Kristlieb Adloff, Jesus / Jeschua. Ein Traktat über den ‚schönen Namen‘ (Jakobus 2,7)

Kristlieb Adloff, Jesus / Jeschua. Ein Traktat über den ‚schönen Namen‘ (Jakobus 2,7), Kamen: Hartmut Spenner, 2019, 231 Seiten, ISBN 978-3-89991-217-3, € 14,80.

Einen außergewöhnlichen Traktat über den Namen „Jesus“ hat Kristlieb Adloff aus Wolfenbüttel, vormals Dozent für Neues Testament und Homiletik am Missionsseminar Hermannsburg geschrieben. In acht Kapiteln angefangen von der Namensgebung Jesu in der Weihnachtsgeschichte bis hin zur Kreuzesaufschrift entfaltet Adloff, was uns „Jesus“ bzw. „Jeschua“ verheißt, von dem ja Petrus in der Apostelgeschichte sagt, dass „kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben ist, durch den wir sollen selig werden“ (Apg 4,12).

Der Name „Jesus“ wird dadurch promissorisch zu Wort gebracht, indem Adloff die jeweiligen biblischen Perikopen intratextuell, das heißt im Zusammenhang der Heiligen Schrift erschließt. Zum einen wird damit der Name Jesus in der Treue des HERRN zu seinem Volk Israel verortet, zum anderen entgeht Adloff „dem Phantasma eines ‚historischen Jesus‘“, das „immer neue Götzenbilder des Menschlichen imaginiert“ (S. 154).

Wenn Adloff sich mitunter polemisch gegen die eigene theologisch-kirchliche Zunft wendet, tut er dies mit Sprachwitz: „Der Name des Lebendigen wird zum Ärgernis und Fallstrick für eine Kirche, die das biblisch Konkrete ängstlich flieht, um sich im Allgemeinen zu verlieren, in ideologischer Prinzipienreiterei vor einem mäßig interessierten Publikum, in fruchtlosen Appellen an die ‚Welt‘, in inhaltsloser frommer Gemeinschaftsseligkeit. Statt des Textes, in den der Name Jesus unlöslich verwoben ist, bekleidet man eine historisch skelettierte Figur mit wechselnden Textilien, mit des Kaisers jeweils neuen modischen Kleidern: Religionsstifter, moralisches Vorbild, Weisheitslehrer, Mystiker, Freiheits- und Friedenskämpfer, Kapitalismuskritiker etc.“ (S. 8)

Midraschartig gelingt es Adloff, den Namen Jesu immer wieder neu mit Schrifttexten, aber auch mit Kirchenlieder zusammenzusprechen, so wenn er beispielsweise zur Kreuzesinschrift ausführt: „Der Name ist das richtende und rettende ‚Wort vom Kreuz‘ (1. Kor 1,18) und als solches mit seinem Blut geschrieben. Wenn der Gekreuzigte als „der große Hirte der Schafe“ (Hebr 13,20) die Seinen zählt und die Verlorenen mit Namen ruft, „dass ihm auch nicht eines fehlet an der ganzen großen Zahl“, „kennt auch dich und hat dich lieb“ (EG 511,1.3), dann sind sie mit seinem Blut eingeschrieben in das Buch des Lebens.“ (S. 142)

Namen sind weder „Schall und Rauch“ noch kontingente Benennungen, die wie Klebeetiketten auf einer Verpackung beliebig entfernt oder überklebt werden können. Der Name „Jesus“ birgt dessen Leben als Evangelium und macht ihn für uns ansprechbar. Mit seinem Traktat hat Kristlieb Adloff in eindrucksvoller Weise die Wirklichkeit dieses Namens herausgestellt. Wer sich auf die Lektüre dieses anspruchsvollen und doch gut lesbaren Traktats einlässt, erweitert seinen Wortschatz für zukünftige Predigten.

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