Volkstümliche Merkverse zu den Artikeln der Confessio Augustana: „Ganz andren Geistes ist der Zwingel – / der Bucer ist erst recht ein Schlingel. / Was der Papist von Wandlung lehrt, / das halten wir für grundverkehrt.“

Mit deftigen Worte macht man sich seinen Reim auf den Inhalt des Augsburger Bekenntnisses Die Verse dürften wohl aus dem 19. Jahrhundert stammen; der Verfasser ist unbekannt:

Volkstümliche Merkverse zu den Artikeln der Confessio Augustana

I. Von dem dreieinigen Gott wir halten
genau so viel als wie die Alten.

II. Erbsünd und Schuld von Adam stammt,
die Pelagianer sind verdammt.

III. Die Lehr vom Sohne sagt im Kern
der zweit‘ Artikel – diesen lern!

IV. Aus Gnaden nur gerecht sind wir
durch Glauben, Römer 3 und 4.

V. Den Glauben wirkt das Predigtamt,
die Schwärmer sind hiermit verdammt.

VI. Der neu Gehorsam aber muss
dem Glauben folgen auf dem Fuß.

VII. Nach innen man die Kirche meist
communio sanctorum heißt.
Nach außen man sie dran erkennt
am rechten Wort und Sakrament.

VIII. Doch sind in dieser Kirche leider
auch Lumpen, Heuchler und so weiter,
die ihr gereichen nicht zur Zier;
allein, da kann man nichts dafür.
Deswegen Sakrament und Wort
doch wirken kräftig in ihr fort.
Das wissen alle guten Christen:
Drum sind verdammt die Donatisten.

IX. Die Taufe bietet Gnade viel;
man tauft auch Kinder, wenn man will.

X. Zu Marburg Doktor Luthers Faust
gar kräftig auf den Tisch hinsaust:
„Dies ist mein Leib“ – so steht geschrieben,
und dabei wird bei mir geblieben.
Ganz andren Geistes ist der Zwingel –
der Bucer ist erst recht ein Schlingel.
Was der Papist von Wandlung lehrt,
das halten wir für grundverkehrt.

XI. Die Beichte braucht man allgemein,
doch kann sie auch privatim sein.

XII. Die Buße lasse stets man zu;
drum Novatian, verdammt bist du.

XIII. Man braucht nicht recht die Sakrament,
sobald man sie nur Zeichen nennt.
Nein, Gottes Wille zeigt sich drin,
zu stärken unsern Glaubenssinn.
Und wiedrum, willst du Kraft empfahn
aus ihnen, musst du Glauben han.

XIV. O schöne Zeit, da man noch nennt
den Pfarrer Kirchenregiment.

XV. Die Kirchenordnung ist nichts wert,
wenn die Gewissen sie beschwert.
Doch hat das Konsistorium
das Recht zum Monitorium.

XVI. Der Obrigkeit und Polizei
ein Christenmensch gehorsam sei!
Auch steht davon gar nichts geschrieben,
dass man ein Weib nicht dürfe lieben.
Drum sind die Wiedertäufer Gimpel,
noch mehr jedoch die Mönche Simpel.

XVII. Der Herr kommt wieder zum Gericht!
Der Chiliasmus passt uns nicht.

XVIII. Vom freien Willen weiß der Christ,
dass dieser nicht vorhanden ist
zum Guten nämlich, doch zum Bösen
ist er vorhanden stets gewesen.

XIX. Gott ist der Sünden Ursach nicht;
der Teufel ist’s und du, du Wicht.

XX. Die guten Werke helfen nicht,
es hilft nur Glaubenszuversicht.

XXI. Vom Dienst der Heil’gen lehren wir:
Sie sind ein gut Exempel dir.
Doch beugst du ihnen deine Knie,
dann ist das eine Blasphemie.

Das ist die Summe unsrer Lehr;
der Herr behüte uns vor mehr!

Hier die Verse als pdf.

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