Gertrud Staewens Anfrage an Helmut Gollwitzers „Selbstmordbrief“ von 1942: „Ich schreie dann zu Gott – leise in mir drinnen – Gott, du hast zu Hiob gesagt: Bis hierher und nicht weiter. Hier sollen sich legen deine stolzen Wellen. Aber ich muss sie dann in die Illegalität, in der solche meist schon lange untergetaucht sind, wieder hinausschicken ohne Hilfe, ohne Hilfe, ohne Hilfe.“

Der „Selbstmordbrief“ Helmut Gollwitzers, ein Antwortschreiben an Georg Hamburger, der in der Dahlemer Gemeinde kursierte, fand nicht überall volle Zustimmung. Gollwitzer hatte darin dem Suizid von Juden, deren Deportation in ein Vernichtungslager anstand, eine biblisch begründete Absage erteilt. So gab Gertrud Staewen (1897-1984), die in einem Dahlemer Helferkreis illegal Juden unterstützte, Gollwitzer in einem Brief vom 11. September 1942 Folgendes zu bedenken:

»Helmut, Dein Selbstmordbrief hilft mir und vielen. Dennoch triffst Du nicht in die letzte Hölle. Wenn nämlich – wie oft! – gänzlich verstörte, zerstörte, zu ¾ wahnsinnige Menschen sich an einen klammern, die überhaupt nichts mehr hören, nur noch Angst haben u. einen (mir unverständlichen) Lebenshunger. Die weder sterben noch fort wollen. Ich schreie dann zu Gott – leise in mir drinnen – Gott, du hast zu Hiob gesagt: Bis hierher u. nicht weiter. Hier sollen sich legen deine stolzen Wellen. Aber ich muß sie dann in die Illegalität, in der solche meist schon lange untergetaucht sind, wieder hinausschicken ohne Hilfe, ohne Hilfe, ohne Hilfe.«

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