Karl Barth, Das christliche Geheimnis und das menschliche Leben (1939): „Man hat dem christlichen Geheimnis und damit dem menschlichen Leben und damit sich selbst viel zuleide getan damit, dass man es seines Charakters als Geheimnis gewissermaßen gewaltsam entkleiden wollte. Es sollte durchaus nicht mehr jenes Besondere des Namens Jesus Christus, des Volkes Israel, der Bibel, und der Kirche, es sollte durchaus nicht mehr Gnade, durchaus nicht mehr Demut und vor allem auch: durchaus nicht mehr Entscheidung sein. Man stellte allerlei Hübsches, was kein Geheimnis ist, allerlei einleuchtende Theorie und Praxis an seine Stelle: allerlei Allgemeines, was man sich selber nehmen oder womöglich schon haben kann, womit man nicht auf die Schattenseite des Lebens verwiesen ist und mit dem man auch neutral bleiben kann — allerlei, wozu es keinen Gott braucht oder eben nur eine Idee, die diese Namen trägt, keinen lebendigen Gott.“

Das christliche Geheimnis und das menschliche Leben Von Karl Barth Das Christliche ist ein Geheimnis. Es bildet dem ganzen menschlichen…

Klaus Bonhoeffers Abschiedsbrief an seine Eltern vom 31. März 1945: „Es ist jedenfalls eine sehr viel klarere Aufgabe zu sterben als in verworrenen Zeiten zu leben, weshalb seit je die glücklich gepriesen wurden, denen der Tod als Aufgabe bestimmt war. Wenn ich an Walters Grab stand, ist er mir immer mit seiner klaren Lebenslinie und seinem frühen Tode als ein glücklicher Mensch erschienen. Sollte ich noch gerettet werden, so werde ich als freier Mensch dem Leben gegenüberstehen.“

KLAUS BONHOEFFERChefsyndikus der LufthansaGeboren am 5. Januar 1901. Ermordet am 23. April 1945. Abschiedsbrief an die Eltern 31. März 1945…

Johannes Chrysostomus über die Unbeständigkeit der irdischen Dinge: „Ist ein Rad ununterbrochen in Drehung, so kann man keinen Teil seines Randes sehen, denn durch die Beständig­keit der Drehung ist immerfort das Obere zu unterst und umgekehrt. Ebenso wälzt sich beständig das Schicksal un­seres Lebens, und das Obere kommt nach unten. So geht es beim Reichtum, bei der Herrschaft und allen anderen Gütern dieses Lebens. Niemals bleiben die Dinge im sel­ben Zustand, sondern sie ahmen beständig die Ströme der Flüsse nach, die niemals stehen bleiben.“

Unbeständigkeit der irdischen Dinge Von Johannes Chrysostomus Ist ein Rad ununterbrochen in Drehung, so kann man keinen Teil seines Randes…

John Meyendorff, Christus als Erlöser in der Ostkirche (1985): „‚Der Sohn Gottes hat im Fleisch gelitten‘. Dies impliziert, dass die Erlösung keineswegs eine metaphysische ‚Verschmelzung‘ war, sondern eine Tragödie der Liebe, einschließlich der Übernahme des Kreuzes durch Gott selbst. Gleichzeitig ist aber auch klar, dass Golgatha nicht einfach der Preis ist, der allein eine verletzte göttliche Gerechtigkeit wiedergutmacht, sondern nur der Endpunkt der Identifikation Gottes mit der gefallenen Menschheit, auf die die Auferstehung folgt und die Teil der gesamten Heilsökonomie oder des Heilsplans ist.“

Christus als Erlöser in der Ostkirche Von John Meyendorff Allen drei synoptischen Evangelien zufolge stellte Jesus auf dem Weg nach…

Bericht über den Bauernkrieg um das Kloster Wettenhausen: „Am Montag nach dem ‚Weißen Sonntag‘ (6. März) trafen die Bauern erneut zusammen. Sie versammelten alle benachbarten Dorfbewohner, wählten Anführer und Räte und gründeten eine Bruderschaft. Jedes Haus musste zwei Gulden beitragen. Sie luden auch benachbarte Herren ein, ihrer Bruderschaft beizutreten, aber keiner folgte dem Ruf. Daraufhin ordneten sie an, dass fortan alle Pfarrer ausschließlich das Evangelium predigen sollten – andernfalls würden sie abgesetzt oder bestraft.“

Bericht über den Bauernkrieg um das Kloster Wettenhausen 1. Notiz von Christoph Franck, Regular-Kanoniker von Wettenhausen und Vikar der Pfarrei…

Johannes Harder über Nicolaj Berdjájev (1874-1948): „Berdjájev behält Hoffnung in seiner Erwartung einer religiösen Wie­dergeburt, einer Offenbarung des Heiligen Geistes, die eine neue Gesell­schaftsordnung und eine universelle Kultur jenseits des Dualismus zwischen Religion und Leben bringen wird. Der kommende Äon einer Gottmenschheit wird den Akzent von Gott auf den Menschen übergehen sehen.“

Nicolaj Berdjájev Von Johannes Harder Nicolaj Aleksandrovic Berdjájev, geboren am 6. (19.) März 1874 im Gouverne­ment Kiew. Offiziersadel. Nach Besuch…

Johannes Rehm, Rolle rückwärts? (FS Hanns Kerner): „Die Dienste, Werke und Einrichtungen waren im 20. Jahrhundert als Ausdruck der Öffnung von Kirche in die säkulare Welt der Moderne etabliert worden, die nun möglicherweise zurückgenommen zu werden droht – raus aus der säkularen Welt und hinein in eine gesellschaftliche Nische, die keine größere öffentliche Beachtung mehr erfährt. Die Meinungen über die künftige Bedeutung von kirchlichen Diensten, Werken und Einrichtungen scheinen mir weit auseinander zu gehen: Sind sie reif zum Ab-, Aus- oder Umbau?“

Rolle rückwärts? Kirchliche Dienste, Werke und Einrichtungen reif zum Ab-, Aus- oder Umbau Von Johannes Rehm Transformation ist zu einem…

Kocku von Stuckrad über Dämonen: „Die Aufwertung der Dämonen als göttliche Gegenspieler zieht sich als roter Fa­den durch die gesamte Geschichte der europäischen Christentümer. Auf kollektiver Ebene behindern Dämonen die endzeitliche Erneuerung der Welt, auf individueller Ebene sabotieren sie (durch ‚Einflüsterungen‘ oder ‚Verfüh­rung‘) das gottgewollte gute Leben des Einzelnen. Die Kontrolle der Dämonen wird vor diesem Hintergrund zu einem wichtigen Element christlichen Lebens­welten.“

Dämonen Von Kocku von Stuckrad Der Begriff „Dämon“ hat eine lange und wechselvolle Geschichte, die bis in die griech. Antike…