Rudolf Bultmanns Sonntagspredigt über Matthäus 11,28-30: „»Kommet her zu mir!« so rufen die Glocken am Sonntag; sie rufen uns in Gottes Haus unter Gottes Wort.“

Rudolf Bultmann

Predigten verraten über den Prediger mehr, als es diesem lieb sein kann. Hier Rudolf Bultmanns Sonntagspredigt über Matthäus 11,28-30 aus dem Jahr 1938:

Predigt über Matthäus 11, 28-30

Von Rudolf Bultmann

Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen, Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Das Herrenwort, das wir hörten, ist eines der vertrautesten des Neuen Testamentes. In ihm wird uns die Gestalt des Herrn Jesus Christus anschaulich, der einladend die Arme ausbreitet und ruft: »Kommet her zu mir!« – Sein Ruf klingt auf mancherlei Weise in unser Leben hin­ein. Heute wollen wir bedenken, wie er gerade durch den Tag, den wir feiern, den Sonntag, an uns ergeht. Sonntag: die alte Kirche sagte »Herrentag«. Es ist der Tag des Herrn, an dem die Glocken seinen Ruf erklingen lassen: »Kommet her zu mir!« Was will uns der Sonntag als dieser Ruf des Herrn sagen?

I.

Der Sonntag hat seinen Vorläufer im jüdischen Sabbat. Dieser wurde am Ende der Woche gefeiert, der Sonntag am Anfang. Das weist schon daraufhin: Der Sonntag soll für uns einen neuen Anfang bedeuten, einen neuen Anfang zunächst nach der Woche der Arbeit und Sorge des Alltags.

Welche Wohltat ist es für den Menschen, daß er immer wieder einen solchen neuen Anfang machen darf! Welches Geschenk kann für uns schon so manchmal ein neuer Morgen sein. Welche Erquickung kann es sein, wenn die Nacht im Westen hinabsinkt und der junge Tag im Osten heraufsteigt, wenn die ersten Sonnenstrahlen Stadt und Haus, Garten und Landschaft begrüßen. Wer das recht in sich aufnimmt, der kann mit neuer Freude sein Tagewerk begin­nen.

Freilich, wie mancher Morgen zieht grau herauf! Und es ist für uns nicht immer leicht, den Segen des Anfangs am Morgen zu erschlie­ßen. Daß wir das doch immer vermöchten durch einen Augenblick stiller Besinnung, durch ein Gebet oder ein Lied, allein oder in Ge­mein­schaft mit den Unsrigen! Es wäre eine rechte Arznei für unsre ganze Stimmung bei der Tages­arbeit, für die Weise, in der wir den Menschen begegnen, mit denen wir zu tun haben, wenn jeder Tag mit einer Selbstbesinnung vor Gottes Augen, mit Dank und Bitte begönne! Wie oft beginnen wir den Morgen gedankenlos, und kaum daß wir vom Schlaf erwacht sind, sind wir wieder von den Sorgen und dem Betrieb des Tages eingefangen. Man merkt es den Menschen an, wie sie den Tag begonnen haben; und manche Redensart des Vol­kes bringt das zum Aus­druck. Aber selbst wenn wir eine stille Mor­genstunde hatten, wie schnell ist sie oft im Lärm des Tages vergessen!

Wie dankbar dürfen wir für den Sonntag sein, der eine Unterbre­chung der Werktagsarbeit bringt, der ein Tag der Ruhe ist zwischen dem geschäftigen Treiben der Woche, der uns zur Besinnung vor Gottes Augen lädt, wenn die Glocken rufen: »Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid!«

Sind wir das nicht alle? Nicht alle mühselig und beladen mit den Sorgen der Woche, dem Staub des Alltags? Wie viele Mühe und Sorge bringt doch jede Woche, wie viel kleinliche und aufreibende, oft unbefriedigende Arbeit! Und auch wenn wir in einer Arbeit ste­hen, die Freude macht und uns innerlich in Anspruch nimmt! Auch die fruchtbarste Arbeit reibt auf und macht müde; wir spüren es am Ende der Woche. Und wir spüren es erst recht, wenn wir einmal an einem Sonntag keine Ruhe hatten, sei es aus Gewissenlosigkeit, sei es weil am Sonntag noch so manches zu erledigen war, was in der Woche hegen bleiben mußte.

Die Arbeit macht aber nicht nur den Körper müde und reibt äußerlich auf, sondern sie kann den Menschen auch innerlich verzeh­ren. Wer in einer Arbeit steht, die ihn ganz in Anspruch nimmt mit ihren Entwürfen und Aussichten, der steht immer in Gefahr, über der Arbeit sein bestes Teil zu vergessen. Ihm werden die Stunden seltener und drohen schließlich ganz zu verschwinden, in denen er sich auf sich selbst besinnt, sich vor Gottes Augen prüft, sich in den Sinn ruft, daß nicht seine Kraft und seine Sorge seine Arbeit segnet. Wir sagen wohl »ei­ner geht ganz in seiner Arbeit auf«, und wissen oft nicht, was für ein Urteil wir damit ausspre­chen. Ein solcher muß ja durch Mißlingen und Fehlschläge seinen inneren Halt ver­lieren, – denn nur die Arbeit gab ihm den Halt; und wenn er arbeitsuntüchtig wird, verliert er über­haupt den Inhalt seines Lebens -, denn nur die Arbeit gab ihm den Inhalt! Es kommt darin zum Vorschein, daß die Arbeit nicht nur ein Segen, sondern auch ein Fluch sein kann und den Menschen gleichsam aufzehren kann. Man spürt es den Menschen an, ob sie nur Arbeitsmen­schen (Arbeitstiere) sind, denn sie werden unfähig für ein echtes Gemeinschaftsleben, für die Teilnahme an der Anderen Freude und Leid.

II.

Eben daran will uns der Sonntag erinnern. Jesu Wort ruft alle zu sich, die mühselig und bela­den sind. Der Sonntag will sie erquicken, die Mühseligen und Beladenen. Aber er kann nur die erquicken, die wissen, daß sie es sind. Und wehe ihnen, wenn sie es über ihrer Arbeit vergessen! Ja, der Sonntag will nicht nur ein äußerer Ruhetag sein für die, die sich müde und abgearbeitet fühlen durch die Woche, sondern nach seinem wahren Sinn ist er ein Ruhetag für den inneren Menschen daß er sich besinne: Es gibt noch anderes als Alltags- und Erdenge­danken! Nicht die Arbeit, so köstlich sie sein kann, füllt das Leben ganz aus! Nicht unser Werk, unsere Leistung, gibt unserem Leben den besten Inhalt und Sinn! Inhalt und Sinn erhält das Leben durch das, was mit unserm innern Menschen, unserer Seele, geschieht. Und zur Besinnung am Sonntag gehört eben auch das, daß wir uns darauf besinnen: welchen Sinn hat all unsere Arbeit für uns? Dieses Tun und Treiben, in das wir alle eingespannt sind ohne Ende? Ja, es hat ein Ende im Tode, und was bedeutet unsere Arbeit für dies Ende? Sind wir reifer geworden für die Ewigkeit? Haben wir inneren Frieden gewonnen? Können wir im Rückblick auf diese Woche Gott danken? Sind wir heiterer und gütiger geworden? Oder sind wir nur müde und verdrossen? Oder ist es uns gar unbequem und peinlich, uns auf uns selbst zu besinnen? Fliehen wir vor uns, weil wir arm und leer sind mitten in der Geschäftigkeit der Arbeit?

Ja, der Sonntag will uns daran erinnern, daß wir wirklich mühselig und beladen sind, auch wenn wir es vergessen haben. Er will uns aus­schauen lassen nach dem, was unserer Seele nottut. »Das Reich Got­tes ist nicht Essen und Trinken«, sagt Paulus, es ist auch nicht Arbeit und Sorge, »sondern ist Gerechtigkeit und Friede und Freude im heiligen Geist!«

»Kommet her zu mir!« so rufen die Glocken am Sonntag; sie rufen uns in Gottes Haus unter Gottes Wort. Von da aus soll unser Sonntag ein rechter Herrentag werden. »Kommet her zu mir!« – zum Worte Gottes, das uns herausholt aus unserer Arbeit mit ihren Gedanken und Plänen, ihrer Freude und ihrer Sorge, ihren Erfolgen und Mißerfolgen, – in die Stille, in den Ernst und die Freude vor Gottes Augen, zur Herrlichkeit Gottes, die uns leuchtet im Angesichte Christi.

So will der Sonntag für uns stets ein neuer Anfang sein, daß wir, wenn wir die »Kraft aus der Höhe« gespürt haben, aufs neue in die Arbeit der Woche hineingehen, mit neuer Freude und Kraft, mit neuer Gefaßtheit gegenüber den Sorgen und Mißerfolgen, und des­halb auch mit neuer Heiterkeit und Güte. Gerade dann sind wir tüch­tig für unser Arbeitsleben, für die Woche, wenn wir davon bei allem Fleiß und bei aller Gewissenhaftigkeit doch den inneren Abstand haben, wenn wir wissen, das ist nicht das Letzte, was uns ganz aus­füllt. Die Arbeit ist nicht unser Herr, sondern Gott ist unser Herr!

III.

»Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir!« Soll uns die Ver­heißung gelten »Ich will euch erquicken«, so müssen wir uns freilich auch seinem Gesetz beugen, sein Joch auf uns nehmen. Er sagt uns: »Mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht«. Aber das erfährt nur der, der dieses Joch wirklich auf sich nimmt. Denn es ist ja so, daß die­jenigen, die sich gar nicht als Mühselige und Beladene fühlen, davor zurückscheuen, sein Joch auf sich zu nehmen, und es als ein hartes und drückendes Joch ansehen. Es sind diejenigen, denen der eigentliche Sinn und Segen des Sonntags verschlossen ist. Sie feiern den Sonntag auch, aber sie mißbrau­chen ihn.

Wir wissen ja: es gibt viele, für die freilich nicht die Arbeit, in die sie während der Woche eingefangen sind, der Sinn des Lebens ist. Sie gehen nicht in ihrer Arbeit auf, sondern die Arbeit bleibt ihnen etwas Äußerliches; nicht Erfüllung des Lebens, sondern nur Mittel zum Leben; und sie empfinden die Arbeit wohl gar als eine Last. Denn das Eigentliche des Lebens ist für sie Lebensfreude, ist Genuß. Wir brau­chen hier nicht lange von diesem Mißbrauch des Sonntags zu reden, für den der Sonntag nicht Herrentag ist, nicht Stille, sondern Lärm, nicht Ruhe, sondern lautes Vergnügen, nicht Selbstbesinnung, sondern Selbstvergessen, nicht inne­re Sammlung, sondern Zerstreuung. Solche Menschen bringen sich nicht nur um den eigentli­chen Segen des Sonn­tags, sondern meist auch noch um das Geschenk der äußeren Ruhe, die er bringt; und der Montagmorgen findet sie erschlafft und unlustig.

Aber die beiden Arten von Menschen: die, die in der Arbeit auf­gehen und denen der Sonntag nur eine äußerliche Erholung ist, – und die andern, die ihrer Arbeit fremd gegen überstehen, und die den Sonntag zur Lebensfreude, zum Genuß mißbrauchen, sind gar nicht immer so streng zu scheiden. Viele Menschen – wohl die meisten – haben von beiden etwas in sich und treiben es bald so, bald so. Und jedenfalls stehen wir alle in der Gefahr, es bald so, bald so zu treiben. Keiner von uns steht nicht in dieser Gefahr, den Sonntag zu mißbrauchen und zu ver­gessen, daß es der Tag des Herrn ist, dessen Joch wir auf uns nehmen, von dem wir lernen sollen.

Es gab Zeiten, und es gibt auch heute noch manche Gegenden, wo die Sonntagsruhe streng durchgeführt wird, und wo jedes Spiel und jede Freude am Sonntag als ein Mißbrauch gilt. Da ist freilich oft die Gefahr, daß das leichte Joch des Herrn zu einem drückenden Joch werde; da kann die Freiheit, zu der uns dieser Tag befreien will, zur Knechtschaft werden. Aber diese Gefahr ist für uns im allgemeinen nicht groß; im Gegenteil! und wir sollen das Unsere tun, gute alte Sonntagssitten aufrecht zuerhalten. Sie scheinen freilich dem drückend, der den Sinn des Sonntags nicht erfaßt hat. Und es kommt dar­auf an, daß wir das Verständnis für diesen Sinn lebendig erhalten oder wieder lebendig machen in unserm Volk; daß wir den Sinn dafür wecken, daß unser Leben nicht im Diesseits aufgeht, weder in der Arbeit noch im Genuß, sondern daß wir mit unserm besten Teil zu einer höheren Welt, zu Gottes Welt gehören. Dann werden auch Sonn­tagssitten, die vorher vielleicht drückend erschienen, eine leichte Last, und man wird dankbar für sie, daß sie uns in Zucht nehmen und es uns erleichtern, den Segen des Sonntags auszuschöpfen.

Aber wenn nun einer fragt, ob es denn überhaupt erlaubt sei, daß wir uns am Sonntag auch dem Spiel und der weltlichen Freude hin­geben, so werden wir ihn dagegen fragen: Was ist denn weltliche Freude? »Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist!« Und an dem, was uns die Erde des Herrn schenkt, dürfen wir uns freuen; sei es die Schönheit der Natur, sei es das heitere Zusammensein im Kreis der Familie oder der Freunde, seien es die Gaben der edlen Kunst, – wir dürfen das alles auch am Tag des Herrn genießen, wenn wir es ge­nießen können als Gabe des Herrn, indem wir ihm dafür danken. »Denn alle Kreatur Gottes ist gut und nichts verwerflich, das mit Danksagung empfangen wird.« Allein die Lust, bei der wir nicht Gottes als des Gebers gedenken könnten, bei der wir ihm nicht dan­ken, sondern bei der wir vielmehr den Gedanken an ihn fliehen müßten, ist »weltliche Lust«, die wir nicht nur am Sonntag, sondern an jedem Tag meiden sollen. Und auch alle andere Freude, die wir dank­bar als seine Gabe empfangen könnten, wird zur »weltlichen Lust«, wenn wir seiner und des Dankes vergessen. »Ihr esset nun oder trin­ket, oder was ihr tut, so tut es alles zu Gottes Ehre!« Das ist es, was wir vom Herrn lernen sollen; das bedeutet sein Joch, und das soll als Richtspruch stehen über allem, was wir am Herrentag tun.

IV.

Endlich ein Letztes! Ein neuer Anfang soll der Sonntag bedeuten nicht nur im Blick auf das Arbeitsleben der Woche. Es ist ja nicht die Arbeit der Woche allein, die uns den Segen eines neuen Anfangs immer wieder empfinden läßt. – »Ein neuer Anfang!« – wie oft ist das der Wunsch unseres Herzens, wenn wir auf unsere Vergangenheit blicken mit all ihren Werk- und Sonntagen! Denn wie oft kommt es uns drückend zum Bewußtsein, daß wir von unserer Ver­gangenheit gefangen und gefesselt sind, daß wir uns verirrt haben und keinen Ausweg finden. Wir haben uns gebunden an dieses oder jenes – Ver­pflichtungen, Gewohnheiten, Leidenschaf­ten! Wir merken, daß wir darin unfrei, unehrlich werden, daß wir gar darin zugrunde gehen, – und wir kommen nicht davon los. Wir spüren, daß wir mühselig und beladen sind, nicht nur durch Arbeit und Sorge, sondern auch – und noch viel drückender – durch Schuld und Unrein­heit! Ach könnte man noch einmal von vorne anfangen! Ein neues Leben beginnen! Wie vieles würde man anders, besser machen!

Ja, manchmal und in manchen Dingen können wir mit einem kräftigen Entschluß einen neuen Anfang machen und sollen es auch. Aber gelingt es uns immer? Aber vor allem: im Wichtig­sten können wir es gar nicht. Denn wer bringt die Stimme des Gewissens zum Schweigen, die an alte Schuld erinnert? Wer könnte sich reinigen von alledem, was ihn befleckt hat? Wer könnte wiederherstellen so man­ches, was unheilbar zerstört ist in unserem Leben, in unserer Gemein­schaft? Für wie manches gilt es: Zu spät!?

Gibt uns auch hier der Sonntag einen neuen Anfang? Wir geden­ken dessen, daß der Herrentag der Auferstehungstag ist; der Tag, an dem die neue Welt des Lebens siegreich in die alte Welt des Todes ein­gebrochen ist und einen neuen Anfang gemacht hat, einen neuen Anfang für alle, die den Auferstandenen als ihren Herrn verehren. »Ist Jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist ver­gangen; siehe, es ist alles neu geworden. Aber das Alles von Gott, der uns mit ihm selber versöhnt hat durch Jesum Christum.«

Wir können keinen neuen Anfang machen; aber Gott hat ihn für uns gemacht. Und wir kön­nen diesen Anfang immer wieder für uns wirklich werden lassen, uns immer wieder seiner getrosten. Das ist ja der Sinn des Wortes Gottes, das uns jeder Sonntag neu verkündigt, daß wir dieses dürfen und sollen; daß unser Blick nicht auf unserm alten Leben haften bleiben soll, sondern auf seiner Gnade, die er uns in Christus schenkte. Daß wir uns wissen als die, die er neu gemacht hat, als die, die mit ihm versöhnt sind, als die Sünder und doch gerechtfertigt, als die Unreinen und doch rein.

Der Sonntag als der Herrentag will uns dessen versichern, daß wir zur neuen Welt, zur Welt Gottes, der Welt des Lebens gehören, schon jetzt gehören in all unsrer Schuld und Schwäche. Wie dieser Tag her­ausgenommen ist aus dem Lauf der Arbeitszeit, durch die wir an die alte Welt gebunden sind, so sind auch wir durch Christus herausge­nommen aus dieser Welt, frei von der Welt, ja frei von uns selbst, soweit wir immer noch zu dieser alten Welt gehören. Wie Christus dieser Welt gestorben ist, so gilt auch von uns: »Ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.« An dies sein verbor­genes Leben glauben, das macht den Christen aus, dieses unseres ver­borgenen Lebens versichert uns der Sonntag.

Aber von diesem verborgenen Leben sollen wir auch Zeugnis ge­ben, und das auch gerade dadurch, daß wir den Sonntag feiern als den Herrentag, an dem dieser neue Anfang, den Gott unserm Leben ge­schenkt hat, von uns immer wieder als neuer Anfang in unserm Erdenleben ergriffen und gefeiert wird. Laßt uns mit dem Dichter die Bitte an den Sonntag richten:

»Allen, die im Trüben irren,
sollst du eine Heimat sein.
Nimm sie aus den grauen Wirren
in dein strahlend Schloß hinein.

Allen Müden, die die schwere
sorgendunkle Woche brach,
sei mit deinem Seraphsheere
ein entglühter Siegestag.

Allen, die nach Liebe gingen
sechs verarmte Tage lang,
sollst du sieben Leuchten bringen
sieben Harfen, voll von Klang.

Alle, die nach Hause wollen,
nimm an deine weiche Hand.
Zeig du uns die wundervollen Berge
von dem andern Land.«
(Gustav Schüler)

Amen.

Gehalten am 24. Juli 1938.

Quelle: Rudolf Bultmann, Marburger Predigten, Tübingen: J.C.B. Mohr, 21968, S. 71-78.

Hier Bultmanns Predigt als pdf.

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