Dietrich Bonhoeffer, Gott ist kein Lückenbüßer (Widerstand und Ergebung, 1944): „Nicht erst an den Grenzen unserer Möglichkeiten, sondern mitten im Leben muss Gott erkannt werden; im Leben und nicht erst im Sterben, in Gesundheit und Kraft und nicht erst im Leiden, im Handeln und nicht erst in der Sünde will Gott erkannt werden. Der Grund dafür liegt in der Offenbarung Gottes in Jesus Christus. Er ist die Mitte des Lebens, und ist keines­wegs ‚dazu gekommen‘, uns ungelöste Fragen zu beantworten.“

Gott ist kein Lückenbüßer (Widerstand und Ergebung) Von Dietrich Bonhoeffer Das Weizsäcker’sche Buch über das „Weltbild der Physik“ beschäftigt mich … Mehr

Gustav Heinemanns Nachruf zum Tod von Karl Barth (Dezember 1968): „Zeit seines Lebens war Barth gerade von seiner Theologie her auch politisch interessiert und engagiert. Er verstand sich als sozialer Demokrat. Immer wieder riefen ihn politische Fragen zu einer Stellungnahme. Nach dem Zusammenbruch des Hitlersystems hat er sich als einer der ersten dem deutschen Volk und seiner Not zugewandt, den Siegern zur Vernunft redete, die Deutschen freilich auch zur Besinnung rief und darum u. a. der eiligen Wiederaufrüstung der Bundesrepublik widersprach. In aller Weisheit war Karl Barth zugleich ein Streiter, darum auch selbst umstritten und verehrt zugleich.“

Karl Barth Von Dr. Gustav W. Heinemann, Bonn In der Nacht vom 9. zum 10. Dezember 1968 starb Karl Barth … Mehr

Eberhard Jüngel, Predigt über Matthäus 11,2-6 (1968): „Liebe Kommilitonen: Jesus hat den Täufer sehr wahrscheinlich enttäuscht. Doch desavouiert hat er ihn nicht. Es bleibt die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Der Richter wird kommen. Doch er wird uns nicht fremd sein. Der himmlische König wird kommen. Doch er war als der Bettlerkönig schon da. Gott selber wird kom­men. Doch er heisst Jesus Christ. Bevor er Euch fordert, gibt er Euch Gnade. Bevor er sich anbeten lässt, lässt er sich bitten. Bevor es zu spät ist, ist er bei uns zur Stelle – nicht um zu Fall zu bringen, sondern um sich zu den Gefallenen herabzubeugen. Die unten am Boden, die richtet er – auf. Denn das ist Gottes Bewegung: Zu uns hinab und mit uns hinauf. Lasst Euch bewegen! Amen.“

Predigt über Matthäus 11,2-6 Von Eberhard Jüngel Da aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er zwei … Mehr

Karl Barth über den „Humanismus“ (1950): „Nicht der ‚Messianismus Israels‘ ist der Sinn und Grund dieser Freiheit. Gott behüte uns auch vor diesem -ismus! Ich weiß nicht, ob er vielleicht eine Wurzel des Kommunismus ist. Es kann sein. Der Sinn und Grund der christlichen Botschaft und Theologie ist jedenfalls – noch einmal gesagt: jenseits aller Prinzipien und Systeme, aller Weltanschauungen und Moralen nicht der Messianismus, wohl aber der Messias, d. b. der Christus Israels. Wenn das Bekenntnis zu ihm als dem alleinigen Retter der Welt ‚Exklusivität‘ zu nennen war, dann mussten wir uns diesen Vorwurf eben gefallen lassen. Niemand ist zu diesem Bekenntnis gezwungen. Es hat aber auch keinen Sinn, sich als Christ auszugeben, wenn man die Freiheit zu diesem Bekenntnis aus irgendeinem Grund nicht zu haben meint. Es ist übrigens in Wahrheit das inklusive, das grundsätzlich jedem Menschen zugewendete und offene Bekenntnis. Die christliche Kirche kann nicht vom Himmel herab, sondern nur auf Erden und selber irdisch reden.“

Nachdem Karl Barth am 1. September 1949 auf der Genfer Tagung zum Thema „Pour un nouvel humanisme“ seinen Vortrag „Die … Mehr

Martin Luther, Des Katechismi Summa und Inhalt (Tischreden): „Der Katechismus ist die rechte Laienbibel, darinne der ganze Inhalt der christlichen Lehre begriffen ist, so einem jeden Christen zu der Seligkeit zu wissen vonnöten. Wie das Hohelied Salo­monis ein Gesang über alle Gesäng, canticum canticorum, ge­nannt wird, also sind die zehn Gebot Gottes doctrina doctrinarum, eine Lehre über alle Lehren, daraus Gottes Wille erkannt wird, was Gott von uns haben will und was uns mangelt.

Des Katechismi Summa und Inhalt (Tischreden) Von Martin Luther Der Katechismus ist die rechte Laienbibel, darinne der ganze Inhalt der … Mehr

Kurt Walter, Wartende Menschen. Adventsandacht zu Lukas 12,35-36 aus dem KZ Dachau (1944): „Wenn wir wirklich Gemeinde Jesu Christi sind, wenn das wirklich wahr ist, dass wir warten auf den Tag, da der Herr kommt, dann wollen wir doch all das andere Warten unserer trüben Tage, das Warten auf das Ende unserer Gefangenschaft, auf unsere Heimkehr, das Warten auf eine bessere Zeit, all unser Warten, das mit soviel Ungeduld und Mutlosigkeit und Haltlosigkeit, auch manchmal schon mit soviel mürrischer Verhärtung geschieht, — dann wollen wir doch dieses unser menschliches Warten auf alle diese Dinge, die im letzten ja nur Schein sind, doch klein werden lassen vor dem Warten auf die große Wirklichkeit unseres Gottes, und wollen unsere Herzen erfüllen lassen mit der Freude derer, die auf ihren Herrn warten! Das wäre Adventsfreude!“

Wartende Menschen. Adventsandacht zu Lukas 12,35-36 aus dem KZ Dachau 1944 Von Kurt Walter „Lasset eure Lenden umgürtet sein und … Mehr

Jürgen Henkys, Singender und gesungener Glaube: „Das Kirchenlied ist ein Glaubenslied: ‚O du meine Seele, / singe fröhlich, singe, / singe deine Glaubenslieder‘. Glaube ist dabei zu verstehen als Inhalt (fides quae canitur) und als Antrieb (fides qua canitur). Singen, ‚was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wundertat‘, heißt ein Lied-Credo vernehmen lassen. Der Glaube als Inhalt kann aber singend nicht recht geltend gemacht werden ohne den Glau­ben des Herzens und dessen Gebärde: ‚O gläubig Herz, gebenedei / und gib Lob deinem Herren‘.“

Singender und gesungener Glaube. Das Kirchenlied im christlichen Leben[1] Von Jürgen Henkys In der Themaformulierung wird das Kirchenlied auf den … Mehr