Im Frühjahr 1527 ließ der Leipziger Stadtrat zwei Studenten verhaften, weil sie Abschriften einer Flugschrift verkauft hatten. Es wurde ermittelt, dass der Nürnberger Buchdrucker und Buchführer (Buchhändler) Hans Hergot der Verleger dieser als „aufrührerisch“ gebrandmarkten Schrift war. Hergot wurde (wahrscheinlich in Zwickau) verhaftet und vor dem Hofgericht Herzog Georgs in Dresden abgeurteilt. Das ausgesprochene Todesurteil wurde am 20. Mai 1527 in Leipzig vollstreckt. Es ist angesichts der Härte des Urteils anzunehmen, dass man Hergot nicht nur als Verleger, sondern auch als Verfasser dieser sozialutopischen Schrift überführt hatte. Auch Zeitgenossen waren dieser Meinung. Petrus Sylvius, ein katholischer Luthergegner, der die Positionen der führenden Köpfe seiner Zeit zu charakterisieren suchte, nannte auch Hans Hergot:
Was Luther furgenommen mit seinem Schreiben
Und N. Pfeiffer gehandelt mit seinem Predigen
Und Thomas Müntzer mit den Bauren angefangen,
Das hat Hans Hergot durch seinen Traum wollen vollbringen.
Allerdings wird diese Zuschreibung neuerdings von Thomas Kaufmann, Der Bauernkrieg. Ein Medienereignis (Freiburg i.Br.: Herder, 2024, S. 283) bestritten.
Von der neuen Wandlung eines Christlichen Lebens (1526/27)
Von Hans Hergot [?]
Von der neuen Wandlung eines Christlichen Lebens
Hüte dich, Teufel, die Hölle wird zerbrechen.
Von der neuen Wandlung.
Es sind drei Wandlungen gesehen worden. Die erste hat Gott der Vater mit dem Alten Testament gehalten. Die zweite Wandlung hat Gott der Sohn mit der Welt im Neuen Testament gemacht. Die dritte Wandlung wird der Heilige Geist mit dieser zukünftigen Veränderung von ihrem Argen, das sie jetzt innehaben, vollbringen.
Um die Ehre Gottes und das allgemeine Wohl zu fördern, lasse ich, ein armer Mann, das, was in Zukunft geschehen wird, bekannt werden, nämlich, dass Gott alle Stände, Dörfer, Schlösser, Stifte und Klöster demütigen und eine neue Veränderung einführen will, in der niemand mehr sagen wird: „Das ist mein.“
Die Sekten werden gedemütigt werden, so dass ihre Häuser für Schutt und Asche hingegeben werden, und ihre Leute und ihr Handwerk werden von ihnen weichen. Die Dörfer werden an Gütern und Mannschaften reich und von allen Belastungen befreit sein. Der Adel wird zugrunde gehen, und das gemeine Volk wird ihre Häuser besitzen. Die Klöster werden die vier Orden und den Bettelstab verlieren. Auch die anderen reichen Klöster werden verlieren, was sie an Zinsen und Renten haben. Alle Sekten werden miteinander vergehen und zu einer einzigen gemacht werden. Alle Dinge werden zu einem gemeinsamen Gebrauch kommen, wie Holz, Wasser, Weiden usw. Jedes Land wird nicht mehr als einen Herrn haben. Die Geistlichen und Weltlichen werden verschwinden, wie sie jetzt existieren, und auch der Gehorsam gegenüber den Geistlichen und Weltlichen wird aufgehoben werden. Auch werden die Diener der Fürsten und Herren ihren Dienst aufgeben. Es ist auch vergeblich, dass jemand denkt, seinen Stand erhalten zu können.
Diese vorerwähnten Artikel habe ich aus einer Erkenntnis genommen, die ich über den christlichen Schafstall gewonnen habe. Da erkannte ich den ganzen Mangel desselben und sprach: O ewiger Gott, wie elend geht es in deinem christlichen Schafstall zu. Danach erkannte ich, dass Gott den beiden Hirten, die über den christlichen Schafstall gesetzt sind, mit all ihren Verwandten Urlaub gegeben hat, und ihre große Arbeit bringt keine Frucht mehr.
Danach erkannte ich, dass Gott von Neuem einen Hirten über seinen Schafstall durch die Verleihung des Erdbodens bestellt hat. Das ist so geschehen, dass Gott jedem Feld einen Anteil an den Gottesgütern gegeben hat, die auf dem Feld sind, sowie Menschen, so viele ein jedes Feld tragen kann, und alles, was auf dem Feld wächst, gehört dem Gotteshaus und den Menschen, die darauf sind. Alle Dinge werden zum gemeinsamen Gebrauch verliehen, so dass sie auch aus einem Topf essen und aus einem Fass trinken werden und einem Mann gehorsam sein werden, sofern es zur Ehre Gottes und zum gemeinen Wohl notwendig ist, und diesen werden sie einen Gotteshaus-Erneuerer nennen. Und die Leute werden alle gemeinsam arbeiten, jeder nach seinen Fähigkeiten und was er kann, und alle Dinge werden zum gemeinsamen Gebrauch kommen, so dass keiner es besser haben wird als der andere. Und das Feld wird frei sein, denn es wird weder Zins noch Abgaben geben, und doch wird es von der Obrigkeit erhalten werden. Die Veränderung dieser Menschen wird besser sein als alle Orden. Sie werden an Gott glauben und dies durch Taten beweisen, beten, fasten, über Gottes Leiden nachdenken, göttliche Barmherzigkeit und vieles mehr.
Auch wenn diese Menschen Kinder haben werden, werden sie, wenn diese drei oder vier Jahre alt sind, sie in die Kirche tragen und Gott opfern. Dann wird der Kirchen-Erneuerer kommen und sie aufheben und einem anvertrauen, der unter diesen Menschen die beste Veränderung hat. In einem Haus desselben wird er sie wie ein treuer Vater zur Ehre Gottes und zum allgemeinen Nutzen erziehen. Den Töchtern wird eine ehrbare fromme Frau oder Jungfrau aus demselben Haus zugewiesen, die die Kinder unterweist, bis sie erwachsen sind. Wozu sie dann Neigung haben, darin wird man sie zur Ehre Gottes und zum allgemeinen Nutzen fördern. Dieser Menschen Schicksal wird so beschaffen sein, dass man immer den zwölften Menschen zum Dienst Gottes und zum allgemeinen Nutzen auswählen wird, damit sie ständig auf Gottes Dienst warten.
Wer geschickt sein will, diesen Gottesdienst zu leisten, dafür sind nicht genug männliche und weibliche Klöster noch Stiftungen vorhanden, wenn sie alle zu dieser Veränderung kommen müssen. Die vier Orden werden hinzugezogen werden, ihnen wird kein Almosen mehr gegeben, auch den anderen Klöstern und Stiftungen wird man keine Zinsen und Renten mehr geben. Der Adel wird auch auf diesem Weg mitgehen müssen. Auch die Bettler werden hinzukommen, ihnen wird vollständig und umfassend Versorgung gewährt und gemacht werden wie den anderen. So soll das Geschlecht der Menschen gedemütigt werden. Die Behausung dieser Menschen wird in einer Versammlung nach der Weise der Kartäuser sein.
Sie werden auch immer bereit sein, Männern zu folgen, wo es zur Ehre Gottes und zum allgemeinen Nutzen notwendig ist. Sie werden auch ein Haus haben, in dem man die alten Menschen mit Essen und Trinken und allem Notwendigen für ihren Leib besser versorgt als in keinem Krankenhaus. Auch ein Haus für die Aussätzigen und ein weiteres für die, die an Seelenkrankheiten leiden, also jene, die nicht auf dem rechten Weg der Seele wandeln, werden so lange in diesem Haus bleiben, bis sie ihre Sünden bereuen. Sie werden auch ihre Handwerke haben, wie Schneider, Schuster, Wollweber, Leinenweber, Schmiede, Müller und Bäcker und was für Handwerke in einem jeden Land nötig sein werden. Alle Handwerke werden wieder zu ihrem rechten Gebrauch zurückkehren und den eigenen Nutzen beiseitelegen und den gemeinen Nutzen über das ganze Land fördern; dann wird das Vaterunser erfüllt werden und man wird den Sinn der Worte verstehen, die der Herr oft im Vaterunser nennt: „Uns, uns, uns.“
Auch wird jeder Handwerker einen anderen zu sich nehmen und ihn das Handwerk lehren zum Wohle des allgemeinen Nutzens. Ihre Veränderung wird gut sein. Sie werden Gott, das auserwählte und höchste Gut und alle Heiligen Gottes, anrufen und anbeten. Sie werden aus Liebe zu Gott den eigenen Nutzen aufgeben und den allgemeinen Nutzen tun. Sie werden Kleidung tragen, wie sie auf dem Feld erzeugt werden kann, weiß, grau, schwarz, blau. Und was auf dem Feld erzeugt werden kann, wird ihr Essen und Trinken sein. Alles, was auf dem Feld liegt, wird ihnen gehören, wie Holz, Wasser und was auch immer da ist, wird zum gemeinsamen Gebrauch kommen. Wer dann etwas auf seinem Feld erzeugt hat, der wird es einem anderen gegen andere Waren überlassen. Sie werden auch aufhören, im Advent und von der Himmelfahrt bis Pfingsten Fleisch zu essen.
Von den sieben Sakramenten werden sie drei als Sakrament halten, die anderen vier für gute Werke, für ein unauflösliches Band, und wer es bricht, wird sehr streng bestraft werden, und die Strafe wird im Haus sein, dass man denjenigen mit Händen und Füßen fesseln wird, und die Menschen werden über ihn hinweggehen zu seiner großen Schande, so oft er das tut. Das Sakrament der Ölung wird man zu der Zeit als eine Anrufung der Heiligen halten. Das Sakrament der Firmung wird man zur Zeit als ein Bekenntnis des Glaubens halten, wenn die Menschen dreißig Jahre alt werden.
Die Gotteshaus-Erneuerer werden, so weit ein jedes Land reicht, einen Anführer oder Herrn über sich wählen. Dieser wird ein Herr über das Land sein. Man wird ihm weder Zins noch Rente geben dürfen. Dieser wird von einem Feld zum anderen ziehen, so weit das Land reicht, und ein Aufsehen über alle Kirchen-Erneuerer und über das ganze Land haben, damit die Ehre Gottes und der allgemeine Nutzen erhalten werden. Er wird auch mit ihnen essen und trinken, so gut wie sie es essen und auf ihrem Feld erzeugen können, und was ihm mehr gebühren wird wegen seiner Arbeit, wird er bei Gott erwarten.
Falls der Herr Kriege führen muss, wird man ihm den dritten Mann von jedem Feld geben, sofern es zur Ehre Gottes und zum allgemeinen Nutzen notwendig ist, so werden sie ihm folgen und zu Fuß und zu Pferd gehorsam sein. Dieser Herr wird eine Münze prägen, auf der das Bild des Namens Jesus und die Umschrift, auf welchem Feld die Münze geprägt wird, stehen wird, aber in welchem Land desselben Herrn. Diese Münze wird in allen Sprachen der Welt gültig sein. Dieser Herr, da er weder Zins noch Rente nehmen wird, wird dennoch den Bedarf des Landes decken können, so dass er durch die Kirchen-Erneuerer veranlassen wird, dass jedes Feld Straßen und Wege bauen muss. Dieser Herr wird auch seine Feld- und Schriftweisen haben. Feldweisen, die verstehen, was auf dem Feld wächst und was es tragen kann, und so mit dem Feld den Leib ernähren, und es wird ein jeder Flur einen haben. Schriftweisen, die das Wort Gottes zur Rettung der Seele lehren und so die Seele mit der Schrift ernähren, und auch ein jedes Land wird einen haben. Bei diesem Herrn werden alte Kirchen wieder aufgebaut werden, und man wird dort Gottesdienst halten und sich vom Feld ernähren. Dieser Herr wird auch einem jeden Kirchen-Erneuerer erlauben, eine Münze zu schlagen, wenn es für den allgemeinen Nutzen notwendig ist. Er wird in der Mitte des Landes wohnen, und alles, was in diesem Land ist, wird den Feldleuten gehören, die in dem Land wohnen. Er wird auch alle Kirchen-Erneuerer des Jahres zwei- oder dreimal oder so oft wie nötig zusammenkommen lassen und von denselben hören, was sie an Überfluss oder Mangel an Mannschaften und Gütern haben. Er wird auch besondere Häuser bauen lassen, in denen die Ernte, die einem jeden Feld übrig bleibt, zum Nutzen der Allgemeinheit, des Landes oder anderer Länder zur Hilfe und zum Wohl aufbewahrt wird. Er wird auch in seinem Land eine Hochschule unterhalten. Dort wird man die Ehre Gottes und den allgemeinen Nutzen lehren, und alle Bücher, die nützlich sind, werden dort zu finden sein. Er wird in allen Fluren Gottesdienst halten, besser und vollkommener als es jetzt in keinem Kloster der Fall ist. So oft man die Menschen mit Nahrung für den Leib versorgt, so oft wird man die Seele auch mit dem Wort Gottes nähren. Er wird sich mit einem Land begnügen und von dem Gebrauch machen, was das Land und der Flur tragen wird, und alles, was im Land ist, wird ihm und den Feldleuten gehören.
Diese Landesherren werden sich zu zwölft ein Haupt oder einen Herrn wählen, der zu diesen Zwölfen ziehen und darauf achten wird, dass sie gerecht über die zwölf Länder regieren. Dieser wird auch eine Münze prägen, die genauso viel wert sein wird wie die Münzen der Zwölf, die unter ihm geprägt wurden, und darauf wird das Bildnis Gottes und die Umschrift des Landes stehen. Dieser Herr wird mit den Zwölfen essen und trinken, so gut wie es in ihren Häusern erzeugt werden kann. Er wird ein „Viertelsherr“ der lateinischen Sprachen genannt werden. Alle Landesherren werden einmal oder zweimal im Jahr zu ihm kommen und ihm mitteilen, was einem Land übrig bleibt oder fehlt. Und dieser Herr wird die anderen bestätigen, wenn sie von den Ländern gewählt werden. Er wird ein Aufseher über die anderen Landesherren sein, die unter ihm stehen, damit niemand nur seinen eigenen Nutzen sucht. Er wird auch anordnen, dass sie ihre Untertanen so unterrichten, dass keiner nur seinen eigenen Nutzen, sondern den gemeinen Nutzen sucht. Dieser Herr wird auch schrift- und landkundig sein und ebenfalls eine Münze aus Gold und Erz prägen, mit dem Bildnis und dem Namen Jesus sowie der Umschrift, in welchem Viertel der Sprachen sie geprägt wurde. Es wird vier solcher Herren in den lateinischen Sprachen geben. Diese Sprachen werden allen Ländern zugeordnet, die damit bezeichnet werden können; die vier Herren werden die Herrscher über diese Länder sein.
Jeder dieser vier Herren wird eine Münze aus Gold und Erz prägen. Diese wird genauso viel wert sein wie die Münzen, die von den anderen Herren in ihrem Viertel geprägt wurden. Jeder dieser Herren wird eine Hochschule in seinem Viertel haben, in der die drei Sprachen Latein, Griechisch und Hebräisch gelehrt werden, welche notwendig sind, um den einen Hirten zu bestellen. Jeder Viertelsherr wird nicht mehr als einen Einkauf tätigen, und dieser wird so groß sein, dass er für die Länder, die er unter sich hat, ausreicht.
Ebenso werden vier Viertelsherren in den hebräischen und griechischen Sprachen gemacht, und jeder von ihnen wird auch eine Münze aus Gold und Erz prägen, und die Münze wird in ihrer Form der der anderen gleichen, mit dem Namen Jesus und der Umschrift, in welchem Viertel der Pfennig geprägt wurde. Diese zwölf Männer der drei Sprachen werden zu den Herren zurückkehren, die unter ihnen sind, jeder in sein Viertel, und darauf achten, dass gerecht regiert wird zur Ehre Gottes und zum gemeinen Nutzen, und anordnen, dass auch die Untertanen entsprechend unterrichtet werden, damit sie die Ehre Gottes und den gemeinen Nutzen im Blick haben. Diese Zwölf werden sich auch einen Hauptmann wählen. Dieser wird die Zwölf bestätigen, wenn sie von ihrem Viertel gewählt werden, und durch die drei Sprachen ziehen und darauf achten, dass sie recht regieren zur Ehre Gottes und zum gemeinen Nutzen. Wenn er aufgrund von Todesfällen nicht alle Herren und Länder besuchen kann, dann werden die Zwölf einen anderen für dieses Amt wählen. Und wenn der verstorbene Herr das Regiment verlassen hat, wird der andere es vollenden. Dieser Herr wird von Gott bestätigt werden. Er wird auch eine Münze aus Gold und Erz prägen, die genauso viel wert sein wird wie die der Zwölf, die direkt unter ihm geprägt wurde. Auf der Münze wird ebenfalls das Bildnis und der Name Jesus sowie die Umschrift „Ein Hirte und eine einzige Herde“ stehen. So ist die erwähnte Entlassung der beiden Hirten und die Wiederherstellung des einen Hirten in der Zukunft, und all ihre Mühe und Arbeit wird bis dahin keinen Nutzen bringen, bis es zu dieser Herstellung kommt, und es wird so lange Unfrieden herrschen.
Diese Verleihung des Erdbodens und des einen Hirten wird uns alle Nutzen und Früchte wiederbringen, die der Mensch für Leib und Seele braucht. Durch diese Verleihung des Erdbodens werden die kleinen Dörfer ihr Land von den großen Städten und Herren verteidigen können, und was sie auf den Feldern finden, wird ihnen gehören. Die Städte werden ihre Häuser und Abfälle abgeben, denn sie werden dieser nicht mehr bedürfen. Sie werden genug haben an den Klosterhäusern, die sie auf ihrem Land haben; diese werden sie zu Gottes Ehre und zum gemeinen Nutzen besitzen.
Deshalb sollte man darauf achten, dass an diesen Häusern während dieses Aufruhrs der Menschen nichts zerstört wird. Durch diese Verleihung wird kein Mensch in seinem jetzigen Stand verbleiben, denn sie werden alle zu einer Ordnung kommen.
Diese Ordnung herzustellen, wird das Lob der Tugend des Adels sein, die großen Städte werden die Handwerker des Landes sein, und der Werkmeister wird Gott und das gemeine Volk sein. So werden alle Sekten zusammengeschmiedet und eine daraus gemacht.
Durch diese Verleihung wird der Adel der Geburt und auch der Verstand, wie er jetzt ist, durch weise und fromme Männer aus dem gemeinen Volk ersetzt, die den Verstand regieren werden. Diese Männer wird man aus allen Ständen nehmen, wo man sie finden kann. Durch diese Verleihung werden die Dörfer und Städte von aller Beschwerung befreit. Auch wird es dadurch zu einem Hirten und einer Herde auf diesem Erdboden kommen. Und dieser Hirte wird aufrichtig beten: „Ich glaube an den Heiligen Geist.“ Er wird dies durch Taten beweisen. Dadurch werden alle Stifte ihren Stand, ihre Renten und was sie haben, aufgeben müssen; sie werden auch durch diese Entlassung nicht mehr aus diesem Wort Gottes schöpfen können, das da lautet: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ Denn sie haben die Entlassung von Gott erhalten und werden sie auch von der Welt bekommen. Dass diese Entlassung wahr ist, wird durch Wunder und Zeichen bewiesen werden, so viel es nötig ist, um daran zu glauben, und die Menschen werden in Gottesfurcht und -liebe verfallen und anfangen, ihren eigenen Nutzen zu brechen und den gemeinen Nutzen zu suchen.
Dieses Büchlein richtet sich an alle Stände der ganzen Welt, geistlich und weltlich, edel und unedel, König und Fürsten, Bürger und Bauern, und betrifft einen genauso sehr wie den anderen, Städte, Länder und Leute. Alles, was je von Gott verkündet wurde, trifft jedermann gleichermaßen. Darum braucht sich niemand zu ärgern; Gott kümmert sich nicht darum, ob man zürnt oder nicht, seine Strafe wird davon nicht geringer werden. Aber die Welt und insbesondere die Schriftgelehrten an Fürstenhöfen und in den großen Städten halten ihre Vernunft und Weisheit für so groß, dass sie Gottes Weisheit übertrifft. Ja, alle seine Verkündigungen, die er durch die Propheten verkündet hat, und alle Wunderwerke, die er noch täglich am Himmel sehen lässt, gelten nichts und werden von den Schriftgelehrten als bloße Fabeln bezeichnet, um Gottes Kraft niederzustoßen und ihre Weisheit allein als gültig zu erklären.
Zeigt mir jemanden, der auf der Erde gerecht handelt unter all denen, die da leben, richten und urteilen und Recht sprechen, wie es der Heilige Geist lehrt? Wie alle Gesetze erlassen wurden, damit man nach Wahrheit und Gerechtigkeit richtet, nicht aus Liebe noch aus Gunst. Darum hat der Heilige Geist zwölf Männer eingesetzt, so wie Gott die Apostel hatte. Deshalb hat er es getan, damit, wenn fünf Männer vom rechten Urteil abfielen und sich nur vom bloßen Geist leiten ließen, die sieben dennoch mehr als die fünf zählen; nach dem Urteil dieser sieben soll das Recht ergehen. Läuft es so ab, sieht man es wohl. Aber derjenige, der mächtig ist und das Recht zum Wohle der Armen eingesetzt hat, wird die Richter und Rechtsprecher wohl belohnen, wenn die Zeit gekommen ist. Jeder fürchtet sich vor ihm, groß und klein, aber niemand handelt besser, das sieht man wohl in allen Urteilen.
Sagt uns, vom Höchsten bis zu den Allerniedrigsten, wie sie auf Erden leben, wo ist da ein Recht, das anders gesprochen wird, als die Schriftgelehrten es wollen? Wem sie Recht geben wollen, dem sprechen sie Recht zu, egal, ob er recht hat oder nicht; so lehrt es die Schrift, dass sie immer das Recht gewinnen. Der Heilige Geist aber lehrt das nicht; er lehrt nur Wahrheit und Gerechtigkeit, und deshalb ist er ein Feind aller Schriftgelehrten, und diese wiederum sind Feinde des Heiligen Geistes. Und alle, die nach dem Geist und der Wahrheit urteilen wollen, halten die Schriftgelehrten für Narren; sie haben auch keine Macht zu urteilen, ihre Wahrheit schneidet vor den Schriftgelehrten wie ein Filzhut, aber vor Gottes Wahrheit gilt sie ewiglich.
Zwölf sitzen und urteilen über zwei, und diese zwei gelten mehr als alle anderen; sie müssen Ja sagen, aber Gott kennt ihr Herz. Meint ihr, dass der Heilige Geist immer stumm bleiben und sich so eingraben lassen wird, als ob er nichts mehr zu sagen hätte? Aber seine Stimme und seine Wahrheit gehen hervor und klingen wie eine Posaune in den Herzen aller Menschen und offenbaren alle Ungerechtigkeit der Schriftgelehrten.
Meint ihr auch, ihr mächtigen, herrschenden Männer, wie ihr genannt werdet, vom Höchsten bis zum Niedrigsten, hättet ihr die alten, ungelehrten Männer richten und Recht sprechen lassen bis zu dieser Zeit, meint ihr auch, dass das Übel auf Erden so groß wäre? Ich glaube, dass Gott, der Heilige Geist, einem alten, ungelehrten Mann mehr Weisheit gibt als einem jungen, gelehrten. Darum spricht der alte Mann mit Wahrheit: Wenn der Junge wüsste, was ich weiß, wäre er furchtlos. Jetzt aber gilt die Weisheit der Alten nichts mehr, der Heilige Geist hat keinen Raum mehr in ihnen. Die Schriftgelehrten haben allein das Sagen und lassen nicht von ihnen. Wer sich des Herrn rühmt, der muss noch leiden, wo er auch sei, wenn er nicht schriftgelehrt ist.
Aber ich glaube, dass Gott nichts mit ihnen zu tun haben will; denn als er auf Erden war, ging er nicht viel zu den Schriftgelehrten; er fürchtete sich vor ihnen. Er wusste wohl, dass sie all seine Gerechtigkeit und Wahrheit zu Ungerechtigkeit und Unwahrheit machen würden.
Darum nahm er nur einfache, arme Fischer und Zöllner, die sich nicht für klug hielten, denn Gott allein ist klug und darf sich allein rühmen: „Ich bin durch Gott, den Heiligen Geist, weise und klug.“ Das rühmen sich die Schriftgelehrten nicht. Sie rühmen sich der Bücher und der Schrift, die sie weise und kunstreich machen, klüger als Gott sie machen könnte. Darum urteilen sie nach der Schrift und fragen nichts nach Gottes Urteil, wie man vor Augen sehen kann. Ja, alle die, die den Heiligen Geist haben, dürfen nicht anders sprechen, als es den Schriftgelehrten gefällt.
Aber jetzt kommt es so, dass er anders lernen wird und anders lernt, als es den Schriftgelehrten gefällt, und er offenbart alle Wahrheit; das können die Schriftgelehrten nicht ertragen. Deshalb rufen sie zu Fürsten und Königen, man solle die Druckereien abschaffen und nicht zulassen, dass die Leute beschimpft werden und alle Bosheit ans Licht gebracht wird, denn der Teufel sagt ihnen, wie ihre Schandtaten offenbart werden. Weil man jedoch Fürsten und Königen, Rittern und Grafen, Edlen und Unedlen die Wahrheit sagt und über sie all ihre Ungerechtigkeit schreibt und druckt, es in die Welt schickt und jedermann hören lässt, was für Menschen sie waren, dann gefiel es den Schriftgelehrten, dass die Ungerechtigkeit des Adels ans Licht kommt.
Aber jetzt, wo ihre Ungerechtigkeit auch bekannt werden und ans Licht kommen soll, schreien sie nach Mord, verbieten alle Druckereien, damit das nicht geschieht. Doch alle Verkündigungen Gottes müssen der ganzen Welt offenbart werden, nicht nur einmal, sondern oft, wie Noah in hundert Jahren oft der Welt verkündete, dass Gott sie vernichten wolle. Aber jetzt, wo man den Schriftgelehrten verkündet, dass Gott es nicht länger ertragen will, werden sie rasend. Sie beachten nicht die großen Wunder, die am Himmel und auf der Erde geschehen sind.
Der gesamte Adel hat zusammen mit allen Fürsten Gottes Gewalt und Macht gesehen, dass kein Haus, Schloss oder Stadt darauf verlassen werden kann, wenn Gottes Zorn kommt, dann zählt alles nichts, wenn sie Haus und Schloss verlassen und davon fliehen, wenn Gottes Furcht jedermann ergreift, wie man gesehen hat. Wer würde sagen, wenn der Kaiser mit allen Fürsten gekommen wäre, hätte er den Adel nicht so furchtsam gemacht in einem Jahr, wie Gott es in zehn Wochen tat. Aber das gilt nichts. Man sagt, die Bauern haben es getan. Ich sage: Nein. Bauern mit Dreschflegeln schlagen lange keine Mauer nieder. Es ist nichts, als dass man Gott die Ehre nimmt und sagt, die Bauern haben es getan, und den Adel dazu bringt: Schlagt die Bauern zu Tode, sie sind rasend, sie brechen euch die Schlösser! Das ist die Weisheit der Schriftgelehrten. So lehrt ein Blinder den anderen, und beide fallen in die Grube, wie Gott selbst sagt. Wenn sie aber nach dem Evangelium richtig lehren würden, wäre nicht so große Uneinigkeit und Zwietracht auf Erden, wie es jetzt der Fall ist.
Der Herr sagt im Evangelium: Eure Haare sind gezählt, und keines wird gekrümmt ohne den Willen meines Vaters. Wenn es also Gottes Wille war, musste es geschehen. Wenn es dann nicht so gut ist, dass die Bauern es getan haben wie andere Leute, musste es je geschehen? Wenn es aber nicht von Gott geschehen wäre, würde ich mit Wahrheit gerne sagen, es wäre mehr durch die Schriftgelehrten als durch die Bauern geschehen. Aber die Bauern haben die Lederhaut gegessen, sie müssen die Kuh bezahlen. Und sie haben doppelt bezahlt und stehen mitten auf dem Markt, dass jedermann dazu kommen kann. Sagt schnell, ihr Schriftgelehrten, und lehrt den Adel, dass er der Kuh nichts im Euter lässt und die Milch ganz aussaugt, sodass die Jungen nichts finden. Es ist zwar fast so weit, dass sie es ausgesaugt haben; es ist weder Milch noch Blut da, Frauen und Kinder sterben fast vor Hunger. Es ist diesem Geschrei Genüge getan worden: Schlag tot und würge tot, wer Hände hat! Ist das recht? Gott wird es wohl finden. Gott spricht: Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist. Wenn das die Barmherzigkeit der Schriftgelehrten ist, will ich sie den Bauern überlassen, ich will sie nicht begehren. Wenn aber Gott den Schriftgelehrten so barmherzig ist, kommt keiner mehr in sein Reich. Darum soll niemand denken, dass von Büchern oder vom Schreiben Aufruhr kommt. Es kommt alles aus Gottes Macht. Aber die Schriftgelehrten glauben es nicht, darum gilt ihre Weisheit mehr als Gottes Macht in ihren Unternehmungen. Das glaubt ihnen die verrückte Welt, darum machen sie die ganze Welt so blind, dass niemand Gott fürchtet. Sie können sonst nichts mehr tun, als die Welt mit solcher Blindheit zu führen. Könnten sie Besseres, so lehrten sie Besseres. Sie haben keine Vernunft, also können sie auch keine lehren. Darum, wen sie lehren, der geht in die Irre und findet keinen rechten Weg und wird hier und dort zuschanden, wie man vor Augen sieht. Gottes Weisheit blendet sie völlig. Dieses Büchlein habe ich nicht geschrieben, um Zorn zu entfachen oder jemandes Zorn zu erregen oder die Welt zu Zorn zu bewegen, sondern zum Guten, Frieden und Einigkeit, wo es Unfrieden gibt, der macht Unfrieden, wo aber guter Friede ist, der macht auch guten Frieden, das hat man jetzt wohl gesehen in aller Widrigkeit. Hätten die Schriftgelehrten nicht so viel Unfrieden gelehrt, wäre nicht so viel Unfrieden entstanden. Wer mit Unfrieden etwas gewinnt, der kann seine Schuhe damit schmieren; ich will diesen Gewinn gerne aufgeben.
Ich wollte nicht, dass ich den Gewinn mit den Bauern teilen sollte, den sie aus ihrem Aufruhr gewonnen haben. Ich meine auch, es sei ihnen wohl bezahlt worden. Glaubt ihr nicht, dass viele Schriftgelehrte und andere Leute, die eine große Schar auf Erden sind, ebenso Unrecht getan haben wie die Bauern? Und niemand ruft: Stecht tot, schlagt tot! Aber Gott, der ein rechter Feldherr ist, kommt jetzt daher und wird sie treffen, viel mächtiger als die Bauern. Sie haben es auch gewaltiger getrieben als die Bauern, tausendfach an Häusern, die aus Stein und Holz gebaut sind, sei es Stadt oder Schloss, Gott ist das nicht wichtig. Aber bei den Heuchlern, wo Gott selbst wohnt, das sind die armen Menschen, Bauern und Bürger, die Gott selbst geschaffen hat, kann er es nicht ertragen, dass man sie zerstört. Obwohl er es zulässt und mit ihnen umgeht, bis es ihm passt. Jeder erhält das Seine. Darum glaube ich, dass Gott niemals wieder die Bauern gegen ihre Herrschaft mit einem Aufruhr erheben wird, denn Gott hat es dem Adel und den Schriftgelehrten zugute getan, dass er das Werk mit den Bauern beendet hat. Wenn sie nicht erkannt haben, dass er es ihnen zugute getan hat, und undankbar sind, hat Gott für das Blut der Bauern, das sie ihm geschenkt haben, den Türken mit allen Ungläubigen gegen sie auferweckt. Da kommt erst der rechte Kampf, wie man vor Augen sieht. Ja, nicht nur die Türken, sondern auch unseren allerheiligsten Vater, den Papst, und die höchsten Priester alle zusammen in Uneinigkeit, und jeder begehrt das Blut des anderen.
Wollte dennoch Gott, dass es im deutschen Land nicht auch kommt, wie es in Italien mit Krieg und Uneinigkeit überzogen ist; mir scheint, es wolle sich auch im deutschen Land ausbreiten. Gott erbarme sich über uns. Die Fürsten und großen Herren sind ebenso zweizüngig in unseren Landen wie in anderen Landen. Es könnte ihnen leicht einer pfeifen, sie tanzten. Ist das gut, sehe ich es gern: das gefällt den Schriftgelehrten wohl, und sie lachen in die Faust und meinen, wenn großer Streit und Mord geschehen, so gehe es recht zu. Sie deuten auch alle Schriften und richten es so, dass es Hader und Streit bringt. Vertraue aber Gott; Gott erhört das Gebet der Frommen und lässt solche Zwietracht nicht in deutschen Landen werden, wie die Meinung der Schriftgelehrten ist, man solle das Evangelium mit dem Schwert teilen. Nicht so. Wen Gott gläubig machen will, der wird gläubig werden, das ist mein Glaube, ein anderer glaubt, was er will.
Wenn aber jemand sagt, das Buch sei nicht gut und lehrt nicht richtig, sage ich, es ist gut und lehrt richtig. Was kümmert es mich. Es regnet vom Himmel herab und wird schmutzig, und es gefällt mir nicht, was kümmert es Gott, und es ist dennoch richtig, auch wenn es mir nicht gefällt. Ebenso, auch wenn es einem Nasenweisen nicht gefällt und einem Schriftgelehrten, kümmert es nichts. Es ist geschrieben nach Gottes Zorn. Wenn wir Gott bitten, dass er seinen Zorn ablässt, wird er uns so besser machen. Aber sorge dich, während wir bitten, wird Strafe und Plage zusammengehen. Was schadet es einem, wenn es nicht geschieht? Was schadet es dann, wenn man gewarnt wird? Ist es nicht besser, man sagt mir, ich sündige gegen Gott und macht mich furchtsam, damit ich Gott erkenne und Gott bitte, dass er mir verzeiht? Ist es nicht besser, als dass man sagt, ich sei fromm und sei ein Schalk im Verborgenen? Wie gut wird es mir vor Gottes Gericht helfen, wie viel zählt es, dass ich sage, die Welt nennt mich fromm, ich wäre deshalb nicht frömmer. Ebenso viel ist es auch, wenn ich sage, es wird geschehen. Geschieht es aber nicht, so habe ich nur das verloren, dass man mich einen Lügner nennt. Wollte Gott, dass die Welt so fromm würde, dass Gott seine Strafe zurückhält, würde ich den [meinen] Worten gerne widersprechen.
Mein Büchlein macht keinen Aufruhr, es zeigt nur diejenigen an, die in Bosheit verharren, damit sie sich erkennen und Gott um Gnade bitten, wenn er sich nicht schlagen lassen will, wie man es den Bauern getan hat. Wenn Gott selbst mit euch kämpfen will, wie es das Büchlein klar aufzeigt. Wer unschuldig ist, braucht sich nicht zu fürchten, wer sich aber schuldig weiß, fliehe zu Gott und bitte ihn um Gnade. Es ist höchste Zeit, denn er will das Unkraut ausrotten, sonst fressen sie die Gläubigen ganz auf. Sie wissen nicht, was uns gesagt und durch Moses verkündet wurde: Wenn wir auf die Stimme Gottes hören, werden wir gesegnet sein, wenn wir hineingehen und wenn wir herausgehen. Und der Stimme des Herrn glauben wir, und es wird geschehen, wie er uns verheißen hat. Diese Sache hat mich, einen armen Mann, lange geplagt und mein Gewissen so sehr belastet, dass ich es nicht länger zurückhalten kann, daher gebe ich es im Namen Gottes weiter.
Es sind drei Tische in der Welt zu sehen: Der erste überflüssig und überladen, der zweite mäßig und in angemessener Notdurft, der dritte ganz notdürftig. Da kamen die vom überflüssigen Tisch und wollten von dem wenigeren Tisch das Brot nehmen. Daraus erhebt sich der Kampf, und Gott wird den überflüssigen Tisch umstoßen, den geringen Tisch ebenso, und wird den mittleren Tisch befestigen.