Da hat Martin Luther bei der Geschichte von Jüngling zu Nain in Lukas 7,14 das griechische Wort σορός (Hapaxlegomenon) bzw. das lateinische loculus („Kästchen“) zeitgenössisch kontextualisiert, indem er in seiner Bibelübersetzung von einem „Sarck“, also von einem Sarg gesprochen hatte, in welchem der Verstorbene aus der Stadt herausgetragen worden ist.
Das griechische σορός steht in einer nicht näher definierten Form für ein Behältnis, das auch einen Toten bergen kann (vgl. Gen 50,26 bzw. Ijob 21,32 LXX). Im Kontext der Geschichte von Jüngling zu Nain kann jedoch kein steinerner sarkophágos „Fleischverzehrer“ und auch kein geschlossener Holzsarg gemeint sein. Zur Zeit Jesu waren Särge nicht Teil der üblichen jüdischen Bestattungspraxis. Beim σορός handelt es sich offensichtlich um eine nach oben hin offene Bahre, auf der der in Tüchern eingehüllte Leichnam lag.
Wäre mit Luther der Verstorbene tatsächlich in einem verschlossenen Sarg gelegen, hätte nicht erzählt werden können, das dieser sich auf Jesu Wort hin aufgerichtet hatte. Von einer „Sargsprengung“ ist jedenfalls keine Rede. Korrekterweise sprechen die Einheitsübersetzung und die Zürcher Bibel, wie schon die King James Version (bier), von einer Bahre.
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