„Was ich da geglaubt und bekannt habe, war nicht wirklich ernst gemeint“ – Warum die Martyriumsfrage Kriterium des christlichen Glaubens ist

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Märtyrer des 20. Jahrhunderts am Westportal der Westminster Abbey in London

Das ist ja die Frage: Welches Bekenntnis zu Jesus Christus bzw. welche Glaubensaussagen über ihn können im Sinne des Evangeliums als christlich gelten? Wer soll das wie entschei­den, wenn Menschen auf ihren persönlichen Glauben und ihr je eigenes Verständnis von Jesus verweisen? Wenn es um subjektive Ansichtssachen geht, scheinen Vielfalt und Toleranz bezüglich eines je eigenen Christseins unvermeidlich zu sein. Und doch gibt es ein wesentli­ches Kriterium für den christlichen Glauben, nämlich die Martyriumsfrage:

Kannst du aufgrund deiner Glaubensüberzeugung gewillt (und bereit) sein, für deren Gültigkeit bzw. Wahrheit zu sterben?

Mit dieser Anfrage soll nicht etwa innere Glaubensstärke oder persönliche Opferbereitschaft als christliches Wahrheitskriterium ausgewiesen werden. Vielmehr geht es um die Wirklich­keit (enérgeia) des eigenen Christus-Zeugnisses. Wenn im tödlichen Blutzeugnis das eigene Leben mit dem Christus-Zeugnis verbunden ist, zeigt sich darin die Lebenswirklichkeit des Evangeliums, wie sie Paulus im Brief an die Römer zur Sprache gebracht hat:

Keiner von uns lebt für sich selbst, und keiner stirbt für sich selbst. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir nun leben oder sterben, wir gehö­ren dem Herrn. Denn dazu ist Christus gestorben und wieder lebendig geworden: dass er Herr sei über Tote und Lebende.“ (14,7-9 Zürcher)

Das christliche Martyrium bewirkt kein Heil, sondern bezeugt die Wirklichkeit des Christus­geschehens zum eigenen Heil – von der Fleischwerdung des Gottessohnes hin zum Kreuzes­tod von Golgota und zur leiblichen Auferstehung aus dem Felsengrab in die Erhöhung zur Rechten des Vaters auf seinen endgültigen Advent hin. Dieses Geschehen ist einem im Glauben an das Evangelium so wirklich, dass keine menschenmögliche Tötung das eigene Leben aus der Lebensgemeinschaft mit Christus herausreißen kann. Hoffnungslos wäre hingegen die eigene Absage an diese Lebensgemeinschaft. Noch einmal mit Paulus gesprochen:

Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden also mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit, wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt worden ist, auch wir in der Wirklichkeit eines neuen Lebens unseren Weg gehen. Wenn wir nämlich mit dem Abbild seines Todes aufs Engste verbunden sind, dann werden wir es gewiss auch mit dem seiner Auferstehung sein.“ (Römer 6,3-5 Zürcher)

Wo an Stelle der Lebensbindung an das Christus-Geschehen (liturgisch als Pascha-Mysterium ins gemeinschaftliche Gedächtnis genommen: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Wahrheit preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“) eigene sinnstiftende Gottesbilder oder ein moralisches Jesus-Vorbild bekannt werden, muss die Martyriumsfrage negativ beschieden werden. Für unwirkliche Ideen, Visionen, Bilder, Gefühle, Ersinnungen (Fiktionen) und Seeleninnerlichkeiten bedeutet die Preisgabe des eigenen Lebens in der Fremdtötung der unwiderrufliche Lebensverlust. Was liberale Theologie und subjektiver Religionismus zur Selbstvergewisserung als persönlichen Glauben herausstellen, ist nicht martyriumsfähig. Christliche Zeugnisgabe (martyropoíēma), die in letzter Konsequenz leibliche Hingabe (Körper-Zeugnis) zu sein hat, verdankt sich der passionierten Orthodoxie des Glaubens.

Wird in einer gewaltsamen Verfolgung der subjektive Glaube zur Rechenschaft gezogen und steht dabei das eigene Leben auf dem Spiel, meldet sich eine selbsterhaltende Apostasie zu Wort: „Das alles, was ich da geglaubt und bekannt habe, war nicht wirklich ernst gemeint; das war nur so eine Idee von mir …“

Hier mein Text als pdf.

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