene haben die Kenntnis der Sprachen und anderer nützlicher Dinge vom Heiligen Geist empfangen. Wir sehen auch heute viele, die sonst ungebildet sind, durch ein gewisses himmlisches Licht der Vernunft beschenkt und erleuchtet, sodass sie auch die dunkelsten Kontroversen mit höchstem Geschick entscheiden können. Die Wissenschaft dieser äußeren oder menschlichen Dinge verlangt der Apostel auch von den Christen, und vor allem von den Gelehrten, wenn er im Titusbrief 3,14 sagt: Laß aber auch die Unseren lernen, dass sie im Stand guter Werke sich finden lassen, wo man solcher bedarf, auf dass sie kein fruchtloses Leben führen. Dort heißt er sie ja überhaupt, die freien und die mechanischen Künste zu lernen. So befiehlt er auch im 2. Timotheusbrief 2, 2, dass die Theologie solchen Menschen anbefohlen werde, die da tüchtig sind zum Lehren und Lernen, damit sie sie auch anderen auslegen könnten; wie er auch offensichtlich verlangt, dass der Studierende die logischen Wissenschaften oder Hilfsmittel auf die Theologie anwendet. So sei im Hause neben der Theologie, als gewissermaßen der Hausmutter Sara, auch Agar, die heidnische Philosophie. Aber sie möge dienen und Magd sein und nicht herrschen. Sie sei nicht die Meisterin, sondern Dienerin; und sie möge nur soweit Zugang haben zum Gemach des Gewissens oder zu der Stätte, wo über die heiligen Dinge und Sachen geurteilt und überlegt wird, als es ihr ihre Theologie erlaubt. Diese ist die oberste Meisterin über alle Wissenschaften, Künste, Gedanken, Beschlüsse, Versuche und Handlungen der Menschen und Engel.
55. Vor dem Unterricht ist eine Ausforschung nützlich. So sieht der Schüler, was ihm fehlt, und umso begieriger eignet er sich den Unterricht des Lehrers an. Christus wendet dieselbe häufig an, wenn er etwa Philippus fragt: Wo kaufen wir Brot, dass diese essen? (Johannes 6,5) oder: Wieviel Brote habt ihr? (Matthäus 15,34); oder alle Jünger: Wer sagen die Leute, dass des Menschen Sohn sei? (Matthäus 16, 13); oder Petrus: Ob die Kinder des Reiches Steuern zahlen müssten? (Matthäus 17, 25) usw. Eben dazu unternimmt er es, ihnen zuweilen dunkle Gleichnisse vorzulegen, wodurch sie gezwungen werden, ihn selbst zu befragen, wenn sie einsehen, dass sie sie nicht auf eigene Faust verstehen können. So duldet er es, dass sie durch die Disputation mit den Pharisäern geplagt werden und sich in dem erfolglosen Versuch, den bösen Geist auszutreiben, ermüden.
56. Nach dem Unterricht ist eine Prüfung notwendig. So wird der Schüler nämlich aufmerksamer und sieht, was ihm fehlt und welche Lehre er richtig angenommen hat. Noch sorgfältiger denkt er über sie nach und verdaut sie wie zweimal gekaut. Dies übt Christus häufig, wie etwa wenn er fragt: Für wen haltet ihr mich? (Matthäus 16, 15–19) oder: Habt ihr das Gleichnis verstanden? (Matthäus 13, 51).
57. Aber bei weitem am wirksamsten ist der Unterricht, wenn nicht nur eine Wort-, sondern in der Tat auch eine Sachprüfung angewendet wird, damit die Schüler gezwungen werden, die Praxis der Lehren zu üben und schon gleichsam lernen, ohne Kork zu schwimmen. Das macht Christus oft in den Berichten der Evangelisten, etwa wenn er sie nach dem Wunder der Speisung so vieler Tausender mit wenigem Brot auf eine gefährliche Schiffsreise mitnimmt.
58. Gewisse Menschen wollen sich heute mit gigantischer Kühnheit über die Autorität der Schrift, und so über Gott selbst, der sie gesprochen hat, setzen, und sie mit geradezu prätorischer oder auch königlicher, oder besser mit tyrannischer Gewalt interpretieren, sodass alle ihrer Auslegung, so sehr sie auch mit dem Text in Widerstreit stehe, beizustimmen gezwungen würden. So äußert Cusanus die gottlose Blasphemie, die Kirche und das Konzil könnten den gleichen Ausspruch der Schrift einmal so und einmal anders und also gegensätzlich auslegen und nach Bedarf handhaben. Jedoch gilt das Gegenteil: Es ist am sichersten und zugleich am nützlichsten, eine zweifelhafte oder dunkle Schriftstelle durch die Schrift selbst auszulegen und zu entscheiden, sodass Gott selbst und sein Wort oberster Richter und Schlichter aller Kontroversen und Zweifel sei. So handelt in der Tat Christus aufs sorgfältigste, wenn er mit dem Teufel disputiert, wo und wann Gott die Menschen vorzugsweise beschützen müsse; dann nämlich, wenn sie ihn nicht versuchen, sondern in ihrem ordentlichen Gebet in gehöriger Art und Weise mit ihm umgehen (Matthäus 4, 6 und 7); oder wenn er mit den Juden darüber diskutiert, ob der Messias der Sohn Davids sei oder nicht, während er doch an anderer Stelle sein Herr genannt werde, der zur Rechten Gottes sitze (Matthäus 22, 42 ff.). So tut es auch der Apostel Paulus. Beispiele für seine Art dieses Studiums sind die Zusammenstellung vieler Zeugnisse der Schrift Römer 3, 10 und Hebräerbrief 1 und 2, wo Zeugnisse verglichen werden, aus denen erklärt werden soll, wie Christus sowohl der zukünftig Gekrönte wie auch der unter die Engel Erniedrigte genannt werden kann.
59. Auch dies ist in der Tat von Wichtigkeit, was ich beinahe vergessen hätte, dass nämlich die Menschen aus ihrer perversen und gottesfeindlichen Neugier entweder die Wahrheit aus Wundern erkennen wollen: wie die Juden wiederholt von Christus forderten, dass er sie ein Zeichen vom Himmel sehen ließe (Matthäus 12, 38 und 16,1); oder dass sie auch ihre Zuflucht dazu nehmen, die Toten und Gespenster zu befragen, wie bei Jesaja 8,19 vorkommt. Und jener reiche Lebemann belehrte Abraham, die Menschen würden sehr leicht Buße tun, wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, der ihnen gut rate (Lukas 16,30). Doch der Prophet verneint es, dass die Toten anstelle der Lebenden befragt werden könnten, sondern man müsse vielmehr zum Gesetz Gottes zurückkehren. Und der Vater Abraham sagt, die Menschen hätten die Schrift Moses‘ und der Propheten, welche sie hören sollten. So warnen ja auch Christus und Paulus, es würde mancher falsche Christus und falsche Propheten aufstehen und Wunder tun und die Menschen verführen (Matthäus 24, 24; Thessalonicher 2, 9). Und sie befehlen, dass wir uns vor Engelserscheinungen hüten (Kolosser 2, 18), und dass wir sogar auch Engel vom Himmel, wenn sie das Evangelium anders predigen, als wir es empfangen haben, verfluchen (Galater 1, 8 und 9). Unter dem Antichrist aber, als die Schrift vernachlässigt und beinahe begraben war, sind fast ausschließlich diese beiden Quellen der Dogmen zu Rate gezogen worden, nämlich Wunder aller Art und unzählige Erscheinungen. Von beidem war das meiste entweder geradezu von Schwindlern erdichtet oder gewiss reines Blendwerk und Täuschungen der Teufel.
60. Es ist wahr, da es ja unser einziger Lehrer, der Sohn Gottes, wiederholt bestätigt, dass niemand zu ihm gelangen könne, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben würde, wenn er nicht von Gott gelehrt sei, wenn ihm nicht der himmlische Vater Offenbarung zuteil habe werden lassen, und erst recht also, wenn er ihn nicht mit Macht an sich gezogen habe, da er zweifelsohne die einzige Quelle der wahren Theologie wie auch aller anderen Güter ist. Von ihm also sollen wir ganz heiß erflehen, dass er sein Gesetz und das Wissen davon mit seinem heiligen Finger, nämlich durch den Heiligen Geist, in unser Herz hineinschreibe und uns die vollste Erkenntnis der Heiligen Dreifaltigkeit und ihrer Mysterien gütigst schenken möge.
ANWEISUNGEN, WIE MAN DIE HEILIGE SCHRIFT LESEN SOLL, DIE WIR NACH UNSEREM URTEIL GESAMMELT ODER AUSGEDACHT HABEN (Praecepta de ratione legendi sacras litteras, nostro arbitrio collecta aut excogitata)
1. Bei allem Nachdenken, bei Unternehmungen und Handlungen, zumal schweren, vor allem aber bei heiligen Dingen, ist es sehr nützlich, die göttliche Hilfe zu erflehen, damit diese unser ganzes Unternehmen von vornherein beseele, im Verfolg dabei helfe und schließlich am Ende segne oder einen glücklichen Ausgang und Wachstum und Frucht unserer Arbeit schenke.
2. Da man nun zu allen Unternehmungen einen frommen und gutwilligen Sinn mitbringen muss, so ist es besonders hier notwendig, das eine zu bedenken und zu wünschen, dass du den wahren und eigentlichen Sinn der Heiligen Schrift erlangen möchtest, den du mit bestem Glauben zum Ruhme Gottes und zu deinem und anderer besonders geistlichem und ewigem Nutzen gebrauchen willst. Nicht zum Prahlen oder um des Gewinnes willen, viel weniger zur Bekämpfung der Wahrheit, wie die Anhänger des Papstes die Heiligen Schriften lesen.
3. Der fromme Mensch muss in der Tat die Heilige Schrift so verehren und mit einer solchen Hingabe kennenlernen, dass er annimmt, er lese sozusagen kein totes Buch noch dringe er in die Schriften eines noch so heiligen, ehrwürdigen oder weisen Menschen ein, sondern er erforsche die Worte des lebendigen Gottes selbst, der jetzt dort mit ihm handelt. Jener nämlich ist der Autor derselben, und er hat sie dem Menschengeschlecht dargelegt wie einer, der immer direkt mit den Menschen durch dieses Buch sprechen und sie über sich und über ihr eigenes ewiges Heil belehren möchte.
4. In allen besonders schwierigen Dingen und Aufgaben geht es einem durch allerhand Sorgen und Bedenklichkeiten abgelenkten Gemüt schlecht. Darum soll der Sinn bei diesem Studium von allen Sorgen und ihn gleichsam erdrückenden Belastungen frei und ganz auf dieses Werk gerichtet sein; vor allem sollen alle verkehrten Gedanken und perversen Leidenschaften ferne sein.
5. Der Leser sei zufrieden, wenn er den einfachen und eigentlichen Sinn der Heiligen Schrift, zumal derjenigen Stelle, die er gerade liest, erfasst. Und er soll nicht Schemen nachjagen oder Träumen von Allegorien oder Himmelsgleichnissen anhangen, wenn es sich nicht offensichtlich um eine Allegorie handelt und der buchstäbliche Sinn anderswie untauglich oder absurd ist.
6. Sobald er etwas verstanden und dem Gedächtnis eingeprägt hat, soll er ferner ein gewisses Nachdenken darauf verwenden, damit er die Sache und diesen Satz umso vollständiger begreife und sie auch in einen frommen praktischen Glaubensgebrauch für das Gebet, den Trost oder anderer Unterweisung sowie für die Sitten verwandele.
7. Wenn etwas vorkommt, was wir nicht sofort erfassen können, so soll uns das nicht verdrießen, sorgfältiger zu forschen, indem wir sowohl den Text selbst und die Sachen betrachten als auch die Bücher der Ausleger zu Rate ziehen und auch die gottesfürchtigen Gelehrten befragen.
8. Wenn wir auch etwas gegenwärtig nicht ganz einsehen können, so mögen wir nur die Stelle und die Worte derselben dem Gedächtnis einprägen und hoffen und erwarten, dass der Herr sie uns bei einer Gelegenheit gütig eröffnen wird. Nichts ist nämlich in der Heiligen Schrift umsonst geschrieben, und man darf auch nichts verachten.
Nun sind diese 8 Regeln gewissermaßen äußerlich und allgemein. Jetzt wollen wir von denen etwas sagen, die mehr den Text selbst angehen.
9. Wenn du an die Lektüre eines Buches herangehst, so richte es gleich am Anfang, soweit es geschehen kann, ein, dass du zuerst den Gesichtspunkt, den Zweck oder die Absicht dieser ganzen Schrift, was wie das Haupt oder das Gesicht derselben ist, unverwandt und gehörig im Auge behältst. Das kann man sich meistens mit wenigen Worten merken, und nicht selten wird es in der Überschrift sogleich angegeben. Dieser ist entweder einer, wenn die ganze Schrift ein einheitliches Ganzes bildet, oder es sind mehrere, wenn sie mehrere Teile besitzt, die untereinander nicht zusammenhängen.
10. Zweitens arbeite darauf hin, dass du das gesamte Argument, die Summe, den Auszug oder die Kurzfassung desselben im Griff hast. Ich nenne aber das Argument jenen reichhaltigeren Begriff sowohl des Gesichtspunktes wie auch die Umschreibung des ganzen Korpus, in welchem oft zugleich auch der Anlass der Niederschrift notwendig bezeichnet wird, falls das nicht in der Schrift selbst enthalten ist.
11. Drittens musst du die Anlage und Gliederung des ganzen Buches oder Werkes vor Augen haben. Und du musst sehr aufmerksam beobachten, wo sozusagen das Haupt, die Brust, die Hände, die Füße usw. sind. Dabei also magst du genau erwägen, wie jener Körper beschaffen ist, wie er alle diese Glieder umfasst und in welcher Weise so viele Glieder oder Teile diesen einen Körper gemeinsam erstellen, welches die Übereinstimmung, Harmonie oder das Verhältnis der einzelnen Glieder untereinander oder auch zu dem ganzen Körper und besonders zu dem Haupte sei.
12. Schließlich wird es nützlich sein, auch jene ganze Anatomie oder Zergliederung des einen Körpers in so verschiedene Glieder in eine Tabelle einzutragen, damit du jenes Werk umso leichter geistig erfassen und verstehen und dem Gedächtnis einprägen kannst, da du so alles in eine Gesamtübersicht oder gleichsam unter einen Aspekt gebracht haben wirst.
13. Diese vier Dinge; der Gesichtspunkt, das Argument, die Gliederung und die tabellarische Übersicht müssen ordentlich, richtig und entsprechend sein. Wenn sie richtig sind, werden sie sehr viel Hilfe bringen, wie sie umgekehrt, wenn sie falsch sind, den Leser himmelweit irren lassen. Man muss also dabei höchste Aufmerksamkeit und vorsichtige Prüfung walten lassen.
14. Diese vier Dinge bringen noch folgende Vorteile mit sich: Erstens wirft der Gesichtspunkt und die Gesamtsumme auf die einzelnen Teile und dadurch auch auf die Aussagen, Sätze und Wörter großes Licht, sodass du umso klarer durchschauen kannst, was ihr eigentlicher Sinn und was er nicht sei. Was nämlich diesem Gesichtspunkt und Argument oder der Summe gänzlich zu widerstreiten scheint, das ist zweifellos unpassend und falsch.
15. Auch hilft die Gliederung dabei, dass du die einzelnen Teile mit jenem Gesichtspunkt besser in Übereinstimmung bringen kannst und noch einen zweifachen Nutzen davon hast: Einmal nämlich erhältst du eine nützliche Einführung in die einzelnen Sätze, zum anderen wirst du durchschauen, wie der jeweilige Teil den Hauptgesichtspunkt bestätigt und unterstützt.
16. Drittens wird sie dabei helfen, dass du nicht wie ein Irrender im Walde oder wie ein Seefahrer oder Wanderer in dunkler Nacht nicht weißt, wo oder in welchem Teil du dich aufhältst und wo du hinwillst, sondern immer weißt, wo du bist und wohin du strebst, wo für dich Osten, Westen, Norden oder Süden ist, wie fern oder nahe du einem bestimmten Fluss, Gebirge oder Abgrund bist.
17. Viertens wirst du bei dieser Gelegenheit immer mit großem Nutzen das Vorausgehende mit dem Nachfolgenden sowie mit der Stelle selbst, bei der du dich gerade aufhältst, vergleichen können. Daraus entsteht dir ein außerordentliches Hilfsmittel zur Erkenntnis und Erfassung des richtigen Sinnes einer Stelle und der ganzen Frucht, die man daraus holen kann oder muss.
18. Wenn du schließlich sowohl die ganze Schrift schneller und sicherer kennenlernen als auch treuer im Gedächtnis bewahren wirst, wirst du immer auch, wenn es der Gebrauch erfordert, entweder die ganze Schrift oder einen Teil derselben zu deinem Vorteil anwenden können.
19. Da nun in der Tat der Nutzen dieser Prüfung der Schriften zugleich ungeheuer groß und vielfältig ist, werden wir nun noch einige weitere Vorschriften dieser Art, besonders auf einzelne und insofern schwierigere Teile oder Textstellen bezügliche, herschreiben. So können wir das ganze Werk und seine einzelnen Teile umso genauer und sicherer auflösen und durchforschen und schließlich mit Gottes Segen gänzlich durchschauen. Um offen meine Meinung zu sagen: Viele Interpreten haben bei der Auslegung der heiligen Bücher nach allen Regeln der Gelehrsamkeit über ihre einzelnen Teile und auch Sätze disputiert; aber keiner, oder gewiss nur sehr wenige, haben sich gewöhnt, den Text genau zu prüfen, noch viel weniger das Argument und die Gliederung sorgfältigst darzulegen und das ganze Korpus, Haupt und Glieder, sodann während des Auslegens genauestens miteinander zu vergleichen und zu verbinden. Keiner hat sich daran gewöhnt, bei der Untersuchung, Erwägung und Beleuchtung der einzelnen Teile diese immer sehr sorgfältig auf die übrigen und besonders das Haupt und insofern auf das ganze Korpus zu beziehen und anzuwenden. Das jedoch musste gerade am dringlichsten geschehen, wenn ihre Kraft, ihr Wesen und ihr Nutzen richtig und vollständig durchschaut und aufgezeigt werden sollte. Aber hier wollen wir die übrigen versprochenen Regeln dieser Art anfügen.
20. Wenn also überhaupt der ganze Text für uns dunkel ist, sei es wegen des Gegenstandes, sei es wegen der Sprache, so wird es sehr nützlich sein, ihn, wie wir schon sagten, genau zu prüfen und sowohl den Gesichtspunkt wie die Gattung des ganzen Korpus zu erwägen: ob es sich um eine Erzählung oder Geschichte, um eine Unterweisung oder irgendeine Lehre, um eine Trostschrift oder eine Schelte, um die Beschreibung irgendeiner Sache, um eine Rede oder etwas Ähnliches handelt. Über die verschiedenen Gattungen der heiligen Schriften oder Bücher wird an anderer Stelle in diesen Regeln gesprochen.
21. Wenn wir die Schriftgattung festgestellt haben, müssen wir ihre Teile oder Glieder bzw. ihre Unterabteilungen untersuchen. Haben wir diese ausfindig gemacht und aufgeteilt, so müssen wir ihr gegenseitiges Verhältnis und das Verhältnis zu ihrem Gesamt betrachten. Es ist nämlich unmöglich, dass irgendetwas vernünftig geschrieben ist, was nicht einen sicheren Gesichtspunkt und eine gewisse Körperlichkeit (um es so auszudrücken) aufweist und bestimmte Teile oder Glieder in sich umfasst, die nach gewisser Ordnungsweise und gleichsam Proportion sowohl untereinander als auch mit dem ganzen Körper, und zumal mit ihrem Gesichtspunkt, verbunden sind. Wenn wir nämlich so die Schrift geprüft haben, wird sie uns notwendigerweise vertrauter und durchsichtiger. Und es wird auch der Geist und der Segen des Herrn, der alles gewährt und uns in alle Wahrheit führt, nicht fehlen, wenn wir uns nur ernsthaft um sein Wort bemüht haben.
22. Es wird auch bei der Prüfung einer dunkleren Stelle oder auch einer gesamten Schrift sehr viel nützen, wenn man darauf den Lydischen Stein der logischen Regeln, ob Grammatik, Rhetorik oder schließlich Dialektik, anwendet. Da nämlich diese Künste aus Gottes Wohltat offenbart, aus dem natürlichen Licht, welches immerfort über uns ist, entzündet worden sind, und da sie sich außerdem der Natur der Dinge und ihrer Ordnung, die ihnen von Gott her mitgegeben worden ist, angeglichen haben, so werden sie uns notwendigerweise auch bei der Beleuchtung der Heiligen Schrift, wenn sie fromm und vorsichtig angewandt werden, Nutzen leisten können.
23. Man muss also fragen, wie ich schon gesagt habe, auf welche Gattung und gleichsam welchen Körper diese bestimmte Heilige Schrift und ihre Stelle in allen den Schriftengattungen zurückgeführt werden können, von denen diese Künste handeln, oder welche einen Einfluss auf das Leben der Menschen und die Behandlung der Dinge und das Handeln mit Menschen zu haben pflegen. Vielleicht kann die Stelle auch auf eine Redegattung zurückgeführt werden, sei es auf die beurteilende, die erwägende, die darlegende oder schließlich die belehrende oder eine andere Schriftenform.
24. Sobald das ermittelt ist, möge nach den Regeln dieser Gattung weiter geprüft werden. Status, die Redeteile und die Argumente müssen erfragt und festgestellt werden. Es mögen auch die Örter nachgesehen werden, von denen die Argumente hergeleitet worden sind. Nach den Vorschriften der Dialektik müssen sowohl die Ordnung der ganzen Schrift als auch ihre Definitionen und Einteilungen, wenn welche vorhanden sind, untersucht und erwogen werden, schließlich auch die Argumentationsweisen, die man zuweilen mit Nutzen in kurze Syllogismen oder andere dialektische Formen einschließen kann. Man muss danach fragen, welcher Einfall, welche Gliederung und welche Redeweise vorliegt. Man sehe zu, was den Dingen und was den Menschen eingeräumt oder um ihretwillen gesagt ist, was auch mit menschlicher Art und Gewohnheit übereinstimmt, und wodurch sich schließlich die Sprache der göttlichen Majestät von der menschlichen Eitelkeit unterscheidet.
25. Keinen geringen Nutzen bringt es mit sich, wenn du das Geschriebene mit deinen Worten anders wiedergibst, so als ob du nach vollbrachter Anatomie und nachdem du gleichsam alles Fleisch, den Schmuck der Weiterungen und Verzierungen, der Abschweifungen und Ähnliches beiseitegelegt hast, nur das Skelett mit deiner Sprache abzeichnetest, damit du nur diejenigen Sätze aufnimmst, die gleichsam die Grundlage des ganzen sind, die alles andere gleichsam als weiteren Zusatz tragen, und die auch zugleich notwendigerweise, gerade so wie die Knochen durch die Sehnen verbunden sind, untereinander zusammenhängen.
26. Es muss nämlich die erste und höchste Sorge des Lesers sein, dass er jene grundsätzlichen und wesenhaften Sätze, in denen die ganze Entscheidung der vorgelegten Frage am ehesten liegt, erwägt. Es ist erst eine zweitrangige Frage, dass er auch jene gleichsam äußerlichen, von außen herbeigeholten oder zusätzlichen Sätze überdenkt. Es geschieht in der Tat nicht selten, dass ein Leser mit offenen Augen oder ein Hörer jene Hauptsätze vor lauter Nebendingen und ihrem zu großen Glanz nicht sehen kann. Wenn nunmehr diese Anatomie durchgeführt ist, wird man sogleich ausmachen, welches jene Hauptsache sei, und wie ihre einzelnen Teile untereinander zusammenhängen; sodann auch, was jenes Äußerliche und Beiläufige ist, und nach welcher Maßregel man beide Satzarten behandeln muss. In dieser Weise werden sie überdacht und geprüft und durch eine solche schriftliche Niederlegung tiefer eingeprägt.
27. Dieser gleichsam anatomischen Niederschrift könntest du mit Nutzen sowohl eine kurze Gesamtdarstellung oder kompendiarische bzw. zusammenfassende Niederschrift als auch eine reichhaltigere Umschreibung beifügen. So wirst du nämlich am Ende am vollständigsten und gewinnreichsten alles bedenken und kennen, während du darüber nachdenkst, mit welchen Worten und Sätzen du selbst diese Dinge und Sinngehalte in geeigneter Weise fassen wolltest oder könntest, und während du dich aufs gewissenhafteste davor hütest, etwas von jenen Bedeutungen zu verdrehen, etwas Fremdes hinzuzutun oder etwas wegzunehmen, was dabei zu sagen war, oder schließlich etwas zu spärlich auszudrücken bzw. zu unklar zu sagen, oder im Gegensatz dazu es auch zu sehr zu betonen oder zu übertreiben. Das ist in der Tat der erste und hauptsächlichste Nutzen jener vorigen, wenn ich so sagen darf, anatomischen Nachbildung oder Niederschrift.
Ich habe schon früher darauf hingewiesen, dass der Gesichtspunkt sowohl der ganzen Schrift wie auch ihrer einzelnen Teile oder Stellen sehr sorgfältig zu beachten ist; denn von daher fließt uns ein wunderbares Licht zur Einsicht in die einzelnen Aussagen und Sätze zu. Was ich dazu sagen will, möchte ich durch ein Beispiel erläutern. Bezüglich der Stelle Lukas 7,47 „darum hat sie mir viel Liebe erzeigt“ wird darüber gestritten, ob die Vergebung der Sünden dort die Ursache oder die Wirkung der Liebe genannt wird. Die Päpstlichen wollen sie die Wirkung, wir die Ursache sein lassen. Der Streit kann sehr leicht daraus entschieden werden, wenn man darauf sieht, ob Christus dort dem Pharisäer irgendwelche Sachen und ihre Ursachen oder Wirkungen darlegt wie ein Lehrer seinem wissbegierigen Schüler; oder ob er nicht vielmehr etwas Gewisses behauptet, um die falsche Meinung des Pharisäers zu widerlegen, der jene Frauensperson für die allerverworfenste hält. Er wunderte sich nämlich in seiner geschwollenen Selbstgerechtigkeit, dass Christus mit einer so verworfenen Person Umgang hatte. Wenn er einfach einen gelehrigen Schüler belehrt, besagt zweifelsohne jenes: Weil sie viel geliebt hat, dass die Liebe die Ursache der Sündenvergebung ist. Wenn es eine Widerlegung der falschen Meinung oder der Denkweise des Pharisäers und eine einfache Behauptung ist, so enthält jene Partikel den Grund oder die Zusage der schon geschehenen Vergebung oder Rechtfertigung. Es liegt in der Tat auf der Hand, dass es eine Behauptung bzw. eine Widerlegung des Pharisäers ist. Denn es sind zwei verschiedene Dinge: etwas gegen einen Gegner zu behaupten und zu beweisen, oder einen gehorsamen und gelehrigen Schüler zu lehren und ihm die Ursachen und Wirkungen einer Sache zu erklären. So kann die Stelle im Johannesevangelium (im 6. Kapitel Vers 52): Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? und das noch Beigefügte leicht aus dem Zielgesichtspunkte verstanden werden. Es geht nämlich den Juden nicht darum, gleichsam wie gelehrige Schüler von Christus zu erfragen, wie sie seinen Körper als Wohltat und Lehre benutzen sollten, sondern einfach darum, dass sie ihn, als Ungläubige, einer offensichtlichen Lüge überführten, als ob er die allerfalscheste Sache sage: dass er ihnen nämlich seinen Körper zur Speise geben wolle, und dass er das vom Himmel kommende und heilbringende Brot sei: wahrer Gott und Heiland. Wenn Christus dort (Johannes 6,63) unter anderem auch sagt: Der Geist ist’s, der da lebendig macht, das Fleisch ist nichts nütze (Johannes 6, 63) und: Es kann niemand zu mir kommen, es sei denn, dass ihn ziehe der Vater (Johannes 6, 64), so geht es ihm nicht darum, sie zu lehren, wie sie seine Wohltaten, Verdienste, Lehre oder seinen Körper benutzen sollen, sondern darum, ihren eingeborenen Unglauben oder vielmehr ihren feindseligen Widerstand Lügen zu strafen, den sie von Mutterleib an an sich haben. Dieser ist so hartnäckig und mächtig, dass sie nicht nur geführt, sondern von Gottes Seite aus gleichsam heftig angezogen und herübergerissen werden müssen. Es sind zwei verschiedene Dinge: etwas von einem für wahrhaftig gehaltenen Lehrer voller Lerneifer zu erfragen und umgekehrt einem gelehrigen Schüler etwas beizubringen und zu erklären, oder einen hartnäckigen Gegner zu widerlegen oder Lügen zu strafen.
So muss man bei dem Abendmahl den Zielgesichtspunkt in Erwägung ziehen; dann wird der Sinn durchsichtig sein. Dort werden keine Träume dargelegt, nicht mit bloßen Andeutungen oder Schattenbildern zukünftige Dinge eingehüllt und vorgeahnt, wie einst bei dem jüdischen Volk. Sondern der Sohn Gottes errichtet sein Testament und spricht zu seinen liebsten Schülern, mit denen er alles entweder klar zu besprechen gewohnt war oder, wenn etwas Gesagtes dunkel war, es bald erklärte. Welcher Mensch von gesundem Verstand sieht nicht darauf, dass er, wenn er sein Testament macht, möglichst klar und rein spricht, damit er keinen Zweifel und Streitpunkt unter seinen Erben zurücklässt? Darum geht es Christus dort, dass er mit seinem Blute den Bund zwischen Gott und dem menschlichen Geschlecht zustande bringe. Darum stärkt er uns mit seinem Opferblute und verpflichtet uns, indem er es uns austeilt, Gott aber, indem er es ihm alsbald am Kreuz darbietet. Aus dem Gesichtspunkt also, der nicht darin besteht, bloße Andeutungen und Schattenbilder zu geben oder Träume vorzutragen, sondern mit durchsichtigen und eigenen Worten ein Testament zu errichten und den Bund zu bestätigen, kann leicht die richtige und eigentliche Bedeutung entnommen werden. Wie nun tatsächlich die Beobachtung des Gesichtspunktes das meiste zur Beleuchtung des wahren Sinnes beiträgt, so auch die sorgfältige Zusammenstellung und gleichsam die Harmonie des Kontextes. Darüber habe ich weiter oben gesprochen. Ich werde sogleich noch weiter davon reden und die Sache mit Beispielen erklären.
Gott hat in der Tat unserer Torheit in bewundernswerter Weise vorgesorgt, sodass die Heilige Schrift mit wunderbarer Kunstfertigkeit mit allseitiger Übereinstimmung und Harmonie geschrieben ist, sodass nicht nur die einzelnen Bücher oder Schriften und die verschiedenen Stellen, sondern auch eine und dieselbe Stelle und der ganze Kontext über die Maßen sich erhellt und erklärt, sodass auch alle Zweifel nicht anderswoher glücklicher aufgehoben und ausgelegt werden, als wenn man die jeweilige Stelle selbst aufmerksam und in der Furcht Gottes überdenkt. Nirgends sonst findet man einen Autoren oder ein Schriftwerk von solcher Kunstfertigkeit und einzigartigem Nutzen.
Überhaupt beleuchtet die richtige Aufteilung des Textes den wahren Sinn wunderbar. So ist es auch in der ganzen Natur besonders ersprießlich, zu verbinden, was verbunden werden muss, und zu trennen, was zu unterscheiden ist. Als Beispiel sollen uns die folgenden Stellen dienen. Bei Lukas 7,47 kommt in die Aussage: „Darum hat sie mir viel Liebe erzeigt“ am meisten von daher Dunkelheit, weil man nicht den ganzen damit zu verbindenden Sinn beigefügt hat. Man hat nur jene schlecht übersetzten Worte zitiert und betrachtet: „Ihr sind viele Sünden vergeben, darum hat sie mir viel Liebe erzeigt“, weil diese alle miteinander zusammenhängen. Derhalben sage ich dir: Ihr sind viele Sünden vergeben, denn sie hat viel geliebt. Nach diesem Prinzip, nämlich wenn die Hauptsache mit dem übrigen verbunden wird, wäre leicht klargeworden, es handele sich nicht um eine Darlegung; es werde dort nicht der Pharisäer belehrt, was die Wirkursache der Vergebung der Sünden sei, sondern es wird gegen seine Denkweise behauptet, dass ihr in der Tat die Sünden vergeben sind. Es ist also eine Behauptung zusammen mit ihrem Beweis, nicht nur eine Erklärung, welche lehrt, was Ursache und was Wirkung sei. So wirst du auch beim Abendmahl, wenn du die Worte des Testaments des Herrn in Wesen und Frucht des Testamentes unterscheidest (wie auch Calvin im ersten Korintherbrief 11 unterschieden hat), viele Gelegenheiten zum sophistischen Argumentieren abschneiden. Dann wirst du nicht zugeben, dass im ersten Teil, wo nur von dem Wesen des Sakraments die Rede ist, von den geistlichen Früchten desselben gehandelt werde, worüber ich anderswo ausführlicher gelehrt habe. Von dieser Art könnte man unzählige Beispiele vorbringen.
Gegen diese Vorschrift ist von den Päpstlichen und Sophisten sehr schwer und verderblich gesündigt worden. Diese haben die Heilige Schrift nämlich sehr selten gelesen, und auch wenn sie sie gelesen haben, so haben sie nur Sinngehalte nach ihrem Gutdünken herausgepflückt und diese außerdem nach ihrem Belieben miteinander in Verbindung gebracht. Nicht anders pflücken auch spielende Mädchen nach ihrem Gefallen Blumen auf den Wiesen, und dann flechten sie daraus Kränze oder irgendetwas anderes nach ihrem Geschmack. So haben auch jene es also nach ihrem Belieben dahin gebracht, indem sie mit der Heiligen Schrift ihr Spiel trieben, dass sie, wenn auch mit den puren Worten der Schrift, doch ihre eigenen, nicht die Sinngehalte der Schrift, zu einem Flickwerk machten. Diesen traurigsten und verderblichsten Schaden muss man unter dem unzähligen anderen Unheil, was dort noch gewütet hat, sehr sorgfältig beobachten. Umso mehr ist jene gewissenhafte Sorgfalt anzuwenden, damit der Sinn der Stellen sowohl aus dem Gesichtspunkt der Schrift oder des Textes als auch aus dem ganzen Kontext aufgesucht werde.
Übersetzt von Lutz Geldsetzer.
De ratione cognoscendi sacras literas, tractatus I
Matthias Flacius Illyricus
Praefatio
Initio hujus Secundae Partis meorum Hebraismorum, putavi me rectissime facturum, si caeteris omnibus praeponerem hoc Compendium de ratione cognoscendi sacras literas. Etsi enim in toto ferme hoc Opere nihil propemodum aliud quam hoc ipsum agitur ac docetur: tamen in uno etiam loco separatim, quasi praxim totius operis proponere operae precium duxi: idque potissimum hic initio Universalium Regularum. Hoc enim tractatu cognito primum, melius scient Lectores, quem usum vel ex praecedentibus, vel etiam ex sequentibus habere possint: eoque maiori cum fructu singula cognoscent, dum scient in quem usum unumquodque eorum quae postea praecipientur, tradatur, & qua ratione eo uti debeant. Deinde etiam, tum recreabuntur ex longo labore cognitae praecedentis partis, tum etiam invitabuntur ad sequentium cognitionem. Exhilarat enim omnes, spes certa praemii, & magna utilitas etiam ad gravissimos labores miseros mortales invitat. Praestabit vero Tractatus hic illam etiam commoditatem, ut sit veluti compendium aut argumentum sequentium omnium: utque illa hic veluti quadam synopsi comprehensa, tanto clarius intelligantur, & tenacius retineantur, sitque veluti Isagoge in omnia sequentia.
Causae difficultatis sacrarum literarum
Erudite inquit Aristoteles: Gradum esse ad agnitionem rerum, ipsa primum dubia observasse. Quare utile fuerit, initio recensere causas, quare Scriptura interdum sit difficilior. Dico autem de difficultate non tali, qualem Adversarii, non sine extrema blasphemia veritatis, fingunt: ut impossibile sit, verum ipsius sensum, de omnibus necessariis dogmatibus, percipere: ideoque omnes ad Pontifices, eorumque Concilia ac decreta, tanquam certissimos, errori non obnoxios, ac irrefragabiles interpretes, qui quasi praetoria quadam potestate eas interpretari possint, confugere oporteat: sed quod, nostra culpa, non ubique ita apertus nobis ejus sermo ac sensus videtur, ut in multis aliis scriptoribus. Quae non eo a me dicuntur, ut vel impiis calumniandi Sacras literas occasio detur: vel quisquam ab earum studio absterreatur: sed contra, ut tanto magis diligentia lectorum excitetur; utque observatis hisce difficultatibus, tanto exactius postea remedia quae proponam, perdiscantur. Adhibita etiam diligentia ac invocatione, certissima veritas, de omnibus necessariis, in eis reperiri potest.
1. Auditor tum indocilis, tum & contemptor talium, non capit ea quae Dei sunt. Multum sane, atque adeo pene totum in auditore aut discente situm esse, quotidiana experientia docet. Ingeniosus omnia facilius percipit, quam tardus. Alium item videmus, aliam scientiam aut artem citius alia addiscere: sive quia magis ad eam idoneus est, sive quia magis ad eam proclivis. At in sacra doctrina, omnes homines, sua natura, non tantum tardi ac stupidi sunt; sed etiam prorsus in contrarium sensum proni praecipitesque: non solum eam amare, expetere ac intelligere nequimus, sed etiam stultam ac impiam judicamus, prorsusque ab ea abhorremus.
2. Interpretes, qui vel maxime rudibus adiumento ad cognitionem sacri codicis, esse debebant, saepe magis obscurant, quam exponunt Scripturas; vel inscitia, vel malitia: dum magis suas cogitationes aut somnia in Scripturam invehunt, eique (ut Scripturam impii Jesuitae Colonienses blasphemant) cereum nasum affingunt. Vetusti quidem scriptores obscurarunt Sacras literas ob inscitiam tum linguae, tum & rerum ipsarum: recentiores vero Sophistae, ob inscitiam simul, & malitiam. Quae enim posset (obsecro) perniciosior inversio sensus Sacrarum literarum excogitari, quam quod praecipuorum vocabulorum, aut rerum potius (ut Peccati, Justitiae, Justificationis, Fidei, Gratiae, Carnis, Spiritus, & similium) plane philosophicas & Aristotelicas significationes in Sacras literas invexerunt, easque adeo plane inverterunt, ut cum illae sua vi proprie ac ex professo unicum agnum Dei, ejusque sacrificium merita ac opera tanquam unicam salutis viam monstrent: istorum fraude ita nunc distortae sint, ut videantur Moysen & bona opera ac merita hominum ostentare ac depraedicare?
3. Sermo est non nihil obscurus, cujus rei multae sunt causae, de quibus mox dicam, praecipue autem nostra ejus imperitia. Est vero sermo nota aut imago rerum, & veluti quaedam perspicilla, per quae res ipsas intuemur. Quare si sermo sit vel per se, vel nobis obscurus, difficulter ex eo res ipsas cognoscimus.
4. Aliarum gentium sermo semper aliis est difficilis: quod experientia docet, idque etiam in vulgaribus linguis, in quibus multi multos annos versantur perpetuo colloquendo, legendo, scribendo, & subinde peritos percunctando.
5. Vetustus sermo recentioribus obscurus est. Romani linteos libros & annales Pontificum vix intelligebant, teste Horatio, cum adhuc eadem lingua esset. Sic Germani nunc non intelligunt ea quae tempore Caroli Magni scripta sunt, cum quidem eadem sint vocabula, ut videre est in Otfridi Evangeliorum versione. Tota omnino illa vetustissima ratio dicendi, atque adeo etiam vivendi, est recentioribus & obscura & difficilis.
6. Stylus connexus & pendens, facit non raro ignorari principium & finem. Proprium hoc genus incommodi fuit veteribus praesertim, teste Aristotele Rhetor. 3. Quod fit, cum oratio non prius finitur, quam ipsae materiae, sed semper alia ex aliis pendent: cujusmodi ipse dicit Herodoti esse. Tametsi Paulo interdum illa oratio etiam in diversas res transit. De hac re proprium in hac parte caput habebitur.
7. Diversitas quoque sermonis singulorum scriptorum, praesertim autem Novi & Veteris Testamenti (cum tanquam unius autoris, sicut & est, accipi debeant tota Biblia) non modicum impedimentum adfert imperitiori lectori. Ut enim quis maxime se ad unius illorum scriptorum phrasim assuefaciat, non mox alterum intelliget. Praeterea non raro ille diversus sermo, diversas etiam res adferre videtur. Ideo Sadducaei, & ab initio omnes Judaei putabant, aliam doctrinam esse Prophetarum, quam Moysis fuerit. Sic nunc quoque multis Christianis alia quaedam dicere ac docere N. Testamentum videtur, quam Vetus.
8. Sermo valde figuratus est, idque multipliciter. Multus est in similitudinibus, allegoriis, typis, interrogationibus, hypotyposibus, prosopopoeiis, & similibus schematibus: quae non quivis non praemonitus intelligere ac decernere potest.
9. Habet multos ac varios tropos, eisque plurimum utitur: quorum non pauci sunt inusitatiores aliis linguis, praesertim quod ad singula exempla. Nam generum alia ratio est, cum ad eadem nomina omnium linguarum tropi aut figurae possint redigi.
10. Hebraei continuatos saepe tropos vel ejusdem generis, ut metaphoras: vel diversi generis, ut metaphoras, metonymias, synechdochas, anthropopathias, & similes inter se commiscent.
11. Saepe in una voce duplicatos aut etiam triplicatos tropos habent: ut propria Regula ostendetur, ut Manus Domini tetigit me: ubi primum est anthropopathica metaphora ab homine ad Deum translata; deinde, manus pro suo effectu ponitur, nempe pro poena.
12. Procul petitos tropos, ac duros, non raro usurpant: ut, Aedificari hominem, aut religionem: Induere Christum, aut maledictionem.
13. Duriter inter se cohaerentes tropos non raro adhibent: ut, Aedificari & plantari virginem filiam Sion.
14. Anacolutha & Anandapodota verborum, sermonis, sensuum ac rerum reperiuntur. Saepissime enim fit, ut vel verba, vel constructio seu forma orationis, vel denique etiam sententiae aut res si ad Latinum morem examinentur, parum respondeant praecedentibus: aut plane non adsint, sed tantum subintelligi debeant.
15. Multae enallagae partium orationis, & etiam accidentium eorum, passim in Hebraeo sermone reperiuntur.
16. Variae parentheses & reduplicationes crebro adhibentur: quae nisi diligentissime observentur, & attente expendantur, perturbant intellectum, memoriamque Lectoris: ut seriem sensuum ac sententiarum amittat, ac veluti in ignota sylva solitarius oberret. Nec raro accidit, ut etiam diligens Lector terque quaterque recurrat ad initium, & conetur observare seriem sensuum, nec tamen facile possit ob istas difficultates.
17. Defectus librorum obstat, ut unius verbi aut phrasis obscurioris usus aliunde agnosci aut illustrari non possit. In aliis linguis, ut Graeca ac Latina, ob librorum copiam, multae locutiones & loca Autorum, quae ex ipsis intelligi exponique non possent, ex aliis illustrantur.
18. Brevis est Scriptura verbis & sententiis, unde accidit illud Horatianum: ‒ Brevis esse laboro; Obscurus fio. ‒ Quod incommodi brevitas in omnibus linguis parit.
19. Contrahit plures sententias aut sensus, resve procul dissitas in unam sententiam: sicut in Eclipsi, & in capite de Conciso stylo, aliisque Regulis ostendam.
20. Multa item sunt subintelligenda: valde enim concisus est hic sermo: ut in Eclipsi multis exemplis ostendam.
21. Modorum Verbi & Conjunctionum apte eos connectentium defectus, plurimas obscuritates pariunt. Sic & Casuum defectus: quod ex aliis linguis non difficile est conjicere. Nam Articuli in hoc sermone parum feliciter Casus discriminant: quandoquidem iidem saepe pluribus Casibus serviunt.
22. Defectus compositorum Verborum, ut simplicibus pro compositis uti cogantur, non raro obscurat locutiones: quod cuivis in promptu est conjicere.
23. Aliquando singulae voces sententias integras exprimunt, quae quasi obiter aliis adglutinantur: qua brevitas, & quasi peregrinitas, imperito & somnolento Lectori facillime imponit.
24. De una sententia interdum ut de duabus agit: & contra de duabus diversis, ut de una, ut alibi in hac parte, propria Regula ostendam.
25. Saepe sermo nimium oneratur verbis ac sensibus: ut in illo involucro non facile ab imperitis cernatur, qui sint principales sensus, qui accidentarii, & quomodo illi inter se cohaereant, quove ordine intelligendi, expendendi, in animum recondendi, & in usum quoque suum aut alienum adhibendi sint.
26. Magna libertas in vocabulis est in hoc sermone, dum per varios tropos, jam ad hasce, jam ad alias significationes aut res traducuntur: quod imperitioribus saepe dubitandi, aut etiam errandi occasionem praebet.
27. Uni verbo aliquando duplicat sensus: ut ostendam in Regula de Verbis praeter ac contra suam naturam motum quendam accipientibus.
28. Magnus est abusus Syncategorematum, seu omniumindeclinabilium partium, sive significata eorum, sive collocationem expendas. Illi vero cardines aut juncturae multum faciunt ad illustrationem & obscurationem, si vel dextre, vel incommode adhibeantur. Non solum autem significatio eorum mirabiliter variat: sed etiam crebro tum abundant, tum desunt, tum denique non suo loco collocantur.
29. Tota connexio sermonis Latinis auribus durior est. Neque enim ita in hoc vel verba vel sententiae inter se molliter concinneque connexae aut conferruminatae sunt, ut in multis aliis Scriptoribus: sed confragoso, fluctuoso & vorticoso quodam impetu interdum ruunt. Qua in re Sacris literis non nihil similes sunt Thucydides & Salustius.
30. Orationis constructio interdum non continuatur, sed in medio cursu mutatur, ut aliter exeat quam incoepit. Act. 7 v. 40, Moyses iste qui nos eduxit ex Aegypto, nescimus quid acciderit ei. De mutatione formae orationis, in cap. de Repetitionibus agetur prolixe.
31. Mutationes subitae personarum, temporum, modorum, & numerorum, non parum obscurant sermonem: sunt autem in Sacris literis creberrimae.
32. Qui scribunt de scientiis, plerunque in genere aut specie de rebus disserunt: quia de individuo dicunt esse tum infinitam disceptationem, tum etiam nullam scientiam aut certitudinem. At disceptatio Sacrarum literarum, mixta est ex individuis & generalibus: omnia autem individua habent circumstantias tum admodum varias, quaeque subinde mutantur: tum etiam plane innumeras, in quas sermo necessario respicit: ut eas partim ob varietatem, partim ob numerositatem, partim denique ob rerum, personarum ac locorum diversitatem aut pernosse aut mox animadvertere, ubi opus est, non semper pronum sit.
33. Res earum sunt arduae, mysticae, ac caelestes. Ubicunque autem res ipsae obscurae ac difficiles sunt, difficile est Scriptorem intelligere: etiamsi ejus sermo alioqui dilucidissimus sit. Videmus omnes facilius historiam, etiam rudius & obscurius scriptam intelligere, quam aliquam subtilem aut reconditam Philosophiae disputationem, quantumvis dilucido ordine, praeceptis ac sermone explicetur.
34. Nusquam ferme uno loco ita plane prolixeque res materiaeve integra methodo pertractantur, ut nihil plane desideres praeterea. In genere vero, ipsarum tractatio est quiddam mixtum aut medium ex singulis sententiis aut aphorismis, & ipsarum rerum methodicis plenioribusve explicationibus. Diversissimae enim (ut omnes norunt) tractationes rerum sunt, cum vel singulae sententiae sparsim breviterque recitantur, ut Aphorismi Hippocratis, Phocylidis & Catonis, aut septem sapientum sententiae, cuiusmodi sunt etiam Proverbia Salomonis: & contra, cum res aut materiae perpetuo orationis filo plene ac perspicuo ordine exponuntur. Nam in hac tractatione omnia sunt clariora, cum ob ordinem, tum ob integram rerum expositionem, dum aliae partes aut sententiae aliis plurimum perspicuitatis lucisque afferunt. At Scriptura (ut modo dixi) etiam cum videtur materias ex professo tractare, tamen ferre mixtum quiddam est ex isto duplici scribendi genere.
35. Dubium vero est, cur Scripturam sic quasi sententiatim & concisim in quibusdam partibus tradicerit Deus, sicut & Jus Caesareum scriptum est? An, quia ex singularibus casibus, seu eorum tractatione utrumque ortum est? Vere enim (ut dici solet) ex pessimis moribus humani generis ac Diaboli, seu certe occasione illorum, utrumque est natum. An, quia sic melius singularibus negociis serviunt. Nam scriptura magna ex parte ex singulis apparitionibus, concionibus, & epistolis, ad tollenda corrigendave mala culpae & poenae hominum propositis divinitus, confecta est. Nec caret sane haec res aut methodus gravissimis causis: sed tamen simul aliquid obscuritatis parit imperitioribus. Dicetur autem de ea postea.
36. Saepe propositio obscure ponitur, idque aliquando unico verbo aliis adglutinata: ut in Cap. de Ordine sententiarum dicetur.
37. Omittitur interdum materia proposita, & ad aliud, indeque porro ad aliud fit digressio, donec tandem ad prius illud revertatur oratio. Quae digressionum consuetudo in Cap. de Ordine sententiarum prolixius explicabitur.
38. Ex alio in aliud fit non raro progressio tum subita, tum obscura: atque ad ea incommoda declaranda, propriam Regulam suo loco adscribam.
39. Argumenta aut rationes non semper perspicue distinguuntur: aliquando miscentur vel inter se, vel cum aliis rebus adjunctis.
40. Ignoratae, aut non satis, suoque loco expensae, negotiorum conditiones & circumstantiae, in quas subinde Apostoli ac Prophetae in dicendo respiciunt, causae sunt obscuritatum. At enim errores ac seductores, aut auditorum animi, aut scandala aliqua & pericula, aut aliqua alia a dicente respiciuntur, sermoque ad ea accommodatur.
41. Res, loca, moresve ad quos sermo alludit, aut unde metaphorae, & similitudines sumptae sunt, quorumque saepe it mentio, ignorata, obscurant sermonem. De qua materia proprium ac prolixum Caput in hac parte habebitur.
42. Generales sententiae saepe nimium late aut absolute, aut etiam nimium vehementer pronunciant: ut, Omnia possum in Christo Phil. 4. v. 13, dicunt Papistae: Igitur quisque potest castum caelibatum praestare. Quicquid ligaveris, & c. Math. 16. v. 19 Item, Quicquid dixerint vobis, facite Math. 23. v. 3: Igitur omnes ac in omnibus debent Papae & episcopis obedire, sine omni exceptione, quicquid illi doceant aut praecipiant. Quare tales restringendae sunt: de qua re proprio Cap. suoque loco disseretur.
43. Causae non-verae, ut verae saepe ponuntur, aut certe non cum suis effectibus conjunguntur: quod imperitis occasionem errandi praebet. De qua re in proprio Cap. agetur.
44. Lex & promissio, aut Evangelium, videntur pugnare non-intelligenti. Eorum concordia & discrimen est certissima Clavis totius Scripturae. Est autem eorum concordia haec, quod sciri debet, Evangelium esse supra Legem, & vitam reipsa dare, quam lex promitebat quidem: dare autem culpa vitioque corrupti hominis, obedientiam praestare nequeuntis, non valebat, quare Legem, omisso suo primario oicio praestandae justitiae ac vitae, nunc famulari Evangelio, & accidentaria functione fungi: nempe ut peccata ac iram DEI revelando, homines ad quaerendum Medicum compellat, sicque sit paedagogus ad Christum.
45. Verus quidem ac nativus usus Legis multum in Scriptura urgetur, cum is jam nostra culpa plane perierit: nempe, justificare ac vivificare. Accidentarius vero qui jam primarius est, obscurius in veteri Testamento proponitur. Quod plurimis occasionem errandi praebet. Sed de hac re agitur in Libello cui titulus: De velamine Mosis.
46. Velamen Mosis multiplicem obscuritatem continet, quam in libello qui hunc ipsum titulum habet, & huic parti adjunctus erit, exposui: qui & antea fuit editus.
47. Mirabile opus sapientiae ac providentiae Dei est, quod ita sua mysteria tradere voluit, ut sicut prima patefactio, ita etiam sequentes illustrationes tantum de ejus benigna manu promptaque liberalitate expectarentur.
48. Singulari consilio Deus initio obscurius, postea clarius sua mysteria patefecit. Quod sicut admirari & sanctificare debemus, ita aliquid obscuritatis necessario prioribus objecit. Nostro sane tempore, licet nulla nova ac immediata patefactio sit coelitus immediateque facta, nec ulla Bibliorum pars addita: tamen nemo intelligens ac studiosus veritatis negare potest, praesentem theologiam & Sacrarum literarum lucem prae omni vetustate, velut meridiem prae aurorae luce fulgere. Taceo jam Antichristi admirandam revelationem, ac expugnationem.
49. In parabolis locutus est multa studio Deus: quia non omnibus datum est nosse mysteria Dei: & ipse illa vult revelare parvulis, & abscondere sapientibus, pro suo beneplacito: sicut ipse Dominus Jesus testatus est, Matth. 11 v. 25.26.
50. Multa etiam piis abscondita sunt, ut tanto ardentius scrutentur Sacras literas, & petant patefactionem clariorem. In horum igitur utrunque toto pectore intenti esse debemus, tum meditando in lege Domini die ac nocte: tum etiam perpetuo ardenterque orando, Domine adauge nobis fidem & Spiritum.
51. Denique hic quidem debemus, ut in aenigmate ac imperfecte, agnoscere Deum, & ejus mysteria: in altera vita perfecte, ac a facie ad faciem videre. Tunc demum desinet, id quod imperfectum est: in quo nos nunc perinde acquiescere debemus, ut fœtus, in utero materno divinitus conclusus, sua sorte contentus est, etiamsi fulgentissimum solem non cernat.
Remedia
Hisce quasi remotis & incommodis, salutaria remedia quaerere, & aliis quoque communicare, & pium & utile fuerit. Quod in toto hoc opere sedulo a me fiet, sicut & ab aliis illustrandi Sacri sermonis studiosis Scriptoribus factum est. Neque enim hae difficultates, piis praesertim, insuperabiles prorsus sunt. Proposuit enim ille benignissimus coelestis Pater multa salutaria horum impedimentorum remedia.
Sit igitur primum remedium, primoque loco & summo studio quaerendum, ipsemet unicus omnis boni fons, pater caelestis, trahens nos ad Filium: Filius revelans ex sinu Patris, qui nobis est ostium, veritas, & via ad Patrem: & denique ipse Spiritus s., cujus proprium munus est, deducere nos in omnem veritatem, nosque θεοδιδάκτους seu a Deo doctos efficere, & veras salutaresque cogitationes in omni studio ac conatu suggerere.
Secundum remedium sit, ipsarum rerum quae in Sacris literis tractantur, aliqua catechistica, aut etiam uberior cognitio, a fidis peritisque Christi ministris praebita. Ea vero praecipue consistit in cognitione nostri morbi, & porro unici Medici Christi.
Tertium remedium sit, solida cognitio sermonis Sacrarum literarum: ad quam rem aliquid auxilii, Deo benedicente, etiam hoc nostrum Opus afferet: in quo sedulo conabimur omnia obstacula ac difficultates ipsius aut complanare, aut etiam amoliri, eumque perspicuum piis Lectoribus reddere. Hic enim ferme primarius fons est difficultatis Sacrarum literarum, quod propemodum nunquam Theologi summa diligentia in id incubuerunt, ut perfectius vel cognoscerent ipsi, vel aliis explicarent, ipsum Sacrum sermonem aut textum: contenti de rebus potius ipsis factu quod facilius est, disserere.
Quartum remedium sit, assidua meditatio ac studium legis divinae nam Labor omnia vincit improbus: & nihil est difficile volenti. Quare & unicus praeceptor noster Jesus, jubet nos scrutari Scripturas Johan. 5. v. 39: & ratio naturaque est vere piorum, ut maximo ardore ac voluptate meditentur in lege Domini, versantes eam diurna nocturnaque manu: ut ille praecipit de bonorum autorum lectitatione.
Quintum remedium sit, ardens oratio. Quicquid enim petierimus, impetrabimus, & Dominus tandem opportune pulsanti misericorditer clausa aperiet: & obscura, accensa sui Spiritus lucerna, nobis manu sua ductis, illustrabit & monstrabit.
Sextum remedium est hic quoque sicut & in omnibus aliis scientiis ac artibus, vera ac viva experientia: quae omnino obscuriora Theorices mirifice illustrat ac declarat.
Septimum, & quidem ingens remedium est, quod eadem saepissime in Sacris literis iterantur: & quae uno loco vel brevius vel obscurius dicuntur, alibi solent a Spiritu sancto tum plenius, tum clarius exponi: sicut praeclare dicit Augustinus, non facile ullam sententiam esse figurate propositam, quae non sit alibi perspicue explicata. Conferantur igitur loca Scripturae diligenter, sic alius alium illustrabit: quae felicissima expositio Scripturae est, testantibus id etiam ipsis Patribus.
Ultimum remedium sint bonae ac perspicuae versiones, & fidi Sacrarum literarum interpretes, praesertim qui textum magis dextre tractarunt.
Verum quoniam haec res longe maximi momenti est: ideo, licet in toto hoc opere ea tractentur quae huc potissimum spectant, tamen etiam hunc proprium tractatum constituam, in quo Regulas recte cognoscendi Sacrum volumen proponam.
Primum vero ex eo ipso non-paucas depromam, quae procul dubio optimae certissimaeque erunt. Deinde alia serie recensebo eas, quas vel alii hactenus praemonstrarunt, vel mihi munere almi Spiritus incident.
Ne vero Papistae suo more nos calumnientur, me ultro fateri, Scripturam habere complures difficultates: & quantumvis quaedam remedia adscribam, ea tamen nequaquam esse idonea rudioribus: quare se merito arcere imperitos a Sacrarum literarum lectione: sciendum est, plerasque istarum difficultatum in infinitis locis bonas versiones amovisse (qualis est imprimis versio Lutheri), dum non omnes Hebraismos exactissime ac ad literam exprimunt, sed magis nobis perspicue nostroque modo loquendi eadem sensa fideliter reddunt.
Adhaec, ut maxime non omnia obscuriora dicta Scripturae intelligent imperitiores: at interea intelligent alia innumera, quae clarius loquuntur, in quibus eaedem sententiae continentur. Denique ob hoc ipsum largitur Deus Ecclesiae suae fideles & intelligentes ministros ac doctores, ut perpetuis concionibus explicent difficiliora loca Scripturae, & alia perspicua porro urgeant ac inculcent. Sed jam ad institutum redeamus.
Regulae cognoscendi sacras literas, ex ipsis desumptae
1. Omnia bona a DEO petenda sunt, praesertim hoc summum, nempe cognitio ipsius verbi. Ideo dicamus cum Davide: Revela oculos meos, ut videam mirabilia de lege tua, ne abscondas a me mandata tua: Psalm. 119. v. 18.19. Quare assiduis ardentissimisque precibus vera salutarisque Scripturae caelestis cognitio a DEO per filium ejus flagitanda est. Quaerenti enim monstrabitur, pulsanti aperietur, & petenti dabitur.
2. Christi munus est, tum nobis aperire Scripturam: tum cor nostrum illuminare, ut intelligat Scripturas. Luc. 24. v. 45. Ex illius plenitudine nos omnes accipere oportet. Hoc autem fit, cum eum fide agnoscimus & apprehendimus.
3. Spiritus S. est autor simul & explicator Scripturae. Ipsius est, nos ducere in omnem veritatem: Johan. 16. v. 13. Ipsius est Scripturam cordi nostro inscribere: Jerem. 31. v. 33. Nam prophetia totaque Scriptura (teste Petro in epist. I. v. 20) non est proprii intellectus aut explicationis: sed sicut a Spiritu S. per prophetas proposita est, ita ejusdem lumine necessario explicari debet.
4. In Christo sunt omnes thesauri scientiae & sapientiae Dei: Coloss. 2. v. 3. Nihil ultra & supra eum quaerere debemus, nihil majus nobis Deus revelabit: sicut Antichristus & fanatici majora quaedam mysteria somniant, & stulte impieque captant, & aliis pollicentur: cum Paulus ipse neget, se quicquam aliud scire quam Christum crucifixum, 1. Cor. 2. v. 2. Talia autem sunt in Papatu, mediatio Angelorum, Sanctorum & Sacrificorum, ac praesertim perfectio monastica, & Homerica descriptio Inferorum ac Paradisi.
5. Planae sunt viae Domini, & justi ambulabunt per eas, impii autem corruent in eis: Oseae 13.14. v. 10. Videndum ergo sedulo est, ut pie per eas incedere conemur ac discamus, ne in eis perniciose corruamus.
6. Jota unum & apex unus non cadet de Scriptura, quin omnia impleantur: potius coelum & terra transibunt Matth. 5 v. 18 & 24. v. 35. Nihil ergo contemnendum aut parvi faciendum in Sacris literis.
7. Defendenda est modis omnibus autoritas istius externae & divinitus patefactae aut pronunciatae doctrinae: per quam omnino vult Deus cum homine agere, eumque docere & convertere. Omnino ita egit cum homine Deus, non ut cum Angelo, sed ut cum corporea creatura: ut per aures ac oculos, verbo ac sacramentis, non tamen citra internam motionem ac illuminationem, eum instruat. Ideo instituit externum ministerium, & sacrum volumen suorum oraculorum nobis tradidit: ideoque perpetuo clamat & praecipit, ut audiamus. Quam totam seriem instructionis & conversionis gradatim Paulus describit Rom. 10. v. 14.15., inquiens: Deum mittere doctores, nempe instructos Sacris literis & Spiritu: Lucae 24 v. 45 & 49. illos docere, audientes verbum Dei ex ore eorum credere, credentes invocare, & denique invocantes salvari. Quare est manifestissima impostura Satanae, cum nos Fanatici, ut Schwenckfeldius & Papa, a Sacris Bibliis ad nescio quas spirituales revelationes, & impurissima sui pectoris scrinia abducere conantur, ubi sint omnia jura & Spirituales revelationes reconditae, cum sint potius cloacae malignorum Spirituum.
8. In timore Dei legendae sunt Sacrae literae: ita ut certo statuamus, inde neque ad dextram neque ad sinistram, vel in fide vel in moribus, aut ullis actionibus declinare. Jos. 1. v. 7.8. Deut. 5. v. 32. Nam & summe sapiens est, ut solus veram viam noverit: & merito in hac sua domo, ut unicus summusque paterfamilias, audiendus est.
9. Cum convertimur ad Christum, tum tollitur velamen de nostro corde, & etiam de ipsa Scriptura: non solum quia illuminamur spirituali luce, sed etiam quia scopum & argumentum totius Scripturae tenemus, nempe ipsum Dominum Jesum cum sua passione & margarita aut thesaurus: quem si in hoc agro Domini invenimus, satis bene sumus negociati.
10. Afflictio dat intellectum: Es. 28 v. 19. Bonum est quod humiliasti me, ut dicerem justificationes tuas: Psal. 119. v. 71. Plurimum ergo prodest ad cognitionem Dei, & ejus verbi, afflictio ac crux.
11. Utile est, mox initio fructus, qui ex unoquoque proposito opere percipiendi sint, cognoscere, non solum ut sit alacrior operarius: sed etiam ut sciat in quid potissimum intentus esse, & quid inde ei decernendum sit, ac in suum sinum reponendum. Omnia igitur quae scripta sunt, propter nos scripta sunt: ut nos Scriptura primum concludat sub peccatum, aut condemnet; postea, ut testetur nobis de Christo; tertio, ut nos consoletur, ut patientiam & spem habeamus. Ac denique doceat, redarguat, corrigat & instituat, ita ut sit homo Dei integer & perfecte instructus ad omnia: 2. Tim. 3 v. 16.17.
12. Summum, perpetuum & ardens studium adhibendum est in cognitione rerum sacrarum. Nam piorum est meditari in lege Dei die ac nocte: Psalm. 1. v. 2 & scrutari diligenter Scripturas: Joh. 5. v. 39, Actor. 17. v. 11.
13. Utile est, argumentum aut summam totius scripti cognoscendi breviter discentibus proponi. Summa ergo Scripturae sunt hi duo syllogismi. Primus & supremus syllogismus veteris Testamenti hic est: Quicquid Deus dicit, est verum. Quod probatione non indiget: est enim primum principium totius Theologiae, apud omnem creaturam merito valens. Nostra (inquit Moyses & Prophetae) dicta sunt Dei dicta, & per nos ille loquutus est: Igitur nostra dicta & scripta, sive de creatione ac Lapsu, sive de benedicto semine aut Meschia, sunt verissima. Minorem probamus tum praesentibus miraculis eductionis Israelis ex Aegypto, ac inductionis in terram promissionis: tum & sequentibus eventibus poenarum, ac conservationis hujus populi, & omnium circumvicinorum, successionis monarchiarum, & aliis manifestissimis testimoniis, quibus Deus tantorum operum autor testatus est, hosce nostros libros & doctrinam esse ipsius. Porro novum Testamentum sub hoc Prophetarum syllogismo, hanc veluti eorum sementem demetens, struit, & concludit alterum syllogismum: sumpta illius conclusione pro sua Majore, ut in prosyllogismis & postsyllogismis fieri assolet: Quicquid vetus Testamentum, aut Prophetae praedixerunt de Meschia, & aliis rebus, id est verissimum: seu, Descriptio Meschiae a prophetis facta est verissima. Noster autem Jesus prorsus talis persona est, ut a Prophetis Meschias depingitur: quia venit tali tempore, nempe non regnante amplius Juda, in secundo templo, & in fine 70 hebdomadarum Danielis. Est quoque tali loco, & ex tali genere ac matre virgine natus: talia etiam miracula fecit: sic fuit homo simul & Deus, talem praecursorem habuit, sic denique passus ac resuscitatus est, sic etiam eo veniente corruit Moyses & idola totius mundi. Omnia denique sic prorsus in ejus adventu evenerunt, ut olim Prophetae praedixerunt. Igitur hic ipse homo JESUS, est verus Meschias. Minor, quae est definitio circumscriptiva JESU, a variis accidentibus & circumstantiis eius sumpta, probatur tot ocularibus testibus: nempe, non tantum 12 Apostolis, sed & 70 Discipulis piis ac impiis. Multa ex hac definitione aut circumscriptione JESU, testantur Judaei ac Turcae cum suo Alcorano etiam hodierna die: quorum testimonium suspectum esse non potest. Nonnulla testantur etiam ipsae ruinae Hierosolymae, & dispersio rejecti Populi, totiusque illius cultus tam longa abolitio.
Cum hoc syllogismo secundo, qui est novi Testamenti proprius, urgetur etiam ille prior veteris. Quicquid Deus dicit aut testatur, id est verissimum. Sed Deus suo testimonio confirmat conciones Jesu, emissa ter coelitus voce: Matth. 3. v. 17. & c. 17. v. 5. & Joh. 12. v. 18 praeterea editis tot & tantis miraculis, de quibus dicit ipsemet Dominus: Si non creditis mihi, at credite propter haec opera quae Pater mecum operatur Joh. 8. v. 38. Et Nicodemus ait: Scimus quod a Deo venisti magister: nemo enim potest talia facere, nisi Deus sit cum eo Joh. 3. v. 2. Et turbae dicebant: Num Meschias veniens majora hisce faciet? Joh. 7. v. 31. Huc referatur etiam eversio Hierosolymae, cultus ac gentis. Igitur quod dixit ac docuit JESUS, ejusque Apostoli, verissimum est.
Hanc summam totius veteris ac novi Testamenti duobus hisce Syllogismis contentam, animo complecti initio, ad cognoscendas rectius Sacras literas utilissimum est: sicut ad pernoscendam aliquam orationem Oratoris, comoediam vel aliud poema, historiam aut librum, prodest initio argumentum aut summam ejus habere: aut sicut ad cognoscendas partes vel partiales tabulas Cosmographiae prodest initio universalem typum considerare, & mente concipere. Mens enim humana si initio rei summam breviter concipiat, ac veluti in conspectu oculisque semper habeat, facilius postea in toto prolixoque opere versando singula complecti, & inter sese conferre potest. Hanc vero summam veteris ac novi Testamenti nobis suppeditant Evangelistae, & ipse Christus toties ingeminans: Haec autem facta sunt, ut impleretur Scriptura quibus monetur auditor de Minore supradicti summarii syllogismi: ac indicatur, illam esse summam ac scopum totius Scripturae, nempe (ut dixi) Talis ac talis persona, testibus Prophetis, est pro Meschia accipienda: JESUS est talis, quod ex hac & illa, aliisque atque adeo omnibus eius circumstantiis liquido patet. Igitur JESUS est verus Meschias.
14. Multum prodest Lectori, eum statim initio lectionis alicujus scripti praemonitum esse de scopo & genere doctrinae aut materiae, quae in eo tractetur: ut sic veluti Theseo quodam filo instructus, tuto ac utiliter in id quasi labyrinthum ingredi, progredi & regredi possit. Omnia enim longiora scripta etiam de materiis notissimis optimoque ordine ac perspicuo sermone confecta, ob prolixitatem & multitudinem rerum ac sensuum perturbant ac confundunt simplicem rudemque lectorem: ut non immerito tale quid imperitiori etiam in Sacris literis metuendum sit.
Quare observandum est, in hoc Libro non unum genus doctrinae contineri, ut alioqui plerunque in libris singulis, unoque instituto, & ab uno conscriptis: sed duo genera eaque quasi contraria. Quorum prius quidem (teste Paulo Rom. 10. v. 5) dicit, Qui fecerit ea, vivet in eis: seu plenissima obedientia Legis perducit facientem in vitam aeternam. Alterum vero contra clamat: Qui crediderit, aut fide apprehenderit illum qui solus Legem praestare potuit, ac praestitit pro toto genere humano, servabitur Joh. 3. v. 16. Duo ergo sunt genera doctrinae, Lex & Evangelium: eaque per se suaque natura revera contraria. Alterum enim non nisi dignis ac justis salutem offert, alterum vero tantum indignissimis.
Concordant vero hoc modo, quia alterum est superius altero. Cedit enim Lex Evangelio, non tantum quia est doctrina inferior: sed etiam quia non potest suum effectum aut opus, nempe salutem hominum praestare: id tamen non suo, sed nostro vitio: Evangelium autem potest. Nec tantum cedit officio justificandi & servandi genus humanum: sed etiam ei ultro ad ipsius functionem opusque perficiendum famulatur ac subservit, dum amisso vero ac nativo fine ac officio accidentario, quod ei jam mirabili ministerio Dei attributum est, defungitur. Naturale enim opus ejus, aut per se erat, dare justitiam ac vitam: Rom. 7. v. 10. Sed nunc accidentarium ejus ministerium aut functio, quo jam quasi solo defungitur, est revelare & accusare nostram corruptissimam naturam, ejusque peccata: ac simul iram Dei & aeternum exitium denuntiare. Dum ergo nos accusat ac convincit peccati & reatus aeterni exitii, cogit nos, ut aliquem alium Servatorem quaeramus: atque ita nos veluti in retia Meschiae fugere compellit, sicque est paedagogus ad Christum. Haec igitur revera Clavis est totius Scripturae aut Theologiae, scire in ea contineri duplex genus doctrinae, & duplicem viam salutis, quae sint sibi invicem per se plane contrariae: sed concordetur, dum inferior cedit superiori, dumque pro suo naturali ac primario opere aut functione nunc tantum accidentario & improprio defungitur. Veluti si in unis aedibus essent duae matres familias, Sara & Agar: quae dum ambae dominari & summo munere defungi volunt, sibi invicem necessario adversantur. At cedente altera alteri de summo munere aut gradu dignitatis, humiliante se sub manu ejus (ut angelus praecipit Gen. 16. v. 9) & famulante eidem, optime inter se conveniunt. Hanc clavem Scripturae Paulus in Epistola ad Romanos & Galatas 3. ac 4. prolixe illustrat, & Lectori Sacras literas ingredi & inspicere conanti, tanquam certissimum veritatis funiculum in manus tradit ac commendat.
At Papistae & alii seductores, hujus Clavis ignari, eaque destituti, dum audiunt, hinc Mosen ac Legem clamantem, Qui fecerit ea, vivet in eis: inde Christum & Evangelium, Ego veni ut peccatores salvos faciam: primum contrariis istis clamoribus aut coelestibus oraculis perturbantur, & veluti attoniti redduntur: paulo post, veluti recolligentes se, cogitant ac decernunt, oportere istas duas doctrinas & doctores quoquo modo concordari, ac in unum volentes nolentes redigi: & procul dubio eas idem esse, & unam solam doctrinam in isto libro contineri, qui tamen alias bona opera vehementius urgeat, alias gratiam Dei & meritum Christi nimium imprudenterque extollat: Sensum ergo procul dubio esse, quod partim per Christum & gratiam, partim per Legem & opera servemur. Aut certe, quod per Christum accipiamus primam gratiam, ut opera legemque praestare, atque ita per eam servari queamus. Vel denique, nos primum quidem in Baptismo per Christum justificari ac servari, veluti in certa ac bona quadam navi, si modo nihil mortalis peccati unquam postea admittamus, quod si postea peccato aliquo admisso ex ea excidamus, necessario nobis ad secundam tabulam poenitentiae & bonorum operum confugiendum sit, ut ex illo naufragio enatemus, evadamusque. Sic illi tripliciter Mosen cum Christo, & Legem cum Evangelio, gratiamque cum meritis concordant, vel potius foedissime impientissimeque confundunt: quod observasse, utilissimum studioso sacrarum literarum fuerit.
15. Post hanc summam utile est, studiosum percipere brevem quandam Catechesin: quam nobis itidem Scriptura offert. Primum exhibendo quasi Symbolum in tribus primis capitibus Geneseos de uno Deo, creatione, lapsu & redemptione per benedictum semen, quam partem nunc Symbola referunt: Deinde per Decalogum, ipso Deo in brevissimum compendium legem redigente. Tertio, in oratione Dominica & verbis Sacramentorum. Quae capita doctrinae semper pro quadam compendiaria Catechesi sunt habita, tametsi in Papatu nefarie obscurata fuere. Ea enim etiamsi quis didicit, plerunque tamen ignota, nempe Latina lingua percepit.
16. In omni docendi discendique ratione ac conatu, sive liberalium, sive etiam mechanicarum scientiarum, praecipitur, ut ab iis incipiamus, quae & prosunt ad cognitionem sequentium, & faciliora sunt, & denique quae quasi summam rei continent. Talis ratio docendi est & in Scriptura. Nam primum proponitur historia, quae solet omnium facillima esse. Deinde ea historia, praesertim initium Genesis, est fundamentum totius sequentis doctrinae de DEO, totaque vera religione. Sunt denique illa tria aut quatuor prima capita Genesis, summa quaedam totius Scripturae: ibi est unus & trinus Deus, ibi creatio universae naturae rerum, ibi homo cultor Dei ad imaginem ejus formatus, & totius mundi dominus constitutus: in quibus rebus constitit illud primum regnum Dei. Deinde ibi est Lex, Lapsus & mors aut maledictio, seu culpa & poena: in quibus est situm regnum satanae. Postremo est benedictum Semen & restitutio generis humani: in quibus est regnum gratiae. Denique est inchoatio hujus communis vitae, conjugii, procreationis, & laborum, operumque. Quare optima methodo Scriptura ab iis principiis incipit, quae tum faciliora sunt, tum etiam totius hujus doctrinae fontes aut fundamenta exsistunt.
17. Omnis intellectus ac expositio Scripturae sit analoga fidei, quae est veluti norma quaedam sanae fidei, aut cancelli, ne aliquo vel externo turbine, aut etiam domestico impetu extra septa in praecipitia abripiamur: Rom. 12 v. 6. Omnia igitur quae de Scriptura aut ex Scriptura dicuntur, debent esse consona praedicatae Catechisticae summae, aut articulis fidei.
18. Christus saepe arguit suos Apostolos, quod non intelligant sermonem ipsum, ut singulas voces, praesertim metaphoras: ut, quid significet fermentum Pharisaeorum Matt. 16. v. 11, quid gladius quem eos emere jussit Luc. 22. v. 28, quid somnus Lazari Joh. 11. v. 13, quid cibus quo libentius vescatur, Joh. 4. v. 33. Sic alibi eos accusat, quod non intelligant parabolam aut similitudinem seminis, cum omnes parabolas eos intelligere oporteret Marc. 4. v. 13. In c. ult. Joh. v. 23 accusantur, quod non intellexerint interrogationem, aut etiam ipsam interrogativam pronunciationem, & sermonem conditionalem, cum de Joh. ad Petrum dicit: Si volo eum sic manere, quid ad te? Conditionalem enim & interrogativam orationem pro simplici & asservativa accipiunt, perinde ac si dixisset, Volo eum sic manere: aut, Non moritur. Exigit igitur Christus, ut tum vocum significata, tum & omnigenos tropos ac figuras orationis probe intelligamus: sicut cum etiam ad minutos apices & jota Scripturae nos vult esse intentos, quandoquidem nullum illorum sit irritum, casurum, aut periturum. Sic & Paulus vult nos in templo & rebus religionis, praesertim in proponenda doctrina, aut exponendis sacris literis, uti noto ac perspicuo sermone: 1. Cor. 14. v. 26. Sic Psal. 119. v. 130. ait, Explicatio verborum tuorum dat intellectum parvulis. Diligens ergo cura sermonis sacrarum literarum habenda est.
19. Porro Paulus 1. Tim. 1. v. 7, vult nos tenere & observare naturam propositionum, quodnam sit subjectum aut praedicatum, definitiones singularum rerum totasque materias & argumenta, vel integrorum scriptorum, vel etiam partium singularum, dicit enim, Seductores non attendere, neque de qua re loquantur, seu quodnam sit subiectum, aut unius sententiae, aut integrae tractationis, neque quid de ea affirment aut negent: Ut qui hoc tempore Liberum arbitrium tuentur, non considerant aut exponunt, an loquantur de naturali vel divinitus dato velle, de vetere aut novo homine: non etiam, quantum per se possit aut cooperetur cum alio. Oportet igitur distinguere accurate id, de quo aliquid dicitur tum ab eo quod de eo affirmatur aut negatur: tum & ab aliis omnibus, praesertim vicinis rebus, sive in unica propositione, sive integro sermone, libro aut aliqua eius parte. Porro si debemus nosse utrumque tum quid sit id de quo disserimus, tum quid id sit quod de eo dicimus: necesse profecto est habere etiam singularum rerum definitiones aut circumscriptiones, ut (juxta Ciceronem) mox initio sciatur quid sit id de quo sermo habetur. Hoc vero maximam lucem & adiumentum affert, ad percipiendum verum sensum alicujus loci scripti aut dicti. Ostendit ergo hoc dicto Paulus, vigilantem Sacrarum literarum doctorem & auditorem debere probe nosse; tum definitiones vocum ac rerum; tum singularum propositionum subjecta ac praedicata; tum denique integrorum scriptorum ac partium materias aut subjecta, & illarum determinationes.
20. Idem vult, explicantem sacras literas, recte eas secare: 2. Tim. 2. v. 15. Quod requirit non solum solidam cognitionem vocum, & significationum, phrasium ac sententiarum; praeterea singulorum membrorum aut partium, in toto corpore uniuscujusque scripti, in quo est sita etiam tota dispositio librorum aut scriptorum; verum etiam ipsarum rerum, aut materiarum, quae in Sacris literis continentur, exactam distinctionem; ut vigilantissime ac oculatissime separentur, inter sanctum & profanum, creatorem & creaturam, justum ac injustum, inter Moysen & Christum, ac inter utriusque doctrinas & officia; sicut Johannes mox initio discrimen facit inter Moysen ejusque doctrinam, ac inter Christum, & ejus officium. Sic & Paulus ad Galatas 3. & 4. & Rom. 3.4. 5.6. 7. & 8. summo studio distinguit inter Legem ac Promissionem, seu Evangelion, quo scire possimus, quid unde petendum sit; quidve singulis tribuendum; quaeve inferior aut superior doctrina sit, alteram regens, eive cedens; & quis uniuscujusque verus usus sit: ne, cum Judaeis & Papistis, a ministerio peccati ac mortis justitiam ac vitam quaeramus, justitiam Legis sectantes: aut etiam ministerium doctrinamque justitiae ac vitae, quae est promissio gratuita de Christo, in Legem accusantem, judicantem, ac condemnantem cum eisdem transformemus. Oportet igitur, docentem & discentem Sacras literas, aut sermonem veritatis (ut hic Paulus vocat) recte & solerter tum sermonem tum & res, secare: ita ut non tantum quomodo res prorsus disjunctae inter sese differant, cernat, sed etiam, quomodo vel unum quid, diversas quasdam quasi partes, species, elementa, aut quascunque circumstantias, causas, effectus, & accidentia habeat; & vicissim etiam, quomodo plura, eaque diversissima, nonnunquam in quibusdam conveniant, aut unum sint. Hoc enim est illud per utile Platonis documentum, ἐφ ἕν καὶ πολλὰ: unum in multis, & multa in uno, cernere ac examinare posse.
21. Vult etiam Apostolus, Tit. 1. v. 9, doctorem Sacrarum literarum esse idoneum, ad argumentandum, & refutanda Sophismata seductorum: quo pertinent non tantum formae verorum argumentorum, ac fallaciae falsorum, & materiae aut loca inventionis: sed etiam tota, tum sermonis doctrina, tum singularum definitionum, propositionum, ac denique etiam ipsarum rerum, solidior cognitio.
22. Idem Tit. 2. v. 24. vult, exponentem Sacras literas esse idoneum ad docendum. Quo tota doctrina Logices, aut Grammatica, Dialectica & Rhetorica, pertinet, una cum quadam naturali dexteritate: quae tamen multo est praestantior, si sit supernaturalis, superneque per Spiritum S. allata: cujusmodi decus, ac salutare judicandi ac differendi organum multis caelitus donatum videmus.
23. Denique praecipit idem, aut potius Spiritus Domini per eum, 1. Cor. 14. v. 40, ut omnia in templo ac religione, praesertim vero ipsa coelestis doctrinae expositio fiat ordine: quia Deus non sit autor confusionis, sed ordinis. Nihil sane perinde εὔχρηστον est (teste Xenophonte, & etiam ipsa experientia), ut lucidus ordo. Porro, ordo divinitus vel rebus discendis inditus, vel etiam naturae hominis eas percipientis, multiplex est: quo oportet docentem respicere. Singula etiam Sacrarum literarum scripta habent suum quendam ordinem, ac seriem rerum & materiarum, quem tum docens, tum discens diligentissime respicere ac observare debet. Celeberrimi autem sunt isti tres ordines aut methodi: nempe syntheticus, seu compositivus, quem plerunque Scriptura sequitur; analyticus, seu resolutivus, & horisticus, seu definitivus. Atque haec est altera pars Dialectices minus nunc usitata, de qua in Paralipomenis dixi. Ceterum de Sacrarum literarum Methodo, alibi in hoc Opere disseruimus.
24. Observandum vero semper est, ut ex vero fonte doctrina quaeque petatur. Sic enim & in humanis scientiis accurate praecipitur, ut omnes Methodi ac doctrinae, a veris principiis justa limataque ratione deducantur ac extruantur: & denique cum rerum suarum natura, experientiaque, ac communi bono aut hominum utilitate confirmentur. At hic non est nostrum, formare vel componere genus doctrinae, sed jam formatam, ac in libro comprehensam, coelitus accipimus; tantumque id restat, ut eam probe cognoscamus, & ad quotidianum usum adhibeamus. Ipsemet Filius Dei, qui solus in sinu ejus recumbit, inde nobis omnia mysteria protulit. Ad istum igitur fontem aut thesaurum nos Deus ablegat: haec sunt nostrae hujus scientiae aut sapientiae principia, κριτήρια, aut Lydii lapides, normaeque judicantes, ac promptuaria, ut supra audivimus, cum inquit: Scrutamini Scripturas: Joh. 5. v. 39. Ad Legem & ad testimonium: Esa. 8. v. 20. Item, Habent Moisem & Prophetas: Luc. 16. v. 29.
25. Porro, quoniam quidam homines nos ablegant, ad quaerendam veritatem, jam a veteribus, jam ab eruditissimis, jam etiam a Patribus, & Majorum traditionibus: ideo contra diligenter observandum est, Christum ac Apostolos nullos patres, aut eorum traditiones consuetudinesque, citare voluisse: quos haud dubie potuissent multos pro se producere; plurimumque eorum autoritas, apud Pharisaeos ac sacerdotes, & apud ipsum vulgus valuisset. Verum illi neutros eorum, vel in minimo, pro se, aut contra adversaries, adduxerunt: quin potius illas Majorum traditiones expresse vituperaverunt. Quare ex solo Scripturarum fonte, omnis veritas haurienda est: super illud solum fundamentum Prophetarum & Apostolorum, extructi sumus; illi soli igitur inniti, ac ecclesiam religionemque super eam collocare debemus. Quare, illos imitando & audiendo, ne nimium curemus, quid alii homines dicant aut tradant; qualesve observationes, aut religiones, nobis praescribere aut praeformare conentur.
26. Christus Matth. 13. v. 52. dicit, omnem scribam, doctum in regnum coelorum, debere proferre vetera ac nova; instar praedivitis patrisfamilias, qui ex opulento penu, omne genus cibariorum, & aliarum rerum utilium, proferre possit: quo ostendit etiam, eum, qui sacras literas exponit, Vetus Test. cum Novo conferre, & veteres patefactiones, historias, ac sanctiones Dei cum recentioribus comparare, & in publicum proferre, aliisque explicare debere; sicut & Apostoli accurate cum suis concionibus Veteris Testamenti dicta contulerunt. Eodem pertinet, quod Apostolus dicit, omnia illa vetera nostros typos fuisse, propter nos scripta esse, & non propter Abrahamum: Rom. 4. v. 23. & 1. Cor. 10. v. 6. & 11.
27. Observanda vero diligenter est reprehensio Christi, qui dicit: Ideo Sadducaeos errare, quia ignorent Scripturas & potentiam Dei: Marc. 12. v. 24 docens, pie ac salutariter in hoc studio philosophantes, semper debere conjungere Deum cum sua Scriptura: ne eum alium esse, aut aliter affectum, credant, quam sese in Scriptura patefecit; nec Scripturam aliter audiant, quam si ipsummet Deum coram adstantem audirent ac viderent loquentem; nec dubitent, illa omnia quae Deus in Scriptura indicet aut promittat, verissima ac certissima esse, ac ex ipsius Dei ore jam proficisci, proinde ac si eum coram humana specie adstantem loquentemque cernerent & audirent.
28. Christus jubet, ut caveamus nobis a fermento Seductorum: Matth. 16. v. 6 quia (teste Apostolo Gal. 5. v. 9) etiam modicum ejus, totam massam contaminet. Sic & Paulus ex V. Testa. docet, nos Agnum paschalem sine omni fermento comedere debere: 1. Cor. 5 vers. 7.8. Sincere ergo Scriptura de Christo accipienda est, ut & de aliis omnibus articulis: ac sine omni, vel Seductorum, vel Philosophiae, vel aliorum humanorum figmentorum, aut traditionum addita mento, in pectus nostrum transfundenda est; & non adulteranda, ut multi faciunt, opera quoquo modo Christo admiscentes. 2. Cor. 2. v. 17. Quid enim tritico cum palei? quid oraculis viventis Dei, cum humanis somniis? Jer. 23. v. 28.
29. In expositione autem Scripturae, ac in eruendo ejus vero sensu, maximam vim efficaciamque habet post Spiritum Dei collatio locorum Scripturae: qui vel verbis aut phrasi, vel etiam rebus, similes sunt. Sic etiam collatio partium unius loci, examinatio accurata praecedentium & consequentium, ut ipse contextus nobis obscuram sententiam illustret. Sic legimus Act. 9. vers. 22. Paulum, collatis Scripturae testimoniis, prophetarumque oraculis, Judaeos Damasci confudisse & convicisse, quod vere Jesus sit ille promissus Meschias. Ditissimus omnino thesaurus Scriptura est, & ineffabilis in eo Dei bonitas ac sapientia: quod nullus in ea locus tam obscurus aut dubius est, quin aliorum scrutatione ac collatione explicari & illustrari queat.
30. Ardens zelus ac diligentia passim a Spiritu Dei in studio Scripturae mandatur: praesertim autem est celebris locus Deut. 6. v. 7. ubi jubentur Israelitae, verbum DEI suis liberis acuere: hoc est, non pati fieri rubiginosum, aut etiam obtusum; sed severitatem justitiae, irae ac Legis Dei, & ipsius Judicis austeritatem, crebro ac graviter auditoribus proponere. Sic Christus ipse Matth. 5. & 6., rubiginem obtusitatem legis, quam ei Pharisaei suis Pelagianicis glossulis induxerant, sua acri lima aut cote expositionis detrahit. Alioqui, dum ei illud velamen rubiginis aut obtusitatis incumbit, inhaeretque, plane est nobis inutilis ac inefficax.
31. Est vero diligenter observandum, & cavendum in Sacris literis, illud scandalum, quod ipsemet Paulus dicit esse stultitiam praedicationis: seque ipsum, qui erat selectum Christi organon, sermone rudi concionatum esse Corinthiis: 1. Cor. 1. v. 21. & 2. v. 1. Praeterea etiam 2. Cor. 11. v. 6. aliquo modo confitetur se sermonis rudem, rerum autem gnarum esse. Licet enim Sacrae literae, sua gravi masculaque eloquentia minime destituantur: non tamen adsunt illae otiosae delicataeque veneres aut illecebrae; illa externa dulcedo & blanditiae; illa numerositas sonorum, seu illae nugae canorae, in sermone Sacrarum literarum: quae in ostentatoriis Oratorum aut Poetarum scriptis tunc temporis, in Graecia, & Romae maxima cum aviditate & admiratione audiebantur & celebrabantur. Ipsae quoque res, tametsi plane divinae, quae in Sacris tractantur, prorsus alienae & ab intellectu, ac veluti gustu captuque nostrae ruditatis, & perversitatis etiam, facillime nos offendunt, ac a nobis contemnuntur. Cavendum igitur vehementer est, ne ad hunc offensionis lapidem impingamus, corruamus & pereamus: dum nostro gustui arridentem probatamque sapientiam cum Graecis (ut Paulus 1. Cor. 1. v. 22. de eis ait) quaerimus; & divinae istius praedicationis, aut doctrinae, apparente stultitia offendimur.
32. Aristoteles, initio suorum Nicomachiorum Ethicorum, disserit de auditore aut discipulo ejus doctrinae: ut ostendat, qualis quove modo ille esse affectus debeat, si velit utiliter audire. Operae precium igitur fuerit, & nos aliquid de eo genere monitionum dicere. Nam ad rectam institutionem non tantum modus docendi probates; sed & auditoris conditio requiritur. Vult autem ille auditorem esse idoneum & capacem ejus doctrinae. Nostra vero haec philosophia etiam magis sibi adjungit ac subjicit auditorem: adeo ut nisi illum primum sibi subigat, reformet ac immutet, ideoneumque suo semini excipiendo efficiat; plane nullus ibi verus profectus adesse pararique possit.
33. Philosophia vult, statim initio habere auditorem capacem ac intelligentem; haec contra, mox in principio negat, ullum mortalium sua natura idoneum, ad eam percipiendam: quia omnes homines sint animales, non percipientes divina; quin potius contra, deridentes simul, & extreme odio habentes mysteria Dei: ait, eos esse terrenos, qui de terra tantum cogitent ac loquantur; sua vero mysteria esse prorsus divina, ac caelestia: nullum plane esse idoneum discipulum, qui ad Christum praeceptorem veniat: sed sola Dei misericordia ac potentia eos attrahi ad ipsum, & fieri θεοδιδάκτους, seu a Deo doctos: Johan. 6. v. 44.45. Oportere Deum ipsum circumcidere & illuminare cor eorum: alioqui habere eos cor non-intelligens, oculos non-videntes, & aures non-audientes. Hoc igitur doctrina hac vult modis omnibus ab auditore sciri; quo ille de semet desperans, a Deo petat aperiri oculos mentis suae, sibique ad tantam scientiam idoneitatem largiri.
34. Scriptura docet, sua mysteria talia esse, ut plerunque a summis & sapientissimis ignorentur; & contra a stultissimis, contemptissimis & infimis, divina clementia eos illuminante, percipiantur. De qua re Christus Patri gratias agit, Luc. 10. v. 21 & Apostolus idem 1. Cor. 1. v. 26.27. affirmat.
35. In eo autem hae duae doctrinae plane consentiunt, quod sicut Aristoteles affirmat de Ethica, finem ejus esse non cognitionem, sed praxin: sic etiam, atque adeo centuplo magis huius doctrinae finis esse debeat praxis. Multo sane minus haec doctrina potest in sola Theoria consistere sine practica, quam Moralis philosophia.
36. Christus inquit Joh. 7. v. 17. Si quis voluerit voluntatem Patris facere, cognoscet de doctrina mea, utrum ex Deo sit; an vero ego a me loquar. In quam sententiam recte dicit Augustinus: Credendum esse in Theologia, ut intelligas: non intelligendum, ut credas. In humanis enim scientiis, plerunque prius experientia, sensu, aut demonstrationibus convincimur, quam assentiamur. Hic autem plane contra, prius assentiendum aut credendum est, quam experiamur, aut sensu usuque convincamur. Dicit autem in hanc sententiam recte Aristoteles, Discentem oportere credere.
37. In omni scientia ac discendi genere plurimum prodest, praeceptorum dogmatum crebrum & accuratum exercitium. Sic & in Theologiae studio plurimum prodest viva praxis contritionis aut sensus proprii peccati; experimentum ac sensus remissionis peccati, seu justificationis ac pacis cordis; efficaces consolationes verbi; testimonium Spiritus S. clamantis in corde nostro, Abba pater; variae ac graves tentationes; crux multiplex; crebra invocatio, & lucta fidei in orando, pugnando cum Satana & duris rebus; sensus novitatis, & ardens assiduumque studium obediendi DEO, & pie vivendi. Rectissime igitur dicitur, Beatus vir qui tentatus fuerit: Jac. 1. v. 12. Qui non est tentatus, qualia novit ? Ecclesiast. 34. v. 11, sic & Christus dicitur esse tentatus per omnia, ut sciret compati aliis: Hebraeor. 2. vers. 18 & 4. v. 15.
38. Non est hic desperandum, si ab initio non omnia assequimur. Multa discebant, & utcunque in memoria recondebant Apostoli & B. Virgo, ex dictis, concionibus & factis Christi; quae postea demum, accedente eventu, usu & illuminatione Spiritus S. intellexerunt. Sic Luc. 18. v. 34. dicitur de prophetia Christi, praedicentis suam passionem & resurrectionem: Ipsi vero nihil horum intellexerunt, erantque verba ista abscondita ab ipsis, nec cognoverunt, quae dicebantur. Contra Luc. ultimo v. 8. dicitur, quod illius praedictionis recordati sint, eamque intellexerint.
39. In hac vero collatione doctrinae Ethicae & Theologiae, prorsus memorabilis est sententia Aristotelis, Ethicor. 6, quod corruptio morum tollat scientiam Ethicam, quia evertat causam finalem; nempe omnia esse virtutis ac honestatis gratia ferenda ac patienda. Centuplo enim id magis in Theologia accidit, ubi dans se voluptatibus, avaritiae ac sceleribus, non solum non putat amplius multa pietatis ac gloriae Dei causa ferenda aut patienda esse; verum etiam accedunt septem deteriores spiritus, qui abolitis omnibus veris piisque noticiis ac spirituali lumine, in omnes tenebras ac scelera tale suum mancipium praecipitant. Mirifica prorsus vel potius horrenda experientia in hoc genere quotidie cernitur, etiam in magnis viris, qui prorsus immutantur. Etsi autem interdum adhuc tales homunciones dicere possunt, Domine; tamen plerunque ore solum, ut psittaci, ea murmurant, planeque contra animi sui sententiam garriunt.
40. Duplex autem, suo quodam modo, scientia de iisdem rebus in Sacris literis continetur: quarum altera quidem veluti incipientium ac parvulorum est, & per metaphoram lac vocatur: altera vero est jam maturorum ac robustorum, quae est solidus cibus, 1. Cor. 3. v. 2 & Hebr. 6. Illa quidem prior doctrina est Catechesis praecipuorum capitum, breviter, generaliter ac simpliciter proposita: haec vero posterior rem eandem complectitur, sed multo accuratius & plenius, inquisitis diligentius fontibus rerum, ac expositis multis abstrusioribus quaestionibus ac mysteriis in eadem capita incidentibus. Videndum ergo est diligenter ut rudiores quidem illud primum lacteae tenuitatis ac simplicitatis alimentum percipiant, in eoque acquiescant; robustiores aut, ad illum solidiorem cibum gravioris doctrinae cito ferantur.
41. Est vero quoddam genus discipulorum Christianismi, qui semper manent pueri; sicut Apostolus Corinthios, Galatas & Hebraeos accusat, quibus semper necesse est lac suppeditari. Et aliud hisce vicinum, de quibus inquit Paulus 2. Tim. 3. v. 7. Semper discentes, & nunquam ad cognitionem veritatis pervenientes. Quorum sane conditio est periculosa. Qui enim in discendo non proficiunt, in proximo sunt, ut etiam deficere, & quotidie pauciora scire incipiant, donec tandem omnis cognitio veritatis in eis prorsus extinguatur. Tales vero in fide aegrotantes, oportet amanter suscipere & diligenter instructione, consolatione & precatione curare. Habent etiam benignum praeceptorem, qui habet eruditam linguam ad docendum; nec facile calamum confractum conterit, aut lichnum fumigantem prorsus extinguit: quin potius istas male affectas oviculas quaerit, & in humeris suis ad gregem causamque suam reportat.
42. Finis autem studii hujus est, cognitio Dei, justificatio peccatoris, ac celebratio Dei. Sicut Paulus dicit, nos ad salutem positos esse, non ad interitum: 1. Thess. 5. v. 9. Sic 1. Pet. 2. v. 9. dicimur esse genus electum, regale sacerdotium, gens sancta, populus acquisitionis, translatus ex tenebris in admirabilem lucem Dei, ut praedicemus virtutes Excelsi.
43. Est quoque duplex noticia in Sacris literis, alia, cum simpliciter aliquid Deus affirmat aut negat, quae est longe certissima; alia, cum ex Dei affirmatis aut negatis sententiis, aliquid deducimus; ubi nos facile decipi possumus, & plerique Haeretici decepti sunt. Christus deducit immortalitatem animae, & etiam corporis resurrectionem, ex dicto: Deus est Deus Abraham, Isaac, & c. Matth. 22. v. 31.32. Alteri non fuisset ita obvia, aut etiam certa ratio consequentiae. Sic cum Epist. ad Hebr. 8. v. 5, ex dicto Dei, Vide ut facias tabernaculum, ad imitationem ejus, quod tibi in monte exhibitum est: nobis non perinde facilis & evidens ratiocinatio fuisset.
Tertium quoddam genus Theologiae semper inepti homines extruere conati sunt, nempe ratiocinando ex Philosophia, aut alioqui ex verisimilibus quibusdam sententiis. Qualis est penè tota Sophistarum mataeologia. Sic olim quoque Sadducaei volebant resurrectionem redarguere, quia non possent tot possessores iisdem rebus frui, quas antea tenuissent, sive essent uxores, sive domus, agri aut alia: quia non sit verisimile, vel suos illos sanctissimos patres, qui eas traditiones sibi tradiderunt, errasse, aut damnatos esse; aut Christum magis sapere illis, vel Deum tamdiu suum populum errasse passum esse: quia item doctrina Christi nimium laxet disciplinam, & det occasionem peccandi. Talia illi tunc, & postea Papistae, habuerunt innumera sophismata, quibus sibi suum quoddam somnium Theologiae fabricati sunt. Sic qui hoc tempore synergiam liberi arbitrii tuentur, argutantur, sequuturum ex damnatione liberi arbitrii, ut Deus sit causa exitii hominum; sequuturam negligentiam in bonis conatibus, & alia innumera absurda. Bone Deus, quantos clamores tantum de prosopolepsia dederunt! At expensa re, deprehensum est, eos nec ipsam quidem definitionem prosopolepsiae tenere. Dixerunt enim esse, dare aequalia inaequalibus, aut inaequalia aequalibus: obliti addere, tunc demum in talibus esse prosopolepsiam, cum fit distributio ex merito aut debito. At, cum quis sua sponte largitur, illi esse liberum dare cui & quantum vult, sicut ille magnus paterfamilias ad suos operarios dicit. Matth. 20. v. 14.15. Hoc igitur genus Theologiae, ut prorsus vanum ac nugax prorsus explodendum est.
44. Philosophi noticiam & res scibiles distinguunt: quod alia per se nota sint, ut sunt generalia principia & ideae: alia nobis, ut communia experimenta, ac res in sensus incurrentes. Sic & Paulus celebrat noticiam Dei tanquam per se facilem, nobisque obviam, ut cuius abscondita ex operibus perspici queant; cujus innumeris beneficiis omnibus horis perfruamur, quemque ferme manibus palpare possimus: atque adeo in quo existamus, vivamus ac moveamur. Sed tamen vitio caecutientis cordis nostri, ille tam obvius dominus, nihilominus nobis maneat ignotus Deus, nosque ratiocinando ab eo aberramus & evanescimus. Rom. 1. v. 19. & seqq. Act. 14. v. 17 & 17. v. 23. & seqq.
45. In hoc studio, sicut & in aliis omnibus, pius praeceptor aut manuductor valde utilis esse solet, atque adeo etiam prorsus necessarius, sicut & Eunuchus Candaces, Act. 8.31. negat, se sine praeceptore posse Esaiam intelligere. Sic & Paul.[us] inquit, Rom. 10. v. 14. Quomodo credent sine praedicante? Quare (ut dictum est) Filius Dei ad hoc ipsum sedet ad dextram Patris, ut pios doctores nobis largiatur. In hoc genere praecipitur etiam ipsis praeceptoribus, 1. Cor. 14. v. 30. ut, si sedenti revelatum fuerit, illi cedant, taceant, ac audiant.
46. Porro, ex mandato Pauli vitandum est, ne sapiamus supra quod oportet, & praesertim supra id quod scriptum est: sed in Scriptura acquiescamus, & sapiamus ad sobrietatem. Rom. 12. v. 3.1. Cor. 4. v. 6. Multi enim sunt, qui simplicitate Scripturae & facta patefactione non contenti, plura scire volunt, quam Deus in Scriptura patefecit. Qualis est tota descriptio coeli ac Inferiorum apud Adversarios, ab Ethnicis Poetis, Homero & Virgilio desumpta, quam tamen illi sua industria non parum auxerunt excolueruntque.
47. Aliqui etiam in ipsa Scriptura movent varias, subtiles, inutiles ac inexplicabiles quaestiones: quibus tantum intricant & perturbant se & alios, dum eas explicare nequeunt. Quare eas Paulus prohibet severiter, in 1. Epistola ad Tim. 1.4. & 6. v. 3.4. & in 2. ad Tim. 2. v. 23. Tit. 3. v. 9. Tales sunt (ut de Sorbonistis jam taceamus) qui hoc tempore innumeros scrupos ac quaestiunculas verae sententiae in S. coena, de praesentia corporis Christi, objiciunt.
48. Videndum igitur contra est, ut sobrie ac religiose in coelesti doctrina philosophemur; ac quandam sanorum verborum formam concipiamus, tum quoad singulas voces ac phrases, tum & quoad totum sermonem, methodum ac materiam, omnibus modis fugiendo prodigiosas vocum vanitates ac novitiates. Sicut videmus non tantum Sophistas ac Sorbonistas suo monstroso rixandi potius, quam docendi genere, fecisse; sed etiam Patres suo quodam rhetoricandi studio, multa valde improprie explicuisse: alia perperam exaggerasse, ut Virginitatem; alia etiam elevasse, ut Conjugium. De quo sano theologizandi genere disserit Paulus 2. Tim. 1. v. 13, & Tit. 2. v. 8. &. 1. Tim. 6. v. 20.
49. Est in doctrina Christiana genus quoddam studendi ac proficiendi insincerum, quo aliqui (sicut Scriptura inquit) videntes non vident, & audientes non audiunt. Aliqui enim habent notitiam in theoria, non in praxi: vident ac sanare possunt alienos morbos, non suos: vident genus, non speciem aut individuum: multo minus possunt maximi momenti circumstantias, quae interdum prorsus variant casus, discernere. Petendum igitur est a Deo, ut ille nos per suum Spiritum, vera notitia sinceroque ac vivo lumine, illuminet: ita ut non tantum alienam festucam, sed etiam nostram aliquam trabem in omni genere defectuum cernere ac tollere pie salutariterque possimus.
50. Mala colloquia corrumpunt bonos mores, atque adeo etiam ipsam sinceritatem fidei: sicut id Paulus applicat ad articulum fidei de Resurrectione, 1. Cor. 15. v. 33. Omni ergo studio caveantur tum improborum commercia, tum & impia aut alioqui etiam profana ac impura scripta, quibus contristatur Spiritus S. in piorum pectoribus, & languescit fidei robur, ac refrigeratur verus & ardens zelus.
51. Sit semper sermo noster verbi Dei sale conditus, ut tum nos ipsos, tum & alios aedificet. Nullus ergo sermo putris ex ore nostro exeat; sed qui est commodus ad aedificationem, ut, & aliis gratiam afferat: Eph 4. v. 29. Col. 4. v. 6. Simus denique semper parati ad reddendam rationem fidei nostrae: 1. Pet. 3. v. 14. Hic sane profectus cum primis ex hoc studio quaerendus hauriendusque est.
52. Veritas ubique, praesertim autem in Theologia est fons boni: ut & Plato docet. Contra error ac mendacium est fons mali. Quare Christus dicitur rex veritatis: & ad hoc venisse, ut veritatem propaget: Joh. 18. v. 37. Contra, Satan est pater mendacii: Joh. 8. v. 44. Non sine causa igitur Christus flagitat, tam solicite ac severiter, ab Apostolis & omnibus piis, ut ejus sermonem sedulo servent: Joh. 14. v. 21.23. &. c. 17. v. 6.8. & Paulus a doctoribus inprimis, ut coeleste depositum purum illaesumque custodiant: 1. Tim. 6. v. 20. & 2. Tim. 1. v. 14. Sic & c. 2 v. 15 ac 3. v. 14. valde solicite monet suum Timotheum, ut veram doctrinam incorrupte propaget. Caveamus igitur omni studio ac vigilantia, ne a simplicitate fidei in Christum ulla ratione aut occasione seducamur, sicut Evam serpens seduxit: 2. Cor. 11 v. 3.
53. Omnibus modis necessaria ac salutaris admonitio est Pauli ad Col. 2. v. 28, cum jubet, ut caveamus, ne decipiamur in coelesti doctrina per Philosophiam. Ubi non solum de pseudophilosophia; sed & de verae Philosophiae abusu imposturaque loquitur Apostolus. Non enim dici potest, quam facile nobis stultaeque rationi nostrae, ejus sententiae ac dogmata arrideant; quamque se illae clam insinuent in cogitationes, mentem ac conscientiam nostram, ut saepe ipsas loco coelestium oraculorum audiamus ac sequamur, utque saepissime, etiam prorsus inscii viventis DEI sententias, praecepta, dogmata ac consolationes ad hujus lascivae & procacis amasiae placita attemperemus, inflectamus, & plane adulteremus, veluti optimum vinum aqua diluentes. Exempla non-pauca hujus generis imposturarum Philosophiae, in rebus scientiaque Sacra, in libello de Metis scientiarum, recensui. Quare & vigilantia summa & perpetua, Dei ope ac Spiritus sancti lumine nobis opus est: ut sanctum a profano, hic vel in primis, accuratissime & longissime separemus. Semper igitur sit nobis nostra ratio, vetus Adam, aut humana sapientia in rebus divinis suspecta; & semper diligentissime ac attentissime ad coelestia oracula respiciamus, omni prorsus vigilantia caventes, ne vel in minimo ab eis recedamus.
54. Nec tamen interea fanaticos homines sequi debemus, quasi humanae scientiae sint prorsus inutiles, aut etiam noxiae ad cognitionem Sacrarum literarum & doctrinae coelestis. Oportet enim discere linguas, & eruditas Grammaticas. Utilis ac plane etiam necessaria est Dialectica ac Rhetorica, & reliquae Philosophiae cognitio. Nec valet obiectio, quod ista Apostoli non didicerint. Acceperunt enim illi cognitionem linguarum, & aliarum utilium rerum, ex dono Spiritus S. Videmus etiam hodie multos alioqui rudes ita coelesti quodam intelligentiae lumine donatos illustratosque esse; ut vel obscurissimas controversias, summa dexteritate, dijudicare possint. Harum igitur externarum aut humanarum rerum scientiam etiam Apostolus in Christianis, praesertim doctoribus requirit, inquiens Tit. 3. v. 14. Discant autem etiam nostri bonis operibus (aut functionibus) praeesse in necessarios usus, ut non sint inutiles. Ubi omnino eis praecipit, artes liberales & mechanicas discere. Sic & 2. Tim. 2. v. 2. Jubet, Theologiam hominibus tradi ad docendum & discendum idoneis, quo illi eam porro aliis exponere possint, ut manifeste Logicas scientias aut organa requirat in studioso ad Theologiam adhibendo. Sic igitur in domo, juxta Theologiam, veluti juxta matrem familias Saram, etiam Agar, Philosophia gentilis: sed serviat ac ancilletur, & non dominetur; non sit architectonica, sed famula; nec intret in cubiculum conscientiae, aut ad tribunal judicii rerum causarumque ac deliberationum sacrarum, nisi quatenus sua Theologia permiserit: quae super omnes scientias, artes, cogitationes, consilia, conatus & actiones hominum & angelorum suprema architectonica est.
55. Exploratio ante institutionem utilis est. Sic discipulus videt quid sibi desit; & tanto avidius institutionem docentis arripit. Hanc Christus crebro adhibet, ut cum quaerit ex Philippo quomodo saturare illos homines possint? Joh. 6. v. 5. aut quot panes habeant? Matth. 15. v. 34. aut ex omnibus discipulis, quid homines de se sentiant, loquanturve? Matth. 16. v. 13. aut ex Petro, num filii regni dent tributum? Matth. 17. v. 25. Eodem facit, quod interdum eis obscuras parabolas proponit, quas cum vident se suo Marte intelligere non posse, ipsum consulere coguntur. Sic patitur eos vexari disputationibus Pharisaeorum, & fatigari irrito conatu ejiciendi mali Spiritus.
56. Examinatio, post institutionem, necessaria est. Sic enim fit discipulus attentior, & videt quid sibi desit, quamque recte doctrinam perceperit. Diligentius eam etiam expendit, & veluti ruminatam concoquit. Hanc crebro Christus exercet, ut cum quaerit, Vos quem me esse dicitis? Matth. 18. v. 1. aut, Intelligitisne parabolam? Matth. 13. v. 51.
57. Sed longe efficacissima institutio est, si adhibeatur non tantum verbalis, verum etiam realis examinatio, ut cogantur discipuli praxin praeceptionum exercere, & discere jam quasi sine cortice natare. Quod in Evangelistis saepe Christus facit, ut cum eos post miraculum tot millium paucis panibus saturatorum, sine pane, in navigationem periculosam inducat.
58. Volunt quidam homines hodie, Gigantea audacia, sese supra authoritatem Scripturae, atque ita supra Deum ipsum, qui eam loquutus est, collocare; eamque plane praetoria, aut etiam regia, vel potius tyrannica potestate interpretari: ita ut omnes eorum interpretationi, quantumvis a textu dissonanti, assentiri cogantur. Sicut Cusanus impie blasphemat, posse Ecclesiam ac Concilium idem dictum Scripturae alias aliter, atque adeo contrarie, interpretari, & usu ipso exercere. At contra, Scripturam dubiam aut obscuram per Scripturam exponere & dijudicare, tutissimum simul & utilissimum est, ita ut Deus ipse ac ejus verbum sit omnium controversiarum ac dubiorum supremus judex & diremptor. Hoc vero diligentissime agit Christus, disputans cum Diabolo, ubi & quando proprie Deus custodiat homines? nempe, cum non tentant; sed in sua vocatione ordinaria ratione modoque convenienti versantur: Matth. 4. v. 6.7. & cum Judaeis disputans, quatenus Meschias sit, aut non sit filius David; cum alibi dicatur ejus Dominus, & sedere ad dextram Dei: Matth. 22. v. 42 & seqq. Sic & Apostolus Paulus facit; cujusmodi ejus studii exempla sunt multoru[m] Scripturae testimoniorum congestio, Rom. 3. & 9. & Heb. 1. ac 2. cum conferuntur testimonia, ut explicetur, quomodo Christus dicatur futurus, tum gloriosus, tum etiam humiliatus aut exinanitus infra Angelos.
59. Illud vero vel primarium est, quod pene oblitus fueram: quod videlicet homines, pro sua perversa & inimica Deo curiositate, vel ex miraculis volunt veritatem cognoscere; ut Judaei subinde flagitabant a Christo, ut sibi signum de coelo daret: Matth. 12. v. 38 & 16. v. 1. vel etiam ad consulendos mortuos ac spectra confugere, ut Jes. 8. v. 19, habetur: & dives ille Epulo dicebat ad Abrahamum, homines facillime converti posse, si aliquis ex mortuis ad eos mitteretur, qui illis concionaretur: Luc. 16. v. 30. At Propheta negat, pro vivis mortuos esse consulendos, sed ad legem Dei potius recurrendum esse. & pater Abrahamus dicit, habere homines Scripturam Mosis & Prophetarum, quos audire debeant. Quin etiam Christus & Paulus permonent, fore, ut Antichristus, aliique seductores, miraculis homines decipiant: Matth. 24. v. 24. & 2. Thess. 2. v. 9 jubentque ut apparitiones Angelorum caveamus; Col. 2. v. 18. Atque adeo etiam Angelos de coelo, si quid diversum a scripta doctrina Evangelii docuerint, anathematicemus; Gal. 1. v. 8.9. At sub Antichristo, neglecta sepultaque prorsus Scriptura, isti duo fontes dogmatum soli pene frequentati sunt: nempe, qualiacunque miracula, & innumerae apparitiones. Quorum tamen utriusque generis pleraque fuere, aut prorsus conficta a mendacibus hominibus; aut certe merae praestigiae, ac delusiones diabolorum.
60. Verum, quoniam ipsemet unicus praeceptor noster, Dei filius repetens testatur, neminem posse ad se venire, nisi id ei a Patre datum fuerit, nisi fuerit θεοδίδακτος, nisi ei Pater coelestis revelaverit, imo etiam, nisi ipse potenter ad se traxerit: quin ille nimirum unicus fons verae Theologiae est, sicut & omnium aliorum bonorum: ab ipso igitur ardentissime flagitemus, ut ille suam legem ac notitiam cordi nostro, suo illo sacrosancto digito, nempe Spiritu S. inscribat; nobisque plenissimam cognitionem sacrosanctae Triados, ejusque mysteriorum, clementissime largiatur.
Praecepta de ratione legendi sacras literas, nostro arbitrio collecta aut excogitata
1. In omnibus cogitationibus, conatibus & actionibus, praesertim gravibus, cumprimis autem Sacris, utilissimum est, divinam opem implorare, ut is omnem nostrum conatum & praeveniat inspirando, & adjuvet prosequendo, & denique finiat benedicendo, aut felicem exitum incrementumque ac fructum labori nostro largiendo.
2. Cum autem ad omnes conatus oporteat afferre piam bonique propositi mentem: tum praesertim hic necessum est, hoc unum cogitare ac in votis habere, ut cupias veram ac genuinam Sacrarum literarum sententiam assequi, qua velis ad Gloriam Dei, & tuam aliorumque utilitatem, praesertim spiritualem ac aeternam, optima fide uti: non ad ostentationem, aut captandum lucrum; multo minus ad oppugnandam veritatem, ut papistae Sacras literas legunt.
3. Sic vero in veneratione Sacras literas habere, & ea religione cognoscere debet pius homo, ut statuat se non (ut ita dicam) mortuum librum legere, non etiam alicujus sanctissimi, gravissimi aut sapientissimi hominis scripta cognoscere; sed ipsius viventis Dei, nunc ibi coram secum agentis, oracula auscultare. Ille enim est istius libri autor, aut ita eum humano generi proposuit, ut qui semper velit coram cum hominibus per istum librum colloqui, eosque de se, & ipsorum aeterna salute, docere.
4. In omnibus porro gravibus rebus ac negotiis, distracta variis curis ac cogitationibus mens, infeliciter versatur. Quare in hoc studio sit mens omnibus curis, ac veluti eam suffocantibus spinis, libera; totaque in hoc opus intenta: praesertim vero absint omnes pravae cogitationes, & perversi affectus.
5. Contentus sit Lector, ut simplicem ac genuinum Sacrarum literarum sensum, & praesertim ejus loci, quem jam legit, assequatur: nec quaerat aliquas umbras, aut sectetur somnia allegoriarum aut anagogiarum, nisi manifeste sit allegoria, & literalis sensus sit alioquin inutilis, aut etiam absurdus.
6. Ubi quid intellexerit, & memoria complexus fuerit, adhibeat protinus aliquam meditationem, ut rem sententiamve eam tum tanto plenius cognoscat; tum etiam in pium usum praxinque fidei, invocationis, consolationis, aut alius instructionis & morum, transferat.
7. Si quae occurrunt, quae statim assequi non possumus, ea ne piguerit diligentius rimari, tum ipsum textum ac res considerando, tum interpretum libros consulendo, tum etiam doctos simul & pios interrogando.
8. Quod si etiam in praesentiarum plane aliquid assequi nequimus, memoriae tantum locum ac verba ejus mandemus: sperantes & expectantes, ut id nobis Dominus clementer, aliqua occasione, patefaciat. Nihil enim in Sacris frustra scriptum est, nihilque etiam contemnendum. Atque hae 8. praeceptiones sunt quasi externae & generales: nunc de iis dicamus, quae ipsum textum propius attingant.
9. Cum igitur aggrederis lectionem alicujus libri, id statim initio, quoad ejus fieri potest, age, ut primum scopum, finem aut intentionem totius ejus scripti, quod veluti caput aut facies ejus est, protinus vereque notum habeas, qui plerunque paucis verbis notari potest. & non raro in ipso statim titulo notatur: sive is unus est, cum totum scriptum in unum corpus conformatum est, sive plures, cum sunt plures ejus partes, prorsus inter sese non cohaerentes.
10. Secundo elabora, ut totum argumentum, summam, epitomen aut compendium ejus comprehensum habeas. Voco argumentum, illam pleniorem conceptionem, tum scopi, tum & totius corporis delineationem: in quo simul saepe etiam occasio scriptionis necessario indicatur, licet ea plene in ipso scripto non contineatur.
11. Tertio, ut totius ejus libri aut operis distributionem aut dispositionem ante oculos delineatam habeas: utque diligentissime observes, ubi sit (ut ita dicam) caput, pectus, manus, pedes, & c. Ibi igitur accurate expendas, quale illud corpus sit; quomodo omnia ea membra complectatur, quave ratione illa tot membra aut partes ad efficiendum hoc unum corpus conveniant: quaenam sit singulorum membrorum vel inter sese, vel etiam cum toto corpore, ac praesertim cum capite ipso, convenientia, harmonia ac proportio.
12. Denique utile fuerit, etiam in tabellam diducere totam illam unius corporis in tam varia membra anatomiam aut diductionem, quo tanto liquidius & animo percipere ac intelligere opus illud queas, & melius memoriae infigere, cum ita sub oculos in synopsin, aut unum quasi adspectum, omnia subjecta habueris.
13. Haec vero quatuor, scopus, argumentum, dispositio & tabellaris synopsis, proba, vera ac genuina esse debent. Sicut enim, si vera sint, plurimum adiumenti afferunt: ita contra, si prava sint, toto coelo lectorem errare faciunt. Maxima igitur in eis vigilantia, cautaque examinatio adhibenda est.
14. Afferunt vero ista quatuor haec sequentia commoda. Primum, scopus ipse, & tota summa, singulis partibus, atque adeo dictis, sententiis & vocibus, magnum lumen affert, ut tum clarius perspicere queas, quis sit genuinus eorum sensus & quis non. Quod enim a toto illo scopo & argumento, aut summa, dissonare videtur, id haud dubie alienum ac falsum est.
15. Praestat etiam dispositio, ut tanto melius singulas partes cum illo scopo concinnare possis, duplicemque inde fructum percipias, dum & singularum sententiarum utilem institutionem habes, & perspicies, quomodo ea pars principalem scopum confirmet, & constabiliat.
16. Tertio praestabit, ut non, veluti errans in sylva, aut navigans, vel iter faciens obscura nocte, ignores, ubi aut in qua parte verseris, ac quorsum tendas: sed semper scias, ubi sis, & quorsum tendas: ubi tibi sit Oriens, Occidens, Septentrio aut Meridies: quam procul aut prope sis alicui fluvio, monti, valli aut praecipitio.
17. Quarto, conferre poteris, hac occasione, semper utilissime praecedentia cum sequentibus, ac cum eo ipso loco, aut sententia, in qua nunc versaris, unde tibi ingens adjumentum accedit, ad perspiciendam ac percipiendam veram loci sententiam, omnemque fructum, qui inde peti potest, aut debet.
18. Denique, tum multo celerius ac certius totum scriptum cognosces, tum etiam fidelius memoria retinebis, semperque cum usus postulabit, vel totum vel partem aliquam ejus in tuum commodum applicare poteris.
19. Verum quoniam hujus examinationis scriptorum, ingens simul & multiplex utilitas est, ascribemus adhuc aliquot plures praeceptiones hujus generis; praesertim ad singulas, easque difficiliores partes, aut textus, pertinentes, ut tanto exactius certiusque totum opus omnesque ejus partes, resolvere ac perscrutari, & denique (DEO benedicente) penitus perspicere possimus. Nam (ut ingenue, quod sentio, confitear) cum multi interpretes, in explicatione sacrorum librorum, erudite hactenus de singulis eorum partibus, aut etiam sententiis, disputaverint, nemo tamen, aut certe perpauci, accurate textum examinare solitus est, multoque etiam minus diligentissime argumentum, ac dispositionem simul, monstrare; & totum corpus, caput ac membra, subinde inter exponendum, diligentissime inter se conferre ac conferruminare; & in singularum partium inspectione, consideratione, illustrationeque, semper eas diligentissime ad reliquas, & praesertim ad caput, totumque adeo corpus conferre & applicare, consuevit. Quod tamen vel maxime factum oportuit, si vere pleneque earum vis, natura ac usus, perspici monstrarive debuit. Sed jam, ut promisi, illas reliquas hujus generis praeceptiones adjiciamus.
20. Cum igitur omnino totus textus nobis obscurus est, sive ob res, sive ob sermonem, valde profuerit, eum (ut modo diximus) accurate examinare, ac tum scopum, tum genus quoddam totius corporis, perpendere, an sit narratio aut historia, institutio aut doctrina quaedam, consolatio aut objurgatio, vel alicujus rei descriptio, aliquaque oratio, aut quid simile. De quo vario genere scriptionum, aut librorum sacrorum, alibi in hisce Regulis dictum est.
21. Quo veluti genere scripti animadverso, tum porro ejus partes aut membra, seu quasi quasdam subdivisiones, inquiramus. Quibus inventis ac distributis, illarum tum inter sese mutuo convenientiam, tum & cum suo toto consideremus. Impossibile enim est, esse aliquod sanum scriptum, quod non certum scopum, certum quoddam genus alicujus (ut ita dicamus) corporis exhibeat, & aliquas partes aut membra in se complectatur, quae certo ordine, ratione, ac quasi proportione, tum inter se, tum etiam cum toto corpore, ac praesertim cum scopo suo, sint coagmentata. Sic enim examinato scripto, necessario fiet nobis familiarius ac dilucidius; nec aberit Spiritus ac benedictio Domini, omnia suggerens, ac in omnem veritatem nos deducens; si modo serio in verbo ejus sudaverimus.
22. Profuerit quoque plurimum, in examinando aliquo obscuriore loco, aut etiam integro scripto adhibere ad id Lydium lapidem Regularum Logicarum, sive Grammatices, sive Rhetorices, sive denique Dialectices. Quoniam enim istae artes Dei beneficio patefactae sunt, ex naturali lumine quod adhuc superest, accensae, praeterea sese ad rerum naturam, ejusque ordinem, divinitus illis inditum, conformarunt, & denique quoniam sese ad captum humani ingenii (ut & ipsae Sacrae literae) accommodant, necessario magnum nobis usum, in Sacris etiam literis illustrandis, si pie cauteque adhibeantur, praestare possunt.
23. Quaeratur igitur, sicut jam dixi, ad quod genus & quasi corpus istud Sacrum scriptum, ejusve locus, referri possit, ex iis omnibus scriptionum generibus, de quibus istae artes disseruerunt; aut quae in vitam hominum, & rerum tractationem, & cum hominibus actionem, incidere solent: ut si forte ad aliquod genus orationum locus referri queat, sive ad Judiciale, sive ad Deliberativum, sive ad Demonstrativum, sive denique Didacticum, aut aliam scriptionis formam.
24. Ubi id erit deprehensum, examinetur secundum praecepta illius generis, quaerantur ac constituantur status, partes orationis & argumenta. Videantur etiam loca, unde argumenta ducta sint; examinentur & expendantur ad Dialecticas praeceptiones, tum ordo scripti totius, tum definitiones ac divisiones, si quae insunt: tum denique etiam argumentationes, quas aliquando utile est, in breves syllogismos, aut alias Dialecticas formas, includere. Quaeratur, qualis inventio, qualis dispositio, & qualis elocutio sit. Videatur, quidnam rebus, & quid hominibus, datum sit, aut eorum causa dictum: quid etiam conveniat cum humano more ac consuetudine, & in quo tandem divinae majestatis sermo, ab hominum vanitate, differat.
25. Nec parvam utilitatem afferet, si tuo sermone id scriptum varie retexas, ut si primum, veluti facta anatomia, ac tanquam abjectis omnibus carnibus, ornatus amplificationum, dulcoramentorum, digressionum, & similium, sola quasi ossa tuo sermone delinees: ut tantum eas sententias complectaris, quae sunt veluti basis totius, quae omnia accersita & quasi accidentaria sustinent, & simul plane necessario i [n] ter sese, sicut ossa nervis colligata, cohaerent.
26. Prima enim & summa cura esse debet Lectoris, ut illas quasi primarias & substantiales sententias, in quibus potissimum tota propositae quaestionis determinatio residet, expendat; secundaria vero, ut illas quasi externas, accersitas aut accidentarias. Fit vero non raro, ut illas primarias sententias, prae accidentariorum copia, & nimio splendore, etiam oculatus lector, vel auditor, cernere nequeat. At facta tali quasi anatomia, mox cernitur, tum quidnam sit illud principale, ac quomodo singulae partes inter se invicem cohaereant; tum etiam, quid illa externa aut accidentaria, & quo tandem consilio sint adhibita. Plenius quoque utraeque sententiae hac ratione perpenduntur ac examinantur, & altius tali scriptione infiguntur.
27. Huic quasi anatomicae scriptioni, possis non inutiliter, tum brevem ecphrasin aut compendiariam vel epitomicam scriptionem, adjungere, tum etiam uberiorem paraphrasin. Sic enim demum plenissime, ac utilissime, omnia expendes ac pernosces, dum cogitabis quibus verbis ac sententiis tu eas res, & sensus apte complecti velis, aut possis, dumque religiosissime cavebis, ne quid illorum sensuum invertas, neve quid vel addas peregrinum, vel adimas eorum, quae ibi dicenda fuere, aut denique aliquid parum exprimas, parum significanter dicas; aut etiam contra nimium extollas vel exaggeres. Verum illius prioris (ut ita dicam) anatomicae retextionis, aut scriptionis, primus praecipuusque usus est.
Monui etiam prius, diligentissime observandum esse scopum, tum totius scripti, tum etiam singularum ejus partium aut locorum: nam inde mirabilis lux affulget nobis, ad intelligendas singulorum dictorum sententias. Exemplo, quid velim, declarabo. De loco Lucae 7. v. 47. Quia dilexit multum, disputatio est, an remissio peccatorum ibi dicatur esse causa aut effectus dilectionis. Papistae volunt, esse effectum, nos causam. Lis hic facillime ex eo discerni posset, si inspiciatur, an Christus ibi explicet res aliquas, earumve causas aut effectus monstret Pharisaeo, veluti docens cupidum discendi discipulum; vel potius asserat aliquid certi, ut confutet falsam Pharisaei opinionem, qui illam mulierculam pro injustissimahabebat; mirabaturque ipse, de sua justitia tumens, quod Christus cum tam injustis quicquam commercii haberet. Si simpliciter docet discipulum docilem, nimirum illud, Quiadilexitmultum, ostendit, dilectionemesse causam remissionis peccatorum. Sin est confutatio falsae opinionis aut cogitationis Pharisaei, & simplex quaedam assertio: tum illa particula continet rationem aut probationem factae jam remissionis aut justificationis. Manifestum vero est, esse assertionem seu confutationem Pharisaei. Aliud autem est, asserere ac demonstrare aliquid, contra negantem adversarium; aliud, obedientem docilemque discipulum docere, eique causas & effectus rei declarare. Sic locus in Evangelio Johannis cap. 6. v. 52. Quomodo potest hic nobis dare carnem suam ad manducandum? & adjuncta, facile ex scopo intelligi possunt. Non enim id agunt ibi Judaei, ut, tanquam dociles quaerant ex Christo modum fruendi ejus corpore, beneficiis, ac doctrina: sed simpliciter, ut tanquam increduli redarguant eum manifestae falsitatis; ut qui dicat rem falsissimam, nempe se velle eis dare corpus suum ad manducandum, seque esse panem de coelo venientem, & panem salutiferum, i. e. verum Deum & Servatorem. Sic etiam Christus ibidem, inter alia dicens, carnem non prodesse, sed Spiritum vivificare: v. 63 & solum Patrem trahere homines ad eum, ipsos non posse per se venire & c. v. 44. non id agit, ut eos doceat, quomodo ejus beneficiis, meritis, doctrina, aut corpore frui queant, sed ut redarguat eorum nativam incredulitatem, aut potius rebellionem ac hostilitatem, quam inde ex utero secum afferant, quaeque adeo sit pertinax ac praepotens, ut eos non duci, sed quasi violenter trahi divinitus, rapique ad se oporteat. Aliud est, studio discendi quaerere ex eo, quem pro veraci praeceptore agnoscis, & vicissim docere ac explicare aliquid docili discipulo: aliud, pertinacem adversarium arguere, vel redarguere.
Sic in Sacra Coena consideretur scopus, & erit sensus perspicuus. Non exponuntur ibi somnia, non nudis typis aut umbris res futurae involvuntur ac praefigurantur, ut olim Judaico populo: sed, Filius DEI testamentum suum condit, ac charissimis suis Discipulis loquitur, quibus omnia aut loqui perspicue solebat; aut, si quae dicta erant obscurius, mox exponebat. Quis vero sanae mentis homo, non id agit, ut quam perspicuissime ac propriissime, in testamento condendo, loquatur, ne quid dubii litisve inter haeredes relinquat? Id ibi agit Christus, ut suo sanguine foedus inter Deum & genus humanum feriat. Quare, ejusdem suae victimae sanguine, & nos confirmat ac obligat, eum nobis distribuendo, & DEUM illi eundem mox in cruce offerendo. Ex scopo igitur (qui non est vel nudos typos ac umbras condere, vel somnia exponere; sed perspicuis propriisque verbis testamentum condere, & foedus sancire) facile vera genuinaque sententia haberi potest. Ut vero observatio scopi plurimum facit ad illustrationem verae sententiae: ita etiam contextus diligens collatio, & quasi harmonia. Dixi de hac re superius: dicam etiam mox, simulque exemplis rem declarabo.
Prospexit vero Deus mirabiliter nostrae imbecillitati, ut ita Sacrae literae sint mirabili artificio, sibique invicem consonanti harmonia conscriptae, ut non solum diversi earum libri, aut scripta, diversaque loca, sed etiam idem locus, ac totus contextus, supra modum sese illustret ac explicet: utque non aliunde felicius omnia dubia tollantur ac explicentur, quam ex ipsomet toto loco, diligenter ac in timore Dei expenso. Qua arte, aut singulari commoditate, nullus alioqui author, aut scriptum confectum reperitur.
Omnino recta distributio textus mirifice illustrat veram sententiam: sicut & in tota rerum natura conjungere conjungenda, & separare distinguenda, vel cum primis salutare est. Exemplo sint nobis sequentia loca. Lucae 7. v. 47. in dicto, Quia dilexit multum, plurimum obscuritatis inde accessit, quia non conjunxerunt totam conjungendam sententiam. Recitarunt enim, ac considerarunt tantum illa male versa verba: Remittuntur ei peccata multa, quia dilexit multum, cum illa omnia simul cohaereant. Propterea dico tibi, remissa sunt ei peccata multa, nam dilexit multum. Eo enim principio, vel potius capite, ceteris adjuncto, facile patuisset, non esse expositionem rei; seu non doceri ibi Pharisaeum, quaenam sit causa efficiens remissionis peccatorum sed asseri, contra ejus cogitationes, illi vere esse remissa peccata. Est igitur affirmatio, cum sua probatione, non explicatio tantum, docens, quaenam sit causa, qui effectus. Sic in Sacra coena, si distinguas verba Testamenti Domini in essentiam, & fructum testamenti (sicut & Calvinus distinxit, 1. ad Corinthios 11.), praescindes multas occasiones sophisticandi, nec admittes, ut in priore parte, ubi tantum de essentia Sacramenti agitur, disseratur de spiritualibus ejus fructibus, de qua re alibi prolixius docui. Hujus generis innumera exempla proferri possent.
Contra hoc praeceptum gravissime & perniciose peccatum est a Papistis & Sophistis, qui licet rarissime legerint Sacras literas, tamen etiam cum legerunt, solum sententiolas aliquas inde, pro suo arbitrio, decerpserunt, & porro etiam, pro lubitu, eas inter sese connexuerunt: non aliter ac ludibundae puellae ad libitum colligunt in pratis flores, & pro libitu inde vel serta, vel aliud quippiam, texunt. Sic illi igitur pro libidine sua, in Sacris literis ludentes, id effecerunt, ut, cum etiam meris Scripturae verbis loquerentur, tamen sua, non Scripturae sensa, illis centonibus efferrent. Hoc genus tristissimae & perniciosissimae calamitatis inter alias innumeras quae ibi grassatae sunt, diligentissime observandum est. Quo magis ista religiosa diligentia adhibenda est, ut sensus locorum tum ex scopo scripti aut textus, tum & ex toto contextu petatur.
Quelle: Matthias Flacius Illyricus, De ratione cognoscendi sacras literas – Über den Erkenntnisgrund der Heiligen Schrift (Tractatus I, Abschnitt 1–4 der Clavis Scripturae Sanctae), Düsseldorf, Stern, 1968.