„Wer Christus nicht kennt, der wird sich schwer von der knechtischen Macht des Mammons lösen können. “ Gustav Heinemanns Bibelarbeit zu Lukas 16,1-15

Parable of the Unjust Steward. 2012. Canvas, oil. 80 x 70. Artist A.N. Mironov
Andrey Mironov – Gleichnis vom ungerechten Haushalter (2012)

Als Gustav Heinemann 1936 das Angebot bekam, in den Vorstand des Rheinisch-Westfälischen Kohlesyndikats einzutreten, macht er seine Zusage davon abhängig, dass auch in dieser Position ihm sein Wirken in der Bekennenden Kirche zugestanden werde. Daraufhin wurde vom Aufsichtsrat das Angebot zurückgezogen. Dass Geld und Geltung für einen Christen persönlich wenig zählen können, hat Gustav Heinemann 1937 in einer Bibelarbeit selbst dargelegt:

Das Gleichnis vom ungerechten Haushalter (Lukas 16,1-15)

Von Gustav W. Heinemann

Äußerlich, menschlich gesehen ist dies eine skandalöse Geschichte, und doch wird hier der ungerechte Haushalter von seinem Herrn gelobt. Dieses Lob macht sich Jesus zu eigen und stellt ihn noch als Vorbild heraus. „Machet euch Freunde unter den Menschen …“ Wie soll dies verstanden werden? Diese Geschichte ist ein besonderes Merkmal, daß die Bibel kein Gesetzbuch ist; diese Geschichte muß geistig verstanden werden.

Worüber sollen wir hier belehrt werden? Es handelt sich hier um Besitz, und zwar jedweden Besitz, so ärmlich und klein er auch sein mag.

Diese Geschichte ist nun nicht zu den Phari­säern und Zöllnern, sondern zu den Jüngern gesagt, und darum ist hier insbesondere der Besitz der Jünger gemeint. Hier ist aus der Lehre vom Besitz ein Teilstück herausgenommen, welches sehr bedeutsam ist.

Das Lob liegt nicht auf der Handlung, sondern auf der Klugheit, mit der der Haushalter ge­handelt hat. Er hat eine Seite am Gelde entdeckt, die so leicht nicht gesehen wird und die doch eben das Wesentliche ausmacht. Un­sere natürliche Einstellung zum Besitz ist egoistisch. Die­se Haltung erweckt Neid bei anderen und bringt uns in Versuchung. Der ungerechte Haus­hal­ter hat in seiner letzten Stunde nichts für sich auf die Seite geschafft, sondern hat mit be­son­derer Klugheit also wie geschehen gehandelt. Die Schuldner seines Herrn, denen er kraft sei­ner Vollmacht einen Teil ihrer Schulden erlassen hatte, sollten sich seiner erinnern, wenn er nicht mehr in seiner Stellung war. Er findet eine Art des Besitzes, welche Gemeinschaft stif­tet. Hier trennt nicht Geld, sondern verbindet. Diese Haltung wird ihm zur Klugheit angerech­net, und darum wird er uns zum Vorbild hingestellt. [213]

Unser Besitz ist nicht von uns selber, sondern eine Gabe Gottes. Wir aber sollen mit den Ga­ben, die Gott uns gibt, Gemeinschaft stiften. Christus sagt hier: Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon usw. Uns soll dieses noch mehr belohnt werden als dem ungerechten Haushalter. Er wird nur Unterschlupf bei den Mitbürgern und Bauern finden; wir aber sollen mit unserem Herrn zusammen leben in seiner Herrlichkeit. Gott will, daß wir Gemeinschaft stiften, und wird uns dieses hoch anrechnen. Christus sagt: Was ihr einem der Geringsten mei­ner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. Dieses muß ausdrücklich losgelöst werden von dieser Geschichte.

Der Mammon wird darum als ungerecht bezeichnet, weil er uns knechten will, weil wir an ihm hängen und uns so schlecht davon lösen können. Wir sind ständig auf der Jagd nach dem Besitz, dem Mammon. Dieser braucht nicht gestohlen zu sein; er selbst ist trügerisch und ungerecht uns selbst gegenüber. Das ist die Kraft des Mammons, die uns überall entgegentritt. Wir lassen uns von dem Mammon knechten. Er beherrscht uns und nicht wir ihn. Dieses steckt nicht in dem Besitz und Mammon, sondern in uns selber.

Und doch kann der Besitz plötzlich in einem Lichte stehen, welches die Seite der Ungerech­tigkeit von ihm nimmt. Wir sollen Treuhänder und Haushalter des Besitzes und der Gaben sein, die Gott uns gegeben hat. Auch wir kom­men in die Stunde, da von uns Rechenschaft gefordert wird. Auch wir sind bei Gott aufgefallen wegen der Verwendung seines uns gege­benen Besitzes. Und so wie Jesus besonders zu den Jüngern gesprochen hat, so ist auch die­ses im besonderen an uns gerichtet. Für uns heißt es also: Niemand kann zwei Herren dienen. Wir stehen hier vor der Frage, ob wir Gott oder dem Mammon dienen wollen. Wer Christus nicht kennt, der wird sich schwer von der knechtischen Macht des Mammons lösen können. Wer aber ein Kind des Lichtes ist, der wird auch die ganz andere Seite der Kraft des Mammons finden, welche Gemeinschaft stiftet.

Wenn wir dieses den Kindern der Welt erzählen würden, dann würden sie genauso spotten wie damals die Pharisäer. Aber leider ist dieser Einwurf des Pharisäers auch meistens immer wieder unser eigener Einwurf. Wer von uns könnte sich ganz frei machen von den Einwirkun­gen des Mammons? Wir stecken hier in der Eigenliebe und glauben nicht ganz, was Gott ver­heißt. Besitz ist ein Prüfstein, ob wir Gott vertrauen wollen. Nicht Recht­fertigung vor uns sel­ber oder vor anderen, sondern Rechtfertigung vor Gott, und die hängt davon ab, daß wir treu sind in der Verwaltung unseres eige­nen Besitzes, nach dem Willen Gottes Gemeinschaft stif­tend. Aber nur Gott kann uns dieses recht deutlich machen, und darum müssen wir ihn bitten.

Alles was wir mehr lieben als Gott, ist unser Abgott.

Textauslegung für den CVJM Essen von November 1937.

Quelle: Werner Koch, Heinemann im Dritten Reich. Ein Christ lebt für morgen: Wuppertal: Aussaat Verlag 1972, S. 212f.

Hier der Text als pdf.

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