„Die stille und verborgene Kraft, die das Saatkorn reifen und die Wunden heilen lässt, ist die gleiche heute wie am Anfang, die Segenskraft Gottes“ – Claus Westermann über den Segen

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Es ist Claus Westermann (1909-2000) mit seiner Schrift Der Segen in der Bibel und im Handeln der Kirche (München 1968) zu verdanken, dass der Segen theologisch Beachtung gefunden hat, bevor dann Dorothea Greiner mit ihrem Buch Segen und Segnen: Eine systematisch-theologische Grundlegung bzw. Magdalene L. Frettlöh mit ihrer Theologie des Segens. Biblische und dogmatische Wahrnehmungen 1998 zeitgleich den Segen umfassend theologisch dargestellt haben. 1992 hat Westermann für das von Hans-Christoph Schmidt-Lauber und Manfred Seitz herausgegebene Buch Der Gottesdienst. Grund­lagen und Predigthilfen zu den liturgischen Stücken seine Überlegungen zum Segen auf dreizehn Seiten noch einmal zusammengefasst:

Der Segen in unserer Gegenwart

Die Rhythmen des Segens, in denen der Schöpfer nach der Flut die Bewahrung der Erde zugesagt hat, sind von den Ursprüngen her die gleichen geblieben, sie werden die gleichen bleiben, »solange die Erde steht«. Und die stille und verborgene Kraft, die das Saatkorn reifen und die Wunden heilen läßt, ist die gleiche heute wie am Anfang, die Segenskraft Gottes. Die naturwissenschaftliche und technische Ent­wicklung hat den Menschen eine Fülle neuer Mög­lichkeiten gegeben, aber sie hat nichts daran geändert, daß das Leben selbst dem Menschen nicht verfügbar ist. Gerade hier aber erhält der Segen, von dem die Bibel spricht und der im Gottesdienst über die in ihm Zusammenkom­menden gesprochen wird, eine hohe Bedeutung. Das Wirken des Segens Gottes ist unersetzbar. Unsere Erde und unser Menschsein bedürfen des Segens Gottes, als ganze und über alle Grenzen hinweg; denn Gott läßt seine Sonne schei­nen über Gute und Böse und läßt es regnen über Gerechte und Ungerechte, so hat es Jesus gesagt.

Dasselbe gilt auch für den Empfang des Segens im Gottesdienst. Keiner ist von dem hier erteilten Segen ausgenommen, der ihn dankbar annimmt; ob ihn bei der Predigt Fragen und Zweifel bewegten, im Empfang des Segens kommen sie zum Schweigen. Auch unsere eige­nen Vorstellungen über den Segen spielen dabei keine Rolle. Es geht nicht darum, ob der Segen im Augenblick, in dem er über die Gemeinde gesprochen wird, irgendetwas Geheim­nisvolles oder gar Magisches bewirkt, es geht vielmehr darum, daß, was in der Predigt ver­kündet wurde, jetzt im Segen auf das ganze Dasein ausgeweitet wird. Wer am Ende des Gottesdienstes die Worte: »Der Herr segne dich und behüte dich …« hört, der mag nun diese Worte auf sein persönliches Leben beziehen, auf seine Familie, auf seine Gesundheit, auf das Gelingen seiner Arbeit, auf den Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Dann geht er als ein Gesegneter aus dem Gottesdienst.

Hier Westermanns vollständiger Text „Segen“ als pdf.

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