Zur Ethik der Integrität in Anlehnung an Dietrich Bonhoeffers Gedicht ‚Wer bin ich?‘: „Im Unterschied zu einer assertorischen Identität, die es zu behaupten gilt, bedarf Integrität keiner fortwährenden Selbstvergewisserung. Integer ist nicht, wer seiner selbst sicher erscheint, sondern wer sich den disparaten Wahrheiten des eigenen Lebens stellt. Integrität artikuliert sich im Modus eines konfessorischen Ich – ein Ich, das Ungenügen, Schuld und Verfehlungen anerkennt und zur Sprache bringen kann. Eine Ethik der Integrität widerspricht der Reduktion der Person auf kollektive Identitäten. Herkunft, Geschlecht, kulturelle Prägungen oder sexuelle Orientierung sind biografisch wirksam, begründen jedoch keine abschließende Selbstdeutung. Integrität entzieht sich der Versuchung, Verantwortung durch Identitätsansprüche zu ersetzen oder moralische Autorität aus Betroffenheit abzuleiten. Integrität ist wesentlich relational. Sie zeigt sich im Vermögen, Rechenschaft zu geben – nicht zur Selbstrechtfertigung, sondern um das eigene Leben erzählbar, kritisierbar und verantwortbar zu machen. Integrität bewahrt davor, sich hinter Rollen, Identitäten oder moralischen Selbstzuschreibungen zu verbergen. Eine Identität muss geschützt werden – Integrität nicht.“

Zur Ethik der Integrität in Anlehnung an Dietrich Bonhoeffers Gedicht „Wer bin ich?“ „Der ist integer.“ – „Ihr kannst du … Mehr

Was darf ich erwarten, wenn ich bitte und bete? Zwölf Thesen: „Lebensnotwendendes Beten findet zu absichtsvollen Worten, die in Ehrfurcht vor dem gegenwärtigen Gott nicht dahergesagt werden. Die göttliche Entsprechung eigenen Bittens lässt dessen Handeln und dessen Güte für das eigene Leben wirklich werden. Beten lässt beim dreieinigen Gott das eigene Amen finden.“

Was darf ich erwarten, wenn ich bitte und bete? Zwölf Thesen 1. In der Bibel gibt es kein ursprachliches Wort, … Mehr

Zur Phänomenologie des Verlierens: „Damit verschärft sich die Frage, wie mit bleibenden Verlusten umzugehen ist, für die es in­nerhalb der eigenen Lebenswelt keine Auflösung mehr gibt. Verdrängung oder Kompensation können den Schmerz des Vermissens lindern, bleiben jedoch innerweltlich im menschlichen Bewältigungsrahmen gefangen. Phänomenologisch zeigt sich hier, dass der Mensch nicht nur verlierend handelt, sondern wesentlich verlustfähig ist: Er steht in einer Welt, in der alles ihm Entgangene prinzipiell entzogen bleiben kann.“

Zur Phänomenologie des Verlierens Verlieren ist eine grundlegende Erfahrung menschlichen Lebens, die in verschiedenen Formen auftritt. Nicht alles, was verschwindet, … Mehr

Die Erfindung des Esstisches aus dem Geist der Eucharistie: „Weil Jesus sich an seinem Tisch als Diener und Herr zugleich hingibt, sind in seinem Reich für alle, die an seinem Leben und Sterben Anteil haben, Würdesitze vorgesehen. Das Essen am gemeinsamen Tisch in Jesu Namen, bei denen die Teilnehmer auf Stühlen sitzen, wird zur Vorwegnahme der eschatologischen Heilsgemeinschaft.“

Die Erfindung des Esstisches aus dem Geist des Abendmahls Jesu Das Abendmahl Jesu stellen wir uns gewöhnlich als Tischmahlzeit vor. … Mehr

Nemesios von Emesa über den Thymos (Zornmut): „Es ist aber auch manchmal so, dass der Zornmut ein Verlangen nach Vergeltung ist; denn wenn wir Unrecht leiden oder meinen, Unrecht zu leiden, werden wir zornmütig, und dann wird die Seelenstimmung eine Mischung aus Begierde und Zornmut. Die Arten des Zornmütigen sind drei: Zorn – auch Galle und Bitterkeit genannt –, anhaltender Grimm und auf Vergeltung lauernder Groll.“

In Sachen politische Pathologie ist der Begriff des Thymos (Zornmut) unverzichtbar (vgl. Fukuyama und Sloterdijk). Nemesios von Emesas Begriffsbestimmung aus … Mehr

Das Paradies, der Überdruss und das Lebensglück: „Weder in dem dauerhaft Zuhandenen noch in dem erfolgreich Erstrebten findet der Mensch sein umfassendes Lebensglück. Was in der christlichen Lehre als (Glück-)Seligkeit (beatutido) verheißen wird, ist ein lebensvollendende Schau Gottes (visio Dei beatifica), von der ’selige‘ Menschen selbst eingenommen ist. Das Lebensglück entzieht sich damit eigener Bestimmung bzw. Wahl. Die Gottesschau lässt sich nur in paradoxer Weise als lebenserfüllend – Erfüllung, die keine Erfüllung ist – bezeichnen, da der Zustand einer ewigen Erfüllung den Vorgang einer Erfüllung unterbinden würde. Die visio Dei ist also ein Sehen, das sich nicht sattsehen kann.“

Das Paradies, der Überdruss und das Lebensglück Paradiesische Zustände sollen das eigene Lebensglück bedingen. In der Paradieserzählung (Genesis 2-3) wird … Mehr

Zur ethischen Problematik eigener Identifikationen (Sympathismus): „Statt unkritischer Identifikation ist passionierte Solidarität angebracht. Solidarität – im ursprünglichen Sinne als gemeinschaftliche Verantwortung bzw. Haftung verstanden – ignoriert kein Fehlverhalten, sondern spricht dieses um der göttlichen Gerechtigkeit willen an. Während Identifikation auf Selbstbestätigung in einem Gruppenideal aus ist, stellt sich Solidarität problematischem Gruppengeschehen bzw. -vergehen, die das eigene Gewissen versehren.“

Zur ethischen Problematik eigener Identifikationen (Sympathismus) Identifikation lässt sich unterschiedlich thematisieren. Kognitiv verstanden geht um das Wiedererkennen bzw. das begriffliche … Mehr

Grundlegende Elemente eines ökonomischen Verhaltensmodells: „So kann man beispielsweise bezüglich eines Studiums der Theologie von Zeit als Opportunitätskosten sprechen, weil eine Entscheidung für dieses Studium in aller Regel das Studium der Betriebswirtschaftslehre ausschließt. Durch die Spezifikation der Opportunitätskosten als Wertgröße für einen entgangenen Nutzen wird das ökonomische Kostenkonzept über ein rein monetäres, geldwertes Verständnis hinaus verallgemeinert. Ökonomische Entscheidungen können also nicht nur Geld, sondern auch Zeit, Schlaf, Stress, Spaß, Freunde, Ehen, Kinder, Karriere, Ruf, Seelenheil und was sonst noch kosten. Demzufolge lässt sich die Ökonomik nicht auf rein monetäre Ziele reduzieren.“

Grundlegende Elemente eines ökonomischen Verhaltensmodells 1. Ökonomik Wie lassen sich nun ökonomische Verhaltensweisen von Menschen charakterisieren? Dieser Aufgabenstellung hat sich … Mehr