Eberhard Jüngel über das Salz und die Kirche: „Die Christengemeinde ist das Salz der Erde, indem sie durch ihre Existenz der politischen Welt bezeugt, was diese in Wahrheit ist: nämlich mit Gott versöhnt, und was sie in Wirklichkeit sein könnte: nämlich in und mit sich selbst versöhnte Welt, gerade so aber politische Welt. Der christliche Glaube ist in dem doppelten Sinne Salz der Erde, dass er dieser vehement die Treue hält, dass er für ihre Erhaltung sorgt und dass er dabei eben die irdische Eigenart der Erde, die weltliche Eigenart der Welt und also auch die politische Eigenart des politischen Lebens zur Geltung bringt.“

Über das Salz und die Kirche

Von Eberhard Jüngel

Salz ist nun freilich kein Lebensmittel, das man um seiner selbst willen genießt. Es ist nicht selbst Speise, sondern man fügt es den Speisen hinzu: sei es nun, wie vor allem in früheren Zeiten, als Konservierungsmittel, sei es, wie vor allem heutzutage, um der Speise – ihren eigenen! – Geschmack zu geben. Wollte hingegen jemand auf den Gedanken kommen, Salz als Selbstzweck und also selber als Speise auszugeben, so würde die Reaktion derer, die darauf hereinfallen, alsbald jeden überzeugen, dass Salz als Speise genossen ungenießbar ist; man würde spucken.

Man muss das ganz uneingeschränkt auch von der Kirche, auch von der christlichen Gemeinde sagen. Sie ist ‚kein Selbstzweck‘. Sie existiert nicht um ihrer selbst willen. Und das Evangelium ist für die Welt da. Denn es ist die rechtskräftige Verkündigung der Tatsache, dass Gott in Jesus Christus die Welt mit sich versöhnt hat. Evangelium heißt Rechtfertigung des Gottlosen. Die Christengemeinde ist das Salz der Erde, indem sie durch ihre Existenz der politischen Welt bezeugt, was diese in Wahrheit ist: nämlich mit Gott versöhnt, und was sie in Wirklichkeit sein könnte: nämlich in und mit sich selbst versöhnte Welt, gerade so aber politische Welt. Der christliche Glaube ist in dem doppelten Sinne Salz der Erde, dass er dieser vehement die Treue hält, dass er für ihre Erhaltung sorgt und dass er dabei eben die irdische Eigenart der Erde, die weltliche Eigenart der Welt und also auch die politische Eigenart des politischen Lebens zur Geltung bringt.

Quelle: Eberhard Jüngel, Reden für die Stadt. Zum Verhältnis von Christengemeinde und Bürgergemeinde, München 1978, S. 22-23.

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