Wilhelm Vischer, Die Bedeutung des Alten Testaments für das christliche Leben (1938): „Der Christus ist der von Gott selbst gesalbte Priesterkönig des auserwählten Volkes, dessen Ankunft alle Worte des Alten Testaments ankündigen. Deshalb berufen sich die neutestamentlichen Verkündiger beständig auf das, was im Alten Testament geschrieben steht. Nur so können sie Jesus von Nazareth als den Christus verkündigen. Nur durch die Beziehung auf das Alte Testament kann gezeigt und erkannt werden, dass er der Messias ist, und was es heißt, dass er der Messias ist.“

Die Bedeutung des Alten Testaments für das christliche Leben

Von Wilhelm Vischer

Die einzigartige Bedeutung des Alten Testaments für das christliche Leben liegt darin begründet, daß das Evangelium verkündet: Jesus ist der Christus Israels, der im Alten Testament verheißene und er­wartete, in der Fülle der Zett geborene, unter Pontius Pilatus gekreuzigte und durch die Kraft Gottes von den Toten auferweckte Christus Israels, der wieder- kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.

Diese Botschaft besagt, daß Jesus das Haupt eines Leibes ist, dessen Glieder das Alte Testament zeigt, daß er also sein Leben nicht für sich, sondern für die Seinen und in den Seinen hat.

Dieses Leben des Christus Jesus für die Seinen und in den Seinen ist das christliche Leben.

Wie Jesus nur durch die Beziehung auf das Alte Testament als der Christus verkündet und erkannt wird, so erschließt allein die Beziehung des Lebens Jesu auf das Alte Testament die Wirklichkeit und die Möglichkeit des christlichen Lebens.

I

Um uns den Inhalt dieser Aussagen zu verdeutlichen, müssen wir bedenken, das; Jesus auch anders verstanden werden konnte nicht als der Christus. Die Frage, die Jesus selbst einmal in entscheidungsvoller Stunde an seine Jünger gerichtet bat: „Wer sagen denn die Leute, daß ich sei?“ wird den Menschen zu allen Zeiten immer wieder gestellt und findet immer wieder die gleichen Antworten, die uns in reicher Mannigfaltigkeit von den Evangelisten berichtet werden, wir wissen, wie heute außerhalb und innerhalb der Kirche in moderner Form alle jene Versuche wiederholt werden, das Leben Jesu zu verstehen als das Leben eines großen Weisen, eines religiösen Genies, des Übermenschen, des Bringers einer neuen Moral, oder auch einfach eines schlichten Frommen, wenn nicht umgekehrt eines Zerstörers der höchsten Werte, und nicht zuletzt eines Geistes, kranken. Man hält Jesus für das Vorbild und den Vorkämpfer der verschiedensten Weltanschauungen und Lebensauffassungen, von den konservativsten bis zu den revolutionärsten. Alle diese Deutungen Jesu haben bei aller Verschiedenheit das Eine gemeinsam, dass sie das Leben Jesu als ein Leben neben andern Lebensmöglichkeiten betrachten, als ein Leben, von dem die andern Menschen mehr oder weniger, vielleicht wichtigstes, lernen und empfangen können, neben dem es aber so oder so noch andere Lebensquellen gibt. Von allen diesen Deutungen Jesu unterscheidet sich die evangelische Verkündigung, die Jesus als den Christus verkündigt, dadurch dass sie sagt: Es gibt für keinen Menschen wahrhaft und wirklich Leben, wenn ihm nicht Jesus Anteil gibt an Seinem Leben.

„Der Christus“ ist eben nicht ein beliebig deutbarer Titel. Der Christus ist der von Gott selbst gesalbte Priesterkönig des auserwählten Volkes, dessen Ankunft alle Worte des Alten Testaments ankündigen. Deshalb berufen sich die neutestamentlichen Verkündiger beständig auf das, was im Alten Testament geschrieben steht. Nur so können sie Jesus von Nazareth als den Christus verkündigen. Nur durch die Beziehung auf das Alte Testament kann gezeigt und erkannt werden, dass er der Messias ist, und was es heißt, dass er der Messias ist. Was heißt es denn? Eben daß er das Haupt ist eines Leibes, dass er also sein einzigartiges und unvergleichliches Leben nicht für sich selber sondern für die Seinen hat. Das Alte Testament zeigt Glieder des Leibes, der von ihm und durch ihn lebt. Der ganze Leib mit allen seinen Gliedern, das ganze Volk des Alten Bundes, ist tot, wenn nicht Jesus als der Christus sein Haupt ist. Alle Lebensregungen der Menschen, von denen im Alten Testament berichtet wird, sind von ihm her und auf ihn hin bewegt. Die Lebensgeschichten aller dieser Menschen sind Teile seiner Lebensgeschichte. Darum sind sie mit so auffallend wenig biographischem Interesse für die einzelnen Persönlichkeiten geschrieben, was von ihnen geschrieben ist, das ist eigentlich alles von dem Einen, durch den und auf den hin sie leben, als Stück seiner Biographie geschrieben. Darum legen die Zeugen des Christus Jesus im Neuen Testament immer wieder den Finger auf Stellen des Alten Testaments und sagen: Das und das, was Jesus machte, mußte geschehen, damit erfüllt würde, was da und da geschrieben steht, wir würden uns tauschen, wenn wir meinten, es handle sich dabei um vereinzelte Zitate beson­derer „messianischer“ Stellen. Für die neutestamentlichen Zeugen ist die heilige Schrift ein Ganzes, wenn man sie an irgend­einer Stelle berührt, so klingt sie überall an, wie bei einem lebendigen Körper die Berührung an einer Stelle durch das Nervensystem dem ganzen Körper spürbar wird.

Diese christologische Auslegung des Alten Testaments durch das Evangelium ist keineswegs eine nachträgliche Umdeutung jener alten Schriftstücke. Sie allein entspricht vielmehr ihrem ursprünglichen und eigensten Sinn. Jeder Versuch, sie anders auszulegen, verdunkelt und vergewaltigt sie. Es muß doch jedem aufmerksamen Leser auffallen, daß die alttestamentlichen Geschichten Zukunftsgeschichten sind, die auf ein Ziel hin geschehen, das in ihnen selbst noch nicht erreicht ist. Von Gott gerufen brechen Menschen auf, lassen fahren, was sie haben, und laufen einem Versprochenen entgegen. Die Gottesbefehle, die sie zum Handeln und in das Leiden treiben, sind immer Versprechungen. Wer eine Verheißung im Glauben ergreift und dadurch seinem Leben die Bewegung und die Richtung geben läßt, der ist im Alten Testament „recht“, richtig orientiert, ein „Gerechter“. Der Gerechte lebt, nach dem bekannten Wort, immer aus dem Glauben. Das wird sogar futurisch aus­gedrückt: „Der Gerechte wird aus dem Glauben leben.“ So völ­lig hat das Leben der Glaubenden seine Wirklichkeit in der Zukunft.

Das kommt auch darin zum Ausdruck, daß alle Menschen des Alten Testaments im eigentlichen Sinne nur als Vorfahren leben. Darum spielen die Stammbäume eine so auffallend große Rolle, und darum liegt soviel daran, daß die Kette der Gene­rationen nie abreißt. Ein großes Versprechen des Schöpfers und Erlösers ist der Grund, warum Adam mit Eva, „der Mut­ter alles Lebendigen“, Kinder zeugen darf. Seth und Sem, Henoch und Noah sind die Wurzeln eines Baumes, dessen Da­sein nur gerechtfertigt ist durch die Frucht, die er dereinst bringen wird. Abrahams Leben hat seine Bedeutung ganz und gar darin, daß er Vater werden soll, daß ihm ein Sohn versprochen ist. Wenn „der Sohn Abrahams“ nicht geboren wird und die Verheißung nicht erfüllt, dann ist das Leben Abrahams vergeblich. Isaak wird vom biblischen Bericht als an und für sich ganz unbedeutender Mensch gezeichnet. Um so wichtiger ist er als der erste, für alle folgenden typische Stammhalter Abrahams: „Nur nach Isaak soll dein Geschlecht benannt werden.“ Den „Segen“, d. h. die eigentümliche Lebenskraft, die Gott dem Abraham gegeben hat und die eben in einem Versprechen für die Zukunft besteht, erbt Isaak. Um diesen Segen und um nichts anderes kämpft Jakob, der Stammvater Israels, mit Gott und mit Menschen. Alle seine Nachkommen tragen diesen Segen weiter. Sie warten und eilen dem Tag entgegen, an welchem der ganze Segen Abrahams erfüllt und ein Volk, das so zahlreich ist wie die Sterne am Himmel und der Sand am Meer, dem lebendigen Gott lobsingen wird. Darum ist es so wichtig, daß in allen Gerichten wenigstens „ein Rest Israels“ erhalten bleibt. Auch das Leben Davids hat an und für sich keinen Wert. Daß ihm der Herr die ewige Verheißung gegeben hat: „Ich will dir ein Haus bauen“, daß er der Anfänger einer Dynastie ist, als deren letzter König als „der Sohn Da­vids“ der König des Reiches Gottes erscheinen wird, das gibt ihm und allen, die auf seinem Throne sitzen, die Bedeutung, wie die Gerechten des Alten Bundes aus Glauben auf Glauben hin leben, so sterben sie auch im Glauben. Darum sind ihre Gräber wichtig. Die Gräber der Erzväter und Davids sind mehr als nur Denkmäler der Vergangenheit, sie sind Wegweiser der: Zukunft. Die Bündnisse, durch die Gott diesen Menschen Zeit und Möglichkeit des Lebens geschenkt hat, enthalten alle die Verheißung eines neuen Lebens. Darum sind auch die Bundeszeichen: der Regenbogen, die Beschneidung, das Pas­sahmahl und der Sabbath alles Unterpfänder der Zukunft, sakramentale Wahrzeichen des kommenden Reiches Gottes. Nicht erst die Propheten und Apokalyptiker von Jesaja bis Daniel künden die Zukunft des messianischen Reiches als das Ziel der Geschichte Israels an. Schon die Geschichtsschreibung der Bücher Josua, Richter, Samuel und Könige steht mit gutem Grund im Alten Testament unter der Überschrift „Propheten“. Sie ist wirklich Prophetie, die das Geschehene nicht als Vergangenheit, sondern als Spruch und Versprechen für die Zu­kunft verkündet. Die Geschichte Israels ist geschwängert durch das Wort der Verheißung. Die Lebensäußerungen des auserwählten Volkes sind die Regungen eines Leibes, der „guter Hoffnung“ ist. Alles drängt hin auf die „Wehen des Messias“. Er, der Eine, der „die Hoffnung Israels“ ist (Apg. 28,20), muß kommen, wenn nicht das Wort der Verheißung, der Se­gen, dahinfallen und alles, was gelebt und gelitten worden ist, für nichts gewesen sein soll. Der Sohn Adams, der Sohn Abrahams, der Sohn Davids muß geboren werden und in sei­ner Person als König das Reich bringen, dem alle Gerechten des Alten Bundes im Glauben entgegengegangen sind.

So lebt Israel nur von der Erwartung des Einen, der da kommen soll. Und so trägt es mit seinem Dasein eine Ver­heißung für die ganze Welt. Denn in „jenen Tagen“, in den „letzten Tagen“, die der Horizont alles alttestamentlichen Ge­schehens sind, wann die Zeit erfüllt ist und „die Gebärerin ge­boren hat und der Herzog Israels, dessen Ursprung in der Ur­zeit liegt, aus Bethlehem hervorgehen wird“ (Micha 5), da werden dann die „Heiden“ die Herrlichkeit sehen, die über Israel aufgeht. So zeigt das Alte Testament, daß von Anbe­ginn der Welt über jeder Menschengeburt der Adventglanz liegt, der von der Weihnacht ausgeht. Weil Gottes einge­borener Sohn Mensch werden sollte, darum ist Adam nach sei­nem Bilde geschaffen worden. Darum durften alle Adamskinder geboren werden. Darum gab der Schöpfer das Gebot und nahm es nicht wieder zurück: „Seid fruchtbar and mehret euch und erfüllet die Erde!“ Darum durfte die Stimme des Bräutigams und der Braut nie verstummen. Daher die gewaltige Bejahung dieses Lebens unter der Sonne durch das Alte Testament.

„Wie teuer ist deine Güte, Gott,
daß Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben.
Sie werden trunken von den reichen Gütern deines Hauses,
und du tränkest sie mit Wonne wie mit einem Strom.
Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,
und in deinem Licht sehen wir das Licht.“ (Ps. 36.)

Darum darf keiner den Tag seiner Geburt verwünschen, keiner sich in ein Jenseits flüchten. Darum soll jetzt und hier ein jeder schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist. Einen, natürlichen Ursprung des Lebens, ein natürliches Lebensrecht gibt es im Alten Testament so wenig wie eine natürliche Lebensordnung. Alles ist ganz und gar Geschenk der Gnade, wohlgemerkt! nicht irgendeiner allgemeinen Gnade, sondern der einen unergründlichen Gnade, daß der ewige Vater nicht allein sein will mit seinem eingeborenen Sohne. Daß er Geschöpfe haben will, die er liebt, das ist der Grund des Lebens. Und das eine alles bestimmende Lebensgesetz ist, daß sie ihn wieder lieben sollen von ganzem Herzen. Gott hat Wohlge­fallen an den Menschen um des Einen willen. Die Klarheit des Herrn, die in der Mitte der Weihnacht die Hirten umleuchtete, bescheint adventlich das Leben aller Menschen im Alten Testament.

Ebenso deutlich aber fallen darauf die Schatten von jener Finsternis, die in den Mittagsstunden des Karfreitags, als der Christus Jesus im Todeskampfe lag, das ganze Land verfin­sterte.

„Wir vergehen durch deinen Zorn,
fahren plötzlich dahin durch deinen Grimm.
Du hast unsere Sünden vor dich gestellt,
unser Geheimstes in das Licht deines Angesichts.
Ja, alle unsere Tage schwinden durch deinen Zorn,
unsere Jahre gehen dahin wie ein Seufzer.
Wer entrinnt die Gewalt deines Zornes,
und fürchtet sich vor deinem Grimm?
Lehre uns bedenken, daß wir sterben müssen,
daß wir ein weises Herz gewinnen.“ (Ps. 90.)

Scharf genug ist das Todesurteil über Adam und alle seine Kinder ausgesprochen. Der Mensch, der das königliche Gesetz an einer Stelle übertritt, ist in allem schuldig geworden, wer dem einen Gebot des Lebens nicht gehorcht, hat den Tod ge­wählt. Der Erdboden und das Leben auf ihm sind verflucht. Über dem Haupt jedes Lebenden hängt das Schwert, nicht nur über Kain, auch über Noah, über den Semiten so gut wie über den Hamiten und Japhetiten, und erst recht über den Söhnen Abrahams, deren Erstgeborener bereits gebunden auf dem Holzstoß lag und das Schlachtmesser über seinem Nacken spürte. Zwar ist die setzte Vollstreckung des Urteils noch aufgehalten, aber ihre Lebenszeit ist reine Gnadenfrist, Galgenfrist.

Schonungslos wird im Alten Testament an allen Menschen die Sünde aufgedeckt. „Alle sind sie abgewichen und allesamt untüchtig. Da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer“ (Ps. 14). Die Israeliten machen keine Ausnahme und werden am allerwenigsten geschont. Nackt stehen sie in dem Lichte Got­tes, das ihre geheimsten Sünden aufdeckt. Streng wird ihnen verboten, sich irgendwie an dem Versuch zu beteiligen, den die Religionen unternehmen, nämlich die Schande des Menschen vor Gott durch Illusionen zu verdecken. Sie sind nicht berufen, den Religionen der Menschen eine neue, vielleicht höhere hin­zuzufügen. Der eine wahre Gott will Israel vielmehr dazu brauchen, die Natur und die Geschichte zu entgöttern, ihre Mächte und Gewalten zu entmächtigen, damit offenbar werde, daß alle menschlichen Religionen nichts anderes sind als Ver­suche des Menschen, aus der Angst und aus der Sehnsucht sei­nes gottlosen Herzens heraus sich selber Götter nach seinem Bilde zu machen. Darum darf Israel keine Lebens- und Kult­gemeinschaft eingehen mit den Kindern des Landes. Es muß den heiligen Bann an ihnen vollstrecken und die geschlagenen Könige am Holz dem Zorne Gottes hinhängen, um auf Erden Raum zu schaffen für den heiligen Herrn. Das zeigen uns die Bücher Josua und Richter in der anstößigsten Weise. Der Beitrag Israels zur allgemeinen Religionsgeschichte ist die große Zerstörung.

Israel selbst kann vor dem Heiligen nur leben, weil anstelle seines eigenen Lebens anderes Blut vergossen wird. Das Blut des Passahlammes rettet es vor dem Würgengel. Der Gottesbund wird durch Opfer geschlossen. Die Lebensordnung Israels ist eine Opferordnung. Tagtäglich muß Leben getötet werden, damit der Zorn des heiligen Gottes das auserwählte Volk nicht verzehre. Die Opfervorschriften legen sich als ein Netz über alle Lebensgebiete des Volkes und des Einzelnen. Sie bezeugen: ihr könnt nur als Begnadigte leben. Es ist darum das schlimmste Mißverständnis, wenn Israel meint, diese Opfer seien eigene Leistungen, durch die es sich selber vor Gott rechtfertigen könne. Je mehr es sich selber retten und gegen das Gericht sichern will, um so sicherer und schrecklicher fällt es in die Hände des lebendigen Gottes. Will es nicht im reinen Gehorsam des Glaubens Gott dienen, dann muß es selber geopfert werden zur Offenbarung der Heiligkeit Gottes in dieser Welt. Das „Ende Israels“ wird dann von den Propheten als das Ziel der Geschichte Israels angekündigt. „Das wildfremde Werk“ Gottes, der völlige Abbruch des zur Lüge gewordenen „Gottesstaates“, die Verwerfung seines auser­wählten Königshauses, die Entweihung seines Tempels und alle» dessen, was man als Israels Religion ansprechen könnte, muß dann die Heiligkeit Gottes beweisen.

So finden wir denn in Israel keine harmonischen religiösen Persönlichkeiten. Sie sind alle zerbrochen, am „Fels Israels“ gescheitert, wie sein Stammvater Jakob-Israel ist ihnen allen durch das Ringen mit Gott die Hüfte gelähmt. Sie leiden alle au Gott. Auf den Tiefpunkten, nicht auf den Höhepunkten ihres Lebens sind sie Gott am nächsten. Die Stärksten unter ihnen sind die Zerschlagensten. Die Knechte des Herrn, die er sich als Mittler erwählt hat, haben keine Gestalt noch Schönheit. Die Frömmsten sind die von Gott am meisten Angefoch­tenen. wir brauchen nur den Psalter aufzuschlagen. „Da sehen wir“, wie Luther sagt, „den Heiligen ins Herz wie in den Tod, ja wie in die Hölle“. Sie müssen alle beten, sie können ein­fach nicht leben ohne zu beten. Das Beten ist für sie nicht etwas neben anderem, sondern die einzige Möglichkeit zu leben. Denn sie können nicht leben ohne Gott. Und doch ist Gott gerade ihnen immer wieder fern und verborgen. Sie werden an Leib und Seele angefochten und leiden an der Krankheit zum Tode. Sie lechzen nach Gott, nach dem lebendigen Gott, wie der Hirsch nach frischem Wasser. Aus der Tiefe und aus der Dunkelheit flehen sie um das Leuchten seines Angesichts.

„Ich sage zu Gott meinem Fels:
Warum hast du mich vergessen?
warum must ich traurig gehen,
wenn mein Feind mich drängt?
Es ist wie ein Mord in meinen Gebeinen,
daß mich meine Feinde schmähen,
wenn sie täglich zu mir sagen:
Wo ist nun dein Gott?
Ach Herr!
Strafe mich nicht in deinem Zorn
Und züchtige mich nicht in deinem Grimm!
wende dich, Herr und errette meine Seele!“ (Ps. 42.)

So zeigen uns die Gestalten und die Worte des Alten Testaments, daß kein Mensch leben kann vor dem heiligen Gott.

Trotzdem leben sie! Trotz allen Drohungen, trotz den Strafen und trotz den Leiden wird im Alten Testament das letzte Gericht nicht vollstreckt. Die Hoffnung der großen Wendung liegt über allen. Gerade die Gerichteten und Geopferten sind die stärksten Zeugen dafür. Hiob ist Beispiel für viele, wenn er gegen alles Recht an das Erbarmen des Höchsten appelliert.

„Ich, ich weiß, mein Löser lebt.
Zu allerletzt wird er sich über dem Staub erheben.
Und nach den? meine Haut geschunden ist,
werde ich, ohne mein Fleisch, Gott schauen,
Ich — ihn — mir — schauen, Meine Augen sehen …“ (Hiob 19.)

Wenn Gott zum Schluß seinem Knecht Hiob das Leben und die doppelte Habe und seine Familie neu schenkt, so ist es ein Zeichen der großen Wiederherstellung aller Dinge, die denen verheißen ist, die setzt um der Gerechtigkeit willen leiden.

Das Geschaffene wurde vom heiligen Gott der Nichtigkeit unterworfen auf Hoffnung hin. Ein Sieger ist Adam verheißen, der aus den vom Weibe Geborenen hervorgehen und der alten Schlange, die die ganze Welt verführt und die Brüder verklagt, den Kopf zertreten wird. Das Moratorium, das Gott im Bund mit Noah der unendlich verschuldeten Welt gewährt hat, kündet die Möglichkeit einer göttlichen Tilgung der Gesamtschuld an. Abraham erhält den unter das Messer gelieferten Isaak wieder, zum Zeichen, daß er nicht vergeblich mit der Möglich­keit gerechnet hat, daß Gott mächtig sei, auch von den Toten zu erwecken. Jede Passahfeier der Kinder Israel stärkt die Erwartung, daß noch einmal ein Blut vergossen wird, das die letzte Befreiung ans der Knechtschaft dieser Welt bewirkt. Jeder Sabbath und jedes Sabbathjahr be­zeugen, daß noch einmal das große Freijahr ausgerufen und der ewige Feiertag anbrechen wird, an dem alle Geschöpfe ihrem Schöpfer und Erlöser lobsingen werden in heiliger Freude. Die große Beunruhigung der Weltgeschichte durch Israel, Israels eigene Ruhelosigkeit, in der es als Fremdling durch die Zeiten und Völker wandern muß, ohne auf dieser Erde eine bleibende Stätte zu finden, kommt davon her und zielt darauf bin, daß die Kinder Gottes ihre Heimat bei dem ewigen Vater finden, und mit ihnen alles Drängen und Ringen der Kreatur zur Ruhe kommen soll in Gott dem Herrn. In und über den Schick­salen des auserwählten Volkes wird offenbar, daß Gott selbst der Ausgestoßene und Fremdling seiner Erde geworden ist, der unerkannt bei ihr einkehrt und als der wehrlose inmitten seiner Feinde wohnt, bis sie überwunden sind von seiner Liebe. Der Herr macht sich zum Knecht und nimmt die Schuld auf sich. Weisen nicht die tausend und abertausend Opfer Israels auf das eine Opfer hin, das Gott selber bringen muß, damit die Sünder vor ihm leben können?

„Nicht daß du um mich gearbeitet hättest, Israel.
Nein, du hast mir Arbeit gemacht mit deinen Sünden
und hast mir Mühe gemacht mit deinen Missetaten.
Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen
und gedenke deiner Sünden nicht.“ (Jes. 43.)

Der Heilige will die Sünde der Welt auf sich nehmen, damit die Welt lebe. Um das zu offenbaren, hat er Israel auserwählt.

Dieses Volk ist sein Knecht, berufen zu priesterlichem Dienst. Und es bleibt in seinem heiligen Amt trotz aller Untreue, um des Einen willen, der inmitten der Schuldigen als der einzige Unschuldige, mit der ganzen Schuld belastet, geopfert wird. Die Wendung des Gottesgerichtes durch die Gnade soll an Israel offenbart werden. Darum wird es in die Höll? geführt und wieder heraus. Darum bleibt immer ein Rest erhalten, der umkehrt von der Sünde zur Gerechtigkeit, aus dem Tod in das Leben. Darum erlischt das messianische Licht, das der Herr im Hause Davids angezündet hat, trotz aller Sünde und Strafe des Hauses Davids niemals ganz (1.Kön. 11, 36, Ps. 132, 17). Die dunkle Wolke der prophetischen Botschaft vom „Ende Israels“, die sich mit Blitz und Donner und Hagelwetter über dem auserwählten Volke entlädt, ist umsäumt vom Sonnenglanz des Ostertages. Über der Totenklage um Israel wird dem Ohr des Propheten bereits in den Lüften das Rauschen des Geistes hörbar, der die Totengebeine wieder beleben wird (Hes. 37).

Den Bruch des Alten Bundes, durch den er schon am Sinai zerbrochen wurde, verhüllt Gott gnädig bis auf die letzten Tage, da er offenbar machen wird, daß er längst einen Neuen Bund mit seinem Volk gestiftet hat, um sein Gesetz in ihr Herz zu geben und ihrer Sünden nicht mehr zu gedenken (Jer. 31). Je länger die Nacht wird, um so mehr strahlt „der helle Morgenstern“ der messianischen Verheißung. Unter dem rebellischen Geschrei: „wir wollen einen König haben wie die Nationen!“ wird schon (in den Geschichtsbüchern des Alten Te­staments) das Hosiannah hörbar, das dem Sohne Davids entgegenschallt, der da kommt in dem Namen des Herrn, um Gott in der Höhe die Ehre und der Erde den Frieden zu geben. Das Reich Salomos, des ersten Sohnes Davids auf dem messianischen Thron, gibt mit seiner Herrlichkeit und seinen Beziehun­gen von der Stadt des großen Königs bis an die Säume der Erde schon einen Vorgeschmack vom regnum gloriae des Letzten aus dem Hause Davids, dem durch die Auferstehung alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden. Keine von allen den unerschöpflichen Möglichkeiten in Natur und Kultur wird preisgegeben. wenn der Davidsohn gehorsamen Herzens mit jener Weisheit waltet, die Gottes Werkmeister war bei der Schöpfung und vor ihm spielte allezeit, dann entfalten erst wirklich alle Wesen und Dinge ihre göttliche Begabung. (Sprüche Salomos und 1. Könige 3 ff.)

Keine Sünde kann die Verheißung ganz verschütten. Das Feuer glimmt unter der Asche-metren Obschon Israel es nicht aushielt, als das auserwählte Volk anders zu sein als alle andern und sein Bürgerrecht allein bei Dem zu haben, der diese Welt umdreht; obschon Gott es deswegen aus dem heiligen Erbland vertreibt und in alle Winde zerstreut — dennoch läßt er es dem Günstling des Großkönigs von Persien nicht gelin­gen, diesen Fremdkörper, der das Weltreich stört, zu entfernen und die Juden auszurotten (Esther). Dennoch schaut Daniel, wie die Raubtierreiche gerichtet werden und auf den Wolken des Himmels Einer auf die Erde kommt, der einem Menschensohne gleicht. Ihm wird die Macht verliehen, die Ehre und das Reich, daß die Völker und Nationen aller Zungen ihm dienen.

Gott will die Welt. Er hat sie geschaffen. Ihm gehört sie. Ihm allein. Darum richtet er ihre Selbstherrlichkeit und kehrt alles um. Das ist seine Heilsgerechtigkeit. Darum hat das Leiden seiner Gerechten in dieser Welt die Verheißung der kommenden Welt. Die Elenden werden die Erde erben. Sie dürfen sich nicht in ein Jenseits flüchten. Sie müssen die Hoffnung des Sieges Gottes für das Diesseits festhalten.

„Die mit Tränen säen,
werden mit Freuden ernten.
Sie gehen hin und weinen
und tragen edlen Samen.
Sie kommen mit Freuden
und bringen ihre Garben.“ (Ps. 126.)

Aus den tiefsten Tiefen der Anfechtung und des Leidens steigt im Psalter Israels das Loblied der Geopferten empor zu ihrem Erlöser: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn! Halleluja!“

So verkündet das Alte Testament die Wendung vom Tode zum Leben durch das Wunder der Gnade Gottes im Sterben und Auferstehen des gesalbten Hauptes Israels. Das ganze Leben der Menschen des Alten Bundes und ihrer Umwelt steht, bewußt oder unbewußt, in der Erwartung dieses einen Wun­ders. Es lebt von seiner Zukunft.

II

Das Evangelium ist die frohe Botschaft: Jetzt ist die Zeit erfüllt. Der Versprochene und Erwartete ist gekommen. Der Christus Jesus ist geboren. Er ist das Haupt, von dem alle Glieder des Volkes Gottes zu allen Zeiten das Leben haben, ante Christum natum nicht weniger als post Christum natum. Die Patriarchen sind, wie Augustinus sagt, als Glieder des Leibes Christi der Erscheinung nach ihrem Haupt vorausgegangen, wie etwa bei der Geburt eines Menschen eine Hand zuerst erscheint und doch mit dem gesamten Körper unter dem Haupt als Lebenseinheit verbunden ist.

In der anschaulichsten Weise stellt der Stammbaum am Anfang des Evangeliums diesen Zusammenhang des Lebens Jesu mit dem Leben der Menschen des Alten Bundes dar. Denn diese „Biblos geneseos“, dieses „Buch der Geburt Jesu Christi“ ist nichts anderes als eine Rekapitulation des Alten Testaments, die zeigt, wie Jesus als der Sohn Davids und Sohn Abrahams geboren wird und so der Christus Israels ist. Dabei kommt aber sofort eine äußerst wichtige Tatsache heraus, daß nämlich Jesus Christus nickt natürlicherweise aus diesem Stamm­baum hervorgeht. Der Zusammenhang seines Lebens mit dem Leben seines Volkes, dessen Haupt er ist, wird allein durch das Wunder der Gnade hergestellt. Der Heilige Geist nicht Natur und Geschichte, auch nicht die Natur und die Geschichte Israels, erzeugt ihn. Daß ein israelitisches Mädchen ihn gebiert, ist das Wunder der Treue Gottes, der sein Wort hält, das er den Auserwählten gegeben hat. Maria, die Jung­frau, empfängt ihn von dem Heiligen Geist. Und Joseph, ihr Verlobter, der sie heimlich verlassen will, weil er „gerecht“ ist, muß auf besonderen Befehl Gottes hin die Menschengeburt des Sohnes Gottes für das Haus Davids und damit für ganz Israel legitimieren. So und so allein wird der Zusammenhang des Hauptes mit dem Leibe hergestellt. Allein durch die Gnade und den Gehorsam des Glaubens entsteht Verwandtschaft mit ihm. Überrascht uns das; war denn nicht schon von der Ge­burt Isaaks an, des ersten Sohnes Abrahams im Stammbaum, durch die alttestamentliche Überlieferung deutlich genug ge­zeigt, daß dieser ganze Stamm nur von der Gnade lebt, daß alle echten Sohne Abrahams aus dem Wunder der Gnade ge­boren sind und nur durch die Gnade untereinander Zusammen­hängen; Das war es doch, was ihnen allen das Wahrzeichen der Beschneidung bezeugte, womit ihr Fleisch beschnitten wurde, wir hören, daß Israel in der Zeit der Erwartung, da das Leben des auserwählten Volkes von Geschlecht zu Ge­schlecht äußerlich sichtbar weitergegeben wurde, vielfach nicht vom Glauben an die Gnade lebte und sein Dasein als Stamm und Volk für natürlich gegeben und durch die Beschneidung für an und für sich qualifiziert hielt. Aber schon Mose und Jeremia hatten erklärt, daß die Beschneidung keinen Israeliten als wahren Sohn Abrahams ausweise und keinem das Recht zum Leben gebe, wenn nicht das Herz zum Glauben an die Gnade beschnitten sei.

Durch die Beschneidung des Christus Jesus acht Tage nach sei­ner Geburt wird offenbar, daß setzt die Verheißung Abrahams und die Zeit der Erwartung erfüllt sind. Jetzt hat die Beschnei­dung keinen Wert mehr. Durch, den Glauben an die Gnade Got­tes in Jesus Christus muß jetzt jeder Israelit beweisen, ob er am Herzen beschnitten ist oder nicht. „Denkt nur nicht, daß ihr bei euch wollt sagen: wir haben Abraham zum Vater!“ ruft Johannes der Täufer. „Gott kann dem Abraham ans diesen Steinen Kinder erwecken.“ Die vor Jesus Christus auf jedes eigene Recht zum Leben verzichten und das Recht zum Leben allein von seiner Gnade erwarten, denen gibt er Macht, Gottes Kinder zu werden, welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes son­dern von Gott geboren sind. Alle, die sich jetzt noch auf Grund des Blutes und des Gesetzes, auf Grund von Natur und Ge­schichte zum Volke zählen, werden ausgeschieden und in die Wüste getrieben wie Ismael, der Sohn der Sklavin. Wieviele aber im Glauben Brüder Jesu Christi werden, die sind nach der Weise Isaaks die Kinder der Verheißung, und wenn sie auch aus dem fremdesten Heidenstamme kämen. Denn in Christo Jesu gilt weder die Beschneidung noch die Vorhaut etwas, sondern nur eine Neuschöpfung (Galaterbrief). Als Zeichen die­ser Neuschöpfung ist jetzt an Stelle der Beschneidung die Taufe auf den Namen Jesu eingesetzt.

Die frohe Botschaft, daß durch die Geburt Jesu Christi als Sohn Abrahams und Sohn Davids jedem Menschen, der daran glaubt, die Möglichkeit und das Recht zum Leben allein aus Gnade geschenkt wird, dem Heiden so gut wie dem Juden, hielten die Juden für die Auflösung des Alten Testaments. Wie schwer es selbst der ersten Christengemeinde geworden ist, damit Ernst zu machen, daß durch Jesus Christus die Schranke zwischen den Juden und den andern Menschen aufgehoben ist, erfahren wir aus der Apostelgeschichte und aus den Briefen des Apostels Paulus. Und doch ist die Botschaft, daß alle Geschlechter der Erde durch den Christus Israels zum Leben begnadigt werden, in Wahrheit die Erfüllung des Alten Testaments. Denn weder Abraham noch Israel sind um ihrer selbst willen von Gott berufen worden. Von Anfang an war klar gesagt, daß alles, was Gott mit feigen Auserwählten tut, zur Rettung der Welt dienen wird und zur Rechtfertigung seiner Geduld, in der er den Menschen trotz der Sünde Adams das Leben läßt und immer wieder neu schenkt und erhält. Jetzt ist der Eine geboren, der als „die Hoffnung Israels“ allen, die an ihn glauben, das Recht zum Leben gibt.

Wir sahen aber im Alten Testament: Das Menschenleben liegt unter dem Fluch und Zorne Gottes. Jesus kann darum nicht der Bruder der Menschen werden, ohne diesen Fluch zu tragen. Sie haben alle doch kein Recht zu leben, wenn er nicht die ganze Last ihrer Schuld vor Gott auf sich nimmt und für sie büßt. Das ist es denn auch, was er nach dem Evangelium getan hat. Eben in dem Augenblick, da er durch die Taufe im Jordan seine Solidarität mit den Sündern bekannt hat, und wiederum in jenem andern Augenblick, da er auf dem Berg der Verklärung seinem Lebensweg die Wendung in die tiefste Tiefe hinunter zum Sterben in der Gemeinschaft mit den Verfluchten gibt, eben da proklamiert der Vater aus der Höhe, daß Dieser zum Mittler des Heiles gesalbt sei: „Dieser ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hö­ren.“ Wie Joseph scheinbar gegen alle Gerechtigkeit die Geburt Jesu legitimieren mußte, so muß Johannes, statt sich von Jesus taufen zu lassen, ihn mit der Sündertaufe taufen und eben damit bezeugen, daß durch dieses Einreihen des einzigen Gerechten unter die Ungerechten alle Gerechtigkeit erfüllt wird.

So widersinnig es scheint, daß der Leib durch die Hinrich­tung des Hauptes sein Leben empfangen soll, so logisch ist es doch. Denn erst damit, daß der Eine sein Leben nicht für sich behielt, sondern es für die andern läßt, kann es den Vielen mitgeteilt werden. Das ist die einfache Logik der Gerechtigkeit Gottes; so „logizetai“, rechnet Gott die Gerechtigkeit des Einen den Ungerechten an. Das ist’s, was weder die Pharisäer und Schriftgelehrten noch die Jünger Jesu verstehen wollten, und was doch mit absoluter Logik und Notwendigkeit geschehen mußte, wenn die Schrift erfüllt werden sollte. Vor seinem Tode und nach seiner Auferstehung hat es Jesus seinen Jün­gern immer wieder gesagt. Alles und jedes, was im Alten Te­stament geschrieben steht, ist nur wahr, weil Jesus mit seinem Leben dafür eingestanden ist. Sonst wären die Aussagen des Alten Testaments Deutungen des Lebens, wie die Angst und die Sehnsucht des menschlichen Herzens sie hervorbringen. Nun sind sie aber durch den Tod Jesu Christi beglaubigt als Gottes Wort und zeigen zugleich die Notwendigkeit und die Fruchtbarkeit seines Todes. Weil alle Menschen ohne Ausnahme des Ruhmes mangeln, denn sie vor Gott haben sollten, darum genügt es nicht, daß sie in Christus den rechten Lehrer haben, der durch sein Wort und Beispiel ihnen zeigt, wie sie leben sollen. Im Lichte seiner Reinheit können sie alle selbst und jeder, der sie betrachtet, nur erst recht ihre Unreinheit und Verdammenswürdigkeit erkennen. Er muß für sie einstehen, wenn sie dennoch gerade im Lichte seines Lebens gerechtfertigt sein sollen. Sie zeigen uns alle, daß der Lehrer des heiligen Lebens zugleich ihr Priester sein muß, der sie durch das Opfer seines heiligen Lebens heiligt. Nur darin kann alles, was in der Stiftshütte und im Tempel geschehen ist, seinen Rechts­grund bekommen. Nur dadurch, daß er inmitten des unheiligen Israel der Gerechtigkeit Gottes genug tut, kann es wahr sein, daß Israel das priesterliche Mittleramt für die Menschheit ausübt. An ihm, dem gesalbten Haupt Israels, muß der heilige Wille des Vaters geschehen, er muß den bittern Kelch trinken. Er muß am Fluchholz hängen und schreien: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Er hat es vollbracht. Er ganz allein. Für alle. Und keiner verstand es. Sie sahen alle in seinem furchtbaren Tode den Beweis, daß Gott sich nicht zu ihm bekenne. Und ist nicht sein Ende wirklich der Beweis, daß der ganze Glaube des Alten Testaments eine Illusion ist, daß es diesen Gott doch nicht gibt; Nein. Gott hat sich zu Jesus Christus bekannt und ihn von den Toten auferweckt. „Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selbst.“ Das ist die Osterbotschaft, die das Ge­heimnis des Karfreitags und eben damit das Geheimnis der Weihnacht und des ganzen Lebens Jesu ans Licht bringt. In ihm hat sich Gott das menschliche Sein und Schicksal zu eigen gemacht. Wem nicht die Botschaft von Gottes Handeln im Sterben und Auferstehen Jesu die Decke vom Alten Testament nimmt, der liest es als Urkunde menschlicher Frömmigkeit. Der Tod Jesu deckt den Bruch des Alten Bundes auf, so daß die Illusion einer religionsgeschichtlichen Deutung des Alten Te­staments zerstört wird durch die Erkenntnis, daß alle menschliche Religiosität abgetan ist durch die Heiligkeit Gottes. Eben­so deutlich besiegelt die Auferstehung Jesu, daß das Alte Testament wahrhaftig Gottes Wort ist, von dem nicht ein einziges Jota oder Strichlein vergeht, bis alles geschehen ist.

Der Gekreuzigte und Auferstandene ist zur Rechten der Maje­stät in der Höhe erhoben worden. Von dort hat er seinen Zeugen auf der Erde den Heiligen Geist gesandt. Erst das Wun­der der Pfingsten erleuchtete sie, daß sie die Heilstat Gottes im Leben des Christus Jesus erkennen und verkündigen konnten. Der Heilige Geist ließ sie das Geheimnis wissen, das Gott sich vorgenommen hatte in der Fülle der Zeiten mitzuteilen, näm­lich anakephalaiosasthai ta panta en Christo: alles Geschaffene unter dem einen Haupte zusammenzufassen zu der Gemeinschaft des Lebens (Eph. 1). Die Erkenntnis der Einheit der Kirche hängt an der Erkenntnis der Einheit des Neuen und des Alten Testaments, wie der Heilige Geist als der verborgene Autor der heiligen Schrift sie gibt. Nur wenn wir die Einheit der heiligen Schrift beider Testamente anerkennen, können wir (mit dein Heidelberger Katechismus) bekennen, „daß der Sohn Gottes aus dem ganzen menschlichen Geschlecht sich eine aus­erwählte Gemeinde zum ewigen Leben, durch seinen Geist und sein Wort, in Einigkeit des wahren Glaubens von Anbeginn der Welt bis ans Ende versammle, schütze und erhalte, und daß ich derselben ein lebendiges Glied bin und ewig bleiben werde.“ Diese Gliedschaft am Leibe Christi, das Teilhaben an allen seinen Schätzen und Gaben, ist die Wirklichkeit und Möglichkeit des christlichen Lebens.

Das Alte Testament bezeugt diese Möglichkeit und Wirklichkeit des christlichen Lebens dadurch, daß es von Menschen berichtet, die auserwählt waren, ganz und gar von der Erwartung des kommenden Christus Jesus zu leben, während das Neue Testament verkündigt, daß er jetzt in Niedrigkeit gekommen und gekreuzigt worden, am dritten Tage aber auferstanden ist und bald in Herrlichkeit wiederkommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten. Hierin unterscheiden sich die beiden Testamente bei ihrem einheitlichen und gemeinsamen Zeugnis. Der Unterschied wäre falsch bezeichnet, wenn wir sagen wollten, sie seien eins in der Sache, in den religiösen Grundbegriffen, unterschieden sich aber durch die Person Jesu. Denn eben darin besteht das Wesentliche ihrer Einheit, daß sie bezeugen: Die Sache ist ganz und gar die Person. Die persönliche Gegenwart des Helfers ist die Hilfe. Gott stiftet durch die Person des Mittlers die Lebensgemeinschaft zwischen sich und den Seinen. Der Christus Jesus ist selbst das Leben und die Wahrheit und der Weg. Irgendein alttestamentlicher Christusbegriff, dessen Inhalt nicht der lebendige Jesus ist, wäre nichts oder die Verkehrung der Wahrheit in Lüge. Eine alttestamentliche Religion für sich oder als Vorstufe einer christ­lichen Religion wäre nichts oder die Leugnung der alleinigen Offenbarung des lebendigen Gottes in Jesus Christus. Eben die ist die Entscheidung, in welche die Zeitgenossen des Täufers und die Zeitgenossen Jesu, mit ihnen zugleich aber alle, die das Alte Testament lesen, durch das Evangelium ge­stellt werden: Erkennt und glaubt ihr, daß schlechthin alles, was ihr als Menschen Gottes wißt und habt, allein in Jesus Christus wahr und euer eigen ist? Oder meint ihr z. B., ihr könnet Abrahams Kinder sein, ohne an Jesus als euern Herrn und Bruder zu glauben? Meint ihr, ihr hättet auch nur ein Fünkchen Gottesleben in euch oder eine Möglichkeit und ein Recht, vor Gott und mit Gott zu leben, außer durch Jesus Christus? Kehrt um und glaubt an den Einen! Er ist, der da kommen sollte. Jetzt ist er da, jetzt muß es sich zeigen, ob ihr wirklich ihn erwartet habt. Alle, die an ihn glauben, sind das wahre Israel, das Christusvolk. Der Eine, um dessentwillen Israel sein auserwähltes Sonderleben hatte und durch die Jahrhunderte fortpflanzen mußte, ist jetzt geboren, gestorben und auferstanden. Damit ist die Beschneidung überflüssig geworden. An ihrer Stelle ist jetzt die Dause geboten als das Zeichen dafür, daß der alte Mensch, der Jude so gut wie der Heide, der Religiöse wie der Gottlose, mit dem gekreuzigten Jesus Christus gestorben und begraben ist, um mit dem Auferstandenen in einem neuen Leben zu wandeln. Seitdem Jesus als das Passahlamm geopfert ist, muß an Stelle des Passahmahles das Abendmahl des Herrn gefeiert werden als Zeichen dafür, daß wir durch seinen für uns gebrochenen Leib und durch sein für uns vergossenes Blut begnadigt sind und in der Lebensgemeinschaft mit ihm und allen Auserwählten auf das ewige Leben hin gestärkt und erhalten werden, bis daß wir seine Tischgenossen sein werden im Reiche seines Vaters.

III

Das Evangelium bestätigt also und aktualisiert alles, was im Alten Testament steht, aufs äußerste, indem es verkündigt: Nachdem Gott vorzeiten zu vielen Malen und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet durch den Sohn, den er zum Erben von allem eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat (Hebr. 1). Alle Gottesverheißungen sind Ja in ihm und sind Amen in ihm, Gott zu Lobe durch uns (2. Kor. 1). Jetzt, heute ist die Schrift vor euren Ohren erfüllt (Luk. 4). Glaubt jetzt, wie Abraham glaubte! Verstockt heute eure Herzen nicht wie die Kinder Israel in der Wüste! Was als Zusage und. Gebot, als Trost und Warnung denen gesagt wurde, die von der Erwartung des kommenden Chri­stus Jesus gelebt haben, wie viel mehr gilt das heute euch, auf welche das Ende der Welt gekommen ist (1. Kor. 10). Der Christus Jesus ist die Wende der Welt. So gewiß uns das Evangelium zu Genossen der neuen Welt beruft, so gewiß trifft uns sein Ruf in der alten Welt, in der wir vom ersten bis zum letzten Atemzuge leben. Und eben darum gilt alles, was im Alten Testament steht, uns jetzt erst recht und viel mehr.

War jenen Menschen gesagt, daß sie geboren seien als Brüder des Einen, der geboren werden sollte, wieviel mehr gilt uns jetzt, daß unser Leben seinen einzigen Grund und Zweck darin hat, daß wir Brüder des Einen würden und durch ihn den Vater im Himmel preisen und uns ewig freuen in ihm. Nicht irgendeine imaginäre Natur gibt uns das Recht und den Befehl zum Leben. Um des Einen willen, der nicht selig sein will ohne uns, dürfen wir uns des Lebens freuen und haben wir kein Recht, unser Leben in Leichtsinn oder Verzweiflung wegzuwerfen. Alle Ordnungen des Lebens in Ehe, Familie, Volk und Staat müssen ganz und gar in der Gnade begründet und vom Gebot der Gnade geordnet sein. „Seid einander untertan in dem Herrn!“ In diesem Gebot liegen die wahrhaftige Bindung und Freiheit. Eigenen Zweck, eigenen Wert, eigene Notwendigkeit haben über die Ehe noch die Familie noch das Volkstum noch der Staat noch der Völkerbund noch Wissenschaft noch Kunst. Sie haben alle der einen evangelischen Möglichkeit zu dienen, daß Menschen das Wort Gottes hören und im Gehorsam des Glaubens das eine Gesetz der Liebe erfüllen, wohlgemerkt, der Liebe des Christus! „Wer Vater und Mutter, Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, der ist mein nicht wert, wer sein Leben erhalten will, der wird es verlie­ren; wer es ober um meinetwillen verliert, der wird es finden. Es ist niemand, so er verläßt Haus und Brüder oder Schwe­stern oder Vater oder Mutter oder Weib oder Rinder oder Äcker um meinetwillen und des Evangeliums willen, der nicht hundertfältig empfange jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungen und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.“ Wem irgendeine Ausbildung seines Ich und ein Genuß seines Daseins lebenswichtiger sind als das Zunehmen in der Gnade Jesu und die Freude am Herrn, wem Familie, Volkstum und Vaterland lebensnotwendiger erscheinen als die Mitgliedschaft am Leibe Christi, wer politische Ziele auf Kosten des Politeuma in den Himmeln verfolgt, kann keinen An­spruch am Reiche Gottes haben.

Wer dem Ruf Christi folgt, ist zur Freiheit berufen. Er nimmt das Joch des Himmelsreichs auf sich und ist damit be­freit vom Dienst der Eitelkeit. Er kann die Götzen dieser Welt nicht mehr anbeten, sie haben kein Recht mehr auf ihn und keine Macht mehr über ihn. Noch viel weniger als die Auserwählten des Alten Bundes kann er verpflichtet sein, sich am Bau von Babel zu beteiligen. Er wartet mit Abraham und allen Genossen der Verheißung auf die Polis, deren Gründer und Gestalter Gott ist. Das gibt ihm die Fremdlingschaft in dieser Welt. Das bedeutet kein Desinteressement an dieser Welt. Gerade die auserwählten Fremdlinge sind die legitimen Erben der Erde. Denn sie gehört dem wahren Gott, ihrem Schöpfer und Erlöser, und nicht den Usurpatoren und ihren Götzen. Sie gehört Jesus Christus und denen, die seine Miterben sind. „Freue dich, du kleine Herde, es ist meines Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben.“ Jesus Christus hat nichts von der Schöpfung preisgegeben. Eben gerade damit, daß er sich für sie kreuzigen ließ, hat er alles festgehalten. Er ist für die Welt gestorben, damit sie nicht unter dem Zorn zugrunde gehe, sondern lebe. Die Welt, für die er gestorben ist, hat ihm der Vater zu eigen gegeben. Ihm allein gehört alles, was im Himmel und auf Erden ist. Alle, die durch ihn die Sohnschaft empfangen, sind seine Miterben. wenn sie mit ihm leiden, dürfen sie an seiner Herrschaft teilhaben. Sie können das Diesseits nicht fahren lassen. Ebenso klar ist aber, daß sie nichts gewalttätig unter sich treten können, um es zu besitzen und zu beherrschen. Sie empfangen und behalten das Reich, indem sie darum leiden. Indem sie mit Jesus leiden, dürfen sie die große Hoffnung, die mit der Auferstehung Jesu von den Toten gegeben ist, für alles festhalten. So sind sie als die mit ihm Armen selig, selig als die Leidenden, Gebeugten, nach Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden, Barmherzigen, reines Herzens allein auf Gott Blickenden, Friedfertigen, Verfolgten — selig, denn ihrer ist das Himmelreich und sie werden die Erde erben. Sie leben als die mit Christus Geopferten und verwalten das priesterliche Amt, das der Welt das Leben spendet. Je mehr die Ungerechtigkeit überhand nimmt, um so weniger erkaltet die Liebe in ihnen. Sie halten in der Geduld Christi aus, beharren in der letzten Trübsal und lassen sich nicht verführen durch falsche Hoffnungen und falsche Heilande, bis daß ihr gekreuzigter und auferstandener Herr wiederkommen und das Reich der Herrlichkeit bringen wird.

Gerade sie wandeln im Glauben, noch nicht im Schauen. Sie versuchen nicht, die Welt durch Illusionen zu verklären und durch scheinbare Verwirklichungen das Reich der Herrlichkeit vorwegzunehmen. Konnten die Menschen des Alten Bundes nicht leben ohne zu beten, so ist ihr Leben noch viel mehr ganz und gar Beten. Sie dürfen und müssen beten, suchen, anklopfen und aus der Tiefe nach der Erlösung schreien, weil Jesus Christus sie in sein Gebet hineinnimmt. Und der Geist selbst vertritt sie mit unaussprechlichem Seufzen.

So sollen wir denn nicht meinen, Jesus Christus sei gekom­men, das Alte Testament, das Gesetz und die Propheten auf­zulösen. Er ist nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen. Durch sich selbst, durch sein Leben und Sterben und Auferste­hen erfüllt er es. Er bringt das eine Opfer, durch das alles wahr und wirklich ist, das eine große Opfer der Liebe, mit der Gott die Welt an sich nimmt. Damit hat er die Vergebung ans Licht gebracht, deren Zeichen die Opfer im Alten Bunde waren. Indem er durch sein einmaliges Opfer zeigt, was die Vergebung in Kraft setzt, hebt er die Kraft der vorlaufenden Zeichen auf. Und eben indem er als Gottessohn im Namen des heiligen Vaters die sündigen Menschen liebt und zugleich als Menschensohn im Namen der sündigen Brüder Gott liebt, of­fenbart und erfüllt er das Eine Gebot des Lebens für jeden, der an ihn glaubt. Das ist das christliche Leben: das Teilhaben am Leben Jesu Christi, so dass wir eingeschlossen sind in die Liebe des Vaters zu seinem Sohne und in die Liebe des Soh­nes zum Vater, und wir uns als Brüder unter einander so lieben, wie wir von ihm geliebt sind.

Die wunderbare Möglichkeit dieses Lebens erschließt uns das Evangelium durch die Verkündigung, Jesus sei der Chri­stus des Alten Testamentes. Gewiß: Jesus Christus ist mehr als die Väter, aber eben weil er der Eine ist, auf den sie ge­wartet haben, und nicht irgendein anderer, der ihr Glauben und ihr Hoffen ins Unrecht setzte. Gewiss: Der Sohn ist mehr als alle Knech­te, aber eben weil er der Sohn ist des Hauses, in dem sie dienen. Gewiß: Er ist mehr als David und Salo­mo, aber eben auf dem Throne Davids, dessen Platzhalter David und Salomo waren. Er ist mehr als alle Propheten Israels, aber eben weil er der von ihnen Verkündigte ist, in dessen Leben und Lehren, Sterben und Auferstehen das Gericht und die Gnade der Königsherrschaft Gottes gegenwärtig sind. Er ist der Menschensohn, der der Herr des Sabbaths ist. Sein Tag ist der ewige Feiertag, an dein alles Drängen und Ringen zur Ruhe kommt und die heiligen Heerscharen im Himmel und auf Erden ihren Schöpfer und Erlöser ehren und in unaussprechlicher Freude sein Angesicht schauen.

Als Glieder der alten Welt trifft uns der Ruf des Evange­liums, das jetzt das Alte Testament erfüllt ist und wir warten und eilen dürfen auf die herrliche Zukunft des Herrn. Solange diese Weltzeit noch dauert und die Botschaft des Evangeliums ausgeht in die Welt, gilt es darum für alle, die christlich leben wollen, daß sie sich durch die Worte des Alten Testaments immer neu zur Umkehr und Buße rufen lassen, zur Abkehr von der alten Welt und zur Hinwendung zu der Neuen, damit sie umgewandelt werden durch die Erneuerung des Sinnes und erkennen, was der gute Wille Gottes ist, was der Glaube ist, die Liebe, die Hoffnung, die Gerechtigkeit, die Heiligkeit und die Weisheit, die in Christus Jesus sind. So lernen wir aus dem Alten Testament die christliche Lebensweisheit. Denn das sind „die Schriften, die uns weise machen können zur Seligkeit durch den Glauben an Jesus Christus“ (2. Tim. 3) und uns die unerschöpfliche Mannigfaltigkeit zeigen der einen einzigen Möglichkeit wirklichen Lebens, des Lebens allein aus der gnädigen Liebe Gottes in Jesus Christus, unserm Herrn und Heiland.

Ursprünglich auf Englisch unter dem Titel “The Significance of the Old Testament for the Christian Life” auf dem Fourth Calvinistic Congress im Juli 1938 in Edinburgh vorgetragen.

Quelle: Wilhelm Vischer, Die Bedeutung des Alten Testaments für das christliche Leben, Theologische Studien, Heft 3, Zollikon-Zürich: Evangelischer Verlag, 21947.

Hier der Text als pdf.

1 Kommentar

  1. Die Theologie sucht nach dem Ursprung, aus dem Sinn des Glaubens vorgezeichneten und innerhalb ihrer Auslegung des Seins des Menschen zu Gott. Die Dogmatik die nicht aus dem Einzelnen, der Frage nach Gott entwachsen, und damit der Problematik keine Rechtfertigung vorweist, sondern sie verdeckt und verzerrt.

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