Hermann Friedrich Kohlbrügge, Predigt über Johannes 17,26 (1846): „Es gibt auf der Welt verfluchte Namen, es gibt auch Namen, an welchen ein jeglicher rüttelt, welche man lästert und in Verdacht hat, und sind doch nur lauter gerechte und heilbringende Na­men, lauter Segenspender, und wer sie kennen lernt, den wird’s in Ewigkeit nicht gereuen, gereuen wird’s ihn, daß er mit dabei gewesen, auf solchen Namen einen unsinnigen Verdacht zu werfen. Von diesen letzteren Namen ist ein einzig ausgezeichneter der Name Gott.“

Predigt über Johannes 17,26

Von Hermann Friedrich Kohlbrügge

Und ich habe ihnen deinen Namen kund gethan und will ihnen kund thun, auf daß die Liebe, damit du mich liebest, sei in ihnen und Ich in ihnen. (Johannes 17,26)

Unser Herz freut sich Seiner und wir trauen auf den Namen seiner Heiligkeit: das ist der Psalm der Gemeine Gottes, ein Lied der Überwindung aller derer, die wissen, was Not und Trübsal, was Sünde und Angst ist. Der Name Gottes eine feste Burg ist er, wohin der Gerechte flieht und ihm ist geholfen.[1] Es gibt keinen Namen wie diesen; dieser Name kann allein einem Mut machen, wo sonst das Herz vor Angst und Kummer bebt und zittert. Vor dem Knie abgebrochen liegt jede Versuchung, wo dieser Name mit seinem Segen erschallt. Wer auf diesem Namen steht, der muß es gut haben, der wird durchkommen und schrien auch alle Nein. Die alte Schlange fühlt sich den Kopf zertreten, wo dieser Name auch nur gestammelt wird und ihr Gift hat keine Wirkung mehr. Nenne mir den Namen meines Gottes und ich fühle mich mitten in meiner Machtlosigkeit gewaffnet vom Kopf bis an die Füße und sage getrost: Gott ist hier. Nenne mir den Namen meines Gottes und das Herz pocht von seinem Frieden und jubelt laut auf: „Ja du bist und wo ist ein solcher Gott wie du?“ Nen­ne mir den Namen meines Gottes und du hast mir das ganze Evangelium gepredigt; du hast mir den Beweis gegeben, daß dort droben Eingeweide sind, die mich in Herrlichkeit aufgenommen haben und dereinst aufnehmen werden, wenn ich dieses Jammertal verlasse; denn ein Verlaß ist sein Name fester, sicherer wie die Berge, die ihre Wurzel geschlagen bis in des schäumenden Meeres Abgrund.

Wie, wird Mancher fragen, dieser Name, der Name Gott, kann der Einen so freudig machen? Ach, wie glückselig dieser Name ist, ich kann nicht mit Freudigkeit an denselben denken, vielmehr überfällt mich dabei eine gewisse Unruhe, es bangt mir vor diesem Namen, ich darf mich auf, den­selben nicht verlassen, ach, wenn ich an diesen Namen denke, so wird mir das Herz wie Stein, ich werde eine schreckliche Leere und Lücke in meinem Innern gewahr. Es ist mir als wäre etwas zu vermitteln zwischen Gott und mir. Ja daß sein Name geehrt sein soll, das soll feststehen, ich will auch davon mit sprechen, aber ich für mich trage eine Bürde und eine Last, welcher ich keinen Na­men geben kann es ist mir als wäre mir der Himmel und Gott zu hoch, als daß ich je dahin gelangen würde, wo er ist. Nein, das Bewußtsein Gottes, es fehlt mir, der Glaube, mich an Gott zu halten, fehlt mir, wie soll ich mich auch an ihm halten, es fehlt mir ein Herz dazu, ach wo von Gott die Rede ist, da ist’s mir als sei ich tot und Gott tot, oder als wohne er in einer solchen weiten Ferne, daß ich es unter die schönsten Träume rechnen würde, je in eine genaue Bekanntschaft mit ihm zu kommen; er ist zwar gut, denn er erweist mir diese Güte, aber dennoch mich über ihn zu freuen, nein, das finde ich bei mir nicht.

Und hie und da steht einer in der Ecke und denkt genau über die Sache nach: wie, frägt er, ich mich über den Namen Gottes freuen, wo liegt der Grund, daß ich zu Gott hinanschauen dürfte, ja daß ich mit gesenktem Haupt beten dürfte, Gott sei mir Sünder gewogen? Gott heilig – ich unheilig, Gott gerecht – ich ungerecht, Gott Geist – ich Fleisch und sein Zorn und sein Eifer! Was sagt die Schrift? Was sagt mein Herz? Zeige mir den Grund an, worauf ich stehen darf, daß er mir entgegen kommen würde, den Grund für mich zu ihm zu nahen, ach das schreckliche Gefühl meiner Verlo­renheit, wie überwältigt es mich. Ein Menschenkind und Gott, wie kommen die zusammen?

Es tauchen Fragen auf in einem redlichen Gemüt, welches nach Gerechtigkeit hungert, mit deren Beantwortung man nicht so schnell fertig wird, Fragen nach dem lebendigen Gott, wovon derjenige nichts versteht, der sich mit einem selbstgemachten Trost zu sättigen weiß. Mit der Bewandtnis die­ser Frage sieht es aber manchmal so aus, wie mit einer Frau, die in der äußersten Not Gott um die Anzeige eines Namens, d. h. eines Menschen bat, zu welchem sie ihre Zuflucht nehmen könnte um Hilfe, wo sie sonst alle Herzen verschlossen fand. Wie ihr nun ein solcher Name einfiel, stützte sie sich darauf, und da ihr durch denselben oft geholfen war, machte sie stets von neuem Schulden und kam nie zurecht; sie machte Schulden, weil sie die Gerechtigkeit, welche alles Gott in die Hände gibt, nicht wollte und sich dem Unsichtbaren nicht anvertraute.

Man wird es eingestehen, daß ein solches Verfahren nicht recht war und dennoch steckt in dem Herzen eines Jeden der vielfache Argwohn in Beziehung zu Gott, der Argwohn, der nie aufhört nach dem Sichtbaren, nach Rettung und Leben in eigener Hand zu greifen und dieses festzuhalten. Wie nun das Nichtkennen des Namens Gottes davon die Ursache ist, so hat es dem unsichtbaren König gefallen, seinen Namen bekannt zu machen, auf daß derjenige, den nach Gerechtigkeit hungert und durstet, seinen Namen kenne, und wie sein Name bekannt gemacht ist, davon wollen wir uns zu die­ser Stunde unterrichten, auf daß wir seinen Namen kennen wie er gekannt sein will.

Johannes 17,26

Und ich habe ihnen deinen Namen kund getan und will ihnen kund tun, auf daß die Liebe, damit du mich geliebt, sei in ihnen und Ich in ihnen.

Das ist der Schluß des Gebets Christi für sich seine Jünger und alle Gläubige, das er gebeten in der Nacht da er verraten wurde, in der Stunde der Finsternis, worin er geriet, auf daß die Stimmen aller Propheten von ihm erfüllt würden. Das Wörtlein und knüpft die verlesenen Worte an die vori­gen an: Gerechter Vater, auch die Welt hat dich nicht gekannt, ich aber habe dich gekannt und diese haben erkannt, daß du mich gesandt hast. Was so viel gesagt ist als: Mein lieber Vater gerecht bist du, obschon du aber gerecht bist, dennoch hat die Welt dich verkannt, aber wenn auch Niemand dich hat kennen wollen, tröste dich damit, daß doch einer, daß ich hier gewesen, der dich gekannt hat, deshalb habe ich auch auf dich getraut, und diese haben deine große Liebe, also deine Gerech­tigkeit erkannt, welche du darin bewiesen, daß ich hernieder gekommen bin; denn daß eben darin, daß du mich hernieder gesandt, deine Liebe offenbar geworden ist, das ist bei ihnen eine ausge­machte Sache. Sodann folgen die Worte unseres Textes, worin sich von selbst vier Ruhepunkte für eure Andacht darbieten, welche wir in eben so vielen Fragen vorstellen.

Wir fragen demnach:

  1. Was hat das Wort Name hier für eine Bedeutung?
  2. Wie hat denn unser Herr Jesus Christus diesen Namen in den Tagen seines Fleisches seinen Jüngern bekannt gemacht?
  3. Wie hat er denselben kund getan, nachdem er diese Worte gesprochen?
  4. Welch einen Zweck hatte er dabei?

1. Was hat das Wort Name hier für eine Bedeutung?

Die Dinge müssen einen Namen haben, um sie von anderen Dingen unterscheiden zu können. Auch die Menschen haben ein jeglicher seinen Namen, um sie mit anderen Menschen nicht zu ver­wechseln. Es gibt in der Welt finstere Namen, es gibt auch Namen, die leuchten wie die Sterne. Es gibt Namen, wovon weiter keine Notiz genommen wird; es gibt auch Namen, mit welchen ein sol­ches Vermögen, ein solcher Einfluß verbunden ist, daß man denselben bloß zu nennen braucht und es beugen sich die übrigen vor denselben und schätzen sie glücklich, die einen solchen Namen tra­gen. Es gibt auf der Welt verfluchte Namen, es gibt auch Namen, an welchen ein jeglicher rüttelt, welche man lästert und in Verdacht hat, und sind doch nur lauter gerechte und heilbringende Na­men, lauter Segenspender, und wer sie kennen lernt, den wird’s in Ewigkeit nicht gereuen, gereuen wird’s ihn, daß er mit dabei gewesen, auf solchen Namen einen unsinnigen Verdacht zu werfen. Von diesen letzteren Namen ist ein einzig ausgezeichneter der Name Gott.

Ein gewisser Tyrann von Syracus fragte einen seiner Weltweisen nach diesem Namen, fragte was Gott wäre. Der Weise erbat sich eine dreimalige Frist, sann lange darüber und antwortete daß er es nicht wisse. Die menschliche Weisheit hat bis zu dieser Stunde auf diese Frage nicht antworten kön­nen, die Eigengerechtigkeit des Menschen auch nicht, und es gibt kein Menschenkind, der darauf aus sich nicht die Antwort würde schuldig bleiben.

Ich bitte einen jeglichen, er sei klein oder groß, sage er her: Wer fährt hinauf gen Himmel und herab, wer faßt den Wind in seine Hände, wer bindet die Wasser in ein Kleid? Wer hat alle Enden der Welt gestellt, wie heißt Er und wie heißt sein Sohn? Weißt du das?[2]

Weiß es der Mensch, der, wo er an Gott denkt, in eine bodenlose Tiefe zu stürzen wähnt, worin er ewig umkommen wird? Weiß es der Mensch, der seiner Sünde wegen verzweiflungsvoll da steht, alles, alles ist verschlossen, nirgendwo Öffnung, nirgendwo ein Lichtstrahl? Woher das Zittern und Beben, das sich Verkriechen und Verstecken hinter die Bäume im Garten, woher das Festhalten an eigener Frömmigkeit, oder das ängstliche Herbeischaffen aller nur erdenklichen Deckmäntel, wenn der Tod durch die Fenster blickt? Woher dieses: Es hat noch immer Zeit? Menschenkind! kenne dei­nen Gott, der dich geschaffen und vernehme seinen Namen!

Gerechter Vater! das ist der Name, womit Er ihn anrief, in welchem Sein Name war.[3]

Gerechter, verstehst du das Wort? Heißt das nicht: Du wirst verkannt, und was ist es, das du nicht getan hast Menschenkinder zu überzeugen: Grimm ist in mir nicht, kehrt euch zu mir, in mir steht euer Heil, ihr bringt euch selbst ins Verderben.[4] Von dir abgekommen sind sie die Menschenkinder im ewigen Tode liegen sie, in der Macht des Satans gebunden fühlen sie sich, sie leiden alle der Sünde und des, was sie sich gelüsten lassen, schreckliche Qual, unter der Last der Beschwerden die­ses Lebens und aller Art Todes seufzen sie, Ungerechtigkeit sind ihre Gedanken, Überlegungen, Be­strebungen und Wege, und nicht einem einzigen ist es eingefallen, sich zu dir hinaufzumachen; in feindseliger Gesinnung wider dich haben sie alles zu Hauf gebracht, dich Lügen zu strafen, daß sie gottlose sind, und sie gehen lieber trotz des strafenden Gewissens sich einschläfernd einer ewigen, ewigen Qual entgegen, als daß sie ihre Feindschaft und Argwohn ablegen; sie trotzen deinem Na­men und werfen dein Heil hinter den Rücken und du sollst keinen Glauben haben, man flieht von dir weg, glaubt dem Teufel und verlacht mit ihm dich; und dennoch, dennoch, du bist der erste, und um deiner selbst willen hast du es beschlossen, du wirst es auch tun, deine Feinde erretten wirst du, Widerhörige bei dir wohnen zu lassen,[5] das ist dein Rat, wie sie sich auch dagegen sträuben, ihre ganze verdorbene Sache wirst du und mit derselben sie selbst versetzen in deine Gerechtigkeit ewiglich, daß sie sich um so mehr errettet fühlen, je tiefer ihre Verlorenheit ist.

Vater, ja Vater! denn nur Erbarmungen hast du, Bewegungen innersten Vatererbarmens für dein Geschöpf.[6] Aus deinem Bilde ist es heraus durch eignen Mutwillen, dennoch wirst du es bei dir auf­nehmen in deiner Herrlichkeit, daß es mit deiner Herrlichkeit belegt sei hienieden und in deiner Herrlichkeit prange bei dir. Brüder wirst du mir gebären wie Tau aus der Morgenröte, Brüder aus denen, die beschäftigt sind als Kinder des Teufels und des Todes alles zu vergeuden, was sie von dir haben und von deinem väterlichen Haus bis dahin nichts wissen wollen, deren Herz bis dahin eitel Lust hat an der Fremde und an Fremden, und haben bis dahin deine Lockungen nur verschmäht. O wie liegt in diesem Wort schon alles darin, was der Name Gottes sagen will!

Siehe, sprach Moses zu Gott, wenn ich zu den Kindern Israel komme und sie mir sagen werden, wie heißt sein Name, was soll ich ihnen sagen? Und es erging zu ihm die Antwort: Der Herr eurer Väter Gott, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs hat mich zu euch gesandt, das ist mein Name ewiglich, dabei soll man meiner gedenken.[7]

Das ist unseres Gottes Namenszug unter jeden, Trostbrief, welchen die Armen und Angefochte­nen stets von ihm erhalten.

Jehovah ist mein Name, das hat Gott nicht Einmal gesagt. Ich werde sein der ich sein werde, be­deutet es: ergib dich nun so wie du bist, und du wirst erfahren wer ich bin. Und was erfahren die Elenden dabei? Daß er keine Ungerechtigkeit sieht in seinem Jakob und keine Arbeit in Israel;[8]denn wer sich ihm ergibt umkommend vor Durst, wird saugen aus den zwei Brüsten seines Heils und bekennen: habe ich hier auch nur einen Tritt gesehen nach dem, der nach mir sah?[9] Und es wird das „Jehovah:“ du Gott siehst mich, leitest mich an deiner Hand, nach deinem Rat, erbarmst dich meiner.[10]

Jehovah, ein Gott, der alle seine Verheißungen erfüllt, der die Treue bewährt, nicht fahren läßt die Werke seiner Hände und will sich heißen einen, der die Gottlosen gerecht gemacht, der das Wunderbare seines Namens in das Lächerliche hineinlegen will, eine Gestalt annehmen in dem, was vor der Welt Torheit ist, und will sein der Gott des Ringenden, der nicht stehen oder gehen kann, er sei denn von ihm gesegnet.[11]

Nachdem der Herr das Volk gestraft des goldenen Kalbes wegen, sprach der Herr zu Moses: Gehe, ziehe von dannen ins Land, da Milch und Honig fließt, ich will einen Engel vor dir hin sen­den, aber ich will nicht mit dir hinauf ziehen, denn du bist ein halsstarriges Volk. Moses aber sprach, wobei soll doch erkannt werden, daß dein Volk und ich Gnade in deinen Augen gefunden haben, ohne wenn du mit uns gehst; dein Angesicht soll mit gehen, laß mich deine Herrlichkeit se­hen. Und der Herr antwortete: Ich will vor deinem Angesicht her alle meine Güte gehen lassen und will lassen ausrufen des Herrn Namen vor dir, auch bin ich gnädig dem ich gnädig sein werde, und erbarme mich dessen ich mich erbarmen werde.

Und da nun Moses auf dem Berge stand, da kam der Herr nieder in einer Wolke, wie hernach im Fleisch, und trat bei ihn und rief den Namen des Herrn aus. Und da der Herr vor seinem Angesicht überging, da rief Er: Herr, Herr, Gott, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue, der du bewahrst Gnade in tausend Glied und wegnimmst Missetat, Übertretung und Sün­de, vor welchem Niemand unschuldig ist. Und Moses neigte sich eilend zu der Erde und betete ihn an.[12]

Daß auch wir uns zur Erde neigen und ihn anbeten, denn ein solcher ist unser Gott, ein solcher ist sein Name. Barmherzig ist er, in seine Arme zu nehmen das verlorene Schaf, es zu herzen an sei­ner Brust, zart gegen den Elenden ihn sanft aufzuheben, er fühlt wie die Wunde brennt, mehr denn der Zerschlagene, der an allen Gebeinen Zerbrochene. Gnädig ist er wie die Mutter: Ach mein Kind! wo es leidet, und gönnt ihm herzlich die volle Brust, ein Labsal allen Schmerzes. Lange Wege macht er, bevor er die Seinen züchtigt wo es ihnen Not tut, und seine Güte, sie währt ewig, und seine Treue und Wahrheit, wer der Seinen erführe sie nicht Millionen mal? Ein ewiger Erguß aus seiner Fülle überströmt ihre Dürre, und sein Amen auf des Armen Gebet ist wie ein fürchterli­cher Hagelschlag, zu töten alle Widersacher. Die Verdrehtheit unseres Herzens, unsere mutwilligen Auflehnungen gegen sein gutes Wort und seinen allein weisen Rat, und das unaufhörliche Abwei­chen rechts oder links von seinem geraden Weg, auf sich genommen hat Er’s und hinter seinen Rücken geworfen.

So ist sein Name, so handhabt er denselben bis ins tausendste Glied. Sein Name ist gut und wird nie Einem was Böses zufügen, auch nie fallieren. Sein Name ist groß und müssen darüber alle ande­re Namen zunichte gehen; sein Name ist heilig, und deshalb handhabt er die Bekenner seines Na­mens in seiner Zierde; sein Name ist lieblich, darum ist er ein solcher Balsam für jede Wunde; sein Name ist erhöht, deshalb braucht man sich dieses Namens nicht zu schämen und wird es keinem Feinde je gelingen. Sein Name ist Herr Zebaoth, darum soll sich vor ihm beugen jedes Knie; sein Name ist Heil, darum wird zunichte werden jedes Instrument, das gegen seine Auserwählten berei­tet wird. Eine Zuflucht ist sein Name für den Gerechten, eine gewisse Hoffnung, die nie trügt für ein armes und elendes Volk. Um seines Namens willen rechnet er die Ungerechtigkeit nicht zu, hilft er wunderbar, eifert er für das Durchkommen der Seinen, ist für sie besorgt, verschmäht sie nicht, sondern hört auf ihr Geschrei aus der untersten Grube. Um seines Namens willen macht er es gut mit denen, die ihn anrufen. Von wegen seines ganzen Namens macht er sein Wort groß, daß alle, die seinen Namen suchen auch seinen Namen fürchten, denselben im Gedächtnis halten und denselben hoch rühmen. Singt seinem Namen, tut seine Taten kund. Erretter ist sein Name. Sein Name ein Gott von vollkommener Seligkeit. Sein Name der Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi.

2. Wie hat unser Herr Jesus Christus diesen Namen in den Tagen seines Fleisches vor seinem Tod seinen Jüngern bekannt gemacht?

Mein Name ist in Ihm, so sprach Jehovah von seinem Engel Jehovah, der vor seinem Volk her­zog und auch hinter ihm her war.

Er wird auftreten in Kraft des Herrn und im Sieg des Namens seines Gottes, so war die Weissa­gung des Propheten Micha von Ihm.[13]

Ja das Wie? Wenn er Gott seinen Gott, seinen Vater nennt und sich den Sohn, wurde da ihnen der Name nicht bekannt gemacht? Niemand hat je Gott gesehen, der alleingeborene Sohn, der zu dem Schoß des Vaters ist, hat ihn uns ausgelegt. Welche Vorstellung mögen sich die Jünger von Ihm ge­macht haben, wenn er wiederholt bezeugte: Glaubt mir, daß ich in dem Vater bin und der Vater in mir. Wer mich sieht, der sieht den Vater. Wen sahen sie denn vor sich? Einen Menschen gekleidet wie sie, unterworfen denselben Bedürfnissen wie sie, der Augen hatte wie sie, einen Mund wie sie, Hände und Füße wie sie, anliegend an den Tisch wie sie, sich zu schlafen legend wie sie, ohne äu­ßerlichen Glanz, voller Not, voller Angst winselnd manchmal in dem Staub, weinend und klagend und voller Todesangst, stets im Gebet mit mächtigem Rufen und Seufzen – und in diesem der große Name, und er spricht: Ich und der Vater sind Eins! Ja, so ist ihnen der Name offenbar geworden durch sein im Fleisch-Sein, und wie er da drin war und durch das, wie und was er da drin tat, hat er den Seinen den Namen offenbar gemacht. Vater, sollten sie beten, unser Vater in den Himmlen da droben. Seinen Vater nennt er ihren Vater zu hundertmalen, wie in diesem Einen: Fürchte dich nicht du kleine Herde, denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben. Den Vaternamen, den sollten sie stammeln lernen, bis sie gelehrt wären ihn auszukünden; sie, die bis auf den letzten Augenblick sich unfähig zeigten, auch nur von ferne zu begreifen, was doch das Reich der Himmel war. Aber die zerknirschende, die das steinerne Herz aus ihnen wegnehmende, die sanft überwälti­gende, sodann ein fleischernes Herz gebende Gnade hat er ihnen unermüdet aus sich heraus gezeigt, in seiner Lehre vorgehalten – und sein Wort, es hat gehaftet in den Seelen dieser Einfältigen, denn wie sie Ihm von dem Vater gegeben, so hat er nicht aufgehört mit Gebet und starkem Flehen bei sei­nem Vater, mit seinem Tun vor ihnen sie dahin zu bringen, daß sie zu Gott gekommen waren durch ihn, bevor sie es wußten und seinen Namen da inwendig kannten, bevor sie auch nur die geringste Rechenschaft davon hätten geben können.

Gnade hat geflossen von seinen Lippen, Barmherzigkeit von seinen Fingern, Heil und Errettung hat geleuchtet aus seinen Augen und die Güte träufelte von seinen Füßen. Auf daß der Vater in dem Sohn verherrlicht würde und sie also den Vater schauen sollten und ein Herz zu ihm fassen, bevor sie noch wußten, wie sehr das Herz Gott feind ist, hat Er sie immer zu sich genommen, sie stets ge­tragen in all ihrem Unglauben und Herzenshärte – und Teufel und Sünde und Tod und jeden Schmerz und alle Krankheit ließ er vor sich Bahn machen, auf daß sie Den kenneten, der ihn ge­sandt; denn hatte er ein solches Herz, so hatte es auch der Vater, denn ohne ihn tat er nichts. Er­barmte er sich des Armen, des Elenden, des Verlorenen, so erbarmte sich der Vater. Tat er dieses al­les, so tat es der Vater; so wurde ihnen dann bekannt gemacht Gott und dessen Herz und dessen Tun.

Und so nahm er sie mit sich zu den Zöllnern, zu den Sündern und wo nur um Erbarmung ge­schrien, auf Erbarmung gehofft wurde, da ließ er es erschallen: Sei getrost mein Sohn, greife Mut meine Tochter, es sind dir deine Sünden erlassen. Es ist ihr viel vergeben, denn sie hat viel geliebt. Und die Hölle verlor ihren Sieg und dem Tod half sein Stachel nichts, durch den Finger Gottes trieb er die Teufel aus und im Sieg des Namens seines Gottes trug er alle die geistlichen Mächte zur Schau,[14] die sich mit den Teufeln aufgelehnt wider den Namen der ewigen Erbarmung. Das alles hat er Angesichts seiner Jünger getan und die Blinden geheilt, die Aussätzigen gereinigt und den Tau­ben Ohren gegeben und den Stummen ein Lob Gottes in den Mund; dahin gebracht hat er’s, daß al­les Volk Gott Ehre gegeben, ihm Gerechtigkeit hat widerfahren lassen, daß nur sein Name gut und heilig ist,[15] – auf daß es seinen Jüngern inne blieb; in Ihm sehen wir Gott, nicht einen Tyrannen, den gnädigen Gott, Vater – unser Vater ist sein Name. Und bis auf die letzte Stunde, daß er bei ihnen war, hat er es ihnen vorgehalten, wie er seine Seele zum Lösegeld für viele gab, bis er ihnen predig­te: das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, das ist mein Blut, das für eure Sünden vergossen wird, und dabei immer: so ist es der Rat, so ist es das Wohlgefallen des Vaters für euch, – daß ich so hingehe und das Leben wieder zu mir nehme und euch in solchem Weg ewiger Gerechtigkeit dahin bringe, wo euch mein Vater, wo ich euch haben will, nämlich wo ich sein werde in dem Thron des Vaters. – In der Art hat der Herr seinen Jüngern den Namen des Vaters bekannt gemacht.

3. Wie hat er denselben kund getan, nachdem er diese Worte gesprochen?

So weissagt der Prophet Jesaja davon: Der Herr Herr, hat mir eine gelehrte Zunge gegeben, daß ich wisse, mit dem Müden zu rechter Zeit zu reden. Er weckt mich alle Morgen, Er weckt mir das Ohr, daß ich höre wie ein Jünger. Der Herr hat mir das Ohr geöffnet und ich bin nicht ungehorsam und gehe nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften, mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel.[16]

In dem Rat unserer Seligkeit hat Gott seinen doppelten Zweck erreicht: in einer ganz verlorenen Sache seine Gerechtigkeit darzustellen, aus Tod Leben hervorzurufen, durch den Tod hindurch ewi­ges Leben und Heil und Gerechtigkeit hervorleuchten zu lassen, seine Gerechtigkeit zu behaupten, die Sünde und deren Folgen wegzunehmen, eine neue Schöpfung in Christus Jesus darzustellen, und dies alles in einem Weg, worin die Ungerechtigkeit des Menschen und seine Gerechtigkeit in einen solchen grellen Widerspruch treten würden, daß seine Gerechtigkeit, sein Name, sein Rat, sei­ne Wahl den Sieg davon trügen und ewige Seligkeit befestigt wäre allen Glaubenden.

In doppelter Hinsicht hat unser Herr diesen Rat, den Namen Gottes, den Seinen bekannt ge­macht. Denn wie er den Namen seines Vaters gegen alle Namen behauptet, da er hier einherging, so hat er es für die Seinen besonders getan vor Kaiphas, vor Pilatus, in Gethsemane und auf Golgatha, wovon nachher nicht allein die Kunde zu den Seinen gekommen, sondern wovon sie zum Teil Au­genzeugen gewesen. Erfüllt sollte es werden, was die Propheten von aller Menschen Ungerechtig­keit und dagegen von Gottes Gerechtigkeit, was sie von aller Menschen Sünde und von Gottes Gna­de geweissagt.

Und nun, daß ein Kaiphas sich gegen diese Gnade auflehnt, daß das ganze jüdische Sanhedrin ihn ins Angesicht speien und schlagen ließ, vor lauter Bosheit und Ärger, daß sie nicht sollten ge­recht sein, und er allein der Sohn, und aus dem Vater durch ihn die Gerechtigkeit;

Daß ein Pilatus vor lauter Menschenfurcht ihn geißeln ließ, ihm eine Dornenkrone aufs Haupt ließ schlagen;

Daß das ganze Gottesvolk, sein Volk, für welches er inzwischen dieses alles litt, wiederholt schrie, ans Kreuz mit ihm, und einen Mörder wählten an seiner Statt, der ihr Leben war, vor lauter Ärger, daß sie nicht sollten gerecht sein und die Gerechtigkeit nur aus Gott auf den Glauben an ihn – hat ihn dieses einen Augenblick aus seiner Fassung gebracht? Durchstanden hat er es und sich stäupen und verwerfen lassen und bei allem geschwiegen, denn siehe, wie er da vor Kaiphas, vor Herodes, wie er da auf Gabbatha stand, da war er, da war sein ganzes Benehmen die laute Bekannt­machung des Evangeliums des alleinseligen Gottes: Wenn der, der im Himmel wohnt, mich, seinen Sohn, so durch euch verwerfen läßt für euch, so geschieht an euch die herzzerschmetternde Frage, wie heißt Er dort droben, den ihr in mir verwerft, der mich dennoch aus seinen Eingeweiden für euch hingibt, und wessen Name ist gut und heilig, wessen Name wunderbar und gnadenvoll, der eure oder der seine?

Wenn er am Kreuzholz betet: Vater vergib’s ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun, und sie mit seinem brennenden Durst den Spott treiben und mit seinem Schrei: Mein Gott, mein Gott, – womit Er, das ewige Wort, in der Macht der Hölle sich an dem Wort festhält und festklammert, und so alle

Macht der Hölle zusammenbricht – wenn sie da rufen können: Laßt sehen, ob Elias kommt! wäh­rend dem er bereits für sie alles vollbracht sieht – und er nun da nicht vom Kreuze ab sie alle in ewige Verdammung schmettert, sondern um sie zu Gott zu bringen leidet und blutet: – wie hat er da den Namen bekannt gemacht, den Namen seines Vaters, daß er ein Vater ist der Verlorenen, gleich­wie ein Vater dessen, den er für das Verlorene in die Verlorenheit hineingesenkt, um mit dem Verlo­renen in völligem Sieg hinaufzufahren zu ihm.

Und wie hat er nun dabei noch in anderer Hinsicht seinen Jüngern den Namen offenbar gemacht? alle, alle haben ihn verlassen, alle, alle sind von ihm geflohen, keiner steht ihm zur Seite. Petrus verflucht sich, daß er ihn nicht kennt, und am Kreuz alle die Seinen, sie stehen von ferne; aber dem Petrus hat er den Gnadenblick des Vaters ins Herz geworfen, und alle, alle hat er zu sich gezogen in einer Erhöhung, welche nur Schmach und Schande war nach Fleisch. Und er ist auferstanden! und: Sagt es dem Petrus, sagt es meinen Brüdern, daß ich ihnen vorgehe nach Galiläa; und: Maria, rühre mich nicht an, sage den Brüdern: ich fahre auf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott. Und: Thomas, sei nicht ungläubig, sondern gläubig; und: Friede sei euch- und: Mußte nicht der Christus alle diese Dinge leiden und also hineingehen in seine Herrlichkeit? Dieses mußte, zeigt er ihnen damit nicht an, daß es so der Rat eines Vaters war? und ein Vater der so seine Abtrünnigen zu sich zurück gebracht, ist dessen Name nicht Vater nicht gerechter Vater! – So hat er ihnen den Namen hernach bekannt gemacht; – und wie hat er weiter Wort gehalten, da er die Verheißung des Vaters, den heiligen Geist auf sie gesandt! Und wie hat er Wort gehalten, ich werde ihnen deinen Namen offenbaren bis zu dieser Stunde, worin er, der Herr und König seiner Gemeine, es den Verzagten predigen läßt: Mein Vater ist euer Vater, mein Gott ist euer Gott, und zu Gott hin fühlen sie ihr Leben verborgen mit ihm!

4. Mit welchem Zweck hat unser Herr seinen Jüngern den Namen des Vaters bekannt gemacht?

Auf daß die Liebe, womit du mich liebst, sei in ihnen und Ich in ihnen. Hat es irgend wo eine Rede auf der Welt gegeben, ähnlich dieser? Verhält es sich nicht so, daß, wo einer Gottes Namen kennt, Gott sich zu dem bekennt? Hat er deshalb nicht gesagt, die mich ehren, werde ich ehren – und ich will ihn erretten, ihn herausreißen, denn er kennt meinen Namen?[17] Ist es nicht wahr, daß, wer den Namen des Herrn kennt, über Himmel, Erde und Abgründe verfügt, denn er kennt das Herz dessen, der höher ist, denn alle Himmel, das Herz dessen, dessen die Erde ist und ihre Fülle, das Herz dessen, dem keine Not zu mächtig ist, wo er nicht sich zeige und sage: Fürchte dich nicht o Zion, dein Gott ist König! Wer nach Gottes Verheißung Gott kennt, kennt der ihn nicht als solchen, der gesagt, ich bin deinen Übertretungen gnädig und deiner Sünden und Gesetzlosigkeiten gedenke ich nicht mehr![18] Und bei solchem Kennen lodert da nicht in den Herzen die Flamme heiliger Liebe, wie auch die Emmausgänger sagten: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Weg?

Diese Liebe ist sie Frucht vom menschlichen Acker, steckt die in Fleisch und Blut, oder ist sie Frucht des Geistes? Ist es nicht die Liebe Christi? – Merkt auf den Hohenpriester unseres Bekennt­nisses! Nein, daß der Vater ihn für das, was er ist, liebe, darum ging es ihm nicht, sondern daß die Liebe, womit der Vater ihn liebte, in uns wäre, in den Seinen wäre, darum ging es ihm. Was kann meine Güte dir zubringen, spricht er deshalb in dem 16. Psalm – um dich selbst vollselig zu ma­chen, hast du mich ja nicht gesandt – all mein Wohlgefallen ist in denen, die ich bereits heilig und herrlich sehe auf Erden, wie es auch dein Wohlgefallen ist, daß sie heilig und herrlich seien vor dir.[19] Wie du mich lieb hast, weil ich deinen Willen tue, so sei auch diese deine Liebe in ihnen. Wie ich deinen Namen verherrliche auf Erden und du also ein Wohlgefallen in mir hast, so habe ich auch ihnen deinen Namen bekannt gemacht, auf daß dieses dein Wohlgefallen auch in ihnen sei. Wie du mich als deinen Sohn liebst, so habe ich dich meinen Vater in ihnen verklärt, auf daß du auch sie als deine Kinder liebst. Ich weiß es, ich habe dein Werk auf Erden vollendet und komme zu dir, und wie du mich verherrlichen wirst in der Herrlichkeit, welche ich bei dir hatte vor der Welt Anfang, so habe ich auch sie deine Herrlichkeit sehen lassen, auf daß die Herrlichkeit, womit du mich verherr­lichen wirst, auch in ihnen sei.

Welch eine Gnade, die Gnade unseres Herrn Jesu Christi; in dem Herzen seines Vaters hat er uns gebettet wie er selbst drin lebt, in dem Herzen seines Vaters hat er uns geborgen wie er selbst drin der Geliebte ist. In die Eingeweide Gottes hat er uns hineingewoben wie er selbst Gottes Eingewei­de ist. Zu dem Busen seines Vaters hin hat er selbst uns getragen, er das einzige Kind, das an des Vaters Busen liegt. Das ist eine Liebe, welche nicht geteilt, sondern eine ist. Nicht unsere Liebe zu Gott, denn nicht hat der Herr gesagt: Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht, auf daß sie dich lieben, sondern auf daß eben dieselbe Liebe, welche du zu mir hast, in ihnen sei. Was wir also lieben, wenn wir lieben, ist Gottes Liebe zu uns, dieselbe Liebe, mit welcher er seinen Sohn geliebt. Wie der Vater also den Sohn geliebt, so waltet in uns diese Liebe zu seinem Sohn, daß er auch uns liebt, die seinen Namen kennen, und ihn als den Gott und Vater unseres Herrn Jesu Christi anrufen, und wie die Liebe zu seinem Sohn auch zu uns ist und er damit in uns waltet, – so wird diese Liebe uns, die seinen Namen kennen, über alles hintragen, über alles hinsetzen, daß weder Tod, Teufel, Sünde noch Welt, noch Höhe, noch Tiefe uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist.

Und wie es dem Sohn, als unserem barmherzigen Hohenpriester, gefallen, uns den Namen des Vaters in seinem Evangelium bekannt zu machen, damit das Kennen dieses Namens Gott gleichsam stacheln möge, seine Liebe, welche er zu seinem Sohn hat, auszugießen in unsere Herzen durch den uns gegebenen heiligen Geist, so stachelt die Liebe zum Sohn den Vater, daß – wie die Kenner sei­nes Namens, seiner Liebe voll seien, – sie auch also dessen voll seien und Der in Ihnen wohne, wel­cher ihnen die Kenntnis Gottes vermittelt, so daß es bei ihnen heiße: Ich lebe, nicht aber mehr ich, sondern Christus lebt in mir, und was ich lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Got­tes, der mich geliebt und sich selbst für mich dahingegeben, – und wiederum: Zu Leben ist mir Christus.[20] Unsres Lebens, unsrer Erhaltung wegen sprach es der Herr: Und ich in ihnen, denn die eine Liebe Gottes dringt alle Heiligen, daß sie den Sohn ehren, gleich wie sie den Vater ehren und das Loblied in ihren Herzen ertöne: Dem, der auf dem Stuhl sitzt und dem Lamm sei Preis, Ehre und Lob und Herrlichkeit.

Meine Brüder und Schwestern, ich schließe. – Durch den Sohn geht’s zum Thron, und sein bitt­rer Todesschmerz zeigt das offene Vaterherz.

Gott ist unsichtbar – aber das Wort, welches bei Gott war, welches Gott war, ward Fleisch. In unsrem Zustand, worin er für uns gewesen, wo hinein ihn der Vater gesandt hat, hat Er uns Gott er­klärt, erklärt, wie Gott über uns denkt, daß er Gedanken des Friedens hat für jeden Armen und Elen­den. Gott war in Christus heißt es, und hast du ihn gesehen wie er für uns geblutet, so hast du Gott ins Vaterherz gesehen, denn für unsre Sünde gab Er ihn hin, und zu unsrer Freisprechung hat Er ihn erweckt. Kenne ihn so – und die Frucht dieser Kenntnis wird sein nach dem Gebet und Willen des­sen, um deswillen der Vater tut über Bitten und Verstehen. In wem nun die Liebe Gottes ist, in dem wohnt Christus und keine Schalkhaftigkeit.

Der Name Gottes sei gelobt von Ewigkeit zu Ewigkeit und Alle, die seinen Namen fürchten, ju­beln: Amen.

Gehalten am 28. Juni 1846.

Quelle: Hermann Friedrich Kohlbrügge, Zwanzig Predigten im Jahre 1846 gehalten, Halle 1857, S. 1-16.


[1] Ps. 33,21; Spr. 18,10.

[2] Spr. 30,4.

[3] 2. Mo. 23,21.

[4] Jes. 27,4 (nach dem Hebräischen); Hos. 13,9.

[5] Ps. 68,19.

[6] Jer. 31,20.

[7] 2. Mo. 3,13.

[8] 4. Mo. 23,21.

[9] 1. Mo. 16,13.

[10] Ps. 73,23. 24.

[11] Man denke an die Geschichte Abrahams, Isaaks (d. h. Gelächter 1. Mo. 21,6) und Jakobs und vergleiche dazu Röm. 4,16 ff; 1. Kor. 1,25; Hebr. 6,13 ff.

[12] 2. Mo. 33,16 ff.

[13] Micha 5,3.

[14] Kol. 2,15.

[15] Mk. 7,13; Lk. 18,43.

[16] Jes. 50,4 ff.

[17] Ps. 91,14.

[18] Jer. 31,33; Hebr. 8,11.12.

[19] Ps. 16,2.3 (nach dem Hebr.).

[20] Gal. 2,20; Phil. 1,21.

Hier der Text als pdf.

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