Heino Falcke, Die Erwartung des Reiches Gottes und unsere Verantwortung in der Welt von 1985: „Nur, wenn das Evangelium uns in der Bekehrung ergriffen hat und wir die Erfüllung unseres Lebens anfangsweise erfah­ren, werden wir frei, im Frieden mit anderen zu leben, Gerechtigkeit zu praktizieren und die Natur zu schonen.“

Die Erwartung des Reiches Gottes und unsere Verantwortung in der Welt

Von Heino Falcke

Unser Thema: „Die Erwartung des Reiches Gottes“ hat mit der Zukunft zu tun. Das Zukunfts­problem unserer Welt heißt: der Zukunft die Zukunft bewahren! Nicht welche Zukunft wir haben, sondern ob wir Zukunft haben, steht heute auf dem Spiel. Die Zukunftsfrage ist eine Frage von Sein oder Nicht-Sein geworden. Wenn wir nach der Verantwortung in unserer Welt fragen, dann können wir das gar nicht tun, ohne die Weltverantwortung zugleich als Zukunftsverantwortung ins Auge zu fassen. Der Zukunft die Zukunft bewahren, das ist das Nötige von heute. Zukunft als das Nötige von Heute, das sind also nicht Spekulationen über mögliche Gesellschaftsentwürfe für übermorgen oder futurologische Hochrechnungen auf die technischen Möglichkeiten künftiger Generationen oder Träume von fernen Utopien. Zu­kunft, das ist die elementare Frage, ob unsere Welt von ihrem Heute in ihr Morgen kommt, oder noch genauer gesagt, wie wir unsere Welt aus ihrem Heute in ihr Morgen bringen. Denn Hoffen und Handeln gehören in unserer Welt untrennbar eng zusammen. Eschatologie und Ethik sind ein Kapitel geworden. Wenn die Verantwortung für die Welt Zukunftsverantwor­tung ist, läßt sich Eschatologie und Ethik gar nicht mehr trennen – sicher unterscheiden, aber nicht trennen. Und weil Hoffen und Handeln für unsere in ihrer Zukunft so bedrohte Welt unmittelbar zusammengehören, ist der Ort der Zukunftsfrage ein profaner Arbeitsort. Am profanen Arbeitsort im Alltag der Welt stellt sich heute die Frage der Eschatologie. Und an profanen Arbeitsorten hat Jesus von der Hoffnung gesprochen. Apokalyptisches Geheim­wissen von kleinen Konventikeln, das mag im exklusiven Kreis besprochen werden, aber relevant für die Welt ist die Frage: Kann die Hoffnung der Christen der Welt helfen, aus ihrem Heute in ihr Morgen zu kommen? Die vielleicht bedrängendste Frage an uns liegt darin: Hat die Zukunft, hat die Hoffnung noch eine Sprache? Haben wir die Stimme für die Hoffnung? Oder haben wir die Stimme dafür verloren, die Stimme Jesu, der am Arbeitsort der Welt Hoffnung verkündete in Vollmacht, so daß Menschen sich darunter verwandelt haben? Diese Stimme Jesu wieder zu hören und bezeugen zu können, das ist doch unser eigentliches Thema. Damit bin ich bei der ersten These:

1. Das Kommen des Reiches Gottes ist nicht eine letzte Frage, die es mit dem Möglichen von übermorgen zu tun hat, sondern das Woher und Woraufhin unserer Umkehr oder Bekehrung.

Ich setze ganz bewußt mit der Bekehrung ein, nicht um ihnen nach dem Munde zu reden. Die Frage nach der Bekehrung stellt sich nicht nur aus der pietistischen Tradition, sondern aus der Weltsituation. Die Frage, wie die Welt von ihrem Heute in ihr Morgen kommt, ist ohne Bekehrung nicht lösbar. Es ist eine Frage der Veränderung, nicht nur von Strukturen. Nach dem zweiten Weltkrieg haben wir in der Kirche mühsam gelernt, daß wir nicht nur von Per­sonen, sondern auch von Strukturen zu reden haben, nicht nur vom Verhalten von Individuen, sondern auch von den Verhältnissen. Heute müssen wir beinahe die andere Lektion wieder lernen: Die Änderung von Strukturen ist heute in einer Radikalität nötig, daß es ohne Ände­rung von Menschen gar nicht geht. Die Veränderungen, die heute anstehen, sind so radikal, daß sie im Herzen des Menschen stattfinden müssen. Die Frage nach einem neuen Lebensstil ist ja keine Stilfrage, sondern eine Frage der Veränderung des Menschen. Ich finde den Be­griff Lebensstil sehr unglücklich. Es geht doch nicht darum, daß man ein paar Arran­gements in seinem Leben abändert, sondern darum, daß man die Grundorientierung seines Lebens, die Wertorientierung, verändert. Wenn wir die Welt vom Heute ins Morgen bringen wollen, dann ist das ohne Bekehrung – also ohne radikale Lebensänderung – nicht möglich. So stellt sich die Frage von der Welt her: Wie wird radikale Lebensänderung möglich? Die christliche Antwort liegt im biblischen Wort der Umkehr oder Bekehrung. Nun stehen im NT Bekehrung und Reich Gottes in einem elementaren Zusammenhang: „Kehrt um, denn die Gottesherr­schaft ist nahe herbeigekommen!“ Das ist uns so vertraut, daß wir dieses Wort beinahe wieder etwas von uns wegrücken müssen, um zu begreifen, wie ungewöhnlich das ist, daß das Letzte, das Kommen des Reiches Gottes, in Verbindung gebracht wird mit dem Anfäng­lichsten des christlichen Glaubens, mit dem Elementarsten, mit der Hinwendung zu Gott. Die Botschaft vom Reich Gottes gehört in die Anfangsgründe des Evangeliums, in die Anfangs­gründe des Glaubens, der Unterweisung. So ist das auch in der alten Christenheit gewesen. Was Bekehrung ist, bestimmt sich von daher, was das Reich Gottes ist. Die Bekeh­rung, zu der Johannes der Täufer rief, war eine andere als die, zu der Jesus rief, obwohl beide sagten, kehrt um. Für Johannes stand die Bekehrung im Zeichen des drohenden Gerichts, der dro­henden Katastrophe. In säkularer Form wird heute Lebensänderung geradezu erpreßt, indem man sagt, es ist die letzte Stunde, die Katastrophe ist nahe herbeigekommen. Wenn ihr heute euch nicht ändert, dann werdet ihr morgen untergehen. Jesus aber sagt: „Die Gotte­sherrschaft ist nahe herbeigekommen!“ Die Nähe des Vaters sagt er an, der uns gnädig nahe­kommt, unser Nächster wird und uns eine neue Möglichkeit der Lebenserfüllung anbietet. Der Bekehrungs­ruf Jesu ist ein Lockruf in eine neue Möglichkeit des Daseins. Was Bekeh­rung ist, entscheidet sich vom Reich Gottes her.

2. Wir nehmen damit jetzt gleich die zweite These zusammen: Das Kommen des Reiches Gottes ist sein Kommen zur Welt. Darum führt uns die Bekehrung in die Verantwortung für die Welt und weist uns ein in die Treue zur Erde.

Reich Gottes ist ein politischer Begriff. Es geht hier wirklich um ein Reich. Die Gottes­herrschaft wird hier in der Analogie, im Gleichnis, politischer Herrschaft beschrieben und angesagt. Die Botschaft vom Reich bezieht sich darum auch auf die Reiche dieser Erde, und immer da, wo die Christenheit unpolitisch geworden ist, hat sie auch die Botschaft vom Reich nicht mehr richtig artikuliert. Die Botschaft Jesu war nämlich nicht unpolitisch. Das Kommen des Reiches bezieht sich auf die Welt und ist verbunden mit der neuen Schöpfung. Darum ist Bekehrung und Verantwortung für die Welt eine große Einheit und Ganzheit, die wir viel­leicht wieder gewinnen müssen. Eines der wichtigsten Bücher in den letzten zwei Jahren, das ich gelesen habe, ist das von Jim Wallis „Bekehrung zum Leben“. Ich stelle fest, daß es hier kaum bekannt ist. Jim Wallis ist der geistliche Leiter der Sojourner, der Pilger. Das ist eine Kommunität, die in Chicago lebt. Ich möchte jetzt einfach ein ziemlich langes Zitat von Jim Wallis bringen, weil ich das für unsere Frage sehr wichtig finde.

„Ziel dieses Buches ist es, die Bedeutung der Bekehrung in unserer jetzigen geschicht­lichen Lage zu klären. Ein Großteil der Literatur über Bekehrung hat einen psycholo­gischen Ansatz und setzt sich z.B. mit der Beziehung religiöser Erfahrungen zu den Humanwissenschaften auseinander. Andere Studien versuchen, verschiedene Aspekte der Bekehrung systematisch herauszuarbeiten. Unser Ansatz besteht darin, nach der biblischen Bedeutung der Bekehrung zu fragen, um sie dann auf unsere konkrete geschichtliche Situation anzuwenden. Unsere Frage heißt: Was bedeutet Bekehrung heute? Mein eigenes Verständnis von geschichtlicher Bekehrung hat sich in jahrelan­ger Suche entwickelt. Bekehrung war ein Schlüsselwort meiner evangelikalen Erzie­hung. Wie viele Kinder aus evangelikalen Familien habe ich mich schon in jungen Jahren für Christus entschieden. Diese Bekehrung hatte jedoch kaum eine Beziehung zur konkreten geschichtlichen Wirklichkeit. Sie blieb privat und abstrakt und konzen­trierte sich hauptsächlich auf einige individuelle Gewohnheiten. Meine Bekehrung wurde erst konkreter, als ich ein paar Jahre später als Jugendlicher in meiner Heimat­stadt Detroit mit den brutalen Fragen des Rassismus konfrontiert wurde. Ich halte diese Konfrontation heute für den Anfang meiner tieferen Bekehrung. Das wußte ich damals allerdings noch nicht, denn mir war beigebracht worden, Bekehrung in heller­leuchteten Kirchen, nicht aber auf düsteren Ghettostraßen zu erwarten. Je mehr ich von meinen schwarzen Freunden und Mitarbeitern der Innenstadt von Detroit lernte, desto enttäuschter, erzürnter, verletzter und betrogener fühlte ich mich von meiner Kirche. Ich trennte mich von ihr und kam während dieser Entwicklung so weit, daß ich meinte, den Glauben verloren zu haben. Ich fand mein neues Zuhause in den Bürgerrechts- und Antikriegsbewegungen der späten 60er Jahre. Meine Kirche hatte mich überzeugt, daß Religion keine Beziehung zur geschichtlichen Wirklichkeit hat. Rassismus war für sie kein religiöses Problem zerbrochener Gemeinschaft, sondern nur ein soziales Problem, das mit der Kirche nichts zu tun hatte. Dasselbe sagte die Kirche über den Vietnamkrieg. Das sei nur eine politische, nicht aber eine geistliche Frage. Im Rückblick sehe ich, daß die Konfrontation mit Rassismus und Krieg die entscheidenden Schritte zur Vertiefung und Konkretisierung meiner Bekehrung auslöste. Ich wurde geradezu gezwungen, mich für einen geschichtlichen Glauben zu entscheiden und die Trennung zwischen Glauben und wirklicher Welt in mir zu überwinden. Ich war damals zu jung, um zu verstehen, daß meine Kirche Opfer einer verhängnisvollen Spaltung war, die den Glauben zerstückelte. Ich konnte noch nicht erkennen, wie sehr die Christen in Angst, falscher Sicherheit und geistlicher Lähmung gefangen waren. Ich sah nur, daß die Christen alles das, was um sie herum vorging, offenbar nicht kümmerte. Nach dem landesweiten Studentenstreik von 1970 wurde vielen von uns klar, daß die studentische Antikriegsbewegung innerlich zerfiel. Noch vor kurzem hatten wir es geschafft, Zehntausende auf die Straße zu bringen, jetzt schrumpften wir auf einen kleinen Kreis der Getreuen zusammen. Es war eine schwie­rige Zeit der Suche nach neuen Orientierungen. Wir mußten uns entscheiden, wie wir weiterleben wollten. Einige wenige redeten von Revolution. Aber das war kurzlebig. Viele kehrten langsam, aber sicher in den Schoß der Gesellschaft zurück. Die Beloh­nungen und Bestrafungen des Systems waren einfach zu stark. Mich selbst führte ein tieferes Fragen zurück zum Neuen Testament. Während meiner ganzen Studenten­jahre war ich von Jesus nie ganz losgekommen. Nun aber begegnete ich ihm wie nie zuvor. Ich las die Bergpredigt und begriff dabei, daß Jesus über eine völlig neue Ord­nung redete. Er rief mich zurück, oder vielleicht rief er mich überhaupt zum ersten Mal wirklich. Ich fand in Matthäus 25 einen König, der in den Armen und Besitzlosen zu finden war, und ich wußte, ich wollte ihm nachfolgen. Meine tiefere Bekehrung ereignete sich mitten in all diesen politischen Fragen. Ich war zu meinen geistlichen Wurzeln zurückgekehrt, brachte aber meine alte Tradition mit den neuen Fragen in Verbindung. Seither bin ich mehr und mehr davon überzeugt, daß das rechte Ver­ständnis von Bekehrung tatsächlich die entscheidende Frage für die heutigen Kirchen ist. Bekehrung, bislang unabhängig und außerhalb von der Geschichte verstanden. muß neu und in direkter Beziehung zu unserer Geschichte begriffen werden.“ Noch ein Zitat: „Neutestamentliche Bekehrung kann nur aus der Perspektive des Reiches Gottes verstanden werden. Die Rettung einzelner und das Kommen des Reiches Got­tes sind in der Predigt Jesu und seiner Apostel untrennbar miteinander verbunden“ (Jim Wallis, Bekehrung zum Leben, S. 16-18; 29-30).

Ich denke, Sie verstehen, warum ich so lang zitiert habe. Die These 2 sagt am Schluß, daß uns die Erwartung des Reiches Gottes einweist in die Treue zur Erde. Die Grundbewegung des Reiches Gottes ist ja die Bewegung aus der Zukunft Gottes her zur Welt hin oder in dem frag­würdigen Begriffspaar ausgesagt: vom Jenseits zum Diesseits oder von der Transzendenz zur Immanenz. Diese Grundbewegung des Reiches Gottes ist weithin in Vergessenheit geraten in der Christenheit, schon in der christlichen Gnosis, für die die entscheidende Frage die Him­melsreise der Seele war. Oder in der Individualisierung der christlichen Eschatologie, die sich in der Bitte bündelt: „Lieber Gott, mach mich fromm, daß ich in den Himmel komm.“ Das Heil wurde zum Heil der Seele und von der Welt abgetrennt. Heute droht eine solche Span­nung erneut, und zwar durch den enormen Problemdruck der heutigen Welt. Die Weltkrisen lassen sich ja sehr schnell als Vorzeichen des Weltuntergangs verstehen. Und die Reichsgot­teshoffnung wird dann so etwas wie der Schleudersitz, mit dem wir uns aus dieser unterge­henden Welt herauskatapultieren, um sie dem Untergang zu überlassen. Die Hoffnung auf das Reich Gottes wird zum Rettungsboot auf der untergehenden Titanic. Es gibt einen evangeli­stischen Mißbrauch der heutigen Weltprobleme, wo die Ökologie und die Friedensfrage in der Einleitung erscheint, um deutlich zu machen, daß wir doch noch eine andere Hoffnung brauchen, als sie diese Welt geben kann. Statt dessen sollten die Probleme des Friedens und der Ökologie im dritten Teil der Predigt erscheinen, wo es um die Konkretion der Hoffnung geht. Die Weltprobleme sind nicht die Startrampe für unsere Hoffnung auf das Reich Gottes, sondern das Praxisfeld, der Arbeitsort, wo wir mit unserer Hoffnung landen sollen. Das meint Treue zur Erde! Es gibt wache Beobachter der christlichen Kirche, die sagen, die Kirche unterstreicht ja die Probleme des Friedens und der Ökologie nur darum, um daraus Kapital zu schlagen für ihre Mitgliederwerbung.

Aber was heißt Treue zur Erde? Als wäre deutlich, was das heißt, und als wäre das so ein­fach! Manche behaupten, der Erde treu zu sein, aber sie können dieser miesen Erde nur treu sein, indem sie sich über ihre Abgründe und Gefahren hinwegtrösten mit Utopien von morgen und übermorgen. Manche behaupten, der Erde treu zu sein als Realisten und sehen alle Schwachen und Probleme dieser Welt, aber eben damit rechtfertigen sie, daß man ja nichts machen kann. Sie sehen alles ganz deutlich und beschreiben die Misere, aber sie werden dann zynisch und sagen: Ja, so ist das eben, und wir müssen sehen, wie wir damit klarkommen. Und sie ziehen sich dann in irgendein Privatleben zurück. Die Treue zur Erde bedarf also gerade der Erwartung des Reiches Gottes, das zu dieser Welt kommt und damit Treue zu dieser Erde ermöglicht.

3. Das kommende Reich Gottes bringt das Ende der Welt und die Vollendung der Schöpfung. Darum nimmt der christliche Glaube die Welt kritisch und hoffend wahr.

Das Reich Gottes bringt das Ende der Welt. Wir können ja die negative Apokalyptik im AT und NT nicht verdrängen: Die Elemente werden vor Hitze zerschmelzen, die Erde geht unter. Wir leben in der Endzeit. Löst uns diese negative Apokalyptik des Weltuntergangs nicht aber doch von der Welt, statt uns an diese Welt zu weisen? Der neutestamentliche Begriff der Endzeit hat für uns ja einen ganz neuen Sinn bekommen. Wir leben in einer Endzeit, weil das Ende in all unserem Handeln eine ständige Möglichkeit geworden ist. Seit Hiroshima ist das Ende der Geschichte in den Aktionsradius des Menschen gerückt. Wir können das Ende der belebten Erde herbeiführen im Zeitraffer durch eine atomare Katastrophe oder in Zeitlupe durch die ökologische schleichende Krise. Auf jeden Fall werden wir den Endcharakter dieser Zeit nicht mehr los. Selbst wenn es uns gelänge, eine totale Abrüstung zu erreichen und alle Atombomben der Welt zu verschrotten. Die Übermacht der Technik über die Natur ist jedoch nicht rückgängig zu machen, so daß also das Überleben der Natur auch eine bleibende Verantwortung des Menschen ist. Eine Rückkehr in die apokalyptische Naivität vor Hiroshi­ma gibt es nicht mehr. Von nun an wird die Geschichte den Charakter des Enden in sich tragen als eines Endes, das der Mensch herbeiführen kann. Das ist gegenüber der biblischen Tradition eine völlig neue Fragestellung. Es war damals keine reale Möglichkeit, die irgend­wie im Horizont des Denkens lag, daß der Mensch eine solche Macht gewinnen konnte, um die Geschichte zu beenden. Weil wir hier eine neue Fragestellung haben, auf die wir keine direkte Antwort aus der Bibel bekommen, müssen wir eine kritische Unterscheidung voll­ziehen, die in biblischer Zeit noch nicht nötig war. Wir müssen unterscheiden das Ende der Geschichte, das Gott der Welt bereitet, und das Ende, das der Mensch der Geschichte bereitet. Es ist eine höchst dringliche Aufgabe, diese Unterscheidung zu vollziehen, weil gegenwärtig die Versuchung besteht, das Ende, das der Mensch der Geschichte bereitet oder zu bereiten sich anschickt, mit Gottes Beendung der Geschichte zu identifizieren oder womöglich sogar das Ende, das der Mensch der Geschichte bereiten könnte, zu rechtfertigen mit dem Ende, das Gott der Geschichte bereitet. Es gibt für diese Unterscheidung eine biblische Leitlinie. Die Bibel rechnet zwar noch nicht mit der Möglichkeit, daß der Mensch der Geschichte, der Welt ein Ende bereitet, aber sie rechnet sehr wohl mit dem Tod, der der Sünde Sold ist, also mit dem Tod, den sich der Mensch in der Abkehr von Gott selber bereitet, und dieser Tod strahlt ja negativ aus. Die Bibel zeigt uns. daß der Mensch schon längst dabei ist, sich selbst das Ende zu bereiten, nämlich durch die Sünde, deren Sold der Tod ist und die den Tod in sich tragt, Römer 6, 23. Sünde ist die Zerstörung der Beziehung zu Gott, zu den Mitmenschen und zu den Mitgeschöpfen. Sünde ist der menschliche Drang in die Verhältnislosigkeit (Eberhard Jüngel). Er löst sein Verhältnis zu Gott auf und damit auch das zum Menschen und zu den Mitgeschöpfen. Dieser Drang in die Verhältnislosigkeit ist der Trend zum Tod. Von dieser Welt sagt das NT, daß sie in ihrer Lust und an ihrer Lust, also ihrem Drang in die Verhältnis­losigkeit, zugrunde geht. Das Verhaltensschema der Welt vergeht (Paulus: schema tou kos­mou toutou = das Schema dieser Welt, Römer 12, 2). Und in der Didache gibt es sogar den Gebetsruf: Es komme die Gnade, und es vergehe diese Welt! in der Abendmahlsliturgie. Welt, das ist Schöpfung in der Verkehrung durch die Sünde, Schöpfung in der Abkehr von Gott, die durch diese Abkehr unter die Sünde als eine Macht gerät. Von der Sünde als Macht kann sogar Personifizierend als vom „Gott dieser Welt“ vom Teufel, gesprochen werden. Was es bedeutet, wenn die Welt diesen Weg der Selbstzerstörung bis zum Ende geht, zeigen uns die Evangelien an einem schauerlichen Beispiel, an Judas: Der Mensch in der Selbstzer­störung. Der Mensch von sich aus kann sich und seiner Welt nur so ein Ende setzen, daß er sich der destruktiven Macht der Sünde überläßt und ihre Folgen trägt. Paulus zeigt noch einen anderen Versuch des Menschen, dieser sündigen Welt ein Ende zu bereiten, den Weg des Gesetzes. Durch die eigene moralische Anstrengung mit Hilfe des Gesetzes will der Mensch der Sünde ein Ende machen. Paulus zeigt aber, daß dieser Weg gerade nicht aus der Sünde herausführt, sondern nur noch tiefer in die Sünde hinein. Diesen Weg der Sünde bis zu ihrem bitteren destruktiven Ende soll der Mensch gerade nicht gehen, sagt Paulus. Und wir haben gerade diesen Weg heute vor uns, denn die Welt ist ja dabei, sich selber zu zerstören, indem sie ihr Leben ständig steigert durch das Gesetz der Leistung, der Sicherheit, der Selbstsiche­rung, der Optimierung des ganzen Lebens durch ökonomische Entwicklungen; also auf die­sem Weg des Gesetzes, wo man lauter gute Dinge will, auf diesem Weg zerstört die Welt sich selbst. Paulus sagt ganz eindeutig, diesen Weg dürfen wir nicht gehen.

Von diesem Weg ruft Gott uns weg. Der Mensch wird von diesem Weg der Selbstzerstörung weggerufen in einen Anfang, der nun der Sünde und der sündigen Welt ein gnädiges Ende bereitet. Es ist ein „Wunderanfang“ der ein „herrlich Ende“ für die Welt bedeutet. Dieses Ende, das aus der Gnade kommt, um deren Kommen die Didache betet, dieses Ende, das Gott der Welt bereitet, steht in einem himmelweiten Unterschied zu jenem destruktiven Ende, das der Mensch sich selber zu bereiten anschickt. Das Ende, das Gott dem alten Adam, der alten Welt bereitet, geschieht am Kreuz Jesu. Da hat Gott in seinem Sohn dieses Ende auf sich genommen, und in der Auferweckung Jesu wurde offenbar, daß dieses Ende am Kreuz die Kehrseite des Anfangs ist, des schlechthin neuen Lebensanfangs, der Vollendung des Lebens. Das ist kein destruktives, sondern sozusagen ein kreatives Ende, ein neuschaffendes Beenden der Welt. An diesem Ende haben wir Teil in der Taufe. Von diesem Tod spricht Paulus am Anfang des 6. Kapitels im Römerbrief, und der Tauftod ist genau das Gegenteil von dem Sündentod, von dem Römer 6 am Ende die Rede ist. Die Taufe ist das Ende, das Gott unse­rem altem Adam bereitet, damit der neue Mensch leben kann. Das Alte muß abtreten, weil das Neue kommen will. Der Tauftod ist also etwas völlig anderes als der Selbstmord des Sünders. Und so ist das gnädige Ende, das Gott der Welt bereitet, etwas völlig anderes als der kollektive atomare Selbstmord der Menschheit. Nur der Schöpfer und Neuschöpfer der Welt hat das Recht, der Welt ihr Ende zu setzen, weil nur er ihr das kreative und nicht destruktive Ende setzen kann. Wir müssen also die Frage des Weltendes im Licht des biblischen Zeugnis­ses von Kreuz und Auferstehung und von der Wiedergeburt, von der Taufe, bedenken. Dann ist völlig klar, daß wir nicht die Selbstzerstörung des Sünders zum Medium der neuschaffen­den Gnade Gottes erklären können. Wir können also nicht sagen: Laßt doch der atomaren und ökologischen Selbstzerstörung der Welt ihren Lauf. Durch dieses Ende hindurch will ja das Reich Gottes kommen. Ich behaupte, das ist eine unbiblische Redeweise. Zu dieser Rede­weise hat Paulus das Nötige gesagt im Übergang von Römer 5 zu Römer 6. Da hat er nämlich exakt mit dieser These zu tun, die behauptet: Laßt doch die Sünde immer mächtiger werden, laßt doch der Sünde ihren Lauf, damit die Gnade immer mächtiger wird. Sollen wir denn in der Sünde beharren, auf daß die Sünde desto mächtiger werde? Das sei ferne!

Das Reich Gottes bringt die Vollendung der Schöpfung. Das ist die zweite Hälfte des ersten Satzes der dritten These: Das kommende Reich Gottes bringt das Ende der Welt und die Vollendung der Schöpfung. Welt und Mensch haben nie aufgehört, als Sünder Geschöpfe zu sein. Wiedergeburt und Heiligung sind Erneuerung zur Geschöpflichkeit. Darum ist das Ende der Welt nicht totaler Abbruch, sondern Vollendung der Schöpfung. Vollendung meint Befreiung der Schöpfung von ihrer Entstellung durch die Sünde, von ihrer Verkehrung und ihrem Leiden; aber nicht nur Wiederherstellung, sondern überbietende Vollendung ist die neue Schöpfung. Es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden, sagt der erste Johannes­brief. Vollendung bedeutet, daß diese Vollendung Ansätze, Vorweggaben, Vorwegnahmen schon mitten in der Geschichte hat. Die Gottesherrschaft hat vorweggebene Gleichnisse in der Geschichte. Jesus erzählt Gleichnisse der Gottesherrschaft. Und diese Gleichnisse der Gottesherrschaft, die er im Alltag der Welt erzählt und in diesen Alltag hineinzeichnet, kom­mentieren sein eigenes Handeln. In seinem Handeln schafft er mitten in der Welt Entspre­chungen zur Gottesherrschaft. Er nimmt die Sünder an. Er heilt die Kranken. Er vereinigt und versöhnt die Getrennten. Wir beten im Vaterunser, daß Gottes Wille geschehe wie im Him­mel so auf Erden. Wir beten um das Geschehen und das Gelingen von Reichs­gottes­gleich­nissen an den Arbeitsorten unserer Erde. Der erhöhte Christus sendet seinen Geist, der im NT als Anzahlung, als Vorweggabe der Gottesherrschaft verstanden wird. Es gibt also mitten in der Geschichte Kräfte, Geschehnisse, Erfahrungen, Geschichten, die nicht im Ende der Welt untergehen und verlorengehen, sondern vielmehr von der Gottesherrschaft aufgenommen werden, gleichsam als Bausteine des Reiches Gottes. Freilich Bausteine, die dann in ein völlig neues Gefüge eingebaut werden.

Weil wir zwischen Ende und Vollendung zu unterscheiden haben, ist die christliche Wahr­nehmung der Welt eine unterscheidende, eine kritisch unterscheidende Wahrnehmung. Kri­tisch und hoffend nimmt der christliche Glaube die Welt wahr. Der Glaube unterscheidet im Licht der verheißenen Gottesherrschaft, was ihr entspricht und was ihr widerspricht, was jetzt schon dem Ende verfallen ist und was Zukunft hat. Erst von der Gottesherrschaft her werden wir überhaupt fähig, die Wirklichkeit in ihrem wahren Charakter wahrzunehmen und der Erde treu zu sein. Von Wahrnehmung spreche ich hier in dem doppelten Sinne von „Erken­nen“ und „Umgehen mit“. Ich nehme eine Verantwortung wahr, sagen wir ja auch, oder eine Treuhänderschaft. In diesem Doppelsinn ist das gemeint, daß wir die Welt von der Gottes­herrschaft her kritisch und hoffend wahrzunehmen haben. Die Gottesherrschaft bewahrt uns davor, die Welt zu vergötzen oder zu verteufeln. Sie befreit uns dazu, die Schöpfung als Schöpfung wahrzunehmen. Was Wahrnehmung der Wirklichkeit im Licht des Reiches Gottes heißt, das läßt sich auch an unserem Sündenverständnis deutlich machen. Blendet man das Reich Gottes aus, so kann man einem individualistischen und psychologisch verengten Sün­denbegriff verfallen. Sünde besteht dann in Gesinnungen und auch in persönlichen Verirrun­gen. Im Licht des Reiches Gottes erweitert und vertieft sich das Verständnis der Sünde. So wie das Reich Gottes ein politischer Begriff und auf die Welt bezogen ist, so wird jetzt auch die Sünde aufgedeckt als eine Macht und als etwas, was die Strukturen dieser Welt bestimmt und verdirbt. Die Sünde erscheint jetzt in ihrer kollektiven Gestalt, als politische Sünde, als ökonomische Sünde, als strukturelles Element in der Welt. Diese Gestalt der Sünde ist sehr viel schwerer erkennbar als die persönliche Sünde. Bei einem Diebstahl schlägt uns das Gewissen, aber daß an unserem Wohlstand, an unserem Fleischkonsum, an unserem Wirt­schaftswachstum in der Dritten Welt Millionen Menschen verhungern, das läßt uns ruhig schlafen. Die strukturelle Sünde, die Sünde in ihrer politischen, ökonomischen Gestalt, bedarf zu ihrer Enthüllung, ihrer Entlarvung der Botschaft vom Reich Gottes. Eine ganze Reihe der pietistischen Väter, in deren Mittelpunkt die Verkündigung des Reiches Gottes stand, die haben das gewußt: Vater und Sohn Blumhardt, A. H. Francke und die Herrnhuter Väter. Unsere Wahrnehmung der Welt muß sich also von der Gottesherrschaft erleuchten lassen. Unser Gewissen muß in der Erwartung der Gottesherrschaft gebildet werden. Wir leiden an einem individualistisch, am Kirchturmhorizont orientierten Gewissen, das die globalen Zu­sammenhänge der Sünde überhaupt nicht mehr oder noch nicht registriert. Wir haben jeden Tag die Möglichkeit, über das Fernsehen globale Informationen zu bekommen. Aber wir haben das Gewissen noch nicht, das es versteht, Fernsehen zu sehen.

Die Erwartung der Gottesherrschaft ist weit entfernt davon, die Weltverantwortung zu ver­gleichgültigen oder uns von ihr abzulenken. Im Gegenteil, sie führt uns ein in die Weltver­antwortung, indem sie uns lehrt, die Welt kritisch und hoffend wahrzunehmen.

4. Der Gerichtscharakter, den das Kommen der Gottesherrschaft hat, hebt unsere Weltver­antwortung nicht auf. Von der Rechtfertigung durch Christus her verstanden konstituiert vielmehr das Gericht nach den Werken unsere Weltverantwortung und schärft sie ein.

Läßt nicht eigentlich alle Geschichts- und Menschheitserfahrung erwarten, daß das Jüngste Gericht schlechterdings die Liquidierung der Menschheit bringt? Wäre das nicht das logische und konsequente Ende der Menschheitsgeschichte? 1969 schrieb der Philosoph Georg Picht, Max Born zitierend: „Es scheint mir, daß der Versuch der Natur, auf dieser Erde ein denken­des Wesen hervorzubringen, gescheitert ist.“ Dieses Wort von Max Born bezeichnet den Punkt, an dem wir heute stehen, wenn wir nach der Zukunft des Menschen fragen. Wir wis­sen nicht, ob es gelingen wird, den äußeren Bestand des Menschengeschlechts zu sichern. Noch weniger wissen wir, ob es wünschenswert ist, daß eine Gattung von Lebewesen erhalten bleibt, die durch ihr verantwortungsloses Spiel mit den Gesetzen der Natur auf dem ihrer Herrschaft anvertrauten Erdball die furchtbarsten Verwüstungen angerichtet hat und für die übrigen Lebewesen und Pflanzen als das schlechthin satanische Wesen erscheinen muß. Wäre es nicht das Beste für die Schöpfung Gottes, der Mensch träte ab aus der Geschichte der Natur? Muß er vielleicht verschwinden, damit das Leben der anderen Geschöpfe weitergehen kann? Nach der Sintflut sprach Gott: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um des Menschen willen, denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf.“ Wäre nicht heute ein Gericht fällig, in dem es heißen müßte: „Ich will den Men­schen verfluchen um der Erde willen, damit das Leben auf dieser Erde weitergehen kann“? Bedeutet das zu erwartende Gericht nicht dies, daß wir Menschen wegen Unfähigkeit aus der Weltverantwortung entlassen werden? „Weichet alle von mir, ihr Übeltäter!“ Ich kenne nur ein Argument, das diesem berechtigten Zweifel an der Zukunft und am Zukunfts­recht der Menschheit gewachsen ist, nämlich das Argument, daß Gott ausgerechnet Mensch geworden ist, daß er die Sünder angenommen und gerechtfertigt hat, daß er in der Auferwe­ckung des Gekreuzigten der Menschheit Zukunft angesagt, daß er ihr in der Sendung seines Geistes den Weg der Heiligung erschlossen hat. Heiligt den Herrn in euren Herzen. Auf diesem Hinter­grund ist die Aussicht auf das Gericht nach den Werken gerade nicht die Aus­sicht auf eine Entlassung des Menschen aus der Weltverantwortung wegen Unfähigkeit. Es ist nicht die letzte Bestätigung unserer Unfähigkeit, sondern das Jüngste Gericht ist geradezu die Konsti­tuierung und Einschärfung unserer Weltverantwortung. Die Bibel unterscheidet ja das Ende der Welt und das Jüngste Gericht. Ich habe eine ganze Menge einzuwenden gegen eine Fahr­planeschatologie, aber diese Unterscheidung in der biblischen Eschatologie ist entschei­dend und gehört zum Wesen der Sache. Das Ende der Welt ist nicht identisch mit dem Jüng­sten Gericht. Das Gericht vollzieht sich nicht einfach in einer Liquidierung der Menschheit oder in Gestalt von deren Selbstliquidierung. Vielmehr müssen wir mit unseren Werken offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi. Christus nimmt unsere Werke so ernst, daß er sie abschließend mit uns durchsprechen will. Nur in diesem Horizont hat es letztlich Sinn, von Verantwortung zu sprechen. Daß wir immer von Weltverantwortung sprechen, ist ein Relikt aus der biblischen christlichen Überlieferung. Ich meine, ein Relikt in der säkularen Sprache, ein Erbe aus der christlichen Überlieferung, denn Verantwortung gibt es nur da, wo es ein Gegenüber gibt, ein Forum, einen Richter. Das Jüngste Gericht, diese letzte Begeg­nung, konstituiert Verantwortung. Und diese Verantwortung vor Christus ist Verantwortung für die Welt. Das wird deutlich in den Gerichtsgleichnissen Jesu, wo mit den treuen oder faulen Haushaltern über das gesprochen wird, was sie im Haus der Welt getan haben. Im Gericht werden die bestehen, die auf Erden mit ihren Talenten gewuchert haben, die etwas riskiert haben in der Welt. Paulus redet im Zusammenhang seiner Rede von der Rechtferti­gung aus Glauben und durch Christus allein aus der Gnade auch vom Gericht nach den Werken. Und Eberhard Jüngel hat sehr treffend gesagt: „Nicht geschehen die Werke um des Gerichtes willen, sondern das Gericht geschieht um der Werke willen. Unsere Taten haben einen Anspruch darauf, gerichtet zu werden. Nur ein ungnädiger Gott könnte der Welt ihr Gericht verweigern. Die Menschheit, die Weltgeschichte, unser gelebtes Leben bliebe im Dunkel, schlimmer, es bliebe alles im Zwielicht, wenn es nicht von Jesus Christus gerichtet würde. Insofern würde es nicht nur den Triumph der Mörder über ihre Opfer, sondern es würde zugleich Ausdruck gnadenloser göttlicher Gleichgültigkeit gegenüber unserem geleb­ten Leben sein, wenn Gott sich nicht in der Person Jesu Christi auch richtend noch einmal unserem Leben zuwenden würde“ (aus dem Manuskript eines Magdeburger Vortra­ges). Durch das Gericht nach den Werken gibt Gott also unserem Leben in der Welt und in der Geschichte größtes, letztes Gewicht. Ja, er konstituiert unsere Verantwortung für die Welt, indem er uns für unsere Wahrnehmung der Welt zur Verantwortung zieht.

5. Die Erwartung des Reiches Gottes läßt uns die Welt und uns selbst in dem offenen Prozeß sehen, in dem Gott uns und die Welt durch Wandlungen und Krisen hindurch zur Vollendung führt und den er offen hält auf das Kommen seines Reiches hin.

Weil Gottes Reich zur Welt im Kommen ist, gerät die Welt in Bewegung: Blinde sehen, Lah­me gehen, Tote stehen auf, und (die größte Sensation!) Armen wird das Evangelium gepre­digt (Matthäus 11). Denken wir an die Seligpreisungen! Die Seligpreisungen sind die Auffor­derung: Versteht euch und euer Leben aus der Zukunft der Gottesherrschaft heraus und seht dann, wie sich eure Welt und eure Lebenswirklichkeit verändert: den Armen ist kein Un­glücksfatum auferlegt, die Zukunft Gottes gehört ihnen; aber die Reichen, deren Zukunft gesichert scheint, werden radikal verunsichert. Was wird aus der Macht, nach der sich doch alles in der Welt zu richten hat, wenn den Gewaltfreien die Erde gehören soll, die Erde, auf der die Gottesherrschaft Fuß faßt? Durch das Kommen der Gottesherrschaft geraten also die Verhältnisse in Fluß. Man kann nicht mehr sagen: rebus sic stantibus = so stehen die Dinge, sondern: rebus sic fluentibus = so fließen die Dinge. Die Weltverantwortung des Glaubens muß mit einer veränderlichen Welt rechnen und selber an der Veränderung der Welt mitar­beiten. Ich betone das darum so, weil eine verbreitete Neigung besteht, die Verantwortung für die Welt in den Gesetzmäßigkeiten dieser Welt festzuschreiben, festzulegen, sie da einzu­pas­sen. Man sprach sogar von Eigengesetzlichkeiten der Welt und spricht heute gerne von Sach­zwängen. Und Sachzwänge sind dann immer das letzte Argument, Ethik, die sich an diesen Gesetzmäßigkeiten der Welt orientiert, nennt man dann Verantwortungsethik im Unterschied zu Gesinnungsethik, die von den Gesetzen dieser Welt keine Ahnung hat und der Welt fremd ist und darum auch die Welt nicht wirklich verändern kann. Man nennt das Verantwortungs­ethik, weil nur innerhalb dieser Gesetzmäßigkeiten der Welt etwas Lebensförderndes getan werden könne. Gehört z. B. der Krieg zwischen Staaten zu den unveränderbaren Gesetzen der Geschichte, so wird man nur innerhalb dieser Institution Krieg etwas zur Humanisierung und Domestizierung des Krieges tun können. Die nahende Gottesherrschaft aber stellt solche Festschreibungen von geschichtlichen Gesetzmäßigkeiten in Frage. Eine Verantwortungs­ethik, die aus der Erwartung der Gottesherrschaft lebt und sich vor dem kommenden Herrn verantwortet, wird daher an diesen Gesetzen rütteln und im Zeichen des Friedens Christi z. B. die Notwendigkeit von Kriegen in Frage stellen. Will Gott uns heute nicht zu neuen Wegen führen, die Konflikte zwischen Völkern und Staaten auf eine lebensdienliche Weise auszu­tragen? Weltverantwortung in der Erwartung der Vollendung der Welt ist also aufmerksam und wach für die Änderungen und Wandlungen, in die Gott heute uns führen will. Sie ist prophetische Weltverantwortung. Daß Gott Welt und Geschichte als Prozeß offen hält auf die Vollendung hin, das gilt nun auch angesichts der Krisen, in denen unsere Welt steht und die die Zukunft der Welt in Frage stellen, ja das gilt sogar angesichts der radikalen Krise des Gerichtstodes. Denn der Glaube kommt ja her von der Auferweckung des Gekreuzigten. Er weiß von daher, daß Gottes Wege auch durch tödliche Krisen führen können und daß auch in solchen tödlichen Krisen gilt: Gottes Wege führen weiter! In Vancouver bei der Vollver­sammlung des Ökumenischen Rates ist das zu einem bewegenden und erschütternden Aus­druck gekommen. Da erzählte eine orthodoxe Gemeindehelferin aus dem Libanon, wie sie Ostern gefeiert haben mitten im Libanesischen Krieg, wie die Bomben einschlugen und wie die Verletzten in den Bunker hineingetragen wurden, in dem sie ihre Osterliturgie hielten. Und dann erzählte sie die Geschichte von Thomas, der seine Hände in die Seitenwunde des Auferstandenen legte. Als Thomas seine Hand in die Wunde des Auferstandenen legte, da habe er den Stachel des Todes gespürt. Aber er spürte den Stachel des Todes im Leib des Auferstandenen. Das ist ein ungeheures Bild für die Verwandlung des Todes durch Kreuz und Auferweckung Jesu. Das ist im Kern die Hoffnung, die wir in die heutige Krise hineinzu­sprechen haben. Wir spüren den Stachel des Todes, die Macht des Todes, der der Sünde Sold ist. Aber der Stachel des Todes ist nun im Leib des Auferstandenen. D. h., auch in solcher Krise dürfen wir damit rechnen, Gottes Wege führen weiter. Das ermöglicht uns eine realisti­sche, eine nüchterne Hoffnung, und das überhaupt gibt uns erst die Möglichkeit einer Hoff­nungspraxis. Das befreit uns nämlich aus der Aporie von Pessimismus und Optimismus im Blick auf das Handeln.

Ich will diese Aporie ganz kurz erläutern. Es ist ja die Aporie, in der wir heute bei all diesen Diskussionen um die Zukunft für morgen stehen. Der Pessimismus, der sich breit macht, sieht realistisch das Ausmaß der Probleme, aber indem er das Ausmaß der Probleme sieht, lähmt er unser Handeln. „Es hat doch alles keinen Zweck, man kann nichts machen!“ Weil der Pessi­mismus so lähmt, empfiehlt man Optimismus. Optimismus motiviert zwar zum Handeln, aber er kann es sich nicht leisten, die Probleme in ihrer wirklichen Tiefe und Tragweite zu sehen. Wer aber die Probleme nicht sieht, kann sie nicht lösen. Pessimismus lähmt in seinem Realis­mus, und der Optimismus führt an den wirklichen Problemen vorbei. Das ist die Aporie, die Aussichtslosigkeit, in der sich heute die Weltverantwortung befindet. Die Erwartung des Reiches Gottes, das durch tödliche Krisen zu uns kommt, eröffnet uns eine krisenfeste Hoff­nung, eine Hoffnung, die in der Krise aktive, durchhaltende Geduld vermittelt. Die Offenba­rung des Johannes spricht von Geduld und Glaube der Heiligen. Wir müssen uns von der modernen Angewohnheit befreien, Geduld immer als etwas Passives zu verstehen. Geduld ist das Durchhalten von Aktivitäten, auch da, wo sie sinnlos erscheinen. Geduld ist die aktive Pflege eines Todkranken, obwohl man weiß, er wird sterben. Aber einer hält bei ihm aus und redet mit ihm und pflegt ihn. Das ist Geduld, und sie ermöglicht überhaupt erst realistische Weltverantwortung.

6. Die Erwartung des Reiches Gottes läßt uns die Verantwortung für die Zukunft der Welt so wahrnehmen, daß dadurch auch von Seiten des Menschen diese Zukunft offen gehalten wird. Sie lehrt, die Verantwortung für die Folgen unseres Tuns wahrzunehmen (Heuristik der Furcht) und bewahrt uns zugleich vor einem total gestellten Sicherheitsdenken (Sorge).

Um Weltverantwortung heute recht wahrnehmen zu können, müssen wir das Fürchten lernen. Ich formuliere es gerne so im Anklang an das Märchen von dem, der auszog, das Fürchten zu lernen. Wir müssen es lernen, die Folgen, die unser Handeln in dieser Welt anrichtet, unver­stellt wahrzunehmen. Mit der Ausweitung unserer Macht über die Natur und unserer Eingrif­fe in die Natur haben ja die Folgen unseres Handelns ungeheure Dimensionen angenommen. Die Reichweite der Folgen unseres Handelns ist kaum noch abzusehen. Mit der Entsorgung unserer Atomkraftwerke belasten wir die Zukunft der Menschheit auf Jahrtausende. Die Folgen unseres Tuns sind also nahezu unübersehbar. Darum spricht Hans Jonas von einer „Heuristik der Furcht“; wir müssen, genauer gesagt, eine Methode entwickeln, wie wir die fürchterlichen Folgen unseres Tuns ausmachen und uns bewußt machen können. Das nennt er Heuristik der Furcht. Wir brauchen also eine Wissenschaft von den Folgen der Wissenschaft. Das allein kann uns auch zu einer gemeinsamen Verantwortung führen, meint Hans Jonas, denn wir haben heute keine gemeinsame Basis für Weltverantwortung mehr. Christen und Marxisten haben keine gemeinsame Lehre vom Sein oder keine gemeinsame Lehre von den Werten. Wir brauchen eine gemeinsame Lehre von den Bedrohungen unserer Welt und kön­nen uns dann vielleicht verständigen, gemeinsam gegen diese Bedrohungen anzukämpfen. Also, es ist wirklich nötig, daß wir die Folgen unseres Tuns wahrnehmen, aber das Fürchten hat eine offene Flanke zur Angst. Und von der Angst sagt man ja mit Recht, sie sei ein sehr schlechter Ratgeber. Furcht und Angst sind zwei sehr verschiedene Dinge. Die Furcht faßt ein bestimmtes bedrohendes Ereignis ins Auge und überlegt rational, wie kann ich ihm begegnen. Angst ist ein diffuses Gefühl, das mich in Panik versetzt und mich lähmt. Die Furcht hat eine offene Flanke zur Angst. Denken wir nur an das Sicherheitsdenken, das die Logik der Ab­schreckung bestimmt. Sicher fühlt sich jede Seite nur, wenn sie der anderen um ein Stück­chen überlegen ist. Und so kommt es zum Wettrüsten. Man orientiert sich auf den schlimm­sten denkbaren Fall, man nimmt Maß am Maximum der möglichen Bedrohung, und diesem schlimmsten Fall, dem militärischen Verteidigungsfall, muß man gewachsen sein. Man rüstet dafür, man richtet seine Kraft darauf aus, und das nimmt ein Großteil aller Kräfte der Gesell­schaft in Anspruch. Damit aber wird der Aufbau des Friedens, mindestens teilweise, verhin­dert, ja es wird dem Aufbau des Friedens geschadet. Die Umwelt wird verdorben, und die Rüstung verschlingt das Brot der Armen. Und in die Köpfe und Herzen werden Gedanken der Gewalt und des Krieges und nicht des Friedens gebracht. So führt also das Sicherheitsdenken herbei, was es doch vermeiden möchte, den tödlichen Ernstfall.

Dies ist ein Beispiel dafür, wie die Furcht, die wir wirklich lernen müssen, bedroht ist von der Angst, die ein schlechter Ratgeber ist. Jesus sagt: Sorget nicht! Er bewahrt uns davor, daß die notwendige Furcht der Angst erliegt, welche die Zukunft, die sie sichern möchte, gerade ver­spielt. Jesus sagt: Sorget nicht, sehet die Vögel unter dem Himmel an, sie säen nicht, sie ern­ten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen. Euer himmlischer Vater nährt sie doch… Man führt das immer gern als Beispiel an, daß die Bergpredigt natürlich total weltfremd, ja gerade­zu eine Aufforderung zu Verantwortungslosigkeit sei. Lebt in den heutigen Tag hinein, denkt nicht an morgen, bedenkt die Folgen nicht! Aber Jesus sagt ja: Denkt sehr wohl an morgen, nämlich an das Kommen der Gottesherrschaft und an die Gerechtigkeit, die ihr entspricht! Wir hören hier also keine Aufforderung zu einer Hippi-Existenz, zu einem Aussteigertum, sondern finden den Schlüssel zur Zukunftsverantwortung:

Es gibt zwei Arten, wie wir die Zukunft erleben. Wir erleben einmal die Zukunft als das, was – wie das Wort es sagt – auf uns zukommt. In der biblischen Sprachtradition ist das der adventus. Zukunft ist die Eindeutschung des lat. adventus. Zukunft ist aber auch das, was wir aus dem Heute heraus entwerfen, planen und gestalten. Lateinisch heißt das futurum. Es ist die Zukunft, die aus dem Heute hervorwächst. Dem Advent entspricht Erwartung, dem Futurum Prognose, Hochrechnung. Der Advent ist unverfügbar, dem Futurum entspricht das Vorbereiten, das Vorsorgen, das Gestalten von morgen. Zum Advent gehört die Offenheit, zum Futurum die Planung. Advent kommt zur Sprache in Utopie, Futurum in einem Projekt. Jesus orientiert uns auf den Advent der Gottesherrschaft und sagt uns: dieser Advent verdient euer volles Vertrauen. Ihr könnt euch diesem Advent ohne jede Sorge öffnen. Und im Licht dieser kommenden Gottesherrschaft fängt die Natur plötzlich neu an zu sprechen. Da werden die Lilien und die Spatzen zum Anschauungsbeispiel für die Art, wie man der Gottesherr­schaft entgegengeht: ohne jede Sorge, unbefangen. Eine Lilie, wie die sich entfaltet, wie setzt sie sich der Gefährdung aus! So kann man auf die Zukunft zugehen. Dazu seid ihr bereitet, dazu seit ihr befreit. Trachtet nach dieser Gottesherrschaft so, daß ihr euch engagiert für ihre Gerechtigkeit. Und das heißt: Laßt euch ein auf Partnerschaft mit anderen Menschen, werdet ja dem anderen Menschen gerecht! Gerechtigkeit ist in der Bibel ja gerade nicht die Justitia mit der Binde vor den Augen, sondern es ist die sehende Barmherzigkeit, die dem Nächsten gerecht wird. Und wenn ihr euch auf solche Partnerschaften einlaßt – das ist natürlich ein sehr riskanter Weg, denn andere Leute sind ebenso unberechenbar wie ihr selber -, dann ist auch da Offenheit angebracht. Dieser Advent soll nun unser Futurum regieren: die Gestaltung der Zukunft. Futurum und damit alles, was in diesen Zusammenhang gehört, ist nötig: Prognose Vorbereitung, Planung, Projekt, Vorsorge. Aber, eure Einstellung zum Futurum muß unter die Herrschaft des Advent kommen. Nur so wird die notwendige Furcht, die ihr heute lernen müßt, davor sicher sein, daß sie zur Angst wird, in der ihr euch selber verschließt, euch selber einmauert, so daß Gerechtigkeit nicht mehr möglich ist, weil ihr den anderen abschreckt, statt euch ihm zuzuwenden. Der Advent muß das Futurum regieren und zwar in der Gestalt der Gerechtigkeit, die aus der kommenden Gottesherrschaft lebt. Natürlich müßt ihr die Folgen bedenken, genauso wie der barmherzige Samariter, der kein halbes Werk tun wollte, sondern in der Gastwirtschaft dem Wirt auch noch den Pflegesatz bis zur Genesung bezahlte, damit der unter die Räuber gefallene auch wirklich gesund wird. In der Erwartung der Gottesherr­schaft finden Advent und Futurum ihre rechte Zuordnung. Die Totalstellung des Sorgens, des Sicherheitsdenkens, wird vermieden. Die herrschende Sorge verschließt und verspielt die Zukunft. Es gibt ja am Schluß des „Faust“ das ungeheure Gleichnis, wo der Faust erblindet mit Mephisto zusammen spazierengeht, und er hört die Geräusche vom Graben und denkt, da werden die Deiche gebaut und die Zukunft der Erde entwickelt, aber das Graben gräbt ihm sein Grab. Das Vertrauen in die Gottesherrschaft befreit uns dazu, die Gerechtigkeit in der Welt im Umgang mit dem Nächsten zu praktizieren.

7. Die Erwartung des Reiches Gottes wird praktisch, indem sie vorläufige und fragmenta­rische Entsprechungen zum Reich Gottes in der Welt aufrichtet. Sie tut das vor allem dort, wo die Zukunft der Welt jeweils konkret auf dem Spiele steht. Das sind heute die Fragen des Friedens, der weltwirtschaftlichen Gerechtigkeit und der Ökologischen Verantwortung.

Paulus sagt: das Reich Gottes ist Friede, Gerechtigkeit und Freude im Heiligen Geist. Friede und Gerechtigkeit hängen in der Bibel unmittelbar zusammen, schon im Bundesgedanken des Alten Testaments. Und das ist eine große Hilfe, die Verheißung des Reiches Gottes als Reich des Friedens und der Gerechtigkeit in die heutigen Problemzusammenhänge von Friede und weltwirtschaftlicher Ungerechtigkeit hineinzusprechen und damit den Zusammenhang von Friede und Gerechtigkeit deutlich zu machen. Friede und Gerechtigkeit gelten in der Bibel auch der Natur. Das Reich Gottes ist ja auch die Vollendung der Schöpfung und die Hoff­nungsvision, daß der Mensch im Frieden mit der Tierwelt lebt, eine Hoffnungsvision, die uns im heutigen Umgang mit der Natur leiten soll. Wenn Paulus nun sagt: das Reich Gottes ist Friede, Gerechtigkeit und Freude im Heiligen Geist, dann ist völlig klar, daß Friede und Gerechtigkeit und Verantwortung für die Natur nur aus der Erfüllung des Lebens heraus gelebt werden können, nicht aus einer inneren Leere heraus. Also nur, wenn das Evangelium uns in der Bekehrung ergriffen hat und wir die Erfüllung unseres Lebens anfangsweise erfah­ren, werden wir frei, im Frieden mit anderen zu leben, Gerechtigkeit zu praktizieren und die Natur zu schonen.

Referat gehalten bei der Tagung der Arbeitsge­meinschaft Pietismus und Theologie am 13. März 1985 in Woltersdorf.

Hier der Text als pdf.

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