Kurze Sprüche des Katechismus, wie ihn Doktor Martinus Luther in seinem Hause gelehrt hat
Die Zehn Gebote
1. Wie der Glaube ist, so ist auch Gott.
Gott bleibt nicht außen, ob er gleich verzieht.
Verzweiflung macht Mönche und Pfaffen.
Gott sorgt, wir aber sollen arbeiten.
Gott will das Herz allein haben.
Abgötterei ist Eigendünkel des Herzens.
Gott gibt durch Kreaturen.
2. Gottes Wort soll die Welt vor Augen stellen.
Man soll feiern um Gottes Wortes willen.
3. Gottes Wort ist unser Heiligtum und macht alle Dinge heilig.
Werke des Gehorsams soll man groß achten.
4. Väter heißen alle, die da regieren.
Seelenwärter sind zweifacher Ehre wert.
Obrigkeit untersteht nicht dem fünften Gebot.
5. Zorn ist jedermann verboten, außer der Obrigkeit.
Alle Ursachen des Todschlages sind verboten.
6. Ehestand geht vor allen durch alle Stände.
Der Ehestand ist nötig und geboten.
Ehestand wird verboten wider Gottes Gebot.
Ehestand ist ein seliger Stand und Gott wohlgefällig.
7. Stehlen heißt, was man mit Unrecht nimmt.
Untreue ist auch Dieberei.
Dieberei ist die häufigste Nahrung in der Welt.
Die großen Diebe sind ungestraft, wie der Papst mit den Seinen.
Untreue und Geiz gedeihen nicht.
8. Afterreden ist, in Gottes Gericht greifen.
Urteilen und übel reden gehört allein der Obrigkeit.
Man soll niemand verurteilen und tadeln hinter seinem Rücken.
Man soll alles zum Besten auslegen.
Kein gutes Werk ist außer den Zehn Geboten Gottes.
9. 10. Gott fürchten und vertrauen erfüllt alle Gebote.
Das erste Gebot treibt die andern alle.
Der Glaube
1. Der Glaube lehrt Gott erkennen und lehrt, was wir für einen Gott haben.
Den Glauben müssen wir üben in allerlei Fällen.
Gott gibt sich uns samt allen Kreaturen.
2. Den Artikel von Jesus Christus soll man immer treiben.
3. Der heilige Geist bringt uns Christus heim, der muß ihn uns offenbaren.
Wo der heilige Geist nicht predigt, da ist keine Kirche.
Des heiligen Geistes Werk geht immerdar.
Das Vaterunser
1. 2. Beten heißt Gott in Nöten anrufen, welches durch Gottes Gebot zum köstlichen Gut gemacht wird; und die Not macht Ernst und Andacht, welche unsere Waffen wider den Teufel sind.
3. Welt und Fleisch sind gegen Gottes Willen.
4. Der Teufel hindert das tägliche Brot und alle Gaben Gottes.
Gott sorgt täglich auch für unseren Leib.
Niemand kann in der Welt ohne Sünde leben.
Niemand kann eigene Frömmigkeit vor Gott bringen.
5. Wir müssen auch vergeben, wie uns Gott vergibt.
Dem Nächsten vergeben macht uns sicher und gewiß, daß uns Gott vergeben hat.
6. Auf dreierlei Weise werden wir versucht, von der Welt, dem Teufel und unserem Fleisch.
Anfechtung dient wider des Fleisches Sicherheit.
Anfechtung wird nicht durch eigene Kraft überwunden.
7. Der Teufel verhindert alles, was wir bitten.
Der Teufel denkt uns in allerlei Not zu bringen.
Die Taufe
Der Glaube ist geheftet an die Taufe.
Glaube muss etwas Äußerliches für sich haben.
Glaube macht die Person würdig.
Taufe ist nicht unser, sondern Gottes Werk.
Ewiges Leben an Leib und Seele wird durch die Taufe gegeben.
Gott bestätigt die Kindertaufe durch sein eigenes Wort.
Taufe ist recht, ob gleich jemand nicht glaubt.
Niemand soll auf seinen Glauben bauen.
Unglaube schwächt Gottes Wort nicht.
Taufe ist ein tägliches Kleid der Christen.
Abendmahl
Das Sakrament des Altars ist Gottes Ordnung.
Das Wort macht ein Sakrament.
Ohne das Wort ists lauter Brot und Wein.
Das Sakrament ist die Speise der Seele.
Vergebung der Sünden kriegt man allein durchs Wort.
Der Glaube empfängt Vergebung der Sünden.
Die sich dem Sakrament fernhalten, die sind nicht Christen.
Die Sakramente stehen nicht in unserer Würdigkeit.
Glaube und Natur sind widereinander.
Der Glaube hängt am Worte.
Wie man Christus hält, so hat man ihn.
Glaube ist der Christen Reichtum.
Das Evangelium ist Gottes Kraft.
Gute Werke
Gute Werke haben keinen Namen.
Der Christen Werke sind des Nächsten Nutz und Frommen.
Der Glaube und die Liebe tilgen die Sünden.
Die heilige Schrift tröstet nur, verbietet nicht gute Werke.
Christus ist ein allgemeines Gut.
Christen erbitten und begehren den Jüngsten Tag.
Gott bestätigt sein Wort auf mancherlei Weise.
Die Kirche hört niemand als Christus allein.
Christus ist eines geringen Standes und Ansehens.
In Trübsal soll man männlich sein.
Unser ganzes Leben soll männlich sein, Gott fürchten und vertrauen.
Der Glaube macht uns zum Erbgut Christi.
Christus ins Fleisch ziehen ist sehr tröstlich.
Wir sollen himmlische Ehre suchen und menschliche Verachtung nicht ansehen.
Christus gebiert uns aus Gnade.
Evangelium ist eitel Freude. Gnade verdammt alle eigene Gerechtigkeit.
Seligkeit ist uns ganz ohne unser Verdienst geschenkt und erworben.
Die Taufe gibt uns die Seligkeit ganz.
Glaube ist die Erneuerung des Geistes.
Die Wiedergeburt ist des heiligen Geistes Werk.
Die Natur kann Gottes Güter nicht begreifen.
Gute Werke sind des Glaubens Siegel und Probe; denn gleich wie die Briefe ein Siegel haben müssen, so muss der Glaube gute Werke haben.
Der Glaube sieht auf das Wort, nicht auf die Prediger.
Der Sprecher und das Wort sind zwei Personen.
Das natürliche Leben ist ein Stücklein vom ewigen Leben.
Eigendünkel verdirbt alle Dinge.
Das Evangelium kommt von Gott, zeigt Christus und fordert Glauben.
Evangelium ist ein Licht in der Welt, das die Menschen erleuchtet und zu Kindern Gottes macht.
Falsche Prediger sind ärger als Jungfrauenschänder.
Gerechtigkeit wird durch den Glauben und nicht durch Werke erlangt, macht fest im Glauben.
Durch Versuchung wird ein guter Prediger.
Ein Fürst ist ein Wildbret im Himmel.
Die Person muss gut sein, bevor Werke getan werden.
Wir müssen unverzagt sein, glauben und anrufen.
Kein Stand gilt, vor Gott fromm zu machen.
Der Glaube leidet nicht Menschensatzung im Gewissen.
Die Heiligen haben als Menschen oft geirrt.
Ämter soll man von der Person scheiden.
Strafe hasst man, aber die Sünde liebt man.
Gott erhält die Heiligen auch mitten im Irrtum.
Kein großer Heiliger hat ohne Irrtum gelebt.
Ein christliches Leben besteht in drei Stücken, im Glauben, in der Liebe und im Kreuz.
Den Christen gebietet man nichts, sondern man vermahnt sie.
Wir müssen unsern Sinn und Willen brechen.
Die Liebe flucht nicht, sondern der Glaube; denn der Glaube macht zu Kindern Gottes, darum straft und zürnt er.
Deshalb ist alle Rache unter den Christen aufgehoben, die sollen in den Früchten des Geistes wachsen und zunehmen, unter welchen die Liebe am größten ist, denn sie geht mit den Menschen um.
Vergebung der Sünde ist eine Frucht des Sakraments. Vernunft versteht nicht, dass Christus unser Bruder ist. Christus ist mir geschenkt mit allen seinen Werken. Christus kommt zu uns durch die Predigt, so ist er mitten unter uns.
Ohne Kreuz kommen wir nicht zur Herrlichkeit.
Das Evangelium kann nicht ohne Rumor gepredigt werden.
Der heilige Geist macht einen Menschen nicht so bald vollkommen, sondern er muss wachsen.
Am Evangelium verliert man nichts, darum sollen wir alles daransetzen.
Dem Evangelium glauben löst von Sünden.
Werke gehören dem Nächsten, der Glaube Gott.
Die andere richten, verdammen sich selbst.
Zweifel ist Sünde und ewiger Tod.
Ein gutes Werk ist das, was anderen wohltut.
Alsdann erst erkennen wir Christus, wenn er in eines jeglichen Herzen selbst Lehrmeister ist und wenn er uns das Brot bricht.
Gottes Wort zündet die Herzen an zu glauben.
Glaube heißt auf die Barmherzigkeit gewiss trauen und bauen.
Christus fordert nicht äußerliche Frömmigkeit noch Gleisnerei, sondern des Herzens Frömmigkeit.
Aus Barmherzigkeit werden wir selig, so wir darauf vertrauen; Gott aber muss die Herzen ändern.
Das Gesetz ist nichts anderes als ein Spiegel.
Ein Pfarrherr ist gleich wie ein Spitalmeister.
Christus trägt uns auf seinem Rücken vor den Vater. Die Liebe ficht nicht Undankbarkeit an.
Sakrament
Das Sakrament ist ein Zeichen eines heiligen Dinges; wie das Kindlein ins Wasser tauchen oder damit begießen ein Zeichen der Taufe ist.
Die Buße ist ein Sakrament und ist Reue und Leid, Beichte und Absolution, und das ist die Definition der Buße.
Der Baum muss zuvor gut sein, ehe er gute Früchte trägt.
Gottes Güter, die wir haben, sollen wir groß achten, uns selbst aber gering.
Christus will, dass alle Menschen selig werden, das ist: er allein macht sie alle selig, er ist allein das Licht, das alle Menschen erleuchtet.
WA.TR 5, Nr. 6287 (S. 574-581). Catechismus seu doctrina christiana. Catechismus in domo Lutheri praedicatus, cuius haec sunt themata.
Quelle: Luther Deutsch. Die Werke Luthers in Auswahl, hrsg. v. Kurt Aland, Bd. 9: Tischreden, Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1983, S. 110-117.