„Dass die Toleranz, die Kraft, andere Meinungen und Arten der Lebensgestaltung zu ertragen, eine we­sentliche Bürgertugend ist“ – Axel von Campenhausen über Kirche und Staat

Köln, Evangelischer Kirchentag
Bundeskanzler Prof. Dr. Ludwig Erhard und der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages Dr. Richard von Weizsäcker am 1.8.1965 auf der Abschlusskundgebung des 12. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Köln.

Immer noch lesenswert ist der konzise Artikel von Axel von Campenhausen über Kirche und Staat aus dem Evangelischen Soziallexikon (1980). Diesen Artikel beschließt er mit folgenden Worten:

In rechtlicher Hinsicht zeichnet sich das Staatskir­chenrecht mit den in das GG übernom­menen Artikeln der WRV durch bemerkenswerte Stabilität aus. Gleich­zeitig machen sich aber starke Bewegungen bemerkbar, die sich humanistisch oder liberal nennen und die die beste­hende Ordnung in Frage stellen, z.T. mit kaum ver­hüllt kirchenfeindlicher Tendenz. Hierbei erfahren auch Gedanken des 19. Jh. eine Wiederbelebung, die nicht auf die freie religiöse Ent­faltung des Staatsbürgers abstellen, sondern seine Befreiung von der Religion zum Ziele ha­ben. Die Polemik gegen die Religionsfreiheit auch in öffentlichen Einrichtungen zielt insofern auf eine gerade nicht neutrale Haltung des Staates, als sie das Urteil des Staatsbürgers in reli­giös-weltanschauli­chen Fragen vorwegnimmt. Demgegenüber hat nicht zu­letzt das BVerfG in zahlreichen Entscheidungen zum Staatskirchenrecht ausgeführt, daß die Bundesrepublik der Staat aller Bürger ist, die alle die gleiche Chance ha­ben, ihr Leben nach ihren religiösen Grundsätzen einzu­richten. Das bedeutet im modernen pluralistischen Staat, daß die Toleranz, die Kraft, andere Meinungen und Arten der Lebensgestaltung zu ertragen, eine we­sentliche Bürgertugend ist, ohne die der freiheitliche Charakter der staatskirchenrechtlichen Ordnung kaum gewährleistet ist. Die Kirchen werden ihre Positionen und Forderungen immer wieder unter dem Gesichts­punkt zu überprüfen haben, ob diese dem spezifischen kirchlichen Auftrag und der Glaubwürdigkeit dienen.

Hier der vollständige Artikel als pdf.

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