„Die Wahrheit wird euch freimachen“ Über die internetöse Gesellschaft

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In den letzten 20 Jahren ist unsere Gesellschaft durch eine Medienrevolution nachhaltig ver­ändert worden. WEB 2.0, Soziale Medien, Google und Smartphones haben dazu geführt, dass wir uns in einer „Empörungsdemokratie“ (Bernhard Pörksen) neu erfahren. Permanent sind wir emotionalisierten Informationen (oder auch Fehlinformationen) ausgesetzt, die uns erregen und verunsichern. Was aus Zusammenhängen herausgerissen, selbstgerecht kommentiert und unkontrolliert vervielfältigt wird, kann mitunter zu Hassreden, zu Mobbing, ja sogar zu Gewalt gegen Menschen führen.

Selbstfabrizierte Überzeugungen mit unbegründeten Verallgemeinerungen gelten einem allzu leicht als felsenfeste Wahrheit. Man sieht sich im Recht, wenn sich im Netz Gleichgesinnte finden lassen, die einen in der Sicht der Dinge bestätigen. Kritische Anfragen und Gegenpositionen hingegen will man nicht gelten lassen, indem deren Vertreter verächtlich gemacht werden. Wo in einer „internetösen“ Gesellschaft ein Freund-Feind-Denken um sich greift, geht eine gemeinsame Vertrauensbasis verloren. So fällt es immer schwerer, sich über das zu verständigen, was uns alle gemeinsam angeht.

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.“ (Matthäus 7,1f) Jesu Ermahnung aus seiner Bergpredigt gilt in besonderer Weise für unsere Zeit. Christen dürfen andere im Internet nicht verächtlich machen oder an den Pranger stellen. Gegenteilige Ansichten können – mitunter auch hart – kritisiert werden, solange zwischen Person und Position unterschieden und die eigene Kritik begründet wird. Und schließlich heißt es, sich die Möglichkeit eigenen Irrens eingestehen zu können.

Wo eigene Wut über andere Positionen oder Personen aufkommt, sollten Christen die Psalmen beherzigen: „Sollte ich nicht hassen, HERR, die dich hassen, und verabscheuen, die sich gegen dich erheben? Ich hasse sie mit ganzem Ernst; sie sind mir zu Feinden geworden. Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich’s meine.“ (Psalm 139,21-23) Wer so seine eigene Empörung vor Gott ins Gebet nimmt, muss sich nicht mit einer Hassrede an anderen vergehen. Uns gilt Jesu Wort: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ (Johannes 8,31f)

Hier mein Text als pdf.

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