Eitelhans Langenmantels Brief aus dem Weißenhorner Gefängnis an Matheus Metzger (1528): „Ich hätte niemals damit gerechnet, was mir nun widerfahren ist. Wenn ich es geahnt hätte, dann hätte ich das Haus zu Leitershofen wahrlich nicht gekauft. Zumal ich von den Augsburgern desselben Handels wegen ebenfalls bestraft worden bin. Kurz: Ich muss mich nun in Geduld fassen, bis der allmächtige Gott mit mir Armen sein Genüge hat.“

Als der Wiedertäufer Eitelhans Langenmantel im April 1528 in Weißenhorn gefangensaß und ihm die Hinrichtung bevorstand, schrieb er folgenden Brief an Matheus Metzger:

Ein Brief aus dem Gefängnis zu Weißenhorn an Matheus Metzger

Von Eitelhans Langenmantel

An den ehrbaren Matheus Metzger, von den Höchstettern zu Ulm, zur Antwort.

Brief, den Diepolt überbracht hat, den er aus dem Gefängnis an jemanden nach Ulm geschrieben hat, der dort aber unbeantwortet blieb.

Mein freundschaftlicher, gutwilliger Gruß, ehrbarer, lieber Matheus Metzger, besonderer guter Freund.
Ein Schreiben von dir ist mir zugekommen, dessen Inhalt ich wohl vernommen habe.

Zuerst danke ich dir herzlich für dein Mitleid mit mir armen Gefangenen, wie du mir berichtest, dass Wolf Breyschuch in Ulm von meiner Freundschaft wegen bei Ulrich Neythart, dem Hauptmann, und später bei Herrn Walther von Hirnhain zu Burchberg gewesen ist, aber nur eine kurze Antwort erhalten hat. Der allmächtige, ewige Gott mache es nach seinem göttlichen Willen.

Ferner meine dringende Bitte an dich: Schreibe doch meinem Herrn Schwager, dem alten Ambrosius Höchstetter, dass er zusammen mit meinem Schwager Jörg Wieland, Conrad Rochlinger, Matheus Langenmantel und anderen in meinen Angelegenheiten handeln möge. Wie auch immer sie beschließen, soll es geschehen. Ich hätte niemals damit gerechnet, was mir nun widerfahren ist. Wenn ich es geahnt hätte, dann hätte ich das Haus zu Leitershofen wahrlich nicht gekauft. Zumal ich von den Augsburgern desselben Handels wegen ebenfalls bestraft worden bin. Kurz: Ich muss mich nun in Geduld fassen, bis der allmächtige Gott mit mir Armen sein Genüge hat.

Sage meinen Freunden, dass bisher weder mir noch den Meinen irgendetwas Unfreundliches widerfahren ist – Gott sei Lob dafür in Ewigkeit! Und wenn es dir, lieber Freund Matheus, gut erscheint, so sende diesen Brief baldmöglichst nach Augsburg, damit man dort in der Sache handeln kann, wie ich nicht zweifle, dass es geschehen wird. Auch ein ehrbarer Rat zu Augsburg ist über alle meine Handlungen gut unterrichtet. Sie wären mir wohl auch verpflichtet, darüber ein Zeugnis zu geben, wenn es nötig wäre. Ich bin ohne Zweifel, dass meine Freunde mit verständigen und erfahrenen Räten handeln werden. Gott der Herr bewahre uns alle vor dem Übel. Amen.

Datum: Am Tag nach Sankt Georg (28. April) in Weißenhorn, auf einem Turm, zusammen mit meinen zwei Gefährten, eilends geschrieben im Jahr 1528.

Eitelhans Langenmantel,
der Gefangene.

Hier die Originalfassung:

Dem erbern Matheus Metzger, der Höchstetter derer zu Ulm, zu antwurten.

Brief, so Diepolten rcx. zugepracht ist, so er auß der fangknus ainem gen Ulm geschriben, den man zu Ulm im nit geantwurt rc.

Mein fraintlich, guttwillig denst, erber, lieber Matheus Mötzger, sunder gutter fraind, mir ist ain schreiben von euch zu komen, des inhalt ich zu gutter massen vernomen hab rc.

Item erstlich danck ich euch euer mitlaiden, so ir mit mir armen gefangen hapt, wie ir dann melt, das Wolf Breyschuch zu Ulm gewessen von meiner fraintschafft wegen zu Ulrich Neythart, hauptmann, nachmal bei herrn Walther von Hirnhaym zu Burchberg, aber kurtzen beschaid empfangen rc.; der allmächtig ewig gott mach es nach seinem göttlichen willen.

Item mein gar fraintlich bitt ist an euch, ir wöllt meinem herrn schwecher, dem alten Ambrossi Höchstetter, schreiben, das er mit meinem schwager Jorigen Wieland, Conrad Rochlinger, Matheus Langenmantel und andern das wägst in meinen sachen handlen wöllen, wie sie dann wollten inen geholfen wurde; und wie sie es machen, das soll gemacht sein. ich hett mich gar nit versechen des, das mir dann begegnet ist, der trostung halben, so mir beschechen, dann wa ich söllichs besorgt, hette ich, das hauß zu Leyttershoffen, warlich nit gekauft und zuvor, dieweill ich von denen von Augspurg disses handels halben auch gestraft bin rc. suma ich muß allso gedult haben, biß der allmächtig gott mit mir armen ain genügen hatt. schreibt meinen frainden, es sei noch bißher nichts unfraintlichs mit mir oder den meinen furgenomen, gott hab lob in ewigkaitt, und wa es euch, lieber fraind Matheus, für gutt ansicht, so schickt dissen brieff mit erstem gein Augspurg, damit man fuderlich in der sachen handlen, als mir dann nit zweifelt geschöhen werd, dann auch ain erber ratt zu Augspurg aller meiner handlungen gutten beschaid haben; sie wären mir auch woll schuldig, des selben urkund zu geben, wo es von nötten wär. ich bin on zweiffl, meine fraind werden handlen mit ratt verstendigen leitten, damit bewar uns gott, der her, alle vor dem ubell, amen!

datum aftermentag nach sannt Jorigen tag (28. April) in Weyssenhorn auf ainem turn sampt mein zwaien ehalten in eill geschriben 1528 jar.

Eytl Hanns Langenmanttl,
der gefangen.

Hier der Text als pdf.

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