Karl Barths Andacht für Donnerstag nach Ostern: „Gottes Befehl hat das verströmende Opferblut zum Zeichen gemacht, zum Wort, und das Wort lautet: «Ich vertilge deine Missetaten wie eine Wolke und deine Sünde wie den Nebel. Kehre dich zu mir; denn ich erlöse dich».“

Blut

Für das von Gerhard Jacobi initiierte Buchprojekt „Erhalt uns, Herr, bei Die­nem Wort! Evangelische Andachten für jeden Tag“, 1932 im Furche-Verlag in Berlin erschienen, steuerte Karl Barth die Texte von Palmsonntag bis zum Samstag vor Misericordias Domini bei, indem er die Herrnhuter Losungen vom 29. März bis 18. April 1931 auslegte. Hier die Andacht für Donnerstag nach Ostern:

Donnerstag nach Ostern

Das Blut ist die Versöhnung, weil das Leben in ihm ist. 3. Mose 17, 11

Auf dem Altar sieht der Gläubige des Alten Testamentes das Blut und im Blut das Leben des Opfertieres verströmen. Er selbst, der Mensch, müßte sterben. Er hat ja gesündigt und das ganze Volk. Ihn und das ganze Volk müßte Gottes lodernder Zorn treffen. Aber siehe, er trifft ihn nicht. Gott hebt seinen Bund mit ihm und seine Verheißung an ihn nicht auf. Er soll vielmehr frei sein und neu sein durch Gottes unverdiente Güte. Er soll leben. Er soll hinabgehen in sein Haus gerechtfertigt. Israel soll aufs neue Gottes heiliges Volk und Erbe sein. Nicht kraft seiner Tugend und Stärke, aber kraft der Erwählung, die den Gottlosen gerecht macht. Des zum Zeichen muß nun das unschuldige Tier mit seinem Blut sein Leben verströmen. Gerade indem er opfert, bekennt der Mensch: Ich kann nicht selber für meine Sünde genug tun. Sondern Gottes Befehl hat das verströmende Opferblut zum Zeichen gemacht, zum Wort, und das Wort lautet: «Ich vertilge deine Missetaten wie eine Wolke und deine Sünde wie den Nebel. Kehre dich zu mir; denn ich erlöse dich». Welche Sprache! Ja, und welche Botschaft, die da ausgesprochen ist! In welch seltsamer Dunkelheit begegnet uns da Jesus Christus, die Versöhnung selber, auf die das alles doch nur hinzeigte. Und doch auch wieder wie klar und jedem Kinde verständlich gerade in diesem Zeichen! Das Opfern mußte aufhören, als das eine unvergleichliche Opfer dargebracht wurde, als Gott sich selber zum Opfer brachte, Mensch unter Menschen wurde und in seinem Tod unsere Sünde ein für allemal hinwegnahm. Unser aller verdammtes und verlorenes Leben war in dem Blute, das auf Golgatha floß. So bedeutete es nicht nur, so war es in seinem Verströmen die Versöhnung. So war das Neue Testament das erfüllte Alte Testament. Das Alte Testament ist Vergangenheit geworden. Aber eben als solche redet es weiter, als die notwendige Kunde und Erklärung des Neuen Testamentes, wie der zeigende Finger Johannes des Täufers: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt.

Herr Jesus Christus! Du hast unser sündiges Leben hinweggenommen, indem Du Dich selbst für uns dahingabst. So laß uns frei und neu Dir nachfolgen und unserem Nächsten dienen, Dich hören, Dir gehören und Dir gehorsam sein. Amen.

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