Max Josef Metzger 1919 auf dem »Achten Deutschen Pazifistenkongress« in Berlin: „Die Friedensbewegung muß das System der internationalen Diplomatie, den Machiavellismus überwinden, als ethischen Grundsatz aufstellen, dass das gleiche Sittengesetz gilt für die Beziehungen der Völker wie der einzelnen Menschen, dass Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit auch im Verhältnis der Völker zueinander sittliche Pflicht ist.“

Vom 13. bis 15. Juni 1919 fand der »Achte Deutsche Pazifistenkongress« in Berlin im Preußischen Herrenhause statt. Max Josef Metzger war einer der Teilnehmer, der sich auch aktiv zu Wort meldete. Im Protokollband dieses Kongresses ist unter anderem folgender Beitrag verzeichnet:

Dr. Metzger (Graz): Die Gewissenserforschung über die Grund­lage der Friedensbewegung muß zu einer Reinigung der Friedens­bewegung von den Konjunktur- und Opportunitäts-Pazifisten führen. Pazifismus ist ein Glaube, einee Weltanschauung, durch die der Krieg, die Gewaltpolitik als unsittlich aufgefaßt wird. Nur diejenigen, die auf diesem Standpunkt stehen und daher unbeeinflußt von jeder Konjunktur gegen den Krieg und für den Völkerbund sind, können als Pazifisten aufgefaßt werden, nur solche dürfen als Führer unserer Bewegung gelten. Auch die grundsätzlichen Pazifisten haben während des Krieges, teils aus mangelnder Einsicht, teils aus vorübergehender Schwäche, große Fehler gemacht. Das muß ausdrücklich anerkannt werden, und ich schlage vor, in einer Resolution einerseits dankbar den guten Willen und Eifer in der Arbeit anzuerkennen, andererseits jedoch zu bedauern, daß man vielfach auch in unserem Lager sich der Machtpsychose nicht hat entziehen können, schließlich den ent­schlossenen Willen zur Durchführung des Radikalismus in der Frie­densbewegung für die Zukunft zum Ausdruck zu bringen.

In der Schuldfrage bin ich persönlich der Auffassung, daß Deutschland den Hauptteil der Schuld am Ausbruch des Krieges trägt. Aber so klar und unbezweifelbar ist das nicht; so kommt es auch, daß die Pazifisten in dieser Frage keineswegs einig sind. Man muß doch bedenken, mit welchem Raffinement die offiziellen Stellen das Volk hinters Licht geführt haben, wie schwer es gemacht wurde, Einblick in die Dinge zu erhalten. Daher ist jedenfalls eine neutrale Kommission zur einwandfreien Untersuchung der Schuldfrage be­züglich des Kriegsausbruchs notwendig.

Andererseits halte ich jedoch die Frage der Schuld am Ausbruch des Krieges nicht für die wichtigste für die Friedensbewegung. Nicht derjenige trägt die Schuld an einer Schießerei, der den ominösen ersten Schuß abgibt, sondern derjenige, der die Situation verschuldet. Die treibenden Ursachen des Krieges waren der imperialistische Kapitalismus und das System der internationalen Diplomatie. Ohne grundsätzliche Überwindung des Kapitalismus ist kein Erfolg einer Friedensbewegung möglich. Die Friedensbewegung muß das System der internationalen Diplomatie, den Machiavellismus überwinden, als ethischen Grundsatz aufstellen, daß das gleiche Sittengesetz gilt für die Beziehungen der Völker wie der einzelnen Menschen, daß Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit auch im Verhältnis der Völker zueinander sittliche Pflicht ist. Das ist die einzige pazifistische Real­politik.

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