Über die Wiederauferstehung des kirchlichen Amtes des Ostiariers (Türhüter) in Zeiten der Corona-Pandemie

Ostiarier Mosaic_of_Theodora_-_Basilica_San_Vitale_(Ravenna,_Italy) - Kopie (Mittel)
Ostiarier öffnet den Vorhang (Detail aus dem Mosaik der Kaiserin Theodora in der Basilika San Vitale in Ravenna/Italien, Aufnahme Petar Milošević)

Die gegenwärtigen Vorschriften zum Abhalten von Gemeindegottesdiensten unter den Bedingungen der Corona-Pandemie bewirken die Wiederauferstehung eines altkirchlichen Amtes, nämlich das des Ostiarier, also des Türhüters. So heißt es in der Gemeinsame Verpflichtung der katholischen (Erz-) Diözesen Bayerns und der Evangelischen Landeskirche Bayern im Hinblick auf eine Erlaubnis von gottesdienstlichen Versammlungen in Kirchen unter III.2: „Die Kontrolle am Eingang stellt sicher, dass die ermittelte Aufnahmekapazität und die Abstandsregelung bei Betreten und Verlassen der Kirche zuverlässig eingehalten werden und Ansammlungen vor der Kirche nicht zustande kommen.“ Ergänzend schreiben die Grundsätze zum Schutz der Gesundheit in Gottesdiensten in der Zeit der Corona-Pandemie und Empfehlungen für ein Infektionsschutz-Konzept vor Ort in der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern Folgendes vor: „Bezogen auf jeden Kirchenraum gibt es ein vom Kirchenvorstand benanntes Team, das in ein konkretes Sicherheitskonzept eingewiesen ist und dieses freundlich und bestimmt umsetzen kann.  Die Hinweise zur Hygiene im ökumenischen Mantel finden Beachtung. Zu 2: Dieses Team achtet z.B. auf geordnetes Betreten und Verlassen des Gottesdienstraumes, auf offene Türen vor Beginn und nach Ende des Gottesdienstes, auf die Einhaltung der Abstände zwischen den Teilnehmenden zu jeder Zeit vor, im und nach dem Gottesdienst, auf notwendige Desinfektion von Türklinken, auf die Einhaltung der beschlossenen Obergrenze durch freundliche Hinweise und z.B. durch das Aufhängen  bzw. Aufstellen eines Schildes etc., wenn die Obergrenze erreicht ist.

Hier der Lexikonartikel über Ostiarier aus dem LThK3, Band 7 (1998), Sp. 1202f:

Ostiarier (v. lat. ostium, Tür) bez. ursprünglich nach dem Vorbild des antiken aedituus (Tempel­wächter) den „Türhüter“ einer Kirche, der für Ord­nung in u. um die Kirche zu sorgen hatte (Paul. Nol. carm. 19, 447). Früh entwickelte sich dieses Amt z. untersten Stufe der vier niederen Weihen. Ein Brief Papst Cornelius’ an Fabianus v. Antiochien (Eus. h.e. VI, 43, 11) erwähnt bereits i. J. 251, daß der röm. Bischof sich mit 46 Priestern, 7 Diakonen, 7 Subdiakonen, 43 Akolythen u. je 52 Exorzisten u. Ostiariern umgab. Nachdem der Ostiarier zu den Klerikern ge-[1203]rechnet wurde, ging sein realer Dienst (Überwachung des Kirchengebäudes u. der Por­tale, Empfang der Gläubigen, teilweise auch Läu­ten der Glocken, Versorgen des Ewigen Lichtes bei den Reliquien, Aufsicht über den Friedhof) auf Laienmitarbeiter (mansionarii) über. Das Ostiariat hatte seit dem 4. Jh. in Rom nur noch Bedeutung durch die Vorstellung v. cursus honorum, d.h. v. sukzessiven Durchlaufen aller Weihestufen für die Kandidaten der höheren Ämter. So wurde im 10. Jh. in die röm. Liturgie ein früher schon im Fran­kenreich üblichen Ordinationsritus für Ostiarier übernommen. Dieses Formular wurde im 13. Jh. v. Durandus v. Mende d.Ä. überarbeitet u. befand sich bis z. Li­turgiereform des Vat. II im PontRom. Das MP Ministeria quaedam (15.8.1972) ersetzte die ordines minores durch „Beauftragungen“, wobei nur Lek­torat u. Akolythat gesamtkirchlich verbindlich sind. Für die unierten Ostkirchen vgl. CCEO c. 327.

Lit.: M. Andrieu: Les ordres mineurs dans l’ancien rituel romain: RevSR 5 (1925) 232-274: B. Fischer: Der niedere Klerus bei Gregor d.Gr.: ZKTh 62 (1938) 37-75; W. Croce: Die nie­deren Weihen u. ihre hierarch. Wertung: ZKTh 70 (1948) 257-314. KAI GALLUS SANDER

In Ergänzung der Artikel aus dem LThK2, Bd. 7 (1962), Sp. 1286f:

Ostiarier (Pförtner, Türhüter), unterster der vier niederen Weihegrade, erstmals 251 erwähnt im Brief des Papstes Cornelius an Fabios v. Antiocheia (Eusebios HE VI 43), wo er unter den Amtsträgem der röm. Kirche aufgezählt wird (vgl. aber schon Hippolytos, Trad. apost 15). Im 4. Jh. wird der Ostiariat Durchgangsstufe zu den höheren Weihen, ohne aufzuhören, wirklich Amt zu sein. Allmählich tritt aber an die Stelle des O. der (Laien-) Mansionarius (mansio = „Haus Gottes“ od. „Wohnung bei der Kirche“), von denen es an den Basiliken des frühen MA viele gab, z. B. an der Hagia Sophia mehrere hundert; ihre Aufgaben erfüllen heute u. a. die Küster (Mesner). Als die gallischen Diözesen im 5. Jh. in Abwehr des german.-arianischen Staatskirchentums die alten röm. Weihegrade als Vorbedingung u. Stufe zum Priestertum übernahmen, wurde auch der Titel (ohne wirkl. Amt) des O. neu belebt u. sein Träger als Glied des Klerus betrachtet. Das Weiheformular wurde damals in Gallien geschaffen (Urform: Statuta ecclesiae antiqua [um 500]), anläßlich der Weihen Leos VIII. 963 nach Rom übertragen, Ende 13. Jh. von Durandus v. Mende d. Ä. überarbeitet u. ist so heute noch in Gebrauch. Die Weihehandlung gipfelt in der Überreichung der Kirchenschlüssel durch den Bischof u. in der Einweisung in Türöffnen u. Läuten durch den Erzdiakon. Von den bei der Weihe erwähnten Funktionen wird faktisch keine mehr durch die Geweihten ausgeübt; darum bemühte sich das Tridentinum, den Amtscharakter des O. wiederherzustellen u. diesem zusätzl. die Betreuung des Friedhofs u. Kontrolle über Kirchenbesuch u. Sakramentenempfang zu übertragen. Heute wird vielfach angestrebt, den wirklichen Trägern der Aufgaben des O. — unabhängig vom Weg des Priestertums — die Weihe des O. zu zubilligen.

Lit.: W. Croce, Die Niederen Weihen u. ihre hierarchische Wertung: ZKTh 70 (1948) 257-314; J. Pascher, Die [1287] Liturgie der Sakramente (Mr 1955) 110-124; Radó 963-1004. TH. SCHNITZLER

Hier der Text als pdf.

1 Kommentar

  1. Heilige Messen sind überflüssig. Spirituelles Heilen und Mystik müssen gefördert werden. Mehr dazu auf meiner Internetseite (bitte auf meinen Nick-Namen klicken).

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