Hat Gott einen Plan für mein Leben? Was die Bibel dazu sagt: „Man wird der Bibel zufolge durchaus von göttlichen Vorhaben oder einer göttlichen Absicht sprechen können. So stehen das hebräische ʿeṣāh bzw. das griechische boulḗ für einen Ratschlag bzw. für einen Ratschluss. Bei einem göttlichen „Plan“ sind jedoch Mitbedeutungen im Spiel, die für Menschen verführerisch sind. Ein Plan macht ein durchdachtes Vorhaben sichtbar und hält es auf einem Medium fest (‚Blaupause‘), sodass es von seinem Urheber getrennt werden kann. Hätte Gott einen umfassenden Plan für mein Leben, wäre dieser Plan für mich gedanklich aneignungsfähig. Selbst wenn ich ihn nicht direkt zu erkennen vermochte, könnte ich dennoch darüber nachdenken, was er für mich vorsähe. So ließen sich meine Lebensziele auf einen angeblich von Gott gebilligten Plan stützen. Auf diese Weise wird die Berufung auf einen göttlichen Plan leicht zur Bestätigung bzw. Bestärkung eigener Wünsche und Vorhaben, als wären diese Teil einer umfassenden göttlichen Agenda.“

Hat Gott einen Plan für mein Leben? Was die Bibel dazu sagt

Problematisch ist mitunter die Redeweise von einem „Plan Gottes“. Das Wort „Plan“, das ja sowohl im Deutschen wie im Englischen geläufig ist, ist dem Mittelfranzösischen entlehnt und bezeichnet ursprünglich die Grundfläche bzw. den Grundriss eines Bauwerkes. Der fran­zösische „plan“ wiederum ist eine Rückbildung des Verbs „planter“ mit der Bedeutung „auf­richten“ bzw. „hinstellen“, das auf das lateinische „plantare“ („pflanzen“ bzw. „den Boden zum Säen ebnen“) zurückgeht. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde der „Plan“ im übertragenen Sinne als fixiertes bzw. detailliertes Vorhaben verstanden.

Man wird der Bibel zufolge durchaus von göttlichen Vorhaben oder einer göttlichen Absicht sprechen können. So stehen das hebräische ʿeṣāh bzw. das griechische boulḗ für einen Rat­(schlag) bzw. für einen Ratschluss (vgl. Jes 46,10f). Bei einem göttlichen „Plan“ sind jedoch Mitbedeutungen (Konnotationen) im Spiel, die für Menschen verführerisch sind. Ein Plan macht ein durchdachtes Vorhaben sichtbar und hält es auf einem Medium fest („Blaupause“), sodass es von seinem Urheber getrennt werden kann. Hätte Gott einen umfassenden Plan für mein Leben, wäre dieser Plan für mich gedanklich aneignungsfähig. Selbst wenn ich ihn nicht direkt zu erkennen vermochte, könnte ich dennoch darüber nachdenken, was er für mich vorsähe. So ließen sich meine Lebensziele auf einen angeblich von Gott gebilligten Plan stützen. Auf diese Weise wird die Berufung auf einen göttlichen Plan leicht zur Bestätigung bzw. Bestärkung eigener Wünsche und Vorhaben, als wären diese Teil einer umfassenden göttlichen Agenda.

In der Lutherbibel 1545 ist weder von menschlichen noch von göttlichen Plänen die Rede. Anders jedoch die neue Luther-Bibel 2017: Dort ist – im Anschluss an die Luther-Bibel 1964 – in Jesaja 53,10 im Hinblick auf die Lebenshingabe des Gottesknechtes von „des HERRN Plan“ die Rede, obwohl Luther selbst wie folgt übersetzt hat: „vnd des HERRN Fürnemen wird durch seine Hand fort gehen.“ In der Luther-Bibel 1912 heißt es entsprechend: „und des HERRN Vornehmen wird durch seine Hand fortgehen.“ Auch in der Einheitsübersetzung 2017 („was Gott gefällt, wird durch seine Hand gelingen“) wie auch die Zürcher Bibel 2007 („die Sache des HERRN wird Erfolg haben durch ihn“) ist von einem göttlichen Plan keine Rede. Wieder einmal fällt die revidierte Luther-Bibel in Sachen Sprachgenauigkeit sowohl gegenüber der ursprünglichen Luther-Übersetzung wie auch den kirchlichen Neuübersetzungen ab.

Anstelle eigener Spekulationen über einen göttlichen Plan für das eigene Leben sind Christen herausgefordert, sich ihrer göttlichen Berufung zu stellen, wenn es in der Bibel heißt: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (1.Petrus 2,9)

Hier mein Text als pdf.

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