„Wir gehen nicht verloren“ – eine Betrachtung zum Aquarell „Heilige Märtyrer von Libyen“ (Nikola Sarić, 2015)

Aquarell „Heilige Märtyrer von Libyen“ (Nikola Sarić, 2015)

Was für ein Bild: Da werden 21 Männer in orangefarbigen Overalls von 21 schwarz vermummten Gestalten an einem Strand in Libyen vorgeführt, auf die Knie gezwungen und dann nacheinander enthauptet. Am 15. Februar 2015 hatte die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) ein diesbezügliches fünfminütiges Video unter dem Titel „Eine in Blut geschriebene Nachricht an die Nation des Kreuzes“ über das Internet publik gemacht. An den Westen adressiert erklärte der Anführer: „Wir werden das Meer mit eurem Blut tränken.“ Die letzte Sequenz zeigt dann rot gefärbtes Meerwasser.

Bei den Ermordeten handelte es sich um 20 koptische Christen aus Ägypten. 13 davon stammten aus dem Dorf al Our nahe der mittelägyptischen Stadt Samalut im Gouvernement al-Minya. Diese waren als Gastarbeiter in Libyen tätig gewesen waren. Außerdem befand sich unter den Getöteten ein schwarzafrikanischer Christ aus Ghana. Die Getöteten waren zuvor bei zwei Angriffen der islamistischen Terrorgruppe Ansar al-Scharia – sie hatte sich im Oktober 2014 dem IS angeschlossen – im Dezember 2014 und Januar 2015 in der libyschen Stadt Sirte entführt worden.

Blutrot gefärbtes Meerwasser

Grausame Propaganda, die weltweit Empörung und Erschrecken hervorgerufen hatte. Sorgevolle Blicke richten sich auf die koptische Kirche im muslimisch dominierten Ägypten. Die Antwort von Angehörigen der Opfer sowie von Bischöfen und Priestern überraschte: Vergebung für die Täter wurde einhellig ausgesprochen und zugleich mischte sich in die Trauer Stolz und Freude. Bereits eine Woche nach der barbarischen Tat nahm der koptische orthodoxe Patriarch Tawadros II. die 21 ermordeten Christen in das sogenannte „Synaxarium“, das Buch der Märtyrer der koptischen Kirche, auf.

Auf dem Propagandavideo konnte man nämlich hören (und sehen), dass einige der Hingerichteten im Augenblick ihrer Tötung immer wieder das Bekenntnis „Herr Jesus Christus“ sprechen. Dazu der damalige koptisch-katholische Bischof von Guizeh, Antonios Aziz Mina: „Der Name Jesu war das letzte Wort, das auf ihren Lippen erschien. Wie bei der Passion der ersten Märtyrer wandten sie sich an Ihn, der sie wenig später empfangen sollte. Und so haben sie ihren Sieg gefeiert, den Sieg, den ihnen kein Henker nehmen kann. Dieser im letzten Lebensmoment geflüsterte Name war wie das Siegel auf ihrem Martyrium.“

So steht das christliche Gegenbild im Raum: 21 Christen sind nicht einfach wehrlos abgeschlachtet und mundtot gemacht worden, sondern haben sich mit ihrem Bekenntnis zu Jesus Christus kniend als standhafte Märtyrer erwiesen. Dazu hat der serbische Künstler Nikola Sarićein Aquarell im Stile koptischer Ikonen gemalt. Es findet sich auf dem Buchdeckel von Martin Mosebachs „Die 21: Eine Reise ins Land der koptischen Martyrer“, das jüngst erschienen ist.

Da knien in zwei Zehnerreihen die Todgeweihten, deren Kehle von den Händen ihrer vermummten Mörder ergriffen ist. Die Körper sind über die rückgebundenen Arme und die knienden Beine wie ein Geflecht miteinander verbunden. So lassen sie von einander nicht los, als ihr Blut fließt und sich ins Meer ergießt.

Die Mörder starren sich in ihrer Untat an. Hoffnungslos todesstarr zeigen sie sich. Ganz anders die Köpfe der Todgeweihten – sie schauen in den Himmel auf, geben ihr Leben damit nicht verloren, scheinen in ihrer Todesstunde eine lebendige Aussicht finden.

Was im Bild aufblicken lässt ist Christus von einer rötlich abgestuften Mandorla mit Kreuz im Hintergrund umgeben. Seine Hände ruhen auf den Schultern. Er lässt die Todgeweihten nicht los – gleichsam in einer Tischgemeinschaft mit ihnen verbunden, als wolle er sagen: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken.“ (Joh 6,55) So schaut uns der eine, der 21. an: „Seht her, wir gehen nicht verloren. In den Armen des gekreuzigten und auferstanden Christus sind wir mit unserem Leben erlöst.“

Anblick „Heilige Märtyrer von Libyen“

Dazu finden sich im Buch der Offenbarung die passenden Worte:

Danach schaute ich: Und siehe, eine grosse Schar, die niemand zählen konnte, aus jedem Volk, aus allen Stämmen, allen Nationen und Sprachen. Die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, bekleidet mit weissen Gewändern und mit Palmzweigen in den Händen. Und sie rufen mit lauter Stimme: Die Rettung steht bei unserem Gott, der auf dem Thron sitzt, und bei dem Lamm! […] Das sind die, die aus der grossen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiss gemacht im Blut des Lammes. Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel, und der auf dem Thron sitzt, wird über ihnen ein Zelt aufschlagen. Sie werden nicht mehr hungern und nicht mehr dürsten, und weder die Sonne noch irgendeine Hitze wird auf ihnen lasten. Denn das Lamm in der Mitte des Thrones wird sie weiden und wird sie führen zu Quellen lebendigen Wassers, und Gott wird abwischen jede Träne von ihren Augen.“ (Offb 7,9-10.14-17)

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