„Die einzelnen Stücke der Liturgie sind nach dem Grundsatz des Wechsels der am gottes­dienstlichen Handeln Beteiligten angeordnet“ – Christhard Mahrenholz Einführung zum Hauptgottesdienst (Agende I, 1955)

Lutherische Messe neu9

Als 1955 die Agende I Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die sonstigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste in der VELKD eingeführt wurde, schrieb Christhard Mahrenholz dazu eine Einführung, in der die einzelnen Stücke vorgestellt und erläutert wurden. Da wird deutlich, dass diese Agende in ihrem liturgischen Anspruch volkskirchlichen Verhältnissen nicht zugeneigt ist:

Einführung zum Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl
(Die evangelische Messe)

Von Christhard Mahrenholz

Der Hauptgottesdienst an Sonn- und Feiertagen wird nach einer bestimmten Ordnung gehal­ten, welche Lieder, Gebete, Schriftlesungen, Wechselgrüße, das Glaubensbekenntnis, die Predigt und die Feier des Altarsakramentes in einer ganz bestimmten, festgelegten Reihen­folge umfaßt. Diesen Aufbau des Gottesdienstes bezeichnet man als „die Liturgie“. Ein Teil der genannten Studie kehrt in jedem Gottesdienst mit unverändertem Text und zumeist auch mit derselben Melodie wieder: wir nennen ihn das Ordinarium. Die anderen Stücke wechseln allsonntäglich oder beschränken sich je nach den Zeiten des Kirchenjahres auf eine Reihe von Sonntagen: diese Stücke bezeichnen wir als das Proprium. Das Proprium ist in der Reihen­folge der Sonn- und Festtage vom 1. Advent ab auf Seite 1 ff. wiedergegeben. Die Gottes­dienstordnung mit dem Ordinarium findet sich auf Seite 50* ff.

Der vollständige Hauptgottesdienst ist Gottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl. Das gilt auch, wenn zur Zeit manche Hauptgottesdienste ohne Feier des Altarsakramentes began­gen werden. Die Predigt als die „lebendige Stimme des Evangeliums“, in dem Jesus Christus auch heute unter uns gegenwärtig ist, darf in keinem Hauptgottesdienst unterbleiben. Aber auch das heilige Abendmahl als Stiftung Christi, durch die er sich leibhaft den Seinen schenkt, soll sonntäglich oder in bestimmter regelmäßiger Abfolge in und mit der ganzen Gemeinde öffentlich gefeiert werden.

Die einzelnen Stücke der Liturgie sind nach dem Grundsatz des Wechsels der am gottes­dienstlichen Handeln Beteiligten angeordnet. Solche Beteiligten sind in jedem Hauptgottes­dienst der Pfarrer als Träger des kirchlichen Amtes und die Gemeinde als die Versammlung der Getauften. Denn nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift und der Lehre der Reformation ist jeder Getaufte zum „allgemeinen Priestertum der Gläubigen“ berufen. Diesen priesterlichen Dienst, „das Lob- und Dankopfer“, übt er im Gottesdienst aus durch Beten, Singen und Dan­ken „mit Herzen, Mund und Händen“, und darum gehören auch die Gaben für den Klingel­beutel und die Beckenkollekte als Liebesopfer zu diesem priesterlichen Dienst hinzu. Dadurch ehrt und preist der Christ den Dreieinigen Gott und wirkt mit bei der [42*] Verkündigung sei­nes Wortes. So bat jedes Gemeindeglied ein unaufgebbares gottesdienstliches Amt zu verse­hen.

Der Pfarrer ist der verantwortliche Leiter des Gottesdienstes. Er kann von mehreren Amts­trägern unterstützt werden, die einige seiner Funktionen übernehmen (Liturg, Prediger, Lek­tor), die Gemeinde kann sich in „Chöre“ teilen oder aus ihrer Mitte einen besonderen Chor bestellen, der sie bei bestimmten liturgischen Stücken vertritt und gelegentlich auch Stücke übernimmt, die dem Pfarrer zufallen. Solch ein Chor kann der Kirchenchor aus den sanges­kundigen Gliedern der Gemeinde sein oder auch die Schar der Kinder und Konfirmanden oder eine Jugendgruppe oder ein Singkreis aus anderen kirchlichen Werken. Gemeinde und Chor singen unter Leitung des Kantors. Die der Gemeinde zukommenden Stücke des Gottesdien­stes werden entweder von ihr allein oder von Gemeinde und Chor im Wechsel oder vom Chor – stellvertretend für die Gemeinde – gesungen. Im letzten Falle soll die Gemeinde den Gesang des Chores mit einem Lied oder einer Liedstrophe aufnehmen. Die Gemeinde singt die ihr zu­stehenden liturgischen Stücke zumeist in der Form von Liedern, außerdem ist sie an manchen liturgischen Stücken des Pfarrers unmittelbar beteiligt: sie erwidert die sogenannten Wechsel­grüße (Salutatio, Versikel und dergl.) und beantwortet jedes Gebet und jeden Segenswunsch des Liturgen singend oder sprechend mit Amen.

Der Gottesdienst gliedert sich seit den Tagen der alten Christenheit in vier Abschnitte, die jeweils eine Reihe liturgischer Stücke umfassen. Im Mittelpunkt stehen die beiden Abschnitte, die der Wortverkündigung (II) und der Sakramentsausteilung (III) gewidmet sind (Wenn das heilige Abendmahl nicht gefeiert wird, fällt Abschnitt III fort.) Schon in früher Zeit hat sich diesen beiden Abschnitten ein Eingangsteil (I) vorgelagert, dem ein Schlußteil (IV) nach den beiden Hauptteilen entspricht. Später wurde es üblich, dem Eingangsteil ein Rüstgebet voran­zustellen. Die lutherische Kirche hat diesen Aufriß übernommen, das Rüstgebet fand aber nur in einem Teil der Gemeinden Eingang. Es ist in der nachfolgenden Ordnung zum Gebrauch freigestellt. Was jeder Christ nach dem Betreten des Gotteshauses in der Stille für sich tut, wird in diesem Rüstgebet gemeinsam von der ganzen Gemeinde getan: Wir beten um rechte Berei-[43*]tung für den Gottesdienst. Dieses Gebet mündet in dem gemeinsamen Bekenntnis „Gott, sei mir Sünder gnädig“. Der Liturg nimmt diese Bitte auf in einem Gebetswunsch um Sünden­vergebung und um Gewährung der in Jesus Christus verheißenen Gnade der Gottes­kindschaft.

I. Der Eingangsteil

Am Anfang des Gottesdienstes steht seit alter Zeit der Gesang eines Psalmes. Heute wird dieser zumeist in der Form eines Gemeindeliedes ausgeführt. Doch singt, wo dies möglich ist, der Chor vorher einen Psalm als Introitus. Dieser Psalm gibt einer Reihe von Sonntagen in der Fastenzeit und in der Freudenzeit ihren Namen. Die Agende bringt den sonntäglich wechseln­den Introitus (A), außerdem unter B einen Psalm, der für eine Reihe von Sonntagen oder eine Gruppe von Fest- und Gedenktagen gemeinsam ist und darum auch von weniger geübten Chören gesungen werden kann. Chorintroitus bzw. Gemeindelied schließen mit dem Lobpreis des Dreieinigen Gottes „Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste …“, dieser Lobpreis fällt in der Passionszeit (vom Sonntag Judika bis zum Karsonnabend) fort.

Nun folgt ein in sich zusammenhängendes, gegliedertes Eingangsgebet, das aus zwei oder (zumeist) drei Stücken besteht: dem Kyrie eleison, dem Gloria in excelsis und dem Kollek­tengebet. In diesen drei Stücken des Eingangsteiles sind feststehende und wechselnde Gebets­stücke miteinander vereint: die beiden ersten von Chor und Gemeinde gesungenen Stücke sind an jedem Sonntag inhaltlich gleich. Das dritte Stück, das vom Liturgen gesungene Kol­lektengebet, wechselt in der Regel allsonntäglich und gibt dem Eingangsgebet das bestimmte Gepräge des jeweiligen Sonn- oder Festtages.

Mit dem Kyrie eleison – Herr, erbarme dich (hebräisch: Hosianna) begrüßte in der alten Welt das Volk den einziehenden König. Mit dem gleichen Rufe wandten sich die Hilfesuchenden an den Herrn Christus in dessen Erdentagen. So stimmen auch wir zu Beginn des Eingangs­gebetes in das Kyrie eleison ein als in die Bitte um Gottes Hilfe und Gottes Erbarmen in aller menschlichen Not. An den Sonntagen der Advents- und der Fastenzeit sowie an Wochentagen folgt jetzt sogleich das Kol-[44*]lektengebet, während an den übrigen Sonntagen und an den Festtagen das Kyrie eleison im Gloria in excelsis weitergeführt wird. Dieses große Lob- und Bittgebet beginnt mit dem Engelsgesang des „Ehre sei Gott in der Höhe“ (Luk. 2, 44). Nach einem überschwenglichen Lobpreis Gottes ruft das Gebet sodann Jesus Christus als das Got­teslamm, das die Sünden der Welt trägt, flehend an und mündet in den erneuten Lobgesang Gottes aus. Wie im Kyrie und Gloria überhaupt, so stehen auch innerhalb des Gloria die Bitte um Gottes Erbarmen und der Dank für Gottes Erbarmen unmittelbar nebeneinander als die beiden Pole jedes echten christlichen Gebetes.

Nun betet der Liturg das Kollektengebet des Tages. Dieses Gebet ist in drei immer wieder­kehrende Teile gegliedert und kann so von der Gemeinde leichter verstanden und mitgebetet werden. Am Anfang steht die Anrede, häufig durch einen Nebensatz erweitert (vergl. im Vaterunser: „der du bist im Himmel“), in dem an die Heilstaten und -verheißungen Gottes erinnert wird. Es folgt die eigentliche Bitte, die sich zumeist auf einen Gedanken beschränkt und den Inhalt der Bitte in schlichtester Form wiedergibt. Am Ende steht der Beschluß „Durch unsern Herrn Jesum Christum, deinen Sohn …“, der das Gebetsanliegen dem hohen­priesterlichen Eintreten Christi (Hebr. 7, 25) befiehlt und in stets gleichbleibenden Worten die Gewißheit der Erhörung durch das Bekenntnis zur ewigen Herrschaft des Dreieinigen Gottes bezeugt.

Dem Kollektengebet geht die Salutatio (deutsch: Heilsanwünschung) zwischen Liturg und Gemeinde voraus. „Der Herr sei mit euch – und mit deinem Geist“. Mit diesem oder einem ähnlichen Wunsche segnet der Liturg die Gemeinde und läßt sich von der Gemeinde jedes­mal dann segnen, wenn er betend oder verkündigend als einzelner tätig wird, also vor dem Kollek­tengebet, vor der Predigt, vor dem Präfationsgebet und vor der Schlußkollekte bzw. vor dem Benedicamus.

Mit dem Amen der Gemeinde wird der Gebetsteil zum Eingang geschlossen.

II. Der Wortteil

Der Wortteil des Hauptgottesdienstes besteht seit alters aus Schriftlesung und Predigt, zwi­schen denen Lieder und andere Lobgesänge stehen. Die beiden Schriftlesungen und die Pre­digt [45*] bieten der Gemeinde an jedem Sonntag das apostolische Zeugnis [Epistel, zu deutsch: Brief), die in den Evangelien bezeugten Taten und Worte des Herrn Christus (Evan­gelium, zu deutsch: Frohbotschaft) und das gegenwärtige Christuszeugnis (im Wort der Pre­digt) dar.

Die Epistel wird außer in der Vorfasten- und Fastenzeit sowie außer an Buß- und Trauertagen abgeschlossen mit dem österlichen Halleluja, das dort, wo ein Chor tätig ist, den vom Chor gesungenen sonntäglich wechselnden Hallelujavers umschließt. Das folgende sogenannte Graduallied ist das einzige für jeden Sonn- und Festtag des Kirchenjahres festliegende, all­jährlich wiederkehrende Lied, das als Lied der Woche in den Wochengottesdiensten und in der Hausandacht die ganze Woche hindurch immer wieder erklingen soll. Die Reihe der Wochenlieder bringt im Ablauf des Jahres die Kernlieder der reformatorischen Kirche. In diesen Liedern, die vielfach auf den Inhalt des Tagesevangeliums hinweisen, beteiligt sich die Gemeinde selbst an der Wortverkündigung, daher sind die Wochenlieder auch überwiegend „Lehrlieder“.

Das anschließend verlesene Evangelium als die Botschaft von den Worten und Werken Jesu Christi wird eingerahmt durch die von der Gemeinde gesungenen Lobpreisungen „Ehre sei dir, Herre“ und „Lob sei dir, o Christe“.

Auf das Evangelium folgt das Credo (Glaubensbekenntnis). Es ist nicht nur ein Hauptstück im Katechismus, sondern auch ein Lobpreis Gottes (vor allem das Nizänische Glaubensbekennt­nis, das eigentliche Credo des Hauptgottesdienstes) und sollte daher von der ganzen Gemein­de gesungen werden.

Jetzt wird als wesentlichstes Stück des Wortteiles die Predigt gehalten, den Predigten liegen Bibeltexte zugrunde, die von der Kirche nach dem Charakter des Tages ausgewählt sind. Die Predigt ist nicht menschliche Rede über ein religiöses Thema, sondern Bezeugung des göttli­chen Wortes in der Kraft des Heiligen Geistes für die versammelte Gemeinde. Durch sie spricht Jesus Christus selbst zu uns wie in seinen Erdentagen, er warnt und straft, er stärkt und tröstet uns und gibt uns Anteil an den Gnadengaben, die er durch seinen Tod und seine Aufer­stehung für uns erworben hat. Die Gemeinde faßt ihr Amen zur Predigt zusammen in dem Predigtliede, das sich als Antwort auf die [46*] gehörte Verkündigung von dem Gradualliede mit seiner in der Regel objektiven Aussage unterscheidet.

So ergibt sich für den Wortteil des Gottesdienstes ein ähnlicher dreigegliederter Aufbau wie für den einleitenden Gebetsteil. Die erste Gruppe bildet die Epistel mit dem Halleluja und dem gesungenen Graduallied, die zweite Gruppe bildet das Evangelium mit dem gesungenen Glau­bensbekenntnis, die dritte Gruppe die Predigt mit dem anschließend gesungenen Predigtlied. Nach der Predigt oder dem Predigtliede werden die Abkündigungen gehalten. Dann wird das Dankopfer eingesammelt, das seit den Anfängen der Kirche ein wesentliches Stück des Got­tesdienstes darstellt. Hier üben die Kirchenvorsteher (Kirchenältesten) ihr gottesdienstliches Amt aus als Diakone im Sinne der Urgemeinde, also als die für das gottesdienstliche Liebes­opfer Verantwortlichen.

Das Allgemeine Kirchengebet, das den Wortteil abschließt, steht in engem Zusammenhang mit dem Präfationsgebet, das den Sakramentsteil eröffnet. Das Präfationsgebet ist vorwiegend Lobpreis, das Allgemeine Kirchengebet hauptsächlich Fürbitte. Diese Fürbitte gliedert sich – wiederum um das Mitbeten zu erleichtern – in drei Abschnitte, die jedesmal wiederkehren. Der erste Abschnitt bringt die Fürbitte für die Kirche, ihre Gemeinden und Amtsträger, ihre Konfirmanden und Katechumenen, ihre Arbeit und ihre verfolgten Glieder. Im zweiten Ab­schnitt beten wir für die öffentliche Ordnung im Lande: für die Obrigkeit, für den Frieden, um gute Ernte und Gesundheit, um Arbeit, um Gottes Segen für Ort und Land. Der dritte Ab­schnitt hat die Notleidenden im weitesten Sinne im Auge: die Armen, Kranken, Witwen und Waisen, die Gefangenen und Heimatlosen, die Angefochtenen, Bekümmerten, Zweifelnden und Abgefallenen. Mit diesem Fürbittengebet übt die Kirche einen stellvertretenden Dienst. Wie sie in der Predigt auch die gottferne Welt angesprochen hat, deren Ohr verschlossen und deren Herz verstockt ist, so nimmt sie im Allgemeinen Kirchengebet die entscheidenden An­liegen dieser irdischen Welt und ihrer Ordnung auf; sie betet auch für die, die selbst nicht beten können.

Die Formen des Allgemeinen Kirchengebetes sind verschieden, entweder spricht der Liturg das Gebet und die Gemeinde schließt es mit Amen ab, oder die Gemeinde nimmt die einzel­nen [47*] vom Lektor vorgetragenen Bitten mit „Herr, erbarme dich“ auf, oder der Liturg spricht nach jedem Gebetsaufruf des Lektors ein Kollektengebet, zu dem sich die Gemeinde mit Amen bekennt.

III. Der Sakramentsteil

Während der Wortteil sich im wesentlichen am Lesepult und auf der Kanzel vollzieht, steht im Sakramentsteil der Altar als der „Tisch des HErrn“ im Mittelpunkt. Dieser Teil beginnt mit dem Lobpreis des sog. Präfationsgebetes, in das die Gemeinde mit dem „Heilig, heilig, heilig ist Gott …“ (Jes. 6, (Matth. 21) einstimmt. Die Präfation, das große Dankgebet, macht mit dem ihm folgenden Sanctus in besonderer „Weise die Tatsache deutlich, daß bei der Feier des Altarsakramentes – wie im Gottesdienst überhaupt – die neue Welt Gottes schon in diese Welt hineinragt. Der irdische Lobpreis der Gemeinde derer, die noch unterwegs sind, vereint sich hier mit dem himmlischen Lobpreis der Engel und der vollendeten Heiligen Gottes.

Nun kann die Liturgie auf verschiedene Weise weitergeführt werden. Die Form B entspricht der in der alten Kirche gebräuchlichen Ordnung: das Präfationsgebet mündet aus in die Bitte an Gott, daß er durch den Heiligen Geist uns an Leib und Seele erneuern möge, damit wir die Gabe des Sakramentes recht empfangen. Dann folgen die Einsetzungsworte in ihrer Doppel­bedeutung als Verkündigung des Testamentes Christi und als Segnung der heiligen Speise. Das Gebet wird nach dem Gedenken an Christi Tod, Auferstehung und Himmelfahrt und nach der Bitte um das Kommen des Reiches Gottes mit einem feierlichen Lobpreis des Dreieini­gen Gottes abgeschlossen. Vaterunser (als Tischgebet) und (Friedensgruß leiten die Austei­lung des Sakramentes ein.

Die Form A ist die Ordnung Martin Luthers, der die meisten lutherischen Kirchen gefolgt sind: nach der Präfation und dem Sanctus wird das Vaterunser gebetet, in dem die 2. Bitte (dein Reich komme), die 4. Bitte (unser täglich Brot gib uns heute, Tischgebet!) und die 5. Bitte (vergib uns unsere Schuld) in besonderer Beziehung zum heiligen Abendmahl stehen. An das Vaterunser schließen sich die Einsetzungsworte an. Dann folgt sogleich die Austei­lung, so daß die beiden entscheidenden Stücke der Abendmahlshandlung, die Stiftungsworte Christi und die [48*] Spendung des Sakramentes, unmittelbar zusammenstehen und dadurch im Ablauf der Liturgie bedeutsam hervortreten.

Nun singt die Gemeinde den alten Abendmahlsgesang „Christe, du Lamm Gottes“, und die Kommunikanten treten an den Altar, um den Leib und das Blut Christi unter der Gestalt von Brot und Wein zu empfangen. Die Gemeindeglieder, die nicht zum heiligen Abendmahl ge­hen, schließen durch ihr Gebet den Kreis der Abendmahlsgäste in einen Ring der Fürbitte ein und preisen mit den Kommunikanten in den Abendmahlsliedern den im Sakrament gegenwär­tigen HErrn:

Dir sei, Christe, ewig Lob
für solche heilsame Speis und Gab.
O erhalt uns in der Kraft dieser Speis
zu deinem Lob, Ehr und Preis.
(Ev. Kirchengesangbuch Nr. 155 Str. 6)

Zum Beschluß der Austeilung singt die Gemeinde ein Danklied, in der Regel Luthers „Gott sei gelobet und gebenedeiet“.

IV. Der Schlußteil

Der Gottesdienst geht jetzt in schlichter Form dem Abschluß zu. Nach Wechselgruß und Ver­sikel betet der Liturg die Schlußkollekte. In ihr dankt die Gemeinde zunächst für „die heilsa­me Gabe“, die ihr im Sakrament geschenkt ist. Dann bittet sie – in Sätzen, die nach dem Kir­chenjahr wechseln – darum, daß Gott seine Gabe in unserm Glauben und Leben fruchtbar werden lasse. Die Schlußkollekten zeigen nichts mehr von dem Jubel der Abendmahls­psal­men und -lieder, sondern reden in einer verhaltenen Sprache: was die Gemeinde im Sakra­ment empfangen hat, kann durch große Worte nicht noch überhöht werden.

Danach entläßt der Liturg die Gemeinde mit dem Friedenswunsch „Gehet hin im Frieden des Herrn“, und die Gemeinde nimmt diesen Wunsch auf mit dem Lobpreis „Gott sei ewiglich Dank.“ Mit dem aaronitischen Segen (4. Mose 6), den der Liturg unter dem Zeichen des Kreu­zes der Gemeinde erteilt und den diese mit Amen aufnimmt, ist der Gottesdienst zu Ende. Die Gemeinde verläßt nach einem stillen Gebet das Gotteshaus. Wie am Anfang, so spielt auch am Schluß die Orgel zu Gottes Lob und Preis.

Quelle: Kirchenleitung der VELKD (Hrsg.), Agende für evangelisch-lutherische Kirchen und Gemeinden, Bd. 1: Der Hauptgottesdienst mit Predigt und heiligem Abendmahl und die son­stigen Predigt- und Abendmahlsgottesdienste. Ausgabe für den Pfarrer, Berlin: Lutheri­sches Verlagshaus, 1955, S. 41*-48*.

Hier der vollständige Text als pdf.

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