Von Johann Georg Hamann
Si quelque sages de ce monde sont parvenus par tems etuder de la nature speculum in aenigmati à la vision ideale d’une Etre de raison, d’un Maximum persaisir: c’est dans les Origines etymologiques de l’Evangile ou DIEU a revelé l’humanité de sa vertu et de sa sagesse — Judaeis quidem scandalum, Graecis autem stultitiam. 1 Cor. I. 23. 24. Vetera transierunt: ecce facta sunt omnia noua per EVM, qui dixit: Ego sum Α et Ω. Prophetiae examabuntur, linguae consonant, scientia destruitur, examabitur quod ex parte est, quum venerit perfectum 1 Cor. XIII. — OMNES —VNVS. Παντας-Είς. Gal. III. 28. Non est seruus neque liber, non est Judaeus neque Graecus, non est masculus neque femina. DEVS erat verbum, et verbum erat lux vera hominum, quam tenebrae non comprehenderant et mundus per ipsum factus non cognouit. Et verbum caro factus est, vnigenitus, in sinu patris IPSE enarrauit, contra beneuolus terrae filius IPSE didicit ex iis quae passus est Hebr. V. 8. Eius παθήματα, vera Μαθήματα et Magna Moralia. Sicuti aliquando-ita et nunc. Rom. (XI. 30. 31.)
L Hypocrite renversé, le Sophiste antique, Philologus seminiverbius Act. XVII. 18. π. et ψ. losophus, Cruci-Furcifer, Metacritus bonae spei, Pierre à deux Potes parfois fungens vice cotis, exsors ipse secandi — — à Munster en 17 May la veille du Dimanche de la S. Trinité 88.
Quelle: Johann Georg Hamann, Kleine Schriften 1750-1788, Sämtliche Werke, Bd. IV, Wien: Herder, 1952, S. 462.
Übersetzung ins Deutsche:
Wenn einige Weise dieser Welt durch das Studium der Natur im Laufe der Zeit – gleichsam „wie in einem Spiegel, rätselhaft“ – zu einer idealen Vorstellung eines Vernunftwesens, eines höchsten Seins, gelangt sind, so ist doch im Ursprung, im eigentlichen Sinn des Evangeliums offenbart worden, dass Gott in Christus seine Menschlichkeit, seine Kraft und seine Weisheit sichtbar gemacht hat. Für die Juden ist dies freilich ein Ärgernis, für die Griechen aber Torheit (1 Kor 1,23–24). Das Alte ist vergangen: Siehe, alles ist neu geworden durch IHN, der gesagt hat: „Ich bin das Α und das Ω – Alpha und Omega.“ Die Weissagungen werden geprüft werden, die Sprachen werden verstummen, die Erkenntnis wird vergehen; was Stückwerk ist, wird aufgehoben werden, wenn das Vollkommene gekommen ist (1 Kor 13). – ALLE – EINER. Πάντες – Εἷς. (Gal 3,28.) Es gibt nicht Sklaven noch Freie, nicht Juden noch Griechen, nicht Mann noch Frau. Gott war das Wort, und das Wort war das wahre Licht der Menschen. Die Finsternis hatte es nicht erfasst, und die Welt, die durch ihn geworden war, erkannte ihn nicht. Und das Wort wurde Fleisch. Der eingeborene Sohn, der im Schoß des Vaters ist, hat selbst Kunde gebracht. Dagegen hat der gütige Sohn der Erde selbst aus dem, was er gelitten hat, gelernt (Hebr 5,8). Seine Leiden (παθήματα) sind wahrhaft Lehrstücke (μαθήματα) und große sittliche Unterweisungen (Magna Moralia). Wie einst, so auch jetzt (vgl. Röm 11,30–31).
Der umgestürzte Heuchler, der antike Sophist, der „Philologe der Halbwörter“ (vgl. Apg 17,18), ein Philosoph nur dem Buchstaben π und ψ nach, Kreuzträger und Galgenvogel, Metakritiker voller guter Hoffnungen, ein Stein zwischen zwei Pfosten, der bisweilen die Rolle des Schleifsteins übernimmt, selbst jedoch außerstande zu schneiden.
Geschrieben in Münster, am 17. Mai 1788, am Vorabend des Sonntags Trinitatis.