Drei Schriften von Eitelhans Langenmantel über das Abendmahl des Herrn [gekürzt].
Eitelhans Langenmantel, aus dem bekannten Augsburger Patriziergeschlecht der Langenmantel, war ein vermögender Mann, jedoch nicht, wie Beck angibt, Sohn des Bürgermeisters und Bruder des Führers des schwäbischen Aufgebots vor Pavia. In Bezug auf seine Zugehörigkeit zu den Täufern wurde er vom Rat relativ lange geschont. Während der Verhöre blieb Langenmantel nicht standhaft, widerrief schließlich und entging so dem Tod „durch den Brand“. Er wurde am 11. Mai 1528 in Weißenhorn hingerichtet. Von Hans Hut getauft, gehörte er zu den führenden Persönlichkeiten der Augsburger Täufergemeinde. In den Handschriftenabteilungen 5 und 6 in Budapest sowie in der Handschrift 305kt in Pressburg finden sich seine beiden Abhandlungen: „Vom Nachtmahl des Herren, aus Mattheo, Marco, Luca und Paulo“ und „Vom Sacrament, auch durch Hans Langenmantel gemacht“. In der Handschrift 305kt, Blatt 79, findet sich außerdem die ihm dort zugeschriebene Schrift „Ein anders gespräch vom abentmal Christi“. Einer von Beck abgedruckten Chronik zufolge (Beck S. 36) waren die beiden erstgenannten Schriften auch im Druck erschienen. Dass sie noch 1676 in Mähren handschriftlich vervielfältigt wurden, bezeugt ihr Ansehen in der mährischen Gemeinde.
Vom Nachtmal des Herren durch den getreuen Zeugen Gottes Hannß Langenmantl aus Mattheo, Marco, Luca und Paulo.
[Stark gekürzt. Aus Handschrift Abteilung 6 Budapest, Bl. 322–361.]
Es ist wahr, dass die Alten Christus nicht im Brot gesucht haben, sondern zur Rechten seines und unseres himmlischen Vaters, dort angerufen, angebetet und geehrt haben. Was wäre es [sonst] anderes, als den Wein mit Wasser mischen oder Greuel und Götzen im Haus des Herrn aufrichten? Dass Christus mit seinem heiligen Leib in den Himmel aufgefahren ist und zur Rechten seines Vaters in den höchsten Gütern sitzt, dass er auch von dort kommen wird, das deutet und zeigt die Herrlichkeit Christi an. Unser Gebet soll sich mehr dahin richten, dass Christus mit seiner Kraft bei uns und hilfreich sei, als dass er leiblich bei uns wäre. Oh, es ist unserem Herrn Jesus Christus eine viel größere Ehre, dass er leiblich nicht bei uns ist und uns doch mit seiner Kraft beisteht, als dass er leiblich zu unserem Nutzen bei uns wäre… Daher frage ich: Sag mir, wo vermehrt sich denn die Herrlichkeit Christi, wenn wir sein Fleisch und Blut im Sakrament hätten oder was für einen Nutzen würden wir daraus empfangen? Sondern alle Dinge, das Seelenheil betreffend, würden täglich nur schlimmer… Der Geist Gottes streitet offen dagegen: das Fleisch ist kein Nutzen. Wo steht solches, verstehe, dass das Brot Fleisch und der Wein Blut in unserem Glauben genannt und begründet wäre? Und wo hat je ein Apostel es als einen Glaubenssatz festgesetzt? Keiner, niemals, bis der Papst aufkam. Wehe uns, wenn wir uns unterfangen, diesen Artikel, der nicht zur Verherrlichung oder Ehre Gottes dient, zu lernen. Denn so spricht Gott: … wenn ihr es nicht hören und zu Herzen fassen werdet, dass ihr meinem Namen die Ehre gebt, … so werde ich den Fluch auf euch schicken. Ihr könnt niemals beweisen, dass ein Zeichen und die Sache, die durch das Zeichen bedeutet wird, wesentlich ein Ding sind. Wie kann ein gemalter Bischof und ein wirklicher Bischof ein Ding sein? [Jesus sagt:] Wenn ihr mich lieb hättet, so würdet ihr euch freuen, denn ich gehe zum Vater… Wollen wir dann nun Christus herab aus dem Himmel rufen? Was ist das für eine eigennützige Liebe.
Diejenigen aber, die die Zeichen für die wesentlichen Dinge gebrauchen und so vorgeben, das Fleisch sei dem Brot im Abendmahl vereint, die sind ja ganz fleischlich, wie zuvor gesagt, und kriechen auf dem Boden daher, sodass sie nicht hinauf in den Saal des Abendmahls kommen können. Die ganze Summe dieses Handelns betrifft die Liebe, dazu dienen Brot und Wein als Kommeln und Weinbeeren, welche nun gegessen, zerrissen und gepresst werden… Darum verstehen wir es hier nicht anders denn als ein Gedächtnis des Testaments. Wenn das Blut, das ihr sagt, ihr habt es im Kelch, zur Bekräftigung des Testaments dient,… müsste folgen, dass Christus vergeblich am Kreuz gestorben wäre. Ja, die treue fleißige Erinnerung ist selbst eine wahre Danksagung.
Wir können eigentlich keinen anderen Verstand fassen, außer eben, dass wir auch unser Blut um seinetwillen vergießen, und besonders, nachdem die ehrliche Bezeugung des alten Brauchs vorangeht, der uns eben als ein Lehrmeister warnt und uns bei der Hand führt. Wenn ich dir ein gemaltes Bildnis des Paulus zeigte und spräche zu dir: das ist der Paulus, der… Illyrien und Griechenland… mit dem Schwert des Geistes bekriegt hat,… wolltest du nun sagen, das ist das Bildnis des Paulus, welches Bildnis das Wort Gottes in Griechenland verkündigt hat?… Also das Brot, welches den Leib bedeutet, dasselbe entwirft und bedeutet auch die Hingabe oder Zerbrechung des Leibes.
Was will dann Christus damit zu verstehen geben? Nichts anderes, als dass er nun dem Tod nahe ist, und man soll seine leibliche Gegenwart fortan nicht mehr in der Welt suchen. Wer diesem Zeichen Jesu Christi, dem Gekreuzigten, nicht glaubt und durch die Wiedergeburt nachfolgt, der wird schließlich auch nicht im Testament (das ist im Bund) sein. Er wird auch Gott niemals für einen Vater und barmherzigen Gott erkennen, er wird sein Gewissen niemals recht trösten. Er wird nicht wissen, ob ihm seine Sünden nachgelassen sind oder nicht, weil er ja auch nicht abgestorben ist,… weil er den Sohn nicht erkennt.
Des Herrn eingedenk sein, das soll nicht oberflächlich mit kaltem Gemüt geschehen. Der Mensch prüfe sich…, dass er sich wahrhaftig dem Vater zur Rechtfertigung ergeben habe,… dass er fortan nicht ihm selbst, sondern Gott und seiner Gemeinde lebe. Welche aber solches nicht tun, die wollen nicht mit Christus erben, denn sie wollen nicht unter das Kreuz und den Kelch nicht trinken. Wie Maria sich dem Willen Gottes übergab, also muss ich mich auch unter den Gehorsam und das Kreuz übergeben. Werden alle Menschen das Brot haben? Nein,… allein die Vorhergesehenen und Berufenen, die sich in den Gehorsam und unter die Zucht des Vaters ergeben haben und also vom Vater gezogen werden. Darum wird mit ihm selbst dieses Brot niemand mit eigenen Kräften noch mit Erfahrung vieler Schriften überkommen.
… Christus hat seinen Jüngern gesagt, seine leibliche Gegenwärtigkeit würde in ein Hindernis sein des tröstenden Geistes.
Ein anderes Gespräch vom Abendmahl oder vom Sakrament.
[Von Eitelhans Langenmantel, Handschrift Abteilung 6 Budapest, Bl. 44–89.]
Die ganze Welt zankt und hadert sich vom Sakrament und wird nie zu Frieden darüber, und ist kein größerer Zank gewesen, seit dem Anfang der Welt bis her, da jetzt einer spricht, Christi Leib sei im Brot, der andere sagt nein.
Zum ersten sagt Christus, so jemand zu euch wird sagen: Siehe hier ist Christus oder dort, da sollt ihr’s nicht glauben. So sprechen jetzt die Prediger: Siehe hier ist er im Brot, siehe dort ist er im Wein. So sagt Christus: Glaubt es nicht, sie betrügen euch.
Zum zweiten sagt Stephanus: Christus wohnt nicht in Tempeln mit Händen gemacht; so ist da das Häuslein mit Händen gemacht, spricht er, er will nicht darinnen wohnen. So sprechen die Prediger, er wohne darin.
Zum dritten, er wird auch nicht mit Menschenhänden gepflegt. So sprechen sie, man braucht Hände dazu, und tragen ihn dahin und dorthin.
Zum vierten, er bedarf auch niemand, so bedürfen sie einen Pfaffen zu ihrem Abgott. So sprechen sie: Ei lieber, da Christus das Abendmahl gehalten hat, hat er gesprochen: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib. Darüber wollen sie keine Auslegung haben und sprechen, man müsse die Worte verstehen, wie sie lauten.
Zum fünften, wollen sie dir das nicht nachgeben, so lege ihnen das vor, dass Christus auch den Kelch genommen hat und gesprochen: Dieser Kelch ist ein neues Testament in meinem Blut. So wollen wir auch keine Auslegung darüber machen lassen. So frag man sie, worin denn das Blut sei, so der Kelch im Blut ist.
Zum sechsten frag man sie, ob einer Christum empfangen könne, er glaube an ihn. So sprechen sie nein. So glaubt das Brot nicht, so kann es auch den Leib Christi nicht empfangen. Denn der Glaube kommt aus dem Gehör, so kann das Brot nicht hören, kann es nicht hören, so kann es auch nicht glauben. Deshalb kann es denn den Leib Christi nicht empfangen.
Zum siebenten müssen alle Pfaffen bekennen, dass wir in diesem Brot nehmen dasjenige, was die Apostel empfangen haben. Sie müssen auch bekennen, dass die Apostel, wenn anders der Leib im Brot ist, gleich den Leib empfangen haben, den Christus zu derselben Zeit hatte, denn eben derselbe und kein anderer ist für uns gegeben. Demnach müssen wir auch jetzt nämlich den sichtbaren sterblichen Leib begreifen und essen, wie sie es auch vorgeben und sagen, er sei im Brot, wie er am Kreuz gehangen ist, so ist er im Brot. Ja, nicht sichtbar, wie er am Kreuz gewesen ist. Weil sie dann sagen, er sei leiblich darin, so müsste er auch begreiflich sein. Denn jeder Leib ist begreiflich. So man ihn dann nicht greift, so ist er auch nicht leiblich darinnen. Christus ist für uns sichtbar, wirklich und schmerzlich in den Tod gegeben, so folgt, dass er auch im Sakrament dermaßen und wie er dann am Kreuz gehangen, müsste gegessen werden, wo wir die Worte „das ist mein Leib“ wollten verstehen, dass da der leibliche Leichnam Christi sei. Er ist es nicht.
Wir wissen auch und müssen es auch bekennen, dass Christus einmal gestorben, hinfort nimmer stirbt, sondern ewiglich mit seinem Vater lebt. Deshalb können und mögen wir keinen sterblichen Leib essen.
Weiter, Christus hat zu der Zeit, dieweil er auf Erden gewesen ist, leiblich an zwei Orten nicht sein können. Wie möchte dann sein Leib jetzt zu dieser Zeit an so viel tausend Orten sein? Man findet in keiner Schrift, dass Christus leiblich mehr auf Erden kommen werde, bis zum jüngsten Tag, welche Zukunft durch die Propheten auch fleißig beschrieben worden ist. Aber von der Zukunft des Leibes Christi in das Brot wird in allen Propheten nicht ein Buchstab gefunden.
So kann auch kein Mensch mit Wahrheit sagen, er habe Christum im Brot gesehen, wie er nach seiner Geburt, Leben, Wesen, Predigt, Werke, Leiden, Sterben, Begräbnis und Himmelfahrt gesehen worden ist, da er dann jetzt sitzt zur Rechten Gottes des Vaters, bis an den jüngsten Tag. Das bezeugt auch des Papstes Dekretal, spricht der Text, dass Christus in dem Leib, darin er gen Himmel gefahren sei, muss er an einem Ort sein.
Zum achten sprechen sie aber, er sei geistlich im Brot. So frag ich sie, was Christus geistlich sei. Paulus antwortet und spricht: Wir viel seien ein Leib von seinem Fleisch und von seinem Blut geboren, so sind wir der Leib Christi, einer ein Fuß, der andere eine Hand. Den Leib, das sind alle Christen samt Christo, dem Haupt, müssten die Pfaffen nach dieser Meinung fressen, auch wir selbst müssten einander essen, was für ein Gefräß würde sich da erheben. So spricht Christus: Was zum Mund eingeht, das wird durch den Stuhlgang wieder ausgeworfen. So wir den Christum zum Mund ein essen im Brot, so würde er wieder ausgeworfen…
Endlich frag ich die Pfaffen, ob sie glauben, dass der Leib Christi im Brot sei oder das Blut im Kelch sei, wenn sie die Worte „das ist mein Leib oder Blut“ über dem Kelch nicht sprächen. Sie würden gewisslich antworten: Nein, denn durch diese Worte zaubern sie ihren Herrn Gott in das Brot. Und wenn sie diese einzige Zauberei nicht hätten, so hätten sie gar keinen Gott. Nun folgt aus ihrer eigenen Bekanntnis, dass der Leib im Brot, welches die Apostel gegessen haben, und das Blut in dem Kelch, aus welchem sie getrunken haben, nicht ist, wenn Christus erst nach dem Essen die Worte „das ist mein Leib“ und nachdem sie getrunken haben „das ist mein Blut“ gesprochen hat. Das bezeug ich mit dem Evangelisten, da er sagt: Da Christus den Kelch genommen hatte und dankte, hat er in seinen Jüngern gegeben und sie haben alle daraus getrunken. Und er sprach: Das ist mein Blut des neuen Testaments, das für viele vergossen wird. Da sieht ein jeder klar, dass Christus die Worte, nachdem sie gegessen und aus dem Kelch getrunken haben, erst gesprochen hat. Aber den Pfaffen hat diese Ordnung nicht gefallen, Ursache, sie trug ihnen nichts in die Küche, um welcher willen sie auch alle andere christliche Ordnung verkehrt haben, bei welchem ein jeder erkennen mag, dass alles dasjenige, so die Pfaffen bisher in der Kirche gehandelt haben, sei Verführung und Zauberei und stracks wider Gott.
Zum neunten spricht Paulus: So oft ihr das tut, so tut es zu seiner Gedächtnis, bis dass er kommt. Wäre er selbst im Brot gegenwärtig, so dürfte man seiner nicht gedenken. Es reimt sich sehr übel, seines Gedächtnisses zu halten, so er selbst leiblich da wäre. Weiter sagt er: Bis dass er kommt. So ist er ja noch nicht gekommen. Denn die Schrift sagt: Gleichwie der Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohns. Aus diesem Text folgt auch, dass er sichtbar in das Brot kommen müsste. Es ist auch ein Anzeigen, dass er lang nicht in der Welt gewesen sei, dieweil er verheißen hat, er wolle kommen wie der Blitz.
Zum zehnten: Wo Christus je gewesen ist, hat er unseren Nutzen allzeit geschafft. Am Kreuz hat er für uns gelitten und ist unsere Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung gemacht worden. Auf dem Land und auf dem Wasser hat er gepredigt und Wunderwerke gewirkt, wie die Evangelisten reichlich anzeigen. Allein im Sakrament, wie sie es vorgeben, nützt es nichts, ist auch nicht darin, sondern ist im Himmel bei seinem Vater und bittet für uns.
Zum elften sagt Christus: Von nun an wird es geschehen, dass ihr sehen werdet des Menschen Sohn kommen in seiner Herrlichkeit, und werden alle Menschen vor ihm versammelt werden. Dieser Text sagt auch von einem Kommen.
Zum zwölften: Ich sage euch, ich werde von nun an nicht mehr von dem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, da ich’s neu trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. Da heißt es Christus selbst auch Wein und nicht Blut.
Zum 13.: Er ward aufgehoben zu segnen, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen. Und als sie ihm nachsahen gen Himmel fahren, siehe, da traten neben sie zwei Männer in weißen Kleidern, welche auch sagten: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr und sehet in den Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen, der wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Demnach sehen wir ihn nicht herabkommen in das Brot sichtbar, wie dieser Text anzeigt.
Zum 14. sagt der Herr: Ich bin ausgegangen vom Vater und in die Welt gekommen. Wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater. Es ist besser, dass ich hingehe. Dieses Verlassen muss allein nach menschlicher Natur verstanden werden, wie er auch sagt: Mich werdet ihr nicht allewege haben. Denn nach göttlicher Natur und Gnade mag er nicht von uns, als den Seinen, weichen, wie er auch bezeugt: Ich bleibe bei euch bis an das Ende der Welt. Gleich den Verstand hat der Spruch: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, will er mitten unter ihnen sein. Das ist nach seiner Kraft und Geist, welches unsichtbar ist. Hier muss man unterscheiden beide Naturen in ihm, denn die göttliche ist allenthalben bei den wahren Christen gegenwärtig, die menschliche aber allein an einem Ort, wie genügsam beweisen auch des Papstes Dekretal vermag.
Zum 15. folgt nicht, Christus ist Gott und ist allenthalben. So sollt auch nicht sagen: Gott vermag das und alles, darum ist’s also. Wiewohl Gott alle Dinge möglich sind, das ist ihm doch nicht möglich, wider sein Wort und Ordnung zu handeln, welche verordnet hat, dass sein Sohn zu seiner Rechten sitzen soll, bis an den jüngsten Tag. Da ist er leiblich und nicht anderswo.
Zum 16.: Es gilt auch nicht die Rede: Das Brot ist mein sichtbarer Leichnam, der für euch sichtbar gegeben wird. Ist das Brot der Leichnam, der für uns hingegeben ist, so ist das Brot für uns gekreuzigt. Dieweil aber solches weit fehlt, darum haben diese Worte „das ist mein Leib“ einen anderen Verstand, als wenn einer spräche: Trink Sankt Johannis Segen, meint er nicht, dass er den Segen, sondern den Wein, der also genannt ist, trinken soll.
Zum 17. sagt Paulus: Christus ist nicht eingegangen in das Heiligtum mit Händen gemacht, welches ist ein Gegenbild des Wahrhaftigen, sondern in den Himmel selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns. Wenn nun der Leib Christi wesentlich da wäre, in oder unter der Gestalt des Brots, so fielen unter eins drei Artikel des Glaubens, wie hernach:
Der erste Artikel: Er ist aufgefahren gen Himmel. Wer möchte glauben, dass Christus leiblich gen Himmel gefahren wäre?
Der zweite Artikel: Sitzt zur Rechten Gottes des Allmächtigen – gleich da hat ihn Stephanus sitzen sehen. So spricht Paulus, da Christus ist sitzend zur Rechten Gottes, wer ihn anderswo uns zeigt, den sollen wir nicht glauben.
Der dritte Artikel: Von dannen er künftig ist zu richten die Lebendigen und die Toten – wie wird er kommen, so er die Welt nicht verlassen hätte und leiblich im Brot hier wäre? Das halten wir wohl, dass er leiblich nicht mehr auf Erden ist, sondern sitzt zur Rechten Gottes, und nicht im Brot, und von dannen er künftig ist, zu richten Lebendige und Tote. Wenn er auf Erden ist, darf er nicht kommen. So sehet ihr nun, dass diese drei Artikel des christlichen Glaubens stracks wider das ist, dass Christus im Brot sein soll.
Nachfolgend aber wollen wir sehen, wie und warum Christus das Abendmahl mit seinen Jüngern gehalten und ihnen hernach zu halten befohlen hat. Christus, als er von seinen Jüngern scheiden wollte, sprach er: Mich hat herzlich verlangt, mit euch das Osterlamm zu essen. Und unter dem Mahl hat er sie freundlich belehrt vom Reich und von der Liebe Gottes und dergleichen. Endlich, da seines Bleibens nicht mehr war, nahm er das Brot, sagte Dank und brach’s und gab es seinen Jüngern, sprechend: Nehmet hin und esset. Da sie nun hatten gegessen, sprach er: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird, das tut in meiner Gedächtnis, als wollte er sprechen: Also hab ich euch geliebt, dass ich meinen Leib für euch in den Tod gegeben habe, [das ist] der rechte Brauch des Abendmahls. Christus hat es mit seinen Jüngern gehalten im Gemach, und nicht vor jedermann und bei den Außenstehenden. Die Apostel hin und wieder in den Häusern, und hielten es auch nur mit ihren Brüdern und Schwestern, die da lebten nach dem Befehl Christi, die mit ihnen gleichen Glauben überkommen hatten und getauft waren in den Tod Christi.
Auch hat es Christus des Nachts gehalten auf der Sommerlaub zur Mitternacht, mit seinen Jüngern: Liebe Brüder und Schwestern, ihr wisst, dass der Herr in der Nacht, da er verraten ward und sich von seinen Brüdern leiblich scheiden wollt, nahm er Brot und Wein und richtete ein Gedächtnis auf seines Leibes und Blutes, welcher für uns gebrochen und vergossen soll werden, auf dass er uns seiner Liebe gegen uns erinnerte, welche er mit seinem Leib und Blut für uns dargegeben und bewiesen hat. Darum sagt Paulus: So oft wir von diesem Brot essen und von dem Trank trinken, sollen wir des Herrn Tod verkündigen, bis dass er kommt. Warum denn den Tod? Darum, dass er mit seinem Tod seine Liebe, die er zu uns hatte, bezeugt hat. Ist nun seine Liebe so groß gewesen, und wir haben uns verwilligt, ihm nachzufolgen, so müssen wir auch aneinander lieben, wie er uns geliebt hat. Darum spricht er: Das ist mein Gebot, dass ihr euch aneinander liebet, gleich wie ich euch geliebet habe. So werden wir erstlich in diesem Abendmahl seiner Liebe gegen uns erinnert.
Für das zweite bekennen wir aneinander mit diesem Brot und Trank, dass wir alle in unseren Herzen gleich gesinnt sind, wie Christus gegen uns gesinnt ist gewesen, nämlich dass wir alle miteinander Glieder, ein Leib in Christo, unserem Haupt. Von dem ersten spricht Christus: Tut’s in meiner Gedächtnis. Von dem anderen spricht Paulus: Wir viel sind ein Brot und ein Leib, dieweil wir alle eines Brotes teilhaftig geworden sind.
So vernehmt es nun also, liebe Brüder, gleichwie die Wassertaufe ist ein äußerliches Bekenntnis der innerlichen Verbindung und des Glaubens gegen Gott und seiner Gemeinde, auch daneben eine Erinnerung der Absonderung von den Listen und Begierden unseres Fleisches, welches durchs Wasser bedeutet wird, eben also ist des Herrn Abendmahl ein äußerliches Bekenntnis der innerlichen Liebe im Herzen, die wir haben sollen gegen die Mitglieder, nachdem die Lieb ist die Erfüllung des Gesetzes Gottes, auch daneben eine Erinnerung des, dass wir alle aneinander ein Leib sind im Herrn, welches durch viel Kommeln und Weinbeeren, die alle ein Brot und ein Wein sind, bedeutet wird. Auf solches spricht Paulus: Der Mensch prüfe sich selbst, und also esse er vom Brot und trinke von dem Trank. Das ist: Erforsche und frage vorhin dein Herz, ob du nämlich also bei dir gesinnt seiest oder begehrest, gesinnt zu werden, wie du von außen mit dem Brot und Trank vor der Gemeinde bezeugen willst. Darum wer also unwürdig isst, der isst und trinkt es ihm zum Gericht, der sich nicht also inwendig befindet, wie er außen mit dem Brotessen bekennt, darum, dass er Gleisnerei treibt und den heiligen Geist verleugnet. Denn das heißt auch des Herrn Leib: Unterschiedlich und wohl ermessen, erforschen, nämlich sich selbst, dieweil er auch des Leibes Christi ein Glied ist, fleißig prüfen und durchsuchen, ob er der sei oder wahrlich begehre zu sein, für den er sich austut und erbietet vor der Gemeinde mit dem Brot und Trank. Deshalb hält man es oft oder wann man will, damit man der Liebe erinnert werde und ermahnt, denn die Liebe ist Verzeichnung und Frucht des Glaubens, durch welchen wir uns Gott am ersten vertraut und ergeben haben. Dazu er uns bekräftigen will bis an unser Ende.
Ein anderes Gespräch vom Abendmal Christi und seiner Gemeinschaft aufs kürzeste.
Hier folgt ein Gespräch zweier Brüder. Der eine spricht: Ich habe ein Buch, darin ist geschrieben vom Abendmahl. Der andere begehrt es zu lesen, und da er’s gelesen hat, spricht er zu dem anderen: Es ist zu wenig Verstand darinnen und achte auch, nicht rechter Verstand, denn sie haben im Buch geschrieben, das Abendmal Christi sei ein leibliches oder gemeinsames Essen der Christgläubigen in der Liebe, und legen doch keinen Unterschied zwischen Irrtum Luthers und des Papstes. Da der eine den Leib Christi und Blut im Brot und Wein essen und trinken will, der andere im Glauben durchs Brot und Wein empfangen, und seines heiligen Geistes allesamt vergessen tun, ohne den doch keine rechte Liebe noch Glaube gespürt oder auch bewiesen werden mag. Brot und Wein aber als Kreatur wird der Natur gegeben, welches Christus in der Figur braucht. Dem tun diese alle zu viel Kraft zuschreiben und seines heiligen Geistes (der doch die rechte Speise ist) nicht gedenken. Ich aber, spricht dieser Bruder, glaube und bekenne das von ganzem Herzen, so mich jemand fragen täte, was das Abendmal Christi sei, [spräche ich, eine] geistliche Speise seines Leibes und Blutes, das er vergossen hat für uns im Leiden seines Todes, damit zu bezahlen unsere Schuld, die er nicht verschuldet hat. Darum ihn auch Gott von diesem Tod wieder auferweckt hat und nicht zugeben, dass solcher Heiliger und Unschuldiger die Verwesung sehen sollte und seine Seele nicht in der Hölle gelassen ward, sondern von Gott seinem Vater Erlösung empfangen hat und dieselbige auch mitzuteilen allen denen, die an seinen Namen glauben. Diese Erlösung, durch seinen Tod geschehen, ist die rechte geistliche Speise, die Christus seinen Jüngern in seinem letzten Abendmahl gegeben hat bei diesem natürlichen Brot und Wein, und heißt es tun oder halten zu seiner Gedächtnis und sooft man zusammenkommt, dieses Denkmal zu halten, seinen Tod (das ist unsere Erlösung) verkündigen, bis dass er kommt. Und das Abendmal Christi ist nicht ein gemeinsames Essen dem natürlichen Leib, dazu man sonst Häuser hat zu essen und die Liebe einander zu beweisen, sondern ein geistlicher Handel ist es, denn es geschieht nicht um des Fleisches willen gehalten wird, sondern dem Geist nach. Und obschon das natürliche Brot und Wein nach der Natur genossen wird, so mag und soll aber doch der natürliche Leib und Blut Christi (der Natur nach) von keinem Menschen weder gegessen noch getrunken werden. Denn er auch, Christus, das Wort des Lebens, von Gott seinem Vater darum nicht gesandt ward, dass er Fleisch an sich nehmen sollte, dass er sollte gegessen werden, sondern zu sterben und die Sünde darin zu verdammen durch Sünde, nämlich durch unsere Sünde, die wir (wie der Adam mit denen, die Christus selbst gekreuzigt haben) in gleicher Übertretung gestanden sind. Diese Sünde, unsere Schuld, die er nicht schuldig war, die zu bezahlen ist ihm von Gott zur Schuld und Sünde aufgelegt und gemacht worden, und dazu ist er gesandt worden, nämlich Gerechtigkeit zu verkündigen und das Evangelium.
Weiter aber glaube ich auch, lieber Bruder, dass das Abendmal sei eine Einsetzung seines heiligen Geistes nicht dem Fleisch, sondern dem Leib seiner Gemeinschaft, seiner selbst Glieder nach dem inwendigen Menschen zu regieren und in allen geistlichen Dingen fortzuschreiten, das Fleisch mit seinen Werken zu töten und gar umzubringen, wie er selbst getan hat, und das in seinem letzten Abendmahl angibt bei diesem natürlichen Brot und Wein, das er nahm und brach und gab seinen Jüngern und sprach: Esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Das tut zu meiner Gedächtnis. Nicht dass sein natürlicher Leib darinnen sei oder gegessen werden soll, sondern in den Tod gegeben für uns, hernach am Kreuz, anders er kein Nutzen nicht war, wie er selbst sagen tut: Der Geist ist’s, der da lebendig macht, und das Fleisch ist kein Nutzen. Seine geistlichen Gaben aber gibt er uns, das ist die rechte Speise, das Brot des Lebens, das vom Himmel gekommen ist, und gibt der Welt das Leben. Und siehe, sein Geist, sein Wort und sein Leben, und muss auch geistlicherweise gerichtet sein und nicht nach dem Fleisch.
Desselbengleichen nahm er auch den Kelch. Den natürlichen Wein als Kreatur, den tut er der Natur geben, um damit zu bezeugen, dass gleichwie aus vielen Kernen ein Trank und Brot worden ist und das Fleisch tut speisen, also wir viel ein Leib und Brot in Christo sind. Dieweil wir alle eines Brotes Christi und seines Todes zu unserer Erlösung teilhaftig sind, damit tut er uns speisen dem Geist nach bis in das ewige Leben, das uns darnach nicht mehr hungern noch dürsten wird. Und sprach: Der Trank des neuen Testaments ist in meinem Blut, welches für euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Das ist nun unsere Erlösung und Befestigung seines Testaments, das er mit uns gemacht hat unseres ganzen Handels und Wandels und Lebens, und heißt es halten oder tun als zu seiner Gedächtnis. Denn auch zu diesem Trank ruft Christus allesamt, die da dürsten, und sagt das von dem Geist, welchen empfangen sollten, die an ihn glauben. Und das sind seine himmlischen Gaben, die er uns geben tut und berichtet seine Jünger, als er wiederum aus dieser Welt zu seinem Vater ziehen wollte, wie den geschrieben steht: Er ist aufgefahren in die Höhe und hat gefangen geführt die Gefangenschaft und hat den Menschen Gaben gegeben. Dass er aber aufgefahren ist, was ist es denn, das er ist zum ersten hinuntergefahren in die untersten Örter der Erde. Der hinunter gefahren ist, das ist derselbige, der aufgefahren ist über alle Himmel, auf dass er’s alles mit Gaben erfülle. Und derselbige hat etliche zu Aposteln gesetzt, etliche zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern, damit die Heiligen alle zusammen gefügt würden durch gemeinsamen Dienst zu bessern den Leib Christi. Siehe, das ist klar genug die geistliche Speise und Einsetzung derselbigen, wie Christus in seinem letzten Abendmahl getan hat. Und wer nun diesen seinen Geist nicht hat, der ist auch nicht sein und ist unwürdig, zu halten dieses Denkmal, und macht sich selber schuldig von neuem des Leibes und Blutes Christi, das auch für ihn vergossen ward, welche Schuld denn er auch selbst zahlen muss und größer gerechnet, denn die vorige war, denn Christus nicht noch einmal für ihn sterben wird.
So aber jemand sagen wollte, wie möchte es eine geistliche Speise sein, dieweil er in erst hernach soll gesandt werden und sie zu Jerusalem bleiben sollten, bis dass sie ihn empfingen, und warum er das Brot und Wein dazu genommen hat, so nichts darin oder dadurch sollte genossen werden, und hätte sie allein mit Worten gelehrt, weil sie Geist und Leben sind, so glaube ich, dass, dieweil Christus selbst der Geist und das Wort des Lebens vom Vater, gesandt im Fleisch, noch bei ihnen war, erhielt er sie in seinem Namen und gab sich ihnen zur Speise, nicht dem Fleisch nach, sondern dem Geist, zu tun seinen Willen, dass er und der Vater bei ihnen wohnen möcht. Dass er aber Brot und Wein genommen hat, die Kreatur, und der Natur zu essen gegeben und doch nichts darinnen oder dadurch sollte genossen werden, anders denn dass sie der Hilfe Gottes und unserer Erlösung durch Christum geschehen dabei gedenken sollten, solang der Geist und Fleisch beieinander ist und bis dass er kommt, wie auch Christus war, da er’s ihnen in der Figur geben tat, ist aus der Ursache: Nachdem Gott den Himmel und Erde, das Meer und alles, was darinnen ist, aus nichts, denn durch das Wort seiner ewigen Wahrheit und Gottheit gemacht hat, so hat er darnach allweg dem Menschen sein Geschöpf in Figur der Natur vorgestellt, seines geistlichen Werks und Handels dabei zu gedenken, wie oben gemeldt ist [gekürzt].
Quelle: Glaubenszeugnisse oberdeutscher Taufgesinnter, hrsg. v. Lydia Müller, Leipzig: Heinsius, 1938, S. 126-136.