Rolf Rendtorff, Predigt über Psalm 130,1-4 (1988): „Viele Tausende von nichtjüdischen deutschen Familien waren unmittelbar in dieses Ge­schehen mit einbezogen, gar nicht zu reden von den weiteren Tausenden oder eher Hunderttausenden von Schaulustigen, die am nächsten Tag zu den Stätten der Zerstörung pilgerten. Ich war auch einer von ihnen. Ich war damals 13 Jahre alt. Wir fuhren nach der Schule mit unseren Fahrrädern zur Grünen Schanze in Stettin. Viele Menschen waren da versammelt und sahen hinter der Polizeiabsperrung zu, wie der schwarze Qualm aus den Trümmern der großen Synagoge aufstieg. Später fuhren wir zum jüdischen Friedhof, der an unserem Schulweg lag. Dort waren die Brandstifter noch am Werk und trugen alles, was sie im Friedhofs­gebäude fanden, heraus und waren es in das Feuer, das davor brannte. Ich erinnere mich besonders deut­lich an die großen, weißen Gebetsmäntel, die ich da­mals zum ersten Mal sah und deren Bedeutung für Ju­den ich erst viel später kennen und verstehen lernte.“

Predigt über Psalm 130,1-4

Von Rolf Rendtorff

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir. Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren merken auf die Stimme mei­nes Flehens! Wenn du, Herr, Sünden anrechnen willst – Herr, wer wird bestehen? Denn bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte. (Psalm 130,1-4)

Liebe Gemeinde,

Wer hat eigentlich die Synagogen angezündet? Ich möchte dazu eine Geschichte erzählen, eine wahre Ge­schichte aus der Frühzeit unserer christlichen Kirche. Es geschah vor genau 1500 Jahren, im Jahre 388, dass in einer kleinen Stadt am Euphrat, in Kallinikon, die Syna­goge niedergebrannt wurde. Die Täter waren Christen, und der örtliche Bischof hatte sie zu der Tat angestiftet.

Kaiser Theodosius war über diesen Rechtsbruch in sei­nem Reich empört und befahl die Bestrafung der Schuldigen und den Wiederaufbau der Synagoge auf Kosten der Kirche. Da erhielt er einen Brief des Bischofs Ambrosius von Mailand, in dem dieser schrieb: „Ich er­kläre, dass ich die Synagoge in Brand gesteckt habe.“ Und er fuhr fort: „Was soll der Wiederaufbau einer Sy­nagoge: Ort des Unglaubens, Heimstätte der Gottlosig­keit, Schlupfwinkel des Wahnsinns, der von Gott selbst verdammt worden ist.“ Der Kaiser zögerte mit der Ant­wort. Da zwang ihn der Bischof öffentlich in der Ka­thedrale in Mailand, seine Anweisungen zum Wieder­aufbau der Synagoge zurückzunehmen und den Tä­tern Straffreiheit zu gewähren. „Ich habe die Synagoge angezündet.“ Der große Kirchenlehrer Ambrosius be­hauptete zwar die Unwahrheit. Aber wie viele Christen haben seither im Brustton der Überzeugung sagen können: Ich habe die Synagoge angezündet! Und sie konnten sich dabei auf eine ganze Reihe von großen Theologen und Lehrern der Kirche berufen, nicht zu­letzt auch auf Martin Luther, der im Jahre 1543 in seiner Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ den Christen, und insbesondere der Obrigkeit, seinen „treuen Rat“ gab, „dass man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecke und, was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch ei­nen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Und sol­ches soll man tun, unserm Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien und solch öffentliches Lügen, Fluchen und Lästern seines Sohnes und seiner Christen wissentlich nicht geduldet noch gewilliget haben.“ Auch Luther hat keine Synago­gen angezündet, aber er hat mitgeholfen, den Boden dafür zu bereiten, dass andere Christen in Deutschland es getan haben.

Es geht immer wieder die Rede, die Deutschen hätten nichts gewusst, damals, als sich der sogenannte „spon­tane Volkszorn“ erhob, in der Nacht vom 9. zum 10. No­vember 1938, und die Synagogen verbrannt und zertrüm­mert wurden. Aber wer hat denn die Synagogen angezün­det? Wir sind dafür nicht auf Vermutungen angewiesen, denn alles wurde exakt registriert und gemeldet. So schrieb der Brigadeführer der SA-Brigade 50 in Darmstadt mit Namen Lucke am 11. November 1938 folgende Mel­dung an die vorgesetzte SA-Gruppe Kurpfalz in Mannheim:

Am 10.11.1938 3 Uhr morgens erreichte mich fol­gender Befehl:

„Auf Befehl des Gruppenführers sind sofort innerhalb der Brigade 50 sämtliche jüdische Synagogen zu sprengen oder in Brand zu setzen. Nebenhäuser, die von arischer Bevölkerung bewohnt werden, dürfen nicht beschädigt werden. Die Aktion ist in Zivil auszuführen. Meutereien und Plünderungen sind zu unterbinden. Vollzugsmel­dung bis 8.30 Uhr an Brigadeführer oder Dienststelle.“

Und dann folgt eine lange Liste von zerstörten Synago­gen in Darmstadt, Bensheim, Heppenheim und an vie­len anderen Orten, insgesamt 36 Synagogen allein im Raum südlich von Darmstadt. Wie viele Menschen braucht man, um nachts innerhalb weniger Stunden 36 Synagogen zu zerstören? Wie viele Familien sind durch die nächtliche Aktion aufgeschreckt worden und haben am nächsten Morgen die Berichte der heimge­kehrten Helden angehört, die stolz berichten konnten: Ich habe die Synagoge angezündet? Und dies geschah in Deutschland. Viele Tausende von nichtjüdischen deutschen Familien waren unmittelbar in dieses Ge­schehen mit einbezogen, gar nicht zu reden von den weiteren Tausenden oder eher Hunderttausenden von Schaulustigen, die am nächsten Tag zu den Stätten der Zerstörung pilgerten. Ich war auch einer von ihnen. Ich war damals 13 Jahre alt. Wir fuhren nach der Schule mit unseren Fahrrädern zur Grünen Schanze in Stettin. Viele Menschen waren da versammelt und sahen hinter der Polizeiabsperrung zu, wie der schwarze Qualm aus den Trümmern der großen Synagoge aufstieg. Später fuhren wir zum jüdischen Friedhof, der an unserem Schulweg lag. Dort waren die Brandstifter noch am Werk und trugen alles, was sie im Friedhofs­gebäude fanden, heraus und waren es in das Feuer, das davor brannte. Ich erinnere mich besonders deut­lich an die großen, weißen Gebetsmäntel, die ich da­mals zum ersten Mal sah und deren Bedeutung für Ju­den ich erst viel später kennen und verstehen lernte.

Ich weiß nicht mehr genau, was wir damals gedacht und gesprochen haben. Ich weiß auch nicht, ob und was über diese Ereignisse zu Hause gesprochen wurde und ich kann mich auch nicht erinnern, ob und was wir da­mals im Kindergottesdienst, im Religionsunterricht, so lange es ihn noch gab, und dann im Konfirmandenun­terricht über die Juden gehört haben. Ich möchte aber als ein Beispiel dafür, wie damals gedacht und geredet wurde, einige Sätze aus einer Predigt zum 10. Sonntag nach Trinitatis zitieren, an dem das altkirchliche Evan­gelium von der Klage Jesu über Jerusalem und seinen bevorstehenden Untergang handelt. Da heißt es:

„Das jüdische Volk ist hochbegabt wie wenige Völker der Geschichte. Es ist reich begnadet durch eine einzigartige Geschichte der Gottessehnsucht und des Glaubens. Aber in seiner großen Stunde der Entscheidung hat es sich falsch entschieden. Als Jesus in der Vollmacht Gottes zu ihm kam, hat es ihn verworfen und an das Kreuz ge­schlagen. In seiner Seele und um seine Seele kämpften letzte Gewalten einen furchtbaren Entscheidungs­kampf. Die widergöttlichen Kräfte waren stärker. Nie ist ein Volk Gott so nahe gewesen, wie das jüdische Volk. Nie hat ein Volk in größerer Entscheidungsstunde ge­standen als dieses Volk in den Tagen, da Jesus unter ihm lebte. Nie hat ein Volk furchtbarer sich entschieden ge­gen den ihm angebotenen Gottesfrieden. Nie hat darum auch ein Volk furchtbareres Gottesgericht erlebt.
Das Gottesgericht über das jüdische Volk, hier, in der Zerstörung seiner Synagogen, war es nun wieder mit Händen zu greifen. Es wird immer wieder gefragt, warum die Kirchen geschwiegen haben, damals als die Synago­gen brannten. Was hätten sie denn sagen sollen? Sie hat­ten doch nie etwas anderes gelehrt, als dass Gott die Ju­den gestraft hätte, nun schon seit bald zweitausend Jah­ren. Deshalb hatten sie ja auch nur eben dies sagen kön­nen, und viele haben es wohl auch gesagt, dass hier wie­der einmal das Gericht, das leider nicht unverdiente Ge­richt Gottes über dem jüdischen Volk sichtbar wurde.“

Die Predigt, aus der ich zitiert habe, stammt von mei­nem Vater, gehalten im Sommer 1934 in der Wartburg­kirche in Stettin. Viele haben damals so gedacht und gepredigt, und auch nach dem Ende des nationalsozi­alistischen Terrorregimes wurden immer noch die glei­chen theologischen Ideen vertreten, so wenn der Bru­derrat der Evangelischen Kirche in Deutschland im Jahre 1948 in einem „Wort zur Judenfrage“ erklärte: Daß Gott nicht mit sich spotten lässt, ist die stumme Predigt des jüdischen Schicksals …

Aber war es denn wirklich Gott, der das jüdische Volk immer wieder strafte? Waren es nicht Menschen, im­mer wieder Menschen, und später vor allem Christen, immer wieder Christen, die ihre Aggressionen an den Juden ausließen. Nicht Gott hat die Synagogen ange­zündet, und er hat es auch niemandem befohlen. Es waren Christen, die sie angezündet haben, und es wa­ren hochrangige Bischöfe, Kirchenlehrer und Reforma­toren, die sie dazu ermutigt haben. Nicht Gott hat die Juden verfolgt, gequält, massakriert und schließlich in die Gaskammern geschickt. Menschen waren es, und meistens getaufte Christen, die „zur Ehre Gottes und seines Sohnes, unseres Herrn und Heilands Jesus Christus“, ihre Mordgelüste an den wehrlosen Juden austobten. Es ist uns nicht erlaubt und es gibt auch keine Möglichkeit für uns, die Verantwortung dafür wegzuschieben, weg von den Christen und weg von den Deutschen. Diese Verbrechen sind „im deutschen Namen durch Deutsche“ verübt worden, wie Richard von Weizsäcker es kürzlich präzise formuliert hat. Und es hat in der deutschen Bevölkerung keinen erkennba­ren Widerstand dagegen gegeben, wohl aber Zustim­mung und Mitmachen auf breiter Front.

Tiefer konnte ein Volk und eine Kirche gar nicht fal­len. Wenn wir uns nun an diesem Tage zu einem ge­meinsamen Gottesdienst versammeln, dann rufen wir aus dieser Tiefe heraus Gott an, wie es unser Psalm­wort sagt. Wir wissen, dass wir nicht bestehen können, wenn Gott die Sünden anrechnet, die eigenen und die der Väter und Mütter, bis ins dritte und vierte Glied. Und darum wollen wir uns ohne Ausflüchte in diese Geschichte hineinstellen, wir, die wir damals schon ge­boren waren, auch wenn wir noch nicht mitwirken konnten, und die, die damals noch nicht geboren wa­ren. Es ist unsere Geschichte, aus der wir nicht ausbre­chen können und nicht ausbrechen wollen. Dieses Sich-Hineinstellen ist kein heroischer Akt, sondern es geschieht in der Gewissheit: „Denn bei dir ist die Verge­bung, dass man dich fürchte.“

Und weil dies unsere Geschichte ist, dürfen wir den 9. November 1938 auch nicht als ein isoliertes Ereignis betrachten. Er war der erste Höhepunkt in einer Ent­wicklung, die lange vorher begonnen hatte und im Jahr 1933 manifest geworden war. Unsere Universität hat im Jahr 1983 öffentlich und in aller Form – durch eine Ausstellung und eine Buchveröffentlichung – in Erinnerung gerufen, dass nur ein paar Schritte von die­ser Kirche entfernt am 17. Mai 1933 Scheiterhaufen er­richtet wurden, auf denen einige tausend Heidelberg Studenten und Bürger unter „begeisterter Anteil­nahme der Heidelberger Bevölkerung“, wie es damals heißt, „jüdisch-zersetzende, marxistisch-bolschewisti­sche und gemein-frivole Schriften“ verbrannten, um damit den „undeutschen Geist“ auszurotten. Und in den Jahren 1933 bis 1935 wurden 51 Heidelberger Hochschullehrer aus rassischen oder politischen Grün­den aus ihren Ämtern entfernt, das waren nicht weni­ger als 35% der damaligen Hochschullehrerschaft. Lei­der ist dies in der offiziellen Festschrift zum 600jährigen Jubiläum der Universität nicht im einzelnen doku­mentiert worden; deshalb wollen wir es heute hier in unsere Besinnung mit einbeziehen.

Die Verbrennung der Synagogen und die Zerstö­rung der jüdischen Geschäfte am 9. und 10. November 1938 waren dann weitere Schritte auf dem Weg, der schließlich zum Holocaust, zur Schoah führte. Es könnte leicht geschehen, dass wir der Einsicht in diese Zusammenhänge ausweichen, wenn wir den 9. No­vember 1938 von seinem Kontext isolieren, weil wir dadurch der Mehrheit der Deutschen und der Mehrheit der Christen in Deutschland die Rolle der Zuschauer zuweisen. Sie waren aber längst unlösbar hinein ver­strickt in die nationalistische und rassistische Ideolo­gie, und viele von ihnen auch nicht erst seit 1933. Dass der 9. November für uns kein „Feiertag“ sein kann, ist offenkundig. Aber es genügt auch nicht, wenn er ein „Gedenktag“ ist. Das könnte allzu leicht an Gedenktage an Tote erinnern, denen man noch einmal einige Ge­danken und Worte widmet, die aber in unserer Realität nicht mehr vorkommen. Eine Erinnerung an die Kris­tallnacht mit ihrem ganzen Kontext ist für uns aber nur sinnvoll, ja ich möchte sagen, ist uns nur erlaubt, wenn sie ernsthaft mir unserer heutigen und mit unserer morgigen Wirklichkeit zu tun hat.

„Wirklichkeit“ in diesem Sinne ist auch unser theo­logisches Denken. Was ist denn aus dem christlichen Antijudaismus geworden, wie er durch Ambrosius und andere große Theologen der Alten Kirche, wie z.B. Chrysostomos und Augustin, geprägt und dann weiter tradiert worden ist, über Luther und Schleiermacher und Harnack bis hin zu Emanuel Hirsch und Rudolf Bultmann. Welche Rolle hat dieser christliche Antijuda­ismus bei der Entstehung des modernen Antisemitis­mus gespielt? Vor allem aber: Welche Rolle spielt er heute? Gehört er zum Grundbestand christlicher Theo­logie? Muss christlicher Glaube antijüdisch sein, wie es auch heute immer noch an vielen theologischen Fakul­täten gelehrt wird?

Liebe Freunde,

ich bin davon überzeugt, dass darin heute eine ganz große Verantwortung für unsere theologischen Fakultä­ten liegt, die Wurzeln des christlichen Antijudaismus aufzudecken und intensiv an seiner Überwindung zu ar­beiten. Nach der Zerstörung der Synagogen durch Christen, und vor allem nach Auschwitz sind wir es auch unseren Kirchen und Gemeinden schuldig, ihnen zu ei­nem neuen Verständnis dieser Fragen zu helfen. Das ist keine leichte Aufgabe, denn sie rührt an die Funda­mente der christlich-theologischen Tradition. Es geht dabei, wie es einmal ein bekannter Theologie- und Kir­chenmann ausgedrückt hat, um die „Profilierung des ei­genen christlichen Glaubens“, und deshalb meinte er, wie viele andere mit ihm, dass der christliche Antijudais­mus theologisch unverzichtbar sei, weil das Christen­tum gegen das Judentum sein Profil gewonnen hat.

Aber widerspricht es nicht dem Wesen des Evangeli­ums, wenn das Christentum sein Selbstverständnis auf einem „anti-“ aufbaut? Und was bedeutet es für dieses Selbstverständnis, wenn nun sichtbar geworden ist, dass dieses „anti-“ mitursächlich war für den modernen Antisemitismus und damit letztlich für die Schoah? Das muss doch Auswirkungen auf die Theologie und auf das Selbstverständnis der Kirche haben. Wie können doch nicht so tun, als sei nicht geschehen, und weitermachen wie gehabt? Die Frage ist uns gestellt, ob wir es wollen oder nicht. Wir können den Kopf in den Sand stecken oder uns in den Elfenbeinturm irgendeiner Theologie zurückziehen, die Frage bleibt bestehen und sie bleibt uns gestellt.

Und darin entscheidet sich für uns als Theologen und als Christen ganz wesentlich, welchen Bezug das Gedenken an den 9. November 1938 zu unserer gegen­wärtigen Wirklichkeit hat. Wir können dieses Tages gar nicht gedenken, ohne damit zugleich die Unabweisbarkeit der Aufgabe zu erkennen und zu bejahen, die christliche Theologie und Verkündigung im Licht, im scharfen Licht dieses Tages zu überprüfen und neu zu durchdenken.

Kürzlich las ich einen Bericht über ein jüdisch-christliches Kolloquium aus Anlass des sechzigsten Ge­burtstags von Elie Wiesel. Dabei wurde die Frage ge­stellt: Bedeutet der Holocaust das Ende des Juden­tums? Die Antwort hieß: Nein, aber das Ende des Chris­tentums. Erst wenn wir bereit sind, uns dieser Antwort auszusetzen, haben wir uns der Anfrage dieses 9. No­vem­bers an uns als Christen wirklich gestellt. Erst dann sind wir ganz in der Tiefe angelangt, aus der heraus wir rufen und Gott bitten können, uns zu einem neuen An­fang zu verhelfen. Denn nur das kann die Vergebung bedeuten, von der unser Psalm spricht: dass wir anders aus der Tiefe herauskommen, in die uns unsere Sünde, die jahrtausendealte christliche Sünde der Juden­feindschaft, geführt hat, dass wir unsere Sünde beken­nen und dadurch erkennen, was heute unsere Aufgabe ist. Das alte Christentum, das den Weg nach Auschwitz mit bereitet hat, ist in der Tat am Ende. Aber wir wollen Gott darum bitten, dass er uns zu einer Erneuerung un­seres christlichen Glaubens hilft und dass er uns die Einsicht und die Kraft gibt, an unserem Teile dabei mit­zuwirken.

Gehalten am 9. November 1988 in der Peterskirche in Heidelberg.

Hier der Text als pdf.

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