Martin Luther über Gott den Schöpfer in seiner Schrift „Wie man beten soll: Für Meister Peter den Barbier“: „Du bist Gottes Geschöpf, Machwerk, Kreatur und Werk. Das heißt: aus dir selbst und in dir selbst bist du nichts, kannst nichts, weißt nichts, vermagst nichts.“

In der zweiten Auflage seiner Schrift „Wie man beten soll. Für Meister Peter den Barbier“, die Martin Luther 1535 als Anleitung zum Beten für seinen Freund, den Barbier und Wundarzt Peter Beskendorf geschrieben hatte, ist am Ende eine Auslegung des Glaubensbekenntnisses angefügt. Darin erklärt Luther den ersten Artikel von der Schöpfung wie folgt:

Der erste Artikel von der Schöpfung

„Ich glaube an Gott den Vater, den allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde.“

Hier leuchtet erstens ein großes Licht in dein Herz, wenn du es haben willst, und lehrt dich mit kurzen Worten, was mit allen Zungen und vielen Büchern nicht vollständig geredet noch geschrieben werden kann: Nämlich, was du bist, woher du kommst, wo Himmel und Erde herkommen. Denn du bist Gottes Geschöpf, Machwerk, Kreatur und Werk. Das heißt: aus dir selbst und in dir selbst bist du nichts, kannst nichts, weißt nichts, vermagst nichts. Denn was bist du vor tausend Jahren gewesen? Was ist Himmel und Erde vor sechstausend Jahren gewe­sen? Ebenso gar nichts, wie das nichts ist, das niemals geschaffen werden soll. Was du aber bist, weißt, kannst, vermagst, das heißt Gottes Geschöpf, wie du hier mit deinem Munde be­kennst, so dass du vor Gott dich nicht zu rühmen hast, als dass du gar nicht seiest und er dein Schöpfer sei und dich alle Augenblicke zunichte machen kann. Von solchem Licht weiß die Vernunft nicht. Viele bedeutende Leute haben gesucht, was Himmel und Erde, Mensch und Kreatur sei, und haben es nicht gefunden. Aber hier heißt es: Der Glaube sagt, Gott habe alles aus nichts geschaffen. Hier ist der Lustgarten der Seele, um in Gottes Werken zu spazieren. Aber es ist zu lang, hier davon zu schreiben.

Zweitens soll man hier danken, dass wir durch Gottes Güte aus nichts geschaffen sind und aus nichts täglich erhalten werden, ein solch feines Geschöpf, das Leib und Seele, Vernunft, fünf Sinne usw. hat, und dass er uns zu Herren über die Erde, Fische, Vögel, Tiere gesetzt hat usw. Hierher gehört Genesis [1. Mose] Kapitel 1-3.

Drittens soll man beichten und klagen über unseren Unglauben und Undankbarkeit, dass wir solches nicht zu Herzen genommen, geglaubt, bedacht noch erkannt haben, ärger als die un­vernünftigen Tiere usw.

Viertens um rechten, gewissen Glauben bitten, dass wir den lieben Gott hinfort ernstlich für unseren Schöpfer glauben und halten, wie dieser Artikel sagt.

Hier Luthers Text als pdf.

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