Kornelis Heiko Miskotte, Gottes Feinde kommen um. Predigt zu Psalm 92,2.3.7.10 (1945): „O wir flauen Bekenner, wir Schlappschwänze von Christen, wir schäbigen, halbherzigen Demo­kraten, wir ängstlichen Oranienanhänger, wir haben dies alles wahr­haftig nicht verdient, allein schon darum nicht, weil wir uns wahrlich innerlich nicht so gewehrt haben, wie die hohe Sache es von uns for­dern durfte. Tausende und Abertausende haben so getan, als ginge die Sache sie nichts an.“

Eine schonungslose Predigt hatte Kornelis Heikoe Miskotte am 9. 5.1945 in der Nieuwe Kerk zu Amsterdam im Dankgot­tesdienst anläßlich der Befreiung Hollands von der deutschen Besatzung gehalten:

Gottes Feinde kommen um. Predigt zu Psalm 92, 2.3.7.10

Von Kornelis Heiko Miskotte

Gemeinde, Brüder und Schwestern in dem Herrn, Landsleute, Men­schenkinder, seid euch mit mir des Gewichtes dieses historischen Augenblicks bewußt, der unglaublichen Stunde, die wir jetzt feiern. Wenn es etwas gibt, das bei allem Glück dieses Augenblicks ein Un­glück genannt werden muß, dann ist es wohl dies, daß wir es nicht be­greifen, was mit uns geschehen ist, ja daß beinahe niemand es recht verarbeiten konnte. Denn durch die jahrelange Unterdrückung, vor allem aber durch den Hunger der letzten Monate sind wir so sehr auf uns selbst, auf unser eigenes nacktes Leben, unser eigenes Fleisch und Blut zurückgeworfen worden, daß wir fast oder gar keine Gedan­ken mehr übrig hatten für einen weiteren Kreis, für unsere Mitmen­schen in derselben Straße, für unsere Nachbarschaft, für unsere Ver­einigung – geschweige denn für die Nation – geschweige denn für die Welt! Denn es ging in diesem sogenannten Krieg um die Welt und um die Zukunft der Welt! Und die Not hat uns erniedrigt, niederge­drückt in eine kleine, verwilderte Selbstsucht.

Und nun geht es darum, wenn wir vor Gott kommen, daß wir wieder in jener seit Jahr und Tag offenkundigen Wahrheit zu stehen trachten, in der Wahrheit, daß das, was uns widerfahren ist – und was wir frü­her durchaus begriffen haben –, uns widerfahren ist als einem Teil je­ner Menschheit, die unterworfen und zu einer anderen Menschheit gedrillt und umgepreßt werden sollte …; sodann geht es darum, daß wir wieder in die Position der Menschheit zu stehen kom­men, welche weiß, daß ihr von Gott Gnade geschehen ist – als Teil jener Mensch­heit, für die Jesus Christus gestorben ist – als ein Teil jener Mensch­heit, deren wahrer König Jesus Christus ist. Laßt uns zusammen des­sen bewußt sein, daß das Dritte Reich vergangen ist, daß die gegen­messianische Bewegung gestrandet ist, weil das Reich Christi kein Ende haben wird.

Ach, tausend Gedanken bewegen uns heute morgen, und kaum einen davon vermögen wir auszusprechen, denn dieser Tag ist zu groß für unser aller Begreifen. Mit bebenden Lippen und zitterndem Herzen singen wir ein Versehen und erheben unsere Herzen zu der heiligen Majestät Gottes, der die Zeiten wendet und unser Geschick sich um­kehren läßt.

Aber ach, wir sind doch nicht so mit offenen Sinnen dabei, wie wir sollten – und wir werden es später noch bedauern, daß dieser große Augenblick an uns mehr oder weniger vorbeigegangen ist –,wir sind zu klein, unser Fassungsvermögen reicht nicht aus …, doch unsere Freude reicht höher als die über das eigene Leben. Unsere Dankbar­keit zieht, wie in einer verlegenen Prozession, rund um den großen, den weißen Thron, und sie weint und jauchzt und schweigt dann wie­der still, tief verwundert über dieses Wunder.

Morgen wird es fünf Jahre her sein, daß »es« anfing. Aber es traf nicht nur Holland! Begreift das doch gut, wir sollen nicht allzu natio­nal sein in diesen Tagen: Darauf war es nicht gemünzt – und die Be­wußten, die wenigen Erwachten unter uns haben seit 1933 in Angst gelebt, haben, während beinahe niemand um sie her es sah oder sehen wollte, gewußt, daß es um Europa, um die Welt ging, um eine Um­wälzung der christlichen Welt. Mehrere haben, dank dem Brüllen eines Staatsoberhauptes durch den Äther, jahraus jahrein, und dank so manchen anderen Dingen, vorausgefühlt, daß das, was einmal, frü­her oder später, über uns losdröhnen würde, schrecklich sein müßte. Und jetzt am Ende, werden wir jetzt endlich alle sehen, daß – unter Gottes Zulassung, ja, aber doch durch die Hände der Dämonen – wir »ins Netz geraten« waren, daß »eine drückende Last auf unsere Hüf­ten gelegt« war, daß »Menschen über unser Haupt dahinfuhren« (Psalm 66,11f.) …, daß das menschliche Leben selbst in den letzten Zügen lag?

Sieh, wir haben in den letzten Jahren nur selten bekannt, was wir jetzt wohl zuzugeben bereit sind: daß dies alles eigentlich wohl ver­dient war, daß uns doch eigentlich nichts Befremdliches widerfahren ist – insofern, als wir im Durchschnitt nichts, aber auch gar nichts getan haben, um dieses schreckliche Wahnsinns-Regime von uns ab­zuwehren. Die meisten von uns fielen auf ihre eigenen kleinen Sachen und Interessen zurück, ja viele von uns, Gott sei’s geklagt, fanden (durch die Verführung der Propaganda verwirrt), es sei doch auch et­was Gutes daran, ja auf manche Dinge hätten wir eigentlich schon lange gewartet.

Nein, wir haben es wahrhaftig nicht verdient, auf diese Weise heraus­geführt zu werden in solch eine überreiche Erquickung. Als uns dann bänger und bänger wurde, haben wir auf unsere Weise gehofft und geglaubt, hielten wir auf Hoffnung gegen alle Hoffnung durch, weil wir am Leben bleiben wollten und am Dasein, an unserem Dasein, hingen. Aber viele, viel zu viele, sahen nichts, blieben stockblind für das, was um uns her und mit uns geschah und was auf dem Spiel stand. Und diejenigen, die zur Unzeit in ihren Herzen kapitulierten, sind nicht zu zählen; die sind im Verborgenen. Aber vielleicht wissen wir noch von uns selbst, wie oft wir es innerlich aufgegeben haben und uns dann weismachen ließen, die Welt sei das Opfer einer wirt­schaftlichen Krise, dieser Krieg sei ein gewöhnlicher Krieg wie so viele andere durch die Jahrhunderte hin …, und diese Übermacht sei ge­setzt, um als rechtmäßige Obrigkeit über unser Heil zu wachen.

Gewiß, es ist dagegen gekämpft worden, unvergeßliche Opfer sind ge­bracht worden …, aber schließlich: wir sahen uns das alles nur an, während die meisten von uns es nicht durchschauten; wir verstanden lange Zeit nicht, was jene Bengel vom unterirdischen Widerstand eigentlich wollten, weil wir nicht verstanden, wer uns nach dem Le­ben trachtete.

Und darum habe ich für euch ein Wort aus den Psalmen ausgesucht, damit ihr mit der Gemeinde der Erwachten – wenn auch nachträglich, sofern ihr es nicht eher begriffen habt – versteht, was eigentlich dieses Fest, in dessen Feier wir jetzt begriffen sind, bedeutet. Wir lesen aus Psalm 92 diese Worte:

»Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Treue verkün­digen … Ein Törichter glaubt das nicht, und ein Narr begreift es nicht …
Denn siehe, deine Feinde, Herr, siehe, deine Feinde werden umkommen.«

I

Es ist ein köstlich Ding, dem Herrn zu danken in dieser Morgenstun­de, die wahrhaftig Gold im Munde hat. Denn siehe! Tu deine Augen nur ja gut auf und bete: Herr, tue meine Lippen auf, daß mein Mund deinen Ruhm verkündige; vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Nie­der­gang und vom Niedergang bis zu ihrem Aufgang sei der Name des Herrn gelobt! Es ist gut und ein köstlich Ding, so zu tun! Wir können es auch nicht lassen! Es ist gut, es kommt Gott zu, und seine Herrlich­keit wird darin offenbar, daß sie als Seine Herrlichkeit erkannt und gepriesen wird. Es ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und dei­nem Namen, d. i. der Offenbarung deiner Herrlichkeit, lobsingen!

Es ist gut, daß wir bedenken, wie abhängig wir von Stunde zu Stunde gewesen sind, und wie wir des Nachts durch Gottes Treue wunderbar verschont worden sind – in wirklichen Nächten und geistigen Näch­ten, sittlichen Finsternissen und teuflischen Unterwelt-Mächten. Diese Treue in den Nächten hat uns hindurchgebracht. Wer nicht völlig stumpf war, wäre verrückt geworden, wenn Gott seinen Geist nicht beschützt hätte.

Und »siehe«! Jetzt sehen wir etwas, das wir vorher nicht sehen, son­dern nur trotz allem glauben konnten. Jetzt aber, jetzt sehen wir, daß es ein Ende genommen hat, ein wirkliches Ende, weil Gott ein Ende setzt.

So, dieses sehend, kommen wir in die Kirche, um zu hören: das Evan­gelium dessen, der der Richter der ganzen Erde ist; ich sage: das Evangelium, denn auch dies ist eine frohe Botschaft über die Erde, eine Botschaft von dem Königtum Jesu Christi, von seiner messiani­schen Herrlichkeit, seinem messianischen Recht. .. »Denn siehe, deine Feinde, Herr, siehe, deine Feinde werden umkommen.«

Ist es nicht bedenklich, von unseren Feinden als von Gottes Feinden zu sprechen? Dieses unnoble Spiel ist uns schon früher vorgeführt worden, ja liegt uns noch frisch in der Erinnerung …; doch davon abgesehen: Wer die Geschichte kennt, weiß, daß es die Jahrhunderte hindurch allgemein gebräuchlich gewesen ist, die Menschen, die gegen uns waren, als Gottes Feinde zu deklarieren. Hört ihr es gut? Weil sie gegen uns sind, sollten es Gottes Feinde sein! Wie furchtbar pfle­gen wir Menschen mit den heiligen Dingen, den heiligen Worten um­zugehen!

Nein, unsere Feinde so mir-nichts dir-nichts als Gottes Feinde abzu­stempeln, ist viel zu billig, um nicht zu sagen heuchlerisch. Es ist sitt­lich gefährlich und kann gotteslästerlich werden. Und die Kirche soll es sich wohl zehnmal überlegen, bevor sie auch nur im geringsten solchen Gedanken Raum gibt.

Und nun sage ich freimütig: In diesem Fall war es so! Gewiß, die Deutschen sind auch Menschen, gewiß, die deutsche Kultur war groß, der deutsche Geist tief …, gewiß, dieses Land war das Geburtsland der Reformation …, gewiß …, aber dieser unser Feind, der war schrecklich und greulich, der war eine total neue Erscheinung und wurde uns zur Offenbarung eines besonderen und offenkundigen Got­teshasses. Hier umschloß uns die Vorhut des Bösen! Die Stoßtrup­pen des Antichrist schlichen um uns her.

Seht, nun wollen wir heute morgen miteinander dem nachgehen, in welchem Sinne das wahr ist und wie wir den kühnen Satz, daß dieser Feind wahrhaftig Gottes Feind war, durchhalten müssen. Und ich kann euch wohl schon jetzt sagen, daß, wer ihn nicht durchhalten zu kön­nen, wer ihn bestreiten zu sollen meint, diese Zeit nicht begriffen hat, ja härter noch: daß, wenn er recht hätte, dieser Krieg ein Ver­brechen gewesen wäre und all die unzählbaren Opfer, die dafür ge­bracht worden sind, auf keine Weise vor unserem Gewissen zu recht­fertigen wären.

Nur wer es sieht, wie es ist, kann zu seinem Teil der Verantwortung für die entsetzlichen Schrecken, die über die Welt gekommen sind, mit entgegentreten und sie mittragen.

Wenn wir die Worte des Psalms nicht auf die Nazis anzuwenden wagen, dann ist auch unser Gebet während der Notjahre nichts als Egoismus gewesen, ein primitives Stöhnen, ein Chor von Stimmen aus unbekehrten, vielleicht verstockten Herzen.

Am 10. Mai 1940 wurden wir überfallen, angesprungen, niederge­worfen durch die Wehrmacht!

War »es« darum Gottes Feind? Nein! – obwohl es eine klare Verlet­zung des Völkerrechts war und die ausdrücklichen Versprechen, die man noch tags zuvor unserer Regierung gegeben hat­te, in den Staub getreten wurden. Auf Grund davon kann man aber nicht sagen, daß wir hier Gottes Feinden begegnet sind.

Obgleich das Bombardement von Rotterdam als eines der weltge­schichtlichen Verbrechen zu betrachten ist, gibt selbst das uns noch keinen Grund, unseren Feind als Gottes Feind anzusehen.

Denn wir haben allen Anlaß, von der weitreichenden Bedeutung die­ses Ausdrucks, dieses Verdikts, dieses Urteils: Gottes Feind, tief überzeugt zu sein. Das sagt viel mehr als z. B. Sünder, Ungerechte, unmoralische Schleicher, Schurken, Lügner und Schwindler; es bedeu­tet viel mehr als z. B. Heiden; hier ist gemeint: der Mensch, die Mas­se, die Macht, die von Gott weiß und die ihn allen Ernstes weg­wünscht, auch – außer nebenbei – kein anderes Ziel hat, auch keinen vernünftigen Grund für seine Verbrechen anführen kann als allein diesen lange verschwiegenen Grund, daß Gott, der ganz und gar nicht tot ist, nunmehr zu Tode gebracht werden muß.

Sollen wir ein solches Urteil über Deutschland sprechen – in einer wil­den Aufwallung von Zorn, in einer »Hetze«, in der wir uns selbst be­friedigen, indem wir uns selber aufhetzen, solange wir noch nichts an­deres als Worte zu Waffen haben? Deutschland war vielen von uns von Jugend an lieb, wir wurden durch seine Kultur mit geprägt, wir fanden dort unsere tiefsten Geistesverwandten. Sollen wir nun dieses ganze Land in losgelassenem Zorn verdammen? Das sei ferne!

Es wurden von diesem Land starke politische und diplomatische Ab­sprachen getroffen, die in dem ihm günstigsten Moment mit Füßen getreten und als »Fetzen Papier« bezeichnet wurden. Auch dies er­scheint manchen von uns nicht nur als eine Übertretung von Gottes Geboten – was es eigentlich ist! sondern in seiner systematischen Durchführung als eine Rebellion. Und doch …, und doch …, auf dergleichen Dinge stoßen wir in der Geschichte immer wieder, ja, es scheint – bei einem Staat mehr als beim anderen – zu den Mitteln der Verteidigung zu gehören. –

Weiter! Uns ist zugesagt worden, daß unser internes, geistiges natio­nales Leben in seiner Selbständigkeit unangetastet bleiben solle. Diese Zusage ist systematisch gebrochen worden – ein elender, trauriger Betrug.

War es darum Gottes Feind? Nein! – obwohl z. B. die von Staats we­gen über den Sender Bremen verbreiteten verleumderischen Reden über unsere Königin greulich waren und die Heimtücke der geknebel­ten Presse für ein aufrichtiges und freies Gemüt unerträglich sein mußte.

Verfälschung der Geschichte mit »gefundenen« Dokumenten – wie durchsichtig wurde uns dieses absichtsvolle Verfahren zuletzt! –, Um­schaltung der Schlüsselpositionen, die zu einer konstanten Verdre­hung der Tatsachen führte, »Gleichschaltung« des freien Vereinsle­bens …, ein Einkerkern der Kultur, ein Versuch, dies bei den Ärz­ten zu erreichen, und fügt nur hinzu, was euch noch einfällt, – kurz, ein vollkommenes Unverständnis für das, was wirklich niederländidisch ist, für unsere Art, unsere Vergangenheit, unsere niederländi­schen Traditionen hat uns eine drückende Last auf unsere Hüften gelegt.

War es darum Gottes Feind? Nein! Gewiß, es war schlimm, aber der Himmel bewahre uns davor, daß wir voreilig solche starken Worte aussprechen bei so … geringem Anlaß! –

Weiter! Unser Volk ist während dieser Jahre auf allerlei Weisen vor­sätzlich und ständig ausgeplündert worden. Unter dem Schein gesetz­licher Verordnungen und Verfügungen, unter der Maske einer neuen Auslegung des Kriegsrechtes wurden unsere Nahrungsmittelreserven und unser Viehbestand weggeschleppt, unsere industriellen Vorräte über die Grenze gebracht oder im Lande selbst für Kriegszwecke ver­wendet. Nach einigen Jahren wurde deutlich, daß gegen uns ein bio­logischer Krieg begonnen worden war, in dem jener Nahrungsmittel­raub das eine Kampfmittel, die Jagd auf unsere Männer und die Sklavenarbeit jenseits der Grenze das andere war. Durch Evakuie­rung und Überschwemmung, die weit über das kriegstechnisch Not­wendige hinausgingen, wurde das innere Chaos noch vergrößert.

Macht dieser Versuch, unsere Volksexistenz zu untergraben und all­mählich zu zerstören, sie zu Gottes Feinden? Nein, sage ich, obwohl zweifellos in dieser Verachtung gegen Holland ein ganzes Stück Men­schenverachtung mitgesprochen hat. –

Weiter! Obwohl der Besetzer kein gewöhnlicher Besetzer im Sinne des internationalen Rechtes war, sondern diesen Krieg zugleich zu einer Revolution, einer Welt-Revolution von seiner eigenen Ideolo­gie aus, hat machen wollen, wodurch jedes Treffen bis zum äußersten hochgesteigert wurde, kann man diesen Konflikt an sich noch nicht zu einem Zusammenstoß zwischen dem Antichrist und Gott aufbauschen und gibt dies alles uns noch immer nicht das Recht zu sagen: Siehe, da, genau da ist Gottes Feind!

Auch hier müssen wir sagen: Hüten wir uns vor allzu großen Worten. Wenngleich in diesen Maßnahmen etwas glomm von einem Groll gegen die Grundlagen unseres Lebens, unserer Geschichte, die christ­lichen Grundlagen unter oder die christlichen Reste in der europäi­schen Kultur!

Aber, sagt jemand, dies ist »es« nun doch wohl sicher: der Terror, die Geiseln, die Füsilierten – denkt nur eben an Gestel und Haren und andere Orte, die noch näher liegen, wo unsere Männer gefallen sind … Wehe den Prinzipientreuen, wehe den Charaktervollen, wehe den Tapferen! O, der sittliche Druck, unter den alle Stände gestellt wurden und dem wir manchmal gar nicht und oft kaum gewachsen waren! Die Arbeiterbewegung, die Gewerkschaften mußten schon bald daran glauben; dann kam der Angriff auf die Universitäten und der Versuch, die Studenten in die Hand zu bekommen, danach die Doktoren. Da kamen die massenhafte Menschenjagd und die Arbei­terdeportation, da wurden in unserem eigenen Land Konzentra­tionslager eingerichtet: Amersfoort, Vught, Ommen, Westerbork …, Namen, die wir nicht leicht vergessen werden. Eine immer schärfere Formen annehmende Bedrohung der Kirche, der Schulen, aber auch, als die Zeit es zuließ, der Ehegesetzgebung …, eine Taschenspielerei mit Gesetzen und Rechten, die uns in machtlose Wut versetzen konn­te, sobald wir ihre Fadenscheinigkeit zu durchschauen begannen. Und nun mag ein jeder ergänzen, was nach seiner Meinung hier noch ge­nannt werden müßte und ihn in der Erinnerung noch quält. Aber – war es darum Gottes Feind?

Und wieder muß ich sagen: nein! – obgleich das alles ohne Rechts­grund, menschenentehrend und greulich war, niemals zu rechtfertigen (was die Kurzsichtigen und Leichtfertigen – und die Tiefsinnigen un­ter uns dann und wann doch zu tun versucht haben) – hüten wir uns, etwas so Ungeheuerliches zu sagen. –

Wieder andere werden an erster Stelle an die Korruption denken, an den Geist, den Ungeist, den Anti-Geist…, den Verrat und die Be­zahlung des Verrats. Zu all jener zum Teufel führenden Konsequenz, zu all jener grimmigen, humorlosen Pflichterfüllung, vor der man noch einen gewissen kalten Respekt haben kann (wenn man auch zu­geben muß, daß dieser einem zunächst eingeflößte kalte Respekt oft umschlug in eine noch kältere Verachtung) – zu alldem kam das ganze gewundene Intrigenspiel der Herren und Knechte, der knechtischen Herren und der herrenhaften Knechte des ununterbrochen aufgebla­senen »Herrenvolkes«.

Ist »es« darum Gottes Feind zu nennen? Nein! Dazu haben wir selbst aus diesen Gründen kein hinlängliches Recht, mögen auch diese Dinge unzweideutig in die Richtung des Unmen­schen weisen.

Mehr und mehr bekamen diese Leute einen sehr bestimmten Ingrimm gegen unseren Volkscharakter, weil wir uns nicht mit den gegebenen Tatsachen abfanden und nicht gesonnen waren, daraus »Gottes Vor­sehung« abzulesen. Sie haben uns nicht untergekriegt, trotz all der Tatsachen, die sie geschaffen, trotz des schrecklichen Wütens. Es gibt kaum eine Familie in diesem Land, aus der nicht jemand füsiliert, gefangengesetzt, mißhandelt, verschleppt, verjagt, beschattet, verfolgt, bedroht worden wäre.

Da waren jenseits der Grenze die echten, die noch echteren Konzen­trationslager bereitgemacht und in volle Funktion gesetzt – zuerst, von 1933 an, für das eigene Volk, dann, nach der Serie von verräteri­schen Überfällen im Jahr 1940, für alle Unterdrückten, die mit Wort oder Tat zu nahe an die Wahrheit über dieses System und diese Ideo­logie kamen. Dachau, Sachsenhausen, Buchenwald, Celle – es kamen immer mehr Namen dazu — werden, solange einer europäischen Geschichte gedacht werden wird, die aufgerichteten Gedenkzeichen un­menschlicher Grausamkeiten bleiben, welche darum nur um so ab­scheulicher waren, weil sie auf äußerst verfeinerte und perfektionierte Weise mit einer widerlichen Staffage von Bürokratentum, von Lakaien- und Soldatentugenden, von hirnverbrannter Plebs-Philosophie ausge­führt wurden.

Aber weiter, weiter! O, es nimmt kein Ende, selbst nicht beim knapp­sten Bericht! Da bekamen wir in unserem eigenen Land die »legalen« Pogrome, das »gesetzliche« Auftreten in verschiedenen Amsterdamer Stadtvierteln, an dem auch »holländisches« Gesindel mitwirkte. Nach vielen »vorbereitenden«, oft versteckten Maßnahmen gegen die dort wohnenden Landsleute wurde schließlich der Angriff gegen diese Kinder und Kinderchen Israels in aller Offenheit inszeniert. Was dort alles geschehen ist – keine Feder wird es beschreiben können.

Aber mehr! Da kamen die »Repressalien«, weil man mit dem gan­zen Machtapparat in Händen doch nicht imstande war, eine einfache Rechtsprechung auch nur ganz formell aufrechtzuerhalten. Erst zu Dutzenden, später zu Hunderten wurden holländische Männer und Jungen füsiliert – der Besetzer doch hätte wissen können, daß dies ein Volk ist, welches ganz und gar nicht revolutionär veranlagt ist und das, wenn man es in Ruhe gelassen und nicht gekränkt hätte, ruhig seinen Geschäften nachgegangen wäre; es wäre hier nichts ge­schehen, wenn die Dämonen ein wenig … weiser gewesen wären.

Ist es um all dieser Dinge willen Gottes Feind? Wieder muß ich mit Nachdruck sagen: Nein, nein! – obwohl es schrecklich und fast nicht zu ertragen war – die Sünde selbst und im allgemeinen ist, nach dem Wort des Apostels, eine »Feindschaft« gegen Gott –, aber Feindschaft in dem besonderen Sinne eines Gotteshasses, der, wenn es möglich wäre, sich auf Gott selber stürzen würde, um ihn zu vernichten, diese Feindschaft ist doch noch anders.

Und die lag hier vor, weil diese Macht allen Ernstes und buchstäblich Israel ausrotten wollte.

II

Freunde, darf ich euch an diesem hellen Tag dunkle Tage in Erinne­rung rufen, an denen diese Absicht für uns, ja für das ganze Volk langsam offenbar zu werden begann, damit ihr nun desto besser ver­stehen möget, daß es gut ist, den Herrn zu loben?

20. Juni 1943. Allgemeine Absperrung der Stadt in den frühen Mor­genstunden, Aufforderung an alle jüdischen Landsleute, unverzüglich auf den Gehsteigen anzutreten, ohne Beachtung irgendwelcher Papiere und gegebenen Versprechen; jung und alt, Kind und Greis, Kranke und Schwache, alles mußte mit … Dann die Zusammentreibung und Verhaftung und Abtransportierung dieser Tausende, erst nach Westerbork und Vught, von dort nach Polen. O, es ging so »or­dentlich« zu, und es wurden wieder verlogene Rechtfertigungsgründe herbeigezaubert; aber gerade in diesem wohlgeordneten, in solcher Verfeinerung verbrecherischen, äußerlich in schöner Zucht sich dar­stellenden System, da, ja da wurde etwas offenbar von der Feind­schaft gegen Gott. In jener Wegführung »nach. Polen«, in jenen menschen-verachtenden Sterilisierungsmaßnahmen, da sahen wir dieses Regime in seiner wahren Gestalt. Und wir begriffen, warum Judenhaß und Menschenverachtung Hand in Hand gehen mußten und aus ein und derselben Quelle entsprangen: dem Haß gegen den Gott Is­raels.

»Ein Törichter glaubt das nicht, und ein Narr begreift es nicht …« – und hat sich nicht gezeigt, daß wir alle von Natur solche Törichten, solche Narren sind?

Vielleicht kann ein Mensch, der nicht glaubt, das niemals ganz ver­stehen; nun, wir sind hier denn auch in die Kirche gekommen, und die Kirche bekennt nicht irgendein höchstes Wesen, sondern den Gott Israels. Sehr geheimnisvoll und sehr deutlich ist alles, was wir ange­deutet haben an geschehenem Betrug und Unrecht und Greuel, von hier aus zu erkennen als mehr denn gewöhnlicher Betrug, als etwas anderes als das übliche Unrecht und auch als von anderer Art im Vergleich mit den Greueln, die vielerlei Politik in der Vergangenheit ein abstoßendes Gesicht gegeben haben.

Ich erinnere an ein anderes Datum, den 21. Februar 1941: den spon­tanen Streik von Straßenbahn, Straßenreinigung und anderen öffent­lichen und privaten Betrieben als Reaktion auf gewisse, vergleichs­weise noch geringfügige Maßnahmen gegen die Juden. Damals wurde der Finger ausgestreckt nach etwas, das man allmählich zu erkennen begann, damals scheint das Volk einen Augenblick begriffen zu ha­ben, was hier, unter viel Zurückhaltung und allerlei äußerem Schein, auf der Lauer lag. Und man reagierte scharf, spontan, direkt.

Aber als gut ein Jahr später das Schlimmste zu drohen begann (am 30. April 1942 wurde das Tragen des Judensterns zur Pflicht ge­macht), als immer deutlicher wurde: Diese eine Besessenheit steckt – hinter allen anderen Besessenheiten, dieses Wüten, diese systemati­sche Menschenverachtung hat hier ihr Zentrum, da waren wir durch Terror und Propaganda, Maßnahmen und Verordnungen schon so mürbe gemacht, schon so lahmgeschlagen, daß die Einführung des Ju­densterns uns nicht mehr zum Widerstand veranlassen konnte, ja viel­fach gar nicht beachtet wurde, und nur wenige begriffen, wie auch wir systematisch »vorbereitet« worden waren, um alles mögliche in klei­nen Dosen zu schlucken, ohne uns dagegen zu empören.

Es muß der Kirche sehr viel daran gelegen sein, daß wir verstehen, was wir tun, wenn wir den alten Sabbatpsalm übernehmen und an­wenden und sagen: »Denn siehe, deine Feinde, Herr, siehe, deine Feinde werden umkommen!«

Sind die Juden denn alle oder im Durchschnitt so liebe Menschen? Ist ihr Beitrag zu unserem Leben und unserer Kultur denn so einwand­frei? Alles andere als das! War denn nicht viel an ihnen auszusetzen? Meine Freunde, selbst die berechtigte Kritik war ein Vorwand!

Denn – was steckt dahinter, daß man nicht damit zufrieden war, diese jüdischen Menschen aus ihrer sogenannten bevorzugten Stellung, aus dem Staatsdienst, aus den Schlüsselpositionen, aus ihrer sozialen Ar­beit, von ihrem Haus und Herd zu vertreiben und in ein Ghetto zu sperren …, daß man sie ausrotten, ja buchstäblich ausrotten wollte, daß man die Hand auf ihrer Kehle fühlen mußte, um zufrieden zu sein? Was ist das, was drängt sich da an die Oberflä­che, was steckt hinter jenem Fahnden nach Kindern und Säuglingen? Warum diese Vernichtungslager und Prügelaktionen, diese Folterungen, diese Gal­gen und Gaskammern? Warum dieser minutiöse Plan, Menschen aus der Welt zu schaffen, die persönlich jedes, aber auch jedes Vergehens unschuldig waren, Menschen, die, in ihrer Lebensanschauung unter sich äußerst uneinheitlich, keine politische Macht bildeten, Men­schen, die sich zu unserem Erstaunen sogar als besser imstande er­wiesen, die deutschen Reaktionen zu verstehen als wir, Menschen, die, schließlich, keine andere Schuld hatten als die eine enorme Schuld, anders zu sein, aber auf eine ganz andere Weise anders als die Araber im Osten oder die Neger im Westen? Menschen nämlich, die »anders« sind, schaurig-anders, weil sie die lebendigen Zeugen von Gottes Erwählung und Verwerfung und Treue, von Gottes Gnade und Gericht und wiederum Geduld sind – so anders, daß das Anders-Sein Gottes selbst um ihre Häupter zittert wie ein Licht, das das Licht der Sonne überstrahlt.

Warum hat man einen Staat, einen Totalstaat auf eine Rassenlehre begründet? warum durchgesetzt und immer weiter durchgesetzt, was nicht einmal mehr irgendeinen Nutzen bezwecken konnte? Ist dieses Treiben mit gewöhnlichen Denkmitteln zu verstehen? Was ist der Fluch, der, hinter diesem Treiben, dieses Treiben antreibt? Welches Rasen tobt sich in diesem Rasen aus?

»Ein Törichter glaubt das nicht, und ein Narr begreift es nicht«, was hinter all diesem Treiben sich verbirgt.

Dahinter steckt der Haß gegen den Gott Israels, jenen Juden-Gott, der auch der Gott der christlichen Kirche ist. Ein Haß, der sich camoufliert und sich verteidigen zu können meint mit allerlei Geschich­ten über Israel, über das Alte Testament als ein Buch von Viehtrei­bern und Zuhältern, der immer nur wieder von den sogenannten jü­dischen Machenschaften redet, um das geplagte Gottesvolk auf dieser Erde noch verächtlicher zu machen in den Augen anderer … Es gibt einen Antisemitismus, der in uns allen wohnt, weil wir alle von Natur Heiden sind und Gott als die Natur verstehen und verehren; aber diese Heiden, die den hinreichenden Grund ihres Daseins in sich sel­ber finden, hassen den lebendigen Gott, wollen nichts zu tun haben mit dem Herrn, der das Verachtete erwählt; sie sind im Aufruhr gegen Gott, jenen fremden Eindringling, der Forderungen an uns stellt und uns trösten will in unserer Sündenexistenz und in unserm Sterbens­geschick. Doch Gott ist nicht zu greifen, und darum greifen sie zu, um das Zeichen seiner Offenbarung zu destruieren.

»Sie«, das sind, wohlgemerkt, in diesem Falle nicht Personen, nicht Gruppen, Banden, Volksmassen gewesen, sondern der Staat; dieser ganze Plan wurde von der »Obrigkeit« entworfen. Massenmord von Staats wegen, von Seiten des göttlichen Totalstaates! Meine Freunde, es ist mir ein sehr fatales Zeichen für die Entchristlichung unseres Volkes, daß wir nicht viel schärfer reagiert haben. »Was wären deine Gefühle«, sagte Leon Bloy einmal, »wenn jemand fortwährend dei­nen Vater und deine Mutter mit tiefster Verachtung behandelte? Nun, das geschieht fortwährend mit unserem Herrn Jesus Christus.« Der Vorwurf gegen den Juden ist, daß er – existiert –, das ist erst rich­tiger Haß, grundloser und maßloser Haß, der Maria trifft, die eine Jüdin war, und alle Apostel und Propheten. Wie könnten wir jemals die Abscheulichkeit der Beleidigung und Lästerung hinreichend zum Ausdruck bringen, die unlösbar verbunden sind mit der Beschmut­zung der jüdischen Rasse? Wie könnten wir die Infamie einer Weltan­schauung ermessen, die, auf eine phantastische Biologie begründet, all die alten Urtriebe wiedererweckt, um Jesus Christus, der Fleisch geworden ist, der, Gott von Gott und Licht von Licht, sich unwieder­holbar in einem jüdischen Leben offenbart hat, zu schmähen als eine Last, eine Störung, eine Pest, einen Schandfleck für die gesunde ger­manische Seele?

Das alles kam in diesen weltgeschichtlichen, weltkritischen Augen­blicken an den Tag. Ein religiöser Fanatismus, der seinesgleichen sucht, (denn täuschen wir uns nur ja nicht: dies alles hatte seine Wur­zel nicht in irgendeiner rationalen Argumentation, sondern in einer Religion!) bahnte sich einen Weg nach außen und schlug zu auf alles, was den Schutz Gottes genoß, auf jeden, der bei Ihm Berufung einle­gen wollte.

Vielleicht fragt ihr noch: Ist der Feind des Volkes von Israel auch und als solcher der Feind der Kirche? Ja! Denn es geht um denselben Gott, gegen den sich der Judenhaß im Grunde richtete, und wenn wir noch länger unter diesem Regime hätten leben müssen, wären wir sicher noch Zeuge davon geworden, wie auch die Kirche einmal an die Reihe gekommen wäre, auf dieselbe Weise wie Israel.

In der Erneuerung ihrer religiösen Mythen war die Herausforderung an Christus eindeutig, an Christus als den verborgenen König aller Völker.

Es war keine Sensation und keine Voreiligkeit, wenn wir schon am Anfang dieses sogenannten Krieges so oft in der Kirche sangen:

Wie groß, o Herr, wie furchtbar mächtig
wird unserm Leben Leid getan!
Die Hasser trachten nun einträchtig
zu unterdrücken – seht es an! –
das Volk zusamm’, das deinen Nam’,
 das Volk zusamm’, das deinen Nam’ bekennt.
O Herr, all diese Not doch von uns wend!

Dieser Staat war ein »messianischer« Totalstaat…, dieser Staat war eine Kirche, eine Anti-Kirche. Stell es dir doch einmal genau vor Augen, Gemeinde: ein Staat, der letztlich als einzige geistige Grund­lage den Willen hat, alles das, was aus der Judenbibel zu uns gekommen ist, alles das, was uns durch Christus, den König der Juden, ge­schenkt ist, wegzuschaffen! Alles, bis hin zum letzten Begriff, der noch in unserem Unbewußten versunken lag und aus der Heiligen Schrift abstammte, das alles sollte abgeschnürt werden. Eingehämmert sollte uns werden auf jede nur denkbare Weise, ob es nun durch die Tatsa­chen oder durch Worte wäre, daß Gott etwas anderes sei, als wir bis dahin gelernt hatten, daß gut und böse, daß Recht und Ehre, der Wert von Leben und Tod, der Ort des Menschen, der Sinn von ech­ter Arbeit und echtem Mut – daß das alles anders sei, als wir bis da­hin bekannt und woraus wir bis dahin – sei es denn mit wenig Konse­quenz – gelebt hatten.

Und seht, gegen diesen religiösen Fanatismus ergriff die Kirche nicht Partei, sie bemerkte vielmehr, daß sie in völlig unzweideutiger Weise Partei war: nicht um der Dinge willen, die den Juden als solchen an­getan wurden, obwohl das schlimm genug war, sondern weil in jener Aktion gegen dieses Volk das Wesen dieser Bewegung an den Tag kam, die sich diesem ihrem Wesen nach, wie wir nicht genug hören können, gegen den Herrn der Kirche richtete.

III

Und nun, Menschenkinder…, wir haben alle gelitten, gewiß, aber was von diesen Opfern gelitten worden ist, geht tiefer; diese Tragik hat eine Dimension mehr. Sie haben eine Last zu tragen gehabt, die alle unsere Vorstellungen — und wenn wir noch so sehr unser Bestes tun, uns dahinein zu versetzen – übersteigt. Wohl haben wir – und Gott weiß, wieviel – gelitten, an Leib und Seele, aber wir sind niemals das Objekt einer fanatischen Verachtung gewesen, das Objekt eines Mordwillens, einer Lust, uns alle miteinander, vom letzten Greis bis zum neugeborenen Kind, zu vernichten. Ach, was ist dort ausgestan­den worden in den Lagern und auf den Transporten, während der Po­grome und der Treibjagden, von alt und jung – wir wissen es nicht; wir begreifen es nicht, wie sie da hindurchgekommen sind, soweit sie tatsächlich hindurchgekommen sind, denn Millionen sind nicht mehr. Wie sie des Nachts Gottes Treue gelobt haben – ach, wir wissen es nicht.

Ein Nervenkrieg gegen das Volk, das so sehr an der Erde hängt, eine langgedehnte Quälerei, ein Katze-und-Maus-Spiel, die rohe Lust eines Balgs, das einem Maikäfer die Beine einzeln ausreißt, die besessene Leidenschaft eines wildgewordenen Eifers, die monomane Obsession einer unheilbaren Seelenkrankheit – das haben wir hier erlebt, wenn wir es auch nicht begriffen haben. Denn das geschriebene und unge­schriebene Recht, das gebrochen wurde, das gebrochen werden mußte und durch dessen Bruch die besetzten Gebiete (und zuerst Deutsch­land selbst) in solch eine graue Hölle verwandelt worden sind, – seht, jenes Recht war nicht nur das bürgerliche, das römische, das germani­sche Recht, sondern es war im Grunde das biblische, das israelitische Recht, die Gebote und die Satzungen des Gottes Israels. Und seht, sie sind nicht gebrochen worden, weil das strategisch und politisch notwendig gewesen wäre, sondern sie sind gebrochen worden, weil es die Gebote und Satzungen dieses Gottes waren. Und wieder ist Is­rael der Sündenbock für die allgemeine und überall herrschende Ungerechtigkeit geworden, man ist über es hergefallen wie nie zuvor, nicht um seiner Sünden willen (deren, wie der unseren, viele sind), sondern weil es als Gottes Repräsentation in dieser Welt unsere Seele irritiert.

Denn von diesem Geschehen aus müssen wir alles, was dieses Dritte Reich uns bringen woll­te, betrachten lernen. Wir begannen zu begrei­fen – und uns dagegen zur Wehr zu setzen! –, daß da mit dürren Wor­ten (und wie schön klangen jene Worte zuweilen!) verkündigt wurde, die Gewissen müßten eine andere Füllung haben als das, was die Schrift uns lehrte. Wir begannen zu begreifen: da geht man lieber unter und reißt Hunderttausende mit in seinen Untergang, als daß man das Haupt vor Gott, vor diesem Gott beugt, der in und über dem All lebt, der unsere verdorbene Natur richtet, der uns die Versöhnung anbietet, welche er selber vollbracht hat.

Aber »siehe, deine Feinde, Herr, siehe, deine Feinde werden umkom­men.«

Und dieser Feind ist umgekommen! Gewiß, dies wird wahrhaftig nicht der letzte Feind sein …, aber wohl ist es ein Vorzeichen dessen, was in den letzten Tagen, im Kampf von Messias und Anti-Messias, an den Tag kommen wird. Gewiß, nicht jeden Deutschen als solchen kann man als einen solchen Feind betrachten; gewiß, es gibt noch andere Ursachen dieses Krieges; wir meinen nicht einmal, daß dieser Feind durch die »Kapitulation« Deutschlands »umgekommen« sei; er war schon eher umgekommen, er wird vielleicht wieder aufstehen (wilde Gerüchte machen die Runde, Gerüchte über eine Fortsetzung des Terrors auf anderen Wegen, und die Hartnäckigkeit der Anfüh­rer ist zäh genug dafür); er wird vielleicht wieder auf stehen, um wie­der umzukommen. Das ändert nichts daran, daß wir diesen Tag des Endes der Besetzung als einen Tag der Wonne feiern, an dem Pha­rao und Sanherib und Rabsake und Nebu­kadnezar – und nicht zu vergessen: Haman –, nachdem sie wieder aufgestanden waren, vor unseren Augen ihren Untergang gefunden haben.

Und wir selbst? Was ist uns widerfahren? Etwas Ähnliches wie Israel, und aus ein und derselben Quelle.

Die Kinder unseres Volkes haben gelitten, unaussprechlich …, an unserem Leib, vor allem im letzten Jahr durch eine mutwillig verur­sachte Hungersnot. Man hat uns mit perverser Geduld geplagt: unser kleines bißchen Essen, das uns noch gelassen war, wurde uns wegge­nommen, wodurch Tausende gezwungen waren, zu den Bauern zu gehen und sich in endloser, erniedrigender Plackerei nur irgend etwas zum Lebensunterhalt zu verschaffen; kein Licht, kein Feu­er, keine Wärme, keine Transportmittel …, keine gewohnte Erholung, keine sinnvolle Erholung …, nichts blieb uns übrig als der Kampf ums nackte Dasein.

Und doch, was ist das, verglichen mit dem, was unsere Helden ausge­standen haben – geschlagen, gequält, gefoltert wie sie wurden in dem feindlichen Konzentrationslager oder Erziehungslager! Aber selbst bei ihnen, die so viele namenlose Dinge von den Sadisten durchzuste­hen hatten, grub das Leiden der Seele tiefer bis in die Wurzeln ihres Daseins und schnitt ihnen fast den Atem ab. Unterzutauchen, herum­zukriechen, in Löchern und Kellern, Alkoven und Schränken ver­steckt sitzen zu müssen, immer wieder bestürmt von den ewigen Ge­rüchten, alarmiert durch eine Klingel, ein Klopfen an der Tür, einen Lärm, den Klang eines drohenden Schrittes, unaufhörlich in Angst und Beklommenheit zu leben – es war beinahe nicht mehr auszuhal­ten, und viele streckten denn auch die Waffen.

Ja, wir hatten es wahrlich nötig, gegen alle Erfahrung, »des Nachts seine Treue« wunderbar zu erfahren. Wir wurden in ein Dasein ge­worfen, in dem wir Tag und Nacht »festhalten« mußten »an dem Un­sichtbaren, als sähen wir ihn« (Hebräer 11,27).

Wir hielten es nicht mehr aus, und dann kam – o Not! – die Frage: Ist es, ist es für uns etwa doch eine verlorene Sache? Wo ist Gott in diesem allen, wer ist Gott, der dies alles zuläßt …, ja gibt es eigent­lich wohl einen Gott? Ist es am Ende doch so, wie die Leute von ne­benan, aus dem Herrenvolk, behaupten, daß das Schicksal Gott ist? Ist vielleicht doch das Gewissen ein bürgerliches Vorurteil, Mitleid eine Sentimentalität und das, was das Christentum uns gebracht hat, der Ruin unseres gesunden Lebensinstinktes? Und so hatten wir Augenblicke enormen inneren Kampfes und große Anfechtungen, und je länger es dauerte und je mehr der Terror um sich griff, desto vielfältiger und eingreifender wurden bei manchen die Anwandlun­gen unüberwindlicher Verzweiflung.

Seht, der Fürst dieser Welt lachte sich ins Fäustchen, denn so, genau so will er uns haben. Der Teufel findet keinen Tag köstlicher als den, an dem wir infolge unserer Machtlosigkeit wahnsinnig werden vor Verzweiflung und Gott los sein möchten.

Und allmählich schlich sich bei den Weniger-Bewußten, bei den Nicht-Aktiven, bei der großen Masse mit einer infamen Selbstver­ständlichkeit auch das Böse ein. Die Jugend verwilderte zusehends, und bei den Älteren trat eine sittliche Feigheit zutage, die Gottes Ge­bote vergaß und mit Füßen trat. Und je mehr der Hunger und das Elend durch die Städte rasten, desto schlimmer wurde es: nirgends ein Gesetz, nirgends eine Grenze!

Seien wir doch nicht so naiv, anzunehmen, wie manche es immer noch tun, der Totalstaat zerstöre allein die Freiheit! O nein, es ist auch und vor allem die Autorität, die echte Autorität, es ist auch die Ord­nung, die wahre Ordnung, es ist auch das Vertrauen, das reine Ver­trauen, was, auf eine katastrophale Weise, untergraben wurde.

Wohlverstanden, dieses ganze Elend sollte uns treffen, es war die Ab­sicht, daß wir, die wir so »verjudet« waren, nicht eine militärische Besatzung haben sollten; wir waren »der Partei übergeben«.

Der Glaube sollte aus den Herzen vertilgt werden, damit der Weg ge­bahnt wäre für die dunklen Mächte dieser auf den Thron erhobenen Unterwelt…, damit das Monstrum des Terrors im Chaos desto bes­ser triumphieren und sich noch mit dem Glanz eines Retters und Hel­fers und Heilands zieren könne.

Gemeinde des Herrn, Brüder und Schwestern, Landsleute, Menschen­kinder! Seht! Seht doch auf diesen Tag, wie dies alles vergangen und an seiner inneren Unmöglichkeit zusammengebrochen ist. Ja, dies alles mußte vergehen! Das militärische Ende ist nur eine überfällige Konklusion, eine späte Besiegelung.

Mir sagte einmal jemand – und ich habe diese Worte sehr lieben ge­lernt, sie haben mich der Seele des Volkes wieder näher gebracht »Herr Pastor, das kann einfach nicht sein, daß ›sie‹ gewinnen …« Doch, ja, es hätte sehr gut sein können …, wenn dieser Gott, der Gott Israels, der Vater unseres Herrn Jesus Christus nicht Gott wäre. Und wenn sie dann auf der Straße und in den Läden doch sagten, daß es nicht sein könne, dann haben diese schlichten Herzen unbewußt geglaubt, was hier im Text steht!! »Es kann nicht sein!« – denn siehe, deine Feinde, Herr, siehe, deine Feinde werden umkommen.

Meinetwegen, wir hatten keine wirkliche Vorstellung von der Kraft dieses Feindes, immer wieder erwies er sich als stärker, als viele an­genommen hatten, immer wieder hatte er Panzer, Flugzeuge, Mann­schaften in Reserve …, meinetwegen …, es gab immer neue Tricks und Verhör- und Überfall-Methoden, das Reservoir an Intellekt und Material schien unerschöpflich. Aber die, die sich nicht davon ab­bringen ließen zu sagen: »Es kann nicht sein«, die haben Gott ver­herrlicht … »Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet um deiner Feinde willen, daß du vertilgest den Feind und den Rachgierigen«, so steht es in den Psalmen. Und in der Tat, gerade jene einfachen Menschen, die von weit »draußen« gekommen sind, haben verstanden: dies geht nicht, dies kann nicht sein, es ist jedes Opfer wert, dies abzuwenden, – aber auch: Es wird abgewendet werden.

Das Unternehmen der Nazis konnte nicht gelingen; diese übermensch­liche Unmenschlichkeit und unmenschliche Übermenschlichkeit war eine Herausforderung der allerhöchsten Majestät.

Was sind alle besonderen, isolierten Hartherzigkeiten, was bedeuten Bestialitäten und Gemeinheiten der Deutschen oder der Russen oder der Spanier, was sind alle einzelnen Greuel und Frevel selbst der SS neben der Ursünde, deren die »Feinde Gottes« sich schuldig machen, wenn sie sich aufmachen, das leibhaftige Zeichen von Gottes Gegen­wart in der Geschichte auszutilgen! O, die deutsche Seele ist tief, tie­fer als jemand ahnte, und tief muß sie versunken gelegen haben in der Umarmung des All, um Gott so sehr zu verachten; und tief mußte sie in sich selbst verliebt sein, um so sehr alles Jüdische: Mann, Frau und Kind, das Gesicht, die Gebärde, das Buch, die Wohlfahrtsarbeit, das Kriegsopfer, kurz alles und jedes am Juden, zu hassen. Nun eben, darum mußte ihr Fall auch ein Sturz sein, von so unermeßlichen Höhen der Selbstüberhebung herab. Das Vorhaben der Nazis konnte nicht gelingen, trotz aller Erfolge und trotz der geistigen Wehrlosig­keit der unterworfenen Völker, es konnte nicht gelingen, einfach weil es ein Gesetz ist: Gottes Feinde kommen um! Davon gibt es keine Ausnahme, und dabei kann der Aufschub kaum zählen. Denn siehe, deine Feinde, Herr, siehe, deine Feinde werden umkommen. O Wonne dieses Tages, o weltumfassendes Zeugnis, o Lichtglanz vor unseren Augen! Laßt uns diese Stunde tief feiern! Wir wollen sie nicht ge­fühlsarm an uns vorbeigehen lassen. Ja, treuer Herr der Welten und der Herzen, wir sind es …, aber ach, noch vor einem Jahr, noch vor einem Monat lagen wir in Zweifel und endloser Niedergeschlagen­heit.

Es war eine Sache des Glaubens, zu sagen: Es kann nicht sein …, und daß so viele davon wohl wenigstens ein unbestimmtes Empfin­den gehabt haben, ist dem Weiterwirken eines lange verschütte­ten Einflusses des Evangeliums unter den westlichen Völkern zu danken.

Und nun – was reden wir darum herum? Aber wir sagen ja nichts Neues, dasselbe ist Woche für Woche mehr implizit von vielen Kan­zeln gesagt worden! Nun öffnen wir unser Herz für die Nachricht, die beinahe zu schön ist, um wahr zu sein, und lassen diesen göttlichen Morgen gelten!

»Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Treue verkündigen.«

IV

Doch müssen wir auch sagen: die Niederlage dieses Volkes, die der Untergang des Nazismus mit sich gebracht hat, ist schrecklich. Wirk­lich, wer während dieser Jahre nicht immer wieder auch ein seine Empörung beinahe ganz überwältigendes Mitleid mit dem deutschen Volk gekannt hat, ist ein Unmensch!

Der, der heute morgen zu euch spricht, ist zufällig ein Pazifist; der Friede ist ihm als ein irdisches Heil und als gar nicht ferne Möglich­keit erschienen, und er ist auf seine Weise dafür eingetreten. Ich schätze es im allgemeinen gar nicht, wenn persönliche Erinnerungen und Einsichten auf den Kanzeln so mit einfließen, aber in diesem Fall wollte ich dies doch als Symbol euch nicht vorenthalten. Nun, Pazifismus wurde uns unmöglich.

Als 1934 die ersten Symptome des kommenden Unheils sich abzu­zeichnen begannen, wenigstens für diejenigen, die es sehen wollten und sehen konnten, da stellte sich uns wieder die Fra­ge: Müssen wir für den Frieden nicht alle erdenklichen Opfer bringen? Denn – ist Krieg nicht die furchtbarste Heimsuchung, die es gibt? … Ja, viele Opfer muß man für den Frieden zu bringen bereit sein, aber nicht alle; es gibt zweifellos eine furchtbarere Heimsuchung als selbst den Krieg, und es gibt eine schändlichere Schuld, nämlich daß man sich den letzten Rest Gerechtigkeit und Menschlichkeit im öffentlichen Le­ben nehmen läßt. Dann ist es schließlich besser, durch all diese Müh­sal und Not, die wir jetzt kennen, hindurchzugehen und alles, aber auch alles einzusetzen – besser, als einen Kompromiß, eine Art un­sauberen, trüben, faulen Frieden um jeden Preis in die Länge zu ziehen.

Die Herausforderung von 1939 mußte angenommen werden. Es ging in Wahrheit nicht um ein Volk in Not, überfallen von allen Seiten, wie ihre Propaganda es glauben machen wollte. Ebensowenig ging es auf der anderen Seite um Intrigen der Rüstungsindustrie, die ihrem Geldhunger einen ganzen Kontinent hätte aufopfern wollen. Gewiß, diese Dinge haben auch ihre Rolle gespielt; aber wenn sie auch nur im geringsten ausschlaggebend gewesen wären, wäre in diesem Kampf längst ein Kompromiß gefunden worden.

Was sich hier mit Gewalt Bahn brechen wollte, mehr noch: nach der Weltherrschaft strebte, war ein neuer Staat, die Aufhebung des Rechtsstaates, war eine neue Religion, die Aufhebung des christlichen Glaubens! Die Fabrik eines neuen Menschentyps arbeitete schon auf vollen Touren; die neuen Heiden, gehärtet, gestählt, ohne Nerven, ohne Herz, ohne Gewissen, der vollendete Automat wurde von dort an das Absatzgebiet der Welt abgeliefert. Die Welt sollte in der Tat binnen kurzer Zeit total umgedreht sein.

Dies war ein Kreuzzug gegen das Christentum, und es ist wirklich beschämend, wie klein die Zahl derer ist, die das im Ernst verstan­den haben. Als halbwegs überzeugende Entschuldigung mag denn – zunächst für Deutschland selbst – die Vergiftung und Verneblung durch Presse und Radio angeführt werden; auch hatte die Kirche dort keine Presse mehr, sie war der Möglichkeit beraubt, auf diese öffent­liche Weise die schwachen Gewissen zu leiten; die Gemeinde Christi war aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Gewiß; aber das allge­meine Unverständnis, vor allem bei vielen Intellektuellen unter den Christen, bleibt beschämend. Und beschämend bleibt es, daß viele diesem Monstrum mit Sympathie gegenüberstanden, solange bis es uns selber überfiel – als gingen uns Österreich, die Tschechoslowakei, Polen, Dänemark, Norwegen nichts an und als hätten wir für das erste Opfer, das deutsche Volk (mitschuldig, ja, aber zugleich Opfer!), kein Auge.

Und nun, Gemeinde – haben wir den Feind geschlagen? Ach nein, wir haben wirklich nicht so besonders viel getan und können dem Wider­stand im eigenen Land – bei aller Bewunderung für ihn – keine ent­scheidende Bedeutung beimessen.

Gottes Feind! Wahrhaftig, in dem Sinne war das Nazitum nicht unser aller Feind, daß wir es wie ein Mann mit ihm aufgenommen hätten. Ja, haben wir selbst in unseren Gebeten wirklich verstanden, worum es ging? Ist die Einsicht und die Energie letztlich von uns gekommen, ja, haben unsere Bundesgenossen, die Alliierten, das verstanden und das gemeint? Es ist zu bezweifeln; sie kämpften zugleich für ihre eige­nen Interessen. Machen wir die Dinge in unserem Freudenrausch nun nicht schöner, als sie sind! Warum auch? Das Schönste am Leben ist, daß es ein Geschenk ist; das Schönste am Sieg ist, daß er von Gott ge­geben ist.

Sofern sie und wir etwas getan, den Feind geschlagen haben, ist das geschehen, weil Gott es so gelenkt hat, daß wir, mobilisiert durch unsere zweifellos gewichtigen Interessen, einen Dienst in seinem Kriegsplanverrichtet haben, in welchem als Kriegsziel lag, einen neuen Morgen anbrechen zu lassen über einem so kolossalen Chaos. Er hat den Feind gesehen und ist für uns eingetreten! All diese Mächte wa­ren, indem sie zugleich für ihre eigenen Ziele und um ihr nacktes Da­sein kämpften, ebensoviele Instrumente in Seiner Hand, die zur Gel­tung zu bringen hatten, daß es mit dieser jüngsten Rebellion gegen den Gott der Schöpfung und den Herrn der Kirche ein Ende nehmen mußte, weil es im Prinzip mit all diesem Aufbegehren schon zu En­de ist, seit Jesus Christus die Welt mit seiner Gegenwart gesegnet hat. Der Gegenkandidat für den Weltthron, der düstere Kronprätendent und Contra-Heiland – davon ist die Apokalypse voll – scheitert, man darf nicht sagen: automatisch, aber doch mit einer inneren Schwer­kraft, die ihn zum Fall verurteilt, seit Jesus Christus in dieser Welt erschienen ist.

Man kann fragen: Wäre gegen das Christentum, das bürgerliche, heuchlerische Christentum nicht sogar ein Kreuzzug gerechtfertigt? Sicher, das kann sein! Aber bedenken wir dabei dann gut, daß Kritik an der Kirche und am Christentum absolut nicht Haß gegen Gott be­deutet! Im Gegenteil! Die Propheten werden niemals ganz ausster­ben, der Widerstand ihres Geistes und Herzens gegen die schändliche Verstümmelung, Verdrehung, Verkehrung, der die heiligen Dinge ausgesetzt sind und durch die die Wahrheit unerkennbar wird, wird ausbrechen müssen, immer wieder.

Doch mit dem Nazitum ging es viel weiter, kam es zum Äußersten; es ging ihnen um das Bekenntnis zu einem anderen Gott; ein wilder, wütender Naturgott wurde den Menschenkindern mit aller List der Lippen aufgedrängt, etwas, das jedem germanischen Gemüt – und vergessen wir niemals, daß wir in der Mehrzahl von dieser Rasse sind! – zur Versuchung werden kann. Und wir sahen, wie das Volk, zur Masse geworden, allmählich zu einer willigen Beute wurde für diese heidnische Welt von Versprechungen, für dieses andere Gottes­gebot, für diesen monströsen Wahn eines »Herrenvolkes« mit einer eigenen Religion und Moral und eigenem Ritus, geboren aus dem Inneren des Abgrunds und auf gestiegen zu nichts schonender despo­tischer Zerstörungssucht.

Aber »siehe, deine Feinde, Herr, siehe, deine Feinde werden umkom­men.« –

Das ist eine hymnische Antwort auf das Evangelium – mag es auch ziemlich »negativ« klingen, wie der Vorwurf aus bestimmten Kreisen lautet. Doch in dem »es kann nicht sein, daß dies bleibt« steckt ein sehr positiver kindlicher Glaube, und wir dürfen wohl bedenken, daß, wenn Gott den Dämonen freie Hand gibt, um zu zeigen, wer sie sind, dann höchst positiv an den Tag kommt, wer Gott ist und was die Dä­monen sind, was sie vermögen und was Gott der Herr, in seinem Ansichhalten wie in seinem gewaltigen Eingreifen, vermag.

Es klingt nicht ohne sakrale Bravour in dem Psalm: »Ein Törichter glaubt das nicht, und ein Narr begreift es nicht: Die Gottlosen grünen wie das Gras, und die Übeltäter blühen alle – damit sie … vertilgt werden.«

So ist dieser Krieg mit seinen Wechselfällen ein Krieg der Wunder ge­worden. Und jeder sagte, daß unser Feind untergehen werde, aber niemand wußte, wie. Bald war es aus, bald war es wieder nicht aus. So oft schienen diese Verschwörer gegen den Bestand von Recht und Vernunft, diese höchst-gefährlichen Irren an ihr Ende gekommen, und wir machten unsere Berechnungen wie Gefangene, wie Gequälte – und waren wir nicht alle Gequälte? – auf kurzen Termin .. ., bis der Rückschlag kam und damit die Niedergeschlagenheit: noch nicht! Wieder wurde eine Parole ausgegeben, wieder wurde im Volk eine leere Hoffnung geweckt, wieder wurde der Widerstand der Besten in Deutschland selbst erstickt.

Wie überrascht und beschämt stehen wir nun da bei diesem »Ende«! Ja, es hätte noch ganz anders aussehen können mit unserem Land, mit Europa, mit der Welt, wenn dieser Terror zu siegen gewußt hätte, aber auch, wenn er sich, sagen wir noch ein Jahr hätte behaupten können. »Die Güte des Herrn ist’s, daß wir nicht gar aus sind!«

V

»Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster, des Morgens deine Gnade und des Nachts deine Treue verkündigen … Denn siehe, deine Feinde, Herr, siehe, deine Feinde werden umkommen.«

Der Herr hat große Dinge an uns getan! Darum sind wir fröhlich, und darum stehen wir in dieser unerhört großen Stunde verlegen da angesichts Seiner großen Taten und unseres kleinen Begreifens, Seiner innigen Geisteskraft um uns her und des armen, beinahe apathischen Gefühls in uns. Es ist uns zu viel, auch weil wir früher zu wenig ge­lebt, gedacht, gearbeitet, gelitten haben. O wir flauen Bekenner, wir Schlappschwänze von Christen, wir schäbigen, halbherzigen Demo­kraten, wir ängstlichen Oranienanhänger, wir haben dies alles wahr­haftig nicht verdient, allein schon darum nicht, weil wir uns wahrlich innerlich nicht so gewehrt haben, wie die hohe Sache es von uns for­dern durfte. Tausende und Abertausende haben so getan, als ginge die Sache sie nichts an, haben salbadert und räsoniert, Hunderte ha­ben sich an dem Elend anderer bereichert, haben sich in ihre kleine Existenz festgebissen, kurz, sind unerschütterlich Egoisten und Roh­linge gewesen. Und wir, die wir »gut« waren und nicht zu den »Ver­kehrten« gehörten – ach, man müßte einmal wissen, wie uns zumute gewesen ist und wie oft wir uns innerlich zurückgezogen haben!

Gott – hört es wohl! – Gott hat uns befreit und hat die Alliierten mit ihren eigenen subjektiven Zwecken als seine Hilfsmittel eingesetzt, um uns in einem historischen Augenblick vor Augen zu führen, wie es nicht sein kann und nicht sein darf und niemals mehr gehen wird, und wie die Verleugnung des Königs Israels, Jesus Christus, die ganze Welt ins Verderben zu stürzen droht.

Gott und niemand anders als Gott befreit.

Aber er tut das nicht, um uns an uns selbst zurückzugeben, sondern damit wir Ihm besser dienen, damit wir nicht selber als solche erfun­den werden, die Ihm fremd sind. Ihm, der in Jesus Christus die Welt sowohl verurteilt als auch versöhnt hat und der will, daß alle Men­schen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Diese Befreiung ist uns ein Zeichen einer noch ganz anderen Be­freiung, wenn in dem letzten apokalyptischen Kampf Christus und der Antichrist einander gegenüberstehen werden. So wie der Schul­dige an diesem Kriege nicht der Antichrist ist, sondern nur ein Vor­läufer des Antichrist, so ist auch die Befreiung aus seinen furchtbaren Klauen nicht der Anfang des Reiches Gottes, sondern nur ein Vor­zeichen davon, und dieses Vorzeichen feiern wir jetzt! – mit Psalmen und Lobgesängen, mit Hymnen und geistlichen Liedern. Ein geist­liches Lied ist kein himmlisches Lied, sondern ein Lied von dem, was der Geist für das Fleisch und auf der Erde bedeutet und vollbringt.

Feiern wir diesen Tag aber recht, d. h. nicht nur persönlich – obwohl es auch dafür Gründe im Überfluß gibt! –,nicht nur als Stadt, nicht nur als Widerstandsbewegung, auch nicht nur national, sondern … als Kirche – das ist: im Namen der ganzen Menschheit, die absolut nicht gewußt hat, was ihr drohte für den Fall, daß dieses Dämonen­spiel gelungen wäre –, wenn wir ihn in diesem Geist wirklich feiern, dann folgt daraus ethisch und praktisch vielerlei.

Nämlich dies, daß wir Christus ehren …, Christus, ohne dessen Wort und Geist keine erträgliche Gesellschaft möglich ist, ohne den wir entweder in die Anarchie oder in die Diktatur geraten. Dann drängt aber auch ein Bekenntnis unserer Sünde zu Worte, und in unseren Herzen meldet sich ein Gelübde, ein neues Leben anzufangen.

Wir haben gesündigt, indem wir Ihn losgelassen und sein heilsames Wort nicht angenommen haben. Wir haben gesündigt, indem wir die Demokratie mit unserer Kleinlichkeit, mit unserem anscheinend un­ausrottbaren Krämer-Getue verpestet haben. Wir haben gesündigt durch die Verhärtung unseres Herzens gegen die Not unseres Näch­sten; wir haben gesündigt, indem wir es duldeten, daß Zigtausende im Spiel der ökonomischen Kräfte verkümmerten.

Wir sind die Menschen, die überfallen und angesprungen wurden, ja, in der Tat, und wie!, aber … die das auch dringend nötig hatten; und es beginnt uns, auch inmitten des Festtrubels, wohl zu dämmern, daß zwar der Feind uns maßloses Unrecht getan hat, daß aber Gott, auch darin, uns kein Unrecht getan hat.

Wir können diesen Tag nicht feiern, ohne Gelübde zu tun vor diesem Gott, unserem Heiland und Richter, der die Welt zurechtbringt und der allein wahrhaft menschliches Leben auf Erden möglich macht. Freunde, wohin sollen wir gehen? Wo gibt es eine Aussicht als von hier aus, von dem heiligen Herzen Jesu aus?

Es wird kein Segen ruhen auf dem gewaltigen Geschenk dieses Frie­dens, wenn wir nicht zu einer neuen sozialen Ordnung, zu einer Rechtsordnung der Arbeit kommen.

Es wird kein Segen auf diesem Frieden ruhen, wenn wir uns wieder in den alten Auffassungen von der geschlossenen Nation und der unbe­grenzten Souveränität der Staaten verschanzen und wieder in den kurzsichtigen Eifer zurückfallen, der damit Hand in Hand ging.

Gedenken wir der Opfer, die gebracht werden mußten, gedenken wir ihrer treu und innig, auch wenn uns beim Gedanken an ihre Zahl und Größe schwindelt, auch wenn unser Herz sich schon zusammen­krampft bei dem Opfergang eines einzigen Jungen, Mannes, Helden, den wir gekannt haben, an dessen Gesicht wir uns erinnern.

Wißt ihr wohl, ja wirklich, wissen wir – mit unserm Herzen und nicht nur mit einer kühlen Einsicht –, wer die waren, die für uns gefallen sind? El Alamein war unsere Sache, die Invasion war unsere Sache, dort und anderswo begann auch unser Leben wieder zu tagen …, da ging es auch um uns, um die Kirche, um die Universität, um das gei­stige Leben in unserem Land, um das menschliche Leben, ja darum, daß das Menschenleben auf dieser Erde wieder menschlich gelebt werden könne und dürfe. So sehr hängen diese Dinge zusammen, daß das bitterste Paradox uns keinen Augenblick davon abhalten darf, die Dankbarkeit gegen unsere Beschützer, die uns mit ihrem Leibe gedeckt haben, in unserem Herzen aufwachsen zu lassen.

Wollen wir nun wirklich wieder zurücksinken in jenes verwöhnte, durch und durch morsche Leben von dann und dann?

Es wird kein Segen auf diesem Frieden ruhen, wenn wir unsere kleine bürgerliche Bequemlichkeit nicht zu überwinden wissen und nicht ler­nen, von Grund auf Gerechtigkeit zu verstehen und zu praktizieren.

Es wird kein Segen auf diesem Frieden ruhen, wenn wir, die wir einen solchen Anschauungsunterricht über den Geist des Antichrist empfangen haben, uns nicht zu dem Messias-Fürsten hinwenden.

Wehe uns, wenn wir nicht bekennen und sagen:

Amen, Jesu, ja, gewiß,
du beschämst in aller Welt
noch das Reich der Finsternis,
bis es ganz zusammenfällt!

Furchtbare Katastrophen stehen uns noch bevor, wenn wir uns nicht fähig zeigen, die Masse wieder zur Menge zu machen und die Menge zum Volk, indem wir darin Gemeinden bauen als Zellen des Lebens, Kerne der Kraft, vor allem aber wenn wir nicht die Wiederherstellung und Erneuerung des Rechtsstaates in Angriff nehmen.

Aber nun haben wir diesen Tag, als ein Zeichen und Unterpfand. Um uns singt der Wind, der Atem, der Geist der Freiheit …, und darum: jetzt keine Vorwürfe mehr und kein Reden von Schuld! Dieser Tag, die ungeheure Strahlung dieses Tages ist uns geschenkt. Ein Morgen, ein Frühlingsmorgen, ein offener Weg, ein neues Gebiet!

Für uns, für uns, für dich und mich, für Kirche und Staat, für Volk und Familie, für uns, für dich und mich!

»Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken .. ., des Morgens deine Gnade verkündigen …«, nachdem wir so oft geseufzt haben: »Den Morgen, ach, wann? …«

Vielleicht werden wir noch lange Zeit das Gefühl haben, auf einem großen kahlen Bahnhof angekommen zu sein, der ausgestorben ist und zugleich unwirklich vor lauter Gedränge; aber werden wir nicht auch da die milden Winde um uns herströmen fühlen, und hören wir nicht die außer sich geratenen Lerchen mitten im Herzen der desola­ten Stadt?

Jetzt, jetzt ist hier der Morgen eines neuen Tages angebrochen, hin­durchgebrochen zu einem wohltätigen Bruch in unserm Leben, im Le­ben unseres Volkes, im Leben von Oranien, im Leben der Welt, im Leben von Gottes Kirche in diesem Lande und überall. Diese, ja diese Morgenstunde hat Gold im Munde, so daß wir freimütig singen kön­nen mit dem alten Valeriuslied, jenem Lied aus dem Freiheitskampf vor 370 Jahren, das zum Kirchenlied erhoben und geweiht ist:

Kommt mit Gesang von süßen Weisen,
mit Saitenspiel eilt froh herbei!
Mit großem Schall kommt zu erweisen,
daß euer Herze fröhlich sei.
Jauchzt Gott zur Ehr,
sein Lob vermehr, der Taten großer Macht
für seine Kirch vollbracht!

Einst hat der Herr schon seinem Volke
geholfen aus viel Angst und Pein.
Wohl schickt er uns ein’ dunkle Wolke,
doch wieder dann schön’ Sonnenschein.
Lob sei dem Herrn,
der uns so gern nach Schmerzen langer Zeit
gibt Segen, Glück und Freud.

Wir danken dir, Herr, daß wir hier haben sein dürfen. So einfach aus unserem täglichen Leben, so einfach von der Straße …, nicht gerade gut vorbereitet, um deine unerhörten Verheißungen zu hören. Gott aller Zeiten, du, der du unsere Zuflucht bist, laß uns den Mut haben zu glauben, was du uns diesen Morgen verkündigt hast, und es auch auf andere anwenden, die sich wirklich als deine Feinde erweisen sollten. Laß uns den Mut haben, auch uns selbst unter das Gericht dessen zu stellen, was in diesem Gottesdienst geschehen ist…, denn das Wort ist ein Geschehen, das Wort ist noch immer ein Urteil ge­wesen und eine Befreiung, ein Freispruch. Darin gibst du uns die rechte Freude von Geist und Fleisch, Verstand und Herz, einem jeden für sich und uns zusammen in unsern Häusern, und allen mitein­ander.

Herr, bewahre uns vor Überfluß und Ausschweifungen, hilf uns in neuer Zucht und neuem Gehorsam zu leben, daß wir daran gedenken, was für eine Gnade uns zuteilgeworden ist, auf daß wir uns der Be­freiung einigermaßen würdig erweisen.

Vater, es ist, als lebten wir diese letzten Tage von der Luft, vom freien Atmen, aber die Not ist groß in unserer Stadt, unnennbar groß, und wer weiß, wie schwere Tage wir in unseren Familien noch erleben werden. O, Hunger ist ein scharfes Schwert! Lehre uns aufs neue sprechen von deiner Treue des Nachts.

Herr, du bist gut und tust wohl, und dein Evangelium ist eine Bot­schaft, die auch in das soziale Leben eingeht und Jesus Christus als Richter der ganzen Erde verkündigt. Mach uns treu, o treuer Gott, mach uns einfältig, mach uns munter und heiter im Geist, gib uns Herzlichkeit, verbinde uns miteinander zum rechten Dienst. Wir bit­ten es dich im Namen unseres Herrn Jesus Christus, des Königs der Könige und Herrn der Herren.

Ehre sei dir, Vater, Sohn und Heiliger Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gehalten am 9. 5.1945 in der Nieuwe Kerk zu Amsterdam im Dankgot­tesdienst anläßlich der Befreiung Hollands. Als Einzeldruck veröffentlicht unter dem Titel: Gods vijanden vergaan, Uitgeverij W. ten Have N. V., Amsterdam 1945.

Quelle: Kornelis Heiko Miskotte, Predigten aus vier Jahrzehnten, ausgewählt, übersetzt und herausgegeben von Hinrich Stoevesandt, München: Chr. Kaiser, 1969, S. 69-95.

Hier die Predigt als pdf.

In seinem Artikel „Gottes Feinde kommen um“ nimmt Georg Plasger Miskottes Predigt neu in den Blick.

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