Martin Luther, Ein kurzer Trostzettel für die Christen, dass sie sich im Gebet nicht beirren lassen (1540): „Christen wissen, dass rechtes Beten das höchste, schwerste Werk auf Erden, höchster Gottes­dienst und Übung des Glaubens ist. Darum ist rechtem Gebet keine Zeit, Ort, Regel noch Vorschrift festzusetzen.“

Ein kurzer Trostzettel für die Christen, daß sie sich im Gebet nicht beirren lassen (1540)

Von Martin Luther

Ein kurzer Trostzettel D. Martin Luthers, für alle treuen Seelenhirten, Prediger usw. und ande­re Christen, welche gern ernstlich und von Herzen für die wahre Kirche, für die Regimente usw. beten wollten, in Gefahr und Sorgen dieser letzten gefährlichen Zeit, und es fällt ihnen ein: Was soll ich beten? Ich bin nicht wert, daß mich Gott erhört. Denn solche Hinderung und solch schwerer Stein muß uns vor allen Dingen und zum ersten aus dem Weg gewälzt sein, wie gottesfürchtige und erfahrene Herzen wissen.

Christen wissen, daß rechtes Beten das höchste, schwerste Werk auf Erden, höchster Gottes­dienst und Übung des Glaubens ist. Darum ist rechtem Gebet keine Zeit, Ort, Regel noch Vorschrift festzusetzen. Aber nichtsdestoweniger ist dies ein nützlicher Trost, sowohl für die starken wie die schwachen Christen, wenn das Fleisch schwach ist, der Teufel nicht feiert noch schläft, mit höchster List und aller Macht rechtes Gebet zu verhindern. Sei gewarnt, sei gewarnt, sage ich, laß dich nicht leicht vom Gebet abhalten, wenn es dir einfällt: Ich bin nicht wert oder würdig, daß mich Gott, die hohe unendliche Majestät, erhört. Sage oder denke bei dir so:

1. Ich bin würdig gewesen, daß mich Gott mein Schöpfer aus nichts geschaffen hat, im Mutterleib gebildet usw.

2. Ich bin würdig gewesen, daß mich Gott durch seines eingeborenen Sohnes Tod und heilig Blut erlöst hat.

3. Ich bin würdig geachtet, daß der Heilige Geist mich über Christus, Gottes Sohn, lehrt, mir Lust und Liebe zum Evangelium in mein Herz gegeben hat.

4. Ich bin würdig geachtet von Gott, daß mir das heilige Predigtamt anbefohlen worden ist. Ebenso, daß Gott mir das heilige Evangelium, sein hohes himmlisches Geheimnis und seine Weisheit, predigen und offenbaren läßt.

5. Ich bin würdig geachtet, daß ich um Gottes willen so viel trüge und litte.

6. Ich bin würdig geachtet, daß ich durch göttlichen starken Beistand in so viel Anfechtung, Gefahr und Widerstand erhalten würde, wider Satan und die Welt.

7. Ich bin würdig geachtet, daß mir Gott gebot, dies alles zu glauben.

8. Ich bin würdig geachtet, daß mir Gott bei ewiger Ungnade teuer geboten hat, an dieser Stü­cke keinem und an seiner Gnade und süßem Vaterherzen durch Christus nicht zu zweifeln.

Darum will ich Herr, deiner Werke gedenken und betrachten die Geschäfte deiner Hände.

Wirf dein Anliegen auf den Herrn, und der wird dich versorgen.

Psalm 31, 25: »Seid getrost und unverzagt alle, die ihr des Herrn harret!«

[WA 51, 455-456]

Hier der Text als pdf.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s