Von David Chytraeus
So wie Gott dieses ganze überaus schöne Welttheater, den Himmel, die Lichter, die Sterne, die Elemente, die Pflanzen, die Lebewesen und unsere eigenen Seelen und Leiber erschaffen hat, und will, dass wir sie anschauen und die in sie eingeprägten Spuren der göttlichen Güte und Weisheit betrachten – wobei diese Anschauung und Betrachtung der immerwährenden oder in bestimmten Kreisläufen wiederentstehenden Weltkörper von den Gelehrten „Naturgeschichte“ genannt wird –, so hat er auch die fortlaufende Reihe der Dinge, die in diesem Welttheater von Gott und den Menschen, seinen Bewohnern, der Beachtung und Erinnerung wert sind, vom Anfang an bis zu unserem Zeitalter getan und geschehen sind, in der Weltgeschichte bewahrt. In dieser können wir wie auf einem gemalten Bild oder wie auf eine hohe Warte gestellt mit unseren Augen deutlich sehen und betrachten, was auch immer im Erdkreis von der ersten Schöpfung an bis jetzt Denkwürdiges geschehen ist.
Gott wollte nämlich, dass das Gedächtnis dieser größten Dinge – der Anfänge der Welt und der Kirche, des Ursprungs, des Falls und der Wiederherstellung des Menschengeschlechts, der Verheißung über Christus und der anderen in der Kirche bekanntgemachten Offenbarungen Gottes, der Strafe der Sintflut, der Einrichtung und Auflösung des jüdischen Staatswesens, der Abfolge der vier Weltreiche und der bedeutendsten Königreiche der Welt, des Reiches Christi usw. – bei den Menschen bewahrt und auf die Nachwelt überliefert werde.
Ganz und gar würde jedoch im Menschengeschlecht die Erinnerung an die größten Ereignisse erlöschen, die vor unserer Zeit in der Kirche und in den Reichen geschehen sind, wenn sie nicht durch schriftliche Aufzeichnungen und die Denkmäler der Geschichte festgehalten würden. Darum hat Gott selbst die erste und älteste Geschichte durch Mose niedergeschrieben. Und Herodot, der auf den Spuren der prophetischen Schriften folgt, bezeugt, dass er seine Geschichte mit dem Ziel geschrieben habe, „damit das, was durch Menschen geschehen ist, im Laufe der Zeit nicht aus dem Gedächtnis schwinde“. Wahrhaftig also ist die Geschichte der Zeuge der Zeiten, das Licht der Wahrheit, das Leben der Erinnerung, die Meisterin des Lebens, die Botin der Vergangenheit – wie Cicero am wahrhaftigsten und zugleich am nachdrücklichsten bestimmt.
Nachdem wir nun die übrigen vier Lobsprüche beiseitegelassen haben, die ungefähr dasselbe gelten und diesen ersten und vornehmsten Nutzen der Geschichte erläutern, wollen wir den zweiten Punkt in dieser Eingangshalle der Lektüre etwas aufmerksamer abhandeln: dass Cicero die Geschichte die „Meisterin des Lebens“ nennt. Dieses Lob schreiben wir in der Kirche Gottes allein Gott zu, das heißt seinem Willen und seinem göttlichen Gesetz.
Denn die ewige Weisheit und die Richtschnur der Gerechtigkeit in Gott, an die wie an eine Norm alle Überlegungen und Handlungen der Menschen ausgerichtet werden sollten, ist das Gesetz Gottes, der Dekalog. Seine Gebote sind Strahlen der Weisheit, die im göttlichen Geist leuchtet, die unwandelbar das Anständige vom Schändlichen unterscheidet. Sie sind in die Gedanken der Menschen ausgegossen und durch die Stimme Gottes selbst auf dem Berg Sinai erleuchtet worden, um uns Gott als den Urheber zu zeigen, wie Gott ist, und darzulegen, mit welchen Pflichten er von uns verehrt werden will, und um das Leben der Menschen zu leiten und zu regieren.
Die Geschichtswerke aber sind zum großen Teil nichts anderes als leuchtende Beispiele dieser göttlichen Weisheit, das heißt des Gesetzes Gottes, das die Reiche und das Privatleben lenkt, ausgedrückt in den Taten Gottes selbst, der höchsten Könige und Staaten und großer Männer. Diese Beispiele sind fast immer sehr anschaulich. Und da sie die schrecklichen Strafen für ungerechte Ratschläge und Verbrechen sowie die Belohnungen für rechtmäßige Taten verkünden, entzünden sie die Gemüter der Unerfahrenen viel wirksamer als bloße Vorschriften zur Flucht vor Verbrechen, zur Nachahmung rechtmäßiger Taten, zur Pflege der Gerechtigkeit und der übrigen Tugenden und treiben sie dazu an.
Es ist daher sehr nützlich, bei der Lektüre der Geschichtswerke die Beispiele aller menschlichen Pflichten, wie an einem leuchtenden Platz aufgestellt, klug auf die Regeln oder Gesetze des Lebens zu beziehen. Von diesen ist die erste und höchste die, welche bekräftigt, dass Gott wirklich existiert, der Schöpfer und Aufseher der Reiche und des menschlichen Lebens, der Allmächtige und Gerechte, der fordert, mit Belohnungen schmückt: die Furcht vor sich, die Gerechtigkeit, den Gehorsam, und der auf schreckliche Weise die Gottlosigkeit, die Ungerechtigkeiten, die Tyrannei, den Hochmut, die Zügellosigkeiten und andere Verbrechen bestraft. (Und dass der Gerechtigkeit, der Rächerin derer, die das göttliche Gesetz verlassen, immer mit Gott zu folgen ist.)
Auf diese allgemeine Regel bezieht Herodot die ganze Geschichte des Trojanischen Krieges, wenn er sagt: Der Untergang Trojas lehre, „dass auf große Freveltaten auch große Strafen von den Göttern folgen“. Und in der Terpsichore (Buch V) zitiert er diese allgemeine, zur Lenkung der Sitten sehr nützliche Regel: „Kein Mensch entgeht jemals der Vergeltung für seine Ungerechtigkeit.“
Vor allem aber nützen die Geschichten den Lenkern des Gemeinwesens und der Reiche, damit sie die Beispiele guter und heilsamer Ratschläge, die Pflichten der Staatslenkung, das heißt alle Tugenden, die in einem guten Fürsten oder Obrigkeit notwendig sind, und die Ursachen des Wandels, des Umsturzes von Königreichen und Staaten, der schrecklichen Kriege und öffentlichen Katastrophen beachten. Die heiligen und Gott teuren Könige – David, Joschafat, Hiskia, Konstantin, Karl der Große – haben sich in ihrer ganzen Regierung vornehmlich dieses Ziel gesetzt, dass sie die wahre Lehre von Gott, den wahren Gottesdienst, die für die Kirche notwendigen Studien der Literatur, die gute Zucht und den Frieden in recht geordneten Kirchen schützen und ausbreiten. Diese Beispiele mögen auch jetzt gute Fürsten bei der Lenkung ihrer Gebiete nachzuahmen suchen.
Kyros, Deïokes, Themistokles, Scipio, Augustus haben durch Gerechtigkeit, Güte, Milde, Tapferkeit in notwendigen Kriegen, durch Geduld und Mäßigung beim Ertragen der Fehler von Kollegen und der Menge die größten Herrschaftsgebiete erlangt und glücklich regiert. Gemäß der Regel: „Durch Gerechtigkeit wird der Thron gefestigt.“
Im Gegensatz dazu sind durch Tyrannei, Zügellosigkeiten, Neid, Ehrgeiz, Vertrauen auf Bündnisse, innere Feindschaften und Zwistigkeiten die mächtigsten Königreiche und Staaten mit schrecklichen Katastrophen überschüttet und gestürzt worden. Wie Herodot auf der ersten Seite seines Geschichtswerkes erzählt: Dass bei den Kriegen zwischen Griechen und Barbaren mit den daraus folgenden ungeheuren Übeln die erste Ursache die hemmungslosen Begierden gegeben hätten, das heißt die Entführungen der Io, der Europa, der Medea und der Helena. Diese Beispiele beziehen sich auf die Regel des sechsten Gebotes und die ihr hinzugefügten Drohungen. Die Grausamkeit des Pharao, Astyages, Herodes, Phalaris; die Ehebrüche des Sextus Tarquinius, des Paris, des Valentinian, des Roderich; der Hochmut und die Rivalität des Crassus, Xerxes, Pompeius, Antonius; die Üppigkeit des Sardanapal, die Hartnäckigkeit des Perikles usw. haben Anlass zu vielen traurigen Leiden und Kriegen, zu Umwälzungen der Staaten gegeben. Diese Beispiele gehören zur Regel: „Wegen der Ungerechtigkeit wird das Königreich von einem Volk auf das andere übertragen.“ Ebenso: „Denn die übrigen Königreiche stürzt die Üppigkeit mit ihren Lastern, den Feindschaften und dem Hochmut um.“ Und sie ermahnen die Lenker, dass sie diese Keime und Ursachen der öffentlichen Katastrophen klug voraussehen und eifrig meiden.
Denn wie im Menschengeschlecht immer dieselbe menschliche Natur bleibt, so kehren auch dieselben Geschäfte, Überlegungen, Gelegenheiten und Ereignisse, dieselben Katastrophen und Leiden in der Lenkung des Staates und des Privatlebens wieder. Nur die Personen treten in den einzelnen Zeitaltern jeweils neue an ihre Stelle. Und so ist die Geschichte wahrhaftig, wie Thukydides sagt, „ein Besitz für immer“, das heißt ein ewiger Schatz an Beispielen, ein ausgeprägtes Bild des gesamten menschlichen Lebens, auf alle Zeiten der Welt passend. Sie ist höchst nützlich für alle, die sowohl die Wahrheit der früher geschehenen Dinge betrachten als auch ähnliche Vorgänge, die, wie es sich um menschliche Dinge handelt, dieselben oder ähnliche immer wiederkehren, richtig beurteilen wollen.
Und nicht nur für die Ratschläge des Gemeinwesens, sondern auch für die richtige Lenkung des Privatlebens und der Sitten ist die Lektüre der Geschichtswerke äußerst nützlich. Sie enthält leuchtende Beispiele aller Tugenden, die großmütigen Seelen wunderbar zur Liebe zur Tugend entflammen, und andererseits die unglücklichen Ausgänge aller Laster und ungerechten Pläne und die schrecklichen Strafen der Verbrechen. Und vor allem ermahnen uns die Wechselfälle des Schicksals und die schrecklichen Stürze der Stolzen und Mächtigen angesichts unserer großen Gebrechlichkeit zur Bescheidenheit und Gerechtigkeit, damit wir nicht, von Hochmut und Vertrauen auf unsere Weisheit oder Macht aufgeblasen, ungerechte oder nicht notwendige Dinge in Gang setzen. Ganz nachdrücklich ermahnt Diodor Sizilier zu diesem Nutzen der Geschichtslektüre: „Wer mit Wohlwollen die Ungleichmäßigkeit des menschlichen Lebens bedenkt und die von beiden Seiten her erfolgenden Strömungen des Schicksals mit Staunen betrachtet, der wird niemals im Vertrauen auf die jeweiligen Glücksgüter und Machtstellungen einen über die menschliche Schwachheit hinausgehenden Stolz annehmen. Denn das gemeinsame Leben, wie von einem göttlichen Steuermann gelenkt, durchkreist in unablässigem Wechsel mit Gütern und Übeln die ganze Zeit. Darum ist nichts so sehr wider Erwarten geschehen, dass man nicht vielmehr das Kommende fürchten müsste. Daher würde man mit Recht die Geschichte betrachten; denn durch die Ungleichmäßigkeit der Taten und den Wechsel wird der Hochmut der Glücklichen und die Mutlosigkeit der Unglücklichen zurechtgerückt.“
Und dies ist der hervorragende und reichhaltigste Nutzen der Geschichte, den Cicero mit zwei Worten umfasst, wenn er die Geschichte die „Meisterin des Lebens“ nennt.
Aber die Geschichte ist nicht nur Meisterin des bürgerlichen Lebens, sondern sie enthält auch die Quellen des christlichen und geistlichen Lebens, das heißt der wahren Erkenntnis Gottes, und unserer ganzen Religion, und sie ist vor allem für die Kirche Christi notwendig. Denn die gesamte Lehre von Gott ist in den Büchern der Propheten und Apostel in geschichtlicher Ordnung überliefert. Und es gibt keine andere Geschichte, die älter ist als die Bibel und die eine fortlaufende und sichere Reihe von Jahren und Ereignissen von der ersten Schöpfung an bewahrt hätte. Gott will nämlich, dass wir die Anfänge der Welt und der Kirche wissen, sowie den Ursprung und die Ausbreitung der ersten und wahren Religion, die in der Kirche durch ein bestimmtes Wort und leuchtende Zeugnisse von Wundern geschehen ist, damit wir nicht etwa gottlose Meinungen und Aberglauben, die mit jener Lehre streiten und in späteren Jahrhunderten in die Welt eingedrungen sind, annehmen. Er will, dass wir wissen, welche, wo und wie die Kirche Christi zu allen Zeiten gewesen ist, wie sie gesammelt, verteidigt und mitten im Untergang der Reiche bewahrt worden ist, welche Lehrer, hervorragende Zeugen der Wahrheit, welche Kämpfe und wunderbare Befreiungen sie gehabt hat. Er will, dass wir die Zeiten der ersten Einweihung, der erneuerten Verheißung von Christus dem Mittler, und der Ankunft Christi im Fleisch und der Rückkehr zum letzten Gericht wissen. Schließlich hat Gott die Weltreiche in der Welt vor allem zu dem Zweck unterschieden und gewollt, dass die Geschichten der Reiche geschrieben werden, damit die Reihe der göttlichen Offenbarungen, die Geschichte der Kirche, desto deutlicher würde. Damit wir sie aber richtiger verstehen und auslegen können, ist es notwendig, dass auch die Geschichten der Heiden gelesen und mit jener verglichen werden.
Daniel hat die Reihe der vier Weltreiche in Kapitel 2 und 7 vorausgesagt. Er hat die Kriege beschrieben, welche die Nachfolger Alexanders des Großen, vor allem die syrischen und ägyptischen Könige, miteinander geführt haben, in Kapitel 11. Durch diese Weissagungen ist es offenkundig, dass ein besonderes Licht hinzutritt, wenn man die Geschichten der Reiche vergleicht, die Herodot, Diodor Sizilier, Polybios und andere beschrieben haben. Des Kyros, des Königs der Perser, wird bei Jesaja, Esra und in den Chronikbüchern gedacht. Jeremia gedenkt des Pharao Necho und des Apries. Esra, Haggai und Zacharias nennen Darius Hystaspes. Dass diese Stellen der Propheten durch die Geschichten Herodots höchst erhellt werden, wissen alle Gebildeten. Nichts will ich jetzt von den siebzig Wochen sagen, von denen es offenkundig ist, dass sie ohne genaue Kenntnis der Geschichten und Zeiten der persischen und griechischen Weltreichs nicht berechnet werden können.
Sehr viel tragen auch zur richtigen Entscheidung der meisten kirchlichen Streitigkeiten die Kenntnis des Altertums und die Akten und Urteile der alten Synoden bei. Denn wenn auch unser Glaube sich nicht auf die Urteile der Menschen und die Autorität von Synoden stützt, sondern allein auf das Wort Gottes, das die einzige Richtschnur und Norm der Wahrheit ist: so wie ein Schiff fester steht, wenn es auf zwei Ankern ruht, so werden, wenn zu dem Zeugnis der göttlichen Stimme das übereinstimmende Urteil der alten und reineren Kirche hinzukommt, nicht nur fromme Gemüter mit einzigartiger Freude erfüllt, sondern auch unser Glaube nicht wenig gestärkt, wie aus den Auseinandersetzungen unserer Zeit gegen die Wiedertäufer und die Päpstlichen treffende Beispiele hervorgehen.
Der Unterschied zwischen der Kirchengeschichte und der heidnischen Geschichte sei an dieser Stelle auch betrachtet, den wir in sechs Punkten zusammenfassen werden.
Erstens: Die Heilige Geschichte übertrifft das, was sie beschreibt und behandelt, an Güte, Vortrefflichkeit und Majestät. Sie legt nicht bloß Erzählungen von den Taten der Menschen dar und ermahnt auch nicht allein über die Ratschläge und Handlungen des bürgerlichen Lebens, wie man es recht und anständig lenken und die Laster und Strafen meiden soll, wie es die heidnische Geschichte tut; sondern sie belehrt den Leser über viel größere Dinge, die zur wahren Erkenntnis Gottes und zu unserem ewigen Heil gehören, und beschreibt vor allem die Taten der göttlichen Majestät und der Kirche selbst. Sie enthält nämlich die Lehre vom wahren Gott, dem Schöpfer aller Dinge, dem ewigen Vater, Sohn und Heiligen Geist, vom Wesen und Willen Gottes uns gegenüber, von der Erschaffung der ersten Menschen nach dem Bild Gottes, von der ersten Ursache der Sünde, aller Leiden und des menschlichen Todes, von Christus, dem verheißenen Erlöser, damit er Sünde und Tod aus der menschlichen Natur hinwegnehme, von der Vergebung der Sünden und der Versöhnung mit Gott, von der Leitung des Heiligen Geistes, der alle Ratschläge und Handlungen des Lebens lenkt, vom wahren Trost im Kreuz und in allen Mühsalen, von der wahren Kirche Gottes, die und wo und wie sie zu allen Zeiten gewesen ist, von der Unsterblichkeit, von der Auferstehung der Leiber und vom ewigen Leben und Herrlichkeit der Kirche. Über diese so großen Dinge belehrt uns die Heilige Geschichte, die allen Heiden unbekannt sind.
II. Sie unterscheiden sich in den Beschreibungen der Reiche. Die Heiden zählen nämlich die Ursprünge, Kriege, Veränderungen und Untergänge der Reiche dieser Welt auf, bezüglich derer sie selbst aber zweifeln, ob sie von Gott eingesetzt werden und bewahrt bleiben. Die Heilige Geschichte aber beschreibt vor allem das ewige und geistliche Reich Christi, des höchsten Königs. In diesem sammelt er sich durch den Dienst des Evangeliums zu allen Zeiten der Welt die ewige Kirche, von der er recht erkannt und angerufen wird. Diese Kirche, die in diesem Leben vom Kreuz und von den Verfolgungen der Teufel und der Weltreiche bedrückt wird, verteidigt und bewahrt er wunderbar; er regiert und lenkt sie nicht mit Waffen oder leiblichen Schutzmitteln, sondern mit seinem Wort und dem Heiligen Geist, und die von den Toten Auferweckte wird er schließlich mit ewigem Leben und Herrlichkeit schmücken. Diese wunderbare Sammlung, Lenkung, Verteidigung und Bewahrung der Kirche ist vor allem bei der Lektüre der Heiligen Geschichte zu bedenken.
Von den übrigen Herrschaften und Reichen dieser Welt aber lehrt die Heilige Geschichte, dass sie Gottes Werke sind und von Gott beschützt und bewahrt werden, solange sie dauern, damit sie Herbergen der Kirche seien. Auch werden gute und heilsame Fürsten von Gott beschützt. Die Tyranneien, Lästerungen und andere schwere Verbrechen aber werden von Gott durch Veränderungen und durch den Untergang der Reiche bestraft, wie es bei Daniel Kapitel 2 heißt: „Gott überträgt und befestigt die Reiche.“
III. Die Heilige Geschichte übertrifft durch ihre Beispiele, und zwar nicht nur durch die Beispiele der bürgerlichen Tugenden, die in der zweiten Tafel des göttlichen Gesetzes von den Fürsten und Privatleuten gefordert werden, sondern viel mehr durch die Beispiele der geistlichen Tugenden, die der Kirche Christi eigen sind: des wahren Glaubens und der Anrufung Gottes, der wahren Gottesfurcht, der Geduld, des Bekenntnisses, der Hoffnung, der wahren Buße, das heißt der Hinwendung zu Gott, die in den Geschichten Abrahams, Davids, des Täufers, des Paulus und der übrigen Heiligen hervorleuchten. Sie bietet nicht nur Beispiele des Gesetzes und des Zornes Gottes gegen die Sünden dar, sondern auch Beispiele des Evangeliums, das heißt der Gnade und Barmherzigkeit Gottes gegenüber den Sündern – David, Manasse, Petrus usw. –, die voll des Trostes sind, und wunderbare Zeugnisse der Gegenwart Gottes in der Kirche und in den Reichen, besonders in der Lenkung und Beschützung der Frommen.
IV. Die Heilige Geschichte übertrifft durch ihre leuchtenden Weissagungen über die Ordnung und Aufeinanderfolge der vier Weltreiche und der anderen Königreiche der Welt; über die Zeit der Ankunft, Lehre, Leiden, Tod und Auferstehung des verheißenen Königs Christus; ferner durch die Wunder, die der göttlichen und allmächtigen Natur eigen sind, durch welche die Wahrheit und Gewissheit der Heiligen Geschichte, der ganzen Religion und der christlichen Lehre bestätigt worden ist. Und wenn das Ereignis den Vorhersagungen über die Reihe der Reiche, über die Ankunft Christi und Ähnliches sicher entsprochen hat, so ist kein Zweifel, dass auch die übrigen Weissagungen über das Ende der Welt, das jüngste Gericht und die ewigen Belohnungen und Strafen, die noch eintreten werden, mit unzweifelhaftem Erfolg bestätigt werden.
Außerdem übertrifft die Heilige Geschichte alle heidnischen an Alter. Denn es gibt bei den Heiden keine Geschichte, die älter ist als die des Herodot, und auch keine sichere und fortlaufende Reihe von Jahren und Taten. Herodot aber beginnt seine Geschichte mit Gyges, dem König der Lyder, der 180 Jahre vor der Monarchie des Kyros regierte, und er begann zusammen mit Manasse, dem König der Juden, im Jahr der Welt 3246 zu regieren. Um eben diese 3246 Jahre geht also der Anfang der Geschichte des Mose der heidnischen voraus. Wenn auch in den griechischen Gedichten über Dinge, die etwas älter sind als Gyges, der König der Lyder, wie über den Argonautenzug, die Tragödie des Ödipus, den Trojanischen Krieg usw., gewisse Erzählungen aufgeführt werden, so fehlt ihnen doch jede sichere Unterscheidung der Jahre, ausgehend vom Anfang der Welt; und über die ganze dazwischenliegende Zeit von 500 Jahren ist in den Denkmälern der Griechen so gut wie nichts der Erinnerung überliefert.
Und es gibt keine andere Geschichte im Menschengeschlecht, die den Anfang der Welt, eine sichere und fortlaufende Reihe von Jahren vom Beginn der Welt an, die Ursprünge und Wanderungen der Völker und den Ursprung und die Ausbreitung der wahren und ältesten Religion, geschehen mit gewissen Zeugnissen, beschreibt, außer eben dieser Geschichte des Mose und der Propheten, welcher sogar die heidnischen Erzählungen beipflichten.
Bisher habe ich dargelegt, welchen Nutzen die Lektüre der Geschichtswerke dem gemeinsamen Leben der Menschen und der Kirche Gottes bringt, und ich habe den Unterschied zwischen der heiligen und der heidnischen Geschichte gezeigt. Nun will ich die übrigen Nutzen der Geschichte ganz kurz anfügen.
Es gibt zwei höchste und eigentümliche Gaben des Menschen, die Werkzeuge und Zierden für die Lenkung des Lebens und die vornehmsten Ziele unserer Studien: Verständnis (Einsicht) und Fähigkeit zur Darstellung (σύνεσις καὶ δύναμις ἑρμηνευτική), das heißt die Klugheit, über alle Dinge richtig zu urteilen, und die Fähigkeit, gut zu reden, also Weisheit und Beredsamkeit. Dass diese beiden Tugenden, von denen Lucian sagt, dass der Geschichtsschreiber sie von zu Hause mitbringen müsse, durch die Lektüre der Geschichtswerke sehr gefördert, vermehrt und geschmückt werden, ist offenkundig. Denn die Geschichtswerke bilden und schmücken vielfältig das Urteil, das heißt die Weisheit, die die Ratschläge und Handlungen des Lebens lenkt, wie wir am Anfang gezeigt haben; und die Fähigkeit zu reden wird bekanntlich durch die Nachahmung der beredten Geschichtsschreiber vermehrt. Und die vornehmsten und leuchtendsten Lichter der Rede sind die Beispiele aus der Geschichte, die vor allem zum Belehren, Beweisen, Erfreuen, zur Fülle und zum ganzen Schmuck taugen und in der ganzen Rede wie die hellsten Sterne leuchten.
Ferner sind fast alle Künste nicht so sehr aus den eingepflanzten Grundsätzen der Natur, sondern vielmehr aus der Geschichte wie aus einer erhabenen und immerfließenden Quelle hervorgegangen, und ohne die Geschichte können sie nicht bestehen. Die gesamte Theologie, das heißt die Lehre von Gott, ist in der Geschichte des Mose, der Propheten, Christi und der Apostel dargelegt enthalten. Das bürgerliche Recht ist zum größten Teil aus der Geschichte der alten römischen Gesetze, der Edikte der Prätoren, der Gutachten der Rechtsgelehrten, der Verfassungen der Kaiser usw. zusammengesetzt, wie auch jenes berühmte und mit vielen Geschichten gefüllte Gesetz des Pomponius über den Ursprung des Rechts am Anfang der Digesten zeigt. Auch die Heilkunst sei aus der Geschichte und der Sammlung von Erfahrungen hervorgegangen, bezeugt Plinius. Was soll ich von der Naturkunde sagen, deren vorzüglichster, angenehmster und nützlichster Teil die Geschichte der Tiere und Pflanzen ist? Daher hat Plinius seinem ganzen Werk, in dem er die gesamte Natur der Dinge umfasst hat, den Titel „Naturgeschichte“ gegeben. Auch die Moralphilosophie wird durch die Beispiele der Geschichtswerke sehr erhellt, und dass die Gemüter viel wirksamer durch Beispiele als durch Vorschriften zur Tugend angetrieben werden, erfahren wir alle. Daher bedarf es bei einer so offensichtlichen Sache nicht vieler Worte.
Die Notwendigkeit der Geschichte im ganzen Leben erkennen die Lebenden auch daraus, dass niemand seine Vorfahren kennen, niemand sein Recht oder seine Privilegien wissen und behaupten, niemand sein Eigentum sicher und bestätigt haben könnte, wenn nicht durch die Wohltat der Geschichte, das heißt die Denkmäler der alten Dinge.
Schließlich: Die eigene Gabe des Menschen ist die Erkenntnis und Erinnerung der vergangenen Dinge, das heißt die Erforschung des Altertums und der vor unserer Zeit geschehenen Taten. Dabei betrachtet er zugleich deren Ursachen, Anlässe, Fortgänge und Ereignisse, vergleicht mit den gegenwärtigen Vorgängen Ähnliches aus dem ganzen Altertum und ersieht daraus klug voraus die künftigen Fälle. Vor allem dadurch übertrifft der Mensch, weil er der Vernunft teilhaftig ist, die übrigen Lebewesen, die sich nur um die Gegenwart kümmern und fast keine Vorahnung der zukünftigen Dinge oder keine Erinnerung an vergangene Zeiten haben.
Ganz und gar würde aber im Menschengeschlecht die Erinnerung an die alten Dinge und an die vor unserer Erinnerung geschehenen Taten erlöschen, wenn sie nicht durch die Denkmäler der Literatur und der Geschichte festgehalten würden. Wahrhaftig also ist die Geschichte der Zeuge der Zeiten, das Licht der Wahrheit, das Leben der Erinnerung, die Meisterin des Lebens, die Botin der Vergangenheit, wie Cicero sie bestimmt. Und Herodot bezeugt in der Eingangshalle seines Werkes, dass er seine Geschichte mit dem Ziel geschrieben habe, „damit das, was geschehen ist, im Laufe der Zeit nicht aus dem Gedächtnis der Menschen schwinde“.
Und nichts ist für einen guten Geist angenehmer, als den Ursprung und die Ausbreitung des ganzen Menschengeschlechts, die Reihe aller Zeiten und Weltreiche und alle bedeutenden Veränderungen der Welt, wie sie in den Geschichten dargelegt sind, zugleich im Geiste zu betrachten und ständig vor Augen und Blicken zu haben.
Wer also sich in den Wissenschaften zu tummeln wünscht, der bemühe sich am Anfang nach der Vorschrift des Polybios, die ganze Weltgeschichte „unter eine einzige Übersicht zu bringen oder sie leibhaftig zu machen“, das heißt mit einem einzigen Blick zu umfassen und wie in einen Körper zusammengefasst geistig zu erfassen. Denn wie in den übrigen Künsten die Summe der ganzen Lehre am Anfang, in kurzen Abriss zusammengefasst, am richtigsten gelernt wird: so ist auch bei der Lektüre der Geschichtswerke zuerst ein kurzer Abriss, eine Chronik, die die Reihe aller Zeiten, Reiche und vornehmsten Veränderungen des Menschengeschlechts umfasst, aus dem Büchlein des Carion oder einem ähnlichen genau zu erkennen.
Dann sollen die Lernenden wissen, dass es zwei gleichsam Augen der Geschichte gibt: die Kenntnis der Orte und der Zeiten, das heißt die Topographie und die Chronologie. Diese lenken und leiten wie der Hundsstern (Cynosura) und der Faden der Ariadne die Leser, die sich auf dem Meer der Geschichten und den Labyrinthen der Taten bewegen, damit sie zum erwünschten Hafen der Lektüre leichter gelangen können.
Die Lage und die Abstände der Gegenden und Orte, an denen die Taten geschehen sein sollen, können aus den geographischen Tafeln sehr leicht erkannt werden. Daher gebe es keinen unter den Lernenden, der nicht die Tafel von Palästina (äußerst nützlich für die Lektüre der Heiligen Geschichte), die Tafel von Griechenland (die das Licht aller Dichter und Geschichtsschreiber ist) und die Täfelchen von Honter besitze und täglich einschaue.
Die Reihe der Weltzeiten und aller Reiche der Geschichte ist in der Chronologie des Funck aufs Passendste verteilt. Und es gibt zu dieser Zeit keine bessere und reichhaltigere Chronologie.
Damit die Reihe aller Zeiten und Geschichten leichter ständig im Geiste herumgetragen und vor Augen gehalten werden kann, ist es nützlich, den Spruch des Elias zu kennen, der die ganze Weltzeit in sechs Jahrtausende einteilt und im Thalmud der Juden, Teil 4, Buch 2, 5 zitiert wird, oder die folgende Tafel der Weltjahre auswendig zu lernen, aus der über die Zeiten der größten Dinge in der Welt vieles geurteilt werden kann.
[…]
De lectione historiarum recte instituenda
Ut totum hoc pulcherrimum Mundi theatrum, caelum, lumina, stellas, elementa, plantas, animantia, et nostros ipsorum animos ac corpora condidit Deus, et vult ea a nobis aspici, et impressa illis divinae bonitatis et sapientiae vestigia considerari: Qua aspectio et consideratio perpetuorum aut certis vicibus renascentium mundi corporum, Historia naturalis ab eruditis appellatur: Ita etiam Rerum, quae in hoc mundi Theatro, a Deo et hominibus illius incolis, animadversione et memoria digna, ab initio ad nostram usque aetatem, actae et gesta sunt, seriem continuam in Historia Mundi conservavit: In qua, velut in Tabula pictum, aut velut in excelsa specula collocati, oculis nostris subiectum cernamus, et contemplemur quicquid in orbe terrarum, inde usque a prima creatione, memorabile gestum est.
Voluit enim Deus harum maximarum rerum memoriam, ut Mundi et Ecclesiae initia, originem, lapsum, et reparationem humani generis, promissionem de Christo, et ceteras patefactiones Dei in Ecclesia editas, poenam diluvii, constitutionem et deletionem Politiae Iudaicae, Seriem quatuor Monarchiarum, et praecipuorum in mundo regnorum, Regnum Christi, &c. inter homines conservari, et ad posteritatem transmitti.
Plane autem extingueretur in genere humano memoria rerum maximarum, quae ante nostram aetatem in Ecclesia et Imperiis acciderunt, nisi litterarum et Historiae monumentis consignarentur. Itaque Deus ipse primam et antiquissimam Historiam per Mosen scripsit: et Herodotus, qui e vestigio Propheticis monumentis succedit, se eo consilio historiam scripsisse testatur, ὡς μὴ τὰ γενόμενα ἐξ ἀνθρώπων τῷ χρόνῳ ἐξίτηλα γένηται, ne ea, quae in mundo gesta sunt, ex hominum memoria cum tempore exolescant. Vere igitur Historia est testis temporum, lux veritatis, vita memoriae, magistra vitae, nuntia vetustatis, ut Cicero verissime simul et gravissime definit.
Relictis autem ceteris quatuor, quae idem fere valent, et primam hanc et praecipuam historiae utilitatem illustrant, Encomiis: Alterum membrum paulo attentius in hoc lectionis vestibulo expendemus, Quod Vitae magistram Cicero historiam appellat: Quam laudem in Ecclesia Dei, soli Deo, seu voluntati et legi divinae tribuimus.
Aeterna enim sapientia et regula iustitiae in Deo, ad quam velut ad normam omnia hominum consilia actiones dirigi debent, est Lex Dei seu Decalogus, cuius praecepta sunt radii sapientiae, lucentis in mente divina, discernentis semper immoto honesta et turpia, transfusi in mentes hominum, et ipsius Dei voce in monte Sinai illustrati, ut Deum auctorem nobis monstrent, qualis sit Deus, et quibus officiis a nobis coli velit, ostendant, et hominum vitam gubernent regant.
Sunt autem HISTORIAE magna ex parte, nihil aliud, quam huius sapientiae divinae, seu Legis Dei, gubernaticis imperiorum et vitae privatae, Exempla illustria, in Dei ipsius et summorum regum et civitatum, et magnorum virorum rebus gestis expressa: Quae fere conspectiora sunt: et cum horribiles iniustorum consiliorum ac scelerum poenas, recte factorum praemia commemorent, multo efficacius, quam nuda praecepta, rudiorum animos, ad fugienda scelera, imitationem recte factorum, et colendam iustitiam et ceteras virtutes, accendunt et impellunt.
Valde igitur utile est in lectione Historiarum, Exempla omnium humanorum officiorum, tamquam in illustri posita loco, prudenter accommodare ad Regulas, seu Leges vitae: Quarum haec prima et summa est, quae affirmat, vere esse Deum, conditorem et inspectorem Imperiorum et vitae hominum, omnipotentem et iustum, qui flagitet, praemiis ornet, timorem sui, iustitiam, obedientiam, et horribiliter puniat impietatem, iniurias, tyrannidem, superbiam, libidines, alia scelera: καὶ θεῷ ἀεὶ ξυνέπεσθαι Δίκην, τῶν ἀπολειπομένων τὸ θεῖον νόμον, τιμωρόν.
Ad hanc communem regulam HERODOTUS totam belli Troiani historiam refert, cum inquit: Excidium Troiae docere, ὅτι τῶν μεγάλων ἀδικημάτων μεγάλαι εἰσὶ καὶ αἱ τιμωρίαι παρὰ θεῶν. Et in Terpsichore hanc generalem regulam, ad regendos mores utilissimam recitat, οὐδεὶς ἀνθρώπων ἄδικον τίσιν οὐκ ἀποτίσει, id est: Nullus homo poenam sceleris reus effugit umquam.
Inprimis autem Gubernatoribus Reipublicae et Imperiorum, prosunt historiae, ut exempla bonorum et salutarium consiliorum, gubernationis Reipublicae officia, seu virtutes omnes in bono principe, seu magistratu necessarias: Et causas mutationis, eversionis regnorum et civitatum, horribilium bellorum et calamitatum publicarum observent. Sancti et Deo cari Reges: David, Iosaphat, Ezechias, Constantinus, Carolus Magnus, in tota gubernatione hunc sibi scopum praecipue proposuerunt, ut veram de Deo doctrinam, veros Dei cultus, studia litterarum Ecclesiae necessaria, honestam disciplinam, et pacem recte constitutis Ecclesiis, tuerentur et propagarent. Haec exempla nunc quoque boni principes in suis ditionibus gubernandis studeant imitari.
Cyrus, Deioces, Themistocles, Scipio, Augustus, iustitia, bonitate, clementia, fortitudine in bellis necessariis, patientia ac moderatione in tolerandis collegarum et vulgi erratis, amplissima imperia consecuti sunt, et feliciter ea gubernarunt. Iuxta regulam: Iustitia stabilietur thronus.
E contra Tyrannide, libidinibus, invidia, ambitione, fiducia foederum, intestinis odiis et dissidiis, potentissima regna et civitates horrendis calamitatibus obrutae et eversae sunt. Ut in prima Rationis pagina Herodotus narrat: Bellis inter Graecos et Barbaros ingentibus malis inde secutis, causam primam praebuisse vagas libidines, seu raptus Io, Europae, Medeae et Helenae. Quae exempla ad Regulam sexti praecepti, comminationes illi additas pertinent. Pharaonis, Astyagis, Herodis, Phalaridis crudelitas: Sexti Tarquinii, Paridis, Valentiniani, Roderici adulteria: Crassi, Xerxis, Pompeii, Antonii superbia et aemulatio: Sardanapali luxus, Periclis pertinacia, &c. occasionem multis tristibus miseriis et bellis, rerum publicarum mutationibus praebuerunt. Haec exempla ad regulam pertinent: Propter iniustitiam transfertur regnum de gente in gentem. Item: Nam cetera regna luxuries vitiis, odiisque et superbia vertit: Et admonet gubernatores, ut haec semina et causas calamitatum publicarum prudenter prospiciant et studiose vitent.
Semper enim in mundo, ut eadem hominum natura manet, sic eadem negotia, consilia, occasiones etiam et eventus, et eaedem calamitates ac miseriae, in gubernatione reipublicae, vitae privatae, redeunt: Personae tantum singulis aetatibus novae succedunt. Atque ita Historia vere est, ut Thucydides loquitur, κτῆμα ἐς ἀεὶ ξύγκειμενον, hoc est, perpetuus thesaurus exemplorum, expressa imago totius vitae humanae, ad omnia mundi tempora congruens: utilissima omnibus, qui et rerum antea gestarum veritatem considerare, et similia negotia, quae, ut sunt res humanae, eadem aut similia subinde redeunt, recte iudicare volent.
Nec vero ad reipublicae tantum, sed etiam ad Privatae vitae consilia et mores recte regendos, utilissima est historiarum lectio, quae omnium virtutum exempla illustria, et mirifice generosos animos ad virtutis amorem inflammantia: et rursus vitiorum omnium et iniustorum consiliorum exitus infelices et scelerum poenas horrendas commemorant. Ac inprimis fortunae varietas et superborum ac potentum casus horrendi, nos de ingenti nostra infirmitate admonent, hortantur ad modestiam et iustitiam, ne elati superbia et fiducia nostrae sapientiae aut potentiae, res iniustas aut non necessarias moveamus. Sicut gravissime de hoc lectionis Historiarum usu admonet Diodorus Siculus: Τὰ γὰρ ἐκὼν λαβὼν εὔνοιαν τῆς κατὰ τὸν ἀνθρώπινον βίον ἀνωμαλίας, καὶ καταπλαγεὶς τῶν ἐπ’ ἀμφότερα τὰ μέρη τῆς τύχης περιρροίας, οὐκ ἄν ποτε ταῖς κατὰ καιρὸν εὐτυχίαις καὶ ἐξουσίαις πιστεύσας, ἀναλάβοι φρόνημα μεῖζον τῆς ἀνθρωπίνης ἀσθενείας· ὁ γὰρ κοινὸς βίος, ὥσπερ ὑπὸ θείου τινὸς κυβερνώμενος, ἀναλλάξ ἀγαθοῖς τε καὶ κακοῖς κυκλεῖται πάντα τὸν αἰῶνα. Διόπερ παρὰ δόξαν ὅσον οὐδὲν γέγονε παράλογον, ἀλλ’ εἰ μὴ πολὺ δεῖ τοῦ γινομένου ἀπελπίσαι. Διὸ καὶ τὴν ἱστορίαν προσκόπως ἄν τις ἀπιδείξαιτο· τῇ γὰρ τῶν πράξεων ἀνωμαλίᾳ τῆς μεταβολῆς διορθοῦται τῶν μὲν εὐτυχούντων τὴν ὑπερηφανίαν, τῶν δ’ ἀκληρούντων τὴν ἀθυμίαν.
Atque haec primae historiae eximia et amplissima utilitas est, quam duobus verbis Cicero complectitur, cum Historiam vitae Magistram nominat.
Sed non civilis tantum vitae Magistra est Historia, verum etiam Christianae et spiritualis vitae, seu verae agnitionis Dei, et totius nostrae religionis fontes continet, et Ecclesiae Christi inprimis necessaria est. Nam tota doctrina de Deo, in libris Prophetarum et Apostolorum, ordine Historico tradita est. Nec ulla extat historia, Bibliis antiquior, quae continuam et certam annorum rerum seriem, inde usque a prima creatione conservarit. Vult enim Deus sciri a nobis, mundi et Ecclesiae initia: et primam ac veram religionis originem et propagationem, factam in Ecclesia certo verbo, illustribus testimoniis miraculorum: ne quas opiniones impias et superstitiones cum ea doctrina pugnantes, quae posterioribus saeculis in mundum irrepferunt, amplectamur. Vult sciri, quae, et ubi, et qualis semper fuerit Ecclesia Christi, quomodo collecta, defensa, et inter Imperiorum ruinas conservata sit, quos Doctores, testes veritatis eximios, quae certamina, et liberaciones mirandas habuerit. Vult sciri tempora primum aditae, instauratae promissionis de Christo Mediatore, et adventus Christi in carnem, et reditus ad extremum iudicium. Denique eo consilio praecipue Monarchias in mundo distinxit Deus, et Imperiorum historias scribi voluit, ut divinarum patefactionum series, Ecclesiae historia esset conspectior. Quam ut rectius a nobis intelligi et explicari possit: Ethnicorum etiam historias legi et cum illa conferri necesse est.
Praedixit Daniel seriem quatuor Monarchiarum cap. 2. 7. Descripsit bella, quae successores Alexandri Magni, et praecipue Reges Syriaci et Aegyptii inter se gesserunt, cap. 11. Hisce vaticiniis palam est lucem singularem accedere collatis imperiorum historiis, quas Herodotus, Diodorus Siculus, Polybius, et alii descripserunt. Cyri Persarum regis mentio fit in Esaia, Esdra, Paralipomenis. Ieremias meminit Necho Regis Aegypti et Apryis: Esdras, Aggaeus et Zacharias Darium Hystaspis nominant. Haec prophetarum loca Herodoti historiis plurimum illustrari omnes eruditi sciunt. Nihil iam de LXX. hebdomadibus dicam, quas sine accurata historiarum et temporum Monarchiae Persicae et Graecae cognitione, supputari non posse, manifestum est.
Plurimum etiam ad plerasque controversias Ecclesiasticas recte diiudicandas Antiquitatis notitia et veterum Synodorum Acta et Iudicia conducunt. Etsi enim fides nostra non nititur hominum iudiciis et auctoritate Synodorum: sed solo Dei verbo, quod unica veritatis regula et norma est: tamen ut navis stat firmius nixa duabus anchoris, ita cum ad vocis divinae testimonium, consentiens veteris et purioris Ecclesiae iudicium accedit, non modo voluptate singulari mentes piae afficiuntur, verum etiam fides nostra non parum confirmatur: ut ex disputationibus nostrorum temporum adversus Anabaptistas et Pontificios exempla illustria comparent.
DISCRIMEN etiam inter historiam Ecclesiae et Ethnicas hoc in loco consideretur: Quod sex capitibus complectemur.
Primum enim: Antecellit Sacra Historia RERUM, quas describit et tractat, bonitate, praestantia et maiestate. Non enim rerum ab hominibus gestarum narrationes tantummodo exponit, nec de consiliis et actionibus vitae civilis recte ac honeste regendis, et fugiendis vitiis ac poenis solummodo admonet, ut Ethnica Historia: sed de rebus multo maioribus et ad veri Dei agnitionem et aeternam salutem nostram pertinentibus, Lectorem erudit, et Divinae maiestatis et Ecclesiae ipsius res gestas potissimum describit. Continet enim doctrinam de vero Deo, conditore omnium rerum, aeterno Patre, Filio, Spiritu Sancto, de essentia et voluntate Dei erga nos, de creatione primorum hominum ad imaginem Dei, de prima causa peccati, omnium calamitatum et mortis humanae, de Christo Redemptore promisso, ut peccatum et mortem ex natura hominis tollat, de remissione peccatorum et reconciliatione cum Deo, de gubernatione Spiritus Sancti omnia consilia et actiones vitae regentis, de vera Consolatione in cruce et aerumnis omnibus, de vera Ecclesia Dei, quae et ubi et qualis omnibus temporibus fuerit, de Immortalitate, de resurrectione corporum et vita ac gloria Ecclesiae aeterna. De his tantis rebus nos Sacra Historia docet, quae omnibus Ethnicis ignota sunt.
II. REGNORUM descriptionibus differunt. Ethnici enim origines, bella, mutationes, interitus Regnorum huius mundi recensent: de quibus ipsis tamen dubitant, an a Deo instituta sint et conserventur. Sacra vero historia CHRISTI summi Regis aeternum et spirituale Regnum praecipue describit. In quo per ministerium Evangelii omnibus mundi temporibus colligit sibi aeternam Ecclesiam, a qua recte agnoscatur et invocetur: quam in hac vita pressam cruce et persecutionibus Diabolorum et regnorum mundi, mirabiliter defendit et servat, non armis aut praesidiis corporalibus, sed verbo suo et Spiritu Sancto regit et gubernat, et tandem resuscitatam ex morte ornabit vita et gloria aeterna. Haec miranda collectio, gubernatio, defensio et conservatio Ecclesiae inprimis in sacrae Historiae lectione consideranda est.
De ceteris vero huius mundi imperiis et regnis, Historia sacra docet ea Dei opera esse et a Deo defendi et servari, tatisper donec durant, ut sint hospitia Ecclesiae. Divinitus etiam protegi bonos et salutares Principes. Tyrannides vero, blasphemias et alia atrocia scelera puniri a Deo mutationibus et interitu regnorum, ut Danielis 2. dicitur: Deus transfert et stabilit regna.
III. Antecellit Historia sacra EXEMPLIS, non modo virtutum politicarum, quae in Secunda tabula Legis divinae a principibus et privatis flagitantur, sed multo magis virtutum Spiritualium et Ecclesiae Christi propriarum, verae fidei et invocationis Dei, veri timoris Dei, patientiae, confessionis, spei, verae paenitentiae seu conversionis ad Deum, quae in Abrahami, Davidis, Baptistae, Pauli et ceterorum Sanctorum historiis elucent. Nec tantum exempla Legis et irae Dei adversus peccata, sed etiam exempla Evangelii, seu gratiae et misericordiae Dei erga peccatores, Davidem, Manassen, Petrum &c. plenissima consolationis, et testimonia praesentiae Dei in Ecclesia et imperiis, et praecipue in gubernatione et defensione piorum miranda, proponit.
IIII. Antecellit Sacra Historia illustribus Vaticiniis de ordine et successione quatuor Monarchiarum et aliorum in mundo regnorum: de tempore adventus, doctrina, passione, morte ac resurrectione promissi Regis Christi: item Miraculis propriis naturae divinae et omnipotentis, quibus historiae sacrae et totius religionis et doctrinae Christianae veritas et certitudo confirmata est. Cumque eventus certo responderit praedictionibus de serie Imperiorum, de adventu Christi et similibus, non dubium est cetera quoque vaticinia de fine mundi et extremo iudicio et aeternis praemiis et poenis secuturis, non dubio eventu comprobatum iri.
Praestat etiam Historia sacra omnibus Ethnicis ANTIQUITATE. Nulla enim apud Ethnicos, Herodoti historia antiquior, series annorum et rerum gestarum certa et continua exstat. Incipit autem Herodotus historiam a Gyge Lydorum Rege, qui annos 180 Cyri Monarchiam antecessit: et cum Manasse Iudaeorum Rege anno mundi 3246 regnare coepit.
Tot annis videlicet 3246 Mosis historiae initium Ethnicam antecedit. Etsi enim in poematis Graecis de rebus Gyge Lydorum Rege paulo antiquioribus, ut de expeditione Argonautica, de Oedipi Tragoedia, de bello Troiano &c. narrationes quaedam recensentur, tamen certa annorum distinctione ab initio mundi deducta omnino carent: et de toto illo intermedio annorum 500 tempore nihil fere in Graecorum monumentis memoriae proditum est.
Nec ulla alia in genere humano Historia exstat, quae exordia mundi et certam ac continuam annorum seriem a mundi initio deductam, et Gentium origines ac migrationes, et verae ac antiquissimae religionis ortum et propagationem, certis testimoniis facta, describat, praeter hanc Mosis et Prophetarum historiam: cui etiam Ethnicae narrationes suffragantur.
Hactenus exposui, quas Utilitates communi hominum vitae et Ecclesiae Dei lectio Historiarum adferat: et discrimen historiae sacrae et ethnicae ostendi. Nunc ceteras Historiae utilitates brevissime attexam.
Duae sunt summae et propriae hominis dotes, vitae regendae organa et ornamenta, et studiorum nostrorum fines praecipui, σύνεσις καὶ δύναμις ἑρμηνευτική, hoc est, prudentia recte de rebus omnibus iudicandi, et facultas bene dicendi, seu Sapientia et Eloquentia. Has duas virtutes, quas scriptorem historiae domo secum adferre Lucianus iubet, plurimum etiam lectione historiarum iuvari, augeri et ornari manifestum est. Nam et iudicium, seu sapientiam gubernatricem consiliorum et actionum vitae, formant et expoliunt Historiae multifariam, ut initio demonstravimus: et dicendi facultatem imitatione eloquentium Historiae Scriptorum augeri constat. Et lumina orationis praecipua et maxime illustria sunt Exempla historiarum, quae ad docendum, ad probandum, ad delectandum, ad copiam et ornatum omnem inprimis valent, et in tota oratione velut stellae clarissimae fulgent.
Praeterea omnes fere artes, non tam ex principiis naturae insitis, quam ex Historia, tamquam ex augusto et perenni fonte, emanarunt, et sine historia constare non possunt. Tota Theologia, seu doctrina de Deo, in historia Mosis, Prophetarum, Christi et Apostolorum exposita continetur. Ius civile, maxima sui parte ex historia veterum Reipublicae Romanae Legum, Edictis praetorum, responsis prudentium, constitutionibus Principum &c. conflatum est, quod etiam celebris illa et plurimis historiis referta Lex Pomponii de origine Iuris in principio Digesti ostendit. Artem medicam quoque ex historia et memoria experimentorum collectam esse Plinius testatur. Quid de Physicis dicam, cuius praecipua et iucundissima et utilissima pars est Historia Animalium, Stirpium. Itaque Plinius toti operi suo, quo universam rerum naturam complexus est, Historiae naturalis titulum indidit. Moralem quoque philosophiam Historiarum exemplis plurimum illustrari, et multo efficacius animos ad virtutem exemplis quam praeceptis impelli, omnes experimur. Itaque pluribus verbis in re manifesta nihil opus est.
Necessitatem porro Historiae in omni vita hinc quoque deprehendi vives existimat, quod nemo maiores suos nosset, nemo ius suum aut privilegia scire posset et obtinere, nemini sua possessio certa et rata esset, nisi Historiae beneficio, seu rerum veterum monumentis.
Postremo: Propria hominis est cognitio et memoria rerum praeteritarum, seu investigatio antiquitatis et rerum ante nostram aetatem gestarum: Qua simul causas earum et occasiones ac progressus et eventus considerat, et cum negotiis praesentibus similia ex omni antiquitate comparat, futuros inde casus prudenter prospicit. Hac inprimis Homo, quoniam rationis particeps est, ceteris praestat animantibus, quae praesentia tantummodo curant, nec ullam fere vel futurarum rerum praesensionem vel praeteritorum temporum recordationem habent.
Plane autem extingueretur in genere humano memoria rerum veterum et ante nostram memoriam gestarum, nisi litterarum et historiae monumentis consignarentur. Vere igitur Historia est testis temporum, lux veritatis, vitae memoria, magistra vitae, nuntia vetustatis, ut Cicero definit. Et Herodotus in ipso Operis vestibulo: Se eo consilio Historiam scripsisse testatur, ὡς μὴ τὰ γενόμενα ἐξ ἀνθρώπων τῷ χρόνῳ ἐξίτηλα γένηται.
Nec quicquam bonae menti iucundius est, quam totius humani generis ortum et propagationem, temporum omnium ac Monarchiarum seriem, et omnes insignes mundi mutationes in historiis expositas, simul mente intueri et in conspectu ac ob oculos assidue habere.
Quisquis igitur in litteris cupiet versari, is initio, iuxta Polybii praeceptum, universam mundi historiam ὑπὸ μίαν σύνοψιν ἄγειν, ἢ σωματοποιῶν, hoc est, uno intuitu complecti et velut in corpus redactam animo comprehendere studeat. Ut enim in ceteris artibus initio summa totius doctrinae in compendium contracta rectissime discitur: Sic in historiarum etiam lectione principio Epitome brevis, seu Chronicon, complectens seriem omnium temporum et imperiorum et praecipuarum generis humani mutationum, ex libello Carionis vel simili, accurate cognoscendum est.
Deinde sciant studiosi DVOS velut OCVLOS historiae esse, Locorum et Temporum cognitionem, seu Topographiam et Chronologiam: quae velut Cynosura et Ariadnes filum Lectores in historiarum pelago et rerum gestarum Labyrinthis versantes regunt et gubernant, ut ad portum lectionis optatum facilius pervenire possint.
Regionum et locorum, in quibus res gestae esse scribuntur, situs et intervalla ex Tabulis Geographicis facillime cognosci possunt. Itaque nullus sit studiosorum, qui Tabulam Palaestinae, ad lectionem historiae sacrae inprimis utilem, et Tabulam Graeciae, quae omnium Poetarum et Historicorum lumen est, et Honteri Tabellas non habeat, quotidie inspiciat.
Temporum mundi et regnorum omnium ac historiarum series in Chronologia Funcii aptissime distributa est. Nec ulla hoc tempore melior et uberior Chronologia exstat.
Ut autem assidue circumferri in animo et in conspectu haberi omnium temporum et historiarum series facilius possit: Utile est, Eliae dictum nosse, quod universum Mundi tempus in sex millenarios distribuit, et in Iudaeorum Thalmud parte 4. lib. 2. 5. recitatur: vel sequentem TABELLAM ANNORUM MUNDI memoria complecti: ex qua de temporibus rerum in mundo maximarum multa iudicari possunt.
Quelle: David Chytraeus, De lectione historiarum recte instituenda. Rostock 1565.