Brief an die Ehefrau Katharina von Bora während der Megadürre im Sommer 1540
Von Martin Luther
Die Dürre und Hitze von 1540 war ein extremes Klimaereignis in Europa, das Natur und Menschen stark beeinflusste. Laut historischen Aufzeichnungen dauerte die Trockenheit etwa elf Monate – in weiten Teilen Europas regnete es kaum, weshalb Forscher von einer sogenannten Megadürre sprechen. Verursacht wurde dies durch ein stabiles Hochdruckgebiet über Mitteleuropa, das atlantische Regenwetter blockierte. Die Temperaturen lagen damals 5–7 °C über dem 20. Jahrhundert-Mittel und stiegen im Hochsommer verbreitet über 40 °C. Zahlreiche Wälder brannten, der Rauch verdunkelte die Sonne, und den ganzen Sommer über gab es kein einziges Gewitter. Bereits im Mai wurde das Wasser knapp, Brunnen und Quellen versiegten, es kam zu Hungersnöten und Vieh musste notgeschlachtet werden.
[Eisenach,] 16. Juli 1540
Meiner gnädigen Jungfer Katherin Lutheria von Bora und Züldorf gen Wittenberg, meinem Liebchen.
Gnade und Fried. Meine liebe Jungfer und Frau Käthe!
Eure Gnade sollen wissen, dass wir hier, Gottlob, frisch und gesund sind; fressen wie die Böhmen (doch nicht sehr), saufen wie die Deutschen (doch nicht viel), sind aber fröhlich. Denn unser gnädiger Herr von Magdeburg, Bischof Amsdorf, ist unser Tischgenosse. Mehr neue Zeitung wissen wir nicht, denn dass D. Caspar Mecum und Menius von Hagenau gen Straßburg spazieren gezogen sind, Hans von Jechnitz zu Dienst und Ehren. M. Philipps ist wiederum genesen, Gottlob! Sage meinem lieben D. Schiefer, dass sein König Ferdinand ein Geschrei will kriegen, als wolle er den Türken zu Gevatter bitten über die evangelischen Fürsten; hoffe nicht, dass es wahr sei, sonst wäre es zu grob. Schreibe mir auch einmal, ob du alles gekriegt hast, das ich dir gesandt, als neulich 20 fl. bei Wolfen Paermann etc. Hiermit Gott befohlen, Amen. Und lass die Kinder beten. Es ist allhier solche Hitze und Dürre, dass unsäglich und unerträglich ist Tag und Nacht. Komm, lieber jüngster Tag! Amen. Freitags nach Margarethen 1540. Der Bischof von Magdeburg lässt dich freundlich grüßen.
Dein Liebchen
Martin Luther.
WA.Br 9, Nr. 3512, S. 174f.